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201. Jahrgang

SanauerS Anzeiger

Geaeral-Anzeiger für die Kreise Kanan stabt und Land.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Fernsprech-Sammelnummer 3956.

CL gsprite: Für bett halben Monat 1. Reichsmark, für den ganzen Monat L Reich»««! ohne Sigslohn. Einzelnummer ist, Freitag 15, Samstag 12 Retchspfenntg. Anzeigenpreise: Für . - Höhe tat Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 Retchspfenntg, im SleNameteil von 68 mm Breite z «tichspiruutg. Offerte»gebühr: 50 Retchspfenntg. Geschäftsstelle: Hannuerstraße s.

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St. 71

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Donnerstag den 25. Mürz

1926

9(1$ WMâMMM des Neichsernährungsmimsters

Melle der Unruhe und Aufregung in den M lagen herrschte gestern beschauliche im Reichstage. Man merkte dem hohen ch die Strapazen, die hinter ihm liegen an. R Haushaltplan des Ministeriums für Er- jjning und Landwirtschaft stand zur Be- fiiiitg und eine lange Rede Haslindes leitete n ein. Unter den eben geschilderten Verhält- ijen war es kein Wunder, daß das Audi- «m sich lediglich aus Leuten zusammensetzte i in besonders naher Beziehung zur Land- Waft stehen. Man entnahm der Rede, daß K getan werden soll, um die Produktion im teffe der Allgemeinheit zu heben. Als be- ichnswert verdient hervorgehoben zu wer- übah Haslinde mehrmals auf den notwen- e Zollschutz für die Landwirtschaft Hin-

Auch die nachfolgenden Vertreter der ideien, die in langer Reihe aufmarschierten, chen vor fast leerem Hause, und man ge- den Eindruck, es mit einer Sitzung zu

«sicher Art

Die deutsche Antwort an LhamdevSain.

Die Rede Chamberlains im englischen Unter­haus am Dienstag hat der deutschen Regierung Veranlassung zur Veröffentlichung der Note gegeben, mit der die brasilianische Regierung auf das deutsche Memorandum vom Septem­ber 1924 über den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund geantwortet hat. Von unter­richteter Seite wird uns dazu folgendes mit­geteilt:

HU haben, wo Zwischenfälle jeglicher. Bchlossen seien. Jedoch das Schicksal wollte »rs.

Bar keine Stimmung im Saale selbst, so tz dieses Mal die Publikumstribüne dafür, «chslung in das schläfrige Bild zu bringen.

Ito Augenblick, als Abg. Hamkens », schwebte plötzlich vor der

Es ist auffallend, daß der englische Außen­minister im Unterhaus nur auf den einen Ab­satz der brasilianischen Note vom L Dezember 1924 hingewiesen hat, den auch der brasilianische Vertreter in Genf in der Schlußsitzung der Vollversammlung allein wiedergegeben hat, und in dem von der Not­wendigkeit gesprochen wird, die in dem deut­schen Völkerbundsmemorandum aufgeworfe­nen Fragen im Schoße des Völkerbundes selbst u erörtern. Für den Eintritt Deutsch

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Wenn es hier noch eines Beweises für die Richtigkeit des deutschen Standpunktes bedürfe, so würde er durch den späteren Verlauf der Angelegenheit bis zur Mürz-Tagung erbracht fein. Von deutscher Seite verweist man beson- oers auf die deutsche Note vom 12. De­zember 1924 an den Generalsekretär des Völ­kerbundes, in der die Reichsregierung feststellte, sie entnehme aus den Antworten der Rats- mächte, daß ihren Wünschen wegen der B e - teiligung Deutschlands am Rat durch die damals im Rat vertretenen Regie­rungen entsprochen würde und gegen diese Feststellung ist in der Antwort des Ra­tes vom 13- März, an deren Fassung sowohl die brasilianische wie die englische Regierung als Ratsmächte beteiligt waren.

kein Widerspruch erhoben worden; vielmehr wurde erklärt, daß der Rat nicht in der Lage sei, eine Erklärung abzu-

Zuckerrübenbau bedarf größeren Schutzes gegenN« dem künstlich übersteigerten Zuckerexport anderer Länder. Die deutsche Heringsflotte soll vergrößert und verbessert werden, damit wir uns von der gewaltigen Heringseinfuhr aus dem Auslande frei­machen können.

