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201. Jahrgang.

Samuer W Anzeiger

General-Anzeiger für die Kreise Kanan Sladl und Land.

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Nr. 102 Montag öen 3. Mai 1928

âsland vor dem Generalstreik Der Dergarbeilerstreik. Neue Verhandlungen abgebrochen. Für Dienstag früh der Generalstreik beschlossen.

London, 2 Mai. Die englische Bergarbeiterkrise hat seit Samstag morgen folgenden Verlauf genom­men: Da die bis gegen Mitternacht geführten Ver­handlungen zwischen Baldwin und den Bergarbei­tern zu keinem Ergebnis führten, begann in den Kohlengruben automatisch die Arbeits­ei n st e l l u n g. Der Führer der Eisenbahnergewerk­schaft, Thomas, machte in einer Ansprache an den Gewerkschaftskongreß die Regierung für den Zu­sammenbruch der Verhandlungen verantwortlich. Am Vormittag traten in einer Konferenz die Delegierten der Bergarbeiter und der anderen Gewerkschaften zu einer Konferenz zusammen. Da innerhalb des Bergarbeitervorstandes und des Generalrates des Gewerkschaftskongresses seit dem Scheitern der Ver­handlungen mit der Regierung in der Nacht vom Freitag zum Samstag die radikalen Führer sich eine Verstärkung ihres Anhanges verschafft hatten, mußte ein Generalstreikbeschluß, wenn die Ge­werkschaftsbewegung nicht verfallen sollte, in irgend einer Form gefaßt werden. Die gemäßigten Führer setzten aber durch, daß der Generalstreik weder für alle Gewerbe, noch sofort in Kraft treten sollte, und daß seine Erklärung keine Ablehnung neuer Ver­handlungen bedeuten durfte.. Aus diesen Kämpfen im Gewerkschaftslager ging der Beschluß hervor, daß wenn bis Montag um Mitternacht keine Verständi­gung im Bergbaukonflikk in Aussicht stünde, die Eisenbahner, die Transportarbeiter, das Druckerei- Gewerbe, die Bau- und Metallarbeiter in den Aus­stand treten sollen. Die Elekkrizikäls. und Gas- arbeiter werden aufgefordert, die Lieferung von Kraft und Strom einzustellen. Die Post, Banken, die Nahrungsmittelaewerbe und die Lanerwerce tollen

^, ^ Die Eisenbahner Haben sich erboten, Milch- und Rahrnngsmittelzüge zu fahren, solange auf den Eisenbahnen keine technische Nolhllfe ein- gesetzt wird. Krankenhäuser sollen in vollem Um­fang weiter beliefert und in ihnen jede Art von Arbeit verrichtet werden.

Die Regierung beantwortete die Beschlüsse des Generalrates des Gewerkschaftskongresses mit der Erklärung einernationalen Rokstandslage" in einer königlichen Proklamation, die außerordentliche Ge­walten an zehn Zivilkommissare überträgt, durch die jeder einen Großdiskrik« des Landes während des Notstandes zu verwalten und feine Versorgung zu regeln hat. Durch Verordnung wird der Verbrauch gewerblicher Kohle, sowie des Gases und der Elektri­zität für Kraftwerke auf 50 Prozent des normalen i Verbrauchs herabgesetzt und die Höchstmenge der 5 Hausbrandkohle, die wöchentlich pro Familie gekauft | werden darf, auf einen Zentner festgesetzt. Glèich- i zeitig wurden aus kleineren Garnisonen starke I Truppenkörper nach Südwales, Lancashire, Northumberland und Schottland dirigiert, um die dortigen Garnison- und Polizeikörper zu verstärken. Die Regierung wird weiter die Flotte, die am - Dienstag zu einer Kreuzfahrt in See gehen sollte, nötigenfalls zu Hilfsmaßnahmen heranziehen. Der k Führer der- Cifenbahnarbeiter Thomas erklärte, das Land habe noch niemals einer so ernsten Krisis | gegenübergestanden.

