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201. Jahrgang.

Hanauer W Anzeiger

General-Anzeiger für die Kreise Kanan Sladl und Land.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Fernsprech-Sammelnummer 3956.

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Donnerstag den 4. März

1926

âmtde ENd GEKUM dM Aeichswehv.

Der Reichswehretal im Reichstag. SozialSsmokralifcher Vorstsh gegen die Reichswehr. Die Reichswehr ein zuverlässiges Instrument des Staakes.

Veratongen über den Haushaltsplan des Heeres ftnb der Marine bedeuteten in Vorkriegszeiten große

kam es zu

sAwischenfällen, die die Oeffentlichkeit noch lange be­schäftigten. Insbesondere war es die Sozroldemo- fraitc, die die sich bietende Gelegenheit nicht vor- übergehen ließ, ohne mit allerhand Enthüllungen non Mißständen in unserer Wehrmacht in die Oeffentlichkeit zu treten. Inzwischen haben wir unser einstiges Volksheer, das mit seinen Wurzeln tief im deutschen Boden verankert war, nertoren.. Der Ver-

Anfeindungen auf seinem Posten verblieben ist und die Reichswehr stets gegen alle Singriffe von links gedeckt hat.

Sitzungsbericht.

Berlin, 3. März. Präsident Löbe eröffnet die Sitzung. Auf der Tagesordnung steht die zweite Lesung des Haushaltes des

s w e hr m i n

ums.

trag von Versailles hat uns einen kümmerlichen Mest von 100 000 Mann Miliz gelassen und den­noch ist dieses Ueberblèibsel militärischer Macht- iellung, diese letzte Stütze, auf der unsere Wehr- gkeit ruht. der oppositionellen Linken ein Dorn Auge. Kommunisten und Sozialdeinokraten n auch heute noch jede Gelegenheit wahr, um re Abneigung gegen unser kleines Heer insbeson­dere gegen dessen Führung auszudrüLen." So auch bei der Reichstasdebatte über den Etat des

Reichswehrministeriums, wo die alten Klagen und Anklagen, die nun einmal zum eisernen Bestand der kommunistischen und sozialdenrokratischen Prapa- gehören, wiederholt worden sind.

Die kommt es, daß die Reichswehr im deutschen j noch angegeben werden iann, âe-ch sie wrrkltch dre letzte Stütze ist, auf der unsere lftigke-t ruht? In Kleinigkeiten kann der nicht liegen Man hat in dem Ausschuß aus parnisrüchichten an dem Etat des Heeres sehr k herumgestrichen und man hat auch'im Reichstag in dieselbe Kerbe gehauen. Aber schließlich _es sich hier nicht um weltbewegende Fragen.

berührt in der Tat eigentümlich, wenn man im für den Mannschaftsschrank 140 Mark zahlt, in der Marine dagegen nur 90. Es ist auch möglich, man darüber streiten kann, ob die Anschaffung uqr Lanzen eine unbedingte Notwendigkeit ist.

r hier liegt nicht der Kernpunkt. Soviel man im einen vielleicht auch kritisieren mag, die Haupt- e ist doch, cb man mit dem Geiste der Reichs- wehr einverstanden ist und die Tätigkeit der Man- uer anerkennt die die Reichswehr in ihrer gegen- : »artigen Gestalt geschaffen haben. Hier scheiden sich eben die Geister. Ler Abgeordnete Brüninghaus - hat mit Recht darauf hingewiesen, daß es ungeheuer ;schwierig gewesen sei, sich von dem allen deutschen Volks- Heer zum Berufssoldatentum zu finden, daß in deoheu- hgen Reichswehr verkörpert ist. Selbstverständlich mußte es sich um einen organischen Uebergang han­deln, nicht aber um einen Bruch der Entwicklung. Kam doch alles darauf an, dem Geist' des allen

I Volksheeres, jenem Geist, der sich im Weltkriege so ' glanzend bewährt hat, auch in der Reichswehr trotz veränderter Verhällnisie eine Ställe zu schaffen. Dreses Werk ist gelungen mit Hilfe von Offizieren, me dem allen Volks Heere angehörten und die in der Reichswehr die Erziehungsarbeit geleistet haben. Daß General von Seeckt sich dabei ein besonderes Verdienst erworben hat, wird von allen anerkannt, die zur Reichswehr stehen.

