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201. Jahrgang.

ßanauer 8 Anzeiger

General-Anzeiger für die Kreise Kana« Stadt und Land.

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Sir. 74

MoMsg öen 29. März

1926

KedeEeiev in Sversschiefien.

Äedeu »es Reichsinnenw-isters Dr. Külz und -es Ministers Severing.

wurden von ungefähr 1200 Schulkindern auf der Freitreppe des Rathauses Volkslieder vorgetragen. Bei einem sich anschließenden Mittagessen in der Bahnhofswirtschaft sprach

LreÄail, 28. März. In der oberschlesifchen Pro- Mialhauptstadt Oppeln fand heute die amtliche tz«q>tjsier zur Erinnerung an die Abstimmung not fünf Jahren statt, cm der außer Vertretern der ginnte. und Selbstverwaltungsbehörden Oberschle- s« auch der Reichsinnenminister Dr. Külz und der preußische Innenminister Severing in Ve- gleltimg einiger Berliner Reffortbeamten teilnah- M. Am Vormittag fand im Oppelner Stadttheater eine erste Feierlichkeit statt, die mit einer Rede des früheren deutschen Abstimmungskommissars Landrat 3t, Urbanek eingeleitet wurde, der den fried- i^ffl Sieg des 20. März 1921 nur als Anlaß halber jteube bezeichnete, da die Auswertung des Abstim- Mgsergebniffes dann die deutschen Oberschlesier p tiefenttäusche. Der Redner begrüßte un^r im Anwesenden besonders den Führer des ober- Mrschen Selbstschutzes aus der Abstimmongs- lâipfzeit, General Hoefer. Er kennzeichnete dann mH einmal das Unrecht der Entscheidung irr Obersten Rates und die Einseitigkeit der Swirkung der interalliierten Kommission für Ober- Wen. Wenn diese ihre Versprechungen nicht «hr gemacht habe, die durch die Friedenstaube auf W Hoheitszeichen charakterisiert waren, so solle in deutschen Politik für Oberschlesien das Friedens- pichen doch mit größerem Rechte das Signum jeden. Die deutschen Oberschlesier würden die Hoff- mg auf Vereinigung mit den getrennten Brüdern W aufgeben, wenn sie auch einsehen, daß diese WWg in Zukunft nur noch auffriedlichem Dege angesichts der Weltlage zu erfüllen sei.

Hieraus nahm Reichsinnenmiuister Dr. Külz te Wort:

Wir wollen Oberschlesien innig danken. Die Sri, wie die oberschlesische Bevölkerung ihre «eidenszeit getragen hat, wie sie sich in den

sal unserer deutschen Minderheiten zu er­leichtern.

Frei von jedem Chauvinismus, frei von jeder Geringschätzung anderer Völker, fühlen wir uns doch mit Stolz als eine große, einige, innerlich unzerstörbar verbundene Gemein­schaft und die Welt wird sich daran gewöhnen müssen, daß das Deutschentum nicht nur die Verkörperung einer nationalen Idee ist, son­dern auch die Verkörperung einer Mensch­heitsidee, ohne die die Welt nicht das wäre, was sie heute ist. Das, was das Deutschtum der Welt an geistigen, fvirtschastlichen, kul­turellen und sozialen Großtaten geschenkt hat, stehz vor der Geschichte aller Zeiten fest und berechtigt uns zu jenem Stolze, den wir uns auch in Zeiten der nationalen Not erhalten wollen und der es trotz allem Schweren, was auf uns lastet, doch freudig bekennt: Ich danke Dir Gott, daß ich ein Deutscher bin.

Dieses tief innerliche Erfassen ins Deutschtums wollen wir von uns auch auf unsere Kinder vererben. Der deutschen Mutter erwächst hier ein heiliger Dienst an ihrem Volke Wenn Du als deutsche Muller das er­kennen willst, dann nimm Dein Kind auf den Schoß und sieh ihm in die klaren Kinder­augen. Da steht noch nichts geschrieben von all dem Jammer und Elend, durch das wir jetzt hindurch müssen und Du wirst als Mutter die tiefe Sehnsucht haben, daß Dein Kind es einst besser hat, als wir cs jetzt

bet Oberprâsidenl der Provinz Ober­schlesien Dr. Proske.

