201. Jahrgang.
Hanauer 8 Anzeiger
General-Anzeiger für die Kreise Kanan Stabt und Land.
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Nr. 113 Montag den 17. Mai 1826
De. Mae» übemsèmmt das
AeichssanzSevamt.
Berlin, 15. Mai. Nachdem Dr. Geßlers Mission gescheitert war, wurde vom Zentrum der Kölner Oberbürgermeister Dr. Adenauer nach Berlin berufen, um mit diesem über die Regierungsbildung zu verhandeln. Die Verhandlungen sanden am Samstag nachmittag statt, und zwar verhandelte Adenauer zunächst mit dem Vorsitzenden der deutsch-volksparteilichen Reichstagsfraktion Dr. Scholz und dann mit dem sozialdemokratischen Abgeordneten Dr. Hilferding. Adenauer verfolgte dabei die Absicht, die Große Koalition von der Deutschen Volkspartei bis zu den Sozialdemokraten zu bilden, ein Bestreben, das allerdings von vorn-
herein zur Aussichtslosigkeit verurteilt war, da es der Deutschen Volkspartei unmöglich ist, bei den gegenwärtig in verschiedenen Fragen bestehenden scharfen Gegensätzen gemeinschaftlich mit der Sozialdemokratie die Regierungsverantwortung zu übernehmen. Die Deutsche Bolkspartei ist zwar nicht grundsätzlich Gegner der Großen Koalition, sondern hält nur für den Augenblick die Bildung als unmöglich. Da auch die Vertreter der Sozialdemokraten sich gegen
Tagen be-
die Große Koalition ausgesprochen haben sollen, scheiterten die Bemühungen Adenauers. Dieses Schâm hat dann das Kabinett veranlaßt, von sich aus eine Lösung zu suchen und dem Reichspräsidenten Vorschläge zu machen. Zur
ute die Anwartschaft der
Minister
Marx, von M
Brauns nicht ernf in Betracht kamen.___ Reichswehrminister Dr. Geßler hat dann dem Reichspräsidenten den Vorschlag gemacht, den Zentrumsführer Dr. Marx mit der Kabinettsbildung zu betrauen. Nachdem auch Dr. Marx beim Reichspräsidenten vorgesprochen hatte, hat dieser gemäß dem Vorschlag Geßlers an Marx nachstehenden Brief gerichtet:
drei
Der
»5chr geehrter Herr Reichsjustizminifterr Aus den Berichten, die der von mir mit der Klärung der politischen Lage betraute Reichswehrminister Dr. Geßler mir erstattet hat, habe ich ersehen müssen, daß eine Aenderung der parteipolitischen Verhältnisse und Zusammen- etzung entweder überhaupt nicht oder nur nach langwierigen, im Erfolge zweifelhaften Verhandlungen erreicht werden könnte. Eine solche lange Regierungskrise verträgt aber die gegen- tnarhge Lage des Reiches nicht. Es erscheint mir daher zur Ueberwindung der gegebenen Schwierigkeiten und zur Lösung der vor uns liegenden Aufgaben notwendig, daß die bisherige Reichsregierung ihre Tätigkeit unter neuer Führung forkseht, und ich bitte Sie daher, Herr Reichsminister, als das älteste Mitglied der Reichsregierung und als Vertreter der größten in ihr enthaltenen Partei das Amt des Reichskanzlers zu übernehmen. Mit der Ver- hajerung meiner ausgezeichneten Hochachtung bin ich Ihr ergebener gez. v. Hindenburg."
Nach dem Besuche des Reichsjustizministers Dr. Marx beim Reichspräsidenten trat der Fraktionsvorstand des Zentrums zusammen.
Reichsjustizminister Dr. Marx behielt sich tone Entschließung bis Sonntag mittag vor.
Am Nachmittag fanden zwischen Vertretern der Reichstagsfraktion des Zentrums und der Deutschen Volkspartei eine Besprechung statt, die nachstehendes Ergebnis hatte:
1. Die bestehende Regierungskrise muß un- verzüglich gelost werden. Deshalb sind beide Parteien bereit, in ein Minderheitskabinett ein- lüfteten.
