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301. Jahrgang.

Hanauer W Anzeiger

General-Anzeiger sür die Kreise Kanan Stadl und Land.

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Nr. 234

Donnerstag den 29. Oktober

1925

Das Neueste.

Reichskanzler Dr. Luther hat gestern § Essen eine Rede über die politische Lage gehoben.

Der Vorstand der sozialdemokratischen Siei Hstagssraktion fordert die. Reichstagsauf- löfung.

Die Kommunisten verlangen die Hilfe b?r Sozialdemokraten zur sofortigen Reichs- tagselnberufung.

Doumergue hat Painlevè mit der Neu­bildung des Kabinetts beauftragt. Dieser hat den Auftrag angenommen.

Die Griechen melden einen neuen An­griff der Bulgaren.

Die Partei der Aichlwähler.

Liu Mahnworl zu den Berliner Wahlen.

Die erbärmlid^ Verantwortungs- und Pflichtlosigkeit, die man beschönigendWahl- müdigkeit" nennt, hat nun wieder ein rotes Berlin geschaffen. Die Folgen werden nicht ausbleiben. Wer nicht hören will, muß fühlen. Wer diesen Satz erfüllt Bitterkeit und Empö- rung. Immer wieder, und dieses Mal in beson­ders krasser Weise, das gleiche Bild! Immer wieder bleibt trotz aller Agitation der Parteien und trotz aller Hinweise auf die staatsbürger­liche Verantwortung jedes einzelnen die Wahl­beteiligung weit hinter ihrer Möglichkeit zu­rück. Die höchste Beteiligungsziffer bei den Reichstagswahlen seit 1919 ist rund 80 Proz. der Wahlberechtigten gewesen. Etwa ein Fünf­tel, manchmal auch ein Viertel oder gar ein Drittel von diesen pflegt in Deutschland nicht zu wählen. DiesePartei der Nichtwähler" ist oft schon die stärkste Partei genannt und im Msarnmeirhana damit, die Meinung vertreten worden, daß es nur darauf ankomme, ihm Reserven zu wecken, um gegebenenfalls grund­legende Aenderungen in der Politik herbeizu- führen.

Aus solchen Erwägungen heraus ist schon vor einigen Jahren die Forderung auf Ein­führung der Wahlpflicht erhoben worden, wo­bei auf Einzelheiten für die Sicherung dieser Wahlpflicht (Strafbestimmungen und dergl.) hier nicht eingegangen werden soll. Nament­lich wurde dieser Gedanke mit Nachdruck von mehr rechtsstehender Seite vertreten, und zwar in der Ueberzeugung, daß jeneNichtwähler" in erster Linie den rechtsstehenden Parteien zugute kommen würden.

Dabei handelte es sich freilich zunächst nur um eine Annahme. Wirklich greifbare Unter­lagen gab es nicht. Angesichts dessen ist es ein überaus begrüßenswerter Versuch, den der Direktor des Stattstischen Amtes der Stadt Mülheim-Ruhr Wohlfarth in Nr. 1 derMit­teilungen zur Statistik der Stadt Mülheim an der Richr" unternommen hat, indem er ge­legentlich einer eingehenden Betrachtung der 1924er Reichstagswahlergebnisse insbesondere auch die Personalverhältnisse der Nichtwühler m dieser Statistik untersucht hat. Dabei er­geben sich u. a. folgende interessante Feststel- Egen, zu deren Erhärtung hier auf die Bei­bringung der einzelnen in der Quelle enthalte­nen Zahlen wohl verzichtet werden kann.

