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201. Jahrgang.

ßanauerS Anzeiger

General-Anzeiger für Die Kreise Kana« StaDt und Land.

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Nr. 124 Montag Den 31. Mai 1926

Das Neueste.

Stresemann setzte sich in einer Rede in Ro­stock mit dem deutschnationalen Führer Graf Westarp auseinander.

Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius sprach auf dem rheinischen Handwerkertag über Regie­rungsmatznahmen für das Handwerk.

In einer Regierungsdenkschrift wird die Zahl der im Rheinland stehenden fremden Truppen auf 88000 angegeben.

Der Regierungsentwurf über die Fürsten- obfindung ist dem Reichstag zugegangen.

Die Militärrevolution in Portugal hat zum Sieg geführt.

Heute abend läuft das Ultimatum der eng­lischen Regierung ab, wonach die in Aussicht ge­stellte Subvention für die Kohlenindustrie zurück­gezogen wird.

Die Lastmg dSV NOMchiWMsMâKMhK.

Im Zeichen unserer nationalen Wiederge­sundung ist es für das deutsche Volk eine er­freuliche Tatsache, daß breite und immer brei­tere Schichten sich mit den großen Fragen des Volkstums, mit den großen Zusammenhängen zwischen Reichs-, Grenz- und Auslandsdeutsch­tum beschäftigen. Reichsdeutschland, in seiner verkleinerten Gestalt, ist das große Strahlen­zentrum geworden, von dem die Zusammen­fassung und Zusammenballung aller Deutschen auf dem Erdenrund ausgeht. Die Zeiten sind vorbei, wo man sich in Kerndeutschland um die Brüdkr im Auslande, sei es unmittelbar an

mtre^ne grausame Tatsache der Abtrennung von Millionen Deutscher durch brutale Frie- densichlüsse hat ein neues Stammesbewußtsein aufkommen lassen, das elementar und un­widerstehlich wächst. Und aus ihm bildet sich ianMM aber sicher das Gefühl der großen Schicksals- und Volksgemeinschaft mit allen Grenz- und Ausländsdeutschen. Grenzlandnot ist deutsche Not geworden.

Unter diesem Motto standen die verschie­denen Tagungen der Deutschtumsverbände, die nach Pfingsten Heerschau über ihre Mitglieder hielten und sich aus tiefschürfenden Vorträgen und Debatten fruchtbringende Anregungen für ihre weitere Arbeit holten. Es war wohl kein Zufall, daß der Deutsche Schutzbund, ebenso wie der Verein für das Deutschtum im Aus­land sich einen Ort in Schlesien als Ort der Hauptversammlung ausgewäylt hatten, der eine in Glatz, der andere in Hirschberg. Man wollte den gefährdeten Gebieten möglichst nahe ein wo die slawische Gefahr ihre Wellen be=

wollte den gefährdeten Gebieten möglichst nahe ein, wo die slawische Gefahr ihre Wellen be- stnders stark wirft, und auf historischem, ost- warkischem Boden die brennenden Grenz- mms- und Minderheitsfragen erörtern. Es ist hier nicht der Ort, jedem einzelnen dieser âobleme nachzugehen. Es ist selbstverständ- >ch, daß die besonderen Fragen jedes bedräng- ien und abgetretenen Gebietes besprochen wurden, und daß die Lage jeder einzelnen putschen Minderheit auf Besserungsmöglich- ^iten geprüft wurde. Aber bleibenden Ge­winn können solche Tagungen doch nur dann wenn sie in den großen Strom gesamt- oeuhchen Geschehens hineingestellt werden und wenn der Teilarbeit in den einzelnen gefähr­deten Gebieten ihr Platz im Rahmen der Ge- siuntarbeit angewiesen wird. Teilarbeit und noch mehr Kleinarbeit ist gut und schön, aber r P nur dann nützlich, wenn man über ihr °en Blick für das große Ganze nicht verliert!

x>n unserem zerklüfteten Vaterlande brau- M Ar. mehr denn je die Zusammenfassung ller Kräfte, abseits aller Parteipolitik, allem Hader des Alltags und allem Streit der Kon- Pen' Klassen und Schichten, im Ringen die Erhaltung des deutschen Volkstums, der deutschen Sprache und Kultur in aller Hier gilt es, ein Gralsheiligtum zu das Heiligtum der Erhaltung des un- jMuchen eigenen Volkes. Zu solchem Dienst «o nur Männer berufen, die über den Tages- über Flaggenstreit, Fürstenabfindung, ufwertung und anderen Dingen stehen. Die sangen in Glatz und Hirschberg haben ae- ! »b daß eine neue Führerschicht heranwächst, der überparteiliche, nationale und Volks- über alles geht. Die große Teil- I. y von Jugendlichen, ihre tätige Mitwir- und übersprudelnde Begeisterung auf der in Hirschberg sind besonders erfreu- sj?°.^darksteine auf diesem Gebiete. Es erweist leben Tag mehr, daß die vom Jnternatio- usmus nicht angekränkelte deutsche Jugend höheren Auffassung ihrer vaterlän- Uchen Pflichten zu gelangen sucht. Daher ibr

Gies der Revolution in Oortnsal.

