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Mittwoch den 17. Februar

Sette 3

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Hanau, 17. Februar.

Faschingsenöe.

Mr das heuer ein schöner Fasching! so

^stt das Urteil trotz aller Zeitnot, trotz Dalles I ArbestsiLngkeit. Einmal im Jahre muß I MN doch vergessen können und man tat es I Endlich. Schon gestern nachmittag sing es I M Die Straße gehörte der Jugend. Mit der I Matsche ausgerüstet herrschten sie in der I Mmer- und Krämerstraße. Es war ein Be- I trieb wie ihn Hanau sonst nicht kennt. Zu mißen Trupps wanderten die weiß, rot, blau I grün bemühten Pennäler daher, es kamen die üblichen Rotkäppchens und Pierotts I and daneben auch eine Anzahl neuer Masken. Durch die Straßen war kaum durchzukommen, ! aber mit Hilfe von kräftigen Ellenbogen ging es schließlich doch, wenn es auch ein paar Stöße, Püffe und Klatschhiebe absetzte. Das machte ja nichts, dafür war eben 'Fastnacht. Das weibliche Geschlecht kam dabei am schlech­testen fort, und mußte sich so manchen Schlag gefallen lassen. Gegen7Uhr flaute der Straßen­detrieb ab und nun begann die Fastnacht für die Großen. In sämtlichen Lokalen, uom größ­ten Saal bis zur kleinsten Wirtschaft, war ein richtiger Fastnachtsrummel. In den Eafès war es so voll, daß der sprichwörtliche Apfel nicht mehr zur Erde konnte, und man gleich beim getreten von den tanzenden Pärchen wieder hinausgedrängt wurde. Vom Tanz konnte man wieder nicht genug kriegen. Immer wie­

! I der mußte die Kapelle ihreHerzen in Heidel- , I berg verlieren" lassen oder denSonnenschein" I auf die tanzwütige Menge scheinen lassen, es , I half alles nichts, man blieb beiHeidelberg" ; I undSonnenschein". Auf den Maskenbällen, , I war natürlich auch Hochbetrieb. Man blieb zu- ; I jammen bis (Unleserlich. Der Setzer.) um I dann sich in Aschermittwochstimmunq den . I übelsten Tag des Jahres anzutreten. Konfetti, I Papierschlangen, Klatschen, Larvenreste und . I ein paar unentwegte Nachzügler, die erst heute , I morgen nach Hause schwankten, zeugten von , I der Herrlichkeit, die gewesen . . .

I Aschermittwoch! Seinen Namen hat , I der Aschermittwoch von der von der frühchrist- , I liefen Kirche eingeführten Zeremonie der Ein- äscherung, die darin besteht, daß der Priester 11 den Gläubigen mit Asche, die aus den Palm- ,1 zweigen des letzten Palmsonntages gebrannt 11 wurde, ein kleines Kreuz auf die Stirn zeichnet mit den ersten Worten:Bedenke, Mensch, daß , I du aus Staub bist und wieder zu Staub wirst." ; I Mit denselben Worten soll nach der Bibel Gott , I Adam nach seinem Sündenfall zu seinem r I mühevollen Erdenleben verurteilt haben. In fj Mi ersten Jahrhunderten seiner Einführung

tag, an dem aber nur diejenigen Buße taten, die ein schweres Vergehen begangen hatten. In eigenen Büßergewändern mußten diese Büßer dann öffentlich in der Kirche, lange Stunden auf den Knien liegend, um Vergebung ihrer Sünden flehen, ehe ihnen der Priester die Asche auf die Stirn streute als Zeichen der himmlischen Verzeihung. Erst im Mittelalter wurde der strenge Brauch gemildert und auch den übrigen Gläubigen die Zeremonie der Einäscherung zugänglich gemacht.

Der Aschermittwoch hat auch seine Bau­

der Unterricht an. Es Hingt unglaublich, aber in Hanau gibt es Kinder, die den Main noch nicht gesehen haben aber den Wilhelmsbader Wald nicht kennen. Wie arm ist der Vorstellungsschatz dieser Kinder!