2. Es besteht Uebereinstimmung, daß die Außen- und innenpolitische Lage mit möglichster Beschleunigung die Schaffung einer Regierung erfordert, die sich auf eine Mehrheit des Reichstages stützt.
3. Für die Mehrheitsbildung können nur Parteien in Frage kommen, die die Rechtsgül- ugkeik der bestehenden internationalen Ab- "achungen anerkennen und für die Fortführung der bisherigen Außenpolitik besorgt sind.
Am Abend trat dann die Zentrumsfraktion "es Reichstages zu einer weiteren Sitzung zu- „Men und beschloß, den. bisherigen Reichs- k„<inister Dr. Marx zu bitten, das Reichs- „""iieraml zu übernehmen. Dr. Marx begab ? .°tauf Mm Reichspräsidenten und wurde ,®n ihm beauftragt, als Relchskanz- 'er das Kabinett in seiner bisheri- ^knJusammensehungzuführen.
Adenauers ergebnislose Versuche.
Die Zentrumsfraktion des Reichstages gibt folgende Erklärung des Oberbürgermeisters Dr. Adenauer bekannt:
Wie die Presse bereits gemeldet hat, ist Oberbürgermeister Dr. Adenauer aus Köln auf Wunsch der Zentrumsfraktion des Reichstages gestern in Berlin zu Verhandlungen mit der Fraktion über eine Lösung der Regierungskrise eingetroffen. Dr. Adenauer hat sich sofort dahin ausgesprochen, daß eine wirklich ersprießliche Regierung bei den außerordentlich schwierigen inner- und außenpolitischen Verhältnissen nur auf Grund einer festen Mehrheit im Reichstag möglich ist. Um unter dieser Voraussetzung und zu diesem Zweck endlich eine Befestigung der politischen Verhältnisse zu schaffen, würde er einem etwaigen Rufe des Reichspräsidenten Folge geben und seine Person dem Vaterlande zur Verfügung stellen. Auf Wunsch der Vertreter der Zentrumspartei nahm er mit dem geschäfsführenden Reichskanzler, Reichswehrminister D. Geßler, der vom Reichspräsidenten mit der Führung der Verhandlungen über die Regierungsbildung bauftragt ist, sowie mit den Führern der Deutschen Volkspartei und der Sozialdemokrat. Partei Fühlung. Die Fühlungnahme ergab, daß die Deutsche Volkspartei weder jetzt noch nach Er-
Koalition, der zurzeit allein möglichen ehr- Heitsbildung, geneigt ist. Unter diesen Umständen erklärte Dr. Adenauer bei einer zweiten Unterredung mit dem stellvertretenden Reichskanzler, daß er die Zentrumssraktion des Reichstages gebeten habe, von dem Vorschlag seiner Person gegenübr dem Reichspräsidenten Abstand zu nehmen.
Bell Reichsjuskizminisker?
e ^i^d'eVMer schreiben, werde das neue bis auf eine Ausnahme dem Sabine« Luther entsprechen. Die einzige Aende- rung werde der Eintritt des Abgeordneten Bell als Reichsiuftizminisier und Minister für die besetzten Gebiete sein. Die der Montag meldet, werde der neue Reichskanzler Marx den Vor- in der Zenkrumspartei und in der Reichs- des Zentrums bis auf weiteres beibehalken. Es fei damit zu rechnen, daß sich das Kabinett noch im Laufe des heutigen Tages konsükmerk und möglicherweise am Mittwoch die Erklärung der Reichsregierung vor dem Reichstag abgegeben wird. Man werde dann möglichst rasch, noch vor Pfingsten, die Abstimmung über das Vertrauensvotum herbeiführen.
Dr. Stresemann und Ser Flaggen- Konflikt.