Sm Laufe des Samstag war die Aussperrung I der Bergarbeiter vollständig in Kraft getreten. In I England, Schottland und Wales find annähernd eine | Million Bergarbeiter ausständig. Die Streikenden I haben gestern Demonstrationszüge und | Maifeiern veranstaltet, die sämtlich ohne Ruhe- I Störungen verlaufen sind. 3m Laufe des gestrigen Abends krak eine neue dramatische Wendung im englischen Berg- I arbeikerkonflikk ein, als der Generalrat des Ge­werkschaftskongresses an Baldwin einen Brief I richtete, in dem er erklärte, daß der Generalrak I Mr Anbahnung neuer Verhandlungen jederzeit I zur Verfügung der Regierung stände. Baldwin I berief daraufhin einige Gewerkschaftsführer zu sich, die vier Stunden mit dem Premierminister, I Lord Birkenhaed und einigen Ressortministern 8 der Wirtschaftsressorts verhandelt haben. I Nachts 2 Uhr erklärte Thomas, daß die Ver- I Handlungen heute wahrscheinlich fortgesetzt wer- i den würden. Vormittags und nachmittags hielt £ das Kabinett zwei zweistündige Sitzungen ab, und um 7 Uhr abends begannen neue Verhand- I j""gen des gesamten Generalrats des Gewerk- H Ichaftskongresses mit der Regierung, vertreten M durch Baldwin und eine Anzahl Mitglieder. W Gleichzeitig berief der Vorstand der Bergarbei- I jergewerkschaft die wieder in ihre Bezirke ab- I freisten Delegierten zu einer neuen Delegier« H jeakonferenz auf Montag nach London zu- 1 U'umen. was darauf schließen läßt, daß gestern

und heute neue konkrete Vermittlungsvorschläge ausgearbeitet sein müssen.

Diese neuen Verhandlungen sind jedoch wie­der abgebrochen worden, sodaß Gefahr besteht, daß der angedrohte Generalstreik in die Tat umgesützt wird.

Die neuen Verhandlungen abgebrochen.

London, 3. Mai. Amtlich wird gemeldet: die Sohlenverhandlungen sind abgebrochen.

London, 3. Mai. Das Druckereipersonal der Daily Mail" erhob Einwände gegen einen Leitartikel. Als der Herausgeber es ablehnte Aenderungen daran vorzunehmen, legte das Personal die Arbeit nieder.

Die Negierung verlangt die Zurück­ziehung der Generalstreiksparole.

London, 3. Mai. Die Regierung hat dem Ausschuß des Gewerkschaftskongresses eine E n t s che i d u n g zugestellt: Die Regierung glaube, daß keine praktische Lösung der Schwie­rigkeiten in der Kohleninduskrie für die Betei­ligten erreichbar sei, wenn nicht der Bericht der Kohlenkommission aufrichtig angenommen wird. Seit der Erörterung zwischen den Mini- slern und dem Gewerkschaftsausschuß ist der Regierung bekannt geworden, daß ausdrücklich Anweisungen ergangen sind, daß mehrere In- dustrien in den Generalstreik treten sollen. Außerdem seien öffentliche Handlungen vorge-

eine Herausforderung der ' konstitutionellen Rechte und Freiheit der Ration. Die Regierung müsse daher vom Gewerkschafkausschuß ver­langen, daß er die erwähnten Handlungen ver- urtestt und unverzüglich die Anweisung zum Generalstreik zurückzieht.

Die deutschen Bergarbeiter und der englische Kohlenstreik.

Wie derVorwärts" aus Bochum berichtet, hat der britische Bergarbeiterverband am Samstag den Verband der Bergarbeiter Deutschlands telegraphisch von dem Ausstand im englischen Kohlenbergbau benachrichtigt- Wie das Blatt weiter schreibt, wird die Haltung des Bergarbeiterverbandes Deutschlands zu diesem englischen Streik bestimmt durch die Brüsseler Entschließung des Exekutivausschusses der Bergarbeiterinternationale, die nötigenfalls eine internationale Hilfsaktion zu Gunsten der Merkenden englischen Bergarbeiter vorsieht. Bis gestern abend lag beim deutschen Berg­arbeiterverband noch fein diesbezüglicher An­trag vor.

