Einzelbild herunterladen
 

201. Jahrgang

Hanauer W Anzeiger

GeneraZ-Anzeiger für die Kreèse Kanarr Stadt und Land.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Gönn* und Feiertage. / Fernspreck-Sammelnummer 3956.

Lezug»p"i«: Für den halbe« Monat L Reichsmark, für den ganze«Monat L Reichsmark ohne Trägerlohn. Einzelnummer 10, Freitag 15, Samstag 12 Reichspfennig. Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Brette 8 Retchspfenntg, im Reklameteil von 68 mm Breite H Retchrpfennig. Offertengebühr: 50 Reich-Pfennig. Geschäftsstelle: Hammerstraße S.

Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. Bet unverschuldete« Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, StreU usw. hat der Bezieher leinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Bezugspreise». Für Platzvorschrift und Erscheiuungstage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet-

Nr. 64

Mittwoch de« 17. März

1926

Vertagung der Genfer Tagung 7

Gestern vormittag r Der Sdlöevvnndsfttrett ^gelöst". - Gestern nachmittag: Nie Vestasnns der Genfer Damms infolge des Widerstandes BvaMkerrS wahrscheinlich. - Heute vormtttas r Die Deutschen sotten sich für die eventuelle Ausnahme bevett hatten. - Beute mittag: Die Vertagung sicher.

Die überraschende Wendung.

Senf, 16. März. Nachdem heute morgen sie deutsche Abordnung ihre Zustimmung zu dem Plan gegeben, daß zwei n i ch t st ä n ° bige Ratsmitglieder, die Tschecho­slowakei und Schweden, ihren Rücktritt

rrllären, damit an ihrer Stelle durch die Schammlung Polen und Holland in >enRat gewählt w erd en können, mddieLöfungderSchwierigkeiten wischen den Mächten von Locarno so gut wie vollzogen bezeichnet wurde, wird heute mchmittag die

anze Lage beherrscht von e Brasilien und der

:en,

kleine Verband aufgeworfen haben. Die mi den Locarnomächten gefundene Lösung mtè vom Standpunkt des deutschen irogramms absolut nicht als b e = lièdi.gend bezeichnet werden, da

s sich um nichts anderes handelte, als um den chlg der Bestrebungen der Gegenseite, Solen jetzt schon gleichzeitig mit uns in unRat'zu bringen und die Zugeständ- G an uns nur darin bestanden, daß dis Zahl

lkstder nicht erhöht werden sollte und )in unsicheren Kandidaturen aus neue

Siegel vorgesch «h bis zur St­

lanb - zu stimmen. Es der Weiterverhandlung ich die zu-

faMgè Sitze zurückgestellt werden müßten. Set Kernpunkt dieser Lösung war der Eintritt Selens in den Völkerbundsrat, das heißt, ie Verwirklichung der Haupt-, ja man kann igen der einzigen ernsten Absicht des Dreiver- mdes von Locarno, Frankreichs, Englands nd Polens. Die Gegenseite hatte also ihren Men durchgesetzt und für Deutschland bedeu- tie dieses Ergebnis eine starke Ver - Hiebung der vom Reichskabinett mb vom AuswärtigenAusfchußan- rkannten Grundlagen unserer

lke rb u nd p o li t i k. Nun hat B r a s i - je ns Wider st and dieser Lösung einen Mlvorgeschoben. Brasilien weigert P bis zur Stunde, für die Zuteilung eines Elssitzes an Deutschland - zu stimmen. Es tobe also, falls an her Weiterverhandlung «deutschen Eintrittstzesuches durch die zu- Mdigen Völkerbundsgremien am morgigen M festgehalten würde, die Gefahr bestehen, W Brasilien durch sein Veto im Rat die «wähl Deutschlands und dadurch den Ein- M des Reiches zum Scheitern bringen würde, mkanntlich fordern die Satzungen Einstim- JWit.) Im Hinblick auf diese Frage ist soeben «den Unterzeichnermächten dès Rheinpaktes

allerlei einander widersprechenden Mel- Ken, die sich in den Nachmittags- und Umstunden jagten, ein Kommuniques (siehe »eiter unten) herausgegeben worden.

