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Samskag den 5. Dezember

Stift 15

Kanöelsleil

Wirlschafiliche Wochenübersicht.

Von unserm volkswirtschaftlichen Mitarbeiter.

Um der Kreditnot der Landwirtschaft abzu- hat die Reichsregierung sich entschlossen, die chsaetreidestelle, die sich bereits in Liquidation La neu zu beleben und ihr die Mittel zur Ver- iüaung zu stellen, 200 000 Tonnen Getreide anzu- kaufèN' um hierdurch die deutschen Getreidepreise «alliieren zu können. Inzwischen sind am Welt- die Weizenpreise wieder einmal angezogen, i bQt, Aussicht besteht, eine Verschleuderung beut» dien Getreides nach dem Ausland zu verhindern. Wer die Annahme des Gesetzentwurfes zur Sicherung der Ernte wird der Reichstag das letzte Wort zu sprechen haben.

In der rheinisch-westfälischen Montanindustrie scheint in letzter Woche die Lage sich auf Neue ver- chlimmert zu haben. Die englische Kohlen- Subventionspolitik hat zur Folge, daß die englische Sohle in großen Teilen Deutschlands mit der dsut- Aen erfolgreich zu konkurrieren vermag, denn für âc Tonne englischer Kohle zahtt der Staat durch, chnütlich 2 Sh. Zuschuß. In der praktischen Wir- >ung läuft eine falsche Konkurrenz auf ein dumping hinaus, wie es von englischer Seite bisher mit schärfsten Gegenmaßnahmen beantwortet worden ist, wenn ein anderer Staat seinen Export mit solchen Mitteln künstlich förderte. Auch die Reichsregierung wird sich zu Abwehrinaßnahen entschließen müssen, um den deutschen Kohlenbergbau zu schützen, wie das bereits durch Interpellationen von mehreren Seiten her dringend gefordert worden ist. Gerade in dm Montanbezirken des Westens hat die Arbeits­losigkeit einen Umfang angenommen, demgegenüber die Reichsregierung nicht länger untätig bleiben kann. Die im Reichstagoansschutz beschlossene Er- Höhung der Erwerbslosen-Unterstützung mag die âucenblid'lidje Not zu lindern geeignet sein, aber sielst in Bezug auf ihre finanzpolitischen Wirkungen gewiß nicht unbedenklich. Das Ziel einer vernünf­tigen Wirtschaftspolitik kann nur die Beschaffung von Arbeitsgelegenheit sein. Wenn der deutsche Markt wieder der deutschen Kohle gesichert wird, so werden auch die wachsenden Haldcnbestände an der Ruhr abnehmen, und die Bclegschaftsziffern der Zechen,, die heute wieder niedriger sind als vor dem Kriege, werden erhöht werden können. In der letzten Woche haben mehrere große Betriebe des Westens, so z. B. die Gelsenkirchener Bergwerksgesellschaft und die Klöckner-Werke weitere Betriebsein­schränkungen vornehmen muffen.

Es gab aber in der deutschen Wirtschaft in letzter Woche noch mehr Erscheinungen, die bedenklich stimmen müssen. Erwähnt sei die Zunahme der Nach­richten über Insolvenzen in den verschiedensten In­dustriezweigen. Wenn ein Teil davon auch auf un­zutreffenden Gerüchten beruhte, durch die insbe­sondere die Börse ost beunruhigt wurde, so läßt sich doch nicht leugnen, daß die sogenannte Reinigungs- frije in ein Stadium übergegangen ist, in dem auch vorsichtige und gut fundierte Geschäftsleute der Ge­fahr ausgesetzt stnd, ohne eigene Schuld in finan- Beorängnis zu geraten. Die Insolvenz des sächsischen Textilkonzerns Wilhelm Kaufmann ist ein neuer Beweis dafür, daß diese Gefahr durch all- zuMielle Ausdehnung noch erhöht wird. Betriebe, Af,ff <Lâmden haben, ihre Geschäftstätigkeit .recht- Zeitig, und sei es auch umer Opfern, einzuschrünlen, haben die Krise meist besser w überwinden vermocht.

als schnell hochgewachsene Konzerne.