Lissabon, 30. Mal. Die revolutionäre Bewegung endete heute mit dem völligen Siege der Aufständischen, ohne daß es zu Blutver­gießen gekommen wäre. Die Aufständischen gingen in der vergangenen Nacht von Norden und Süden her gegen Lissabon vor. Die Garnison der Stadt schloß sich den Aufständischen an, worauf das Kabinett dem Präsidenten der Republik seine Demission gab. Um 1 Uhr früh über­nahmen die Revolutionäre den Befehl über die Stadt. Sie verhängten den B e l a g e r u n g s- zu stand bis zur Bildung eines neuen Ka­binetts, mit der ein Führer der Aufständischen, General Labecadas, vom Staatspräsi­denten beauftragt wurde. In der Stadt herrscht allgemein Ruhe.

General Costa erklärte, die Bewegung habe den Zweck, das Land von den Politikern zu befreien, die es dem Untergänge entgegen­führten.

Lissabon, 30. Mai. Die Revolutionäre veröffentlichen eine Proklamation, in der sie

glühendes Interesse an den Fragen des Grenz-s schaftlichen Verhältnisse ergeben haben. Ge­

außerhalb der heutigen Reichsgrenzen zu hel­fen, ganz gleichgültig, ob diese in Polen, in der Tschechoslowakei, in Jugoslavien, in Südtirol, in Elsaß-Lothringen, Nordschleswig oder in der Zerstreuung, wie an der Wolga oder in Uebersee leben. Mag die Jugend die Arbeit für das Auslandsdeutschtum vielfach auch etwas äußerlich auffassen, ein großes Aktivum ist doch der Trieb in dem neuen Geschlecht, nicht nur ein Wortdeutschtum, sondern mehr noch ein Deutschtum der Gesinnung und der Tat zu leben und wenn nötig, durch Geldopfer und andere materielle Opfer zu betätigen. Und neben den Schülern und Studenten stehen die Frauen, die durch Studentenstipendien, Er­möglichung von Ferienaustausch, Kinderfür-

Öe und Jugendpflege die Jugend im alten erlaube und in den bedrohten Gebieten zufamsnenführen.

Es ist hocherfreulich, zu sehen, daß in die­ser praktischen Deutschtumsarbeit alle Kon­fessionsunterschiede verschwinden. Es war sym­bolisch, daß ein Vertreter der katholischen Caritasverbände gegen die Vergewaltigung der evangelisch - karitativen Anstalten in Posen und Pomerellen protestierte und gleich­zeitig mit Genugtuung die Teilnahme der evangelischen Deutschen am Leid des katho­lischen Südtirol feststellte. Ueber das Selbst­verständliche hinaus zeigt sich hier ein Geist des gegenseitigen Verstehens, der über alle trennenden Schranken hinaus die besten Früchte zu bringen verspricht.

So sind die Tagungen der großen Deutsch­tumsverbände zu einem vaterländischen Fanal geworden, zu einem Symbol des erwachenden Grenzgewissens und der Volkstreue. Zu wün­schen ist nur, daß alle diese in der Grenzarbeit stehenden Verbände nicht mehr nebeneinander marschieren, sondern sich in irgend einer Form zusammenfinden. Denn auch hier gilt das alte Wort: Einigkeit macht stark.

Stresemann zur politischen Lage.

Rostock, 29. Mai. Anläßlich einer Lan - desversammlung der Deutschen Volkspartei sprach Außenminister Dr. Stresemann heute hier über die politische Lage und nahm im wesentlichen Bezug auf eine Rede des G r a f e n We sta r p, die dieser in Schwerin gehalten hat.

