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201. Jahrgang.

SanauerS Anzeiger

General-Anzeiger für die Kreise Kanan Stadt und Land.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonu. und Feiertage. / F--nfprech-An!chluß Nr 1237 und 1238.

Bezugspreis: Für den halben Monat L Reichsmark, für den ganzen Monat 2. Reichsmart ohne Trägerlohn. Einzelnummer 10, Freitag 15, Samstag 12 Retchspfennig. Anzeigenpreise: Für 1 min Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 Retchspfennig, im Rellameteil von 68 mm Breite 28 Reichspfennig. Offertengebühr: SV Reichspfennig. Geschäftsstelle: Hammerftratze 9.

Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. Bet unverschuldetem Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streit usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Bezugspreise«. Für Platzvorschrift und Er sch ein ungs i age der Anzeige wird keine Gewähr geleistet- ----------

Nr. 7 Sams-ag den S. Januar 1926

Luther bei Hindenburg.

Noch keine Entscheidung. Vertagung der Krise bis zum nächsten Dienstag.

Das Neueste.

Der Reichspräsident hat gestern mit Dr. Luther und den politischen Ministern über die Bildung der Regierung verhandelt.

Am Montag beginnen die Verhand­lungen zwischen den deutschen Luftfahrtsach­verständigen und der Botschafterkonferenz. Am Dienstag gehen die Verhandlungen mit dem Quai d'Orsay weiter.

In den Verhandlungen zwischen Deutsch­land und der Schweiz über Neuordnung der Paßformalitäten ist eine Einigung erzielt worden. Es bleiben lediglich noch Einzelheiten zu erledigen.

Lloyd George ist aus Italien zurück­gekehrt. Er erklärte einem Pressevertreter gegenüber, Mussolini habe er nicht gesehen. Ueber die Lage in Italien wolle er lieber nichts sagen, es würde ihm jedoch leid tun, wenn in England dieselben Verhältnisse Platz greifen würden.

In den nächsten Tagen beginnen neue ^anzösich-spanische Besprechungen über

Havas berichtet aus Angora, nach einer Mitteilung der Anatolischen Telegraphen­agentur werde der englische Botschafter nach Angora kommen, um Verhandlungen wegen einer für beide Länder annehmbaren Grenz reguuerung in der Mossulfrage

Die ungarischen FranKensälscher

Em solches Mittel ist auch die Lockerung der bisherigen Tarifgesetzgebung. Wir zweifeln nicht daran, daß weite Kreise der Arbeit»

Belhlens Initiative.

Budapest, 8. Jan. Die polizeilichen Unter­suchungen in der Fälscheraffäre sind nach der rechtlichen Seite hin zu einem vorläufigen Ab­schluß oder doch zu einem entscheidenden Er­gebnis gekommen. In diesem Stadium der poli­zeilichen Aktion hielt der Ministerpräsident Graf B e t h l e n dem Reichsverweser Vortrag. Auf Grund dieser Besprechungen ist mit weite­ren Verhaftungen zu rechnen. Von den mit der Angelegenheit in Verbindung gebrachten höhe­ren Persönlichkeiten haben inzwischen Erzher­zog Albrecht und Graf Klebelsberg in Erklä­rungen jede Verbindung mit den in die Affäre verwickelten Personen von sich gewiesen. Erz­herzog Albrecht hat in der vergangenen Nacht an den Geschäftsführer des Präsidiums des Verbandes der rechtsradikalen Vereinigungen ein Schreiben gerichtet, in dem er seine Demis­sion als Generalgouverneur des Verbandes an­meldet. Graf Klebelsberg gab die Erklärung ab, daß er seit über drei Monaten keine Ver­bindung mit den Leuten gehabt habe, die jetzt wegen der Fälscherangelegenheit in Haft seien. Ministerpräsident Graf Bethlen hat in seiner Besprechung mit dem Reichsverweser General-

Kenntnis habe. Außerdem hat die Polizei im Laufe des Tages einen aktiven und einen pen­sionierten Angestellten des Kartographischen Instituts in Gewahrsam genommen. Gegen die anderen sechs bereits verhafteten Ange­stellten des Kartographischen Instituts ist unter vorläufiger Enthebung vom Amt das Diszipli­narverfahren eingeleitet worden.

Die Pariser Presse schlägi Lärm.