Die weitere Intensivierung unserer Landwirtschaft mit dem Ziele größtmöglicher Steigerung der heimi­schen Erzeugung ist eine vaterländische Pflicht und ein volkswirtschaftliches Gebot. Die Zuführung wei­terer 35 Millionen aus den Ueberschüssen der Reichs­getreidestelle soll mindestens 200 000 Hektar in er­tragreiches Kulturland verwandeln. Weitere 15 Mil­lionen sollen der landwirtschaftlichen Siedlung be­sonders im Osten und der Ansässigmachung von Landarbeitern dienen Die Reichsregierung ist ent­schlossen, die bäuerliche und Arbeitersiedlung in den volksarmen Teilen des Ostens beschleunigt zu för­dern. Ein Gegensatz zwischen Großgrundbesitz und Siedlungsbestrebungen besteht nicht. In der Land­arbeiterfrage steht die kulturelle Hebung der Land- arbeitet im Vordergrund durch Berufsausbildung und Lehrkurfe.

Die Reichsregierung will der Landwirtschaft Licht nur über die gegenwärtige Notlage hin. weghelfeu, sondern ihr auch einen gesunder

Ane ein buntes Plakat in den Saal herab, seine Frau an einer langen Schnur hielt. I bauerte eine geraume Zeit, bis die Ab- Äneten auf die Demonstration aufmerk- »wurden und den Vizepräsident Bell be« hichtigten. Bell ordnete sofort die Entfer- ig der Frau von der Tribüne an. Diese «, die inzwischen das große gelbe Plakat I anberen kleinen Zetteln in den Saal ge- chn hatte, weigerte sich die Tribüne zu Nen. Die Aufregung auf der Tribüne griff § auf den Saal über, zumal die kommu- Wen Abgeordneten sich selbstverständlich »die Demonstrantin, die eine Kommunistin zu stellen versuchten. Schließlich gelang 'Me Frau hinauszuführen, aber der Vize- «lident sah sich veranlaßt, der Sicherheit hal- i die Sitzung für kurze Zeit zu unterbrechen die Tribünen räumen zu lassen.

Nachdem die Sitzung neu eröffnet war, Men die Kommunisten, die Anordnung W rückgängig zu machen, was ihnen jedoch gelang. Erst nach einer halben Stunde

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^ . . hak Brasilien an sich keiner­lei Einwendungen gegen den Bei- frist Deutschlands als Mitglied des Völkerbundes zu erheben, im Gegenteil, es wünscht, daß dieser Beitritt sich vollziehe. Auch ist Brasilien im Prinzip nicht dagegen, daß das neue Mitglied einen ständig Sih im Rate erhalle."

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Diese entscheidenden Sätze enthalten keiner­lei Vorbehalt Brasiliens, den An­trag Deutschlands auf Einräumung eines stän­digen Ratssitzes erst noch mit den anderen Ratsmächten zu prüfen. Noch weniger findet sich in der brasilianischen Note die ge­ringste Andeutung, daß die brasilianische Re­gierung den ständigen Ratssitz für Deutschland von der gleichzeitigen Einräumung eines

land angeht, so wird besonders darauf bin« gewiesen, daß England mit den übrigen Ver­tragspartnern von Locarno die Verbindung des Sicherheitspaktes mit dem Eintritt Deutsch­lands in den Völkerbund gefordert hat. Die ganzen Verhandlungen von Locarno sind aber auf der Grundlage geführt worden, daß Deutschland Mitglied des Bundes und zugleich ständiges Mitglied des Rates sein werde.

der Vizepräsident die Oeffentlichkeit wie- herstellen und gab die Tribünenplätze M frei. Als Nachspiel kam dann eine hef-

Auseinandersetzung zwischen

Menten des Reichstags und den Kommu- W die sich durch Herrn Koenen darüber Merten, daß die Tribünen geräumt wor- eien. Man glaubte, nachdem man sich eine anständig benommen hatte, Die Ge- nicht vorübergehen lassen zu dürfen, W wieder einmal recht albern aufzuf'"

Haus aber stellte sich geschlossen a Bells, billigte seine Mi'

2 Ne tobenden Moskauer in ihre Schranken S Erst nach einer Weile konnte die Aus- v fortgesetzt werden.

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en. die

aßnahmen und

Sitzungsbericht.

. Mn, 24. März. Auf der Tagesordnung des ^rtags steht der Haushalt des Reichsministe- J für Ernährung und Landwirtschaft. Der ersucht in mehreren Entschließungen die Zerung, auf eine Ermäßigung des Zinssatzes für ^^^wirtschaftlichen Kredite hinzuwirken und ^ «0 Pächtern landwirtschaftlicher Betriebe Per- ^°dite zu gewähren. Bei Zwangsverkäusen ^er Aüter soll die Möglichkeit des Ankaufs durch ^, ich erwogen werden, zwecks Erhaltung der ' für die Kultur in geschloßener Bewirtschaf- oder zur zweckmäßigen Allsteilung in

ReichsernShrungsminifter

$ Dr. Äasiinde.

