201. Zayrqang.
SanauerW Anzeiger
General-Anzeiger für die Kreise Kanan Stadl und Land.
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Mèl woch den 2. Juni
1926
Vvian-s Gviols in der Mamm«.
Vertagung der Mnanzdebatte mit 313 gegen 147 Stimmen.
Paris, 1. Juni. Die Spannung, mit der M weit über die politischen Kreise hinaus du heutigen Sitzung der Kammer entgegen« ist nicht ganz auf ihre Kosten gekommen. Trotz des stürmischen Verlaufs und der heutigen Lärmszenen, in denen sich die seit Tagen Mgesammelte Nervosität des Hauses entlud, geb es keine jener dramatischen Zuspitzungen, die sonst die Nähe einer politischen Krise an« Eigen pflegen. Nach den Beschlüssen, die deute morgen die radikal-soziale Fraktion ge« feßt hatte, und nach der Unterredung, die eine von ihr geführte Delegation unmittelbar vor dem Zusammentreten der Kammer mit Irland gehabt hatte, stand es von Anfang an außer Zweifel, daß Briand auch heute wie-, Der mit Rücksicht auf den außergewöhnlichen Ernst der Situation nicht nur eine sofortige Beantwortung der eingebrachten Interpellation Wer die Finanzpolitik, sondern auch die Fest- Eg eines Datums für die Diskussion ab«
n und eine sichere Mehrheit erhalten e.
Es lagen insgesamt drei Interpellationen Wer die Finanzpolitik vor. Die erste von dem Iadikalsozialisten Hulin, der eine Jnterpre- iation der von der Regierung am Samstag Öfen Erklärung verlangt, die zweite von adikalsozialisten Nogaro über das Pro
regung sprach und von der Kammer in fast feierlichem Schweigen angehört wurde, folgten dann die verschiedenen Interpellanten zur Begründung der von ihnen eingebrachten Anträge. Hulin, der einleitend bekanntgab, daß er in seinem eigenen Namen, nicht im Auftrag der Radikalsozialen Partei spreche, erklärte sich bereit, seine Interpellation zurückzuziehen, falls Briand, der von einer neuen nationalen Ein-
heitsfront gesprochen habe, ihm beruhigende Versicherungen darüber geben könne, daß
Briand nicht beabsichtige, fü' '' " Auffassung der bisherigen
Versicherungen darüber geben könne, daß Briand nicht beabsichtige, sich die finanzpolitische Auffassung der bisherigen Opposition zu eigen M machen. Auch der zweite radikalsozialistische Redner, Nogaro, verlangte lediglich eine Bestätigung, daß eine Beiseiteschiebung des Parlaments nicht geplant sei und daß die Regierung eine spätere Diskussion der eingebrachten Jn- rerpellation zulasse.
Finanzmrnister Pèret verwahrte sich gegen den Vorwurf, daß sich das Kabinett feiner Handlungsfreiheit begeben habe.
Nach kurzen, von stürmischem Widerspruch der Rechten immer wieder unterbrochenen Ausführungen der Abgeordneten Auriol (Soz.) und Cachin (Komm.) ergriff
erlangte lediglich eine Be> Beiseiteschiebung des Par^
muß dabei als notwendiges Uebel mit in den Kauf genommen werden, daß die mit unzureichender Erwerbslosenrente ausgestatteten Angehörigen der untern Lohnklassen Zuschüsse aus gemeindlichen Mitteln erhalten, um zu einem Mindestmaß an Einkommen zu gelangen. Das er« wähnte Bedenken braucht man darum nicht leicht zu nehmen. Man wird sich damit trösten müssen, daß die Uebergangszeit ja nicht von allzu langer Dauer sein soll.
Es ist sehr schwer zu sagen, welche Mehrbelastung die „Zwischenlösung" gegenüber dem bisherigen Zustand bringen wird. In Arbeitgeberkreisen glaubt man, daß eine 2Sprozentige Mehrbelastung eintreten wird. Es hat sich herausgestellt, daß selbst in unmittelbar benachbarten Bezirken die Besetzung der erwähnten fünf Lohnklassen durch die ortsansässige Arbeiterschaft sehr stark voneinander abweicht. Das Reichsarbeitsministerium beabsichtigt, eine Zählung durchzuführen und hat bereits entsprechende Anweisungen an die öffentlichen Arbeitsnachweise ergehen lassen. Die Zählung soll sich auf das ganze Reich erstrecken und auf einen bestimmten Stichtag abgestellt sein. Die Ermittelung gilt der Frage, wieviel Prozent der Arbeiterschaft in den einzelnen Bezirken auf die verschiedenen Lohnklassen entfallen
würden, wenn das jetzt vorgeschlagene System schon bestünde.
