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201. Jahrgang.

Hanauer 8 Anzeiger

General-Anzeiger für die Kreise Kanan Stadl und Land.

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Nr. 26

Montag den 1. Februar

1926

Die Befreiung der âlnerIone

Gitte mitierttSGLlkche Befreittttgsfeier. - Der Schwur der Befreite«: Giuigkett, Treue dem Volke,

Frei von fremden Truppen ist seit Samstag die erste Zone des Rheinlandes. Am Samstag nachmittag sind die letzten Besatzungstruppen aus Köln, Düsseldorf, Bonn usw. abgewogen und in der vergangenen Nacht um die Mitter­nachtsstunde sandten die Glocken vom Kölner Dom den ernsten Hochfestfreude jauchzenden Ruf: Frei! in das Land. Von der Ahr bis zur holländischen Grenze ist das Rheinland endlich frei und mit dem unbesetzten Deutschland wie­der vereint. Am Samstag nachmittag hatte sich in Köln auf dem Domplatz eine viel­tausendköpfige Menschenmenge eingefunden, als die letzten Truppen zum Abmarsch auf­marschierten. DieKöln. Ztg." gibt über diesen Akt folgendes Stimmungsbild:

Um 2 Uhr 30 Min. zieht, von Zehntausen- deri gespannt blickenden Augen verfolgt, die letzte englische Wache auf und die Posten vor dem Hotel Exzelsior, dem bisherigen Sitz des Britischen Hauptquartiers, werden abgelöst- Zum letztenmal nehmen die Posten ihren, von der deutschen Bevölkerung so oft mit humor­vollen Ausdrücken belegten Dauermarsch zehn Schritt rechts, Kehrtwendung, zehn Schritt links auf. Die Schilderhäuser waren schon früher entfernt worden, ebenso die große englische Flagge am Hauptmast auf dem Dach hangt ym^schrag

an sieht, wie ein

brocken!

Blicke sind auf sie gericht- ""ier oldat sich

m ihr zu schaffen macht und dann, beide Flaggenleinen in den Händen, regungslos das Kommando zum Niederholen erwartet. Ein breiter Raum vor dem Hotel ist abgesperrt und Wird von deutschen und englischen Polizei- mannschaften zu Pferde und zu Fuß freigehal- ten. Zehn Minuten vor drei Uhr rückt mit längendem Spiel eine englische Kompanie an Md hält vor dem Hotel, Front zur Fahne. Neichzeitig tritt auch die Wache unter Ge­mehr. Eine Gruppe englischer Offiziere nimmt W rechten Flügel der Ehrenkompagnie Auf­stellung. Die Musik schweigt. In lautloser Stille vergehen die Minuten bis zur festge­setzten Stunde. Drei Uhr. Laut hallen die Schläge der Uhr über den Platz. Ein eng­lisches Kommando fliegt durch die atemlose Stille. Die Truppen präsentieren, die Musik spielt einige Takte der englischen National- bijmne und unter einem kurzen brausenden Hurrarufen der deutschen Volksmenge geht d i e F l a g g e nieder. Der Soldat ver­schwindet mit ihr im Hause, die Musik bricht b. kurze Kommandos: Gewehr über! Rechts schwenkt marsch! Die Truppen rücken ab zum Mhnhof, man sieht noch den Fahnenträger, "er die Fahne eingerollt hat und in einem Mantel aus dem Arm trägt, in Begleitung Mes Offiziers aus dem Hause kommen und ^it den Truppen fortgehen, und um drei Uhr "Ä vier Minuten ist die feierliche Handlung tabet. Zwanzig Minuten später verlassen ^Engländer in einem Sonderzug Köln.

Gleich nach dem Abzug der Engländer »urde der Domplak dem Äerkehr wieder frei» Weben. Die Menschenmauern begannen sich fügsam aufzulösen, um sich aber plötzlich wie-

len. Abermals ertönten ln dem soeben von der

"kausende Hochrufe.

"Wischen Fahne verlassenen Mast ging die Eiweiße Kölner Flagge hoch. Und dann Querte es nicht lange, bis sich hoch oben auf bisherigen britischen Hauptquartier eine Mge schwarzweiße Preußenfahne im Früh- Pgswinde bauschte. Andere Häuser folgten "»dann mit rotweißen, schwarz-weißen und Mbweisen Fahnen. Eine festliche Stimmung über der Menge, gesteigert durch die Er­wartung der für' morgen abend festgesetzten ^siiungsfeier.

