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201. Jahrgang.

SamuerS Anzeiger

GeneraL-Anzeiger für -Le Kreise Kanau Stadt und Land.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Fernsprech-Sammelnummer 3956.

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Br. 57 Dienslag den 9. März 1926

Die Gköffnung des Oöièerbundstagung

ELtte geherme NatsMmrs. - £W GsHfkmmssveds. - Deutitblauds Äufttabmeseimb ein bedetttuttgsvolles

Da E-fLa mm NVZMmtimt sewZhU. - PolttZirbe ÄusiVtttsdvohmtgLtt. ttw eZttigL Lase vevröseeL.

DmEâlauds Ausnahme

Genfer; GMwmmgshrld.

(Von userem Genfer Vertreter.)

Genf, 8. März. In dem Ringen um den Werbund ist schon vor Beginn der Tagung ine Stockung eingetreten. Der 8. März hat nicht erfüllt, was man von chm erwartet hatte. Die Völkerbundsratssitzung am Vormittag ver- Bef rein formell und kam zu dem Beschluß, die jauptfrage dilatorisch zu behandeln. Die ganze Atmosphäre war ohne Spannung. Das sum- lenbe Stimmengewirr schon in der Halle vor em Ratszimmer, wo die ganzen Journalisten er Welt zusammenstanden, war nicht erfüllt on weltbewegenden Dingen. Man wußte, daß ie Entscheidung nicht vor der Tür stand, fon- em verschoben ist und daß auch die Plenar­sitzung uns vorläufig keinen Schritt weiter- Kringen kann. Briands Abreise von Genf Mngt zusammen mit der Regierungskrise in Frankreich. Aber sie beweist doch auch, daß in Wmf die Dinge währenddessen in der Schwebe Bleiben.

Wie ist die Lage? Man sann sie kurz dahin nnzeichnech daß die Schwierigkeiten itdemerstenAnlauf nicht über­luden worden sind: ob sie überwun-

erden. Äut

e, die sich ausgestellt

Ich nach dem Ablauf von ein mit, voller Beftimmryest kein Grund nor> an der

die alle ig voll-

friedlgt und De mmen Rechnung trägt. Die sachlichen Gegen- am Sonntag bei der Besprechung . haben, sind ziemlich stark. Zwi- en den Staatsmännern selbst, die am Sonn- g verhandelt haben, sind die persönlichen ègensätze nicht so stark. Der italienische Ver- eter ist nicht besonders scharf aufgetreten.

and neigt zur Versöhnlichkeit und Ehamber- n hält sich mehr zurück. Hier handelt es sich r allen Dingen darum, die Spannung zu he­gen, die durch die Behandlung Deutsch- nds in den letzten Wochen entstanden ist mtschland mußte den Eindruck haben, daß an hinter feinem Rücken über Dinge verhan- ' e, die es sehr nahe angingen. Diese Atmos- re ist am Sonntag rasch beseitigt worden, der danach traten die eigentlichen Schwierig- iten hervor. Sie liegen darin, daß mindestens Jet Staaten den Anspruch auf Zuteilung von Mandigen Ratssitzen erheben und daran fest- en. Das sind Polen und Spanten. Wahr- cheinlich hat man ihnen früher einmal ver­brechen, daß sie bei der nächsten Aufnahme er Großmacht auch mit an die Reihe kom- n sollen. Darauf fußen beide Staaten jetzt.

. . Brasilien macht Schwierigkeiten. Ueber lese Ansprüche ist vor allen Dingen am Sonn- °9 gesprochen worden.

Man kann es verstehen, daß in dieser ?MNg nicht sofort ein Abschluß erreicht wer- osn konnte. Die Dinge liegen so, daß man . lich praktisch diese Frage als erledigt an- lchen könnte, da Schweden gegen jede Erweite­rung des Rats, abgesehen von Deutschland, stimmen wird, außerdem auch noch ein anderer «taat. Aber es könnten doch von Polen und Spanien sehr starke Schwierigkeiten gemacht «erden, wenn man einfach über ihre An- Muche hinweggehen würde und es würde auch der ganzen Genfer Wmosphäre ^verstreiten, wenn man nicht den Verhand- ^ngsweg beschreiten wollte. Man kann in Deutschland warten, weil man fest davon übcr- Mt sein darf, daß die deutsche Delegation ^thal^n Arsspriichen unter allen Umständen

Eine geheime Sitzung.