Ganz Oberschlesien, so sagte der Redner, feiere mit tiefem Stolz aber auch wehmütigen Gedenkens den siegreichen Tag der Abstim­mung, durch die Oberschlesien beim Reich ver­blieben sei. Man dürfe aber auch über dieser Feier nicht die zweite Abstimmung vergessen, durch die Oberschlesien sich dahin entschied, bei Preußen zu bleiben, und darauf ver­zichtete, einen eigenen Staat innerhalb des Reiches zu bilden." Die Abstimmung über das Verbleiben bei Preußen werde für die preu­ßische Staatsgeschichte stets ein denkwürdiges Ereignis bleiben.

Deutscher Geist, deutsche Kultur, preußische Tüchtigkeit, Ordnung und Pflichtbewußtsein hätten Oberschlesien zu einer der bedeutungs­vollsten Jndustriestätten Europas gemacht. Das Reich und Preußen hätten die Pflicht, die Wunden, die Oberschlesien in diesem Kampf für das StaatsinLresse erlitten hätte, zu heilen. Als ausführendes Organ der preu­ßischen Regierung in Oberschlesien könne er nur sagen, daß Preußen im Rahmen seiner beschränkten Mittel alles tun werde, um zu helfen. Mit einem weitgehenden Schutz der polnischen Minderheit erstrebe Preußen die Herstellung von Zufriedenheit und Harmonie in Oberschlesien. Mit dem Ruf: „Das preu­ßische Mutterland, Es lebe hoch! schloß der Oberpräsident die Ansprache.

Nach dem Oberpräsidenten ergriff noch einmal Minister Severing das Wort und

ahmen seiner

rast und die Liebe

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ihm seine innere d

betonte vor allem,

ring das Wort und daß die oberschlesische

Regierung unverändert sei. Sie stehe auf dem Boden der Friedensverträge und werde darüber hinaus keine Bindungen eingehen, welche die im Friedensverkrag selbst enthal­tenen Entscheidungsmöglichkeiten beeinträch­tigen könnten.

In einem Gespräch mit dem Chefredak­teur der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" Kher österreichische Bundeskanzler Dr.

ek, er freue sich, daß es ihm vergönnt sei, den seinerzeitigen Besuch des Reichskanzlers Dr. Marx und des Reichsaußenministers Dr. Stresemann in Wien erwidern zu können und durch diesen Aufenthalt in Berlin in be­sonderer Weise die herzlichen und freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden deutschen Staaten Mittel­europas zu betonen. Die Republik Oesterreich sei durch die besonderen Verhältnisse ihres Entstehens, durch die Notwendigkeiten ihres inneren und wirtschaftlichen Aufbaues darauf angewiesen, mit allen Nachbarstaaten freund­schaftliche Beziehungen zu unterhalten. Darüber hinaus sei es aber selbstverständlich, daß die Beziehungen zum Deutschen Reich in­folge der Gleichheit des Volkes besonders herzlich fein müßten. Weiter hob Dr. Ramek hervor, daß Oesterreich für seine wirtschaft­lichen Wiederaufbaubestrebungen bei den maßgebenden Faktoren des Reiches imnici Verständnis gefunden habe.

Zentrum und Fürstenabfindung.

