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Nr. 60

Aus aller Well.

Diehexenden" Zigeunerinnen.

Unglaubliche Dinge kamen in einer 23er= Wandlung gegen zwei junge Zigeunerinnen vor dem Amtsgericht Dresden zur Erörterung. Die Anklage richtete sich gegen die Zigeunerinnen «nd Artistinnen Hulda Rose und Magdalena Böhmer, beide im Anfänge der zwanziger Jahre stehend und zum Zigeunerlager Peter- mann gehörig. Nach der erhobenen Anklage wurden die beiden Zigeunerinnen des gemein­schaftlich begangenen Betruges beschuldigt, in- dem sie gelegentlich des Auftretens als Händ- lerinnnen in der Umgebung von Dresden auch zugleich als sogenannteWahrsagerinnen" be- trugerische Geschäfte machten und sich insbeson­dere alsGesundbeterinnnen" bezeichneten.

Die Angeklagten bestritten mit großer Zungenfertigkeit die ihnen zur Last gelegten betrügerischen Handlungen und erklärten, es Kège hier unbedingt eine Personenverwechslung vor. Als erster Zeuge wurde der 57 Jahre alte Kaufmann R. aus Dresden-Bühlau gehört, der u a. folgende Angaben machte: Am 25. Januar tarnen die Angeklagten in fein Geschäft, kauf­ten eine Kleinigkeit und äußerten hierbei, der Zeuge sehe eigentlich sehr wohl aus, ihm fehle Merlich nichts. Der Zeuge äußerte aber, daß er einen kranken Sohn besitze, der an epilep­tischen Anfällen leide und der in der Anstalt Hochweitzschen untergebracht sei. Die Zigeu­nerin Rose habe darauf erklärt, ihr Vater sei ein alter Schäfer, ihre Mutter als Hebamme tätig gewesen, sie könne vielleicht helfen und

eine Heilung herbeiführen,

so daß der kranke Sohn am Karfreitag aus der Pandesheil- und Pflegeanstalt entlassen werden Md gesund ins Elternhaus heimkehren könnte. Bedingung sei, daß Zeuge daran glaube und mit niemanden darüber spreche. In der An­nahme, daß doch eine außergewöhnliche Hilfe ihm (von göttfidjer Seite) zugeschickt werde, hat der Zeuge seine Ehefrau in den Laden gerufen, die einen Zwirnsfaden herbeiholen und vier Knoten darin machen mußte. Dann habe die Zigeunerin auch einen Knoten in der Mitte des Fadens angebracht und erklärt, wenn die vier Knoten der Frau Richter verschwänden, sei die Hilfe sicher. Als der Zwirnsfaden dann auseinander gemacht wurde, befand sich nur der eine, von der Zigeunerin in der Mitte ge­knüpfte Knoten in dem zuvor unbemerkt vertauschten Zwirnsfaden vor, auf den die Frau nach Vorschrift gespuckt (!) hatte. Nun mußte der Zeuge mit der Zigeunerin Rose, in die Stube gehen und dort

beichten, wieviel bares Geld er im Hause habe, dann mußte er etwas Dünger unb von drei Räumen einige alte Rindenstückchen herbei in altes Papier und in ein Tuch ein-

Zeuge vierzig Mark, also insgesamt 160 Mark Bargelb zahlen und versprechen, darüber zu chweigen. Das Geld sollte angeblich nur als )pfer dargeliehen und in einigen Tagen wieder jürückgezahlt werden. Der Zeuge will furchtbar bearbeitet worden sein, hinterher sei es ihm erst zum Bewußtsein gekommen, daß er be- fchwindest worden sei und eine große Dumm­heit gemacht habe. Die Frau R., 56 Jahre alt, erklärt zunächst, daß ihr Mann etwas aber- und leichtgläubig sei, daß er aber für jeden an­geblich verschwundenen Knoten 40 Mark heim­lich gezahlt hatte, sei ihr einfach unverständlich, -bie Zeugin machte dann die gleichen Angaben wie ihr Mann und führte weiter aus, sie sei von der anderen Zigeunerin im Laden bearbei­tet unb beschwatzt worden, die noch für gegen drei Mark Waren ohne Bezahlung entnommen und ausdrücklich betont habe, wenn darüber ge­sprochen werde, bekomme die Zeugin an den Lippen lauter Blasen!