*, u®en^ 8- März. Der Rat hat heute vor- ^tag 11 Uhr unter dem Vorsitz des japani- styen Delegierten Ishii seine 39. Tagung be- ^ und in geheimer Sitzung sich mit der .Stellung seiner Tagesordnung auf die näd)= Lhv ^unÖcn beschäftigt. Nach dreimertel- pin Yer Quuer wurde die Geheimsitzung in . ne »streng geheime" Sitzung verwandelt, an " , "ur die Ratsmitglieder und der General- "ètar teilnabmen. Ueber diese Sitzung ist

keine amtliche Mitteilung ausgegeben worden. Bon zuverlässiger Seite verlautet jedoch, daß Chamberlain, Scialoja und Vandervelde die übrigen Ratsmitglieder von den wichtigsten Besprechungen mit den deutschen Delegierten unterrichtet haben.

3m Anschluß daran wurde das Verfahren über die Aufnahme Deutschlands besprochen. Es wurde dabei besonders auf einen Absatz im Art. 1 des Völkerbundsstaluls Bezug genom­men, der die Frage behandelt, ob die militäri- scheu Verhältnisse eines Staates bei seinem Eintritt in den Völkerbund den Bestimmungen bestehender internationaler Abkommen ent­sprechen. Um im Falle Deutschlands diese Frage zu entscheiden, wird der Völkerbundsrat seinerseits wie bei der Aufnahme Ungarns, Oesterreichs und Bulgariens das Gutachten des ständigen militärischen Ausschusses des Völker­bundes einholen, der sich seinerseits vor Abgabe seines Urteils an die Botschafterkonferenz wen­den wird.

Die Eröffnung der autzerordenklichen Versammlung.

Genf, 8. März. In seiner Eigenschaft als Ratspräsident eröffnete heute nachmittag 3.30 Uhr das japanische Ratsmitglied Baron Ishii biej sammlüng, die über den Antrag Deuts zur Aufnahme in den Völkerbund zu befinden hat. In seiner Eröffnungsansprache erinnerte er an den Aufnahmeantrag üen Deutschland am 9. Februar die-es Jahres an den Völker­bund gerichtet habe. Am gleichen Tage fei der Rat von seinem Präsidenten zu einer außer­ordentlichen Sitzung für den 12. Februar ein­berufen worden, um zu prüfen, ob entsprechend den Bestimmungen der Geschäftsordnung eine außerordentliche Versammlung zur sofortigen Prüfung des deutschen Antrages einberufen werden soll. Nachdem Präsident Ishii noch be­tont hatte, daß die heutige Tagung die Folge dieser Prüfung sei, fuhr er fort:

Im Augenblick, wo die jährlichen Tagungen der Versammlung eröffnet werden, ist es üb­lich, daß der Präsident als Einleitung zu den Verhandlungen die Arbeiten des Völkerbundes im Laufe des vergangenen Jahres Revue passieren läßt. Angesichts des besonderen Charakters der Tagesordnung unsrer heutigen Tagung aber werden Sie sicherlich mit mir darin einig sein, daß es unangebracht wäre, wenn ich die Eröffnungsrede des Präsidenten der nächsten ordentlichen Tagung der Ver­sammlung im September vorwegnehmen wollte. Immerhin möchte ich mir erlauben, Ihre Aufmerksamkeit auf einen oder zwei Punkte zu lenken. An erster Stelle möchte ich darauf aufmerksam machen, daß seit dem Tage, wo uns der deutsche Antrag zugegangen ist, genau ein Monat verflossen ist. Die Einberufung einer Versammlung von offiziellen Vertretern der Mitgliedstaaten der ganzen Welt in so kurzer Zeit ist sicherlich ein Ereignis in der Geschichte des Völkerbundes und es zeigt am deullichsten, wie sehr der Völkerbund ein wirksamer Mecha­nismus ist, wenn es darum geht, Angelegen­heiten zu behandeln, die eine große Zahl von Völkern interessieren.

Andererseits glaube ich nicht nur den Ge­fühlen der hier versammelten Delegierten, son­dern denen aller Menschen in der ganzen Welt, die diese Debatte verfolgen, Ausdruck zu geben, wenn ich sage, daß dem Ere gnis, das uns heute hier vereinigt, die allergrößte Be­deutung zukommt.

