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Freitag den 26. Februar

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LskaSeS.

Hanau, 26. Febryar.

Schutz für ältere Angestellte.

J Ax sozialpolitische Ausschuß des vor- Reichswirtschaftsrates behandelte in >Sitzung am Donnerstag die Vorschläge des .Meitsausschusses zu dem vom Reichsarbeits- , leister zur Begutachtung vorgelegten Ent- eines Gesetzes über die Unterbringung »Merbslofer Angestellten. Der Sozialpolitische Iwsschuß stimmt mit 27 gegen 1 Stimme den Arbeitsausschuß einstimmig vorgeschla- Len Leitsätzen zu, in denen es heißt:

I Arbeitgeber, die mehr als fünf Angestellte Mastigen, sind verpflichtet, alle offenen Izellen, die für eine Besetzung mit versiche- laiMSpflichtigen Angestellten in Betracht kom- J bei öffentlichen oder sonstigen nicht ge- - »«ibsmäßigen Arbeitsnachweisen des Bezirkes . Liumelben. Die Arbeitsnachweise sind ver- IMtèt, bei der Stellenvermittlung in erster Ikinie geeignete ältere Angestellte von 40 rett und dar »e- und Versorger vo j-samlienangehörigen vorzuschlagen. Ein Ar- | lieber, der mehr als fünf Angestellte le- St, darf einen älteren Angestellten, der iens fünf Jahre in seinem Betrieb ge- f arbeitet hat, nur unter Einhaltung einer Kün- irigungsfrist von drei Monaten für den Schluß Lines Kalendermonats kündigen. Arbeitgeber, I die den Bestimmungen der Anmeldungspflicht iMiderhandeln, werden in jedem Falle mit I einer Geldstrafe bis zu 500 Mark bestraft.

; Iohanneskirche. Am kommenden Sonn- I sag, dem Volkstrauertag, wird im Haupt- iMitesbienft das Ehrendenkmal für unsere im k Kriege gefallenen Gemeindeglieder enthüllt I unb geweiht werden. Der Gottesdienst trägt ksestlichen Charakter. Kreispfarrer Bär hält die »Liturgie, Pfarrer Kurz die Predigt, Pfarrer Kranepuhl die Weiherede. Die Festgesänge »haben Frau Ruth und der Kirchenchor über- knommen. Die Gemeinde hat ein Erinnerungs­blatt herausgegeben, welches außer der Festordnung und den Liedern die Namen der Gefallenen, wie sie auf der Ehrentafel stehen, enthält. Es dürfte sich empfehlen, sich dieses ! Erinnerungsblatt schon vor Sonnrag zu be­ischaffen. Es ist für 20 Pfennige bei Görke, Schuhwarenhondmng, Rotenstraße 6, bei Brust, Spielwarenhandlung, Fahrstraße 5, bei Kirchendiener HB unter, Ticfegahe 12 und bei Glöckner Nader, Johanneskirchplatz 6 zu haben. Die Kirche ist während dès ganzen Inges zur Besichtigung des Denkmals ge­öffnet, sie bleibt nur geschlossen für den Kinder- gottesdienst von 111412 Uhr, und für die Amtshandlungen von 22% Uhr.

* tzofpikalkirche. Freitag, 26. Februar,

* Die

nuf den Stichtag des 24. Februar berechnete Großhandelsindexziffer des Statistischen Reichsamts ist gegenüber dem Stande vom 17. Februar (118.2) um 0.5 Prozent auf 117.6 Mckgegangen. Gesunken sind die Preise für Gerste, Hafer, Zucker, Schweinefleisch, Speck, eimge Textilrohstoffe, Baumwollhalbwaren und Zink. Höher lagen die Preise für Weizen, Auttgr, Schmalz, Blei, Kupfer und Zinn. Von den Hauptgruppen haben die Agrarerzeugnisse W 112.3 auf 111.5 oder um 7 Prozent, die Mdustrrestoffe von 129.4 auf 129.0 oder um Prozent nachgegeben.