Der Abschluß des deutsch-russischen Handelsver- lg^es,dessen Wortlaut kürzlich veröffentlicht worden ist, raktlsche Bedeutung erst gewinnen, die FragenFter^finanzierung Der deutschen 9ti - Exporte gelöst sind. Rußlands Hunger nachIndustrie-

i, wenn

itfdjen Rußland-

Produkten steht ein ebenso großes Bedürfnis nach Krediten gegenüber, das von Deutschland nicht be­friedigt werden kann. Rußland hat sich aber den Weg zu amerikanischen und englischen Krediten gründlich verbaut. Gewiß besieht in einigen eng­lischen und amerikanischen Kapitaiistenkreijen einige Geneigtheit, die deutschen Exporte nach Rußland mit Pfunden und Dollars zu finanzieren. Aber ab- fâen von den Hindernissen, die das russische

_ mhandelsmonopol überhaupt für leben frucht­baren und ausgedehnten Warenaustausch mit Ruß­land bildet, hat sich bisher gezeigt, daß Amerika sich gegenüber deutschen Industriekrediten viel stärker zurückhält als gegenüber Anleihen öffentlicher Körperschaften. So sehr das nom deutschen Stand­punkt aus zu bedaueren .st weil das ausländische Geld in der Prioatindustrie weit produktiver ar­beitet als im Besitz der Kommunen, so wird man doch mit dieser Mentalität der Amerikaner rechnen müssen. Der plötzliche Ruckzug der amerikanischen Kapitalisten von der Kalinn'e'he spricht in dieser Hinsicht eine deuttiche Sprache. Die Amentanci be­gründen ihre pivtzuhe Weigerung damit, daß das deutsche Kalisyndikat ein Monopolbetrieb sei und daß die amerikanische Regierung gegen Kredite für Monopolunternehmungen grundsätzlich Bedenken hege. Diese Begründung zeigt auch, wie schwierig es lern wird, große AuLcandskapitalien zur Finan­zierung eines Warenaustausches mit dem staatlichen Handelmonopolträger Sowjetrußland heranzuholen. Für die deutsche Wirtschaft wäre es ein schwerer Schlag, wenn an den erwähnten amerikanischen Bedenken die große Ausländsanleihe des Kalisyn­dikats, von der das amerikanische Konsortium zu­nächst 26 Millionen Dollar übernehmen sollte, schei­tern würde. Es besteht jedoch einige Hoffnung, daß auf Grund neuer Verhandlungen die Anleihe doch noch perfekt wird.

Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger der Erwerbslosensürsorge ist in der ersten November- Hälfte von 364 000 auf 471000 gestiegen. Das ist eine Zunahme von 30 Prozent in einem halben Monat. Seitdem ist diese Ziffer noch erheblich weiter angewachsen. Ferner ist auch zu berück­sichtigen, daß die Zahl der Arbeitslosen zweifellos noch beträchtlich größer ist, da ein Teil von ihnen nicht unterstUtzuNgsberechtigt ist De Berichte der Arbeitsnachweise zeigen in manchen Bezirken eine wöchentliche Zunahme der Arbeitslosen um 15 Pro­zent und noch mehr auf. Bei der allgemeinen Ten­denz zu Einschränkungen besteht aber für alle, die arbeitslos werden, kaum eine Möglichkeit, eine neue Arbeitsstelle zu finden. Wenn die allzu große Spanne zwischen den Preisen der Industrie und denen der Agrarprodukte sich infolge Steigens der Lebensmittelpreise verringert hat, so ist auch das eine Entwicklung, durch die die Lage der Arbeits­losen zunächst verschlimmert wird. Im Frühjahr wird die Landwirtschaft in der Lage sein, einem Teil der Erwerbslosen wieder Beschäftigung zu bieten, und dann freilich wird es von großer Bedeutung ein, die landwirtschaftlichen Betriebe durch Be- eitigung der Ursachen der jetzigen Schwierigkeiten der Landwirtschaft zu einer möglichst starken Stei­gerung ihrer Produktion anzureizen.

Am Geldmarkt hat sich in der leßten Woche ein überraschend großes Angebot kurzfristiger Gelder be­merkbar gemacht. Man hat daraus die Folgerung ge­zogen, daß die Reichskankleitung ihren Widerstand gegen eine Herabsetzung des Reichsbankdiskonts nunmehr aufgeben werde. Aber bisher hat sie sich hierzu noch nicht entschließen können, so dringend eine solche Maßnahme auch von manchen Wirt­schaftskreisen gewünscht wird. Der Erfüllung steht neben grundsätzlichen Bedenken vor allem die Tat­sache gegenüber, daß langfristige Kredite trotz des

reichlicheren Zuflusses täglicher Gelder, womöglich noch knapper geworden sind.

