201. Jahrgang.
Hanauer W Anzeiger
GeneraL-Anzeiger für Oie Greife KaNgU SSaöL und Land.
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Nr. 61
Samstag den 13. März
1926
Der dSSheNunA der Genfer âise.
Maud fov-evi in einem âmKvomW fte WslZu Oie Hä LSuZâmmus eines urMftä-rseu RaisMes. Nv. Luther? SehM Dieses âsmuvomW ab. - Dßs GètrratLou M äOeemtS ä
Die Mords.
In Genf sammelten sich die verschiedenen Delegationen für die außerordentliche Märztagung des Völkerbundes, auf der mit dem Einitritt Deutschlands in dèn Völkerbund eine wichtige Entscheidung fallen sollte, als die urplötzliche Demission Briands bekannt wurde. Ein völlig überraschendes Ereignis war eingetreten, geeignet von großer Bedeutung auf den Gang >ei ganzen Genfer Tagung zu werden. Man ah schon chm Geiste die Delegierten ihr gesam- es Lölkerbundsgepäck wieder zusammen- gacken und ihre Rückreise aus Genf wieder antreten ohne die Kolben der Völkerbundsmaschinerie in Bewegung gesetzt zu haben. Diese Möglichkeit war umso wahrscheinlicher, als Briand, nachdem das Vertrauensvotum für ein Kabinett abgelehnt worden war, ausdrücklich erklärte, daß er nunmehr nicht nach Genf reifen könnte. Doch die Delegationen blieben in Senf und auch Briand nahm eine Smnes- änderung vor und reifte, dem Wunsche des Präsidenten der Republik nachgebend dorthin, allerdings nur um an den „Vorbespechungen" men. Diese Vorbesprechungen fänden ) am Sonntag und Montag statt, deren __rir MMMerülüsscnd einjache
c ,"0^" mu;i unu o^ch wirkliche Dpfi Melung mit Ameri^
,- ...w. iv|Cll lunneH. Frankreich wird seine Finanzen nicht anders sanieren können, als
wer
tßen ließen: „Die Möglichkeiten ng der vorhandenen Schwierigkeiten urden besprochen. Eine Einigung wurde noch t erzielt." Dann reiste Briand wieder nach
sie beseitigen zu Heli
urde es Jtiü in Genf________________..a___
französischen Kabinettssturzes traten jetzt rscheinung. Sie lösten ein allgemeines Geber Unsicherheit und der Beunruhigung und auf Seiten der Alliierten sehnte man die Wiederkehr Briands herbei. Während man sich in Genf auf Einzelverhandlungen, die in- zwischen für Frankreich Paul Boncour führte, beschränkte, ging man in Paris an die Lösung der Regierungskrise, die denn auch sehr bald mang und ein neues Kabinett Briand brachte. Äiand wurde zum neunten Male Minister- s/asident, zum dreizehnten Male Minister und We damit einen neuen Weltrekord auf. Die I cosung der Krise ging sehr rasch von statten, I Wu die Hilferufe aus Genf, die aus den Be- nchten der französischen Presse hervorgingen, wesentlich beigetragen haben dürften. Ebenso ' ?"^nehmen, daß Chamberlain den Wunsch r- ^ Paris übermittelt hat, man möge ihm sehr I, w seinen Freund Briand zurückschicken und K"r mg^ichst |n Amt und Würden. Daß es .bei dieser Kabinettsbildung nur um eine Zwischenlösung handeln kann, ist klar, denn auch der neue Finanzminister wird die Finanz- Ue nicht lösen können. ~ “ " ' "
, lfen. Mit dieser Abreise Genf und die Rückwirkungen
er,