* Festgenommen wurde ein hiesiger Wirt

* Feftgenommeu wurde ein hiesige vegen dringenden Verdachts der si

Kuppelei.

Des Kamm« MadistÄt fäe 1626. *)

S1^ Millionen-Elat. Gegemitzer des Vorjahres eine Steigerung um über 1 MiMon Mark. Erhöhung der Zuschüsse für die einzelnen DermaUungs- abteUuugen um rund 359 000 Mark.

Der Stadthaushaltsplan für 1926, der gestern der Presse zugegangen ist und in der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten einge- racht wurde (siehe besonderer Bericht), schließt in Einnahme unb Ausgabe mit 8 680 112 Alk. ab, gegenüber 7 417 300 Mark im Vorjahre.

Unter Einnahmen sieht der Etat an

Steuern unb Gebühren

3 919 919 Mk. 2 997 162) vor. Darunter wer­den erwartet an:

Getränkesteuer 55 000 (55 000) Mk.

S ch a n k erlaub nissteuer 4000 (2000) Mk.,

Lustbarkeitssteuer 85 000 (75 000) Mark,

Grund ermerbssteuer 50000 (60 000) Mk.,

Wertzuwachs st euer 5000 () Mk., Hundesteuer 60 300 (60 300) Mk.,

Viehhaltungssteuer 3000 (4600) Mark,

Anteil an der Reichsumsatz­steuer 110 000 (140 000) Mk.,

Anteil an der Reichseinkom­men- und Körperschafts st euer 780 000 (665 000) Mk-,

Grundvermögens st euer 600 000 (600 000) Mk.,

Gewerbesteuer 615 000 (668 000) M., Anteil an der Hauszins st euer 200 000 (127 000) Mk.,

Beitreibungsgebühren u. Son­stiges 15 000 (10 000) Mk.

Der Grundvermögenssteuersatz beträgt 250 Prozent der staatlichen Steuer vom Grundvermögen. Die steuerlich bevorrechtigten Einwohner des Stadtteils Kesselstadt zahlen 123 Prozent. Die Erhebung der Gewerbe­steuer erfolgt auf Grund der staatlichen Ee- werbesteuerverordnung vom 23. November 1923 und den dazu erlassenen Ergänzungs- und Ausführungsbestimmungen. Es werden veranlagt:

Ertrags st euer 450 Proz. Zuschlag zu den Steuergrundbeträgen, ca. 350 000 Mk",

Kapitalsteuer 450 Proz. Zuschlag zu den Steuergrundbeträgen, ca. 250 000 Mk. Von den Betriebsgemeinden sind aus der Ka­pital- (begw. Lohnsummen-fsteuer^ an die Wohngemeinde der Arbeitnehmer Steueran­

nahmen ca. 15000 Mk. erwartet, und für ca. 2000 in Hanau beschäftigte Arbeiter, die in anderen preußischen Gemeinden wohnen, sind abzugeben ca. 50 000 Mk-

Aus den Voranschlägen ergibt sich, daß die einzelnen Verwaltungsabteilungen einen Zu­schuß von 2 737 050 Mk. (2 38? 506) erfordern. Die Zusammenstellung der Einnahmen und Ausgaben der ordentlichen Verwaltung ergibt folgendes Bild:

Allgemeine Verwaltung 153391 (153 391) Einnahme, 240 450 (216 705) Aus­

*) Die geklammerten Zahlen sind die Etatsziffern aus dem Vorjahre.

gabe, 87 059 (74 598) Zuschuß. In dem Ausgabeansatz sind hier erstmals euch allen 12 500 Mk. Aufwandsentschädigung an die Mitglieder der städtischen Körperschaften (je 200 Mk. an Stadtverordnete und je 400 Mk. an Magistratsmitglieder).

Polizei- und sonstige Reichs- und Staatsangelegenheiten, all - gem. Gemeindean st alten 133 554 (112 020, E'nmibm' 168'1.55 <âlg goy, Aus­gabe, 335 401 (297 909) Zuschuß.