Paris, 8. Jan. Die ungarische Banknoten­fälscheraffäre erregt heute die Pariser Zeitun­gen in höchstem Maße. Sie behaupten, daß Prinz Windisch-Grätz und seine Genossen keinerlei Wiederherstellung der Monarchie be­absichtigen, sondern daß es sich ausschi' ^ um einen Angriff auf den franzöfi­sch e n K r e d i t gehandelt habe, und nun wird gefordert, daß Ungarn weitgehende Genug­tuung leisten müsse. Frankreich habe das Recht, sagt dasEcho de P $ r i s", auf alle Reparationen, die es verlangen werde. DasPetit Journal" tritt dafür ein, daß vor­läufig keine diplomatischen Beziehungen mit Ungarn aufrecht erhalten werden sollen. Das Blatt behauptet, daß die ungarische Regie-

Hmerschaft Verständnis dafür auf bringen,

>ß die Arbeitslosigkeit aus der deutschen Ab­satzkrise stammt, die wiederum verschiedene Ur­sachen hat und daß Lohn und Wirtschaftslage eng miteinander verbunden sind.

Während mir in einer Wirtschaftskrise

ne! da

Die Woche

Trübe Bilder waren es, die die deutsche Presse in ihren Jahreswechselbetrachtungen entrollte. Trübe Bilder vor allem auf wirtschaftlichem Gebiet, das ein Riesendefizit aufzuweisen hat. Fast trostlos ist die Wirtschafts­lage. Das Heer der Arbeitslosen wächst von Tag zu Tag und hat bereits einen derartigen Umfang angenommen, daß man sich fragen muß, wie lange noch die Mittel ausreichen werden, um die gesetzlichen Unterstützungen auszahlen zu können. Und dabei sind die Unterstützungssätze doch so bemessen, daß sie, na sagen mir, das Minimum dessen darstellen, um sich über Waffer zu halten. Andererseits aber ist auch eine Erhöhung dieser Sätze ncht möglich, wenn man die noch Halbwegs im Bang befindlichen Wirtschaftszweige nicht auch noch zum vollkommenen Erliegen bringen und damit das Arbeitslosenheer noch weiter ver­größern will. Auf diesem Wege kann also r ®enö nicht gesteuert werden. Es muß ^ersucht werden, die Erwerbslosenunter- stutzung produktiv zu gestalten, d. h. den Ar­beitslosen müssen Notstandsarbeiten vermittelt werden. Daß auch dieser Weg großen Schwie- rigteiten begegnet, braucht nicht weiter aus- geluhrt zu werden auch die jüngste Sitzung tm Hanauer Stadtparlament hat dafür den ^^weis erbracht. Dennoch müssen Gemeinden und Zander alles tun, um den bedauerns- weiten Volksgenossen Arbeit zu verschaffen. Doch nicht genug damit. Der volksparteiliche âchstagsabgeordnete Dr. Otto Hugo hat dieser Tage inbezug auf die Ausgestaltung der llrbeitslosenfursorge einen recht beachtlichen Vorschlag gemacht, nach dem das Reichs- arbeitsmimfterium die zuständigen Fürsorge- oehorden anregen soll, öffentlich fsstzustellen, n welchen Betrieben Arbeiter durch Lohnvor- chusse beschäftigt werden können unter der selbstverständlichen Voraussetzung, daß die Löhne von den Unternehmungen nach 3 bis 5 Monaten zurückgezahlt werden. Es handelt sich hier um einen Vorschlag, der es verdient, näher erwogen zu werden und dem der Reichs- arbeitsminifter sein Interesse zuwenden sollte. Aber auch damit noch nicht genug. Um ein weiteres riesenhaftes Änschwellen der Arbeits- losenzifser zu verhüten, werden wir weiter da­zu kommen müssen, eine Lockerung der bis- herigen Tarifgesetzgebung eintreten" zu lassen.

ß wird bei der Erwähnung dieser Mög- . - so mancher den Kopf schütteln, um= die Ablehnung b!efes Gedankens zum ? -/uck zu bringen. Doch es muß. selbst auf 01,1 Gefahr hin, daß uns dies krumm ge= tonunen werden sollte gesagt werden, unsere Wirtschaft muß wenigstens für die Zeit der

er entschlossen ist, weiteste Aufklärung herbei­zuführen. Auf die Zusammensetzung der unga­rischen Regierung wird die Frankenfälschungs­angelegenheit nicht zurückwirken. Dagegen ist die Erklärung des Erzherzogs Albrecht gegen­über dem Verband, der als Svitzenorganisation eine ganze Reihe von Vereinigungen umfaßte, doch ein Ereignis ersten Ranges, zugleich aber ein Zeichen dafür, daß die Regierung die Affäre nach jeder Richtung hin aufklären will, weil sie den Verband für aufgelöst erklärt hat.