"lehnliche Berichte liegen aus Düsseldorf Bonn vor. UeberaU ist der Abzug der Be- Rungstruppen ohne Zwischenfall erfolgt. In vergangenen Nacht haben nun in diesen trabten Befreiungsfeiern stattgefundcn. Die Mptfeier fand in Köln statt. Die Uhr kündigte Mitternachtstunde. Auf dem Domplab stan- dichtgedrängt viele Zehntausende. Auch alle Nebenstraßen waren mit einer unübersehbaren

Liebe dem

Menge gefüllt. Als der zwölfte Schlag verhallt, flammten auf hohen Pylonen rechts und links vom Haupteingang des Domes Feuer empor. Hunderte von elektrischen Lampen erhellten den Platz taghell. Die deutsche Glocke am Rhein, die Petrusglocke des Domes, begann zu läuten und kündigte Köln an, daß es frei ist. Hierauf be­trat Oberbürgermeister Dr. Adenauer das Rednerpult und hielt die unten folgende An­sprache. Begeistert wurde sein Hoch auf das deutsche Vaterland ausgenommen- Aus mehr als hunderttausend Kehlen brauste das Deutsch- landlied zum nächtlichen Himmel- Aldann er­griff der preußische Ministerpräsident Braun das Wort zju seinen ebenfalls nachstehend widergegebenen Ausführungen, die mit leb­haftem Beifall ausgenommen wurden.

Das Absingen der ersten Strophe des Chorals: Großer Gott wir loben dich, bildete den Schluß der Feier. Von allen Kirchtürmen der Stadt läuteten die Glocken- Langsam ver- loderten dann die Flammen und in stillem Ernst, doch freudig bewegt, strömte die Menge langsam auseinander.

Der Tag der Freiheit war für Köln und den Niederrhein angebrochen.

Die Ansprache Adenauers.

dem Allmächtigen

nsere Herzen fliegen empor zu tt ächtigen Dank sei ihm, der uns ge­stärkt hat in schwersten Tagen, der uns geführt hat durch Not und Gefahr! Vereint sind wir wieder mit unserem Staate, unserem Volke, un­seren: Vaterlande, vereint und frei nach sieben Jahren der Trennung und Unfreiheit! In ge­meinsam getragener, gemeinsam überwundener Not erwächst die treueste Kameradschaft. Ihr, deutsche Volksgenossen in den

noch besetzten Gebieten, habt mit uns Schulter an Schulter gestanden. Euch, die ihr nock der Freiheü entbehrt, grüßen wir in dieser Stunde in Liebe und Treue!

Schweres haben mit erdulden müssen durch die harte Faust des Siegers in sieben langen Jahren.' Heute, in dieser weihevollen Stunde, laßt uns davon schweigen; ja, wir wollen ge­recht sein trotz vielem, was uns widerfahren ist, wir wollen anerkennen, daß der geschiedene Gegner auf politischem Gebiet gerechtes Spiel hat walten lassen Hoffen wir, daß unsere Leidenszeit nicht umsonst gewesen ist, daß nun­mehr

ein wahrhaft neuer Geist in die Völker Europas einzieht.

Die Grundsätze des Rechts und der Moral, die für das Verhältnis der Einzel­menschen zueinander gelten, die jeden Menschen als frei und gleich und gleichberechtigt erklären, müssen auch in Wahrheit, nicht nur in Worten Geltung erhallen für die Gesellschaft der Völker!

Brüder, Schwestern! Wir sprechen die gleiche Sprache, wir lieben die gleidje Heimat. Ob reich, ob arm, ob links, ob rechts: die inner­sten und tiefsten, die menschlichsten Gefühle sind uns allen gemeinsam. Gemeinsame Not haben wir ertragen, erfahren haben wir, was Schicksalsgemeinschaft ist. Wenn jetzt die Last von uns genommen wird, wenn wir hinaustreten in die Freiheit, dann laßt uns das niemals vergessen!

Dieser Platz wurde dereinst geweiht durch die Worte:Dem Geiste deutscher Einigkeit und Kraft sollen diese Dompforten Tore des herr­lichsten Triumphes werden." Auf diesem ge­heiligten Platze haben die fremden Truvpen gestanden, laßt uns ihm von neuem die Weihe geben!

Ein Symbol der deutschen Einheit und Einigkeit ist unser Dom, wie Schwursinger igen seine mächtigen Türme empor in den v t>f Iren Himmel. Wohlan! heben auch rott zum Schwur die Hand! Und ihr alle in deut­schen Landen, die ihr jetzt im Geiste bei uns weilt, schwört mit uns! Schwören wir: Einigkeit, Treue den» Volke, Liebe dem

Vaterland.

