201. Jahrgang.
ßanauerW Anzeiger
General-Anzeiger, für die Kreise Kanan Stabt und Land.
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Nr. 59
Donnerstag den 1L März
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(Von unserem Genfer Vertreter.)
I Genf, 10. März. Am heutigen Tage haben Wichtige Besprechungen stattgefunden, die uns »er Lösung näher gebracht haben. Am Vormittag verhandelten die deutschen Delegierten mit den Vertretern der Locarno-Mächte. Wie ich erwarten ließ, hat im Laufe dieser Beleihungen der Vorschlag ziemlich weitgehen- m Anklang gefunden, in dem von vo e Lösungsmöglichkeit liegen mußte orschlag ist bisher immer dem italienischen ertretei; Scialoja zugeschrieben worden. Tat- chlich aber ist er am Sonntag in der ersten esprechung von deutscher Seite ausgegangen. Ian hat ihn schon damals im Großen und cheißen. Nur hat sich in französische Delegierte oncâur nicht entschließen können, ihn anzu- ihmen. Denn Boncour ist sowohl in der iftrigen Sonüerbesprechung mit Stresemann iie auch heute vormittag bet seiner Ablehnung -blieben, was aber nicht hindern kann daß im reife der Locarno-Mächte dieser Vorschlag
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anzen willkommen geheißen. Nur hat sich in ir Zwischenzeit der französische Delegierte
bezweckt die Einsetzung
eher Annahme finden wird. Der Vermitt- I eines
_________ ^.. der Juni- kerbundsrat Bericht erstat-
: werden, und in der Herbsttagung sollen die entuellen Anregungen des Ausschusses zur führung gelangen. Dieser Vorschlag würde deutschen Standpunkt gerecht werden, vor- sgesetzt, daß nicht versucht wird — wie die lionalistische Pariser Presse es fordert — utschland schon jetzt zur Abgabe bindende« sicherungen zu zwingen.
Es handelte sich bei der Nachmittagsbe- echung zwischen England, Frankreich, Ita- unb Belgien auf der einen und den An- ruchs-Mächten auf der andern Seite darum, stellen, inwieweit dort, d. h. in der Haupt- e bei Spanien und Brasilien Neigung vor- nden ist, sich auf die vorerwähnte Lösung lzulassen. Die Entwicklung ist damit der Ent- eidung nahe gekommen. Man wird jeden- annehmen können, daß sie zum Abschluß mmt. und zwar im Sinne der Auffassung, die eutschland bisher stets vertreten hat. Es Meibt nur die Frage offen, welche Konsequen- n Spanien aus einem solchen Ausgang eben wird. Polens Anspruch kommt wohl cht weiter in Frage und auch Brasilien eint sich zufrieden gegeben zu haben. Spa- len muß es überlassen bleiben, wie es sich zu r einzig möglichen Lösung stellt. Es ist aber ter allen Umständen daran festzuhalten, daß Deutschland daran schuld ist, wenn etwa >e Krisis im Völkerbund entstehen sollte. Das ndernis, das sich dem Anspruch Spaniens egenüberstellt, ist die ablehnende Haltung webens. Darauf allein kommt es im prak- lchen Falle an und die Frage der Verant- prtlicfjfeit darf deshalb unter keinen Um- enden zu Ungunsten Deutschlands verschoben erden.
nen, so daß die Völkerbundstagung möglicherweise doch noch am Samstag oder Sonntag zu Ende gehen könnte.
Konferenz der Loearno-MSchke.
Genf, 10. März. Die heutigen Besprechungen der Vertreter der am Rheinlandspakt beteiligten Mächte dauerten von 10.30 bis gegen 1 Uhr. Ein amtliches Kommunique wurde nicht ausgegeben. Die Auskunft von Teilnehmern der Besprechung beschränkte sich auf die Mitteilung, daß die Erörterungen fortgesetzt würden. Der Sonderberichterstatter des W. T. B. hört, daß sich die offizielle Lage gegenüber der nach dem Abschluß der Besprechungen vom Sonntag nicht verändert. Wie man weiter aus Kreisen der fremden Delegationen hört, sollen heute noch Besprechungen der Vertreter der Ratsmächte stattfinden. Dabei handelt es sich jedoch um keine Ratssitzung, sondern um eine inoffizielle Aussprache.