25 Millionen Franken gefälscht.

Budapest, 8. Jan. Der technische Leiter des Karthographischen Instituts in Budapest, Gerö, der den Druck der falschen Noten ge­leitet hat, sagte u. a. aus: Die von einer Leip­ziger Firma bezogene Druckmaschine war Ende August zum Betriebe fertig. Der Druck glückte zunächst nicht vollständig. Auch bei der An­fertigung des Wasserdruckes auf dem aus Ber­lin besorgten Papier gab es Schwierigkeiten, so daß dünneres Papier bezogen werden mußte. Insgesamt waren 25 000 Abzüge fertiggestellt worden, von denen aber ungefähr ein Drittel als Makulatur vernichtet werden mußte. Nach Beendigung des Druckes wurde die Maschine zerlegt und als Alteisen einer Budapester Firma verkauft.

Die Polizei hat auch den römisch- katholischen Feldbischof Stephan Zadravecz einem Verhör unterzogen, in dem er zugab, daß er tatsächlich von dem Ziel Kenntnis erhalten habe, mit welchem die Be­schuldigten sich verteidigen, daß er aber seine weitere Mitwirkung abgelehnt habe, als er er­fahren hatte, mit welchen Mitteln man dieses Ziel erreichen wolle. Die Aussagen des Bi­schofs wurden der für ihn kompetenten Militär­behörde übergeben, welche nun über das weitere Vorgehen gegen den $if*of zu ent­scheiden haben wird. Im Zusammenhang hier­mit sei erwähnt, daß ein mit den Rechts­radikalen in Verbindung stehendes Blatt heute betont, es stehe noch eine traurige Episode be­vor. Die Unt-rsuchuna. welche sich gegen eine hochstehende Persönlichkeit richte, werde nach Erweis der Mitwisserschaft noch heute oder morrten zu deren Verhgftuna führen. Ferner wurde heute der Mg. Iulius Gömbös als Zeuge vernommen, w-ir einer der Beschul­digten sich auf ihn berief. Gömbös erklärte, daß er von der Frankenfäffck'n"----krx^y keinerlei

Holland gebracht worden se Umschlägen befunden, auf bi

Holland gebracht worden seien, hätten sich in Umschlägen befunden, auf denen die Siegel des ungarischen Außenmini st eri- u m s waren. Außerdem seien die nach Buda­pest gesandten französischen Polizisten dort sehr kühl empfangen worden, und diplomatische Vorstellungen mußten erhoben werden. um den

Regenten Horthy zu veranlassen, seine Pflih zu tun. DerT e m p s" glaubt dagegen, da der Skandal mit Umsturzmanövern zusammen hängt. Er schreibt:Der Skandal ist derartig, daß er in der Geschichte ohne Beispiel ist und wenn er, wie vielfach angenommen nrrb, mit politischen Manövern zufammenhängt, könnte er ernste Folgen haben. Daß die Anhänger des Erzherzogs Albrecht offen eine Agita-ion führen konnten, von der man ernste Gründe hat zu glauben, daß sie mit der völkischen Be­wegung in Bayern und in Berlin im Zu­sammenhang standen, schafft eine unhaltbare Situation, die natürlich das größte Mißtrauen in den Nachbarländern erwecken muß, da diese von dem Regierungswechsel in Ungarn eine Bedrohung ihrer Sicherheit befürchten. Es ist nicht unbekannt, daß es zwischen der ungari­schen Partei Albrechts und der bayerischen Partei Rupprechts Berührungspunkte gibt. Es ist nicht unbekannt, daß die Machenschaften für einen bayerischen Putsch Hand in Hand gehen mit den Bemühungen für eine Restauration in Ungarn. Die Regierung von Budapest wird gut daran tun, wenn sie energisch aegen diese Intrigen vorgeht und wenn sie diese Affäre zum Anlaß nimmt, um sich allen Abenteuern zu widersetzen, die den Frieden in diesem Teil Europas gefährden könnten. Die alliierten Mächte würden nicht zulassen, vor eine vollen­dete Tatsache gestellt zu werden, durch welche die in den Verträgen festgelegte Ordnung der Dinge beseitigt würde." DasI o u r n a l" steht auf dem entgegengesetzten Standpunkt. Es habe sich für den Prinzen Windisch- Grätz nicht um politische Zwecke ge­handelt. Er sei vollkommen verschuldet und habe sich durch die Fälickungen retten wollen. Das Blatt verteidigt den Regenten Horthy, der über die Sache sehr entrüstet sei. Diese Entrüstring sei nicht geheuchelt. Im vollen Gegensatz dam steht die Auffassung der Htnnanitè", für die Horthy natürlich' das schwarze Schaf ist. Das kommumstischs Blatt behauptet, daß der Regent und alle Mitglieder der Regierung zu komprimitiert seien.