Wahlkreisparlettag der Volksparlei.

Wiesbaden, 2. Mai. Hier fand gestern und heute der diesjährige Parteitag der Deutschen Volkspartei des Wahlkreises' Hessen-Nassau statt. Den Höhepunkt des Parteitages bildete der am Sonntag vormittag 10 Uhr im Kur­hause stattgefundene Vertretertag. Nach Be- grüßungsworten des Wahlkreisvarsitzenden Rektor Landgrebe und des Vorsitzenden der Wiesbadener Ortsgruppe Stadtv. Glück- l i ch nahm Reichstagsabg. Dr. Kalle- Frank­furt a. M. das Wort zu einem Referat über

die politische Lage im Reich.

Er entwarf ein Bild des politischen Geschehens der letzten Jahre vom Tage des Zusammen­bruches an über den Ruhrkampf, die Verhand­lungen über den Dawesplan und den Pakt von Locarno. Da uns durch die politischen Gescheh­nis her taxier Zehre alle Waffen aus der Hand genommen seien, bleibe nur der Weg einer vernünftigen weitsichtigen Verständi­gungspolitik übrig. Erfreulicherweise sei die Zahl derjenigen, die die Richtigkeit dieses We­ges eingesehen hätten, immer mehr im Wachsen begriffen. Gegen die jetzige Außenpolitik stän­den, abgesehen von Kommunisten und Natio­nalsozialisten, nur noch die Deutschnationalen in beachtlicher Opposition. Aber auch in ihren Reihen werde der Ruf nach einer positiven Stellungnahme je länger je mehr laut. Der Redner betonte, daß die Vertragskontrahenten von Locarno immer noch nicht'bestrebt seien, die notwendigen Konsequenzen in Bezug auf die Rückwirkung des Locarnovertrages zu

ziehen. Wir dürfen nicht müde werden, dieses Versagen immer wieder in die Welt hineinzu­schreien. Wenn man von gewisser Seite mit einem Wiederaufleben separatistischer Tenden­zen im Rheinland rechne, so täusche man sich: das Rheinland werde seinem Vaterland ewig und treu anhängen. Wenn es trotz aller Schwierigkeiten möglich gewesen wäre, vor­wärts zu kommen, so sei das zu einem erheb­lichen Teile das Werk der Deutschen Volks- partei, die nicht die Hände in den Schoß gelegt, sondern zum Wohle des Vaterlandes gewirkt habe. Bezüglich der innerpolitischen Lage er­klärte der Redner, daß die Partei sich immer wieder energisch für das Gedeihen des Vater­landes einsetze und das Wohl des Vaterlandes vor das Wohl der Partei stellen werde.

Reichstagsabgeordneter Dr. Runkel nahm dann zu kurzen Darlegungen über

Aufwertung und Fürstenabfindung

das Wort. Er schilderte das wechselvolle Ge­schick des Kompromisses in der Frage zur Fürstenabfindung und lehnte das sozialdemo­kratisch-kommunistische Volksbegehren zur ent­schädigungslosen Enteignung des Fürstenver­mögens, ebenso den demokratischen Antrag auf Enteignung mit angemessener Entschädigung ab, da beide Anträge gegen die Reichsver­fassung Verstößen. Auch die Fürsten seien deutsche Staatsbürger. Der Redner wandte sich dann gegen das Verlangen der Deutschnatio­nalen, die Abfindungsfrage auf Grund veral­teter Rechtsauffassung zu regeln. Entscheidend müsse das heutige geltende Recht sein. Reiner Privatbesitz sei den Fürsten, rein öffentliche Einrichtungen den betreffenden Ländern zu­zusprechen, während strittige Fragen einem Sondergericht zu überweisen seien.

Als letzter Redner sprach Landtagsabg. Schutrat Sch w a r zh a u p t -Frankfurt a.M-

politische Lage in Preußen.

