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201. Jahrgang.

Hanauer 8 Anzeiger

General-Anzeiger für die Kreise Kanan Stadt und Land.

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Nr. 305

Donnerstag den 3L Dezember

1923

Politische Jahreswen-e

Wenn wir heute Abschied nehmen von dem Jahre 1925 und übertreten in das neue Jahr, so merfen wir nicht nur einen Rückblick auf das verflossene Jahr, sondern unsere Gedanken gehen diesmal weiter zurück. Denn wir haben heute neben der Jahreswende auch Viertel- jahrhundertwende. Heute geht das erste Viertel des zwanzigsten Jahrhunderts zu Ende und da ist es ganz selbstverständlich, daß wir nicht nur Abschied nehmen von dem Jahr 1925, sondern auch von einer Zeitspanne die in ihren An­

ängen als diegute alte Zeit" ewig still, ewig

Versailles folgte Diktat auf Diktat, die Deutsch­land zur Ohnmacht brachten und als Volk ohne Wehr und Waffen willenlos der Entente auf Gnade und Ungnade auslieferten. Zu aller Schmach und Geißelung, zu jeder Erpressertat und jedem Raub wurdeJa gesagt in dem Glauben, daß die Stunde kommen werde, wo die Vernunft bei unseren Gegnern Einkehr halten müsse. Und je mehr wir erfüllten, desto höher und anmaßender wurden die Forderun­gen unserer Feinde. Aber nicht genug damit. ......... t mitRepa-

chön, ewig unerreichbar in der Vergangenheit tehen wird. Als die Silvesterglocken am

gen unserer yembe. Aber nicht < Der Franzose begnügte sich nicht rationen", sein Herz hing zu

51. Dezember 1900 das neue Jahrhundert ein­läuteten, da sah das deutsche Volk mit stolzer Zuversicht in die Zukunft. Friede herrschte, Wohlstand und Kraft in deutschen Landen. Der deutsche Name war geachtet in der Welt, Geist uno Leben funkelten, deutsche Wissen­schaft und Technik besaßen einen Riesentempel des Ruhmes, deutsche Kunst, deutsche Musik beherrschten den Erdball und ein starkes Heer schützte des Vaterlandes Grenzen, die Stätten deutscher Arbeit, deutschen Fleißes. Ja, ein starkes Heer, das die stärkste Waffenmacht der Erde darstellte, nicht um den Frieden zu stören, sondern um ihn zu sichern. Von seinem unbedingten Friedenswillen hat Deutschland oft Beweise abgelegt; oft ballten sich schwarze Wolken am weltpolitischen Himmel zusammen, und stets hat Deutschland seinen Friedens­willen bekundet. Erinnert sei hier nur an die Ba!kan-u. Marokkokrise. Viele Jahre lebten wir ^.Mzusrlëdon in. Eine kleine WirW

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ein ur chaftücher Aufstieg, wie er nur wen gen Völkern in der Geschichte beschieden war. W'r wurden reich, beispiellos re'ch in einer ob- m n kurzen Spanne Zeit, in der die Mecha­nisierung, Unterjochung aller nur möglichen Naturkräfte durch Menschenhand vor sich ging. Immer mehr beneidet wurden die deutschen Leistungen; mit scheelen Augen beobachtete man schließlich Deutschlands wirtschaftliche Kraftentwicklung. Nur ein Fehler wurde be­gangen, der allerdings recht verhängnisvoll werden sollte. Die deutschen Staatsmänner vertrauten lediglich auf den Dreibundsvertrag, den fein Schöpfer, Bismarck, allerdings immer nur als politisches Aushilfsmittel, niemals aber als eine bequeme Sitzgelegenheit für die Zukunft betrachtet wissen wollte. Dadurch wurde Deutschland weltpolitisch immer mehr und mehr isoliert und erst als die Völker, die die Leistungen und die Entfaltung der ökonomischen Kraft unseres Reiches be­neideten, den geeigneten Moment für gekom­men sahen, unserem Aufstieg ein Ende zu be­reiten und der größte aller Kriege ausbrach, da erst sah man sich der bitteren Tatsache gegen­über, daß Deutschland so ziemlich alle n in der Welt stand. Und dennoch sah es am Anfang, als das deutsche Volk den ihm aufgezwungenen Kampf gegen eine Welt der Lüge und Ver­leumdung des Neides u. des Hasses, aufnahm, so aus, als ob unser Volk diesem Kampf ge­wachsen wäre. Ein einig Volk gab es, das cm Bild deutschen Seelenschwunges zeigte, wie es dis Welt von uns nicht erwartet hatte. Doch