Genf, 10. März. Die Schweizerische De- peschen-Agentur meldet: Der Weg, Der aus der Sackgasse herausführen soll, in die die gegenwärtigen Verhandlungen über die Er- wLjteruna des ~~" beginnt sich,i — ' i
Als sicher kann äff n werden, 'daß der Widerstand Sch ens und anderer Staaten gegen die Erweiterung des Rates über die Aufnahme Deutschlands hinaus eher noch fester geworden ist, welchem Umstände die übrigen Ratsmächte Rechnung zu tragen gezwungen sind, selbst wenn Deutschand geneigt wäre, Konzessionen zu machen. Die Verhandlungen, welche nun in ihr akutes Stadium einaetreten sind, bewegen sich in der Richtung auf das bereits gekennzeichnete Kompromiß, welches die Bildung eines Sachverständigenkomitees auf breiter Grundlage vorsieht mit der Aufgabe, bis zur nächsten Völkerbundsversammlung im September eine Neuorganisation des Völkerbundsrates vorzubereiten.
NachmMapslee Ler Ra'smrkqlieSer.
digende Ausgleichsformel gefunden werden könnte. Es sei keine amtliche aber halbamtliche öffentliche Erklärung über die Haltung Spaniens im Falle einet Ablehnung feines Anspruches abgegeben worden. Spanien fei zu sehr von der Rechtmäßigkeit seines Anspruches überzeugt und davon, daß eine ständige Vertretung Spaniens im Dölserbunds- rat auch für den Völkerbund selbst von Wichtigkeit sei, daß alles als verfrüht bezeichnet werden müsse, was offensichtlich über die Haltung Spaniens vorausgesagt werde für den Fall, daß Spanien entgegen seinen Hoffnungen eine schmerzliche Enttäuschung erleben sollte. Der Minister schloß- „Ich betone nur dies:
Der Völkerbundsrat muß während seiner gegenwärtigen Märztagung Spaniens An- sprach prüfen und darüber beschließen, und zwar endgültig, da sich eine Verschiebung auf eine spätere Tagung durch nichts begründen ließe."
Eine neue Wendung.
Auch Brasilien will sein Veto einlegen.
Paris, 11. März. Die Berichterstatter der französischen Blätter berichten über die
gewisse Parteien in der ministeriellen Kombi» Nation in einer zu auffallenden Weise bedacht seien, und daß andere schwächer vertreten seien^ Nicht daß man zu der Vertretung vieler Grup» pen hätte zurückkehren sollen. Die Lehre der letzten Monate beweise, daß eine Mehrheit ohne die Sozialisten geschaffen werden könnte* daß sich aber ohne die Republikaner, die zufällig nicht durch ein einziges Mitglied in dem neuen Kabinett vertreten seien, keine Mehrheit bilden lasse. Schließlich spricht sich das Blatt
ire bec
gegen die Ernennung Malvys aus und erklärt, daß vieles dunkel fei, was die Regierungserklärung .und die Handlungen des neuen Kabi< netts aufklären müßten.
Das „Soumalbes Debots" schreibt^ Wir haben ein Ministerium; aber werden wie auch eine Regierung haben? Es fei schwer anzunehmen, daß Briand, der gewillt sei, nach Genf zurückzukehren, irgend etwas unternommen oder irgendwie gehandelt habe. Wenn et eine Absicht gehabt habe, welches sei dieses Welche Zukunft kündige er an? Briand habe ein vollkommen radikales Kabinett gebilbeL das ein schwieriges Leben haben werde. Gewiß hätten Konzentrationsministerien schwere Fehler, besonders wenn sie nicht nach einem fest
litten
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Die AnkerkonMission empfiehlt die Ausnahme Deut chlands.
