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201. Jahrgang.

ßanauerW Anzeiger

General-Anzeiger für die Kreise Kanan Stadt und Land.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. , Fernsprech-Anschlutz Nr 1237 und 123«

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Sir. 287

Dienstag den 8. Dezember

1925

Für eine Regierung auf breiler Grundlage-,

Das Neueste.

Die Vertreter der Deutschen Volkspartei sollen sich in ihrer gestrigen Besprechung mit dem Reichs- Präsidenten zu Verhandlungen über die Bildung einer Negierung von der Deutschen Bolkspartei bis zu den Sopaldemokiaten bereit erklärt haben.

Admiral v. Be nkr, der frühere Chef der Marine­leitung, der in einer längeren Reise die südamerikanischen Staaten besuchte, ist gestern wieder in Cuxhafen ein« i getroffen.

Der belg sche Ministerrat beschäftigte sich mi den Verhandlungen, die mit Deutschland betreff? Rege­lung der Kriegergräber eingeleitet werden sollen. Man wird Mittel ins Auge fassen^ um die Nücküb rfübrurg her in Deut chland bcir tgfeit Belgier und die Unter­haltung der deutschen Kriegergräber in Belgien zu sichern.

Der Jnvendant des Mannheimer National- thatet«, das für die laufende Spielzeit bereits ein ; resigt von einer Million Reichsmark aufzuweisen hat, hat be!aniiteg>b.n, bay vorher feine Verträge erneuen . werden tönnten, da der Fortbestand des Theaters geialjroet sei.

MWmlprWeut 5W Wer KrediAge»

Der erste Schritt zur Regierungs-

Stiftung.

Zer I Ltionsfuh Her Deutsch _ .

k Eingehenden Besprechungen empfangen. Man I konnte von vornherein gewiß sein, daß Hin­k' denburg darin nicht nur eine Formsache sah, I sondern daß er auch hier den Pflichten seines « Amtes nach bester sachuL-er ueoerze^gung ' gerecht wuroe. In diesem Sinne hat gestern : her Reichspräsident den Auftakt zu der Neu­bildung der Regierung gegeben. Es ist selbst- . verständlich, daß der Reichspräsident durch ^ie Ernennung des Reichskanzlers, die die Verfassung ihm in die Hand gibt, auch schon bis zu einem gewissen Grade den Kurs der zukünftigen Politik bestimmt. In der Persön­lichkeit, die er mit der Bildung des Kabinets beauftragt, liegt doch schon ein gewisses Pro­gramm- Außerdem muß bei der Auswahl einer solchen Persönlichkeit bis zu einem ge­wissen Grade auch schon die Frage aufgewor­fen werden, welche parlamentarischen Mög­lichkeiten der Regierungsbildung für ihn ge­geben sind. Diese Voraussetzungen einer jeden Kabinettsbildung machen es dem Reichspräsi­denten zur Pflicht, vor der Berufung eines neuen Kanzlers die politische Lage ganz genau ?u prüfen und unabhängig von Parteimei­nungen die sicherste und rascheste Lösung ins Auge zu fassen. Nach diesem Grundsatz hat der Reichspräsident gestern bei der Besprechung Wit den Fraktionsführern gehandelt.

Hindenurg ist der Ansicht, daß die soge­nannte große Koalition, die die Deutsche Volkspartei auf dem rechten und die -Maldemokratie auf dem linken Flügel ein« schließt: zur Zeit die geeignete Grundlage für das neue Kabinett ist/Diese Ansicht hat er den Parteiführern gegenüber ausgesprochen. Die âsis soll nach seiner Meinung möglichst weit sein. Sie soll eine Mehrheit umfassen, die der Regierung jederzeit zur Verfügung, Mi- Hindenburg hat auch hier wieder bewiesen, daß er über den Parteien u.hb ihren Gegensätzen steht und " chts weiter als die Sache selbst im Auge hat. v sieht, daß die neue Regierung nur mit einer parlamentarischen Mehrheit Politik auf lange Sicht machen kann, und er zieht daraus

Konsequenzen. Die Parteien werden jetzt r beweisen haben, ob sie auf derselben Höhe der Auffassung stehen- Es handelt sich dabei namentlich um die Haltung der beiden Mittel­parteien, der Deutschen Volkspartei und der Maldemokratie. Die Deutsche Volkspartei e"t am kommenden Donnerstag im Reichstag einer Fraktionssitzung zusammen und wird zu dem Vorschlag des Reichspräsidenten Heilung zu nehmen haben. Zu dem Reichs- 'bnzler Luther, der die Neubildung der Regie- Mg im Sinne des Reichspräsidenten ver- Men wird, hat die Deutsche Volkspartei stets alles Vertrauen gehabt. Wir zweifeln nicht aran, daß sie ihm auch weiter mit ihrem