6. In manchen Familien besteht die Gepflogen­heit, Sprachfehler oder Nachlässigkeit (t für k, f für sch) nicht nur zu dulden, sondern sogar nach­zumachen. Erspart dem Kinde in der Schule manche bittere Stunde durch Beachtung korrekter Laut- MM. bildung.

ernregèln. Wenn die Sonne scheint, so 7. Alle Vorarbeit in den sog. Schulkenntnissen, ,en vierzig Fastentage hin- wie Lesen, Schreiben, Rechnen sind unnötig, oft fo= . _ Denn das Aschermittwochs- gar nicht einmal fördernd, weil sie den Lehrer weiter bestimmt das Wetter für die Fasten- über die wahre Begabung täuschen. Auch sind diese --------------:---------- ----gmsCTgM8S3Sj»8MäHWrMHffaF

scheint sie die ganze durch, heißt es. Si

^MW ^â^E.

Roman von Peter Prior.

Copyright by M. Feuchtwanger (Halle).

17. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

,Wie wollten Sie sich denn beteiligen? Still ober tätig?"

Tätig selbstverständlich. Ihr Plus beträgt "ach Abschluß dieses Jahres ungefähr 250 000 Mark. Von meiner Einlage bekommen Sie so­fort 50 000 Mark ausbezahlt. Das- übrige wird öls unser gemeinsames Bankkonto des The­aters eingezahlt. Also sind wir quitt. Und mir arbeiten dann zu gleichen Teilen."

Hm. Wissen Sie, daß ich so, wie ich heute arbeite, nur mehr zwei, drei Jahre hier bleibm könnte, dann würde man mich vor die Lure setzen. Ein anderer hätte vielleicht schon «ach einem Jahr ausgespielt. Denn ich kann ^nn die Pacht nicht mehr zahlen. Aber die Gesellschaft hat zu mir großes Bertrauen. Sie lagt sich, wenn einer zwölf Jahre lang so gut gewirtschaftet hat wie Goldschmidt, dann muß er etwas können. Wenn sie das Theater einem Meten gibt, wird es um kein Jota besser, âruin werden die Herren noch zwei bis drei bahre zusehen. Aber dann werden auch sie die Geduld verlieren. Und Sie, ein junges Mäd- öjetn moKen es in der Tat versuchen?"

Sw erwogen noch tausend Einzelheiten. Goldschmidt erklärte sogar, daß 200 000 Mart unter Umständen nichts weiter als eine Ver- 'angerung der Gnadenfrist bedeuteten.

Ani Tag darauf machte Goldschmidt Käthe einen anderen Vorschlag. Sie solle es versuchen, rhren 200 000 Mark noch 100 000 Mark »an einer Bank zu bekommen, und mit Hilfe efes Kapitals solle sie sich nicht am Deutschen ^Heater beteiligen, sondern das Opercttenthe- pachten. Die Pachtfrist des Direktors ^»«Viiger laufe in einem Vierteljahr ab. Einem

zeit.Hat der Aschermittwoch Eis, so wird der i Kinder gelangweilt, wenn er ihnen nichts neues Monat Mai sehr heiß", sagt ein anderes | bieten kann. Daß die Methode der Eltern von Sprüchlein, und ein drittes verkündet:Ein

Aschermittwoch hell und klar, macht sehr schnell den Winter gar." Ein alter Volksglaube be­hauptet ferner, daß, wie der Hausfrau am Aschermittwoch der Kuchen gerät, er ihr zwölf­mal hintereinander geraten wird.

Vor dem Schulcmfang.

Die Ausführungen über die Vorbereitung Schulanfänger bedürfen einiger Ergänzungen,

der die

sich aus der Praxis des Anfangsunterrichts ergeben:

1. Die beliebte MahnungDu mußt erst sprechen, wenn der Lehrer fragt" ist überholt. Nach den neuen Grundsätzen des Unterrichtens wollen wir ja von den Kindern etwas erfahren, nicht nur sie von uns. Die Kinder werden durch das Gebot des Schweigens mundtot gemacht. Wer es miterleben muß, wie das Plappermaul von der Straße in der Schule so jählings verstummt, wie das Kind zu Hause lange Geschichten erzählen kann und bei uns nicht imstande ist, zwei Gedanken aneinander zu reihen, muß diese Mahnung als die Ursache dazu ansehen. Monatelanger Arbeit und Geduld bedarf es, den sturmngewordenen Mund wieder zum Reden zu bringen. Und wie gerne wollen die Kinder reden, von ihren Spielsachen, von Weihnachten, vom Osterhas usw. Man glaube nur nicht, daß es ein Durcheinander gäbe. Es ist viel leichter, den Strom einzudämmen, als ihn zum Fließen zu bringen.

