201. Jahrgang.
ßanauerW Anzeiger
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Nr. 67 Samstag den 20. März 1926
Das Mmâ.
-Di« Regierungsparteien haben stch für die g^setzung der Locarnopolitik und für «i» Ver- M>,)owm für die Regierung entschlossen.
; - I» Berlin haben gestern di« Besprechungen 6« den deutsch • schwedischen Handelsvertrag b«. jeitnett. -
_ 5m Reichstag machte der Retchswtrtschastr- Mster Dr. Turttus Mitteilung über das Wirtschaft», pogramm der Reichsregterung.
- Die Londoner Arbeitskonferenz ist gestern durch Mrzeichnung der Schlußprotokolls beendet worden.
- Thamberlatn hat gestern von Genf kommend Part, pesstert und sich weiter nach London begebe».
- Wie die Agentur Indo-Pacific aus Peking dächtet, dauert die Schlacht bet Kuang.schau an. Jie Truppen Kio-mtn-tschuns sollen 200 Japaner gelangen genommen haben, die in chinesischen Uni. loteten auf der Seite der Mukdentruppru gekämpft Wteit.
AmeManèsche MMW am WAsmHttnV.
Der Genfer Bund „aus Lasten und Katz" geboren.
Die Woche.
«... Erfolgt diese Genugtuung nicht, dann km es nur eins geben: die Koffer packen zur Heimreise!" So hieß es in unserer letzten Wo- Äu für den Fall, daß nach den Jntrigien mplotten der Vorwoche Deutschland lidji umgehend ohne jede Bedingung in den
Werbund ausgenommen wird und einen findigen Ratssitz erhält. Nun Briand und die «deren dachten nicht daran Deutschland diese Mgtuung zu verschaffen und die deutsch« Negation dachte nicht daran, ihre Kof- n zu packen. Die Haupt- und . Neben- liebte von Genf setzten ihren Kühmel über die Schaffung eines Rats- Polen fort und die deutschen
Mgtuung zu verschaff» Negation dachte nicht
Itewyork, 19. März. Der Bölkerbundsrat hat bekanntlich in einer Schlußsitzung sich dahin entschieden, zur Erörterung der Vorbehalte der Vereinigten Staaten, die das Statut des inter- nationalen Gerichtshofes im Haag betreffen, am 1. September eine Konferenz in Genf abzuhalten. In der gestrigen Senatssitzung verlas Senator Reed die Einladung des Völkerbundsrates zur Teilnahme der Vereinigten Staaten. Reed griff den Genfer Bund auf das schärfste an und bezeichnete ihn als das W e r l z e u g von einigen egoistischen Rationen, bos „aus Lastern und Haß" Seboren sei. Reed wandte sich weiter mit befon- erer Schärfe gegen die Geheimabmachungen, die hinter dem Rücken Deutsch- landsinLocarno getroffen wurden und die sich als ein Offensiv- und Defensivbündnis Frankreichs und Polens gegen Deutschland bar- stellten. Man könne, schloß Senator Reed, Europas Lage dahin zusammenfassen: Mussolini betrachtet die Zusammenziehung von Armeen sowie Kriegsdrohungen als selbftver- tändliche Angelegenheiten. England bean- prucht auch weiterhin für sich allein die unum- chränkte Herrschaft zur See, Frankreich 'äst auch jetzt noch die größte Armee der Welt. Diese Völker aber waren die beherrschenden Mächte im Völkerbund, der sich als eine Verschwörung gegen die FreiheitderNa ti o n e n b a r
an die Abmachungen von Locarno halte. Der Bericht Houghtons hat den allerstärksten Eindruck hinterlassen. Als sich die Welt an dem Vertragswerk von Locarno berauscht habe, hätten Frankreich und England und wahrscheinlich auch noch andere Rationen Geheimabkommen getroffen. Es fei nicht zweifelhaft, daß das Abschließen solcher Verträge im direkten Widerspruch zum Locarnovertrag stände. Zu diesen Machenschaften käme hinzu, daß gleichzeitig mit Deutschland, Polen in den Völkerbundsrat ausgenommen werden soll. Durch diese Manöver würde Deutschland der wenigen Vorteile des Locarnovertraaes beraubt. Die ganze Well wiffe von diesen geheimen Abmachungen, die alle Versprechungen in ein Nichts auflöften. Das Fiasko von Genf fei weiter nichts als die Folge jenes Dertrauens- bruches des Völkerbundes, der eine AManz der
daß das Ab'
Siegerstaaten sei.
