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301. Hayrqvng

SanauerW Anzeiger

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jÜrTa? Samstag den 13. Februar 1926

Das Äsuests.

_ Der Völkerbundsrat hat gestern beschlossen, ! $ Vollversammlung zur Behandlung des deutschen ' Slisnahmegesuchs auf den 8. März einzuberufen.

Der Streit über die Vermehrung der ständigen Mitglieder im Dölterbundsrat dauert fort.

Der Reichstag setzte gestern die Etatsdebatte fort, in deren Verlauf der Reichsfinanzminister noch- Ms das Wort ergriff.

Dem Reichstag ist ein Antrag der Wirtschaft­lichen Vereinigung zugegangen, das Wahlalter von 20 auf 24 Jahre heraufzusetzen.

Die Frontsoldaten hatten gestern eine Ve» Httchung mit dem Reichspräsidenten, die der Schaf- [ung eines Ehrenmals für die Gefallenen im Welt- frieg galt.

Die deutschen und die französischen Delegierten haben gestern ein vorläufiges Handelsabkommen unterzeichnet.

DeMOlarrds Aukvavmesesmv vov dem ÄSttervmsdseai.

Völkerbuudsversammlung am 8. März. Die EutscheiSuug über die Ratssitze noch immer zweifelhaft.

Franzose, der 1870 nach Berlin marschiere« wollte: wir sindarchiprétes"!l Und nie sto­ische Presse? Sie jubelte dem Sprecher zu feierte ihn als einen Napoleon. Nun, Napo­leons Bäume sind nicht in den Himmel ge­wachsen, die Säume Mussolinis werden es

lient und

DW Woche.

Zwei außenpolitische Ereignisse waren es, He das Hauptinteresse dieser Woche bildeten: s einmal , die vom Berliner Kabinett getroffene letzte Entscheidung über den Eintritt "Deuffch- - Ws in den Völkerbund, bezw. die Wsendung des deutschen Aufnahmegesuches und/zum an­dern die Krise, die Mussolini gegenüber Deutschland heraufbeschwor. Beide Ereignisse, Deutschlands endgültiger Entschluß- in' den Wlkerbund einzutreten ein Entschluß von Dnz außerordentlicher Tragweite für das Schicksal Deutschlands und Mussolinis säbelrasselnde Drohreden gegen Deuffckländ, fie­len zeitlich so ziemlich zusammen und es war MWckts dieses Zu mentresfens nicht wun-

Genf, 12. Febr. Die außerordentliche Rats­tagung, die heute nachmittag kurz nach 3 Uhr begann dauerte im ganzen etwa drei Viertel­stunden. Sie hatte ein sehr starkes Aufgebot von Journalisten nicht nur aus Genf, son­dern auch aus Paris und London usw. an- gelockl. Auch zahlreiche Bölkerbundsintereflen- ten hatten sich im Gebäude des Sekretariats versammelt. Der für die Sitzung eigens her­gerichtete Ratssaal wurde aber gar nicht be­nutzt, da die Sitzung des Rates bis zum Ende geheim war und sich in den für die geheimen Sitzungen des Rates zur Verfügung stehenden Nebenräumen des Ratsfaales abspielte. Ihr Ergebnis ist kurz das:

Die siebente Völkerbundsversamm- lungwirdfürden8. März, nachmittags 3 Uhr, nach Genf einberufen. Der Rat versammelt sich zu feiner ordentlichen März­tagung am gleichen Tage vormittags 11 Uhr, und auf die Tagesordnung der Völkerbunds­versammlung werden folgende vier Punkte, gesetzt:

1. Aufnahmeantrag der beut« chen Regierung.

2- Beschlußfassung . der Dölkerbundsver- ammlung über eventuelle Anträge des Ra­es gemäß Artikel 4 des Völkerbundspaktes.

3. Budgetfragen.

Sache aber ist es, wenn Staaten, die bisher nicht dem Völkerbundsrats angehörten, einen dauernden Ratsitz erhalten sollen, oder wenn man die Möglichkett schaffen will, durch Er­höhung der Zahl der nichtständigen Mitglieder gewissen im Völkerbundsrat vertretenen Mäch­ten eine Hilfsstellung zu leisten. Dies aber wäre der Fall, wenn man Brasilien, Polen und Spanien und vielleicht auch noch die eine oder modere zu dem gegenwärtigen französi­schen Konzern gehörige Macht als dauerndes oder vorübergehendes Gegengewicht gegen Deutschland im Völkerbundsrat einsetzte.