Ägeftchts des Vetos Brasiliens hat noch abend eine geheime Sitzung der Rats- »glieder stattgefunden, in der beschlossen in der morgigen Vollversammlung den 'Mg auf Vertagung des deutschen Auf- "Gesuches bis September zu stellen. (Siehe

Das amtliche Communlquè.

f, ig März. Die Berstetet Deukfch- J05 Belgiens, Frankreichs, Großbritanniens Italiens haben sich heute vereinigt, um die 2 Zu prüfen, wie sie sich aus den aufge- Wen Schwierigkeiten des Verfahrens ergibt, ,£|iq) der Verwirklichung ihrer gemeinsamen S entgegenstellen. Sie stellen fest, daß sie ^griffe waren, zu einer Uebereinstimmung fangen und die Hindernisse zu überwin- , . oie zu einem gegebenen Zeitpunkt unter entstanden waren. Aalls, wie zu besürch-

^ie eingangs erwähnten Schwierig- kJ? forkbestehcn sollten, würden die Ver- ta r bet sieben Signakarmächle des proto- .'Von Locarno bedauern, daß sie im LV"wärkigen Augenblick das von n angestrebke Ziel nicht erreichen

c S*c stellen jedoch mit Befriedigung . v?« das Aricdenswerk, welches sie ^>°carno verwirklichten und welches in ,.''°mganzenWerleundinseiner

Kraft bestehen bleibt, da- nicht berührt wird. Sie haltenI

Dev Aas beantragt Vertagung -es deMchen ÄufnabmesesnOes.

Genf» 18. März. Wie der Sonderberichterstatter des W. T. D. aus Krei­sen der fremden Delegationen erfahrt» soll am Schluß -er heutigen nicht« offiziellen Ratssitzung eine Abstimmung über -ie Frage -er Vertagung -es Seulfchen Aufnahmeanlrages un- Ser Damit zusammenhängenden An­gelegenheiten vorgenommen worden sein» bei -er sich sieben RatsmUglie-er für un- Srei gegen -ie Vertagung ausgesprochen halten. Als -ie -rei letzteren Ratsmächte werden Belgien» Schweden und Japan genannt.

Paris» 16. März. Die Kavasagentur meldet aus Genf: Der Völker­bundsrat hat beschlossen» Satz Chamberlain in feiner Eigenschaft als Bericht­erstatter Ser politischen Kommission morgen -er Vollversammlung -es Völkerbundes vorschlagen solle» die Aufnahme Deutschlands und die Frage Ser Erweiterung -es Dölkerbnn-srates bis zum September zu vertagen.

age als eine Mvralis

Aufgabe

er Kirchen als unabweis-

menar

Genf» 17. März. Keule vormittag Kurz nach GeneralseKretariat des Völkerbundes der deutschen Delegation telephonisch mit» -atz 9.45eine Sitzung des Völkerbundrates stattfinden werde un- zwar nicht im üblichen Ratsfaal» sondern im Reformationsgebäude» wo um 10 Ahr Sie Vollsitzung slaltfin-e» sollte. Zweck der Rats­sitzung ist die formale Festlegung über die endgüttige Stellungnahme Brasiliens» das im Laufe der Nacht feine Instruktionen telegraphisch an seine hiesigen Delegierten erteilt haben dürfte. Die Deutschen wurden gebeten» sich für den Fall einer gegen gestern veränderten Antwort aus Rio de Janeiro für die Teilnahme an einer zeitlich noch festzusetzenden Aufnahmehandlung vorzubereiten. Aeber den Inhalt eventueller neuer In­struktionen für Brasiliens Ralsmilglieder ist noch nichts bekannt.

Brasilien hätt sein Sets auseeAt. (Letzte Meldung).

