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201. Jahrgang.

Hanauer W Anzeiger

General-Anzeiger für die Kreise Kanan Stadt und Land.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Fernsprech-Sammelnummer 3958.

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Nr. 104

Mittwoch öen 5. Mai

1926

Der erste Streistag in England

Das Mussis.

Der Rechtsausschuß des Reichstags lehnte das Fürstenenteignungsgesetz, sowie die von den Demokraten und dem Zentrum gestellten

,entrum gestellten

Abänderungsanträge ab.

Die Vorlage der Regierung zur Verhin­derung des Volksbegehrens in der Aufwer­tungsfrage ist von den Reichsratausfchüffen angenommen worden.

Der erste Streiktag in England ist ruhig verlaufen.

Abd el Krim soll Befehl gegeben haben, alle kriegstüchtigen Männer einzuberufen.

Die französische Regierung hat für das am kommenden Sonntag stattfindende Natio­nalfest zu Ehren der Jungfrau von Orleans alle öffentlichen Umzüge untersagt.

Eine MagsenveBssdnuns des NeèchsvvSsidenten.

Die Auslandsverlretungen sollen neben der Reichsflagge die schwarz- weitz-role Kandelsflagge hissen. Bedenken beim Jenkrum und bei den Demokralen.

sind Dinge,"die in weitgehendem Maße bereits im deutschen Steinkohlenbergbau zur Durch- führung gelangt sind. Andererseits ist es klar, daß auch eine kurzfristige Verlängerung der Subvention diese Krise nicht beheben kann, wenn sie überhaupt behoben werden soll- Es werden ganz große Opfer von dem englischen Staat, von dem englischen Bergarbeiter und

Der srstze EniMeidnnss samps in England.

Von Dr. Otto Hugo, M. d. R.

Die Augen der Welt sind auf den gingan- tischen Kampf gerichtet, der in England zum Ausbruch gekommen ist. Vom sozialwirtschaft­lichen Standpunkte gesehen, handelt es sich um die große Entscheidung, ob das alte Herrentum in England weiter die wirtschaft­liche und soziale Macht ausüben oder ob die Klasse der Arbeiterschaft Englands zur Mit-

.-bei

Wie das Nachrichtenbüro des Vereins Deutscher Zeikungsverleger von unterrichteter Seite erfährt, fleht eine Verordnung des Reichspräsidenten in Aussicht, die für alle ausländischen Missionen vorschreibt, daß bei offiziellen Anlässen neben der schwarz-rot-goldenen Fahne die Handelsflagge gesetzt wird, die bekanntlich die schwarz- weih-roten Farben mit einer schwarz- rot - goldenen Gösch zeigt. Gleichzeitig sollen die Reichsbehörden zur See, die bisher die schwarz-weih-roten Farben mit dem Staatswappen führten, die schwarz- rot-goldene Gösch erhalten. Wie ver- sichert wird, sollen die Auslandsmissio- nen und die Deutschen im Ausland diese Regelung befürwortet haben.

Nach Ansicht der Reichsregierung liegt, wie das Nachrichtenbüro des Vereins Deutscher Zeikungsverleger weiter hört, bei dieser Maß­nahme keine Verfassungsände­rung vor, da die Handelsflagge gesetzli

geführt: Es war sicher kein Zufall, daß die großen Handelshäuser in Hamburg gestern bei dem Besuche des Reichspräsidenten die Handelsflagge gehißt hatten. Die Herstellung einer deutschen Einheitsfront im Auslands, der die neue Verordnung dient, liegt in drin­gendem Interesse des deutschen Reiches, und wenn der Reichspräsident einen Schritt tut, um in der Flaggenfrage eine Einheitlichkeit des Auftretens zu schaffen, so sollte dies wahr­scheinlich nicht Gegenstand eines kleinlichen inneren Parteizwistes sein. Das Blatt glaubt schließlich die Mitteilung einer parlamentari­schen Korrespondenz, wonach sich das Reichs­kabinett infolge der Bedenken der demokrati­schen und der Zentrumsfraktion erneut mit der Flaggenverordnung beschäftigen werde, dementieren zu können und erklärt: Die Ver­ordnung wird unter allen Umständen ver­öffentlicht werden.