mrch eine Schulden- ar.V A1,y '"" wneiifa, die für Frankreich eine .<r‘ Dawes-Plan bedeutet. Zu diesem Schritt m auch das neue Kabinett nicht bereit. In hatte sich die Maschinerie so gut wie fest- An diesem Festlaufen trugen Schuld i'^U"lgien, die Chamberlain und Briand ge- ^°"uen hatten, jene Jntrigien, die darauf ^nausliefen, neben Deutschland noch andere ,,^"?ch einen ständigen Ratssitz zu erteilen, Stellung Deutschlands im Völkerbund «„Ergraben. In Locarno war mit keiner on die Rede, daß die ständigen Rats- i r den Zutritt Deutschlands hinaus nehrt werden sollten. Seit fünf n W das Deutschland gegebene Ver- ■ ^u aller Welt bekannt und nur vier Wo- I t..,a^^ück, nämlich seit der Einreichung des Ischen Aufnahmegesuches, datieren diè Be- 9°n Polens, gleichzeitig mit Deutsch- "^n Ratssitz zu erhalten. Erst nachdem Np^lland seinen Eintritt zugesagt hatte, L(ln„ Chamberlain und Briand die Maske Lr, 1 und heute besteht kein Zweifel mehr, v1?^ ®eor9e sehr richtig schreibt, h„^?n Diesen beiden Staatsmännern ein im E? bestanden hat, Deutschlands Stimme ru „neutralisieren". Der eine L,.^e frolen und der andere Spanien, beides von Frankreich und Engs
H mit Deutschland als Ratsmitglic
.. ........._, — —gland, zu-
Deutschland als Ratsmitglieder ein-
Die deutsche Delegatiou schlügt
aUekKompvomMvovschSase ad
Genf, 12. März. Der heutige Abend hat eine bedeutsame Entscheidung gebracht. Die deutsche Delegation hat alle kompromißvor- schläge abgelehnt. Der Reichskanzler Dr. Luther hat um 7 Uhr abends dem englischen Außenminister Chamberlain hiervon Mitteilung gemacht.
Ueber die Vorgeschichte dieses Schrittes und die vorausgehenden Beratungen wird gemeldet:
Heute abend besuchte Dr. Luther den englischen Außenminister Chamberlain, um ihm die Stellungnahme der deutschen Delegation zu dem Ergebnis der Vormittagsverhandlungen zwischen Deutschland und den Locarnomächten zu übermitteln. Bei den Vormittagsbesprechungen war von dem Widerspruch Brasiliens gegen den deutschen Ratssitz oder von Der Absicht Spaniens, aus dem Völkerbund auszutreten, wenn ihm seine Wünsche nicht er» füllt würden, gar keine Rede mehr. Dagegen mr?4jp£e n:uu.e^ zu einer Aenderung ihrer Stellungnahme hinsichtlich des polnischen Ratssitzes zu bewegen. Luther und Stresemann brachten erneut zum Ausdruck, daß Deutschland grundsätzlich gar keine Bedenken gegen irgendwelche Ratssitze habe. Besonders läge ihm fern, die Ratssitzfrage vom Gesichtspunkte einer engeren deutschen Politik aus zu beurteilen. Natürlich könne es aber ganz unmöglich zwischen den Staaten differenzieren und dadurch unliebsame Konsequenzen in der Stellungnahme irgendwelcher Staaten gegen Deutschland erwecken.
Darauf schlugen Chamberlain und Briand die Form des außerordentlichen nichtständigen Ratssitzes für Polen vor. Da die deutschen Vertreter sich beharrlich weigerten, über die Ansprüche irgend eines Staates zu verhandeln, bevor Deutschland dem Rate angehöre, wurde der letzte Kompromißvorschlag gemacht, Deutschland solle grundsätzlich in eine Vermehrung dec Ratssitze willigen, ohne daß vorläufig darüber diskutiert wert«, wem sie zufallen.
Nach dem Ergebnis der Besprechungen innerhalb der deutschen Delegation konnte der Reichskanzler, wie oben schon kurz berichtet ist, Chamberlain mitteilen, daß die deutschen Delegierten sich auch mit diesem letzten Kompromißvorschlag nicht einverstanden erklären könnten. Deutschland müsse grundsätzlich darauf bestehen, daß ihm die in Locarno gemachte Zusage der Aufnahme in den Rat zunächst erfüllt werde.
Um Probleme des Völkerbundes und dessen interne Streitigkeiten könne es sich nicht gut kümmern, bevor es nicht durch seine Zugehörigkeit zum Völkerbund und zum Rat dazu befugt und verpflichtet sei.
Briands Kompromitzvorschlag.