Genf, 17. März. In dec heule vormittag abgehallenen Vollversammlung des Völker­bundes gab der Vertreter Brasiliens eine Erklä rung ab, die mit den Worten schloß, daß sein Veto gegen die Erweiterung des Rates im gegenwärtigen Augenblick unwiderruflich und endgültig sei. *

Damit ist die Vertagung der Genfer Tagung als sicher anzunehmen.

daran fest heule wie gestern und sind fest enk- chlossen, sich gemeinsam dafür einzusehen, es aufrecht zu erhallen und forlzuentwickeln. Sie bleiben bei der Ueberzeugung, daß bei dernächslenBundesversammlung die gegenwärtigen Schwierig­keiten überwunden sein werden und daß die Verständigung, die hinsichtlich der Voraussetzungen für den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund erzielt worden war, verwirklicht wer­de n w i r d.

Ueber die Auffassung zu der aus obigem Lommuniqu« sich ergebenden Lage erfährt der Sonderberichterstatter des W. T. B. aus Krei­sen der deutschen Delegation, daß es für die Beurteilung des Richtvollzugs des deutschen Eintritts wichtig sei, daß dieser negative Aus­gang aus einer Schwierigkeit dès Verfahrens resultiere, die nicht vorhergesehen werden konnte. Es wird dabei ausdrücklich festgestellt, ) die vorher bestehenden Hindernisse, mit lenen man sich u. a. noch heute vormittag be­faßt halte, beseitigt waren.

Die Ursachen des negativen Ausganges sind daher außer­halb der Locarno machte bei einem s ü d a m e r i k a n. R a t s m l l - glich zu suchen-

Die deutsche Delegation vermeidel es jedoch, ihrerseits die Verursachungsfrage näher zu er­örtern und überläßt es der Meinung her Dell, die Schlüffe zu ziehen, auf denen ihre Ent­scheidung beruhen wird. Wesentlich ist die unter den Signatarmächken von Locarno ge­troffene Acststellung, daß das Werk r n Lo­carno mit seinen Voraussetzungen, Rück- und Auswirkungen unter ihnen bestehen bleibt und daß sie es als ihr gemeinsames Ziel betrachten, die jetzt bestehenden Schwierigkeiten bezüglich des deutschen Eintritts in den Völkerbund bis zur nächsten Vollversammlung zu beseitigen. Aus hiefer Auffassung wird von mancher Seife in Genf der Vorwurf hergeleitet, daß bei den Genfer Besprechunggen Locarno über den Völkerbund gestellt worden sei. Indes erscheint es für die Behandlung der gesamten öffent­lichen Meinung der Welt und sicherlich nicht nur vom deutschen Standpunkt aus, das wich­tigste Erfordernis, daß bei her nun erfolgten Entwicklung keinerlei fehlerhaftes Verhalten Deutschlands mitspielte, daß aber dies durch die Aorm, in der im vereinbarten Communiquè auf die Beziehungen zwischen den Ereignissen und der Erhaltung des Werkes von Locarno Bezug genommen ist, unzweifelhaft klargestellt.

Grotzes Aufsehen in Lon-on.

London. 17. März. Die Verschiebung des Eintritts Deutschlands in den

Völkerbund errSgke hier ung«heurSS A u f^ e h e n. Es wird darauf hingewiesen, daß es möglich ist, daß der brasilianische Delegiert« vor der Vollversammlung neue Anweisungen erhält und daß in diesem Falle die Lage noch gerettet werden könnte. Einer Reuter-Meldung zufolge gibt man in erster Linie Brasilien die Schuld am Scheitern der Verhandlungen. Doch werde auch die kleine Entente einen Teil der Schuld übernehmen müssen. Die Meldung be­tont, daß die Schwierigkeiten nicht die Folg« von Widersprüchen sei, die Mischen England, Frankreich und Deutschland aufgetaudft seien. Briand hätte erklärt, daß kein Mißverhältnis zwischen den drei Nationen bestehe. Die Schwie­rigkeiten seien auf Mächte zurückzuführen, die nichts mit Locarno zu tun hätten.

Die Kriegsschul-frage.