Vaterland«! Rust mit mit: Deutschland, ge­liebtes Vaterland. hoch! hoch! hoch!

Dem Hoch, das brausend über den Platz klang, folgte der Gesang des Deutschlandliedes. Alsdann hielt der

Preußische Winiftsrpräsi-ent Braun

folgende Ansprache:

Sieben schwere Jahre der Fremdherrschaft hat die Bevölkenmg der nunmehr geräumten ersten Rheinlandzone ertragen müssen. Wenn die mUllärische Besetzung eines Gebietes stets und überall eine starke Belastung der Bevölke­rung bedeutet, so mußte das fremde Joch für

die rheinische Bevölkerung um so schwerer und drückender sein, als das rheinische Volk immer ein Volk von ganz ausgesprochener Freiheits-

ein Volk von ganz ausge' liebe gewesen ist- An der

berechtigten Freude, welche" die Bevölkerung des geräumten Gebiets

in der gegenwärtigen Stunde über die lang ersehnte und jetzt wiedererhaltene Frecheit empfindet, nimmt die preußische Staatsregie­rung lebhaften Anteil. Mit dieser Freude ver­bindet sich

Um diesen Dank in der jetzigen mitternächtlichen

21t wir immer zollen dafür, daß Rheinlands Männer und Frauen im Bewußtsein ihrer

nationalen und wi

mit dem unbei genen sieben 5

irtschaftlichen Verbundenheit

1 Vaterland in den vergan-

ihren eine unerhörte Fülle see­

lischen Leidens und herbsten Ungemachs wirt­schaftlicher Not und harter Prüfungen erduldet haben. Die Drangsale und Enbehrungen der Besatzungsjahre sind nicht oft und nachdrücklich genug betont worden. Die preußische Staats­regierung ihrerseits wird sich immer dankbar und stolz der in der Zeit nationaler Not von der Bevölkerung ihrer westlichen Grenzprovinz bewiesenen mannhaften Treue und beispiels­losen Opferwilligkeit erinnern und in dieser Erinnerung, die stets lebendig bleiben soll, ihre besondere Fürsorge und Pflege dem rheinischen Volke angedehen lassen Zu solcher Fürsorge­bereitschaft gehört selbstverständlich auck, daß die preußische Staatsregierung festen Willens ist, den sozialen und kulturellen Bedürfnissen des Rheinlandes in größtmöglichem Umfange Rechnung zu tragen.

Aus diese Weise glaubt sie am ehesten, das ihr vorschwebende Ziel erreichen zu können und die letzten Ueberbleibsel des Mißtrauens im Rheinland aus einer früheren Zeit, die gegen Berlin noch vorhanden fein sollten, restlos zu beseitigen. Zu irgendwelchem Mißtrauen ist ja auch jeder Grund fortgefallen, nachdem durch die Verfassung des neuen Freistaates Preußen die Gesamtheit des Volkes, wie Josephvon Görres, der große Sohn des Rheinlandes, schon vor mehr als hundert Jahren gefordert hat, zum Träger der Staatsgewalt geworden ist. Die Bevölkerung des Rhein­lands stellt ein Fünftel, die Bevölkerung des Rheinlands zusammen mit der in Wirtschaft, Kultur und Schicksal besonders verwachsenen Bevölkerung Westfalens ein Drittel der Ge­samtheit des preußischen Volkes dar. Den poli­tischen Willen und die kulturelle Eigenart, die sozialen und wirtschaftlichen Wünsche dieses Drittels des preußischen Volkes wird keine preußische Staatsregierung jemals vernach­lässigen können, zumal es sich um ein Volks­drittel handelt, das ein

so entwickeltes Wirtschaftsleben und eine so hoch stehende Volkskultur

aufweist, wie sie sich in solcher Gedrängtheit, Fortgeschrittenheit und Mannigfaltigkeit viel­leicht an keinem Punkte des Kontinents zum zweiten Male vorfinden. Dies stark zu unter­streichen liegt mir im jetzigen historischen Augenblick vornehmlich am Herzen, wo ein großer Teil des rheinischen B-'^s, der seit der Schaffung iks republifanif' "reußen unter Besatzung leben mußte, d heit wieder­erlangte.

