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so*. ^nBrffong.

Hanauer 8 Anzeiger

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Nr. 60

Freitag de» 12. März

1926

Gnrsie Situation in Genf.

We«S Mweeftand. - <St><mteu will «ms dem «ölkeebund «mswete«. - Seme «vobearstiumnmg Deutschlands Aufnahme. - Keiienstimmuus. -Genug der «Zeuiedmgnng Bentschlauds .

Derschörste Krise.

. Genf, 11. März. Es ist ein Irrtum, zu glau- fen, daß hier zurzeit die Versammlung des Völkerbundes stattfindet. Was hier eben vor

t unglückliche

r in Locarno unter so

(günstigen Auspizien begonnenen Kon­ferenz, die nur einen Fehler hatte, daß man !è zu schnell beendete, bevor alle mit dem Ver­sieg zusammenhängenden Fragen gründlich genug erörtert worden waren. Wenn man sich in Locarno weniger beeilt hätte, wäre wahr- chemlich der 'ganze unerquickliche Streit um die Ratssitze nicht aus- ;ebrochen und der brasilianische Botschafter vom Völkerbund, Mello-Franco, wäre nicht in >ie wenig beneidenswerte Lage gekommen, an Worten seiner Regierung herumzudeuteln md sie in bas Gegenteil zu verkehren.

Ueberbl.tft man heute die Situation, wie

len

im großen Gegensatz zu estèrn nachmittag darstellt, so ergibt sich säendes Bild: Wenn Brasilien bei der ent-

ie sich heute

enden Abstimmung im VLlkerbundsrat ~" - ?MN Ei" für Deutschland stim-

w

T el e g ä £i o n rage. ellt sèm, ob sie ihr Eintritts- esuch in den Völkerbund zurückziehen rer einfach die Ausnahme geschehen assen und mit ihrer praktischen lrbeit im Völkerbund bis zum September warten will, wo Brasilien ach seinem dann in Aussicht stehenden Aus­heiden aus dem Rat sich dem ständigen Rats­itz an Deutschland nicht widersetzen könnte. :5 bliebe natürlich auch die vielbesprochene Möglichkeit einer Aenderung der Locarnover- räge (?), die aber ernstlich kaum in Frage ömmt.

ner Sommersession den Wschluß dieser Kon­vention oorbereiten könne. Schließlich stellte fest, daß die zwischen England und I neu abgeschlossenen Verträge den in der Entscheidung des Völkerbundsrates vom 16. 12. 1925 aufgestellten Bedingungen für die Zutellung des Moffulgebiets an den Irak entsprechen, womit diese Entscheidung endgül­tig geworden ist, und daß Irak für die nächsten 25 Jahre unter das Mandat Englands gestellt wird. Die Entscheidung über die endgültige Grenzziehung wurde eine der nächsten Rats­tagungen verschoben.

der Rat dem Ira!

fünfen gewisse Länder zugegen seien, die nicht dem Abkommen von Löcarno beigetreten seien, fei es ganz natürlich, daß Schwierigkeiten stünden, weil die Nichtunterzeichner Locarno-Abkommens entweder^ Erwägungen nationalen Interesses oder Erwägungen allge­meiner Sntereffen des Völkerbundes selbst zur Geltung zu bringen hätten. Was die Franzosen und die allierten betreffe, die das Abkommen dürften sie jung diefes

Zeiten eut-

des

Keuie Probeabstimmung.

Genf, 11 März. Die geheime Ratssitzung, die kurz nach 4 Uhr begonnen hatte, dauerte bis 7X Uhr Sie hat offenbar zu einem prak­tischen Ergebnis wiederum nicht geführt, und zwar infolge der gänzlich unerwarteten An­kündigung Mella Francos, der gestern abend erklärt hat, er werde nicht für den ständigen Ratssitz Deutschlands stimmen.

von Locarno c

nicht vergessen, , .... --.. Abkommens der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund notwendig sei, und daß alle Bemühungen darauf abzielen müßten, diese Notwendigkeit mit den berechtigten Interessen der anderen Mächte, die im Rate vertreten seien, in Einklang zu bringen. In der heutigen Sitzung sei man einen Schritt weiter­gekommen; nichtsdestoweniger sei die Lage heute abend so, daß es nicht möglich sei, die Lösung zu sehen, die geeignet wäre, die erfor­derliche Einstimmigkeit zu verwirklichen. Im Verlauf des Samstags werde es möglich sein, in dieser Frage klarzusehen.