2. Auch das Gebot des S t i l l s itz e n s ist nicht zu streng zu nehmen. Das lernen sie früh genug in der Schule durch Arbeit, die ihre Aufmerkfamkeit fesselt. Die wiePuppen" dasitzenden Kinder sind nicht immer die, die am besten auffasten.

3. Dor allen Dingen drohe man nicht mit der Schule oder dem Lehrer:Na warte, wenn du in die Schule kommst",ich sag's dem Lehrer" u. ä. Besonders ältere Geschwister und Spielkameraden wenden Drohungen häufig an. So stcht die Schule als eine Stätte der Unlust und der Lehrer als Schreckgespenst mit dem Prügel vor dem Kinde. Daß diese Vorstellungen das Vertrauen zum Lehrer untergraben, die Arbeit an dem Kinde erschweren, liegt wohl auf der Hand. Bei manchen Sind erst gelingt es nicht mehr, sich in ihr Vertrauen zu schleichen. Wie schön ist es, wenn sie uns nicht als Lehrpersonen anschen, sondern als ältere Freunde, denen sie sogar ihre kleinen Anliegen anvertrauen können. Stellt die Schule als einen angenehmen Aufenthaltsort dar, cm dem Fröhlichkeit und Spiel herrscht, wo man turnt und singt, wo man Ausflüge macht! Der Ernst des Lernens kommt früh genug.

4. Erziehung zur Selbständigkeit, befon- ders in den Dingen des täglichen Lebens. Schul­weg finden, Besorgungen machen, An- und Aus­ziehen der Kleider, Schnürriemenbinden. Beson­ders die letzteren Geschicklichkeiten sind sehr nötig bei Untersuchungen, beim Wiegen und Messen, beim Turnen und Spielen.

5. Geht mit den Kindern hinaus an alle .landschaftlich oder sonst bemerkenswerten Punkte; sprecht mit ihnen von wichtigen, auch das Mindsr- interesse erregenden Tagesereignissen: denn knüpft

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soliden Unternehmer gebe man das Theater lieber als Eichinger. Das Operettentheater habe eine glänzende Zukunft. Mit ihm fei viel Geld zu verdienen.

Und Sie, Direktor?" rief Käthe.Was ist denn Ihnen und dem Deutschen Theater damit gedient, wenn ich das Operettentheater habe und Operetten und Revuen spiele?"

Ich habe an mich sogar in erster Linie gedacht. Wir wollen eine gemeinschaftliche Direktion Goldschmidt und Sommereck grün­den und die beiden Theater in einer Regie führen. Das Deutsche Theater soll unser Kunst- institut sein und das Operettentheater unsere Geldquelle."

Die beiden machten sich nach einigen Tagen schon an die Vorarbeiten und nach vierzehn Tagen wurde eine Versammlung der G. m. b. H. Deutsches Theater einberufen, der Gold­schmidt Käthe vorstellle und der er mitteilte, daß sich die Dame an der Direktion beteiligen wolle. Er selbst fei zu alt, um die Geschäfte allein weiterführen zu können. Käthe führe schon seit einigen Jahren Regie, sie sei kapital­kräftig und er bitte, seinem Vorschläge zuzu- ftimmen. Man kannte Käthe als die Inhaberin des Ateliers Sommereck u. Degenhardt und wußte, daß das Atelier gut florierte. In der Versammlung saß auch der Oberregierungs­rat, den Käthe in den ersten Tagen ihres Aufenthaltes in Berlin bei ihrem Vater kennengelernt hatte. Der Oberregierungsrat hatte es verschiedentlich versucht, die Gunst des Mädchens zu erringen, war aber immer abge­wiesen worden. Er sah jetzt eine günstige Ge­legenheit, dem Mädchen näherzukommen, trat darum eifrig für es ein.

Die Herren stimmten zu und schon in den nächsten Wochen stand auf dem Theaterzettel: Deutsches Theater, Direktion Franz Gold­schmidt und Käthe von Sommereck.

Als es bekannt wurde, daß die Direktion Goldschmidt und Sommereck auch das Operettentheater pachtet, hatte Berlin W. einen dankbaren Gesprächsstof. Käthe kam dabei

der des Lehrers sehr verschieden und nicht immer richtig ist, braucht wohl nicht besonders erwähnt zu werden.