Es ist wiederholt betont worden, daß es illoyal wäre, Deutschland einen solchen Schlag zu versetzen, nachdem man es in dem Völker­bund zu Gast geladen hat. Es ist deshalb auch allen in Betracht kommenden Stellen von deutscher Seite eindringlich zum Bewußffein gebracht worden, daß die deutsche Regierung aus einer Brüskierung ihre Konsequenzen ziehen müßte. Wir kommen nicht als Bittende tn den Völkerbund, sondern als eine Macht, die von den andern wiederholt aufgefordert worden ist, eine Organisation des europäischen Friedens durch ihren Beitritt zu unterstützen. Sie kann verlangen, daß man von Hinterhäl­tigkeiten absieht und ihr offen und ehrlich ent­gegenkommt und ryir hoffen, daß man dafür

auch nicht tun, auch dann nicht, wenn das Ob­jekt ein vollkommen entwaffnetes, wehrloses Land ist Wir werden nach wie vor hinter unseren 180 000 Landsleuten in Südtirol stehen und diese zu schützen, ihr Los zu erleich­tern suchen.

Daß Musiolinis Rede mcht ohne polttischs Folgen bleiben konnte, war klar; die deutsche Regierung mußte antworten unb sie hat in klarer und sachlicher Weise geantwortet. So tereffant war dabei zu erfahren, daß Musso­lini, der in seiner Hetzrede bekanntlich vor» dem Abschluß eines Handelsvertrages mit Deutschland ausgegangen war, um damit Jta-i liens friedfertige Gesinnung gegenüber Deutschland zu beweisen, dem deutschen Bot­schafter gedroht hat, er werde die deutsche Ein­fuhr unterbinden, wenn die deutsche Regier rung sich mit der deutschen Presse solidarisch erkläre- Die deutsche Regierung hat sich durch diese Drohung nicht einschüchtern lassen und' klipp und klar erklärt, daß die Beunruhigung der deutschen öffentlichen Meinung und dies deutschen Presseproteste die Folgen der faschi­stischen Verwelschungspolilik seien. Mussolini hat nun mit feiner Antwort nicht lange auf sich warten lassen, die zwar nicht die kriege­rische Atmospäre der ersten Rede atmete, aber: dennoch die Grundgedanken derselben unter»

Vor allem erklärte Mussolini die mergrenze für untastbar und lehnte eq ab, vor dem Völkerbund oder sonst einem Rat in eine Debatte über das Minde

men laut wurden, die an eine.,_,. test im Völkerbund zweifelten. ^ie Sprache, die Mussolini gegenüber dem ohnmächtigen Oesterreich und dem wehrlosen Deutschland in seiner Rede führte, stellte alles bisher dage- mefene ln den Schatten und die Erregung, die durch diese Reden nickt nur im deutschen Volle, sondern auch im Ausland hervorgerusen wurde, war begreiflich- Unverantwortlich war feineHeldensprache", bei deren Lesen man an die Hauptfigur desOrlando Furioso", des âasenden Roland", eines Werkes, in dem der Dichter Ariosto, ein Landsmann Mussoli­nis, die Abenteuer der Paladine Karls des Großen schildert, erinnert wurde. Ein Aben­teurer! Ja, als nichts anderes muß man Mussolini bezeichnen, der in feinerGearchia"

schrieb:Haben wir Vertrauen in die fa­schistische Revolution: das Jahr 1926 wird ihr napoleonisches Jahr werden!" und in seiner ersten Rede am vergangenen Samstag die Wende Faust gegen Deutschland erhob und sich in seiner Phantasie schon als Herzog der faschistischen Heerscharen voranziehend sah, um sie Trikolore auf dem Boden Nordtirols und Bayerns aufzupslanzen. Ein Wahnsinn, dem nur ein Abenteurer verfallen konnte. Und wes­wegen? Weil die deutsche Oeffentlichkeit sich tiefster innerster En Mienis

iffter innerster Entrüstung ischen Faschismus unterch deutschen Landsleute in

der von dem

»rückten, hilf-

Südtirol an-

losen deutschen __________ ... ________

genommen und gegen die in der neuen Ge­richte ein,;ig dastehende, im schreienden Gegensatz zu den Grundlagen des

"sd stehende Jtalienisierung auf das ener- Mste protestiert hat. Berechtigte diese Jn- IKUMahine unserer deutschen Stammesbrüder Mussolini zu seinem Säbelgerassel und zu der Kampfansage, daß die italienische Regier

chlkerbun-

Kampfansage, daß die italienische Regierung zu tontreten Maßnahmen greifen werde, wenn deutsche Regierung die Verantwortung für us, was in Deutschland vorgefallen ist, über- ueymen würde? Jeder Unbefangene, der die "-Wicklung der Dinge mit Ruhe verfolgt hat uv die Geschichte kennt, wird diese Frage °»nemen müssen. Als Südtirol Italien ein- . "Sibt wurde, versprach Italien in der Note ^ Alliierten vom 2. September 1919,daß n ° ualien sche Regierung gegenüber ihren euen Untertanen deutscher Nationalität r^ Mll auf deren Sprache, Kultur und wirt- ®r^c Interessen eine weitgehend liberale eX1 zu befolgen beabsichtige." We.ter wurde K^"l ^0^ »der italienischen Regierung der eoanfe einer Unterdrückung und Entnatio- Zi^r ^"6 vollkommen fern liegt " Sind diese