Wirtschaftliche Unternehmun­gen 3 396 921 (2 944 770) Einnahme, 3111783 (2 656 021) Ausgaben, 285 138 (288 749) Ueberschuß. In dieser Ab­teilung tritt unter TitelHafen" Mm ersten Male der Zinsen- und TUgungsdienst in Er^ scheinung. Für den Zinsendienst sind 191 365 Mark eingestellt und für die Tilgung von Ab- lösungsanlerhen und kurzfristiger Schulden Mk. 58100. Die Betriebseinnahmen sind für den Hafen mit 34 745 Mk. eingesetzt, denen eine Ausgabe an Verwaltungs- und Betriebskosten von 69 063 Mk. gegenübersteht. Der Gas - konsum hat im Rechyungsjahr 1925 nur 5 Prozent zugenommen. Für das Jahr 1926 wird mit einem Verkauf von 4 100 000 Mm, Gas und einer benötigten Kohlenmenge von 13 450 Tonnen gerechnet werden. Die Koks­gewinnung ist auf 11 380 Tonnen, Teer auf 605 Tonnen, Ammoniak auf 26 900 Kilogramm Benzol auf 23 500 Kilogramm geschätzt. Der seitherige Gaspreis bleibt aufrecht erhalten. Beim Elektrizitätswerk ist auf Grund der Abgaben an Strom in 1925 ein Gesamt­stromeinkauf von 13 200 000 Kw. vorgesehen, dem ein Stromverkauf von 11930 000 Kw. gegenübersteht. Letzterer verteilt sich mit 785 000 Kw. zu 50 Pfg. für Licht an Private, 418 000 Kw. zu 1835 Pfg. für Kleinkraft an Private und 10 727 000 Kw- an Großabnehmer Was die Wasserwerke anlangt, so wird mit einer notwendigen Wasserförderung von 2 200 000 Kbm. und mit einem Wasserverkauf von 1230 000 Kbm- gerechnet. An der Wasser- förderung sind beteiligt: Wasserwerk II, Leip­zigerstraße, mit 50 Proz. und Wasserwerk III, Wilhelmsbad, mit 50 Proz. Hierzu sind 302 500 Kw. elektrischer Strom und 450 000 Kilogr. Koks erforderlich.

Sozialpolitische Angelegen­heiten 74 551 (246 442) Einnahme, 864 760 (W62M Ausgaben, ^ME^'r schuß. Von diesem Zuschuß entfallen auf die allgemeine Wohlfahrts- und Armenpflege, Pflsgehaus und Fürsorge für Kriegsbeschädigte 473 558 (406 045), auf das Gesundheitsamt 104 082 (87 379), auf das Jugendamt 115 783 (89 004), auf das Arbeitsamt 60 400 (43 300), auf das Wohnungs- und Mieteinigungsamt 21478 (17 480), auf das Versicherungsamt Gewerbe-, Kaufmanns- und Arbeitsgericht 14 898 (16 630) Mk.

Bildungs- und Erzishungs- w e s e n 467 076 (833 808) Einnahme, 1 504 946 (1 451 226) Ausgabe, 1037 870 (917 418) Z u - schuß. Dieser Zuschuß verteilt sich wie folgt: Allgemeine Schulverwaltung (5 700), Volks­schulen einjchl. Hilfsschulen 373 365 (369 099),

WS

Mittelschulen 193 946 (159 542), Oberreal- schule 187 583 (155 695), Lyzeum 85 958 (74 052), Kaufm- Schule 35 515 (18 808), Gew. Berufsschule 89 071 (61478), Leistungen an das staatl. Gymnasium 960 (960), zusammen 966 378 (839 634) Mk. Stadtbücherei 28 027 (22 621). Stadttheater 27 541 (33 971), Allge­meine Bildungszwecke 15 924 (15 592) Mk.