EinegroßeNationstehtvoruns, erklärte Ishii weiter, um in den Völkerbund ausgenommen zu werden. Ich erlaube mir, in dieser Tatsache ein Zeichen dafür zu sehen, daß die Beipflichtungen, die die Mikgl eder des Völkerbundes unter einander vereinigen, die wie bisher, wenn auch unvollkommen, in einem Geiste internationaler Gerechtigkeit, der sie in­spiriert Hal. durchgeführk worden sind, n'cht verfehlen können, mehr und mehr Hoffnungen zu erwecken, um immer mehr auf das Gewissen der ganzen Welt einzuwirken.

Hierauf erklärte Präsident Ishii die außer­ordentlich« Tagung der Völkerbuudsversamm- lung für eröffnet.

Die PrSfi-enleuwahl.

Nach der Eröffnungsrede wählte die Der- fammlung mit 36 von 48 Stimmen den ehe­maligen " portugiesischen Ministerpräsidenten Alfonso da Costa zu ihrem Präsidenten. Da Costa bestieg unter der 20 OOOlergigen Ju­piterlampen = Beleuchtung und dem Gekurbel der Filmapparate sowie dem starken Beifall der Versammlung die Präsidententribüne, be­grüßt den Ratspräsidenten Ishii und den Ge­neralsekretär Sir Eric Drummond und hält dann eine Ansprache, in der er in üblicher Weise seine Wahl für eine Ehrung seines Lan­des erklärt und hinzufügt, er werde sich per­sönlich bemühen, das Seinige dazu be zutragen, um dssses wunderbare Werk der Regelung der Beziehungen unter den Völkern, das der Völkerbund darstelle, weiter vervollkommnen zu helfen. Dem Völkerbund müsse heute sein endgültiger Charakter gegeben werden, damit ' i, den Frieden zu der Menschheit zu

er wu sichern

gewährleisten.

»Schon umfaßt der Völkerbund die meisten!

-*e- hör nnr hör fvin_

eser Tagung seine Dedeukuna gibt, sondern bi ' ----

Versammlung hat eine ganz spezielle Be- deuluag. Es fehlen leider noch eine Reihe von Skaaten. darunter auch die Vereinigten Staa­ten von Amerika, deren plah zu unserem Be­dauern noch immer leer bleibt. Was aber die-

[et Versammlung ihre Bedeutung gibt, das ist der Einzug eines neuen Geistes, des Geistes Locarno der jetzt Deutschland herberführt der hoffentlich morgen nach seiner Aus­breitung über die Erde uns auch die anderen noch fehlenden Glieder der Völkerfamilie zu­führen wird."

von und

Der neue Präsident da Costa widmete dann Huldiauagsworte den Inspiranten des Geistes von Locarno, Chamberlain und Briand, und

gab seinem Wunsche Ausdruck, daß auch bei der Prüfung des Aufnahmegesuches Deutsch­lands die Grundlage dieses neuen Geistes An­wendung finden möge, wenn die Versammlung meinen sollte, daß er zu optimistisch sei, so müsse er darauf aufmerksam machen, daß noch kein großes Werk ohne Optimismus vollbracht werden konnte, und daß die glückliche Perspek­tive für die Zukunft der Völker und des Völ­kerbundes nur verwirklich! werden könne, wenn

müsse er

man mit Vertrauen an dieses Werk herangehe.

Nach einer kurzen Unterbrechung der Eröffnungssitzung trat dann die Versammlung um 4.40 Uhr wieder zusammen und nahm den Bericht des Ausschusses zur Prüfung der Voll­machten entgegen. Nach diesem Bericht ist die außerordentliche Vollversaminlung von 48 Mit­gliedern beschickt, während die übrigen Mit- gliedstaaten keine Delegierten entsandt haben.

Chamberlain Vorsitzender -er Ausnahmestommifsio».

Genf, 7. März. Die Völkerbundsversamm- lung wählte den englischen Außenminister Chamberlain zum Vorsitzenden des er­sten Ausschusses, der über den Aufnahme- antrag Deutschlands zu entschei­den hat, und den früheren französischen Handels- und Finanzminister L o u ch e u r zum Vorsitzenden des Dudgetausschusses, dem die Festsetzung des Jahresbeitrags Deutschlands und die nächsten Entscheidungen über den Bau eines Versammlungsgebäudes obliegen. Chamberlain und Loucheur sind gleichzeitig Vizepräsidenten der Völkerbundsversammlung. Außerdem wurden folgende sechs Delegierten zu weiteren Vizepräsidenten gewählt: Scialoja (Italien), Ishii (Japan), Alleen (Neu-Seeland), Caballero (Paraguai), Titulesco (Rumänien), Morales (St. Dom ngo). Die beiden Aus­schüsse nehmen am Dienstag ihre Beratungen auf. Die Versammlung vertagte sich darauf. Der Zeitpunkt der nächsten Sitzung ist noch nicht bestimmt

Verzögerung der Aufnahme Deutschlands.