Genf, io. März. Die Unterkommission der Kommission der Völkerbundsversamm- n9 für die Ausnahme Deutschlands hat heute achmittag, ohne ein Mitglied der deutschen Delegation zu sich gebeten zu haben, den Be- M der M i l i't ä r k o m m i ss i o n, des °^bundes entgegengenommen und ihren für die Dollkommission fertiggestellt, er Bericht lautet auf Empfehlung der WMt des Aufnahmeantrags Deutschlands, die Vollkommission, die morgen : M Zusammentritt, wird diesen B e - ohne Debatte genehmigen. "Mit steht dann der Aufnahme Deutschlands urch die Völkerbundsversammlung nichts rhr i m Wege und nur noch die Erledi- oer vorgesehenen Besprechung könnte den meunigten Gang der Ereignisse aufhalten. „ nimmt aber heute abend hier allgemein NL.°°» ‘Die Aufnahme Deutschlands in den 0|terbunb a m Freitag wird erfolgen kön-
Genf, 10. März. (Schweizerische Depeschen- agentur.) Nach der Sitzung des Untersuchungsausschusses der Aufnahmekommission, in der beschlossen wurde die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund zu empfehlen, versammelten sich die ■ Mitglieder des Völkerbundsrats zu einer zwanglosen Unterhaltung beim Tee, zu der auch der polnische Außenminister Skrzynski hinzugezogen wurde. Der Tee dauerte etwa 2^ Stunden. Die Teilnehmer
agentur.
an der Besprechung lehnten Auskünfte über den Verlauf ab; jedoch erklärte Paul Bon- c o u r, der mit Loucheur zusammen teilge- nomrften hatte, daß die Aufgabe einer weiteren „Reife" zugeführt worden sei, so daß man erwarten dürfe, daß Briand voraussichtlich morgen nach feiner Rückkehr dem Ergebnis der heutigen Besprechung den Stempel aufdrücken könne.
Schwedens Kalluna.
Genf, 10. März. Das „Journal de Geneve" spricht in feiner Betrachtung über die Frage oer Ratserweiterung von einer Verstärkung des schwedischen Widerspruchs, der von verschiedenen Staaten unterstützt werde. Es zeichne' sich immer mehr eine Lösung ab, bei der nur Deutschland allein in der jetzigen Session in den Völkerbundsrat ausgenommen werden würde, während ein besonderer Ausschuß die Frage der Umorganisation des Völkerbundes zu prüfen haben werde und der Völkerbunds- versammlung im Herbst Bericht erstatten solle. Heute nachmittag hat der schwedische Außenminister vor der' Ausschußsitzung der deutschen Delegation einen längeren Besuch obgestattet.
Spanien und die ErweUeruna.
Madrid, 10. März. Die Agentur Fabra erfährt aus Genf: Der spanische Außen- m i n i ft e r ^ a n g u a s erklärte gestern abend über das Problem der ständigen Ratssitze, die verschiedenen Standpunkte würden aufrechterhalten, ohne daß im Augenblick eine befrie-
kussion habe zu keinem (Ergebnis geführt. Der Delegierte Schwedens ist bei feinem Deso geblieben. jedoch habe auch der brasilianische Delegierte angekündigt, daß, wenn seine wünsche nicht befriedigt würden, er nicht nur aus dem Bund auskreken werde, sondern auch sein Veto gegen den Eintritt Deutschlands in den Bund aussprechen werde. Auch Spanien will sein Veto einlegeu.
London, 11. März. Der Korrespondent der „Morninapost" äußerste sich sehr pessimistisch. Er sagt Brasilien habe gestern abend seine Absicht ausgedrückt, daß es Deutschlands Zulassung zum Völkerbundsrat bestimmt sein Veto entgegensetzen werd«, wenn ein solcher Sitz Brasllien verweigert werden sollte. Diese Erklärung sei abgegeben worden, als jedermann glaubte, daß bereits eine Vereinbarung erreicht wäre, wodurch Deutschland allein zum Völkerbundsrat zugelassen werde. Diese Erklärung sei ernst genommen worden und sei beschlossen worden, eine offizielle Sitzung des Völkerbundsrates für heute nachmittag 4 Uhr einzuberufen, falls Briand sich damit einverstanden erklärt.
Die Aufnahme Deufichlands vsu der Aufnahmekommiffio» bSichlossen.