Amerika zweifelt am Friedenswillen Europas.
London, 19. März. Die „Times" berichtet aus Washington: Der Hauplinhall des Berichtes, den der amerikanische Botschafter in
Lage in Europa mit besonderer Berücksichtigung der Ereignisse und Tendenz« die zu der Verta-
rtn netzen sich schließlich auf ein Rompro n, dasHwar keinerlei Erweiterung des ! rbundsrates, aber doch eine Veränderung »selben mit sich brachte, in dem man sich da- >it einverstanden erklärte, daß Schweden und
Kig der seitherigen Außenpolitik „volle reinstimmung der Meinungen" erzielt worden. Anders bei der Opposition. Diese wird, was die Deutschnationalsn und die Komm», nisten anbelangen, neben Mißtrauensanträaen auch die Forderung auf die Zurückziehung des deutschen Aufnahmegesuches stellen. Die Auffassung der Deutschnationalen geht aus einem Artikel des Abgeordneten Prof. Dr. H o e tz s ch hervor, in dem es u. a. heißt: „Für uns ist absolut notwendig die formelle Zurücknahme des Erntrittsgesuches vor aller Welt. Deutschland muß die Hände in dieser Frage, seinem 93er* Sais zum Völkerbund ab|olut frei bekommen n jetzt wird zunächst mit einer Studienkommission die Veränderung des Völkerbunds- rotes kn Angriff genommen. Unter allen Um» ständen gieren im Herbst mit Deutschland andere Staaten in einen erweiterten Rat ein.
Die Frage verschiebt sich, sie bedarf neuer Erörterung und (T Deutschland die
leßung und dazu muß »e frei haben." Da die Re»
gierungsparteien anderer Ansicht sind, der sich auch die Sozialdemokraten anschließen bürsten, so hat die Opposition wenig Aussicht auf Erfolg und Deutschland wird, wenn nicht besonder« Ereignisse eintreten, im September erneut den Weg nach Genf antreten, um dann gemeinsam mit Polen in den Völkerbund ausgenommen zu werden. Ob dieser zweite Gang nach Genf gutzuheißen ist, darüber wird man erst ein Urteil abgeben können, wenn die deutschen Vertreter chre in Genf gemachten Erfahrungen ber Oeffentlichkeit unterbreitet haben. Bis dahin heißt es Ruhe und Besonnenheit ge wahren. Andererseits hüte man sich aber auch davor, allzuviel von dem „versöhnenden Lv- carnogeiste" von dem die Staatsmänner Briand und Chamberlain ergeblich beseelt sein wollen, sprechen. Die Jntrigien der beiden
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le Tschecho-Slowakei „freiwillig" zurücktreten
7.- ^âr Polen und Holland einen nichtstän-
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. tz erhalten. Juristisch war vom mischen Standpunkt gegen dieses Kompro- nichts einzuwenden, denn die deutsche De- gation hatte vom Reichstag nur den Auftrag Biberftanb gegen eine Erweiterung des Völ- Mndsrates zu leisten, aber politisch betrach- !t bedeutete dieses Kompromiß doch eine Nie- Klage für Deutschland, denn der deutsch- Wichtend richtete sich hauptsächlich «läufige Beteiligung Polens _______
unbsrat und diese Beteiligung wurde durch 15 Kompromiß gesichert und zwar mit ^tschlands Einwilligung. Wir halten es füi "«eilt, jetzt schon Kritik zu üben an diesen "mpromiß, ohne die Berichte unserer amt- M Vertreter gehört zu haben. Dazu nürb bereits am Anfang der kommenden Woche Mgenheit finden. Aber das eine kann swon Ae gesagt werden, jenes Kompromiß bedeu- nichts anderes als ein Ausweg aus der Wfse, in die Briand und Chamberlain mit ch Illoyalität geraten waren. Briand unb Werlain fühlten sich schon gerettet als, wie "lüih aus heiterem Himmel ein Ereignis "■rat, das alle Hoffnungen zu nicht machte. « Goethes „Zauberlehrlings mußte Briand Erfahrung machen: „Die ich rief die Gei- ^vard ich nun nicht los". Zwar hatten sich ™ien und andere Staaten beschwören lassen, " ihren Ansprüchen auf Ratssitze abzulassen, J «Milten, das auch einen Sitz beanspruchte, nun nach dem Kompromiß zurückgesetzt ^-zeigte sich hartnäckig und legte gegen
1 7: -Veränderung des Dölkerbundsrates, also I 7 gegen die Aufnahme Deutschlands sein ein. Dieses Veto bedeutete das Scheitern j JW großen Hoffnungen auf Völterverfoh-
I einberufene außerordentliche Tagung. I D wußten nicht nur die Deutschen, son- J‘Qu$ die anderen Delegationen ihre Koffer
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I gegen die . am Völker-
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e Abhängigkeit des Haager Ge richtsHofes vom Völkerbund. Coolidge soll sich bereits dahin geäußert haben, daß er höchstens einen inoffiziellen Beobachter nach Genf entsenden würde. Dieser Beobachter würde, falls nicht der ganze Plan durch den Wider st and des Senats noch zum Scheitern komme, Houghton werden, doch dürfte sich dieser lediglich auf die Erklärung der Vorbehalte beschränken, ohne sich in Verhandlungen einHulassen.