Mit der vom Rate gewähüen Fassung des zweiten Punktes der Tagesordnung ist also allen weiteren Verhandlungen über die Frage der Neugestaltung des Rats Tür und Tor offen ge­lassen worden. Der Rat hat sogar die Fassung in so allgemeiner Form angenom­men, daß nicht einmal darin zum Ausdruck kommt, daß Deutschland bereits ein ständiger Sitz im Rat zugesagt worden ist. Alle Anträge des Rates bleiben also für die Versammlung zulässig und die ursprüngliche englische W- sicht von vornherein die Diskussion auf den deutschen Ratssitz zu beschränken und bamft abzukürzen, ist nicht durchgedrungen. Die Ver­sammlung kann nunmehr ohne jede Schwierig­keit der Geschäftsordnung auch über alle aNderenAnträge des Rats hin­sichtlich der Vermehrung der stän­digen oder nichtständigen Rats­sitze beschließen und es ist vorauszu­sehen, daß die Verhandlungen des Rates so­wohl wie der Versammlung im März sich in die Länge ziehen werden, wenn nicht bis zur (Eröffnung der Tagung am 8. März eine Eini­gung unter den Regierungen erfolgt ist.

Deutschland könnte sich auf keinen Fall mit einer jetzt beabsichtigten Erweiterung des Völ- ierbundsrates abfinden. Wenn man sich um den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund bemüht, so ist es durchaus selbstverständlich, daß man ihm seinem Range entsprechend, auch einen ständigen Sitz im Völkerbundsrate zu­billigt- Dadurch wird das bisherige innere Gleichgewicht in keiner Weise gestört, denn Deutschland hat keine Macht hinter sich wie die anderen Völkerbundsstaaten. Mit den Ver­änderungen. die jetzt geplant sind, würde man aber das bisherige innere Verhältnis der Ratsmitglieder ganz empfindlich stören, weil die Gruppe, tue zugewählt werden fall, von vornherein als eine Unterstützung Frankreichs betrachtet werden muß. Soweit es sich um Rangfragen innerhalb der jetzigen Zusammen­setzung des Völkerbundes handell, hätte Deutschland keinen Grund enipfindlich zu sein. Wenn Spanien verlangt, daß seine bisherige nichtständige Mitgliedschaft in eine ständige verwandelt wird, so mag der Rat sehen, wie er sich damit abfindet. Billigt er Spanien eine europäische Großmachtstellunq zu, so mag er das zum Ausdruck bringen. Eine ganz andere

Am die stSudiqen Ralssttze.

London, 12. Febr. Die wochenzeiffchrif- ken kritisieren scharf die Bestrebungen einzel­ner Mächte. mit Deutschland zusammen einen ständigen Ratssitz im Völkerbund zu erhalten. Die konservative Zeitschrift ,, Salurbag Reniern schreibt, das polnische Ränkespiel könne mit einer Katastrophe für den Völkerbund endigen. Wenn die

drei Freunde Frankreichs bedeutungslos ge­macht werden, ,Lhe Ration" schreibt, die Zeit­spanne zwischen der Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund und der Ausübung feines Vetorechtes im Rat falle ausgenutzt werden, um die französische Hegemonie zu befestigen. Erkenne Ehamberlain aichi so fragt das Blatt zum Schluß daß, wenn die Locarno- abkommev so durchgeführt werde«, es besser gewesen wäre, sie nie abzvschlietzen?

London, 13. Febr. Die Frage der Gewäh- a eines ständigen Ratssitzes an ein anderes als Deutschland wird weiter lebhaft er­örtert. Mit Ausnahme derMorning-Post" erklären sich sämtliche Blätter ent­schieden gegen ein solches Verfah­ren. In einigen Blättern kommt aber ein ge­wisser Zweifel über den taffächüchen Stand­punkt der britischen Regierung zum Ausdruck.