Berlin, 28. März. Der Reichspartei» a u s s ch u ß war heute im Reichstag versam­melt, um sich mit der Frage der Fürstenab­findung zu beschäftigen. An den Verhand­lungen nahmen neben zahlreichen Delegierten aus allen Teilen des Reiches und neben vie-

madiges geschichtliches Monument der deut- Wn Treue, ein einziges großes Bekenntnis st dem Glauben an Deutschalnd und zu dem mdanken, daß die Zukunft und das Leben MrsHlesiens nur bei Deutschland sein können- sie sönnen trotz allen Leidens, das über dem vchilksal Oberschlesiens sich breitet, stolz und M erhobenen Hauptes den heutigen Gedenk- $ begehen. Es bewährt sich an Oberschlesien Wort: Je schwerere Aufgaben einem einem Volk gestellt sind, auf eine desto Were Stufe steigt dieser Stamm und dieses M Ja, wer nur in guten Tagen seine Heimat ® sein Vaterland liebt und in schweren Zei- von ihm wenden wollte, der wäre ein Eos Jschariot an seinem Volke und Dater- Es ist uns allen im deutschen Reich ein Anendes Gefühl, dieses treue Festhalten Mrschlestens an Deutschland gerade in der Zeit fi#« Not vor uns zu sehen. Bewahren Ibisse Treue zur oberschlesischen Heimat und ” gwßen deutschen Vaterlande:

Dieses Land, da Du geboren, Das Du als Heimat liebst, Es ist Dir erst verloren, Wenn Du's verloren gibst.

zu dem, was uns als Deutschen wert und teuer ist. Und Dein Kind wird Dir's einst danken und Dich segnen, wenn Du schon lange nicht mehr bist und wenn es seinen Kindern erzählen kann: Von meiner Mutter habe ich den Stolz zu meinem Deutschtum erhalten, das mich über die Schwere der Zeit hinweggebracht hat.

Und nun wollen wir gemeinsam als deutsche Schicksalsgemeinschaft weiter -arbeiten und rin­gen, um gemeinschaftlich das zu überwinden, was die Fügung uns auferlegt hat. Die Treue der Dberfd)tefier aber zum deutschen Vaterland möge dereinst ihren Lohn finden in einer glück­lichen Zukunft.

Vor dem Theater sprach dann zu einer großen Volksmenge

Ministerpräsident Severing.

Er führte u. a- aus: Am 20. März 1921 gaben Sie mit dem Stimmzettel in der Hand Ihrem Willen Ausdruck, bei Deutsch­land zu bleiben. MU dem Stimmzettel in der Hand erklärten Sie: „Wir sind guü Ober-

hiÄUnre4t an Oberschlesien * Premierminister Macdon

Bung dieses Landes genannt hat, hat Tau- SA",deutschen Brüdern und Schwestern !ew o^Eliche Grenzen von uns getrennt. lln- ibtifh^ n?*1!?1 ^veilen in dieser Stunde auch bei unJ;.?1? Geschichte läßt es auf die Dauer nicht Sten,» ; "^"" man willkürlich staatliche liehet "^ zusammengehörige Volksgebiete 0er n^ ^urch die Herzen der Vienschea und Walid-kb^nosstu kau« überhaupt keine Ge- wir „„^rde eine Grenze ziehen und so bleiben 2eu>N ^it den staatlich von uns getrennten das, !i-^ m inniger Gemeinschaft. Wir wissen, «Lh « Staate gegenüber, dem sie jetzt an- Men^ ^ staatsbürgerlichen Pflichten er- ivird d-^^"', âr ihr seelisches Menschsein ^it- ,.? Deutschtum gehören. Wir rufen ihnen

wie der bd-

chlesier und bleiben gute Oberschlesier. Wir ind gute Preußen und bleiben gute Preußen. Wir sind gute Deutsche und bleiben gute Deutsche." Dafür danke ich Ihnen im Namen der Staatsregierung. Gewiß ist dieser sieg­reiche Kampf noch einmal später durch offe Gewalt in sein Gegenteil verkehrt morhi Aber heute erkennt alle Well diese Entschei­dung als Unrecht an, mindestens aber als Irrtum.

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en.

deuli^o ^obf Dank für Euer Bekenntnis zum bleibt treu und stark.