Um ein Geringes hat sich die Stimmung in Washington gebessert durch den Ratsbeschluß, die Vorkonferenz zur Abrüstungsfrage doch am 17. Mai beginnen zu lassen. Man verspricht sich freilich nach den Berichten Houghtons kaum etwas von dieser Vorkonferenz und würde bei einem Fehlschlag voraussichtlich alle Mittel ausnutzen, um eine neue Konferenz in Washington herbeizuführen.
Washington, 20. März. Die aller- schärfste Kritik über die Genfer Völkerbundstagung hält in Amerika an. Man würde es allseitig versehen, wenn Deutschland erklären würde, daß 's sich nicht
Die kanische Volk
„ _ worden, ing und das ameti- ien bestürzt über das enfroor-
fene Bild. houghton erklärte, die europäischen Staatsmänner hätten nichts vom Kriege gelernt. Der Völkerbund, weil davon entfernt, ein wirklich internatinonaies Werkzeug für die Organisation des Friedens zu werden, fei an dem Wege zu einer Wiederbelebung der Allianz von 1815, ohne die Hoffnung auf Gewährleistung einer 40fShrigen Ruhe in Europa zu bieten. Augenblicklich fei Frankreich der Führer, dem gewisse Trabanten floaten Vorschub leisten, während die britische Regierung widerstrebend mit sammenwirken mi
ogen werde, west das Zu- 'rankreich im Rahen Osten und anderswo wünschenswert sei. Die Mächte des europäischen ftonfinenfs wünschten nicht wirklich abzurâsten und wollten gar keine ame- “ ' ifgtnig in ihren Räten.
Houghton kommt zum Schluß, daß keine
wirklich abzurüsten rikanische Beteiligt
vor der augenblickliche Dahastni und eine drohende Katastrophe änderung hervorrufe.
« vorüber fei eine Sinne**
Der Auftakt zur Aussprache über Genf.
Berlin, 19. März. Heute mittag forch ein» Besprechung der Reichsregieruna mit dem interfraktionellen Ausschuß der Regierungsparteien über die Genfer Verhandlungen statt. Die Aussprache, di« sich an die Ausführungen des Reichskanzlers und des Reichsaußsmnlni» stets knüpfte, wird die Grundlage für die Stellungnahme der Fraktionen bilden.
Ueber diese Besprechung hat das „Berliner Tageblatt" noch folgendes zu berichten: Nach dem eingehenden Meinungsaustausch, der der Besprechung folgte, erfolgte keine Stellungnahme seitens der Dertteter der Regierungsparteien, da diese erklärten, sie müßten erst auf Grund dieser Aussprache mit ihren Fraktionen Fühlung nehmen. Die Fraktionen der Regierungsparteien werden noch vor Beginn der außenpolkttschen Aussprache im Reichstag, di«
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daß Briand schon in Locarno während der Be- 'ein Jntrigien-
Handlung des Friedenswerkes fe spiel begonnen und hinter dem R
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roerc nn die Völkerbundstagung hatte ein gefunden.
I außerordentliche Völkerbundstagung M. '.'Bms dazu einberufen worden, Demsch- d Jn den Völkerbund aufzunehmen und Mer Aufnahme den Pakt von Locarno
I JiWn. Die deutsche Delegation war nach «bereist, um für DeutscÄand den Sitz, der Ra« ^en Locarnopakt feierlich und vorbe- ^^ugesichert worden war, zu übernehmen. ?rna^me wäre auch im Sinne des »Wistes reibungslos vor sich gegangen, irfin^. Briand diesen Geist noch ehe er in . treten konnte, bereits vergiftet ' ^lte. Genf hat es ans Licht gebracht.
spiel begonnen und hinter dem Rücken Deutschlands auf eigene Verantwortung auch Polen einen Ratssitz versprochen hat, trotzdem uns versichert worden war, daß das Völkerbundsgremium nur durch den neuen Sitz Deutschlands erweitert werden sollte.