Die A
'rbeitslosigkeit in Deutschland hat in den letzten drei Monaten, die nach aller Regel eine starke Zunahme der Beschäftigungsmög-
lichkeiten zu bringen pflegen, nur in geringerem Maße abgenommen. In der Zeit vom 1. bis zum 15. Mai ist die Erwerbslosenziffer (Zahl der Hauptunterstützungsempfänger) nur um 2 v. H. gesunken. Sie belief sich Mitte Mai ziemlich genau auf 1% Millionen. Wollte man die kommende Arbestslofenvevsicherung auf Beiträge in Höhe von 3 v. H. aufbauen, so würden insgesamt etwa 40 Millionen Mark monatlich eingehen. Wollte man dem von gewerkschaftlicher Seite vorgebrachten Wunsch entsprechen und die Beiträge auf nur 2 v. H. festsetzen, so würden sogar nur etwa 27 Millionen Mark zur Verfügung stehen. Die Erwerbslosenrenten, die bei dem heutigen Stand der Arbeitslosigkeit monatlich gezahlt werden müssen, belaufen sich aber auf 110 bis 120 Millionen Mark monatlich. Die Arbeitslosenversicherung würde also entweder gleich mit großen Fehlbeträgen arbeiten oder aber sie müßte durch eine öffentliche Fürsorge ergänzt werden, welche die Renten auf ein erträgliches Maß aufzufüllen hätte. Im Reichsarbeitsministerium steht man auf dem Standpunkt, daß die Arbeitslosenversicherung nach reinen Versicherungsgrundsätzen aufzubauen ist und daß die zusätzliche Ausstattung der Arbeitslosen mit einer öffentlichen Rente von der Arbeitslosenversicherung selbst scharf getrennt werden muß. Bei den sehr tiefgreifenden Meinungsverschiedenheiten, die in der Frage der Arbeitslosenfürsorge bestehen, ist es nicht sehr wahrscheinlich, daß dieser Teil des Arbeiterschutzgesetzes vor Herbst d. J. verwirklicht wird-
die dritte von den
Kommunisten ihrerseits hatten eine vierte Interpellation über die allgemeine Politik der Regierung eingebracht.
Ein von der Kammer gegen die Stimmen der Rechten gefaßter Mehrheitsbeschluß verlangt die sofortige Festsetzung des Datums für die Diskussion dieser Interpellationen. Briand selbst eröffnete die Debakte darüber. Er erinnerte daran, daß die Regierung vor kaum einer Woche die Debatte über die Finanzpolitik aus Gründen des allgemeinen Interesses habe ablehnen müssen und daß sie durch die Entwicklung der Zwischenzeit in ihrer Auffassung bestärkt worden sei, daß eine öffentliche Debatte dieser Art die augenblickliche ernste Situation nur unnötig komplizieren wurde. Die Regierung habe, dem Beispiel an« Derer Länder folgend, an die Kompetenz der sachverständigen appelliert durch Einsetzung emes Komitees von Finanzleuten. Darin liege «inerfei Beeinträchtigung der Prärogative
Parlaments, mit dem die Regierung auch Querhin im engsten Kontakt weiterzuarbeiten «unsche. In steigender Erregung fuhr Briand
Briand zum zweitenmal das Wort zu einer sehr eindrucksvollen Rede. Er wandte sich hauptsächlich gegen die Radikalen und ver- al et eideutiae
MosciES
gegen, neue Mehrheit suchen muß.
etn, genug, genug!" Die Mitte und die Rechte brachten Briand stürmische Ovationen dar. Dann ging das Haus zu den Abstimmungen über.
Die von der Regierung beantragte Vertagung der Diskussion über die eingebrachten Interpellationen wurde
mit 313 gegen 147 bei 166 Stimmenthaltungen
beschlossen. Gegen die Regierung stimmten geschlossen die Kommunisten und Sozialisten, sowie ein kleiner Teil der Radikal-Sozialen. Die große Mehrheit dieser Gruppe sowie ein Teil der republikanischen Sozialisten haben sich der Stimme enthalten. Die Mehrheit, die Briand heute zu erreichen hoffte, setzt sich also vornehmlich aus der Rechten, den gemäßigten Gruppen der Mitte und einem kleinen Teil der Radikalen zusammen.
Briand und die AutzenpolUik.
Paris, 2. Juni. In den Wandelgängen Senats versichert man, daß anläßlich
des der
Warschau, 1. Juni. Nachdem der Sejmmar-
schall Rakaj kurz nach 10 Uhr die Sitzung des Sejm eröffnet hatte, begann die Abstimmung für die Wahl zum Staatspräsidenten. Es erhielten: im ersten wahlgang: Moscicki 215 Stimmen, Bninski 211, Marek 56 Stimmen. Außerdem wurden 63 weiße Zettel abgegeben. 3m zweiten Wahlgang erhielten Moscicki 281 Stimmen, Bninski 200, Marek 1 Stimme.