^i, ® insuhr ausländischen Getreides und Wfir ^ Futtermittel ist sehr zurückgegangen. !> T^. muß sich auf eigener Scholle emähren .* 'twiffen durch die weitere Beschränkung der ithx ausländischer Nahrungsmittel die deutsche " hu 15 & i I a n 3 aktivieren. Es geht jetzt * Eristenz, um den Fortbestand unserer Land.

ständigen Ratssitzes anBrasilien abhängig machen werde. Die deutsche Regie­rung mußte daher annehmen, daß Brasilien ebenso wie die anderen Ratsmächte der deut­schen Forderung vorbehaltlos zustimmte. Es sei es deshalb nicht verständlich, daß Chamber­lain meine, die brasilianische Antwort hätte Deutschland veranlassen müssen, auf der Hut zu sein.

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wie eine sein

Davon, daß Brasilien damals, Chamberlain annimmt, den Deutschen Warnung übermittelt hätte, es werde eigenes Ersuchen um einen ständigen Ratssitz gleichzeitig mit dem deutschen Anträge zur Er­örterung stellen, könne gleichfalls nicht im entferntesten die Rede sein.

wirtschaft. Ich persönlich werde bei aller Anerken­nung der schwierigen Gesamtlags unserer Wirtschaft und der Notwendigkeit der ausreichenden Ernäh­rung der breiten Volksmassen mich dafür einsetzen, daß die Landwirtschaft bei den künftigen Handels- vertragsoerhandlungen die notwendige Berücksich­tigung findet und daß ihr der für sie besonders wichtige Z o lisch utz nicht versagt wird. (Beifall rechts. Hört, hört! links.) Die Hilfe für die Landwirtschaft muß von der Kredit­seite kommen. (Beifall.) Angesichts der gegen­über der Vorkriegszeit unerträglich gestiegenen Ver­schuldung der Landwirtschaft reichen die bis­herigen Kreditmahn ah men nicht aus zur Ablösung der teueren kurzstistigen Kredite durch langfristige Realkredite. Für einen Teil der über­schuldeten Betriebe wird bis zur nächsten Ernte Hilfe kaum noch möglich sein, aber wir werden wenigstens das Gros der Landwirtschaft über die schlimmste Zeit himvegbringen können. Eine aus­reichende Finanzierung der Düngemittelbestellung dürfte möglich sein. Sehr wichtig wäre für die Landwirtschaft in erster Linie die Be'ebung der Kaufkraft des inneren Marktes und die Schließung der jetzt abnorm auseinandergehenden P r o is - schere zwischen industriellen und land­wirtschaftlichen Produkten. Den Maß- satzes, vor allem des Roansnneröraiilb-! werden wir

Seine Seile habe dabei auch nur ent­fernt in Betracht gezogen, daß der Eintritt Deutschlands in den Rat irgendwie auf Schwie­rigkeiten stoßen könne.

Es ist daher nach der ganzen politischen Entwicklung nicht abhängig, sich darauf zu be­rufen, daß Deutschland niemals aus­drücklich die Bedingung gestellt habe, allein in den Rat ausgenommen zu wer­den. Die Aufnahme Deutschlands vor grund­legenden Aenderungen des Rates war selbst­verständlich und hätte deutscherseits als aus­drückliche Voraussetzung dochnurdann zum Ausdruck gebracht zu werden brauchen, wenn die deutschen Unterhändler etwa hätten an­nehmen können, daß ihre Partner gleichzeitig mit dem deutschen Eintritt eine ander­weitige grundlegende Aenderung in der Zusammensetzung des Rates planten. Für die Annehme, daß^ ein solcher Plan bei einer der Locarnomächte bestehe oder auch von einer anderen Regierung erwogen werden könnte, lag nicht der geringste Anlaß vor.

nahmen zur Steigerung des deutschen Getreiden»- jede Unterstützung gewähren. Die Pferdezucht ist nicht zurückgegangen, aber die Einfuhr hat sich stark vermindert. Der Fleischverbrauch der Be­völkerung hat sich schon wieder auf 88,4 Proz. des Vorkriegsoerbrauchs gesteigert. Die Versorgung mit Gefrierfleisch ist ausreichend. Sehr beunruhi- gend ist die außerordentlich gestiegene Einfuhr von Milch und Molkereiprodukten. Der Einfuhrüber- schuh an Milch betrug im Jahre 1925 538 702 000 gegen 188 Millionen im Jahre 1913. (Hört, hört!)