Genf. 8. März. Vie geheime Ratssitzung ist soeben zu Ende gegangen. Soweit den Mitteilungen nach haüpkdelegierlen zu entneh­men ist, dürften die Vorbereitungen zur Auf­nahme Deutschlands in den Völkerbund bis Mittwoch oder Donnerstag sich erstrecken. Man scheint in Anbetracht der politischen Vorgänge in Frankreich eine dilatorische Behandlung der Eintrittsmodalitäten Deutschlands in den Völ­kerbund für zweckmäßig zu halten.

Der Eindruck in London.

London, 8. März. Der allgemeine Eindruck in maßgebenden Kreisen in London ist, daß kein Grund besteht, pessimistisch zu sein. Mät- termeldungen zufolge erhielt die Regierung einen ersten Bericht Chamberlains. Danach ist man in Genf keineswegs auf einen toten Punkt gelangt. Reuter meldet aus Genf, Polen scheine vorläufig aus dem Rennen ausgeschie- dsn zu sein. Bezüglich Spaniens und Bra­siliens sei man der Ansicht, daß sie vielleicht nachgeben werden, um den Eintritt Deutsch­lands zu erleichtern Beide Länder würde» vielleicht darauf bestehen, daß die Frage der Erweiterung des Rates während der äugen» lüicklütze« Tagung ües Rares m der.Perjamm lung erörtert und nicht bis September ver­schoben wird. In einigen Kreisen werde zwar der Befürchtung Ausdruck gegeben, daß Spa­nien und Brasilien, wenn ihre Bestrebungen erfolglos bleiben sollten, vielleicht gegen Deutschland stimmen könnten, aber in verant­wortlicheren Kreisen werde dies für ausge­schlossen gehalten.

Polens AuslrMsdrohunge«.

Genf, 8. März. (Sonderbericht.) Heute fattS eine Unterredung zwischen Chamberlain und dem polnischen Ministerpräsidenten Skrzynski statt. Die Unterredung besitzt unverkennbare Bedeutung. Es wurde mir übereinstimmend von englischer und polnischer Seite folgendes

gesagt:

Graf Sfrjnnsfi erinnerte Chamberlain da­ran, daß England, Frankreich und 3faüen in dem Augenblick, als sie Deutschland im Oktober 1924 einen ständigen Ratssitz in Aussicht stell­ten, die Redereinkunft trafen, im Talle des Eintritts Deutschlands in den Rat eine Er­weiterung des Rates vorzunehmen. Sücsdrück- lich wurde bei dieser Gelegenheit Polen er­wähnt. Skrzynski erinnerte ferner Chamber­lain an eine Aussprache in Locarno, in der er, Skrzynski, mit dem englischen Außenmin ster über die erwähnle frühere Vereinbarung der drei Ratssitze sprach. Man ersieht aus dieser Erklärung des polnischen Außenministers gegenüber Chamberlain, diß

tatsächlich in Locarno ein versteckspiel getrieben wurde. Man vermied es, die deutschen Delegierten an die Ver­einbarung vom Oktober 1924 zu er­innern, oder wenigstens diese Verein­

barung zur Sen'ntuis zu bringen.

Die heutige Besprechung des polnischen W» nisterpräsidenten mit Chamberloin dürfte ihre Einwirkung auf weitere Verhandlungen nicht verfehlen. Skrzynski erklärte, daß er im polni­schen Parlament die bindende Zusage abgab, einen ständigen Ratssitz für Polen unbedingt zu Erdern und zu erhalten. Dies habe er auf Knmd der ihm gegebenen Versprechungen getan.

würde er seine Zusage gegenüber den Re­gierungsparteien und der Rechlsoppositioa nicht einlösea, so bliebe ihm nur ein Rücktritt möglich.

Es ergibt sich daraus, daß Polen auf Grund der geheimen Abmachungen, die zwischen Eng­land. Frankreich und Stäben feit Ende 1924 bestehen, einen Rechtsstandpunkt konstruiert hat.

Briands Sturz fein eigenes Werk?

3n Londoner diplomatischen und politischen Steifen wird die Ansicht vertreten, daß Briand