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201. Jahrgang.

Hanauer W Anzeiger

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Ar. 62

Montag den 13. März

1926

Morsen Entscheidung in Gen-

Der gestrige Sonntag hat auf dem Wege M Lösung der Genfer Krise noch keinen Fort- Mtt gebracht. Die nichtoffiziellen Zuiammen- Wfte der ratlosen Ratsmitglieder smd fort­worden, ohne daß dabei etwas positives ekommen wäre. Die Völkerbundsver-

üng wird sich nunmehr morgen mit dem ahmegesuch Deutschlands beschäftigen, e man bis dahin zu keinem befriedigenden 'n, was anzunehmen ist, werden alle interessierten Mächte vor dem der Vollversammlung ihre Ansprüche Auffassungen darlegen und der Völker- md wird dann entscheiden. Wie diese Sitzung Bèhen wird, läßt sich noch nicht sagen. In en der deutschen Delegation wird die Sage nach wie vor sehr ernst beurteilt.

Der Stand der Besprechungen am Samstag.

lassen, der im Bölkerbundsrat entstanden sei und Deutschland zunächst einmal g a r n i ch t s a n g e h e. Jetzt verlange man hier Erklä­rungen von Deutschland über seine künftige Haltung innerhalb des Völkerbundes und des Rates. Man wolle Deutschland Bedin­gungen auferlegen für sein künftiges Verhalten im Völkerbundsrat. Es sei über­haupt falsch, von einer Krise zwischen dem Völ­kerbund und Deutschland zu sprechen, denn es handle sich ausschließlich um eine Krise im Völkerbund selb st.

Wir denken, gar nicht daran, uns der Er­weiterung des Rates, wenn sie für notwendig erachtet wird, zu widersetzen, und wir werden uns im Sepie mb e r jedem Be-

nur einberufen worden, assen. Wenn aber der

Rat beschließen sollte, einen neuen nicht-ständb gen Sitz zu schaffen, dann werde der schm dische Delegierte Einwendungen erheben. Auch Brasilien und Spanien würden eventuell Schwierigkeiten machen. Würde Belgien seinen Sitz an Polen abtreten, würde es Frankreich

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einen Staat

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Jir

Mster Chamberlain ist heute mittag ân Reichskanzler Luk her und Außen- m a n n im Hotel Metro-

linifter S t i »le zum Fr «i Einladung irrten am 3

geladen, in Erwiderung die beiden deutschen Dele-

Itoage bei Chamberlain gefolgt waren. Bei lèstt Gelegenheit wird sicherlich ein letzter

Wahl wir eingetreten sind oder nicht, wenden uns lediglich gegen den Druck, der jetzt, bevor wir noch Mitglied des Rates sind, auf uns ausgeübt werden soll, und der übri­gens nutzlos wäre, auch wenn wir ihm nach­geben wollten, weil ja gar keine Garan- t i e dafür besteht, daß die Versammlung auch wirklich P o l e n, zu dessen Gunsten Frankreich und England sich emsetzen, wählt. Außerdem besteht nach unserer In­formation ja auch jetzt keine Einstimmigkeit im

at

Kämpfe dieser Woche es dem Völkèrbunds- erleichteffk soll, den unvermeidlichen Aus- 1 dieser diplomatischen Schlacht zu strieren.

)er deutschen Delegation, n und Lady Cham- iag eingeladen waren, ______ Uhr. Außer den beiden mischen Delegierten nahmen von deutscher Seite die Staatssekretäre von Schubert «dKempner sowie Ministerialdirektor Dr.

erlain heute mittag

iuerte von 1 bis 4

leite und der Reichspressechef Dr. Kiep, er hiesige Generalkonsul Aßmann mit Ge- »hlin und eine Freundin von Lady Chamber­lin teil. Gegen 2 Uhr zogen sich Chamberlain

«d die beutj^ _______-..............

Äatssekretären an einen Rebentisch des unierten Salons im Hotel Metropole zu » sie bis A4 Uhr in eifrigem Gespräch «eben.

iriitf, ver-

Aon deutscher Seite wurde nach dem Wtück erklärt, daß das Essen sehr harmo- Pverlief, aber eine Aenderung der Verteilen Lage nicht einge- ketensei.