rationen", sein Herz hing zu sehr an dem Rheinland und dem Ruhrgebiet und so holte er 1923 auch zu diesem Schlage aus und besetzte es. Gewiß flammte damals in dem zermürbten, politisch zerrissenen deutschen Volke noch ein letztes Mal ein heißer nationaler Wille auf, aber die Hoffnung, durch passiven Widerstand der französischen Gewaltaktion zu begegnen, Das deutsche Wirt-

erwies -sich als trüger schaftsleben verblutete stand mußte schließlich

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waren die w

sich und unser Wider- neber ausgegeben wer- irtschaftlichen Schäden, des Ruhrgebietes im

die jene Beschlagnahme ,

Gefolge hatten, Schäden, deren Auswirkungen aber auch auf die übrigen Völker Übergriffen. Es zeigte sich sehr bald, wie sehr die Entente­mächte unter dem Mangel deutscher wirtschaft­licher Mitarbeit litten. Die Not der amerika­nischen Farmer, die ungeheure Zahl der Ar­beitslosen in England lieferten dafür beredte Zahlen. Diese Not auszunützen, war Aufgabe der deutschen Diplomatie. Letztere hat dies ver­sucht und sie hat auch Erfolge zu verzeichnen,

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spannt und wir hofften, daß der Stabilisierung Der Währung nunmehr auch die politische Stabilisierung folgen werde. Doch diese Hoff­nung hat sich als trügerisch erwiesen. Gewiß ging ein Aufatmen durch das Land, als zu Beginn des Jahres eine bürgerliche Regierung ans Ruder kam, die auch unter tatkräftiger Führung das Staatsschiff über manche Klippen hinweggeführt hat. Doch wenn man die Arbeit der verantwortlichen Volksvertretung betrach­tet, so muß man sagen: die deutsche Zwietracht, die Vernichterin aller Kraft, war auch in diesem Jahre wieder am Werke, der Partei­hader triumphierte und so war eine friedliche, opfervolle Arbeit nicht immer möglich. Das gleiche gilt von der Volksvertretung im Preu­ßenparlament, nur daß man hier auch vor widerlichen Radauszenen nicht zurückschreckte. Eine Stärkung des Reichstabinetts Luther und eine Festigung der politischen Lage in ganz Deutschland wäre zweifellos die Bildung einer Preußenregierung auf wirklich trag­fähiger Grundlage gewesen. Doch alle Versuche in bleser Beziehung scheiterten und die Regie­rung im größten Lande des Reiches steht nach wie vor auf äußerst schwachen Füßen. Der Tod des Reichspräsidenten Ebert, des ersten Reichs­präsidenten der deutschen Republik, hatte Neu­wahlen zur Folge, die ebenfalls die große Zer­splitterung unseres Volkes erkennen ließen. Nach einem erfolglosen Wahlgang mit einer Reihe Kandidaten wurde im zweiten Wahl- Sber von allen Deutschen hochverehrte ralfeldmarschall v. Hindenburg zum Reichspräsidenten gewählt. Im Laufe feiner Amtszeit hat Hindenburg ein lebendiges Bei­spiel gegeben, daß man als Deutscher seine Pflicht tun kann, auch wenn einem Aeußerlich- keiten nicht gefallen, und auch dafür, daß Ar­beit an der Rettung des Volkes hoher steht als um Staatsform und Staatsfym-

Hand gibt, aus der Wirtschaft für diesen Zt herauszuholen, so viel nur sich heraush

weck lolen

läßt, ohne dabei zu bedenken, daß man nicht nur schöpfen kann, sondern auch wieder fülle» muß.