Frankfurter Börse.

Frankfurt a. 211., 4. Dez. Tendenz: unentschieden. In Erwartung der Regierungskriese nach der Rück- kehi von Luther und Stresemann, die unter Um- landen auch mit einer Auftösung des Reichstages verbunden sein könnte, verkehrte die Börse heute in außerordentlicher Zurückhaltung und zu kaum veränderten Kursen. Nur gleich zu Beginn des offiziellen Verkehrs fanden einige Abschlusse statt, aber nachdem die wenigen Auftrage erledigt wa>en, trat eine außerordentliche Geschüstsstille ein, die auch später keiner besseren Umsatztätigkeit Platz machte. Nur Phönix eröffneten wieder etwas fester, weil die gestern im Umlauf gewesenen Gerüchte über eine große schwebende Schuld bei Phönix sich nicht bewahrheiten soll. Auch die Schissahrtswerte waren bei der Erösjnung sehr fest. Später mußten aber auch sie wieder etwas nachgeben, ohne aber bis zu den gestrigen Kursen wieder he> abzusinken.

Deutsche Anleihen blieben unverändert und ohne Geschäst. Aus dem Markte für ausländische Reinen waren nur die türkischen etwas fester aus die neuen Auslassungen über die Aufnahme des Zinsen­dienstes.

Der Freiverkehr mar ohne Geschäft. Api 0.400, Benz 26., Brown Boveri 53., Entreprice 8.50, Growag 38, Ufa 46.50 und Untersranken 50.50.

Der Schluß der Börse war überwiegend etwas schwächer und weiter lustlos.

Auf dem Geldmarkt ist eine neue Versteifung eingetreten. Tägliches Geld 10 Prozent, Monats­geld 10 %11%' Prozent.

Die Abendbörse war auf Deckungen im allge­meinen etwas befestigt. Für Aktien ergaben sich durchweg Kursbefferungen von 1 Prozent. Auch deutsche Anleihen und Pfandbriefe sowie ungarische Renten waren etwas fester. Mit Rücksicht auf den bevorstehenden Wochcnschluß war die Umsatztätig­keit aber auch heute wieder gering.

Frankfurter Gctrcidcbörse vom 4. Dezember (Amtlich).

Je 10) kg in Golvmarè:

Weizen (WAterau) .... . 26 2526.75 Gm Roggen (inländischer) .... 18.5018.75

Sommer, .eine tüt Brauzivecke . 23.502&00

Haler liNländiicher) ..... 18.502L60

Hafer lausläudiicher) ....

Mais ig.lb) ..... 20 75-21.00

Weiikniiiebl (südd. Spezial) . . 42.0042.50

Rogg,n:nehl....... 27.2527.76

Weizeuktele...... . 10 90-11.10

Rogacnkleie........11.1011.30

Erbsen, je nach Qual. f. Speilezw.

Vimen

do.

Heu, iüdd., aut, gci. irocken . .

Weizen- ii. Roggenstroh, drahtgepr. *

B erhebet, getrocknet .... ,

Tendenz: Sehr fest auf die stark erhöht«

Weltmarktpreise. DaS Geschäft war aber nicht -raß.

Amtliche «inheltSkttrse Berlin Frankfurt a.

New yort (1 Donar) . . Holland (100 dulden) . . Buenos« tfiires (1 Veto). Brüssel (100 Franken) . . Sbnft'ania (100 M rorten) fiopenbaaen (100 Kronen) . Stockholm (100 Kronen) Helsingior <100 Fmk.) . 3tal rn (100 Lire) . .

ondon '1 Psnnd) . . . Varis (lOo Franken) . . Sâweiz (100 ^ronlen) . . Spanien (100 Pes.) . . . V. -Oesterreich (1 Mill. Kr.) Prag (100 Kronen) . . Budapest (100OoO Kronen) uapan il Den) . . . Rio oe Janeiro (1 Milreis) Bulgarien dOO Lew) . Belgrad (100 Dinar). . Lissabon (100 Escudo) .

Danzig ......

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27,5

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(Klavier) unter Mitwirkung des Herrn

Hans Bottermund ^

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