Technische Angelegenheiten 534 700 (440 991) Einnahme, 1021 211 (878 734) Ausgaben, 486 511 (437 743) Z u schuß-

Finanz- und Steuerverwal­tung 3 919 919 (2 997162) Einnahme. 1 468 007 (898 405) Ausgaben, 2 451 912 (2 098 757) Ueberschuß.

Der außerordentliche Etat

schließt in Einnahme und Ausgabe mit 1035 000 Mk. ab. Unter anderem sind für die Regulierung der Kinz g 200 000 Mb und für die Errichtung von Wohnbauten am Hafen- eingang 300 000 Mk. eingesetzt.

* Zur Aufwerfung der Lebensversiche­rungen! Der Schutzverband der Altoersicher­ten, Berlin N 24, Oranienburgerstraße 91, hat bei der zuständigen Behörde den Antrag ge­stellt, daß bei bereits fälligen Lebensversiche­rungen sofort Abschlagszahlungen geleistet werden, um der dringenden Not, in der sich eine Unzahl von Altversicherten befindet, zu steuern. Ferner hat der Verband den Antrag gestellt, daß für alle Lebensversicherungen, die bis zum Jahre 1932 fällig werden, Mindest­aufwertungsbonds ausgestellt werden, als Unterlage für dis Kreditzwecke der Altver- sicherten.

* Das Fest der goldenen Hochzeit feier« morgen in körperlicher und geistiger Frische die Eheleute Konrad Neebe und Frau Mathilde.

* Das Fest der silbernen Hochzeit feiern morgen die Eheleute Heinrich Fischer und Margarete geb. Rüfer, Buchbergstraße 7. Gleichzeitig sind beide auch seit 25 Jahren Leser des Hanauer Anzeigers.

* vom Reichsbund der Kriegsbeschädigten wird uns geschrieben: Auf unsere Eingabe betr. Konfirmandenbeihilfe teilt der Magistrat der Stadt Hanau mit, daß Anträge auf Be­willigung von Kleidungsstücken für Kinder Kriegsbeschädigter und Hinterbliebener, die in diesem Jahr zur Schulentlassung kommen, bei der Fürsorgestelle in der Schirnstraße, altes Gymnasium rm 1. Stock, während der Vormittagssprechstunden entgegengenommen und die Bedürftigkeit auch dortseits geprüft wird.

* Preuß. Slasseulotterie. Am 19. Ziehungs­tage wurden unter anderen folgende Num­mern gezogen (ohne Gewähr): 70 913, 79 605, 79 646, 90 374, 105 887, 106 761, 106 778, 106 781, 143 002, 164 547, 164 882, 169 555, 268 632.

Nach dem "Nachtrag zum Amtlichen Fern» sprechbuch aus Anlaß der Inbetriebnahme des Selbstanschlußamtes Hanau sind unsere Rufnummern nicht wie darin angegeben 3237 und 3438 sondern die

Hanauer Anzeiger, Zeitungsverlag

Hammerstraße 9

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Roman von Peter Prior. Copyright by M. Feuchtwanger (Halle).

^- Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Er bat sie dringend, sich zu Bett zu begeben, wolle ihr den Arzt schicken. Um Goldschmidt er sich bemühen. Aber Käthe widersetzte sich dem aufs entschiedenste. Sie werde selbst ms Krankenhaus fahren. Wenn Martin ahne, ihr Goldschmidt sei, dann werde er das selbst einsehen. Von Schlafen und von Ruhe könne letzt ja doch nicht die Rede sein. Zur Ruhe werde sie erst dann kommen, wenn sie Gold- schlmdt selbst gesehen habe.

vle ordnete ihre Kleidung und fuhr mit -Martin ins Krankenhaus. Noch im Auto war so aufgeregt, daß Martin auch bei ihr den Ausbruch einer schweren Krankheit befürchtete. Erst als sie Goldschmidt gesehen hatte, kam âye über sie. Sie starrte in die schlafenden yuge des Kranken, unb als komme von dort

Hülle und Fülle, so glätteten sich bei Jm #nb[i(f auch ihre Züge. Sie fuhr sich über r« Stirne, als müsse sie den letzten Hauch ge= ^ter Stunden verwische».

w«> -n sprach sie ruhig und sachlich mit dem nickte der Krankenschwester zu und ver- ''Wmit Martin das Gebäude.