London, 13. Febr. Der Genfer Korrespon­dent desDaily Telegraph" meldet, er könne auf Grund einer Information aus sehr maß­gebender Quelle erklären, daß Schweden, welches Mitglied des Tölkerbundsrates sei, sich in voller Uebereinstimmung mit Groß- britanten befindet und entschlossen sei, gegen jede Vermehrung der stän­digen Ratssitze, abgesehen von dem Deutschland zugesprochenen, zu stimmen, selbst wenn Schweden in die­ser Haltung alleinstehen würde. Schweden wird aber von den skandinavischen Ländem und auch von England unterstützt werden. Der Berichterstatter meldet weiter, auch die Kleine Entente sei keineswegs enthusiasmiert bezüg-

Unrecht am deutschen Sekbstbestimmungsrecht erachten, so ist es doch keinem Organ der deut­schen Presse eingefallen, gegen diese Grenze Sturm zu laufen. Was aber die Verweigerung der Anerkennung des Minderheitenschutzes an­langt, so kann darüber das letzte Wort noch nicht gesprochen sein. Italien ist, so lange es Mitglied des Völkerbundes ist verpflichtet den Minderheitenschutz anzuerkennen. Von tiefer Verpflichtung wird es nicht befreit auch dann! nicht, wenn Mussolini betont:bie fremd-! stämmige Bevölkerung im oberen Etschgebieti gehört Nicht im geringsten zu den Minderheit ten, die Gegenstand besonderer Abkommen im den Friedensverträgen wären." Es ist zu! hoffen, daß die Regierung trotz der Weigerung Mussolinis in dieser Frage einen Apell an ben! Völkerbund richtet, und nach Aufnahme Deuffchlands in den Völkerbund das gesamte Minderheitenproblem aufrollt. Hier hat Deutsch­land eine besondere Aufgabe vor sich, der es sich unterziehen muß und von deren Erledigung viel abhängen wird ob der Völkerbund weiter» hin als ein Instrument der Vergewaltigung des deutschen Rechts und der Gerechtigkeit betrachtet werden muß oder ob er durch den Eintritt Deuffchlands zu einem Instrument zur Verwirklichung des Friedensgedankens ge­worden ist '

Inzwischen hat sich der Völkerbundsrat m3 dem deutschen Ausnahmegesuch befaßt und die Vollsitzung des Völkerbundes auf den 8. März anberaumt. An der Aufnahme Deuffchlands ist nicht mehr zu zweifeln, dagegen wird die Erledigung der Frage betreffend die Zutei­lung eines ständigen Ratssitzes nicht so rei­bungslos von statten gehen. Frankreich ver­suchte weiterhin die Ratssitze zu vermehren, d. h. auch seinen Vasallenstaaten wie Polen usw.

einen ständigen Sitz zu verschaffen, um da­durch eine für Deutschland ungünstige Zu­sammensetzung des VölkevbunÄsrates herbei­zuführen. England wie auch verschiedene an­dere Staaten sind gegen diese Veränderung, doch Frankreich wird sein Vorhaben nicht ohne weiteres fallen lassen, sodaß die kommende

einen ständigen Sitz durch eine für Deut

11nfir ' lul uineruruaunu ui WMng vollkommen fern ließt ist k ^SI gehalten worden? Ob

lich der Vermehrung ständiger Ratssitze. Selbst die Tschechoslowakei lasse deutlich merken, daß sie ebenso große Ansprüche auf einen selbständ­igen Ratsitz habe, wie irgend ein anderes

Land.

Völkerbuftdssitzung unter Umständen zu ern­ten Komplikationen führen kann. R. H.

ist ?^â>cn gehalten worden? Nein! Tatsache Lvs?» Mussolinis faschistische Trabanten in . iirol Gewalt- und Unterdrückungometho- ^"llewastdt, eine rücksichtslose Aus- ein i"6spolitik betrieben haben und es war moralisches Recht, ja, eine verdammte

Pflicht und Schuldigkeit der deutschen ösient- Heitenschutz fordern, den ja auch der Völker- lichen Meinung, all diese Zustände auf das schärf- bund zum internationalen Rechtsgrundsatz er­ste zu geiseln Die deutsche Oeffentlichkeit konnte 1 ' ' ' " " ' " dieser Vergewaltigung der deutschen Minderheit mir Winutun mn, freute yoröerungei nicht ruhig zusehen, sie mußte ihren Protest deutsche Regierung diese Proteste laut in die Welt hinausrufen und den Minder- dämmen unb erklärt ungleich wie eit

, , - ------------- Rechtsgrundsatz er­

hoben hat. Und trotzdem stellte sia) ein Mann wie Mussolini hin, stellte Forderungen an die

einzu-

einst jener

Italienische Prämien für Tiroler Kinder.

R o m, 15. Febr. Einer Blättermeldung zu» olge hat die italienische Regierung für 100 Südtiroler Kinder Prämien für die besten Fortschritte in der italienischen Sprache aus­gesetzt. Auf Grund dieser Prämie« sollen diese 100 Kinder eine mehrtägige Osterreise nach Mailand unternehmen.