Briand kündigte noch an, daß morgen vor­mittag die Signatarmächte der Abkommen von

Die Situation, die dadurch entstanden ist, m eru

orte

am Nachmittag der Völkerbundsrat zu einer vertraulichen Sitzung zusammentreten würde.

die man hier auch noch viel hört, mehr auf seinen persönli auf den wirklich ausgesprochenen Willen der brasilianischen Regierung zurückzuführen ist. Daß Brasilien unter diesen Umständen im Sep­tember nicht wieder in den Völkerbundsrat von der Völkerbundsversammlung gewählt werden wird, gilt in den weitesten Kreisen der Völker­bundsversammlung als absolut sicher.

Die deutsche Delegation hat kein Ultima- um gestellt, wie man hier seit gestern erzählt, iber sie hat alle wissen lassen, daß sie über W Woche hinaus eine Verschiebung nicht nehr ertragen könne. Am Ende steht Briand lun da, wie der berühmte Zauberlehrling Goe­thes, der die Geister nicht mehr los wird, die !r mit seiner zu weitgehenden Befürwortung >er Ratserweiterung gerufen hat. Der Dölker- And bedarf eben einer vollkommen neuen Po­litik, und solange die alte Politik derkleinen Geschenke fortgesetzt wird, die der Erhaltung o« Freundschaft dienen fi " "'

wirklichem Völkerbundsgeist zu verständigen V eben auch kein wahrer Völkerbund mog-

ollen, statt sich in

Die brasilianische Drohung. Private Berprechungen bei Chamberlain.

Genf, 11. März. Sofort nach Schluß der Sitzung der Aufnahmekommission, die eine ^ne Formalität darstellt und in der deshalb jemand das Wort ergriff, fand bei Chamber- MM im HotelBeau Rivage" eine Reibe von ^ten Besprechungen statt, an denen auch ^ Mitglied der deutschen Delegation teil-

Man glaubt hier, daß es sich dabei um ote von brasilianischer Seste geäußerte Dro- Mna handelt, nicht für einen ständigen Rats- W Deutschlands stimmen zu wollen, wenn Brasilien selbst keinen ständigen Ratssitz be= pme. In ernsthaften Kreisen aller Delegationen tA man cs "der ab, an die Möglichkeit eines Men Bruches eines gegebenen Versprechens Mus ber brasilianischen Regierung zu glau- °eu. Immerhin haben die in der französischen Weise aufgetauchten Gerüchte Veranlassung zu 'nigen Nachfragen bei Chamberlain gegeben. Ne Sitzung des Völkerbundsrales.

Gens, 11. März. In einer öffentlichen riZun9 genehmigte der Völkerbundsrat die Be- nM über die Finanzlage kn Oesterreich und ferner beauftragte die Versammlung nw ^ueralsekretär, die Regierungen noch- Jus zur baldigen Meinungsäußerung über .jU UN Dezember 1925 Angestellten Entwurf internationalen Konvention gegen die laverei aufauforbern. damit der Rat in sei-

Aber man fragt sich, welche Haltung nun die deutsche Delegation, wenn sich der Standpunkt Brasiliens nicht noch ändert, einnehmen wird. Alle Welt würde es ner- stehen, daß d e deutsche Delegation nach einer solchen Brüskierung durch ein nicht­ständiges Mitglied des Völkerbundsrates ihren Aufnahmeantrag zurückzieht.

heute abend findet beim Präsidenten der Völkerbundsversammlung, da Costa, im Hotel des Bergues ein großer Empfang der Mit­glieder der Völkerbundsverfammlung statt. Anläßlich dieses Empfangs dürften noch Ver­suche zu einer Einigung gemacht werden.