Als nächste Zeugen wurden der 60 Jahre Ee, ebenfalls in Dresden-Bühlau wohnhafte »efenbinber Z. und dessen 58 Jahre alte Ehe- Mu vernommen, bei denen die Zigeunerin Rose bereits am 14. Januar erschienen war und

beste (Reklame

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Freitag den 12. März

Spitzen zum Verkauf angeboten hatte. Diese Angeklagte habe im Gespräch erklärt, sie könne bei Krankheiten usw. helfend eingreifen. Die Zeugin Z. hat einen starken Leib, sie wollte gern

etwas schlanker werden

und so jünger aussehen. Die Zigeunerin habe erklärt, sie könne ein Mittel sagen, nur müß­ten, da sie katholisch sei, drei Gebete gesprochen und dafür als Opfer je eine Mark gezahlt wer­den, was auch geschehen ist. Die Zeugin mußte sich grüne Schmierseife und in der Apotheke Königskerzenöl" besorgen. Frau Z. hatte nun vergessen, ob sie das Königskerzenöl einnehmen oder zum Einreiben benutzen solle. Auf Rück­frage hatte ihr der Apotheker gesagt, dies sei gleich, es sei ganz unschädlich. Die Zeugin hat

Zm Geiste von Locarno Die vollendeten Zerstörungen in den Kruppwerken (Essen).

In den Kruppwerken in Essen sind jetzt die letzten Zerstörungen der Maschinen, die der Versailler Vertrag vorschreibt, ausgeführt worden. Im Verlauf von sechs Jahren hat die Firma Krupp insgesamt 9736 Maschinen im Gesamtgewicht von 53 000 000 kg mit einem Auschaffungswert von 104 000 000 Goldmark d. h. fast die Hälfte ihres gesamten Maschinen­bestandes verloren. Zuletzt fielen noch 38 besonders bemerkenswerte Maschinen der Ver­nichtung anheim, um deren Erhaltung jahrelang gekämpft wurde, da sie für friedliche Zwecke ohne weiteres verwendbar gewesen wären.

Unsere hochinteressante Aufnahme führt an die Stätte der Zerstörung in den KruppweÄen und zeigt das Fallwerk, dessen Wände aus Panzerplatten bestehen. Eine 10000 kg schwere Kugel zerschmettert die Maschinenteile.

die verschiedenen Mittel auch einige Tage ange­wendet, keinerlei Wirkung verspürt und dann sei es erst klar geworden, daß hier ein großer Schwindel vorgelegen habe. Die vorgenannten Zeugen erkannten die Angeklagten einwandfrei wieder. mes>ÄÄ

Rose zu drei Monaten, die Böhmer zu zwei Monaten Gefängnis, sowie wegen Beilegung eines fälschen Namens zu je fünf Tagen Haft.

Die Untersuchung im Fall Jürgens.

Berlin, 10. März. Ueber den Stand der Untersuchung gegen Landgerichtsdirektor Jür­gens und seine Gattin hören wir, daß das Ehe­paar noch immer alles abstreitet. Jürgens be­findet sich noch im Lazarett des Untersuchungs­gefängnisses, da er sich noch nicht von seinem seelischen Zusammenbruch erholt^ hat- Inzwi­schen schwebt noch die Haftbeschwerde, die Rechtsanwalt Wieser-Cassel für beide Ehe­gatten eingeleitet hat und über die die Staats­anwaltschaft in Stargard, die den Haftbefehl erließ, zu befinden hat. Die Entscheidung dürfte aber in den nächsten Tagen fallen. Von ihr wird es abhängen, ob die Ueberführung des Ehepaares Jürgens nach dem Unter­suchungsgefängnis in Stargard erfolgen wird. Aus Leipzig wird berichtet: Bei einem Hoch- verratsprozeß vor dem Staatsgerichtshof in Leipzig, der gestern begonnen hat, kam die Sprache auf die Methode des verhafteten Land­gerichtsdirektors Jürgens anläßlich des Falles