Erklärungen Dr. Luthers und Stresemanns.

Genf, 13. März. Heute abend um 8 Uhr Mpflngen die Führer der deutschen Dele- »tton, Reichskanzler Dr. Luther und Wnminifter Dr. Sresemann, die hier gammelten Mitglieder der gesamten Welt- »Hu. um ihnen noch einmal ausführlich den Standpunkt darzulegen, wie er in M Artikel Stresemanns imJournal de ssneve" zum Ausdruck gekommen ist. Lesemann führte aus, daß er die '"carnopolstik als einen so großen Fortschritt europäischen Politik der letzten Jahre fachte, die so sehr der Politik, die der Reichs- Mr sowohl wie er selbst seit Jahren ver- .9' gatten, entspreche, daß es unsinnig ''M vorzuwerfen, er wolle diese Polstik m Scheitern bringen. Der Fort- der durch die Verwirklichung dieser den P in Europa und in der Welt erzielt wer- lM wäre so groß, daß es ein lächerlicher wäre, die weltbewegenden Fragen der s. ^uopolitik überhaupt in Verbindung mit », °en der Geschäftsordnung oder des Sta- des. Völkerbundes zu bringen. Um aber ° m dieser Hinsicht auftauchenden Besorg- >g!°U, Zerstreuen, habe ja Deutschland selbst 9en' eine Kommission mit be« toao m Vorschriften einzusetzen, die das ^eblem der Ratserweiterung gründ- »lnist^dleren soll. Scharf betonte der Außen- «r' daß es aber ein unmöglicher itr ,d n d sei, die deutschen Delegierten hier- .eurer außerordentlichen Völkerbunds- «ha n,^ ^9 kommen und sie dann acht Tage a am Erledigung eines Zwistes warten zu

nicht zulassen, wäre es Schweden, würde Deutschland es unangenehm empfinden, die einzige Macht zu beseitigen, die als sein An­hänger bezeichnet werden kann. Warum trete die Tschechoslowakai ihren Sitz nicht ab? Weil sie Vertreter der kleinen Entente sei, könne sie nicht einmal 6 Monate auf ihren Sitz verzichten. Die Inhaber aller nicht-ständigen Sitze sollten ge­meinsam demissionieren, so würden die im September notwendig werdenden Neuwahlen 6 Monate vordatiert und Polen würde dann eine befriedigende Lösung finden. Die Mächte müßten einsehen, daß es im gemeinsamen Jn- tresst sei Har vkiri zu machen.

Briands Bindung gegenüber Pole«.

Zur Vorgeschichte des polnischen Anspruches.

Genf, 14. März. (Sonderbericht.) Don be­sonderer Seite erfahre ich einige Daten zur eheimen Dorx^chichte des von

einigung der Freunde Polens bei Briand und wünschte zu erfahren, ob Polen einen ständigen Ratssitz als gesichert betrachten könne. Der Ministerpräsident antwortete:Es ist ausge­schlossen, daß ich eine den Völkerbundsrat be­treffende Frage vor dem Zusammentritt des Rats lösen kann. Ich werde alles, was ich kann, für Polen tun. Acht Tage vor der W- reife nach Genf stellte Briand dem Kabinetts» direktor Berthelot den Antrag, ihn dorthin zu begleiten. Berthelot erwiderte:Was soll ich in Genf? Es läßt sich dort siber den polni­schen Ratssitz ebensowenig diskutieren, wie über eine andere Kandidatur. Di e Stel­lung der Deutschen ist ausgezeich- N e t Trotz Ihrer Gewandtheit wird es Ihnen, Herr Präsident, nicht gelingen, 3t>re Sach« durchzufetzen."

Briand hatte vor der Abreise nach Genf eine Unterredung mit dem spanischen Botschaf­ter Quinones de Leon. Ein Deputierter sagte dem spanischen Botschafter:Ich werde mit Briand in Genf Schulter an Schulter kämp­fen." Dieses sind einige Tatsachen, die einen wichtigen Einblick in die Vorgeschichte der pol­nischen Ratskandidatur gewähren.