Im zweiten Mahlgang c Stimmen, Bninski 200, Außerdem wurden 63 weiße Zettel abgegeben. Moscicki ist somit zum Staatspräsidenten ge-
gibt. Der neue Staats
gibt. Der neue Staatspräsident wird aber erst dann im Sinne Pilfudskis freie Bahn haben, wenn parlamentarische Hindernisse nicht zu erwarten sind. Deshalb wird die Entwicklung in Polen mit Notwendigkeit dazu führen, daß man das Amt des Staatspräsidenten und das Ka-
>ann im
Llner der Hauptgründe für die Verschär- sung der Situation sei die Unstabilität der Regierung und die Untergrabung ihrer Autorität was im 3n- und Ausland die
Beunruhigung vermehren müsse.
me Regierung, deren ministerielle Existenz on etnem Faden hänge, fei unmöglich in , Uf, die schwere Verantwortung, die auf JA Zu tragen. Deshalb sei das Kabinett °*vn' "och heute einem anderen Mini- eJA1 den Platz zu räumen, falls sich in der mmer eine Mehrheit gegen die von ihr bis- (L ^folgte Finanz- und Währungspolitik kEe, denn nichts fei schlimmer, als die i..,^olickliche Unbeständigkeit, die das Land hi» Er richte einen letzten Appell an ,.j./ourmer, sich über den Streit der Par-
Au erheben und sich zu einer Einheits- Li™, Aur Rettung der bedrohten Währung Äu^Nufchließen. Im gegenwärtigen bM sei nichts verhängnisvoller als un- run ^den. Dagegensei die Regi e- stn»^-""^ wie vor bereit, den zu- .,?olgen Kommissionen, in denen positive Arbei
„ en könne, Rede un
Diskussion über das Abkommen von Locarno, das auf die Tagesordnung vom nächsten Donnerstag gesetzt ist und bei der u. a. auch Millerand das Wort ergreifen wird, Briand über die auswärtige Politik der Regierung zu sprechen gedenke. Die Diskussion der Interpellation des radikalen Senators Lemery über den deutsch-russischen Vertrag wird wahrscheinlich mit der Diskussion über die Abkommen von Locarno verbunden werden.
beit
e I e i ft e t ntwort
filth» Ci,tt" Das fei die allein wirklich prak- Erhöbe des Parlaments. Der Kampf menn,fc-ite darauf hinauslaufen, die Zusam- zwischen Parlament und Regie- ^enn r- as Land wünsche, zu verwirklichen, ui*! U sie das dazu erforderliche Vertrauen wöge das in dem Votum zum kommen, damit das Kabinett feine ^.Uenzen ziehen könne.
ur Arland, der in außergewöhnlicher Er-
Gedanken zur Arbettslofenfürsorge.
Der „Köln. Ztg." wird aus Berlin ge« meldet:
Gegen die „Zwischenlösung", die das Reichsarbeitsministerium in der Frage der Erwerbslosenunterstützung vorschlägt, ist aus gewerkschaftlichen Kreisen und auch von Sozialpolitikern Einspruch erhoben worden. Man weist darauf hin, daß bei Festsetzung von fünf Lohnklassen die geringer bezahlten Arbeiter völlig unzureichende Renten erhalten. Die Einführung der Lohnklassen sollte bekanntlich den Uebergang zu der Arbeitslosenversicherung erleichtern, bei der gleichfalls fünf Lohnklassen unterschieden werden ollten. Gegen die bisherige Art der Erwerbslosenfürsorge ist besonders aus Unternehmerkreisen der Vorwurf erhoben worden, daß die Spanne zwischen der Erwerbslosenrente und dem Arbeitseinkommen bei den niedrigeren Lohnstufen zu gering sei, um ein Streben nach neuer Arbeitsgelegenheit zu entfachen. Es ist zweifellos zunächst einmal wichtiger, daß der Anreiz der erwerbslos gewordenen Arbeitnehmer zum Auffinden neuer Arbeitsaeleaenheit verstärkt wird. Es'
, wählt.