8. Was die Eltern mit den noch nicht schulpflich­tigen Kindern zur Vorbereitung auch dieser Arbeit tun können, sei nochmals erwähnt: Kneten, Malen, Ausschneiden (unter Aufsicht mit vorne abgerundeter Schere).

Ein Wink über das Schreibzeug der Schule sei gegeben: eine sog. Sütterlintafel mit ziemlich weiter Liniatur und weiche Griffel.

So vorbereitet, wird Kindern, Eltern und Lehrern der Anfangsunterricht nicht zur Last, son­dern zur Lust.

* Das Abraupen der Bäume und Sträucher. Nach einer Regierungsverordnung muß das Abraupen der Bäume und Sträucher mit Be­ginn des Monats März vorgenommen sein. Es empfiehlt sich deshalb, daß die Anpflanzer von Obst und anderen Baumpflanzungen schon jetzt damit beginnen und die Raupsnnester und Ge- spinnste verbrennen. Bei der gegenwärtig herr­schenden milden Witterung sind die Raupen­nester und Gespinste gut zu ersehen und die da­mit behafteten Zweige sind durch Abschneiden zu entfernen. Zur Verhütung einer Obstmiß­ernte in diesem Jahr ist eine gründliche Be­kämpfung der Goldafterraupe unbedingt er­forderlich.

* Hanauer Geschichtsverein. Das Ministe­rium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung hat durch Erlaß vom 26. Januar 1926 den Hanauer Gsschichtsverein als gemein­nützigen Verein anerkannt.

* Ern jugendlicher Messerheld. Am 18. Ok­tober morgens gegen 3 Uhr kam es vor der Turnhalle in Fechenheim zu einer Schlägerei zwischen zwei verspätet Heimkehrenden, in deren Verlauf der eine Beteiligte einen Messer­stich in den Rücken erhielt. Der leidige Alkohol spielte hierbei wieder einmal die Hauptrolle, denn durch ihn kam es zu dem an sich zuerst ganz harmlosen Zusammenstöße. Der jetzige Angeklagte, der in der Hauptinstanz zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt worden war und Berufung eingelegt hatte, wurde damals von feinem nachherigen Opfer verwechselt und regte sich über die ganz freundschaftlich gedachte Umarmung des Angetrunkenen auf. Anstatt ruhig weiterzugehen, erging er sich in anzüg­lichen Redensarten und trat, als der Ange­trunkene darauf nicht reagierte, mit heraus­fordernden Worten vor diesen. Der dadurch er­regte wesentlich stärkere Mensch packte ihn und warf ihn auf die Straße. Aber auch jetzt be­ruhigte sich der Angeklagte noch nicht und ging nochmals gegen seinen Gegner vor und ver­setzte ihm im weiteren Verlaufe der Balgerei einen Messerstich in den Rücken, woraus er

ganze Vorgang spielte sich im . Der Gestochene wurde damals

fortlief.

vom Arzts,Mk^MMPMMonen befürchtete, ins Krankenhaus überwiesen. Dèr Angeklagte gab an, aus Notwehr gehandelt zu haben, da er der Angegriffene gewesen sei. Dieser Ansicht konnte sich das Gericht nach dem Verlaufe der Zeugenvernehmung nicht anschließen und ver­warf die eingelegte Berufung kostenpflichtig.

* Hits dem Kinderwagen um die BML Auf die gewiß noch nicht dagewesene Idee mit einem Kinderwagen die Reise um die Welt auszuführen ist der Globetrotter F. W. Glomblitza gekommen, der gestern unserer Redaktion einen Besuch abstattete. Mit seiner Frau und vier Kindern hat er. 1921 die Reise um die Welt angetreten. Bisher hat er Indien und Afrika durchwandert. In den Jahren 1904 und 1910 hat er bereits Weltreisen ausgeführt.

nicht gut weg. Biele behaupteten, so etwas fei vorauszusehen gewesen. Käthe von Sommereck mit ihren Toiletten und ihrem unerhörten Auf­wand verstehe von einem Theater wie dem Deutschen Theater gar nichts. Das Operetten­theater, das fei ihr Element. Revuen, Balletts, Ausstattungsstücke, so etwas verstehe sie. Im Laufe der nächsten Saison könne man etwas erleben.