Der Oeffentlichkeit gegenüber trägt Brasilien die Schuld an dem Scheitern der Genfer Verhandlungen Aber derjenige, der die Dinge durchschaut und das Genfer Spektakelstück wie das yntrigiennorfpiel als objektiver Beobachter verfolgt hat, weiß, wo die Schuldigen sitzen. Für ihn bedarf es keines Hinwe" mehr. Während die Komparenten von ; carno das völkerversöhnende Werk schmiedeten, wurde von einem Hauptbeteiligten, Briand, ein gemeiner Betrug begangen, der darauf hinauslief, den deutschen Einfluß im Völker- bundsrat burd) die gleichzeitige Einbeziehung Polens illusorisch zu machen. Ein gemeiner Betrug, aus dem alle Schwierigkeiten sich herleiten lassen, die in Gerst während her fast 14tägigen Verhandlungen zutage getreten sind. Briand hat die Intrigen und Quertreibereien gegen Deutschland in Szene gesetzt und Cham- berlain hat diesen Betrug sanktioniert. Beide Staatsmänner haben mit dem „Geiste von Locarno" Schindluder, ein unehrliches Spiel getrieben. Ueber diese Tatsache vermögen auch die Krokodilstränen nicht hinwegzutâu- sehen, die Briand und Chamberlain in ihren Schlußreden vergießen zu müssen glaubten.
indem die beiden Staatsmänner ihr Bedauern darüber zum Ausdruck brachten, daß der Zweck zu dem Die Konferenz einberufen worden sei. nicht habe erreich werden können. Sie selbst
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haben diese Hindernisse geschaffen, sie selbst sind für die Nichterreichung des Zieles — da» Briand ja auf dieser Tagung garnicht erreichen sondern auf den Herbst vertagt sehen wollte, um dann gleichzeitig mit Deutschland auch Polen im Rate der Völker begrüßen zu können — verantwortlich. Ihre phrasenhaften Worte waren nichts weiter als eine Täuschung, be- -weckten nichts anders als die Augen der Welt n sich als Hauptschuldige an dem . Genfer Tagung.
Hoffnungsfroh ist die deutsche Delegation ausgezogen, mit leeren Händen ist sie heimgekehrt. Was nun? Die deutsche Delegation wird Anfang der kommenden Woche vor dem Reichstag Rechenschaft ablegen über ihr Verhalten in Genf. Man wird die einzelnen Handlungen oder auch Nichthandlunge« zu tritt, sieren versuchen und da» mit vollem Recht. Denn, daß man mit jedem Schritte unserer Delegation vollkommen einverstanden sein kann, wird memmid behaupten wollen.
Mer es muß erwartet werden, daß diese Kritik vollkommen sachlich geführt wird. Der Auftakt zu der Aussprache hat bereits begonnen. Luther und Stresemann haben gestern mit den Führern her Regierungsparteien Be- sprechungen geführt unb es ist nach den heute vorliegenden MeDunaen die Haltung der beut- scheu Delegation gebilligt unb über die Fort-
Reichstages soll vorher nicht mehr einberufen werbet. Das „Berliner Tageblatt" fügt noch hinzu, daß die Frakttonsführer der Sozialdemokraten und der Deutschnationalen morgen vormittag von dem Reichskanzler und dem Reichsminister des Aeußeren empfangen werden sollen. Die Bertreter der Wirtschaftlichen Vereinigung sollen für morgen nachmittag in die Reichskanzlei gebeten worden sein.
Sine Eutfchlietzuug der Regierung»» Parteien.
Berlin, 19. März. Eine demokratische ... -----
abzulenken von Scheitern der I
WU
die
am Bientag beginnen soll, eine Entschließung vorMlegen. in der sie für die Fortführung der Locarnopolstik eintreten. Es darf angenommen
Sev-ring im Preußischen Landtag.
Der Preußische Landtag setzte am Freitag die zweite Beratung des Haushalts des Ministeriums des Innern fort. Dabei verw es der Kbg. Casper (Komm.) aus den Fall des von ten Franzosen inhaftierten und im Mainzer ranzofischen Gefängnis sitzenden Deutschen Schürer, der in der französischen Haft «intodkrankerMann geworden sei. Schärer sei von deutschen Polizisten an die Franzosen abgeliesert und auf die Denunziation von drei deutschen Poliz sten hin zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden. Daraus ergriff sofort