Berlin, 16. März. Die deutsche Deisgatio« in Stockholm hat bekanntlich nach Schluß der Weitkonferenz im Fortsetzungsausschuß der Konferenz eine Erklärung zur Kr egs» s ch u l d f r a g e übergeben, in der sie d e Klä-

lich erscheine. Inzwischen hat der deutsche evangelisch« Kirchenausschuß die endgültige Wahl der deutschen Vertreter für den Ford setzungs- und Vollzugsausschuß der Weib konferenz vollzogen. In einem Schreiben an den ErKischof Soederblom stellt der Füh­rer der deutschen Stockholm-Delegation, Präsi­dent des deutschen evangelischen Kirchenaus- schusses, Dr. Kapler, fest, daß der Kirchenaus­schuß bei seiner durch diese Wahlen bekundeten Bereitschaft zur weiteren Mitarbeit nicht zuletzt von der Voraussetzung ausgehe, daß jene Kriegsschulderklärung so bald wie möglich ihre befriedigende Erledigung finde. Soederblom ist daher gebeten worden, dahin zu wirken, daß der Vollzugs- und Fortsetzungsausschuß die deutsche Erklärung zur Kriegsschuldfrage auf die Tagesordnung feiner nächsten Sitzung im August d. I. setzen möge.

Die Antersnchnng der FememorSe.

Berlin, 16. März. Im FemeunterluLungSauS« sckmß beS Preußischen Landtage? wurde heute vom Atg. Kuttner (Soz.) der Bericht über die V-rn-kmung der Zeugen Schulz und Klapproth erstattet. Ter Be­richterstatter «rHSrte, daß sich Schulz bei seiner Ver. nehmung all ausgezeichnet informiert über die Ver­handlungen des Ausschusses gezeigt babe. Seine Aus­sagen weichen erheblich von denen der Abg. Meyer ab. Der Zeuge Klapproth habe sich bei seiner Vernehmung sehr verschlossen gezeigt und eine Erklärung über die kriminalistischen Fälle abgelebnt.

Darauf erstattete Abg. Kuttner (Soz.) bat Bericht über die gesamte bisherig- Beweisaufnahme. Er hob hervor, daß sein Teilbericht sich lediglich auf den Fall des 5000 Mark-Darlehen? bezieht. Ueber die Zusammen­hänge und Hintergründe der Fememorde und des Küstriner Putsches sei jetzt das Bild zu unvollständig. Die Aussagen der einzelnen Zeugen hätten in den wichtigsten und entscheidendsten FLllm in krassem unvereinbaren Widerspruch zueinander gestanden. Der Aussage deS Oberleutnants Schulz, daß sein unter dem Befehl deS Majors Buchrucker stehender Truppen­teil beim Kapp-Putsch verfasiunaStreu geblieben fei, müsse widersprochen werden. Tatsächlich habe die wenig zuverlässige Haltung Buchrucker» Blntvergießen ver­schuldet. Es sei nicht nachzuweisen, daß die Herren Meyer und Behrens keine Kenntnis von der Zuge. Hörigkeit des Schulz zur Schwarzen Reichswehr hatten.

Abg. Kuttner (Soz.l: Et ist nicht klar, ob Schulz sich aus eigener Initiative gestellt hat, oder ob er ans anderen Motiven handelte. Wenn Herr v. Zengeh eine Qu ttung des Vorsitzenden deS Landarbeiterver« bandes, deS Abg. Behrens, für die 5000 Mark den langte, so war dafür niaßgebend der Wunsch durch ein solches Dokument die christlichen Ge­werkschaften in die Hand zu bekommen. Abgeordneter BehrenS bat diese Absicht aber nicht durchschaut. Nach Aussage von Meyer hat er als Zweck de? Dar- leben» autdrücklich die Unterstützung des Oberleutnant» Schutz angegeben. Nack Dr. Meißmger hat Meyer das Darlehen mit Schwierigkeiten der Versorgungs- stelle begründet. Nach v. Zengen ist überhaupt kein Zweck angegeben worden. Diese Widersprüche sind nicht aufzuklären. In den Aussagen deS Ada. iöehreai