Und Goldschmidt?" sagte wichttg ein nase­weiser Backsisch.Passen Sie nur auf, der wird ganz unter ihre Fuchtel kommen und aus dem Deutschen Theater auch ein Passentheater machen. Das Theater ist schon im letzten Jahre vernachlässigt worden. Schuld daran ist natür­lich nur diese Person, die das Theater aus Sen­sationslust führt/

Das SenfationsblattHinter den Kulissen" brachte einen langen Schmähartikel über Käthe. Von dem Liebesleben des Intendanten Pro­fessor von Sommereck pfiffen die Spatzen vom Dach und der Apfel falle nickt weit vom Stamm. Daß seine Tochter Käthe nunmehr auch Einfluß auf das Theater bekommen wolle, das fei bei dem Ehrgeiz der Dame, die sich in alle Gesellschaften eindränge, kein Wunder. Aber nachdem sie bei der Führung des Bühnen- ateliers Sommereck u. Degenhardt schon un­glaublich rücksichtslos vorgegangen sei, die tüch­tigsten und verdientesten Angestellten grundlos entlassen habe und dafür bübfche junge Mânnor eingestellt habe, dürfe sich das Berliner Pu-- blikum jetzt auch im Theaterleben auf Ueber- raschungen gefaßt machen-

GoldsckMidt empfahl eine Klage. Käthe aber sagte:Warum? die Leute leben vom Schmutz. Soll gerade ich ihnen Ohrfeigen geben? Stände ein anderer an meiner Stelle, sie hätten ihn genau fo begeifert."

Als Hedwig den Artikel anonym zugesandt bekam, bebte sie vor Zorn. Sie behauptete, Käthe habe im Interesse der Familie die Pslicht, den Artikelschreiber zu verklagen.

Als nach einem Monat noch keine Klage erfolgt war, meinte Wolfgang:Sie wird

* Drehschlachlungen m Preußen. Nach An- gaben der Statistischen Korrespondenz wurden im letzten Vierteljahre 1925 in Preußen an Vieh geschlachtet: 34 800 Pferde, 943 000 Stück Rindvieh, 3 250 000 Schweine, 393 000 Schafe und 27 000 Ziegen. An Rindvieh wurden 30 000 Stück mehr geschlachtet als im letzten Viertel­jahr 1924. Durch den erheblichen Ueberschuß im vorvergangenen dritten Vierteljahr sowie in der ersten Jahreshälfte 1925 waren die hei­mischen Schlachtungen im ganzen Jahre 1925 wesentlich zahlreicher als im Vorjahre. Sie er­gaben ein Mehr von nahezu 400 000 Stück Rindvieh, 742 000 Schweinen, 300 000 Schafen und 22 000 Ziegen; hinter dem Stand vor dem Kriege blieben diese Ziffern allerdings noch er­heblich zurück.

* Zusammenschluß der privaten Lraukeo- versicherungen. Die fünf größten Krankenver­sicherungen:die Leipziger Krankenfürsorge für Beamte und freie Berufe, die Selbsthiffe Breslau, die Comba Coblenz, die Barmenia Barmen und die Regensburger Regensburg" haben sich unter der Führung der Leipziger mit dem Sitz in Leipzig zu einem Verband zu- sammengefchloffen.

* Adreßbuch der Kolonialdeutschen. Der Kv- lonialkriegerdank e. B. Berlin W. 35, Pots­damerstraße 97, bereitet die Ausgabe eines Adreßbuches der Kolomaldeutschen vor und bittet alle dieienigen, die in den ehemaligen Kolonien in Afrika, der Südsee und in Kiaw- tschau ansässig waren oder noch draußen tätig sind, um Angabe ihrer Anschriften. Die Bedeu­tung eines Kolonialadreßbuches liegt nicht nur in der endlichen Zusammenfassung aller Ko­lonialinteressenten, sondern auch in der Mög­lichkeit genauer statistischer Angaben über das gesamte heute leider zersplitterte Kolonial­deutschtum, soweit es im Inlands und Auslande tätig lst. Aus diesem Grunde wäre eine tätige Teilnahme aller Kolonialdeutschen erwünscht.