Berlin, 15. Mai. Die „Deutsche Zeitung" behauv- tet in der Nummer 161 vom 13. Mai:
„Stresemann ha! zwar vorgesorgt, daß er mög- uchst wenig kompromittiert aus dem Flaggeukonftikt hsrauskommt, obgleich er jedoch die ressortmäßige Verantwortung trägt. Aber er hielt sich sorgfältig im Hintergrund, daß er nicht einmal den Erlaß unterzeichnete (sondern die Arbeit seinem Sekretär über- beß), in dem das Auswärtige Amt seinen Missionen die Mitteilung von der Verordnung machte. So ist Stresemanns Name offiziell nicht „befleckt", aber wenn er ihn sich in schwarz-rot-gelber Sauberkeit er= HE, so nicht, um1 als Kanzler in der nächsten Krise stwst gestürzt zu werden, sondern um sich als K,
enminister zu bewahren für jetzt und für spätere mette."
Diesen Behauptungen gegenüber wird folgendes lftgestellt: Das Auswärtige Amt hat in der Flaggenangelegenheit überhaupt noch keinen Erlaß an die auswärtigen Missionen herausgehen lassen. Infolgedessen kam für den Reichsaußenminister die Unterzeichnung des Erlasses oder „die Uebertragung dieser Arbeit an den Sekretär" garnicht in Frage. Es ist • * richtig, daß der Reichsaußenminister sich in rer. Angelegenhet der „Flaggenverordmmg sorgfältig im Hintergrund gehalten hat". Er hat vielmehr in einer dem Vertreter des WTB. am 7. Mai ge- mapnen Unterredung ausführlich die Beweggründe dargelegt, die vom Standpunkt des Außenministers bei dem Erlaß der Verordnung in Betracht kamen.
Dor Sem Zusammentritt Ser Abrüstungsvorkonferenz.
®cnf, 16. Mai. Graf »ernftoiff, der Führer der deutschen Delegation bei der am Dienstag beginnenden ersten Tagung des VorbercitungsauSschusseS für die Abrüstungskonferenz, ist in Begleitung von Geheimrat
Bülow, dem Leiter der Völkerbundsabteilung im Auswärtigen Amt, und verschiedenen militärischen Sachverständigen heute abend hier eingetroffen.
Genf, 16. Mai. Der jugoslawische Außenminister Rintschitsch und der tschecho-slowakische Außenminister Benesch, die ursprünglich persönlich an den Arbeiten des Vorbereitungsousschusses für die Abrüstungskonferenz teilnehmen wollten, haben auf ihre Absicht verzichtet.
Deutscher Reichstag.
Krankenkassen. — Der Fall Jürgens.
Berlin, 15. Mai. Präsident Loebe eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 20 Min. — Das Handelsabkommen mit Spanien wird dem Auswärtigen Ausschuß überwiesen.. Endgültig verabschiedet wird der Gesetzentwurf über die Abänderung der Reichsverord- nung über die Fürsorgepslicht.
Es folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfs über Abänderung des 2. Buches der Reichsver - sicherungsordnung. Der Entwurf strebt einen Ausgleich in den Lasten der Wochenhilfe zwischen den einzelnen Krankenkassen an.
Abg. Iäcker (Soz.) schildert die Notlage der Krankenkassen, die sehr unter beträchtlichen Rückständen litten.
Abg. Andre (Ztr.) weist darauf hin, daß gegen Arbeitgeber, die die Zahlung von Beiträgen böswillig unterlassen haben, mehrfach auf Gefängnis erkannt worden ist.
Der Gesetzentwurf wird dann in zweiter und dritter Lesung angenommen.
Die Kommunisten legen einen Gesetzentwurf vor über die Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Urteile des Staatsgerichtshofes.
Im Namen des Rechtsausschusses beantragt Abg. Graf v. M e r v e l d t (Dnäü.) Ablehnung der Bor-
t Ms Jürgens.
Man solle die Urteile aufheben, bei denen Jürgens .mitgewirkt habe.
Abg. Rosenfeld (Soz.) geht ebenfalls auf den Fall Jürgens ein. Die Tatsache, daß ein Mann in solcher Stellung verhaftet wurde, läßt doch darauf schließen, daß schwere Verfehlungen vorliegen. In der Öffentlichkeit muß die Meinung entstehen, daß von einer solchen Persönlichkeit vielleicht Fehlurteile gefällt worden sind, di« einer Revision bedürfen. Sämtliche Fälle, bei denen Jürgens mitgewirkt hat, müßten nachgeprüft werden. Der Redner protestiert gegen die Haftentlassung des Obersten v. Luck, des Leiters der „Olympia", bei dem ein Aufmarschplan gegen Berlin gefunden worden sei.