Darin liegt schließlich auch die tiefste Ur­sache unserer ganzen Not, daß wir die lange Zeit, eigentlich seit dem Kriegsanfang, aus dem Vollen unserer Wirtschaft geschöpft haben in dem' Wahn, daß sie unerschöpflich sei; daß wir ihr alle Lasten zur Durchführung der so­zialen und sozialistischen Grundsätze auferlegt haben, ohne uns darüber Rechenschaft zu geben, ob es möglich ist. daß die Produktion diese Lasten tragen kann. Regierung und Par­teien haben sich keine Gedanken darüber ge­macht, wohin die restlose Ausschöpfung der Wirtschaft führt. Die Wirtschaft ist nichts an­deres als das nationale Ernährungs- m i 11 et be 5 deutschen Volkes. Staat und Wirtschaft sind aufeinander angewiesen. Der Staat, der der Wirtschaft nicht Luft und Licht läßt, der sie erdrosselt und erdrückt, der sie auspowert und erschöpft ist mit allem, was er bedeutet, verloren. Man braucht sich nur die gradlinge Fortsetzung der heutigen Kata- strophenvolitik auszudenken. Immer neue Be­triebe brechen zusammen immer gewaltigere Arbeitslosigkeit erschöpft die Kraft, die zu ihrer Milderung erforderlichen Mittel aufzubringen und immer mehr Betriebe hören auf, Steuer­leistungen zu vollbringen. Der Rest wird immer schwächer zu diesem Zweck. Das Schlußergebnis kann ja nichts anderes sein als wie der völlige Zusammenbruch des Staates durch die Unfähigkeit, die Beamtengehälter zu zahlen und damit die öffentlichen Funktionen aufrecht zu halten. Ich habe oft im Laufe des Jahres und auch in den verflossenen Jahren diese meine Meinung ausgesprochen. Immer

es re'chte nicht aus jenes Bild wurde im Laufe der Kriegsjahre mehr und mehr ver­schwommen. Die innere Einheit und Ent­schlossenheit litten Schiffbruch das aus­gehungerte und auspemergelte Volk wurde des Krieges müde und schenkte den gegen den Krieg hetzenden in- und ausländischen Aposteln das Obr und hing schließlich das .Herz an die trügerisch lockende Friedensbotschaft eines Wilson. Nahezu fünf Jahre hatte das deutsche Volk unter Aufbringung beispielloser Ovfer ehier Weltkoalition standgehalten dann brach es zusammen. Und damit stürzte der s'olzs Bau des deutschen Kaiserreiches. Wie es geschehen und unter welchen Umständen, in welch beispielloser Verwirrung und Verblen­dung, ist jedem klar denkenden Mann, der da­bei war, noch in frischer Erinnerung. Furcht­bar waren dann die Folgen des zu frühen Bei- siitestellens der Wüsten und der folgenden Telbstentwaffnung. Im Innern Staatsum­wälzung verbunden mit blutigen Straßen- kämvfen von Volksgenossen geoen Volks- von außen Knechtschaft,

e auyenp ntwicklung

letzten Jahre hat erfreuliche Fortschritte zum Besten der deutschen Sache gebracht. Ueber bas Dawes-Gutachten hat die Außenpolitik zum Londoner Pakte und von da zur Abmachung von Locarno geführt ein Weg, der nicht mit dem der vorangegangenen fünfjährigen Er­füllungspolitik verglichen werden kann. Dort hoffnungslose Leistungen ohne Gegenleistung auf Grund herrischen Diktats ohne eigene Willensbeteiligung hier schrittweise Be­freiung, Leistung um Gegenleistung auf dem Boden grundsätzlicher Parteiengleichheit in Form des Vertrages. Freilich sind angesichts der Riesenverluste des deutschen Volkes die Gegenleistungen noch kümmerlich genug. Die ungeheuerlicheReparation" lastet nach wie vor auf uns, doch in wirtschaftserfahrenen Kreisen der Welt beginnt man einzusehen, daß die im Londoner Pakt übernommenen Wirt- schaftsleistungen sich auf ein Gutachten stützen, das die Leistungsfähigkeit Deutschlands weit überschätzt. Es ist zu hoffen, daß die gegenwär­tige trostlose Lage unseres Volkes auch noch die Augen derer öffnet, die der deutschen Wirt­schaftskraft unmögl ches zutrauen und jede Weigerung auf Böswilligkeit zurückführen. Dr. Georg Solmsen hat kürzlich in einem sehr be­achtenswerten VortragFinanzwirtschaft gegen Parteiwirtschaft" mit Recht gesagt, daß man allmählig erkenne, wie Macht allein nicht mehr im Stande sei, die Wirtschaftsgesetze zu bän­digen, die sich aus der Naturnotwendigkeit des Zusammenlebens der Völker für die sie mit­einander verbindenden Beziehungen ergeben. Auf diese Erkenntnis lassen sich Hoffnungen der Zukunft gründen.