Christian Heuck. Heuck gab an, er sei, weil er ein Stück Papier verschluckte, das er Jürgens nicht aushändigen wollte, eine Woche lang in einem Keller in einen Käfig gesperrt worden. Jürgens sollte in dem Prozeß als Zeuge auf­treten, aber die- Reichsanwaltschaft hat auf seine Bekundungen verzichtet. Dagegen ver­langt die Verteidigung die Ladung Jürgens-

Fortführung des Prozesses Lützow

Berlin, 10. März. In der gestrigen Sitzung des Schöffengerichtes Lichterfelde kam zur Sprache, daß unter den Schülern im Herbst 1922 ein Zettel im Umlauf war, auf dem das Material gegen den Angeklagten zusammen­getragen wurde, wobei die besonderen Fälle des Prügelns und der Zärtlichkeiten ausgeführt worden waren. Dieser Zettel war dem Lehrer Dr. Lippmann überreicht worden. Die Zeugen die dazu gehört wurden, bestritten aber, die von der Verteidigung gemachte Unterstellung, daß es sich bei diesem Vergehen um eine Hetze des dem Angeklagten feindlichen Lehrerperfo-

nals gehandelt habe. Ein jetzt 19jähriger Real­schüler P. kam erst spät in das Landes­erziehungsheim und hat niemals Schläge be­kommen. Der Schüler weiß jedoch von zahl­reichen Prügelstrafen bei anderen zu berichten. Am schlimmsten seien die sogenannten Lieb-

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sten Schläge bekamen und viel häufiger Gute­nachtküsse. Außerordentlich schwer belastende Beschuldigungen hatte der jetzt 18jährige Her­bert S. gegen den Angeklagten in der Vor­untersuchung ausgesagt; er schränkte diese Be­hauptungen jedoch gestern ganz erheblich ein. Der eigene Vater dieses Zeugen stellte der Wahrheitsliebe seines Sohnes ein sehr un­günstiges Zeugnis aus. Im Laufe der Sitzung kam es einige Male zu heftigen Zusammen­stößen zwischen der Verteidigung einerseits und einem Sachverständigen und dem Anklage­vertreter andererseits, auch einmal zu einer Differenz zwischen den Verteidigern selbst. Für die nächsten Tage wurde von Staatsanwalt­schaftsrat Burcczek wiederum auf zwölf Zeu­gen verzichtet. Trotzdem wird der Prozeß bis Ostern dauern.

Ein Schupobeamter als Sittiichkeiisverbrecher.

Gestern abend wurde in dem Gemeinde­park in Berlin-Lichterfelde ein junges Mäd­chen von einem Manne angefallen und ver­gewaltigt. Auf die gellenden Hilferufe des Mädchens eilten Passanten und ein Parkwäch­ter herbei, die noch beobachten konnten, wie das Mädchen in den Toltow-Kanal sprang,

aas JJtaöcben in Den Toltow-Kanal sprang, wenn vergriffen lastenfrei durch die Fabrik Otto wahrend der Mann im Schutze der Dunkelheit Reichel, Berlin SO. 33, Eisenbahnstr. 4.

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zu entkommen suchte. Das Mädchen wurde von den Passanten gerettet, der Flüchtling von dem Parkwächter eingeholt, überwältigt und dem nächsten Polizeirevier zugeführt. Hier wurde er als der Wachtmeister der Schutzpolizei Fritz Rosenbauer festgestellt. Nachdem der Verhaf­tete ins Polizeipräsidium gebracht worden war, ergab sich bei seiner Vernehmung, daß er sich nicht nur Sittlichkeitsverbrechen, son­dern auch in mehreren Fällen der Zuhälterei schuldig gemacht hat. Er wird heute dem Unter­suchungsrichter vorgeführt werden.