Ich»r!° beuksche Kulturgemein- nen L ^'^ niemand zerstören kön- Star P rn9* nicht ab von der ziffernmäßigen Den iLOe£, deutschen Kulturträger, sondern ^WhirfLu 5^ des Kulturwillens und der Ung j.?lt, die in ihnen lebendig ist. Wie ^Uifshsn -kulturelle Unterdrückung der im ten, U Staatsgebiet lebenden Minderhei- ^rhin 1Vines Kulturstaates schlechthin un- dicht« „^derzeit fern liegt, so werden wir «versucht lassen, das kulturelle Schick-

Ich hoffe und glaube, daß die Weltge­schichte diesen Irrtum einmal berichtigen wird.

Wenn das Recht bald zugunsten Deutsch­lands geschehen soll, dann dürfen Sie, Männer und Frauen Oberschlesiens, den Kampf nicht als ausgefochten betrachten. Ich spreche hier nicht von einem Kampf mit dem Rüstzeug der Gewalt, sondern von einem Kampf mit den Waffen des G e i st e s, in dem wir siegen müssen, wenn jeder auf seinem Posten steht. Sie hier in der Grenzmark haben eine schwere Aufgabe für das ganze deutsche Volk zu erfüllen. Sie sind das Bollwerk im Osten. Sie sollen darüber wachen, daß nicht ein Finger breit deutschen Bodens verloren geht, und daß deutsche Sitte und Kultur un­versehrt dem Deutschtum erhalten bleibt.

In diesem Kampf ist erforderlich, was der von uns allen hochverehrte Herr Calonder kürzlich hervorhob:

Besonnenheit und Gerechtigkeit.

In dieser Erkenntnis werden Sie den Kampf siegreich führen. Diese Ueberzeugung soll das Gelöbnis an das Deutschtum, deutsche Einigkeit und an die deutsche Revublik fein. Begeistert sang darauf die Menge das Deutschlandlied.

3«m Schluß der öffentlichen Kundgebung

am Herzen liege, und daß sie alles tun werde, was in ihren Kräften stehe, um die Not auf allen Gebieten des Wirtschaftslebens zu mil­dern. Bei dieser Gelegenheit ermahnte er die Oberschlesier und alle Deutschen, durch Einig­keit der Bestrebungen und guten Willen die Regierung zu unterstützen und dem angestreb­ten" Ziel dadurch zur Vollendung zu verhel­fen, daß der alte Erbfeind der Deutschen, die innere Zwietracht, ausgeschieden werde.

Dr. Slameft in Berlin.

Berlin, 28. März. Zu Ehren des öster­reichischen Bundeskanzlers Dr. Ramek ver­anstaltete das preußische Ministerium für Kunst, Wissenschaft und Volksbildung heute abend vor geladenem Publikum in der staat­lichen Oper eine Festaufführung des Fidelio unter Leitung von Musikdirektor Dr. Kleiber. Die Aufführung, die auf einem hohen künst­lerischen Niveau stand, wurde zu einer großen Ovation für den Dirigenten. In der Ehren­loge sah man neben dem Bundeskanzler Ramek den Reichsaußenminister Dr. Sirese- mann und eine Reihe weiterer Mitglieder des Reichskabinetts und der preußischen Re­gierung.

Der österreichische Gesandte, Dr. Frank, gab heute nachmittag in den Räumen der Gesandtschaft ein Frühstück, an dem neben den Mitgliedern der österreichischen Dele­gation Reichskanzler Dr. Luther, Reichs­außenminister Dr. Stresemann und Nuntius Pacelli teilnahmen. Erschienen waren ferner der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Dr. von Schubert, die Ministerialdirektoren Dr. Köpke und Dr. Ritter, Ministerialrat Windel, sowie andere Mitglieder der Reichs­behörden.