Stuttgart, 7. Dez. Im Beisein von Ver­tretern der württembergischen und Stuttgarter Wirtschaftskreise, staatlicher und städtischer Be­hörden wurde heute durch den Reichsbank­präsidenten Dr. Schacht das neue G e - bäude der Reichsbankhaupt st eile Stuttgart eingeweiht.Wie das alte Gebäude", so führte Dr Schacht in seiner An­sprache aus,uns ein beredter Zeuge von dem wirtschaftlichen Aufblühen Deutschlands vor dem wirtschaftlichen Niedergang nach den schweren Zeiten des Krieges war, so gibt das schlichte und doch wirkungsvolle neue Gebäude Veranlassung, den Blick vertrauensvoll in die Z u k u n f t zu richten. Es gibt Zeug­nis von dem Wiederaufbau und der Erweite­rung des württembergischen Wirtschaftslebens zum Wohle des ganzen Vaterlandes."

Abends hielt der Reichsbankpräsident im Festsaal der Handelskammer einen Vortrag über Kreditfragen. Zu Beginn seiner Rede wies Dr. Schacht darauf hin, daß von der Kreditseite allein eine Besserung der augen-

blickl'! die

chen Lage nicht zu erwarten sei, daß aber Kreditnot auch nicht die ganze

komme. Dr. Schacht wandte sich dann gegen die Lasten, die der Industrie vom Staateauferlegtwordenseien und führte aus, es fei ein völliges Unding, der kranken und notleidenden Wirtschaft sozial­politische und andere Aufgaben aufzuerlegen, wofür Gelder beim besten Willen nicht vorhan­den seien. ^Es wäre

bedauerlich, wenn man die deutsche Wirtschaft erst zu Tode laufen l-eße, bis die politischen Organe zu dieser Einsicht gekommen seien. Er

sei nach wie vor der Ansicht, daß kommunal- politische und zahlreche staatliche

zurückgeschraubt werden müßten der Lebensnokwendigkeiten der Wirtschaft.

Aufgaben 1 zugunsten deutschen

Dr. Schacht fuhr fort, er glaube, deutsche Wirtschaft über die schweren und

daß die

dierungskrise betrachte und ersuche sie, lhm möglichst bald Mitteilung über ihre Stellung­nahme zur Großen Koalition zu macl>en.

Der Abg. Müller- Franken erwiiderts dem Reichspräsidenten, indem er auf die Er­fahrungen mit der ersten Koalition hinwies

und darlegte, daß die Deutsche Volkspartei den Anschein erwecke, als sei sie eine ausgespro­chene Gegnerin einer Beteiligung der Sozial­demokratie an der Regierung. Auch dürfte in sozialdemokratischen Fraktion Wider­

der

stand gegen eine Beteiligung her Partei Regierung vorhanden sein. Der Reich dent nahm diese Erklärung zur Kenntnis und bat die Fraktionsführer zum Schlüsse nochmals,

an der

Reichspräsi­

des der

ihm am Mittwoch nach der Entscheidung sozialdemokratischen Parteiausschusses und sozialdemokratischen Reichstagsfraktion von der Stellung der Partei Kenntnis zu geben- Die Unterredung dauerte nur eine Viertelstunde.

Darauf empfing der Reichspräsident als Vertreter der Deutschnationalen den Grafen

Westarp und den Abg. Thomsen, ferner, die Abgeordneten Marx vom Zentrum, Koch- Weser von den Demokraten uni) Scholz von der deutschen Volkspartei gleich», falls in einzelnen Unterredungen. Die Vertre­ter des Zentrums und der D e m o k r a » t e n betonten, wie wir hören, die Notwendig­keit der Bildung der großen Koali­tion. Die Vertreter der Deutschen Volkspor»

eichskag Ion der Deutschen Volkspartei ist auf Donnerstag vormittag 10 Uhr einberufen worden.

Um 5 Uhr nachmittags empfing der Reichs­präsident den Vertreter der Wirtschaft­lichen Vereinigung, Reichstagsabge- ordneten Dr. Dr e w i tz. Es handelte sich um die Beantwortung der Frage, wie sich die Fraktion zur Bildung einer Regierung durch Unterstützung einer kleinen oder großen Koali­tion stelle- Der Vertreter der Fraktion machte ihre Entschließung von einer am Mittwoch stattfindenden Fraktionssitzung abhängig. Das wesentliche für die Fraktion ist im Augenblick, ZU wissen, aus welchen Personen das neue Ka­binett gebildet werden soll.