Die Deutsche Volkspartei sei aus der früheren großen Koalition ausgetreten, als sich die staatspolitische Notwendigkeit ergeben habe, die bisher in der Opposition stehenden Deutsch­nationalen in die Verantwortung hineinzu­stellen, dann aber auch, weil die Uebermacht einer einzelnen Partei zu groß gewesen sei, um eine gedeihliche Arbeit sicherzustellen. Entgegen allen Dementis stellte der Redner fest, daß von feiten des Kultusministers Konkordatsverhand­lungen mit der römischen Kurie geführt wür­den. Wenn auch die Deutsche Volkspartei in Preußen in Opposition stehe, so sei sie doch auch in Preußen zur Mitarbeit zum Wohle des Staates bereit.

An der

Diskussion beteiligten sich zahlreiche Redner aus allen Tei­len des Wahlkreises, u. a. Stadtv. Glücklich- Wiesbaden, Wolke-Caffel, Bayer-Frankfurt, Landtagsabg. Kaiser, Staatsrat Rumpf-Frank­furt, Rechtsanwalt Krücke-Wiesbaden und der Vorsitzende des Reichslandbundes Reichstags­abgeordneter Hepp. Letzterer wies besonders auf die schweren sich aus dem Dawesabkommen ergebenden Lasten hin, die in den nächsten Jah­ren in die Erscheinung treten würden. Die schweren, die Wirtschaft drückenden steuerlichen und sozialen Lasten müßten abgebaut werden. Der Staat müsse nicht nur ein Wohlfahrts­institut sein, sondern er müsse auch für Arbeits­möglichkeiten sorgen. Die Siedlungsfrage müsse energisch in Angriff genommen werden. Die gegenwärtige erschreckende Landflucht bedinge eine weitere Vermehrung der Arbeitslosigkeit.

Nach Schlußworten der einzelnen Referen­ten wurden schließlich zwei Resolutionen angenommen, von denen die erste besagt, daß es eine der wichtigsten Aufgaben fei, der not­leidenden deutschen Landwirtschaft zu h e l f e n, in erster Linie durch Gewährung von Staatskrediten an die Landwirtschaft und eine Herabsetzung des Zinsfußes. In der zweiten Resolution wird betont, daß das Problem der Erwerbslosigkeit nur durch den Aufbau der deutschen Gesamtwirtschaft gelöst werden könne. Steuerliche Erleichterungen dürften nicht durch gleichzeitige Erhöhung der Realsteuern wieder wertlos gemacht werden. Insbesondere wurde der Abbau der gewerbe- eindlichen Hauszinssteuer gefordert, deren Be­rechtigung grundsätzlich nur solange anerkannt werden könne, als ihr voller Wert zu Zwecken des Wohnungsbaues verwendet wird. Nachdem noch dem Parteivorsitzenden Reichsminister Dr. Stresemann eine Ergebenheitsadresse über­sandt worden war, wurde der Parteitag nach Schlußworten des Vorsitzenden Landgrebe ge­schlossen.

Die Maifeier«.

Berlin, 1. Mai. Die Berliner Maifeiern vollzogen sich heute vormittag in dem üblichen Rahmen. Die freien Gewerkschaften veranstal­teten in zahlreichen Sälen Versammlungen, zu denen sich die Teilnehmer in geschlossenen Zügen unter Mitführung von Musikkapellen und roten Fahnen begaben. Alle Verkehrs­unternehmungen waren im vollen Umfange in Betrieb. Bemerkbar machte sich die Arbeitsruhe des 1. Mai nur in der Industrie, obgleich hier die Beteiligung an den Maifeiern durchaus nicht einheitlich war. Während in manchen Werken, wie beispielsweise bei der A. E. G., durchschnittlich 90 P r o z e n t der Belegschaften feierten, wurde in anderen Betrieben in verhältnismäßig starkem Umfange die Arbeit aufrechterhalten. So waren bei der Knorr- Bremse heute früh 65 Prozent der Ar­beiterschaft erschienen. Die Bergmann- Werke arberteteen mit annähernd 50 Prozent der Belegschaft. Die Siemens-Werke haben im vollen Umfange gearbeitet. Die Angestellten waren mit verschwindenden Ausnahmen zum Dienst erschienen. Von den Arbeitern blieben nur vereinzelte Teile der Belegschaft der Arbeit fern. In den Werkstätten der Reichsbahn herrschte zum großen Teil Arbeitsruhe. Nach den bisher vorliegenden Meldungen war es zu keinerlei Zwischenfällen gekommen.