Was man in London sagt.

den einmütigen Wunsch aller Locarnostaaten, hier zu einer Einigung zu" kommen, und gab seinerseits die Erklärung ab, daß er sich nach Kräften mit darum bemühe.

Eine ähnlich lautende Erklärung gab Dr. Luther dem Vertreter der Schweizerischen Depeschenagentur.

Die gestrigen Besprechungen.

Genf, 14. März. Wie der Sonderbericht­erstatter des WTB. erfährt, haben die heutigen Besprechungen eine materielle Fort­entwicklung der Lage gegenüber gestern abend nichterbracht. Ia den Unterredungen zwischen dem deutschen und dem schwedischen Delegierten vormittags und abends beim Essen wurde der beiderseitige Standpunkt klargelegt und erläutert. 3n den Besprechungen des Ministers Dr. Stresemann mit dem Ministerpräsidenten Briand wurden die verschiedenen Lösungsversuche, insbesou- dere auch der deutsche Vorschlag, durch­gesprochen, dieFragederRatserwei- terung einer Kommission zu unterbreiten. Dec auf 5 Ahr nachmittags angesetzte Tee der Raksmächke wurde in letzter Stunde abgesagt. Es ist anzunehmen, daß er morgen stallfindet. Im übrigen bleibt es bei der für Dienstag in Aussicht ge­nommenen Vollversammlung, in der gemäß heutiger erneuter Mitteilung Cham­berlain für den Fall, daß auch weiterhin die Einzelbesprechungen ergebnislos verlaufen würden, die Entscheidung des Völ­kerbundes als solchen in der Streitfrage aagerufen werden soll.

Das die immer wiederholten Meldungen über angebliche Verzichkabsichten einzelner Ratsmächte auf ihre Sitze anbelangt, so scheint es sich hier nur um Versuchsballons zu han­deln, oder um Mutmaßungen und Anregungen von verschiedenen Seiten, zum Teil entstanden aus dem Bedürfnis, die letzten Wege nach einer Lösung zu ergründen, zum Teil, um nach der einen oder anderen Richtung hin eine Stellungnahme der Beteiligten bervorzu- leocken. Es wird abzuwarten sein, ob sich in der Tak ein Land findet, das zu solchem Opfer bereit wäre.

Eine Unterredung zwischen Briand und Stresemann.

Paris, 15. März. Wie der Bericksterstatter desfDbatin" aus Genf meldet, hat die gestern abend zwischen Stresemann und Briand statt- gefunbene zweistündige Unterredung noch nicht zu einem Ergebnis geführt. Briand sagte: Polen müsse einen nichtständigen Sitz erhalten. Stresemann sagte: Gut, aber erst im September, denn

anker eng

aca MW«, an

Briand die Frage, ob Polen für den Fall der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund auf die Gleichzeitigkeit eines Ratssitzes rechn n könne. Briand erwiderte, er werde diese Frage in wohlwollende Erwägung zichen, er- suche aber den Grafen Skrzynski, die Ange­legenheit als rein persönlich, das heißt nur ihn und Briand betreffend, zu behandeln. Einen Tag vor Paraphierung der östlichen Schieds­verträge wiederhoste Skrzynski feine De­marche bei Briand, der ihm sagte:

nommen werden."

Briand betonte, es handle sich um eine per­sönliche Zusage. Aber er werde hierüber noch mit Chamberlain sprechen. Mussolini fei für den polnischen Ratssitz gewonnen.

MitteDezember übergab der pâische Botschafter Chlapowski in Paris dem Kabi- nettsdirsktor Berthelot ein M e m o r a n d u m, das die Unterredungen Briand-Skrzynski in Locarno resümierte. Berthelot war sehr e r st a u n t und erklärte, von den Gesprächen und Engagements seines Chefs nichts erfahren zu haben. Er sagte:Das ist ein sehr ernster Fall. Ich glaube, daß wir große Schwierig­keiten haben werden, denn

die Deutschen können mit Fug und Recht erklären, sie hätten im gegebenen Augen­blick über eine solche Gestaltung des Rates

keine amtliche Mitteilung erhalten."

erwiesen. Denn eine ^Versammlung für die ng eines neuen Ratssitzes außer dem Den zustande käme, so könne Deuffch- land eine solche Entscheidung vielleicht an- nehmen.