ch. Der Hanauer Tierschutzvereia hat mit Genug­tuung festgestellt, daß dis Fütterung der hier über­winternden Vögel mit regerem Eifer und in aus­gedehnterem Maße als früher erfolgt ist, sodaß die hungernden Gäste den Winter gut überstanden haben. Es ist längst bekannt, daß unsere einhemri- schen Vögel in stetiger Abnahme begriffen sind. Aufgabe aller ebeibentenben Menschen ist es bauert unseren Vögeln jeglichen Schutz angedeihen zu lassen, denn sie beleben und verschönern nicht nur Garte«. Wald und Feld, sie stiften auch durch Vertilgung von Untrautfamen und durch Fangen von Ungeziefer un­berechenbaren Nutzen. TroAiem gibt es Menschen, die den nützlichen Vögeln auf mancherlei Weist nachstellen. Schon die Schrüjugend macht sich ein Vergnügen daraus, mit der Zwackel und dem Flitz­bogen nach Vögeln, die sich auf einem Ast oder Zweig niedergelassen haben, zu schießen. Bögel. die die im vorigen Frühjahr in den städtischen Anlagen am Stadtgraben crusgefjängten Nistkästen bezogen hatten oder beziehen wollten, mürben durch Stein- würfe und Schießen mit bet Zwackel oertrieben

>jto. M,W dem LufchruckgeweS und mit dem Fläbert gearbeitet. Der TierschrrNek- ein erhielt davon Kenntnis und es gelang mit poli­zeilicher Hilfe festzustellen, daß ein Schallnahe Sine Blaumeise geschossen hat. Dem Tierschutzverein ist es bekannt, daß auch noch in anderen Gärten nach Vögeln geschosten wird. Diese Erscheinungen fktb traurige Zeichen der Zeit. Weder Sperling noch Buchfink, weder Meise noch Amsel sind vor den bösen Buben sicher. Es ist höchste Zeit, daß wir uns wie­der darauf besinnen, daß jeder Vogel ein Recht hat zu leben, und daß jeder Vogel im Haushalt der Natur eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen hat. Die Natur als Ganzes genommen, kann nur gedeihen, wenn jedes Glied der großen Kette die ihm zugs- wiefene Aufgabe erfüllen kann. Möchten doch bald allen Menschen dafür die Augen geöffnet werdest

wissen, warum sie nicht geklagt hat. Wenn auch vielleicht nicht alles wahr ist, so wird sie doch manche Schmutzereien angestellt habe». Ich habe nie große Hoffnungen auf die Persoa gesetzt und du wirst sehen, es nimmt kein gutes Ende."

Käthe suchte bald Remedur zu schaffen. Sie teilte der G. m. b. H. Deutsches Theater mit, daß Goldschmidt und sie nicht gewillt seien, weiterhin eine jährliche Pacht von 75 000 Mark zu zahlen. Trotz der glänzenden Führung habe Das Theater im letzten Jahr ein Defizit von 200 000 Mark gebracht und der Verlust im laufenden Jahre werde sicherlich auch nic^ ge­ringer sein. Die Bücher ständen zur Ber- fügung. In Anbetracht der schlechten Theater- verhältnisse seien sie nicht in der Lage, mehr als 50 000 Mark für die Jahrespacht zu zah­len. Sei die Gesellschaft damit nicht eirrver- standen, dann seien sie gezwungen, das Ver­hältnis zu losen. Kein solider Theaterdirektor werde das Theater um mehr als 50 000 Mark pachten.

Nach längeren Verhandlungen wurde die Pachtsumme in der Tat aus 50 000 Mark herabgesetzt. Das Defizit des Jahres betrug aber nur mehr 120000 Mark, da das Deutsche Theater gegen Ende der Saison einen Schlager herausbrachte, der wochenlang vor ausver- kauftem Haus gespielt werden konnte. Es war eine Pantomime und der Verfasser war Mar­tin Prenzlow, von dem Käthe behauptete, er könne sich jetzt Visitenkarten drucken lassen mit dem Titel: Pfarrer, Schauspieker, Kunstmaler und Dichter. *

Hedwig saß im Wohnzinnner ihrer Schwiegereltern und schneiderte an einer Par­tie Kinderwäsche herum. Sie sah blaß und ab­gehärmt aus. Ihre Augen hatten die Fröh­lichkeit verloren. Ihre Bewegungen war« langsam und müde, wie die einer abgearbeite­ten Frau.

Frau Faltenhamm, die nicht weit von ihr auf dem Sofa saß und die Schwioscrtoch^^