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Seife 10

AreNag den 12. März

Nr. 60

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Welchen Beruf soll öas junge Mädchen ergreifen?

Auch viele junge Mädchen, die früher bis pi ihrer Verheiratung im Haushalt der Eltern geblieben sind, sehen sich heute durch die Wirt­schaftslage gezwungen, einen Beruf zu ergrei­fen, der ihnen die Möglichket gibt, auf eigenen Füßen zu stehen, zumal die Heiratsmöglichkeit sich verringert hat. Das Ereignis des ver­lorenen Krieges hat diese Entwicklung nicht erst herbeigeführt, sondern nur beschleunigt. Leider lassen sich aber viele Eltern bei Ent­scheidung der Frage, was die Tochter werden soll, von zwei nicht immer richtigen Beweg­gründen leiten: erstens die Ausbildung soll kurzfristig sein und möglichst wenig kosten, zweitens welcher Berus im Augenblick modern" oder aussichtsvoll ist. Es liegt zu­nächst ein großer Irrtum vor, zu glauben, daß man in kurzer Zeit etwas Tüchtiges lernen könne. Das ist nie und nirgends der Fall. Nur der Tüchtige, d. h. derjenige, der etwas ge­lernt hat und daneben natürlich auch fleißig ist, kommt vorwärts- Man sage nicht, beim jungen Mädchen brauche auf eine längere Ausbildung nicht geachtet zu werden, denn es werde doch heiraten. Ganz abgesehen von der Unsicherheit der Verehelichung ist es auch eine Verkennung des Wesens guter Ausbildung, wenn man" sie als belanglos oder unnütz für die Mutter oder Hausfrau betrachtet. Jede

gründliche Durchbildung erzeugt Charakter­stärke und seelische Vertiefung, Eigenschaften, die gerade die Frau als Gattin und Mutter besonders nötig hat. Ebenso falsch ist es, sich bei der Wahl des Berufes von den augenblicklichen Aussichten leiten zu lasten. Niemand kann die zukünftige Entwicklung voraussehen. Was heute nicht aussichtsvoll erscheint, kann mor­gen f^r günstig sein und umgekehrt. Jeder soll den Beruf ergreifen, für den er nach seiner körperlichen und geistigen Anlage geeignet ist. Heute ist der kaufmännische Beruf z. B. nicht besonders verlockend und man soll sich wohl überlegen, seine Tochter ihm zuzuführen. Die

wirklich sachkundige seit 1889 bestehende und größte BerufsorganisationVerband der weiblichen Handels- und Büroangestellten" unterläßt es daher, vor dem Ergreifen des kaufmännischen Berufes zu warnen. Wer Eig­nung und Neigung hat, soll sich ihm widmen. Aber Voraussicht ist eine durchgreifende Aus­bildung, also entweder eine mehrjährige prak­tische Üchre in einem guten Geschäftshause, in dem der Lehrling richtig angeleitet wird, oder Besuch einer vollwertigen Handelsschule mit mindestens anderthalbjährigem Kursus für Volksschülerinnen und einjährigem Kursus für Absolventinnen eines Lyzeums oder einer gleichartigen Anstalt. Sehr empfehlenswert ist ès, vor endgültiger Entscheidung sich an die zuständige Berufsberatungsstelle zu wenden, wo man in der Regel sachkundige und sach­gemäße Auskunft erhält.

Soll man heiraten?

Eine Rundfrage unb ihre mannigfaltige Beantwortung.

Soll man heiraten? Und weiter: Gibt cs eine Krise der Ehe? Halten Sie eine Abhilfe für notwendig? Glauben Sie, daß eine Reform ein plötzliches Anwachsen der Eheschließungen zur Folge hätte? Soll diese Reform wirtschaftlicher oder sozialer Natur sein?

Das ist der Fragenkomplex den die viel­gelesene Pariser ZeitschriftMariage" einer Reihe bedeutender Persönlichkeiten der fran­zösischen Oeffentlichkeit vorgelegt hat. Die Ant­worten waren ebenso verschiedenartig wie die jeweiligen Charaktere der Befragten" und wir glr -ben nicht, daß die Rundfrage eine Klärung der Angelegenheit gebracht hat. Es ist dies auch Hin selbstverständlich, denn die Frage nach Art und Reform der Ehe kann immer nur vom per­sönlichen Standpunkt und nicht verallgemeinert aufgefaßt werden. Wir geben nachstehend eine Auslese der eingegangenen Antworten wieder:

Madame Curie, die weltberühmte Ent­deckerin des Radiums, richtete an die Leitung der Zeitschrift nachfolgende kurze Zuschrift:

Es wäre verfehlt, auf die Frage, ob man

heiraten soll, mit einfachem Ja oder mit einem einfachen Nein zu antworten. Dies ist ein Pro­blem, das jeder einzelne für sich lösen muß, und die Lösung wird je nach dem Charakter, dem Temperament, der sozialen Lage des Betreffen­den verschieden ausfallen. Ich habe in meiner Ehe mein besseres Ich entdeckt und wünsche jeder jungen Braut von Herzen ein ähnliches Glück."