»Zias ist der Unterschied zwischen Mann und mou, fuhr e5 Martin durch den Kopf. Der-

Stunden sind bei einem normalen Mann unmöglich.

Aerzte erklärten Martin, Goldschmidt ni^i entweder aus seiner Bewußtlosigkeit gar qJ 'nehr aufwachen oder er werde zeit seines ^ns geistesgestört bleibe». Martin veran- mo Aerzte, Käthe einstweilen über diese M?« '!"ch nicht zu orientieren. Da ganz zeiâ Qn dar Krankheit Goldschmidts Interesse n sie und da die Zeitungen morgens und

abends ausführliche Berichte darüber brachten, fiel die Verheimlichung Martin sehr schwer. Er war jetzt fast den ganzen Tag bei ihr.

Da in den Theatern alles drüber unb drun­ter gehen wollte, so nahm Käthe in Martins Begleitung schon an dem Tag nach dem Unfall ihren täglichen Rundgang wieder auf. Doch die Anordnungen dort traf mehr Martin als Käthe. Er trug auch dafür Sorge, daß das Mädchen täglich ein paar Stunden ungestört zu Hause blieb: denn er fürchtete, daß ihre Ruhe nur vorübergehend war und daß sie, wenn Goldschmidt wirklich entschliefe, ohne noch ein Wort zu sprechen, in einen trostlosen Zu­stand verfallen würde.

Doch die Aerzte behielten nicht recht. Gold­schmidt erwachte und genas. Ungemein langsam zwar. Aber schon nach einer Woche war es er­sichtlich, daß auch sein Geist unter dem Sturze nicht gelitten hatte.

Käthe überschüttete ihn mit Aufnrerksam- keiten. Sie verweille stundenlang an seinem Lager, sie flößte ihm die Speisen selbst ein, sie plauderte mit ihm und brachte ihm täglich Blunien an sein Lager.

In eine- vertraulichen Stunde mit Martin stand sie plötzlich auf und machte das Geständ­nis:

Prenzlow, ich will es Ihnen sagen, was ich noch vor kurze», selbst nicht ahnte: ich hätte es vor kurzem auch nicht für möglich gehalten. Aber jetzt weiß ich es, ich liebe Goldschniidt. Ja, ich liebe diesen alten, kranken Mann, der nicht imftanbe ist, jemandem etwas zuleide zu tun, der ein großer Künstler ist und als Mensch alle Vorzüge in sich vereinigt, die ein Mensch haben kann. Während seiner Krankheit bin ich mir darüber klar geworden . . . Solange ich noch bei meiner Familie lebte, stand mir von allen Menschen meine Mutter am nächsten. Auch sie schwebte eine Nacht lang zwischen Tod und Leben. Aber ich habe in dieser Nacht lange nicht solche Aengste gelitten als bei Goldschmidt. Und sehen Sie/wirklich lieb habe ich sonst von allen Menschen eigenllich nur meine Schwester.

sie sich nicht um Goldschmidt gekümmert: so brauche man sie auch jetzt nicht.

Aber Goldschmidt schien sich mit der An­wesenheit der Schwester sehr zu freuen. Mar­tin beobachtete, wie er häufig zärtlich über die welken Hände der Alten strich und wie er sich Handreichungen aller Art nicht von Käthe, son­dern von der Schwester machen ließ.

Goldschmidt war geistig wieder auf der Höhe, aber er war körperlich vollständig ge­brochen. Nur mühsam konnte er sich durch das Zimmer bewegen. Von seiner früheren Elastt- zität war keine Spur mehr wahrzunehmen.

Zwischen Käthe und Ida Goldschmidt brach bald offene Feindschaft aus.