«mh^ ^âEung aber gefällt der Linken ganz 7 ® Acht. Wallte man in der Reichswehr den letzten Rest der deutschen Wehrhaftigkeit erhalten, so mußte man sie zum Geiste jener Vaterlandsliebe er- iS' n^E ^r Aufopferung für das Ganze das

w .^^' ; ^âs allein Macht es schon notwendig, der Reichswehr jeden Parteigeist fernzuhalten, denn »er Partergeist einigt nicht, sondern zersplittert. Die "re aber Hall, wie man auch aus den Worten des K>3- Abgeordneten Künstler erkennen kann, nichts »cm einer Reichswehr, der die Vaterlandsverteidi- Slmg das Höchste ist. Sie will eine Reichswehr Wben, die als Schutztruppe der Republik auf den gedrillt ist. Der äußere Feind ist Nebensache. Für diese innere Einstellung ist die Reichswehr genau ebensomilitaristisch", b. h. be- kampfenswert wie es das alte deutsche Volksheer für MS Sozialdemokraten immer gewesen ist. Für diese G^!!°^"m)^ bcr deutsche Offizier nach wie vor ein euel. Man kann solchem Fanatismus gegenüber nur bedauern, daß die Linke auch heute noch nicht erkennen will, wie notwendig inmitten einer massen- I arrenben Welt die Aufrechterhaltung des letzten Restes unserer Wehrhaftigkeit ist. Umsomehr muß K. ^Memgen Männern Dank wissen, die die ! ^^^^ in der richtigen Bahn gehalten haben und man wird cs auch dem Reichswehrminister Dr. emer mcht vergessen hülfen, daß er trotz aller

' neter Graf von der Schulenburg (Dntb) ; bedauert die Verminderung des Wirkungsgra­des des neuen Heeresetat und die zahlreichen Abstriche, die gemacht worden sind. Der Redner begrüßt die sachgemäße Arbeit, Reichswehr geleistet wird. Die 9

im wahren Sinne des Wortes eine Schule ge­worden zur Bildung und Erzichung von Cha­rakteren und Persönlichkeiten. (Beifall.) Die Führung der Reichswehr liege beim General­obersten von S e e ck t in den besten Händen. Erfreulich fei, daß der Wehrminister den vater­ländischen Verbänden nicht feindselig ober ae- fühllos gegenüL erstehe- Er werde aber ihrem Werte nicht voll gerecht. Die Werte der vater­ländischen Verbände liegen nicht <auf milüäri- schem Gebiet, sondern aus idealem und geisti­gem. Unsere Jugend soll nicht verkümmern und Nicht oe< '

die in der

Reichswehr sei

schon und vaterländischen. _______ schlecht herangezogen werden, um befähigt zu sein, die alte urwüchsige deutsche Kraft in allem Schweren erproben zu können, bas uns n-ch bèschieden sein kann. Die waffenstarrende Welt zeigt uns, daß wir von der Epoche des ewigen Friedens noch weit entfernt sind. (Beifall rechts.)

Abg. Künstler (Soz.) gibt zu, daß der Rückzug des alten Heeres in geordneter Weise erfolgt sei, aber der oberste Kriegsherr fei De­sertiert (Unruhe rechts der größte Teil der Deutschnationalen verläßt den Saal.) Der Red­ner fordert den Wehrminister auf, angesichts der großen Arbeitslosigkeit feine Mehrforde­rung zurückzuziehen. (Dr. Geßler schüttelt mit dem Kopf.) Es fei pure Verschwendung, wenn man R-esensummen für neue Lanzen fordere, obwohl die Lanze einen Kampfwert überhaupt nicht mehr besitze. Es müsse geprüft werden, ob die deutsche Reichswehr treu und fest zur

Republik stehe. Der Redner kritisiert die Teil­nahme der Reichswehr an monarchistischen Veranstaltungen. Der Wehrminister sollte sich in der republikanischen Erziehung der Offiz ere lnd Mannschaften die Führer der österreichi- Muster nehmen. Die

fchen Reichswehr zum P wenig republikfreundliche Haltung des Mini­sters werde auch in Zeitungen kritisiert, die ihm politisch nahestehen. Vielleicht sei Dr. Geßler aus der Demokratischen Partei schon ausgetre­ten. (Der Minister verneint.)