Abg. Dr. Wunderlich (D. Vpt.) lehnt Ausnahmebestimmungen gegen den Staatsgerichtshof ab, ebenso versagt er sich ein Eingehen aus den Fall Jürgens, da die Hauptverhandlung noch nicht stattgefunden habe und ein rechtskräftiges Urteil noch nicht vorliege. Sollten Verfehlungen des Jürgens festgestellt werden, wie sie der Vorredner befürchtet, so werden die Justizbehörden sicherlich die notwendigen Maßnahmen treffen.
Bei der Abstimmung muß Auszählung erfolgen. Für die Ablehnung des kommunistischen Gesetzentwurfs stimmen 138 Abgeordnete, dagegen 104. Das Haus ist also beschlußunfähig, da vier Stimmen fehlen.
Nächste Sitzung Montag, 3 Uhr: Reichsknappschaftsgesetz, kleine Vorlagen.
Die Deutsche Reichsbahngefeltschast im April 1926,
Berlin, 15. Mai. Der Eisebahngüterverkehr stieg im April nur wenig. Arbeitstäglich wurden mit 120 231 gegen 116 809 im März etwa 3400 Wagen mehr angefordert als im Vormonat. Für die Beurteilung der Gesamtwirtfchaft muß beachtet werden, daß die Binnenwasserstraßen im ganzen Monat voll leistungsfähig waren, sodaß jedenfalls eine Verschlechterung der Wirtschaftslage zu beobachten ist. Das Osterfest fierte vorübergehend zu einem gesteigerten Versand von Expreß- und Eilstückgut. Der Versand von Frachtstückgilt war im ganzen Monat lebhaft. Der Tierverkehr nahm an Bedeutung zu, seitdem die Maul- und Klauenseuche im Abflauen begriffen ist. Kartoffeln wurden wegen des Bedarfs an Pflanzenkartoffeln lebhafter als im Vermont versandt. Fischtransporte ließen nach der Beendigung der Heringsfange erheblich nach. Die Kohlenmarktlage im Ruhrgebiet zeigte von etwa der Mitte des Monats ab eine leichte Besserung. Die Bemühungen zur Verbesserung der Beschleunigung der Güterbeförderung wurden fortgesetzt. Die Aufenthalte der Güterzüge wurden weiter möglichst abgekürzt, wobei die Rangierarbeiten zusammengelegt wurden. Interesse verdient die Einlegung besonderer Gsmüsezüge zwischen Holland und Dortmund, die der drohenden Abwanderung von Gemüsetransporten auf Lastkraftwagen begegnen soll und die Einlegung von Sonder-Vananenzüge von Bremerhaven. Der Personenverkehr zeigte in einigen Bezirken eine leichte
Besserung. Im April wurden verschiedene Ausnahmetarife im Güterverkehr eingeführt. Es wurde der Tarif für den nordisch-italienischen Güterverkehr zwischen Schweden und Norwegen einerseits und Italien andererseits über Deutschland, Oesterreich und der Schweiz eingeführt. Im März 1926 zeigen die Betriebsergebnisse folgende- Bild: Gesamtein- nahmen 336 858 000 Reichsmark. Diesen Einnahmen stehen Gesamtausgaben in Höhe von 357 205 000 Reichsmark gegenüber, unter ihnen figurieren 49 977 000 Reichsmark, die als Dienst-Reparations-- schuldverschreibungen verrechnet sind.
Nach dem Generalstreik in England.
Paris, 16. Mai. Wie gemeldet, geht die Wiederaufnahme der Arbeit bei den Eisenbahnen befriedigend von statten. Man glaubt, daß die Arbeiten hf den Docks und im ganzen Lande bald wieder in Gang kommen. Der Streik in den Londoner Docks ist seit gestern abend geregelt. Was der Generalstreik das Land gekostet hat, läßt sich naturgemäß noch nicht berechnen, doch wird in gut unterrichtetes Kreisen geglaubt, daß der Schaden geringer feté wird, als bei dem Kohlenarbeiterstreik 1921, der an direkten und indirekten Verlusten etwa 200 Millionen Pfund Sterling verursachte.