Die polnische Nationalversammlung in Warschau ist bei der endgültigen Wahl eines neuen Staatspräsidenten dem Votum treu geblieben, das sie am Montag für Pilsudski abgegeben hat. Am Dienstag war der erste Wahlgang ergebnislos, weil die Sozialdemokraten zunächst für ihren eigenen Kandidaten Marek eintraten. Da sie dabei mehr als ihre Fraktionsstärke aufbrachten, so müssen auch noch einige Nichtsozialisten für Marek gestimmt haben. Im zweiten Wahlgang fiel dann Marek aus. Sein ganzer Anhang ging zu dem Kandidaten Pilfudskis, dem Professor Ignas Moscicki über, der dann gegen den weit zurückbleibenden Kandidaten der Rechten, den Grafen Bninski, mit annähernd derselben Stimmenzahl gewählt wurde, die Pilsudski am Montag auf sich vereinigte. Die Parteigruppierung blieb also im Vergleich zum Montag so gut wie dieselbe. Die Mittelpartei, die Partei des abgesetzten Ministerpräsidenten Witos, gewann es über sich, ebenso für Ignaz Moscicki zu stimmen, wie sie am Tage vorher für den Mann eingetreten war, der durch seinen Einmarsch in Warschau dem Kabinett Witos ein Ende bereitet hatte. Auch die nationalen Minderheiten traten im Großen und Ganzen auf die Seite des Pilfudsky-Kandidaten. Mit der Neuwahl des Statspräsidenten hat der Staatsstreich Pilfudskis äußerlich fein Ende erreicht. Er ist von der Nationalversammlung legalisiert worden.
Es versteht sich aber von selbst, daß der innere Kampf in Polen weitergeht, vielleicht jetzt erst recht beginnt Der Verzicht Pilfudskis auf die Annahme der Wahl ist keineswegs gleichbedeutend mit einem Verzicht des Marchalls auf feine teuer erkaufte Machtstellung. Pilsudski bleibt, wenn auch im politischen Hintergründe, der eigentliche Beherrscher der Situation. Der neue Staatspräsident wird sein Amt in enger Fühlung mit dem Marschall aus« üben. Kraft seiner militärischen Machtstellung ist Pilsudski stets in der Lage, den Amtshandlungen Mofcickis den erforderlichen Nachdruck zu verleihen, ohne daß er dabei selbst in die volitiicbe Arena hinabsteigt und sich Blößen
binett durch Verleihung größerer Vollmachten entweder vom Parlamente unabhängiger macht, als es die Verfassung gegenwärtig gestattet, oder daß man versucht, den gegenwärtigen Sejm durch ein gefügiges Parlament zu ersetzen. DamitbeginntinPoleneine AerainnererKämpfe, die man in ihrer
weiteren Entwicklung noch nicht genau übersehen kann. Sie wird wahrscheinlich eine gi wisse Aehnlichkeit mit dem italienischen Faschi: mus haben, nur daß sie auf der Linken wurzelt und ihre Spitze gegen rechts kehrt, d. h. also innerpolitisch ungefähr die entgegengesetzte Tendenz besitzt wie der italienische Faschismus. Es wird besonders interessant sein zu verfolgen, wie sich die polnischen Sozialisten zu dieser Entwicklung verhalten. Daß es ohne schwere
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polnischen Sozialisten zu dieser halten. Daß es ohne schwere
innere Kämpfe nicht abgehen wird, ist mit Sicherheit vorauszusehen.
An den Beziehungen zwischen Deutschland und Polen wird sich unter dem neuen polnischen Staatspräsidenten wohl nicht viel ändern. Den nationalen Minderheiten in Polen wird das neue Regime vielleicht einige Erleichterungen bringen. Von diesem Gesichtspunkte aus haben die parlamentarischen Vertreter der Minderheiten ihre Stimme für den Kandidaten Pil« sudski abgegeben. Auch der deutschen Bevölkerung in Posen und Oberschlesien mag das vielleicht etwas zugute kommen, wenn man auch am besten tut, seine Erwartungen auf ein be« cheidenes Maß einzuschränken. Die Stellung Polens zu Deutschlands aber wird von dem inneren Umschwung in Polen nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Der feindselige Geist, von dem z. B. die Politik des Grafen Skrzynski gegen Deutschland erfüllt war, wird auch unter dem Walten Pilfudskis keinen Wandel erfahren. Die einzige Aenderung könnte darin liegen, daß die polnische Außenpolitik etwas von der großen Aktivität verliert, die sich bisher bei allen internationalen Gelegenheiten, z. B. in Locarno und Genf, bemerkbar gemacht hat. Aber auch das wird davon ab* hängen, wie die Dinge sich in der nächsten Zeit in Polen gestalten werden und darüber liegt heute noch ein recht beträchtliches Dunkel.
Die Arbellslosigkeil in Englmtd.
London, 1. Juni. Die Zahl der Arbeitslosen betrug am 24. Mai 1 597 700, d. h-, 15 044 we. Niger" als in der vorhergehenden Woche und 411178 mehr als am gleichen Datum des Vorjahres.