Im Anschluß hieran empfing der Reichs- Präsident den Reichstagsabgeordneten Leicht als Vertreter der Bayerischen Volks­partei. Auch bei dieser Besprechung wurde die Frage der großen oder kleinen Koalition behandelt und dabei gewisse Voraussetzungen für das Zustandekommen einer Koalition be­sprochen. Ob solche Voraussetzungen gegeben sind, wird durch Verhandlungen unter den Parteien zu klären sein. Die Fraktion der Bayerischen Volkspartei wird am Mittwoch abend ihre Entscheidung treffen-

Zusammentritt 6er Reparotrons- kommiffèon.

Paris, 7 Dczbr. Wie derTempS" berichtet, wird die ReparatonSkommifl on am Samstag zu- fammentreten, um von dem Bericht Kenntnis zu nahmen, den der Generalagent für die stlevar.it ons- zablnn en, Sir Parker Gilbert, über bie Surcbfübritng "es Daw' p'ans wâbrend des ersten Fabre» seiner Tâtigkeu unterbreiten werde. Die erste Nniiität in HSte von einer MiUmrde Goldmark fei zu den vor- ^"ebenen Bedingungen und zu den vorg-schiicben-u Fristen b gibst worden. Zu gleicher Zci: würden die Berichte d » Treuhinders für die Jndwtrieo'Maatwneu und der drei Kommissare für die Eiienbabngesellichaft, ne Reichcbank und bie überfälligen Einkünfte studiert warben.

Die Lvhnverhandlungen bei der Reichsbahn vertag!.

Die Lobnverdaiid'ungrn, die gestern nachmittag zwilchen der Haupiverwaltuna der ReichSbah-' und den Eilcnbahw itari'gewcrkscha t n begannen, haben zu keinem Abschluß geführt Sie wurde auf En'e rer Woche vertagt, um der Hauptverwaltung der Reichs- ahn G legenbeit zu geben, zu den Forderungen der risenbabner St'l ung zu nt men.

Der neue französische Botschafter in Washington.

Pari-, 7. Dc.br. Die Hava aiantur bestätigt die Ernern ung des Senators Sera gw zum hau« öfiidien Botschafter in Wachingion Rich bem moigen nattfindenden Mmisterrat werde bie Nachricht off zwll bekannt pe eben werden. Man wisse aber noch nicht, welchen Posten der bisherige Botschafter Daeschuer »»batten werde.

grausamen Augenblicke der Krise nicht hinweg­komme, wenn sie rufe:Hier muß der Staat helfen!" Der Schrei nach Staatshilfe fei eine Vorbedingung für die Sozialisierung, die die deutsche Wirtschaft vermeiden wolle. Vezüglich der technischen und organisatorischen Um­stellung sei er nicht pessimistisch. Der Zusam­menschluß der chemischen und Einsenindustrie,

Not des Landes ausmache. Die Stel-

Kommuniften zu

sprasldent

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gestern die Irak

a do ei sie"setzt in der Lage, weiter entgegenzukommen. Dieses Entgegenkommen zeige sich in der Ermäßi­gung der Zinssätze. Der augenblickliche Zinssatz von 9 Prozent sei der niedrigste Satz für Kredite in Deutschland. Deshalb würde eine weitere Ermäßigung durchaus nicht die Wirkung haben, daß die übrigen Zinssätze fallen würden. Der Umstand, daß die Reichs­bank über einen starken Devffenbestand ver­fügt, ermögliche ferner eine zweite Maßnahme, um der deutschen Wirtschaft zu Hilfe zu kom­men. Die Kredite der Golddiskont­bank, die noch viel zu wenig in den Kreisen der Industrie und des Handels bekannt seien, eröffneten die Möglichkeit, aus dem Devisenbestand der Reichsbank Währungskreditezu erhalten ohne Beanspruchung des deutschen Zahlungsmittel­umlaufes. Diese Kredite seien in erster Linie bestimmt fürdieExportlndustrie. Dr. Schacht drückte seine Freude darüber aus, daß die Auslandskredite, die Deutschland in An­spruch genommen habe, durch die Anleihen der letzten Wochen nicht wesentlich zugenommen hätten, da durch diese kurzfristige Kredite abge­deckt worden seien. Dies sei eine begrüßens­werte Gesundungsbewegung, weil dadurch eine Beruhigung in die deutsche Wirtschaft hinein-

___,,_____ ...r, wie ^, «,»^«»«ro____ lasten, die zur Steigerung unserer internatio nalen Wettbewerbsfähigkeit beitragen müssen. Das gleiche gelte für die Landwirtschaft. Die Rsichsbank tue für sie, was sie nur könne. Sie könne aber keinen Kapitalkredit an die Landwirtschaft geben. Eine ge­wisse kaufmännische Erziehung der Landwirt­schaft würde sehr gute Dienste leisten.