Morgen vormittag findet eine Besprechung der Locarnomächte bei Chamberlain statt, der nachmittags die Ratssitzung folgen wirb.. In dieser Ratssitzung wird man wahrscheinlich eine P c o b e ab st i m m u n g über die Frage des deutschen Ratssitzes und die Frage der Erweiterung des Rates vornehmen, von deren Ausgang das Schicksal dieser Völkerbundsversammlung abhängt. Wie wir hören, wird die Erweite­rung des Völkerbundsrats in der gegenwär­tigen Tagung über den deutschen Ratssitz hin­aus nicht nur "on Schweden, sondern auch von Belgien entschieden abgelchnt.

Erklärungen Briands.

Paris, 11 März. Wie der Havasvertreter aus Genf berichtet, hat Briand nach Schluß der offiziösen Sitzung des Völkerbundsrates Presse­vertretern gegenüber folgende Erklärung ab-

Sie Lage verwirrt und besorgnis­erregend".

Paris, 11 März. Der Havasvertreter in Genf berichtet, daß in der gestrigen offiziösen Sitzung des Völkerbundsrates der Vertreter Italiens, Scialoja, auf Grund kürzlich erfolgter Erklärungen Mussolinis zugunsten der Er­weiterung des Völkerbundsrates und besonders zugunsten der Zusprechung eines Sitzes an Polen eine ähnliche Sprache geführt habe wie der brasilianische Delegierte.

Der havasvertreter will zu der Erklärung ermächtigt sein, daß keinen Augenblick der Ver­treter Spaniens im Völkerbundsrat eine Drohung gegen Deutschland ausgesprochen habe. Man Halle sich in dieser Frage an den stets von ihm vertretenen Standpunkt und sei entschlossen, aus dem Völkerbund auszukrekea in dem Fall den er als wahrscheinlich be­trachte, daß seiner Bewerbung um einen ständ gen Sitz nicht schließlich doch entsprochen werde. Der spanische Botschafter Ouinones de 2éon habe nicht verfehlt, dem VLlkerbundsrat den Brief vorzulegen, den ßéon Bourgeois und Balfour am 16. September 1922 an den Generalsekretär des Völkerbundes gerichtet hatten, um die Schaffung zweier neuer stän­diger Sitze zu beantragen. In Verfolg dieses Briefes sei es Schweden möglich gewesen, nach einem nichtständigen Sitz im Rate zu streben, und der Vertreter Spaniens habe daher keine Mühe gehabt, darauf aufmerksam zu machen. Diesen tatsächlichen Beweisgründen habe Außenminister Unden, wie man erkläre, prin­zipielle Gründe entgegenzusetzen sich begnügt. Wie dem auch sei, die Lage, wie sie sich zur Zeit der Rückkehr Briands darstelle, sei recht verwirrt und in gewissem Grade besorgnis­erregend.

Anfrage des brafiNanischsnDelegiei4en bei seiner Regierung.

gegeben.:

' Was das Problem schwierig mache, sei, daß sich nicht mehr um französ.-deutsche Verhand­lungen ober deutsch-alliierte Verhandlungen handle, sondern daß von nun abderBolker- bundsrat selbst sich mit der Lösung der Frage befassen müsse. Die Lage fei dadurch ver­wickelt worden, aber es hätte nicht anders sein können. Gestern hätten die Signatare der Ab­kommen von Locarno untereinander verhandelt und gewisse Mißverständnisse, die noch zwischen Frankreich und Deutschland bestanden hätten, beseitigen können- heute, im Völkerbundsrat, es habe sich um etwaâ anderes gehandelt. Es seien prinzipielle Fragen, die auf dem Spiele stünden: das Statut des Völkerbundsrates selbst und die Frage der Wahlmandate. Da ja bei dieser Erörterung zu zehn und nicht zu

London, 11 Wärj. Die Berichterstatter der gesamten Morgenpresse sehe« die Lage mehr als düster und glauben, die e in $ i g e Hoffnung liege in einem gestern abge- sandten Telegramm des brasilinnl- schen Vertreters, in dem dieser seiner Regierung die Lage schildert und anfragk. ob er Deutschlands Eintritt zuslimmen oder sich der Stimmabgabe enthalten könne.