Genf, 12. März. In der heutigen Locar- nistenbesprechung machte Briand den von mir bereits gemeldeten Vorschlag, der sich in folgende drei Punkte zusammenfassen läßt:
1. Dec Eintritt Deutschlands in Bund und Rat wird durchgefübrk. *
2. Eine Kommission wird eingesetzt, die darüber zu entscheiden hat, ob zwei neue perma
führen. Dazu gesellte sich noch Brasilien, das sogar drohte gegen Deutschlands Aufnahme zu stimmen, falls seinem Antrag nicht entsprochen würde. Als Briand wieder in Genf erschien, hatte die Ausnahme-Kommission wohl die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund debattelos beschlossen, aber sonst zeigte sich ein recht unerfreuliches Verhandlungsbild und über die Vorverhandlungen war. man nicht hin- ausgekommen. Was sich in den Hotels der Delgationen und den Sitzungs
nente Sitze geschaffen werden solle». Diese beiden Sitze sollen im September oder später Spanien und Brasilien zugesprochev werden.
3. Polen erhält einen nichtständigen Rats- sitz. Ein solcher Sitz könnte jetzt schon durch die Reform des Rates erreicht Eden.
Briand erklärte hierzu den Journalisten heute nachmittag folgendes: „3d) glaube, daß diese Lösungg im großen und ganzen ein erträgliches Kompromiß darstellt. Der Vertreter Schwedens, Herr Unden, wird wahâeinlich genötigt sein, einem provisorischen Sitz, der schon jetzt für Polen geschaffen werden soll, zuzustimmen. Da die teutschen Vertreter in der heutigen Besprechung mit uns sich eine Bedenkzeit bis heute abend erbeten haben, so erseh« ich daraus eine nicht ungünstige Gestaltung der Lage."
Aus dem toten VvnM?
Gen f, 12. Mâr,. Am Freitag waren die Verhandlungen vollkommen auf dem koken Punkte augelaugt. Es handelte sich nur noch um einen von fran^sischer Seite gemachten Vorschlag, Polen als niaststândiges Mitglied in den Rat einzuschmuageln. und zwar unter Zustimmung Deutschlands. Die Verhandlungen auf dieser Basis kalben natürlich keine Aussicht auf Erfolg. Unter diesen Umständen muß die Frage gestellt werden, ob es sich für Deutschland lohnt, sein Gesuch um Aufnahme in den Völkerbund aufrecht zu erhalten. Auf jeden Fall kann das nur unter den Voraussetzungen geschehen, unter denen das Gesuch abgeschickt worden ist, d. h. unter der Bedingung, daß alle uns gegebenen Zusagen erMk werden und Deutschlands bekannte Austastung anerkannt wird. Auf diesem Standpuukk steht auch die deutsche Delegation.
Ehamberlaiu hölt Sie Fortsetzung der Besprechungen zwecklos.
Genf, 13. März. Die Leye wird von Reu- ler wie folgt geschildert:
1. Dr. Luther bar die Delegierten der alliierten Länder wissen lassen, daß die deustche Regierung nicht in der Lage sei die versöhnenden Vorschläge anzunehmen, die am Vormit- tag unterbreitet wurden, um die Krise wegen der Sitze im Rat zu regeln.
2. Briand teilte mit, doch die deutsche Regierung nicht in der Lage sei die Vorschläge anzunehmen die das Aeußerste der cillnecten Zugeständnisse darstellten
3. In einem Interview mit dem Reuter- Korrespondenten sagte Chamberlain: Wenn er auch am Vormittag hoffnungsvoll gewesen fei bezüglich einer befriedigenden Lösung infolge des leidenschaftsichen Appell's Vanderveldcs, der versöhnlichen Ortung Briands und feiner eigenen Bemühungen, so habe er jetzt doch den Eindruck, daß die Ablehnung der Vorschläge durch Dr. Luther alle Bemühungen zur Fortsetzung der Bespreckmng zwecklos gemacht habe. Chamberlain bezeichnete dieses Ergebnis als ein drückendes nnd fügte hinzu, was die Zu- kunfi betreffe, so liege die Angel'egen- Heil in den Hände» des Völkerbundes.
sälen des Weltparlaments abspielte, hatte nichts mehr mit Politik oder Diplomatie zu tun, häßliches Feilschen, ja schamlose Erpressung erblickte die Stätte, an der die Vülterversohnung ihre größten Triumphe feiern müßte. Briands Wiedererscheinen konnte daran nichts ändern. Kein Wunder, denn er trägt ja die Hauptschuld mit an dem häßlichen Kampfe um den politischen Einfluß im Völkerbund, an jenen Kämpfen, die seither hinter den Kulissen ausgefochten worden roaren.