Genf. 11. März. Die Aufnahmekommission hak heute vormittag in einer kurzen Sitzung von kaum 15 Minuten Dauer den von ihrem Uvterausschüß vorgelegten Bericht über die Ausnahme Deutschlands in den Völkerbund ohne Diskussion e'a- stimmig genehmigt und ihren vor- sitzenden Chamberlain zum Berichterstatter vor der Völkerbundsversammlung berufen.
Briands zweite Genfer Reise.
Paris, 10. März. Mit Ministerpräsident Briand zusammen begibt sich heute abend auch der Ersatzdelegierte der französischen Delegation, Senator Pams, nach Genf.
Die Pariser Prefie zum neuen Kabinett Briand.
Paris, 10. März. Die Aufnahme, die das Ministerium Briand in der Abendpresse findet, muß unter dem Gesichtswinkel betrachtet werden, daß mit Ausnahme des „Paris Soir" sämtliche Abendblätter den Standpunkt der Opposition vertreten.
Der „Temp s" schreibt, man könne vom Standpunkt der Außenpolitik sich ohne Zweifel zufrieden geben. Aber im Hinblick auf die innerpolrtische Lage müsse man bedauern, daß
abtfalen und die Gemäßigten mit verschiedenen Erinnerungen und gleichen Absichten einr träten, sehr prekär.
Auch der „3 n t r a n f i g e a n te, der das neue Minsterium Briand das „Kabinett vo« Genf" nennt, ist skeptisch. Wird Briand, wenn er nach Paris zurückkommt, der Politik den Hals umdrehen und sich mit der finanziellen Wiederaufrichtung beschäftigen? Wir haben weder Zeit noch Kredit zu verlieren.
Die „Libertè" stellt die Frage, ob das neue Ministerium Briand lebensfähig sei, und beantwortet sie dahin, alles hänge davon ab, welche Haltung die Gruppe Marin einnehme. Wenn sie gegen das neue Kabinett stimme, dann habe es schon von vornherein 300 Stimmen von 580 Abgeordneten gegen sich. Don bet Haltung der Demokratisch-republikanischen Vereinigung werde also die Lebensdauer des neuen Ministeriums abhängen.
Der radikale „Paris Soir" fragt: Was muß man aus den Verhandlungen, Die der Kabinettsbildung voraufgegangen sind, schließen? Daß das neue Kabinett Briand eine andere Finanzvolitik als das voraufgegangene machen wird? Daß Malvy und Lamoureur Fd? zum Standpunkt des gestürzten Kabinetts Briand bekannt haben? über einfach, daß sie, da die Krise unverzüglich gelöst werden mußte, Briand nicht ihren Beistand verweigern wollten? Das Blatt findet es klug, diese Fragen nicht zu beantworten und das neue Kabinett nach feiner Regierungserklärung und seinen Handlungen zu beurt-ilen. Heute will es sich damit begnügen, die Tatsachen zu registrieren.
Der demokratische Parkeiausschutz zur FürNeuabfindung.
Derl'u, 10. März. Der demokratische Parteiausschuß faßte nach ausgedehnter Erörterung über die Frage der Fürstenabfindung folgende Entschließung:
„Der Parteiausschuß spricht dem Parieivorsitzenden und der Reichstagsfraktion wärmsten Dank aus für die unermüdliche und er-
folgreiche Tätigkeit, die sie zur Verbesserung Gesetzentwurfes über die Fürstenabfindung alte! haben. Die Volksbewegung, die durch die maßlosen Ansprüche der Fürsten entfaltet wurde und der sich als erste die Demokraten
des
entfaltet
angenommen haben, hat mit dem heute vorliegenden Gesetzentwurf zwar nicht alle Ziele erreicht, aber einer erträglichen Regelung die Wege geöffnet. Der Parteiausschuß stimmt dem Gesetzentwurf der Kompromißparteien zu. Für den Fall, daß die verfassungsmäßig« Mehrheit des Reichstages für den jetzigen Gesetzentwurf infolge des W'derstandes der Rechten n'cht erreicht werden sollte, behält sich der Parteiausschuß die .Regelung der Frage durch den Volksentscheid vor."