DerDaily Telegraph" schreibt: Briand sei sofort nach seiner Ankunft an die Arbeit gegangen. Sein Vormarschplan fei

, arbeit gegangen. Sein Vormarzcyplan fer

5 1. Deutschland dazu zu bringen, daß es sich

e verpflichtet. die Entscheidung des Völkerbunds-

rotes zu akzeptieren

2. wolle er Schweden bestimmen, sein Veto zurückzunehmeu

3. wolle er einen Druck auf Spanien und Brasilien ansüben, um sie zur Zurücknahme ihrer Drohung zu veranlassen

1 werde er den polnischen Vertreter davon überzeugen, daß Polen nur einen zeitweilige» Sitz beanspruchen könne.

Grvtze Besorgnis für die heutige Sitzuna«

London, 11. März. Auch die Reutet* kelegramme, die bisher stets m einem Tone ruhiger Zuverlässigkeit gehalten waren, lauten sehr hoffnungslos und sprechen davon, daß oas aufgetauchte Hindernis bisher unüber­windbar erschien. In einer nach Mitternacht abgegebenen Reuter-Meldung aus Genf heißt es: Lhamberlaia unternimmt entscheidende Schritte, um die Katastrophe zu verhindern. Der Eintritt Deutschlands soll unter Beding­ungen erfolgen, die einen Fortschritt und nicht einen Rückschritt bedeuten.

Der Genfer Vertreter des Reuter-Büros erfährt, daß man der heutigen Sitzung mit großer Besorgnis eutgegensiehl. Mao glaube zwar nicht, daß der Eintritt Deutschlands iv den Bund verhindert werde, aber man

Driand erklär!: es sei eine Krise des Völkerbundes.

Paris, 11 März. Der Berichterstatter der Matin" meldet, daß im Laufe der gestrigen Verhandlung feine Fortschritte erzielt wur­den; daß aber auch der schwedische Dev­treter sowie der von Spanien und Brasilien bei ihren geblieben sind.

Driand habe gestern erklärt, es handle sich uichk um einen deutsch-französische« Konflikt, sondern um einekrisedes Völkerbun­des. In den nächsten Tagen werde die Eat-

Spani Einsp

rächen

scheidung fallen, ob die welk in des nächste» Iahreu m Krieg oder Frieden leben wird. Wenn unser Pakt verbricht, werden sich die Rationen aufs neue hassen, bis sie sich wieder in Gruppen zusammenschließen und einander entgegen stellen.

Der Berichterstatter fürchtet, daß, mene keine Lösung gefunden wird, die deutsche Delegation nach Berlin zurück reifen wird, um mit dem Reichspräsiden­ten und dem Reichstag die Lags zu besprechen» deutschen Delegation habe k, es sei genug der Stnlebrl-

Am Tisch der i man gestern gesagt, es sei genug der Erniedri­gung des Deutschen Reiches, man könne nicht mehr länger vor der Türe warten.

Gegen das Kabinett Driand.

Paris, 11. März. Die Republikanische Ver­einigung hat heute ihren Kongreß beendet und in einer Tagesordnung gegen das neue Kabinett Briand Stellung genommen. Die meisten Franzosen, so heißt es darin, hätten eine Regierung erwartet, deren Zusammen­setzung ein Unterpfand für eine weitestgehend« Politik für republikanische und nationale Zu­sammenarbeit fei. Statt dessen habe Driand Frankreich mit einem Kabinett von 1913 be­dacht und zudem Malvy zum Innenminister

ernannt, dessen Dergar mehr als jeder andere

er

gt sei, die Fran­zosen zu veruneinigen. Der Kongreß fordert die zur Partei gehörenden Parlamentarier auf, gegen das Kabinett Briand zu stimmen.

Die englische» FlollenvorauschlSge.

London, 11. März. (Unterhaus.) Bridge­man erklärte bei der Einbringung der Flotten­voranschläge: Die neuen Flottenvoranschläge sind trotz der Sonderausgaben, die durch das tm Juli 1925 vereinbarte neue Bauprogramm entstehen, um 2« Million niedriger als die vorjährigen. Die Gefamtvoranschläge für 1926 belaufen sich auf 58100 000 Pfund. Die Regie­rung ist der Ansicht, daß die allgemein fried­liche Lage eine Verminderung der Petroleums­reserven und der Marineluftstreitkräfte recht­fertigt. Was die Schiffe auf der aktiven Liste