Zur Kritik des Grafen Westarp an dem Dawes-Abkommen führte Dr. Strese­mann etwa folgendes aus: Die Meinung des Grafen We tarp, daß die gegenwärtige fchwie- rige Lage der deutschen Wirtschaft als eine Folgeer cheinung des Dawes-Abkom­mens anzu ehen sei, ist vollkommen un» richtig. Man kann nicht die Leistungen aus dem Dawes-Abkommen und die Lage, wie sie

ohne derartige Leistungen sein würde, gegen­überstellen, sondern man muß die Situationen gegenüberstellen, wie sie sich vor Abschluß des Dawes-Abkommens und nach diesem für die Gestaltung der deutschen finanziellen und wirt­

erklärten, daß die Revolution an allen Orten siegreich gewesen sei und daß weder Blut vergossen noch ein Schuß abge­geben worden sei.

P a r i s, 31. Mai. Wie havas aus Lissabon meldet, hat der Präsident der Republik den Führer der revolutionären Bewegung, Major Labdeades, mit der Bildung der neuen Regierung beauftragt, der diesen Auftrag angenommen und erklärt hat, die neue Regierung werde aus zivilen und mi- litärischen Persönlichkeiten bestehen, die außer­halb der Parteien und in vollkommenem Ein­verständnis mit den Delegierten der militäri- schen Divisionen gebildet werden würde.

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Der portugiesische Militäraufstand richtete sich namentlich gegen die Machtlosigkeit des Parlamentes und der Regierung. Ihre Un­fähigkeit, die Wirtschafts- und Finanzkrise, unter der das Land schwer leidet, zu beheben, hatte in der Armee große Unzufriedenheit her- vorgerufen.

theoretisch vorausbestimmen kann, denn gerade in der Zeit der nach dem Dawes-Ab­kommen der deutschen Wirtschaft gegebenen Atempause ist die große Arbeitslast gkeit entstanden, unter der wir jetzt leiden.. Aber man wird auch die Frage stellen müssen, wie die deutsche Wirtschaft über diese ganze Krise hinweggekommen wäre, wenn an Stelle der für diese Uebergangszeit vorgesehenen Rege­lung der erst allmählich ansteigenden Leistun­gen die vor der Londoner Vereinbarung herrschende Willkür weiter Platz gegriffen hätte. Man darf diese Frage nicht politisch einseitig in einem falschen Licht erscheinen lassen. Sollte sich im Laufe der Ent­wicklung ein negatives Ergebnis der Dawes- Regelung Herausstellen, so wäre die Voraus­setzung für eine Aenderung der Art und der Methode der Dawss-Regelung jedenfalls eine auf gegenseitige Verständigung aufgebaute Po­litik der beteiligten Mächte.

Wenn Gras Westarp inbezug auf die Große Koalition in seiner Rede weiter zum Ausdruck bringt, daß die Deutsche Volkspartei sich dem Zentrum gegenüber verpflichtet habe, die neue Regierung nach links zur Großen Koa­lition zu erweitern, so müßte das in dem Be­schluß der Deutschen Volkspartei wie des Zentrums, die Regierung nur durch die Par­teien zu erweitern, die die Garantie böten für eine Fortführung der bisherigen Außenpolitik und für Anerkennung der bestehenden inter­nationalen Verträge, angenommen werden, daß die Deutschnationalen' sich ablehnend ver­halten werden. Er wird aber wohl selbst nicht erwarten, daß diejenigen Parteien, an die er appeliert, gewillt sind, sich aus den Bahnen der von ihnen als richtig angenommenen Außenpolitik verdrängen zu lasten und wird danach die Frage, wer die Wege zur Mitarbeit der Deutschnationalen Partei ve r b a u t, sich selbst beantworten.

Zur Frage der Fürstenabfin­dung bemerkte Dr. Stresemann, daß die Deutsche Volkspartei an ihre Anhänger im Lande einen Appell richten werde, der Stimm­abgabe fernzubleiben. Die deutsche Volkspartei werde alles daran setzen, doch einer Kom - promißentfcheidung zur Annahme zu verhelfen, um durch eine reichsgesetzliche Regelung der jetzigen Unsicherheit der Ver­hältnisse auf diesem Gebiete ein Ende zu machen.

Der Regierungsenlwurs zur Fürsten­abfindung.

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Der Regierungsenlwurs zur Fürstenabfindung.

Berlin, 30. Mai. Der Gesetzentwurf der Reichsregierung über die Vermögensaus­einandersetzung mit den früheren Fürsten­häusern ist jetzt vom Reichsrat erledigt und ..... Reichstag überwiesen worden. Es handelt sich um die sehr wenig veränderte Fassuna des

ursprünglich von den Regierungsparteien ein­gebrachten Kompromisses, das seinerzeit im Rechtsausschuß des Reichstags stecken blieb. Der Reichstag wird voraussichtlich auch jetzt den Entwurf abermals dem Rechts - ausfchuß überweisen. Es ist demnach wenig Hoffnung vorhanden, daß der Reichstag noch vor dem Volksentscheid zu einem end­gültigen Beschluß über diese Frage kommt.