Im allgemeinen ist die Nichtbeteiligung an der Wahl unter den weiblichen Personen ftarker als bei den männlichen. Die Differenz P jedoch bei den ledigen Personen nur gering, während die Quote der verheirateten Nicht­wählerinnen fast doppelt so groß ist, als die- lenige der verheirateten Männer

2. Hinsichtlich des Berufes fällt bei den Mannern der recht erhebliche Anteil der Ar- veiterbevölkerung auf, die allerdings relativ ourch die Wahlmüdigkeit der Rentner und Pensionäre sowie (eine besonders unerfreuliche -Tatsache) der Angehörigen der Berufsabtei- lungenöffentlicher Dienst" (Beamte) und »sreie Berufsarten" übertroffen wird. Bei den

Frauen stellen die Dienstmädchen das Mfcheidende Kontingent; ohne diese Berufs- ?PPe wäre ihre Wahlbeteiligungsquote er= Wita? größer als diejenigen der ledigen Män- ^r ^E^ Feststellung für die

3. Damit hängen auch einige Feststellungen ver die Altersgliederung zusammen. Der ^rad der Wahlbeteiligung steigt im allgemèi- /n mit dem Alter bis zu" 55 Jahren, um von a ab wieder zu fallen. In der jugendlichsten ruppe (2025 Jahre) wählen beide Geschlech- f L3U le fast einem Drittel nicht. Gleichgültig- , u, alles andere überwuchernde Beschäftigung

sport und dergleichen dürften die Ur-

Der Reichskanzl

Essen, 28. Okt. In Erwartung der heutigen politischen Ausführungen des Reichskanzlers füllte ein nach mehreren Taufenden zählendes Publikum den großen Saal des städtischen Saalbaues bis auf den letzten Platz. Um 9.15 Uhr erschien Reichskanzler Dr. Luther, mit Händeklatschen lebhaft begrüßt. Er wies ein­gangs feiner Rede auf die Bedeutung der Essener medizinischen Woche als kulturvermit­telnde Einrichtung hin, sowie auf die besondere Bedeutung des Ruhrbezirks für die Arbeit der deutschen Wirtschaft. Als Thema für seine Betrachtungen habe er die Frage gewählt:

Was bedeutet Locarno?

Gliederung und Aufbau des Vortrages wollte er im Rahmen der medizinischen Woche an­passen an die medizinischen Begriffe: Anam­nese-Gesundheitsziel Therapie-Prognose, Vor dem Kriege sei die Grundlage für die politische Gestaltung Europas das System der Gleichgewichtserhaltung gewesen. In der Nachkriegszeit sei durch die Schaffung von zwei Kategorien von Staaten, den Entwaffneten und den Bewaffneten, das Gleichgewicht ge­stört worden.

Aufgabe der deutschen Nachkriegspolitik sei, Deutschland als gleichberechtigten Fak­tor in das europäische Staakssystem wieder einzufügen.

Gleichberechtigung sei Voraussetzung für jede fruchtbare Mitarbeit an den großen gemein­samen Aufgaben. Die außenpolitischen Sor­gen, die das deutsche Volk bewegen, knüpfen zunächst an die große Frage der allgemeinen Entwaffnung an, die im Vertrag von Versail- Locartto habe die Frage der Entwaffnung eine wichtige Rolle gespielt.

Das oberste Ziel von Locarno sei aber die Schaffung von Sicherungen für den Frieden.

Zu diesem Zweck diene in erster Linie der in Locarno weitgehend verwirklichte Gedanke des Schiedsverfahrens,

Der Reichskanzler gab anschließend eine eingehende Darlegung des Sicherheitspaktes, unter besonderer Berücksichtigung einzelner die Oeffentlichkeit besonders interessierender Probleme. Das Schiedsgerichtssystem habe sich in den Erörterungen in London und Locarno als geeignetes und wirksams Mittel zur Siche­rung des Friedens bewährt. Der Reichskanzler erörterte alsdann

die einzelnen Bestimmungen des Sicher- Heikspaktes, beginnend mit der Präambel und danach über­gehend zu den Vorschriften für Artikel 1 und 2, deren Inhalt für den Rhein und das Ruhr­land von befonderm Interesse sei. Auch die im Susammenhang stehenden Vorschriften der ölkerbundssatzung wurden zur Erläuterung mit herangezogen, insbesondere diejenigen, welche auf Konflikte zwischen den Staaten, der Bestimmung des Angriffs und der Regelung von Rechten und Pflichten der Beteiligten dienen. Was die Ostfranen anbelangt, so sei hier im Hinblick auf die Führung der deutschen Ostgrenze eine andere Lage gegeben als im Westen. Aber auch hier stehe das Friedens­ziel, wie in der Präambel zu den Ostschieds­verträgen zum Ausdruck gebracht fei, im Vor­dergrund. Die in Locarno getroffenen 'Ab­machungen zwischen Frankreich und Polen bezw. der Tschechoslowakei hielten sich genau an die im Völkerbund getroffenen Abmach­ungen, wozu noch vom deutschen Standpunkt aus hinzukomme, daß beim etwaigen Eintritt des Garantiefalles die englische und italienische Garantie zu Deutschlands Gunsten mittelbar wirksam werden könne.