Die Vierteljahrhundertbilanz zeigt uns Deutschlands jähen Aufstieg und Deutsch­lands jähen Fall, ein Schicksal, wie es in seiner furchtbaren Tragik wohl noch keinem Volk der Erde befchieden gewesen ist. Was die außenpoli­tische Jahresbilanz anlangt, so schließt diese immerhin mit einem Saldo zugunsten des Reiches ab, das hoffentlich im neuen Jahre weiter vergrößert wird. Im neuen Jahre wird der tote Buchstabe des Vertragswerkes von Locarno wirklichen, lebendigen Geist annehmen müssen und zwar bereits im Frühjahr. Zu diesem Zeitpunkt ist bekanntlich der Aufnahme- Antrag Deutschlands für den Völkerbund in Aussicht genommen und es muß gefordert wer­den, daß dieser Antrag erst dann gestellt wird, wenn die in Locarno getroffenen Vereinbarun­gen sich wirklich im Sinne einer Entspannung nusgewirkt haben, d. h. die Rückwirkungen auf das Rheinland von Seiten der Vertragsgegner durchgeführt sind.

feiner Amtszeit bis heute die Sammlung aller aufbaubereiten Kräfte. Am Schluß des Jahres trat die Deutschnationale Volkspartei aus der Regierungskoalition und nach Unterzeichnung des Locarnovertrages erklärte das Rumpfkabi­nett seinen Rücktritt. Zahlreiche Verhandlungen zwecks Bildung einer Regierung scheiterten an unserer elenden Parteizerrissenheit und so treten wir ein in das neue Jahr nur mit einem geschäftsführendrn Kabinett. Im Frühjahr des kommenden Jahres wird die Reichsregierung, wie schon gesagt, einer außerordentlich schwe­ren Belastungsprobe ausgesetzt sein, die nach Einheit und Geschlossenheit im höchsten Dienste

m höchsten Dienste für Volk und Vaterland drängt. Statt dessen aber sehen wir ein Heerlager feindlicher

Parteien!

Jnnerpolitisch steht der Stundenzeiger der Jahreswende nicht gut; und wirtschaftlich stehen über der Pforte des neuen Jahres die schicksalsdüsteren Worte: Not und Sorge! Groß ist die materielle Not, trostlos die wirt­schaftliche Lage. Arbeitslosigkeit, Entbehrung und Hunger greifen immer mehr um sich und ein Ausweg läßt sich kaum erkennen. Und den­noch dürfen wir nicht verzagen, die Hoffnung auf eine bessere Zeit nicht verlieren. Mit dieser Hoffnung und mit dem Vertrauen in die Un- vergänglichkcit unseres SolMums und seiner Kraft hine'n ins neue Jahr und damit ins zweite Vierteljahrhundert! R. H.

Das Wirtschaftsjahr 1925.

Von Dr. Otto H u g o, M. d. R., Syndikus der Industrie- und Handelskammer zu Bochum.

Als ich vor Jahresfrist zum Wirtschaftsjahr 1924 Stellung nahm, habe ich das Wesentliche dahin gekennzeichnet, daß das Hauptziel der Wirtschaftspolitik des Jahres 1924 dis Hervor­bringung einer gesteigerten Gütererzeugung hätte sein müssen. Ich habe hinzugefügt, daß die Regierung Marx offenkundig darauf ver­zichtet habe, eine solche Produktionspolitik zu betreiben, im Gegenteil, daß sich aus ihrer ganzen politischen Haltung eine Vernachlässi­gung und Verleugnung der produktionswirt- schaftllchen Gesichtspunkte ergeben habe.