Viktor Marguerite, der vielgenannte Autor, erweist sich in feiner Zuschrift als Feind der Ehe.Solange die Ehe", schreibt Viktor Mar­guerite,eine bloße Form bleibt, und nur der Befriedigung des Egoismus von Mann und Frau dient, würde ich jedem van einer Ehe­schließung abraten. Es ist übrigens meine Ueberzeugung, daß die Zukunft der Ehe vom Erfolg jener Bersuche abhängig ist, die auf eine vollkommene wirtschaftliche Emanzipation der Frau hinzielen. Gelingt dieser Versuch, so wird es eine Zukunftsehe geben, die der Form nach vielleicht nicht, dem Inhalt nach jedoch so gründlich wie nur möglich von der heutigen Ehe abweichen wird."

Die Schauspielerin Raquel Meller setzt sich auf das Entschiedenste für die Ehe ein. Nach ihrer Ansicht vermag nichts auf Erden das Eheglück zu ersetzen. Selbst Kunst und Ruhm, nach deren Flitter soviele Mädchen und Frauen streben, können das Weib nicht auf die Dauer über den Mangel an eigner Familie, an Kind und Heim hinwegtäuschen.

Als eine radikale Ehefeindin entpuppt sich die Revue-Schauspielerin Mistinguett,Nur ein Dummkopf", meinte sie,wird es heute noch zuwege bringen, für die Ehe Sympathien zu hegen. Ich bin wirklich glücklich, nie an die Ehe gedacht zu haben. Auch ohne persönliche Erfahrung bin ich in der Lage, über das Ehe­problem zu urteilen. Es genügt, die Ehebünd- niffe der meisten meiner Freundinnen und Kolleginnen vor Augen zu halten. Ich möchte jedenfalls mein Beispielz als Vorbild den Männern empfehlen. Bleiben Sie ledig wie ich, dann werden §ie glücklich fein."

Anderer Ansicht ist der in Paris populäre Komiker Biscot. Er empfiehlt die Einführung von hohen Junggesellensteuern, denn die hart­näckigen Männer, die die Feinde ihres eigenen Glückes sind, müssen zum Ehebund gezwungen werden. Sein Kollege Dranem, ebenfalls ein

volkstümlicher Komiker, teilt die Ansicht ^: cots.Immerhin", schließt Dranem sein jahendes Gutachten über die Ehe,ich m mich noch nicht recht kompetent, über die W frage ein abschließendes Urteil zu geben. M her war ich nur dreimal verheiratet. Ich inöM meine vierte Ehe erwarten, um Endgültig sagen zu können."

Bodenreform und die Frauen.

Auf der 14. Hauptversammlung des Bundtz Deutscher Frauenvereinc, vom 4. bis 7. tober in Dresden, wurde, angeregt durch Verein für Fraueninteressen Bunzlau und vM Verband Brandenburgischer Frauenvere» eingereichte Anträge, einstimmig folgende Etz schließung angenommen:

Die Hauptversammlung des Bundes DM- scher Frauenvereine beschließt, der Wohn- ntzi Bodenfrage ihr besonderes Interesse guJ wenden, einen Arbeitsausschuß dafür eM setzen und nichts unversucht zu lassen, daW! das im Artikel 155 der Deutschen Reichst fassung enthaltene Heimstättenrecht eine reich- gesetzliche Regelung findet."

Außerdem hat der Bund beschlossen, ^ einer besonderen, im Frühjahr einzuberufendk Frauenversammlung die Wohn- und Bode» fragen zu behandeln- Die Dresdner Tagun, an'der fast 600 Delegierte teilnahmen, Hatz als ThemaDer Frauenwille in der sozitz hygienischen und der Kulturgesetzgebung' Daraus ergab sich, daß sowohl in den orr^ lichen Referaten wie in der 'Aussprache imma wieder die Wohnungsnot, die eigentlich Wurzel allen Uebels, berührt wurde.' % deutsam und erfreulich ist die Tatsache, das der Bund Deutscher Frauenvereine, dich einzigartige größte Frauenorganisation, H den Frauenwillen wachrufen will zur Anteil­nahme an allen Fragen der Wohn- uui Bodenreform, zur Mitarbeit an der Bekäme ung des Wohnungselends, das wohl M chwersten bedrückt und belastet deutsche Hau- rauen und deutsche Mütter.

Sophie Sachs, Bunzlav.

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