Als Käthe ihrem Freund einmal langstielige Rosen mitbrachte, nahm Ida die Blumen hinaus. Küche fragte pikiert, was das bedeuten solle. Ida erwiderte, der Patient könne den starken Duft nicht vertragen.

Käthe fuhr sie fauchend an:Was heißt das? Er hat Blumen immer sehr gern gehabt. Die Rosen sollen sofort wieder hereingeholt werden."

Doch das alle Fräulein ließ sich nicht ein­schüchtern.3ef)t bin ich hier, seine Schwester. Unb ich habe allein zu bestimmen." Goldschmidt machte eine einlenkende Handbewegung, wer die Frauen ließen sich nicht befchwichttgen- Kâthe sagte zu der Feindin, daß sie hier nur störe, daß man sie nicht brauche und daß alle froh wären, wenn sie wieder abreisc.

Das geht Sie gar nichts an", erwiderte Ida.Kümmern Sie sich um Ihr Theaterund lassen Sie meinem Bruder seinen Frieden."^

Einpörend!" rief Käthe.Ich bitte Sie, Goldschmidt, helfen Sie mir gegen diese Per­son!"

Aber Goldschn,idt stand ihr nicht bei. Ge­senkten Kopfes antwortete er, er habe in Käthe eine treue, aufopfernde Freundin. Doch Ida sei seine Schwester und seit vielen Jahren schon habe er sie gebeten, zu ihm zu ziehen. Nur weil sie von der Theaterluft nicht habe atmen wollen, sei sie allein geblieben. Er freue sich, daß sie

Wir sind völlig auseinanbergefommen. Wir schreiben uns seit Jahr und Tag nicht mehr. Doch das Gefühl, daß wir zueinander gehören, wird neuerdings immer stärker in mir. Ich weiß, wenn ich chr heute schriebe: Komm' zu mir, ich brauche dich nötig, so wäre sie am nächsten Tag bei mir. Ich bin überzeugt, sie hat mich ebenso lieb wie ich sie. Doch diese Liebe ist nicht mit der zu vergleichen, die ich für Goldschmidt empfinde. Goldschmidt ist heute von allen Menschen der, der mir am nächsten steht. Was aus mir würde, wenn er heme stürbe, ich weiß es nicht. Ich nwchte es mir auch nicht ausdenken."

Martin war tief ergriffen von diesem Ge­ständnis. Es war ihm vorgekontmen, als ab Käthe noch nie so ehrlich und innerlich über­zeugt zu ihn, gefprochen hätte. Doch schon am nächsten Tag wurde er mißtrauisch ihrem Ge­ständnis gegenüber, Als sie es ausgesprochen hatte, hatte sie rückhaltlos gesprochen. Aber o5 ihre Gefühle nicht auch nur einer vorüberge­henden Stimmung entiprungen waren?

An dem Tag, an dem man Goldschniidt aus den, Krankenhaus in seine Wohnung fuhr, traf dus Posen in Berlin Fräulein Ida Goldschmidt ein, die Schwester des Theaterdirektors, die er­klärte, bei ihrem Bruder bleiben zu wollen. Obwohl sie nur um wenige Jahre älter als Franz Goldschnüdt war, sah sie wie eine Grei­sin aus. Tausend Fältchen hatten sich in ihr Gesicht gefurcht. Ein spitzes Kinn, gelber Teint, eine scharfe Nase und fummeruolle Augen zeigten, daß sie ein freudloses Leben hinter sich hatte. Käthe wußte die ersten Tage nicht, was sie mit ihr anfangen sollte. Sie sprach zu dem alten Fräulein, das nicht von der Seite seines Bruders wich, wie man zu einer schwachen kranken Frau redet. Aber das Fräulein achtete kaun, auf Käthes Watte. Es saß stumm neben dem Bruder, mit zusammengepreßten Lippen und gab nur die notwendigsten Antworten. Nach einigen Tagen äußerte sich Käthe äu Mar­tin sehr unwillig über die Fremde. Sie habe hier gar nichts zu suchen. Ein Leben lang habe