London, 16. Mai. Der Streik der Dockarbeite^ ist beigelegt worden. Für die allmähliche Wiederauft nähme der Arbeit sind vorläufige Abmachungen g« troffen worden. Die Artest wird am Montag wieder ausgenommen werden.
Der Verband der Londoner Zeitungsbesitzer hat mit der Gewerkschaft der Drucker über die Wiederaust nähme der Arbeit eine Verständigung erzielt. Danach erscheinen die nächsten Abendblätter am Montag morgen und die Morzenblätter am Dienstag morgen«
Mehmed Vi. f.
Paris, 16. Mai. In San Remo ist in de^ vergangenen Nacht der letzte Sultan der Türker und 37. Herrscher aus der Familie der Osmanen, Mehmed VI., an den Folgen eines Herzschlages gestorben. Er war am 3. Juli 1918, seinem Bruder Mehmed Reschad auf den Thron gefolgt und hatte, nachdem die große Nationalversammlung in Angora das Sultanat abgeschafft hatte, im Jahre 1922 die Türkei verlassen.
Amundsen gelandet
Vancouver, 15. Mai. (Funkspruch.) Die „Borge" ist um 2 Ahr vormittags östlicher Zeit in Teller nördlich von Rome (Alaska) einge. troffen.
Rom, 15. Mai. Frau Robiles erhielt aus Rome folgendes Telegramm: „Glücklich angekommen Teller Alaska. Diefe Reife scheint mit ein Traum. Küsse, herzliches Gedenken, Robiles." Ein anderes Telegramm erhielt die in Florenz wohnende Schwester Ellworths« Amundsen telegraphierte an eine norwegisch« Dame in Florenz, daß alles wohl sei
Der verlauf des Flugs.
Mailand, 16. Mai. Von den die Polarex« pedition begleitenden Journalisten liegt aus Teller vorläufig die Schilderung des Verlaufes der ersten beiden Flugtage vor. Darin heißt es u. a.: Bevor die „Norge" am Dienstag morgen mit einer Ladung von zwölf Tonnen Spitzbergen verließ, trat die Radiostation in Kings- bay mit Nome in Verbindung, um eine radio» gonometrifche Kontrolle für den weiteren Verlauf der Fahrt zu erzielen. Die „Norge" hat sofort die Richtung nach dem Pol eingeschlagen, indem sie den Kurs nach den magnetischen Linien der Erde und dem Sonnenkompaß bestimmte. Von der Abfahrt bis eine Stunde vor Dem Pol hatten die Luftschiffer einen wundervollen Flug über dem Gebiet, das Amundsen schon im vorigen Jahre erforscht hatte. Die Richtung wurde fortwährend radiogonometrisch und durch Beobachtung der Längengrade kontrolliert, wenn der Stand der Sonne günstig war. Auch die Geschwindigkeit des Luftschiffes wurde durch indirekte Messungen und Beob< achtungen der Längengrade festgestellt, da der Flug in einer günstigen Höhe erfolgte. Das Lufffchiff erreichte den Pol um 21- Uhr des folgenden Tages (Mittwoch). Nach dem Abwerfen der Flaggen und der Umkreisung des Poles schlug die „Norge" die Richtung nach Kap Barrow ein. Die ganze Mannschaft war gespannt auf die noch von keinem Mem schen erjchaute Fläche. Mittwoch morgen 7 Uhr wurde das bisher nicht betretene Polan gebiet erreicht. Alle drückten sich die Händs« Weiter vorwärts trat reichlicher Nebel ein, der die „Norge" zwang, erheblich zu steigen. Häu-i fige Riffe im Nebelschleier gestatteten Beobachtungen aus weiter Entfernung. Später traten zum Nebel noch dichte Wolken, und der Nebel schloß sich auch unter dem Schiff.