Abg. Ersing (Ztr.) bedauert die scharfe Kritik der Sozialdemokraten. Für die Repu­blik fei es eine peinliche Lage, wenn die Reichs­wehr von den Deutschnatwnalen gelobt und von der stärksten republikanischen Partei in kleinlichster Weise kritisiert werde. Die in Waffen starrenden Großmächte sollten endlich mit der Abrüstung dem Beispiele Deutschlands folgen; denn in allen Ländern habe der Rüstungswahnsinn eine Höhe erreicht wie nie zuvor. Mit der kleinen deut­schen Reichswehr sei kein Krieg zu führen. Deutschland könne sich nur mit einer Politik der Verständigung durchsetzen. Wenn Deutschland im Völkerbund sei, müsse darauf gedrungen werden» daß die im Versailler Ber­trag angekündiate Abrüstung der übrigen Mächte durchaeführt werde.

Abg. Brunighaus (Dopt.) zieht einen Vergleich zwischen Reichswehr und amerikani­scher Armee. Das amettkanische Heer zähle 135 000 Köpfe, sei also wenig größer als die Reichswehr mit 100 000 Mann und koste 1,3 Milliarden Mark, also das Dreifache der

irt werde.

M Erde sei sehr we-

Nig von Abrüstung zu spüren. Auf dem Wege der Verständigung müsse ein Ausgleich der Wüstungen erfolgen. Der Redner zollt der Tätigkeit des Reichswehrministers und des Generalobersten v. Seeckt volle Anerkennung. (Beifall.) Den Abstrichen beim Etat habe man

nur schweren Herzens zugestimmt. Der Red­ner protestiert gegen die Anzweiflung der Lei- stungsfählZkeit des alten Heeres. Der Zu­sammenbruch sei nicht durch eine innere Zer­mürbung des Heeres erfolgt (Zustimmung.) Den gesunden Kern der vaterländischen Ver­bände müsse man anerkennen. Sie hätten sich aber zu viel mit Politik beschäftigt. Unsere Ju­gend müsse im Geiste der Wehrhaftigkeit er­zogen werden. Von einer schwarzen Reichs­wehr in großem Umfang könne seine Rede sein. Man sollte durch solche Anklagen nicht die Geschäfte des Auslandes besorgen. Der Redner kritisiert dann die Tätigkeit der Femeausfchüsfe. Es fei verkehrt, zwei Ausschüsse im Reichstag und im Preußischen Lanütag zu gleicher Zeit tagen zu lassen. Die Reichswehr müsse von allen politischen Ein­flüssen losgelöst werden. (Beifall.)

Abg. Schneller (Komm.) spricht dem Wèhrmlnister das schärfste Mißtrauen feiner Partei aus, empfiehlt Annahme eines formu­lierten Mißtrauensantrages gegen Dr. Geßler und lehnt den ganzen Heeres- etat ab. Man solle die Mittel lieber der Er-

werbslosenfürsorge zuführen.

Wg. Dr. Bredt (Wirtsch. Vgg.) hält die Kritik der Linksparteien an der Reichswehr für unberechtigt. Eine vernünftige Material­beschaffung für die Reichswehr werde durch die Entente leider verhindert. Viel Sorge mache die Unterbringung der entlassenen Mannschaften- Es müsse eine organische Ver­bindung zwischen Reichswehr und Beamten­schaft hergestellt werden. Der Redner rühmt den Wert der militärischen Erziehung. Die vaterländischen Verbände seien weder für d e Entente, noch für die Herren von links eine Gefahr. Der einzige Vertreter des Militaris­mus in jMüiWand fei gegenwärtig das