In derG e r m a n i a" erfährt die an» ekündigte Verordnung eine scharfe Kritik. Das

von den GrubenbeMern gebracht werden müssen. Ob der große Kampf zur Lösung die­ses Problems führen wird, muß vorläufig als eine offene Frage angesehen werden.

Nun ist ja nicht nur eine englische Kohlen­krise vorhanden, sondern eine Weltkohlenkrise und insonderheit eine europäische. Alle Koh­lenhändler Europas, England, Deutschland, Frankreich, Belgien, Holland, sind von dieser Krise betroffen. Auch wir vermögen bei den heutigen Produktionskosten nicht die wirt­schaftliche Leistungsfähigkeit aufzubringen, die unserem deutschen Kohlenbergbau etwa eine überlegene Stellung gegenüber der ausländi­schen Konkurrenz gäbe. Für den Augenblick und für die Dauer des englischen Kohlenstreiks wird ja der deutsche Kohlenbergbau einen er« heblichen Vorteil gewinnen können. Wenn die durchschnittliche englische Kohlenausfuhr

. MNüssâièßèn^ M re 191 und in den folgenden Jahren brachte, das will sich heute in England durch­setzen. Der Arbeiterstand Englands hat sich erhoben, um dem bisherigen Zustand der Unterordnung als Wirtschaftsfaktor ein Ende zu bereiten, und das historisch gewordene und in der englischen Geschichte bisher unerschütter­lich gewachsene Herrentum will freiwillig von feinen Rechten und Gewalten nicht abtreten. Man könnte sich denken, daß es dieses Mal noch nicht zur letzten Entscheidung kommt, daß unter dem gewaltigen Druck des General­streiks und der einsetzenden Not des ganzen englischen Boleks nochmals wieder eine Zwi­schenlösung zustande käme, die wohl die große Entscheidung aufhalten aber nicht verhindern kann. Schon einmal hat man durch die Staats» suboention für den Bergbau den Ausbruch dieser großen Entscheidungskrise hinausgescho- ben. Aber gerade das alte England, das feine Rechte zu verteidigen entschlossen ist, dürfte sich darüber klar sein, daß ein Ausweichen vor der Entscheidung die Lage nicht verbessern, sondern nur verschlechtern kann. Die Welt ist jedenfalls Zeuge eines Entscheidungsringens, wie es ohne Revolution wohl noch nirgends

durchgekämpft worden ist.

Zum Zweiten handelt es sich in diesem Kampfe um eine Schicksalsfrage für den eng­lischen Kohlenbergbau. Von den Nöten dieses Kohlenbergbaues ist die Krise ausgegangen und gerade im Bergbau sind die tiefsten Gründe für den Entscheidungskampf entstan­den. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß der englische Kohlenbergbau sich in einem sehr schweren Krisenzustand befindet. Der Bericht der englischen Kohlenkommission, der sicherlich nicht zu Ungunsten des Bergbauès gefärbt ist, gibt einen klaren Ueberblick über den tatsäch­lichen Zustand der englischen Kohlenindustrie. 73 Prozent der englischen Kohlenförderung ist unrentabel geworden. Die Gestehungskosten liegen höher als der Kohlenpreis und die Ur­sachen dafür ruhen in allererster Linie auf Tatsachen, die sich nicht von heute auf morgen beseitigen lassen. In erster Linie ist maßlose Rückständigkeit in wirtschaft!«

Kohlenförderung ist

und

es die er, or-

die durchschnittliche" englische Kohlenausfuhr monatlich 56 Millionen Tonnen betragt, so wird ein wesentlicher Teil dieses Bedarfs aus der deutschen Produktion gedeckt .werden

monatlü

denvorräts,

eruhigung

bei den

flaggen Sache der An ung ist. Es handele sich also hier um einen Bet' waltungsakt, der vom Reichskanz­ler gegengezeichnel wird. Das Reichs! ab in el that sich mit der Verord­nung einverstanden erklärt.

Prolesle der Demokraten und des Zentrums.

Berlin, 4. Mai. Die demokratische Re i ch s t a g s f r a kt i o n hat sich heute abend nochmals mit dem geplanten Flaggen­erlaß des Kabinetts beschäftigt. Sie hat ihren Vorsitzenden Koch einmütig beauftragt, dem Reichskanzler gegenüber den schärfsten Protest der Fraktion gegen den beab­sichtigten Flaggenerlaß auszusprechen. Herr Koch wird vermutlich dem Kanzler auch da­rüber keinen Zweifel lassen, daß das Verhalten des Kabinetts in der Flaggenfrage für die demokratische Fraktion zur Kabrnetts- frage werden könnte.