leben, wie wir sie noch nicht gekannt haben, befinden wir uns in einem regierungslosen Zustand, wird über die Regierungsbildung ein Handel getrieben, als lebten wir in der glück­lichsten Zeit. Gewiß führt das demissionierte Kabinett Luther die Regierungsaeschäste pro­visorisch weiter, doch ein solches Provisoriums­kabinett kann natürlich nicht zu entscheidenden Regierungshandlungen gelangen, wie sie in der Gegenwart notwendig wären. Auch die ver­flossene Woche hat uns hier keinen Schritt weiter gebracht im Gegenteil, die Lage noch verwickelter gestaltet. Während man um die Weihnachtszeit nach dem Scheitern der Mission des demokratischen Reichsministers a. D. Koch glaubte, daß durch die ablehnende Haltung der Sozialdemokraten die Lage geklärt fei und man die Betrauung des bisherigen Reichskanzlers Dr. Luther mit der Regierungsbildung erwartete, ist im Laufe dieser Woche von demokratischer und Zentrumsseite erneut der Versuch unter­nommen worden, doch noch die große Koalition aus der Tauje zu.heben. Zu gliche: Zeit aber wurde in einer Versammlung der Berliner Partei- und Gewerkschaftsfunktionäre eine abermalige Absage an diese Koalition be­schlossen und der Erwartung Ausdruck ge­geben, daß die.sozialdemokratische Reichstags­fraktion, wenn erneut der Versuch der Bildung einer Regierung auf der Basis der großen Koalition gemacht werden sollte, abermals die Beteiligung an dieser Regierungsbildung ab­lehnen werde. Trotz dieser wiederholten Ab­lehnung durch die Sozialdemokratie halten Demokraten und Zentrum daran fest, daß mit der Sozialdemokratie weiter verhandelt werden soll, ja man lehnt eine Beteiligung an einer Regierung ohne Sozialdemokraten ab. Obwohl auch bei einem Teil der letzteren die Stimmung für eine Beteiligung an einer Re­gierung dèr großen Koalition vorhanden ist, so glauben wir doch nicht an eine Wandlung der Auffassung bei den ausschlaggebenden Funk­tionären der Sozialdemokratie, so daß uns die

wenn um die Existenz geht, da schließen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber der Betriebe zu einer Notaemeinschaft zusammen und verteidi-

froßen Not, frei werden von Dogmen, von den Fesseln der Tarifgesetzgebung. Man befürchte nicht etwa, daß mir einer vollständioen Aufhebung der Tarife und einer Lohn- Htu^ «.4l|ttil(1 ^->a-, ^ yCiM unu d»u> drückerei das Wort reden wollen. Nein. aber mit allen zur Verfüauno stehenden Mitteln.

gen ihre Existenz so lange es geht und zwar

' Bildung der großen Koalition nach wie vor als ; durchaus unwahrscheinlich erscheint. Da jedoch die steigende Arbeitslosigkeit wie die ganze Wirtschaftsnot eine alsbaldige Lösung der par­lamentarischen Dauerkrise zur unbedingten Notwendigkeit machen, so wird nichts anderes übrig bleiben, als daß der Reichspräsident den bisherigen Kanzler Dr. Luther mit der Regie­rungsbildung beauftragt. Dieser Akt steht un­mittelbar bevor. Wie nun Luther sein Kabinett zusammensetzen wird, ist noch nicht voraus- zusehen. Wenn die Demokraten und das Zentrum weiterhin auf ihrem Standpunkt ver­harren, sich an einer Regierung ohne Sozial­demokraten nicht zu beteiligen, dann wird Luther zum letzten Mittel greifen und ein Beamtenkabinett schaffen. Daß es sich in diesem Falle wiederum nur um ein Proviso­rium handeln kann, ist klar, und es bedarf unter diesen Umständen keiner Prophetengabe, die Nähe der nächsten Krisis vorauszusagen.

Angesichts der furchtbaren Notlage des deutschen Volkes ist dieser Zustand aufs tiefste zu bedauern und man kann es verstehen, daß hier und da bereits der Ruf nach einem Wirt­schaftsdiktator laut wird. Dennoch können wir uns für diese Forderung nicht erwärmen, ja wir müssen solches Beginnen als ein gefähr- lickes Experiment bezeichnen. Gefährlich in­sofern. als es sich, wie es in einem Leitartikel derDeutschen Bergwerkszeitung" sehr richtig heißt, nur umdie Abschiebung einer eigenen Leistung und Verantwortung auf dengroßen Mann" handelt, deres macken soll"? Wir halten es für ausgeschlossen. daß die ganze Last der Aufoaben auf d-e Schultern eines Mannes aboddinbcn werden kann und we'ter muß man sich fragen, ob ein solchergroßer Mann" überhaupt zu finden sein w-rd. Dieser