Für die Entscheidung am 20. Juni kann es von ausschlaggebender Bedeutung sein, wie groß die Zahl der Stimmberechtigten ist. Diese Zahl soll nach einer Verordnung des Reichs­innenministers nicht vor der Abstimmung fest- gestellt werden, sondern gleichzeitig mit dem Abstimmungsergebnis nach Schluß der Ab- stimmungshandlung.

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Die Pressestelle der Reichspartei bei deutschen Mittel st andes teilt mit: Die Reichspartei des deutschen Mittelstandes (Wirtschaftspartei) fordert ihre Mitglieder und Anhänger in einem Aufruf auf, sich am Volksentscheid nicht zu beteiligen. Die Reichs­partei erblickt in dem Volksentscheid eine Ent­eignungsaktion, die sicher, wenn sie zustande kommt, Versuche auf Enteignung zunächst der Kirchen und dann auch nach und nach anderer Teile des Privateigentums zur Folge haben würde. Die Reichspartei steht auf dem Standpunkt, daß die Fürsten nicht besser, aber auch nicht schlechter als jeder andere deutsche Staatsbürger behandelt werden sollen. Es darf in Deutschland nicht zweierlei Recht geben. Unter keinen Umständen kann daher die Rechtspartei den Volksentscheid, der zweierlei Recht schaffen will, unterstützen.

berufen, darüber zu entscheiden, ob das Der- mögen der vormals in Deutschland regieren­den Familien entschädigungslos enteignet wer­den soll. Eine entschädigungslose Enteignung des Eigentums verstößt gegen die Rechtsgrund­sätze, auf denen sich die deutsche Reichsver­fassung aufbaut. Deshalb fordert die Liberale Vereinigung ihre Anhänger und Gesinnungs­freunde auf, dem Volksentscheid fernzubleiben. Sie erwartet jedoch mit Bestimmtheit, daß Reichsregierung und Reichstag mit äußerster Beschleunigung ein Kompromiß zum Gesetz er» heben, das der Würde der deutschen Republik und zugleich der Notlage des deutschen Volkes Rechnung trägt.

DesatzuugsverurehrungimRhewgebiek Eine Denkschrift des Reichsministeriums für die besetzten Gebiete.

Berlin, 30. Mai. Wie derDemokratische Zeitungsdienst erfährt, hat das Reichsmini­sterium für die besetzten Gebiete dem 16. Aus­schuß des Reichstags, der die Besatzungsfragen behandelt, eine Denkschrift zugehen lassen, in der zum erstenmal amltiche Zahlen über die gegenwärtige Besatzungsstärke in der zwei­ten und dritten Rheinlandzone gegeben wer­den. Nach dieser Denkschrift befanden sich am 15. September 1925 in der Weiten und dritten Zone rund 80 250 fremde Truppen, während ftd? jetzt in den beiden Zonen rund 88 000 Mann befinden. Damit wird nunmehr auch amtlich zugegeben, daß der Abzug der Trup­pen aus diesen Zonen geringer ist als der Zu­strom, der aus der ersten Zone erfolgt ist.

Von französischen Truppen befanden sich in der zweiten unb dritten Zone am 15. Sep­tember 74 900, während sich nach den deutschen Schätzungen jetzt noch rund 72 300 Franzosen in dem besetzten Gebiet befinden.

Die Zahl der Belgier betrug am 15. Sep­tember 5345 Mann, während sie jetzt um 2599 Mann gesteigert worden ist und 7944 be-

Englische Truppen befanden sich am 15. September nur 47 Mann in der zweiten und dritten Zone, ein kleines Detachement, das bei der Interalliierten Rheinlandkommission in Koblenz stationiert war. Nach den deutschen Schätzungen befinden sich jetzt 8155 Engländer in der zweiten und dritten Zone, von amtlicher englischer Seite ist die Truppenstärke sogar auf rund 9000 Mann angegeben worden.

" Feststellungen sind im

Wohnungen mehr be-

Nach den deutschen Fei gleichen Gebiet 380 Wohl schlagnahmi worden, die Belegung in Hotels usw. ist Diel stärker geworden, doch lassen sich hier genaue Angaben sehr schwer machen.

Die jetzt bekannt gewordenen Ziffern be­ruhen auf Schätzungen, diese Schätzungen sind aber sehr sorgfältig vorgenommen nw bet', und das Ergebnis kann nicht angezweifelt

werden.