Reichsrvehrmimfker Dr. Geßler bedauert die Kritik, die seinerzeit bei der Auf­stellung des Heeresetots geübt wurde. Sie sei im Ausland sofort aufgegriffen worden und man habe von einer Ausrüstung Deutschlands gesprochen. Gewisse Kreise im Ausland brau­chen für den eigenen Militarismus immer das Schreckgespenst des deutschen Militarismus. (Zustimmung.) Demgegenüber muß festgestellt werden, daß der deutsche Heeresetat genau den Bestimmungen von Versail­les entspricht. Er unterliegt ja auch noch heute der Prüfung der interalliierten Militär­kommission in Berlin, die aus Fachleuten be­steht, die genau Bescheid wissen. Bei den neuen Forderungen handelt es sich um Wege- und Ka­sernenbauten und um die Ergänzung der Mu­nitionsbestände. Diese Aufwendungen sind von der Entente als das Mindestmaß, das für die Reichswehr notwendig ist, so festgesetzt worden. Auf diese Aufträge warten Industrie, Hand­werk und Tausende von Arbeitern, die arbeits­los werden würden, wenn diese Aufträge nicht erteilt würden. Wir haben das größte Interesse daran, daß nach unserem Eintritt in den Völ­kerbund

das Abrüstuagsproblem

bissen Verbänden nichts zu tun. Kein Verband hat ein Recht, sich auf die Reichswehr zu be- - rufen. Die Ententemilitärs wissen zwar genau, - daß keine geheimen Rüstungen in Deutschland stattsinüen, aber die Ententepropaganda be- nützt diese Behauptungen, um gegen Deutsch­land zu Hetzen. Wenn die vaterländischen Ver­bände von uns nicht mit größerem Wohlwollen behandelt wurden, so haben sie bas selbst ver­schuldet, weil sie sich mit Parteipolitik befaßt und oft einen unerhörten Terror ausgeübt haben. (Zustimmung links.) Ueber die F e m e- morde will der Minister im Untersuchungs­ausschuß Auskunft geben. Er bespricht dann

die Fragen der inneren Verwaltung

und führt Selbstmorde und andere auf die a n« gelöste Versorgungsfrage zurück. Hier müsse eine Verständigung mit den süd­deutschen Staaten angestrebt werden. Er warnt dann vor der kommunistischen Agitation in der Reichswehr und erklärt, er werde die Augen offen halten und dafür Sorge tragen, daß kein Schaden entstehe. (Gelächter der Kommu­nisten.) Ich warne Sie, so ruft der Minister den Kommunisten zu, wie ich Sie 1923 gewarnt habe. Damals sind Sie zweiter Sieger geblie­ben und haben eine große Schlacht verloren. lGelächter der Kommunisten.) So wird es jetzt wieder sein. Der Minister bittet die politischen Gegensätze nicht in den Vereinen auszutragen, die der Kameradschaftlichkeit dienen. Es fei ein Verbrechen, in diese Verbände Politik hinein­zutragen.

Darauf werden die Beratungen abge­brochen.

Die Parteiführer beim Kanzler.

Berlin, 3. März. Heute mittag 12 Uhr hak im Reichstag eine Besprechung zwischen dem Reichskanzler Dr. Luther und den Führern der ^Regierungsparteien irattgefunden. Es handelte sich um allgemeine Fragen innenpolitischen und sinanzpolitrschen Inhalts, u. a. um die ge­schäftsordnungsmäßige Behandlung verschie­dener Vorlagen, die noch vor Genf an das Plenum kommen sollen.

Die Besprechung hatte das Ergebnis, daß ein interfraktioneller Ausschuß gebildet werden soll, um eine engere Fühlung nähme der Parteien mit der Regierung zu er­möglichen. Von demokratischer Seite war vor­geschlagen worden, einen Minister ohne Porte­feuille zu ernennen, der sich fortlaufend mit Den Regierungsparteien über alle politisiert Fragen tn Verbindung zu setzen hat. Der An­trag fand aber nicht die Zustimmung der Par­teien.