Ein ausreichender Zollschutz für Butter und Käse wird zur Steigerung des heimischen Milchab­satzes unvermeidlich sein. (Beifall rechts.) Der Spiritusoerbrauch dürfte durch die ver­mehrte Anwendung des Spiritus als Betriebsmittel für Motors vergrößert werden. Bestrebungen dazu sind im Gange. Obst-, Gemüse- und Gartenbau haben bei den Handelsvertragsverhandlungen be­sonders schwer gelitten. (Sehr wahr! rechts.) Wir wollen alles tun, um diesem Betriebszweig zu helfen.

Geradezu verzweifelt ist zurzeit die Lage des deutschen Weinbaus.

Die Reichsregierung ist weiter bestrebt, hier wirk- same Hilfe zu schaffen. Sie hat sich trotz finanz­politischer Bedenken mit der Aushebung der Wein­steuer einverstanden erklärt. (Beifall.) Der deutsche

Abg. Robert Schmidt (SozH bezeichnet big Schilderung der Sage der Landwirtschaft durch des Mimster als zu pessimistisch. Größere Mittel tön» ten nicht mehr bewilligt werden, da der Finanz« minister sein Programm für dringend notwendige Steuersenkungen schon ohnehin aus Mangel an bett nötigen Mitteln einschränken müsse. Die Landwirt- schaft befinde sich in einer Krise, aber es fei über­trieben, von einem Zusammenbruch zu reden. Ei» Zusammenbruch sei sestzustellen bei der Arbeiter­schaft, wo Mlkionen vollständig um ihre Existenz gebracht worden seien. (Sehr wahr! bei den Sozial demokraten.) Wenn die Arbeiterschaft so nach Reichs- hllfe schreien würde wie die Landwirtschaft, bann hätte sie mehr Berechtigung dazu. (Beifall bei bett Sozialdemokraten.)

Abg. Stubbendorff (Dntl.): Ich steh^ hier als Vertreter einer Oppositionspartei, aber nach der Ministerrede fällt es mir sehr schwer­oppositionell zu reden. (Lebhaftes Hört! Hört! und Heiterkeit sinks.) Der Minister hat von sei­nem Vorgänger infolge gar zu vieler Hemmun­gen nur einen Trümmerhaufen übernommen. Am Ende des Wirtschaftsjahres sind schätzungs­weise etwa 60 Millionen Zentner Kartoffel« auf den Feldern geblieben und mangels Der- wertungsmöglichkeit dem Verfaulen preisgege­ben worden. (Hört! Hört!) Redner schildert dann die Notlage des Waldbesitzes infolge Ab­satzschwierigkeiten und Sabottierung durch die Reichsbahn, die ihren Schwellenbedarf im Auslande decke. Statt Exportförderung verlang der Redner Stärkung des inneren Marktes und Belebung der heimischen Produktion. Die deutsche Landwirtschaft sei unter gewissen Be­dingungen vollkommen in der Lage, Deutsch­land in seinem Nahrungsmittelbedarf vom Auslande unabhängig zu machen.

Abg. Feilmey er (Ztr.): Die Ankurbe­lung der deutschen Industrie wird nicht ge­lingen, wenn wir vorher nicht die deutsche Landwirtschaft wieder rentabel gemacht haben. Die deutsche Landwirtschaft ist heute der einzig ausbaufähige Produktionsfaktor der beufftf^n Wirtschaft. Sie ist bei richtiger Behandlung durchaus in der Lage, das deutsche Volk auf eigener Scholle zu ernähren. Die Regierungs­maßnahmen waren auf Vorfchuß für die In-

buftrie gerichtet, aber der Landwirtschaft wurde geradezu das Betriebsvermögen entzogen. Dis technische Fortentwicklung der Landw rtshast ist nicht ein Verdienst der Regierung, sondern ist durch die unermüdliche und zähe Arbeit der Landwirte selbst erreicht worden. Da» ist auch die Ursache der gegenwärtigen Ver^ schuldung dr Landwirtschaft, die viel schlimmer ist als die der Vorkriegszeit. Ohne ausreichen­den Vorschuß ist der Landwirtschaft nicht zu helfen. Die Ausführungen der sozialdemokra­tischen Redner ließen jedes Verständnis für die

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schwere Notlage vermissen. Die zollfreie Gefrierfleifch-Einfuhr bedeutet eine große Sckädiauna der heimischen Entwicklung