Die Zentrumsfraktion des Reichs­tages ist in der Flaggenfrage zu dem Ent­schluß gelangt, daß eine solche Aktion zurzeit nicht als angebracht angesehen werden könnte

Presseslimmen.

gute Gründe f: ruhigung bei

ung in der Flaggenfrage wenigstens Ausländsdeutschen zu schaffen. Es gibt ünde für die Auffassung, daß diese Be-

den Deutschen im Auslande

nicht" eintritt. Dagegen steht es aber außer allem Zweifel, daß diese Flaggenordnung ein schweres Moment der Beunruhigung in die deutsche Innenpolitik trägt und unsere ohnehin schon aufs äußerste gespannte innenpolitische Lage in geradezu gefahrdrohender Weise schärft. Für eine auf schwachen Füßen steh

ver­

schärft. Für eine auf schwachen Füßen stehende Minderheitsregierung gehört ein geradezu er­staunlicher Mut dazu, in dem gegenwärtigen kritischen Zeiten ohne einen besonders dringenden Anlaß in das Wespennest der Flaggenfrage zu greifen. Im Reichstag herrscht Krisenluft.

müssen. Vielleicht könnte es dabei auch mög»

al» en

Die am von der

lgekündigte Flaggenverordnung wird Berliner deutschnationalen

unb volksparteilichen Presse b e - grüßt.

DieDeutsche Zeitung" schreibt: Die Notwendigkeit, die Verordnung erst noch be­gründen zu wollen, erübrigt sich. Sie hängt sachlich und zeitlich offensichtlich zusammen mit dem Besuch Hindenburgs in Hamburg, wo man weiß, was für die deutsche Haltung im Auslande förderlich ist.

Auch imLokalanzeiger" heißt es: Besonders aus Hamburger Handelskreisen war die Anregung zu der Aenderung in der Flaggenfrage an die Reichsregierung gerich­tet worden.

In derT ä g l. Rundschau" wird aus-;

DasB erl. Tageblatt" fragt: Soll wirklich jetzt in Paris und in London und in Wien dem Ausland vor Augen geführt wer­den, daß die Republik ihre Farben nicht zu behaupten weiß, weil es eine Anzahl landsdeutscher gibt, die aus fanatische Neigung gegen die Republik auch deren Fahne beschimpft? Will man den Ausländsdeutschen jetzt in den Rücken fallen, die treu zu schwarz- rot-gold gehalten haben? Glaubt man der Würde des Deutschen Reiches zu dienen mit einem Zustand, angesichts dessen die fremden Staaten überhaupt nicht mehr wissen, welche Fahne als amtliche Flagge des Deutschen Rei­ches anzusehen ist? Das genannte Blatt teilt ferner mit, daß das Reichsbanner Schwarz- rvtgold heute abend auf dem Eendarmen-

il Aus- ier Ab­

markt in Berlin eine große Kundgebung gegen die Pläne in der Flaggenfrage veran­stalten wird.

DerV o r w ä r t s", der seine Ausführun- gen mit den Worten überschreibt:Ein Schlag gegen Schwarzrotgold" sagt: Die neue Flag- genverordnuna ist nach außen eins Schädigung der deutschen Interessen und nach innen eine Herausforderung der republikanisch gesinnten Bevölkerung.

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der Kohlenbericht feststellt. Man ist in Deutsch­land so gern geneigt, von der Rückständigkeit der deutschen Unternehmerschaft zu sprechen und vor allen Dingen auch diese Rückständig­keit der deutschen Kohlenindustrie anzudichten. Es wäre gut, wenn Die Verbreiter derartiger tendenziöser Anschauungen sich einmal der Mühe unterzögen, den englischen Kohlenbericht zu lesen. Alles was dort als Notwendigkeit, zur Wiederherstellung der Lebensfähigkeit des englischen Bergbaues mit staatlichem Zwang geordert wird, ist von der deutschen Sohlen»

industrie längst freiwillig aus eigener Erkennt­nis heraus ohne staatliche Bevormundung gs» schaffen.