Auch in der Landw rtschaft müsse sehr viel zur Verbesserung der Produktion getan werden.

Zum Schluß kam Dr. Schacht auf die wirt­schaftliche Bedeutung der Locarnover­träge zu sprechen. Die nächste Etappe müsse sein, stabile Währungsverhältnisse in ganz Europa herbeizuführen. Leider zeige die Ge­schichte, daß niemals jemand aus dem Beispiel der anderen lernen wolle. Es wäre das größte Unglück für Europa, wenn noch mehr Staaten am eigenen Leibe diese Erfahrung machen müßten, bevor sie zur Umkehr kommen .

Wenn Locarno gescheitert wäre, wäre das Unheil gar nicht auszudenken.

Das ganze durch den Dawesplan geschaffene Werk der wirtschaftlichen Vernunft wäre zer­stört und die ausländischen Kredite aus Deutsch- land würden zurückgezogen werden.

Die Ausführungen des Reichsbankpräsiden­ten Schacht wurden mit lebhaftem Beifall aus­genommen.

besten Willen und mit ihren bei zur Seite stehen wird. Die andere L _ . auf die es ankommt, ist die Sozialdemokratie. Hier wird sich heute zeigen, wie weit die Be­reitwilligkeit der Sozialdemokraten zu einer Koalitionsregierung tatsächlich reicht. Die Sozialdemokratie hat im Herbst 1923 als Re­gierungspartei nur bewiesen, daß sie in ihrer Haltung und in ihrem Eintreten für das Staatswohl wankend wird, sobald sich ein Konflikt mit ihren Parteiinteressen ergibt- Heute liegen die Dinge so, daß das politische Verantwortungsbewußtsein erst recht gegen alle Lockungen des Parteiinteresses gefeit sein muß. Parteiausschuß und Reichstagsfraktion der Sozialdemokratie treten heute im Reichs­tag zusammen. Sie werden, wie schon gestern an dieser Stelle ausgeführt, auf wirtschaft­lichem und sozialem Gebiete Forderungen aufstellen, und sie werden ihre Bereitwilligkeit zum Eintritt in die Regierung davon ab­hängig machen, daß diese Forderungen in das Regierungsprogramm ausgenommen werden Erft wenn man das sozialdemokratische Pro­gramm genau kennt, wird sich die weitere Ent­wicklung überblicken lassen. Versteifen sich die Sozialdemokraten, wie ihr bisheriges Auf­teten leider befürchten läßt, auf ein Agitations­programm, und auf einen Konkurrenzkampf mit den Kommunisten, so wird es um die Aus-

>sten Kräften sichten der großen Koalition nicht günstig Flügelpartei, stehen. Denn dann wird weder Luther noch

werden die übrigen Parteien imstande sein, denselben Weg emzuschlagen wie die Sozial­demokraten.

Den Wunsch des Reichspräsidenten nach einer raschen Lösung der Kabinettskrisis wird man nur teilen können- Eine andere Frage aber ist es, ob die Mühle der Parteien es nicht auch diesmal wieder vorziehen wird, langsam zu mahlen. Dis Regierungsbildung ist zunächst durch die Aeußerungen des Reichspräsidenten auf ein bestimmtes Ziel eingestellt. Um die Er­reichung dieses Zieles wird und muß gerungen werden. Das wird bei den nun einmal ge­bräuchlichen Arbeitsmethoden des Parlamen­tes viel Zeit kosten.

Die Empfänge der Parteiführer beim Retchspröfiöenien.

Berlin, 7. Dez. Der Reichspräsident begann heute vormittag die Besprechungen über die Neubildung der Regierung mit den Fraktionsführern um 10 mit dem Empfang der sozialdemokratischen Abgg. Müller- Franken und Dittmann. Der Reichspräsi­dent erklärte den sozialdemokratischen Führern, daß er aus allgemeinen und wirtschaftspoliti­schen Gründen die BildungderGroßen K o a l i t i o n als di« gegebene Löiuna der Re-