Hierzu wird uns von unserem Berliner Büro geschrieben:

Am Mitttwoch nachmittag hat eine De-

. sofort aufgerollt wird. Unerträglich ist gegenwärtige Zustand, daß die Welt in Wo' starrt und daß es in Mitteleuropa ein p Länder gibt, die völlig unbewaffnet sind. Das jetzigeSystemunsererReichswehr ist auf die Dauer unhaltbar. Es ist eigenartig, daß gerade die demokratischen Staaten des Westens uns ein Heeressystem auf­gezwungen haben, das mit der Demokratie nichts mehr zu tun hat. (Hört, hört rechts.) Das alte Heer wurde parteipolitisch gar nicht beein- lußt, und um das neue Berufsheer bemühen sich aber gerade diejenigen Parteien, die Geg­ner des neuen Staates sind. Darum ist es bei dem neuen System weit schwerer, das H< politischen Einflüssen zu schi" lungen, obwohl ursprünglich natürlich das zum Aufbau der Reichswehr unentbehrliche Offi­zierkorps mit allergrößtem Mißtrauen gegen den neuen Staat zu beseitigen und die Reichs­wehr zu einer absolut zuverlässi­gen Stütze der Verfassung und der Republik zu machen. Das geschah nicht mit Borträgen, sondern in der Ueberzeugung, daß mit der Zeit jeder vaterländische Mann zu der Auffassung kommen muß, daß nur auf dem Boden der Verfassung und der Republik eine Zukunft Deutschlands möglich ist. (Beifall.) Endlich müsse auch ein Enoe gemacht werden mit dem System kleinlichster Schikanen gegen nsere Reichswehr. Bei der schwarzen Reichswehr handele es sich um Einzelver­fehlungen, die aufaehört haben. Wir haben mit der ichwarren Reichswehr und den vaterlän-

der

. _______jassen

es in Mitteleuropa ein paar

sprechung zwischen dem Reichskanzler und den Führern' der Regierungsparteien im Reichstag stattgefunden. An der Besprechung nahmen audi mehrere Minister teil. Es läge nahe anzu­nehmen, daß es sich dabei um die Völkerbunds­tagung in Genf gehandelt hat, da die Abreise der Delegation am Freitag abend erfolgt, also nahe bevorsteht. Von den Verhandlungen in Genf aber war nicht die Rede. Die Regierung hat ihre Auffassung so klar und deutlich dar­gelegt und sie befindet sich mit den Regierungs­parteien in einer so restlosen Uebereinstim­mung, daß hier keine weitere Klärung nötig ist Aus diesem Grunde hat die Regierungskoali

Heer vor

lüften. Das ist ge-

iton in Uebereinstimmung mit dem Kabinett auch gegen das Verlangen gestimmt, vor der Genfiw Tagung im Reichstag den Etat des Aeußern zu beraten und bei dieser Gelegenheit die außenpolitischen Probleme zu behandeln.

Die Besprechung zwischen Kanzler und Parteiführer hatte einen anderen Zweck. Man besirrdel sich nicht in allen Fragen in so restloser Ueberein stimmig wie auf dem Gebiete der äußeren Politik. Die R e* gierungsparteien klagen darüber, daß sie in wichtigen Fragen vor vol-

lenoeteTatsachen gestellt werden. Es wurde auch daran erinnert, daß der Reichs­kanzler kürzlich im Haushaltsausfchuß in ziem­lich kategorischer Form eine Stellungnahme der Parteien zu dem Finanzprogramm der Re­gierung verlangte. Man ist sich allgemein darüber klar, daß die Regierungsgeschäfte selbst unter einer derartigen Behandlung leiden müssen. Deshalb wurde am Mittwoch" in der Besprechung vor allen Dingen Wert darauf ge­legt, daß zukünftig nicht nur die Regierungs­parteien untereinander enge Fühlung halten, andern auch das Kabinett mit der Regie- 'ungskoalition, so daß Ueberraschungen aus- qefchmssen sind. Der Reichskanzler bat" in Aus- icht gestellt, es an dieser engen Verbindung richt fehlen zu lassen.