Kindesmord einer Sechzehnjährigen.

Die sechzehnjährige Haushaltungsschülerirt Ilse S. ist wegen Kindesmordes als Polizei- gefangene in eine Heilanstalt übergeführt wor­den. Als das Mädchen, das kürzlich schwer er­krankte, in ein Krankenhaus gebracht werde« sollte, fand man beim Zusammenpacken ihrer Sachen die Leiche eines neugeborenen Kindes, -dem ein Strick um den Hals gelegt war.

Der.erledigte" Hungerkünftter.

Der Berliner Hungerkünstler Eric, der fih in der Lindenpassage niedergelassen hatte, um dem schon in der dritten Woche hungernden Jolly Konkurrenz zu machen, ist nach siebe« tägigem Hungern zusammengebrochen mrd mußte in ein Sanatorium gebracht werde«. Die Aerzte stellten eine Gallenblasenentzün- bung fest.

Erdbeben.

Rom, 10. März. Aus Florenz wird gemet» det, daß gestern abend und heute frühinverfchie- denen Orten Toskanas Erdstöße von mehreren Sekunden Dauer registriert wurden. Schaden wurde nicht angerichtet.

Die Ohressprache der Zfitmsterse.

Die Besucher amerikanischer Kinodrame» werden gut tun, den hübschen Frauen, die auf der weißen Leinwand erscheinen, scharf auf die Ohren zu schauen. Es ist nämlich eine Uebereinkunst getroffen worden: biq amerika­nische Filmsterne werden durch die Art ihr« Ohringe dem Publikum zu erkennen geben, ob sie verlobt, verheiratet oder noch zu haben sind.

Wenn also eine Filmschönheit demnächst mit sehr langen Ohrringen auf der weißen Wand erscheint, so bedeutet dies für den aufmerksamen Zuschauer:Lasset alle Hoffnung fahren, dèe Dame ist verheiratet!"

Hat die Filmkünstlerin nur an einem Ohr ein Geschmeide, so wird damit angedeutet:Die Dame ist verlobt; nur wenn eine wesentlich bessere Partie in Aussicht gestellt werden könnte, wäre vielleicht noch etwas zu machen!"

Wenn eine Künstlerin kleine, schlichte, un­verzierte Ohrringe trägt, so sagt sie den bewun­dernden Männern:Die Künstlerin ist weder verlobt, noch verheiratet. Es liegt ihr nicht nies an den Männern, wenn sie allerdings auch be­reit wäre, eine ehrbare Werbung zunäcW wenigstens einmal anzuhören."

Keine Ohrringe an den Ohren einer sâwn«

HnmoriMhes.

Morgenstunde. Lotte: Du, Defty, dmaff du mir nicht eine schöne und billige Maske sagen? Betty: Geh' doch als Morgenstunde. Da brauchst du weiter kein Kostüm. Du hast bod) deine Goldplomben.

Das kdirtschastsgeid reicht heute nicht bin nach her. Trotzdem braucht man sich den Genuß auch des kostbarsten Likörs nicht zu versagen. Auch ohne daß man sein Geld vergeudet kann man sich mehr als nur ein Likörchen leisten, wenn man nach alter erprobter Sitte seine Schnäpse mit Reichet- Essenzen selbst herstellt. Alles nötige ist heute wieder erhältlich Sämtliche Liköre, Edelliköre, Branntweine und PunschextrÄte sind herstellbar. Die Selbstbereitung mit Reichel-Essenzen ist eine wahre Freude und man weiß, was man trinkt. Mr gutes Gelingen und stets gleichbleibende Güte bürgt der Name Reichel und die altberühmte. Lichtherz­marke. Erhältlich in Drogerien und Apotheken. Da­selbst auch Dr. Reichel's Rezeptbüchlsin umsonst, oder

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