Daily Cornide berichtet, daß Briand nach seiner Besprechung mit Dr. Stresemann gestern abend erklärt habe, daß selbst die fran­zösischen Delegierten gegebenenfalls jetzt ihr Veto gegen die Aufnahme Deutschlands ein- legen würden. Der Berichterstatter schließt, wenn die Erörterungen scheitern sollten, so würden die Intriganten zu beweisen versuchen, daß der Bruch deshalb erfolge, weil Deutsch­landversöhnliche Angebote ablehne." wenn irgend ein Gerechtigkeitsgefühl in der Delk vorhanden sei, so werde dieser Versuch sicher­lich mißlingen.

*

Auch wir find der Ansicht, daß dieser ver­such mißlingen wird. Deutschland hat sich ehr­lich gezeigt, aber die anderen Staatsmänner

heruntergerissen hat. Vicht Deutschland ge­fährdet das Werk von Locarno, sondern jene Intriganten. deren Sitz heute fast in der gan­zen Welt bekannt ist.

Der polnische Botschafter hatte kurz darauf ein Gespräch mit Briand, der bemerkte, daß er versuchen werde, die Situation aufzuklären. Es fanden noch zwei weitere Demarchen Chla- powskis bei Briand und Berts ' ' " " ^' Ergebnis war insofern für Warschau nicht zufriedenstellend, als eine schriftliche Fest­legung der Skrzynski in Locarno gemachten Zusagen nicht erreicht werden konnte. Der polnische Botschafter stellte auch die Fraße, ob die deutsche Regierung auf diplomatischem Wege unterrichtet worden sei, worauf ihm Berthelot erwiderte:DaswäreSpreng- ftoff für den Völkerbund."^

Anfangs Januar teilte der französische Bot­schafter in Warschau dem Grafen Skrzynski mit, es stünden der Verwirklichung des von Briand gemachten mündlichen Versprechens nicht unbedenkliche Hindernisie im Wege. Skrzynski erklärte, daß er seine Locarnopolitik auf den polnischen Ratssitz in Genf eingestellt habe.

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Würde Briand sein Versprechen nicht einlösen, so gefährde er die Locarno- verkräge.

Am 23. Februar erschien der französische Deputierte Louis Marin, Präsident der Ber-

Z«m Volksbegehren.

Wenn auch das Ergebnis vom Samstag und Sonntag erst am Montag im Zentralwähl- amt zusammengerechnet werden kann, so [affen doch, wie mehrere Morgenblatter melden, die Teilergebnisse, die von den beiden letzten Tagen bisher besannt geworden sind, erkennen, daß die Zahl der Eintragungen für das Volks­begehren in Berlin eine Million erreicht, wenn nicht überschritten hat. DerMontag Morgen" teilt mit, in unterrichteter Seite werde ge­schätzt, daß mit den Eintragungen vom Sonn­tag im ganzen Reich etwa 7 Millionen Wähler für das Volksbegehren gestimmt haben.

* Eine deulfchnattonale Entschließung zum Volksbegehren.

Frankfurt a. M. 13. März. Die deutsch- nationale Volkspartei faßte in der gestern im Palmengarten stattgefundenen Versammlung in )er Frage der Fürstenabfindung folgende Ent- chliesmg:

Die heutige Hauptversammlung des Kreises Frankfurt a. M. der Deutschnationalen Valkspartei spricht ihr Entrüsten darüber aus. Sozialdemokraten und Kommunisten im Wege des Volksbegehrens die entschädigungs­lose Enteignung der Fürsten, also einen glatten Raub unter Verletzung der Grundlagen bei Weimarer Verfassung erstreben. Sie erblickt.