Leider muß von dem Jahre 1925 das gleiche gesagt werden. Wenn wir heute uns in dem ZustandeinerbeispiellofenWirt- s ch a s t s k r i s e befinden, fo ist die Ursache eben darauf zurückzuführen, daß sich seit der Revolution in Deutschland eine völlig ver­fehlte wirtschaftspolitische Auffassung festgesetzt hat und mit ihren staatssozialistischen Grund­

genossen und

wie sie seit der Vernichtung Cartbagos

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'ätzen we-it über die Kreise der sozialistischen Partei binaus die Politik beherrschte. Das ist jener Standpunkt, der dem Staat die Aufgabe zumeist, de Existenz der Menschen zu gewähr­

Die innerpolitische Entwicklung im verflossenen Jahre zeigt ein weniger be­friedigendes Bild. Als wir in das Jahr 1925 ,

eintraten, waren unsere Erwartungen hochge- [ leisten und ihm die gesetzlichen Mittel in die

Beamlenfchaft, aber auch der gewerk'^rft- lichen Schichten beschimpft mit dem Vorwurf, daß ich Jntercssenpolitik vertrete. In Wirklich­keit vollzieht sich nunmehr alles das, was ich als das letzte Ergebnis einer Mal­trätierung der Wirtschaft im Lauf« der Zeit gekennzeichnet habe, in noch brutalerer Weise und gefährlicherem Tempo, als ich selbst es hätte voraussetzen können.

Gegenüber dieser Lage versagt völlig bk Politik, die die Reichsregierung auch im Laufe des Jahres 1925 eingeleitet hat. Gewiß ist es richtig, daß unsere Volkswirtschaft nur wieder in den Gang gebracht, die passive Handels­bilanz nur wieder beseitigt werden kann, wenn wir über den Preisabbau zu einer Ver­billigung der Waren, zu einer Verbesserung der Konkurrenzfähigkeit und zu einer Steige­rung der inneren Kaufkraft der Mark gelangen. Aber die Mittel, die zu diesem sogenannten Preisabbau von feiten der Reichsregierung bis­her angewandt sind, halten sich durchweg an der Oberfläche und sind formalistischer Natur. Man versucht, die Symptome der Krankheit zu bekämpfen, anstatt die Krankheit in ihrem Keim und in ihren Ursachen auszurotten. Die Folge einer moralischen Zerrüttung aller Ge­schäftsprinzipien, wie sie durch Kriegswirt­schaft, Inflation und Kreditnöte der jüngsten Zeit gezüchtet wurde, ist ein Uebelstand, der ausgerüstet werden muß. Aber damit allein ist es eben nicht geschehen. Nicht der üble Wille, nicht der Eigennutz der Menschen hat diese hohen Preise geschaffen, hat die Wirtschaft gelähmt und sie mit der Unterbilanz von fünf Milliarden Goldmark in der Ausfuhr ver­schuldet, sondern die Ursache ist die gewaltige Häufung der Geschäftsunkosten auf die Pro­duktion. Um diese Zustände einer Universal» krise abzustellen, bleibt deshalb auch nichts anderes übrig, als die Unkostensätze zu ver­mindern und neues Kapital zu schaffen. Un­kostensätze sind die gemalt1 gen öffentlichen Ausgaben, die über das Maß des Erträglichen gesteigerten Sozialleistungen, die infolge einer tariflichen Zwangswirtschaft gefesselte Lohn- und Arbeitspolitik, die mit nervöser Hochspan­nung geladene Geldpolitik der Banken und anderes mehr. Will man deshalb retten und will man dem jagenden Verhängnis des Jah­res 1925 Einhalt gebieten, so bleibt nichts an­deres übrig, als den Grundsatz, daß der Staat für alle zu sorgen habe, zu verlassen und an seine Stelle den Grundsatz zu setzen, daß jeder Einzelne im Volke die höchste Energie und die höchste Kraftentfaltung aufzubringen hat, um für den Staat und das Ganze das Meiste zu leisten.

Es bedarf der geistigen und moralischen Umstellung in unserem Volke in der Richtung.