In Berlin und in Wien ist von offizieller Seite betont worden, daß die Anschlußfrage im Augenblick nicht als akut zu bezeichnen fei und daß daher der Besuch Dr. Rameks mit ihr in keinem unmittelbaren Zusammenhang stehe. Es wäre natürlich völlig verfehlt, aus dieser Feststellung, die von der Rücksicht auf die gegenwärtige politische Situation beider Länder diktiert "ist, den Schluß zu ziehen, als habe die Anschlußbewcgung an Stärke ein­gebüßt. Davon kann natürlich keine Rede sein, lind die Holtung nahezu der gesamten Ber­liner Presse läßt das sehr deutlich erkennen. Alle vernünftigen Politiker, so konstatiert die „Tägliche Rund- schau", sagen sich, daß wohl der An­schluß verzögert, nicht aber ver­hindert werden kann. „Wir haben Zeit, die Entwicklung mit Ruhe zu erwarten, weil wir bestimmt wissen, daß die Stunde des Zusammenschlusses fommen muß." Dr. Ramek selbst hat sich auf Befragen mit begreiflicher Zurückhaltung geäußert. Er erklärte einem Vertreter des „Tag", daß in der Frage des Anschlusses der Standvunkt der österreichischen

Reichsminister Dr. Marx, Dr. Brauns und Dr. Haslinde teil. Am Schluffe der Bera­tungen wurde folgende Entschließung angenommen:

„Der Reichsausschuß der Deutschen Zen» trumspartei stellt nach eingehender Verhand­lung der Frage der Auseinandersetzung über die Fürstenvermögen einstimmig fest, daß die Reichstagssraktion als zunächst berufene In­stanz der Partei in dieser Frage den Weg ge­gangen ist, der den Gvundsätzen der Partei entspricht. Der Gesetzentwurf, der dem Volks­begehren zugrunde gelegt worden ist, steht zu diesen Grundsätzen in schroffem Widerspruch. Der Reichsausschuß spricht daher der Frak­tion sein volles Vertrauen aus. Er ist mit chr

darin einig, daß in dieser schwierigen Frage eine Lösung gefunden werden muß, welch allgemeine Verarmung der deutschen Bi

ld die Pflicht aller " " „ 7 "

gen des verlorenen Krieges mitzutragen, in vollem Maße berücksichtigt, aber auch den in der Verfassung der deutschen Republik ge­währleisteten Schutz des Privateigentums und den christlichen Rechtsgrundsätzen Rechnung trägt. Der Reichsausschuß ist überzeugt, daß die Fraktion mit allem Nachdruck dahin stre­

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ben wird, eine beiden Notwendigkeiten ent­sprechende Lösung zum schleunigen Abschluß zu bringen."

Gedenkfeier des Reichskabinevs für Fehrenbach.

Berlin, 27. März. Heute nachmittag ver­einigten sich die Mitglieder des Reichskabi­netts zu einer kurzen Gedenkfeier für den ver­storbenen Reichskanzler a. D. Fehrenbach. Reichskanzler Dr. Luther widmete dem Dahin­gegangenen folgende Worte:

„Mit tiefem Schmerz haben wir gestern die Kunde von dem Heimgang des früheren Reichskanzlers Herrn Fehrenbach vernom­men. Wir betrauern nicht nur den Verlust eines gütigen Menschen, eines opferbereiten und pflichtbewußten Patrioten, eines hervor­ragenden Parlamentariers und politischen Führers; er war für uns noch mehr: ein selbstloser gütiger Freund, der uns stets mit feinem Verständnis, mit klugem Rat und mutiger Tat zur Seite stand, so oft wir in schwieriger Lage seiner Hilfe bedurften. Er fernst hat ia einst hier in diesem Hause ge­wirkt, zu einer Zeit, als die Bürde des Kanzleramts sicher nicht leichter drückte als heute. Er war der erste Kanzler des Deutschen Reiches, der mit den ehemaligen Kriegsgeg­nern zu persönlichen Verhandlungen kam. Daß sie nicht zu dem von ihm heißerschnßen Ziele führten, lag in der Macht der Verhält­nisse: die Zeit war damals für Verhand­lungen unter dem Zeichen wirklicher Gleich­berechtigung nicht reif. Seine ganze Kraft, sein reines und edles Wot-