München, 1. Mai. Am 1. Mai hatten dis freien Gewerkschaften zu einer Kundgebung aus der Theresienwiese aufgefordert, die ruhig ver­lauf ist. Am Vormittag hatte die Polizei nur einmal im Westen der Stadt einzugreisen, wo sich die Kommunisten mit Fahnen und Tafeln angcsammelt hatten. Die Züge wurden durch die Polizei aufgelöst und ihnen die Fahnen und Tafeln abgenommen. Nach polizeilichen Schätzungen im Laufe des Vormittags hat sich ergeben, daß 80 Prozent der Arbeiter in den Betrieben nicht erschienen waren.

Viulige Maifeiern in Polen.

Warschau, 1. Mar. Bei der heutigen Mai­feier kam es hier zu den befürchteten blutigen Vorfällen. Schon bei der großen Massenver­sammlung der Sozialdemokraten, die wie all- lährlich auf dem Theaterplatz abgchaltm wurde, kam es zu ernsten Schlägereien mit Kommuni­sten, die in einer Seitenstraße aufgestellt waren. Als sich der sozialdemokratische Demonstraticns- ?ug gebildet hatte, drängten die Kommunisten ^ungestüm nach und verwickelten die den sozial- demokratischen Zug deckende Arbe'terwchr in einen Kampf, der zuerst mit Stöcken und Fäusten, in der Krakauer Vorstadt vor dem Mickiewicz-Denkmal aber auch mit Revolvern geführt wurde. Trotz der Anstrengungen der Polizei, die mehrfach sehr energisch eingesetzt wurde, wiederholten sich bk Kämpfe zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten auf der R euen Welt und am Dreikreuzplatz. Hier kam es neuerlich zu einer minutenlangen Schießerei, nach deren Beendigung durch die Polizei fünf Verletzte auf dem Platze blieben. Auch an an­deren Stellen entwickelten sich mehrfach Schlägereien. Zwischen 1 und 2 Uhr lösten sich die Züge ohne weitere Zwischenfälle auf. Nach den vorläufigen Feststellungen wurden in War­schau als Opfer der heutigen Ausschreitungen insgesamt 4 Tote und über 30 Ver­letzte gezählt.

Verhaftung von Kommunisten in Warschau.

Warschau, 30. April. Die hiesigen Polizei­behörden haben mit Rücksicht auf die morgige Maifeier umfangreiche Sicherheitsvorkehrun­gen getroffen. Die hiesige Schutzmannschast, die alle ihre Kräfte mobilisiert hat, wurde noch durch Polizei aus Pomerellen verstörst In der vergangenen Nacht sind an hundert Kom­munisten und angeblich auch das Exekutiv­komitee der Kommunisten verhaftet worden.

Das Urteil im Sklarz-Prozetz.

Berlin, 1. Mai. Im Betrugsprozeß gegen Heinrich Sklarz vor dem Schöffengericht wurde heute nachmittag das Urteil gefällt. Sklarz wurde schuldig befunden des vollendeten und versuchten Betruges in mehreren Fällen, der Untreue und Erpressung in je einem Falle und zu einer Gesamtstrafe von 1 Jahr 6 Monate Gefängnis, 50 000 Mark Geldstrafe ober weiteren 200 Tagen Set ängnis sowie zu drei Jahren Ehrverlust ver- rrterlt. Wegen der Höhe des Strafmaßes erließ das Gericht gegen <Älarz einen Haftbefehl dessen Vollstreckung aber durch Stellung einer Sicherheitssumme von 20 000 Mark binnen acht Tagen abgewendet werden sann. Sklarz wurde daraufhin aus dem bisherigen Siche­rungsgewahrsam entlassen.