In der Pariser Preste hat man versucht, Deustchland für die in Genf aufgetretenen Schwierigkeiten verantwortlich zu machen. Dies ist jedoch ein verwerfliches Unterfangen. Deutschland verlangt nicht mehr und nicht weniger als daß es bedingungslos einen Sitz im Völker-' bundsrat erhält, kraft des in Locarno erhaltenen Versprechens und auf Grund seiner Stellung als Großmacht. Die Uebernahme ein«? Bedingung ist für Deutschland ausgeschlopew Gewiß lehnt es eine spätere Veränderung des Völkerbundsrates nicht ab, aber jetzt schon die Zustimmung zu einer Veränderung zu geben, deren Tragweite nicht zu erkennen ist ist unmöglich. Diesen Standpunkt hat bisher auch die deutsche Delegation vertreten und es ist zu hoffen, daß diese Stellung auch weiterhin unanfechtbar bleiot. Die deutsche Delegation ist mit dem festen Entschluß nach Genf gegangen^ den Eintritt in den Völkerbund nur dann zu vollziehen, wenn sie volle Sicherheit hat, daß an der Gestaltung des Völkerbundsrates bei unserem Eintritt nichts geändert wird. Dabei muß es unter allen Umständen bleiben. Nur dies kann die Schwelle sein, über die wir in den Völkerbund eintreten. Klipp und klar muß dieser Standpunkt bei allen Maßnahmen der. deutschen Delegation zum Ausdruck kommend damit wir es nicht wieder erleben, daß die deutsche Abordnung schwört, keinerlei Bindung eingegangen zu sein, während die Entente unbeirrt das Gegenteil behauptet.
Wenn durch die Kämpfe der letzten Woche das Ansehen des Völkerbundes aufs schwerste gelitten hat, so ist das nicht Deutschlands Schuld, sondern die Schuld derjenigen Staatsmänner, die die Jntrigien und Komplotte gegen Deutschland geschmiedet haben. Deutsch, land hat jâ ein Recht, daß man ihm auf schnellstem Wege Genugtuung gibt, initem man es ohne jede Bedingung in den Völkerbund aufnimmt und ihm einen ständigen Ratsfitz erteilt. Erfolgt diese Genugtuung nicht, dann kamt es nur eins geben: die Koffer packen zur HeiW- reise! R. H. -
Die Auffassung der deutsche« Delegation.
Genf, 12. März. Ueber die Auffaffung Bafi deutschen Delegation zur Lage am Wend des 12. März erfährt der W. T. «.-Berichterstatter folgendes:
Es wird in erster Linie auf den deutscher-^ feite schon am ersten Sonntag gemachten Dov- schlag hingewiesen, zur sachgemäßen Slot* stellung der Frage der ständigen Ratssitze eine Kommrffion einzutztzen, die rechtzeitig vor der Septembertogung des VölkeiHundes Bericht W erstatten habe. Hinsichtsich der übrigen mit den Vertretern der Signatare des RHeinpaktes erörterten Anrsgunggen hat eine sorgfältige Prüfung durch die deutschen Delegierten feind Lösungsmöglichkeit auf solcher Grundlage er-' geben. Es ist für Deutschland bei allem Bestreben, den Schwierigketten der Gefamtsitu'- ation Rechnung zu tragen und durch einen be- fchleuniFten Eintritt Deutschlands in den Völkerbund dem Werke von Locarno die endgültige Verwirklichung zu verschaffen, um möglichst von dem fimdamentalen Grundsatz abzu- wsichen, daß es sich vor dem Eintritt in den Völkerbund einer Mndung hstrstchtsich seiner künstwen Politik im Völkerbünde insbesondere der Meüvngmrhme zu den Bestrâmgen einzelner Mitglieder enthält Dies ist Chamber' Iain mit geteilt und darauf hinaewissen worden, daß der deutsche BorWag auf Bildung eines vorbereitenden Kommission inzwischen von bei Delegation in seinen Nnzelhsistm weiter ans» gearbeitet worden sei.
^ANes ist möglich, feW der Bruch".
Paris, 11. März. Ueber die Loge in Geaf schreibt der So “ '" techatter des .,M a-' fin“: Die »st klar, sie will einen d g über die Alliierten'
auf k Polens davontrage«, wie die dmiiche Politik 1914 einen Erfolg gegen die Triple-Eulente auf dem Rücken Serbiens da- vontragen wollke. Das ist eine Halsttarrigkeitz so unter allen Umständen Sieger bleiben za.