In England gibt es nicht weniger als 4000 verschiedene Berawerksunternehmungen bis zu den kleinsten Zwergbetrieben hinunter, die weder organisatorisch noch wirtschaftlich zu­sammengefaßt sind. Sie entbehren durchweg auch der kapitalistischen Leistungsfähigkeit. Be­sitzer ist der alte englische Grundherr, der aus den Kohlengruben Gewinne ziehen will, aber nicht daran denkt, etwa großes Kapital zur technischen Vervollkommnung der Betriebe aufzuwenden. So verlangt der Kohlenbericht

die organisatorische, kapitalistische und be­triebswirtschaftliche Zusammenfassung des englischen Kohlenbergbaues in größere Ge­bilde. Er verlangt weiter die Schaffung eines Kohlensyndikats zur Durchführung des Han­dels mit dem Ziel, die Schwächeren von den Stärkeren mit durchziehen zu helfen. So ver­langt der Bericht die Rationalisierung der Betriebswirtschaft in technischer Beziehung. In Deutschland ist seit Kriegsende der Berg­arbeiter mit den vierfachen maschinellen Mit­teln ausgerüstet als in der Vorkriegszeit. So

Tonnen betragen, abzuräumen. Aber das sind doch alles nur Augenblickswirkungen, die mit der Beendigung des englischen Kohlen- streiks aufhören. Die englische Kohlenindustrie hat die jetzt ausgebrochene Krise in der Ver­gangenheit wesentlich dadurch vermieden, daß man erheblichen Nutzen aus der Stillegung des Ruhrbergbaues während des Ruhrein­bruchs und des deutschen großen Bergarbeiter­streiks ziehen konnte. Wenn Deutschland auch einmal diesen Vorteil umgekehrt ausnutzen könnte, so ist damit natürlich die Weltkohlen­krise nicht beseitigt und es drängt deshalb gerade auch der große Kampf, der in England geführt wird, mit elementarer Gewalt auf eine Lösung der Weltkohlenkrise hin, d. h. zu einer Verständigung zwischen den kohlen­erzeugenden Ländern Europas sowohl hin­sichtlich der Absatzfrage wie auch der Preis­frage. Die wirtschaftliche Rückständigkeit des englischen Bergbaues wird vielleicht das stärkste Antriebsmoment für die Herstellung einer derartigen Verständigung sein. Die Welt sieht gespannt dem Ausgang dieses Ringens zu. Vielleicht wird der Ausgang dieses Kamp­fes den Anfang eines wirklichen vtirtfchast- lichen europäischen Ausgleichs heraufführen.

Die Streiklage am Diensrag.

London, 4. Mai. Reuter verbreitet fol- Bibe Mitteilung: Heute vormittag spielten durch den Zustrom der zu Fuß, auf- n und Fahrzeugen aller Art ihrer Arbeits­stätte zustrebenden Angestellten unbeschreibliche Szenen aus den Straßen ab. Die hmwkver- ! kehrsstraßen sind mit Fahrzeugen überfüllt, so daß nur ein sehr langsames Vorwärtskommen möglich ist Die Eisenbahnen, Untergrundbah­nen und Autobusse haben den Verkehr vollkom­men eingestellt. Es bestehen zurzeit keine neuen Anzeichen für eine Wiederaufnahme der Ver­handlungen zwischen der Regierung und dem Gewerkschchtskongreß. Aus dem ganzen Lande wird die allgemeine Stillegung der lebenswich­tigen Betriebe gemeldet. Insbesondere in Manchester und in Südwales ruht der Eisen­bahn- und Straßenbahnverkehr vollkommen. Wo noch Verkehrsmittel im Betrieb sind, wird der Dienst von Freiwilligen geleistet. Man be­rechnet, daß 2,5 Millionen Arbeiter an dem Streik keilnehmen. Der Verkehr zwischen Ca­lais und Dover wird nur von einem ein­zigen Dampfer aufrechierhalten. Desgleichen wird der Verkehr zwischen Le Havre und Southampton bis auf weiteres nur durch

einen Dampfer gesichert.

London, 5. Mai. Die Verluste, die durch dir .. ^v : Verhinderung der Ausfuhr von Vieh, Eier Kohlenbericht endlich die und Butter entstehen werden auf 100 000 Stillegung der völlig unrentablen Betriebe Pfund Sterling pro Woche geschätzt. Weitere

verlangt der