Unsere Freude am heutigen Tage wird frei»

lich noch getrübt durch die schmerzliche Tatsache, daß mehralsvierMillionenVolks- genassen weiterhin unter fremder Besatzung leben müssen. All diesen unseren noch leidenden Brüdern und Schwe­stern au Rhein, Mosel und Saar gellen in die­ser Stunde unsere herzlichsten Grüße, unter aufrichtigster Dank und die unbedingte Versiche­rung, daß wir nichts unversucht lassen wollen, um ihre Leiden zu lindern und abzukürzen.

Daß diese Abkürzung in nicht zu ferner Zeit einiriff, ist unsere zuversichtliche Hoffnung und bestimmte Erwartung.

Diese unsere Erwartung stützt sich auf den Geist gegenseitiger Völkerverständigung, von dem Pakt von Locarno getragen, und der im Rahmen der europäischen Völkerfamilie, deren Einzelglieder jetzt gleichberechtigt sein sollen, Verständnis und Entgegenkommen auf allen Seiten zur Voraussetzung hat. Aus innerstem Herzen und von der friedfertigsten Gesinnung geleitet, bejaht die Regierung der Republik Preußen jenen neuen und vielverheißenden, auf die moralische Entwaffnung Europas hin­zielenden Geist von Locarno. Sie ist gewillt, in ihrer ganzen Verwaltungspraxis mit allen zu Gebote stehenden Mitteln gewissenhaft und treu Sorge zu tragen, daß der Gedanke des verftan-

mehr in das lebendige Bewußtsein aller Schicht ten unseres Volkes und namentlich auch der Heranwachsenden Jugend, die nach der Reichs­verfassung im Geiste der Dölkerversöhnung zu erziehen ist, umsetzt. Das sind wir unserem ganzen Volk, dessen durch den Wellkrieg zer­rüttete Zivilisation nur in einer Aera dauern­den Friedens wiederhergestellt werden kann, und nicht an letzter Stelle dem rheinischen Volke schuldig. Unsere Freude am heutigen Tage wird aber auch weiter noch beeinträchtigt

durch die traurige Wirtschaftslage,

mseren gesamten Volkskörper erfaßt und die weitesten Kreise Arbeitslosigkeit, Ent- behrung, Hunger und Verzweiflung gebracht hat. Wenn die bedrohliche Zahl der Erwerbs­losen, der Kurzarbeiter und der mitbetroffenen Familienangehörigen an sich schon zu größt­möglicher staatlicher Sorge und Hilfe Anlaß ist, so gilt dies in verstärktem Umfang hier im Westen, wo die Arbeitslosigkeit nicht nur zahlenmäßig größer ist, sondern in den vor­wiegend großstädtischen und industriellen Ge­bieten sich auch drückender und entmutigender auswirkt. Es wird des vereinten Zusammen-

die ui über

wirkens aller Teile unseres Volkes bedürfen, um über die gegenwärtige Volksnot dieser schwersten Auswirkung des verlorenen Krieges hinwegzukommen und unserem arbeitsamen Volk in langsamem wirtschaftlichen Aufstieg eine lichtere Zukunft zu bereiten. Leicht wird es uns nicht gemacht, besonders hier im Westen. Denn zu all dem Leid und Elend, das sich aus der Wirtschaftskrise ergibt, ist die rheinische Be­völkerung nun auch noch um die Jahreswende von der verheerenden, in solchem Umfange seit mehr als hundert Jahren nicht beobachteten Hochwasserkatastrophe betroffen worden. Wie die preußische Staatsregierung unmittelbar auf den ersten Bericht des Oberpräsidenten der Rheinprovinz eine halbe Million Mark zur Einleitung einer staatlichen Notstandsaktion zur Verfügung gestellt hat, so hat sie sich so­gleich auch wegen der Bereitstellung von Reichsmitteln mit der Reichsregierung in Ver­bindung gesetzt. Die preußische Staatsregierung hat in der Folgezeit für die Hochwassergeschä- digten noch weitere Beträge von insgesamt zwei Millionen Mark zur Verfügung gestellt. Dies hat die preußische Staatsregierung trotz der großen Finan.znat des Staates freudig und gern getan, weil sie jetzt und in jeder späteren Zeit keine Gelegenheit versäumen wollte und will, um das in den schwierigsten Augenblicken der vergangenen Besatzungsjahre der rheini- scken Bevölkerung mehrfach zugerufene Wort Treue um Treue!" auch'ihrerseits zur lebendigen Tat werden zu lassen und

die Schicksalsverbundenheil der Rheinland« mit Preußen und dem Reick