Zur Frage des Artikels 16

der Völkerbundsfatzung wies der Reichskanz- ler auf die Beziehungen Deutschlands zu Ruß­land hin, welche, wie der jüngste Abschluß des

4. Gerade dieser höhere Grad der Nicht- wahlbeteiligung in der an sich erfahrungsge­mäß dem Radikalismus auf beiden Seiten stark zugeneigten Jugend gibt zu kritischen Be­wertungen des weiterhin über das Verhältnis von Parteikonstellation und Nichtwählern in der Mülheimer Statistik Gesagten Veran­lassung. Nach den dortigen Zahlen ergibt sich nämlich, daß die Nichtwahlbeteiligung in den verschiedenen Stadtgegenden sinkt und steigt mit sinkender und steigender Stärke der Links- varteien. Mit anderen Worten:Je stärker die

er über Locarno, deutsch-russischen Handelsvertrages beweise, durch das Werk von Locarno keine Aenderung erlitten hätte. Die deutsche Stellungnahme zum Artikel 16 sei bestimmt durch die beson­deren Rechte Deutschlands in Bezug auf den militärischen Rüstungsstand und durch seine geographischen Verhältnisse.

Der Reichskanzler berührte im Zusammen­hang auch die übrigen mit

Deutschlands Eintritt in den Völkerbund zusammenhängenden Fragen. Abschließend ging der Reichskanzler zur Prognose über, zu Betrachtungen der Frage, wie das in Locarno Erreichte sich in der Zukunft auswirken werde. Hier stelle er den Gesichtspunkt in den Vorder­grund, daß ein Erfolg nicht deswegen abge­lehnt werden dürfe, weil er nicht alle gehegten Wünsche erfülle. Der Weg zum Aufstieg sei mühselig und langsam. Ein Rückblick auf die vergangenen Jahre ergebe jedoch, daß ein positiver und beständiger Fortschritt festzustel­len sei. In dieser Beziehung komme dem Ar­tikel 6 des Sicherheitspaktes besondere Be­deutung zu. Hier sei in der Einfügung des Schiedsverfahrens über die Regelung des Londoner Abkommens hinaus ein bedeutender Fortschritt erzielt. Die besondere Bedeutung des Artikels 20 des deutsch-französischen Schiedsvertrages wurde in diesem Zusammen­hang erläutert.

Der Reichskanzler setzte sich alsdann mit den Einwendungen und Bemängelungen aus­einander, welche gegen das Werk von Locarno laut geworden seien und wies abschließend auf die großen allgemeinen Gesichtspunkte Weltwirtschaft in Betracht gezogen werden müßten.

Zur Frage der Rückwirkungen unterstrich der Kanzler mit besonderem Nach­druck die Notwendigkeit der Schaffung einer Grundlage, auf der dem schwer geprüften deut­schen Volke Vertrauen in die Zusicherungen und Glauben an den Frieden der Zukunft er­wachsen könne. Es bestehe kein Zweifel daran, daß, wenn die Rückwirkungen, insonderheit hinsichtlich der Rheinlandfragen, in dem Sinne behandelt würden, der die logische Auswirkung der Verhandlungen in Locarno darstelle, dann eine große Mehrheit des deutschen Volkes dem Vertrag von Locarno zustimmen würde. Dem­gegenüber sei es eine Frage von Nachgeordne­ter Bedeutung, in weicher Weise dieser sichere deutsche Volkswille seinen endgültigen Aus­druck finde, sei es im Parlament, wie es jetzt bestehe, sei es durch Befragung des deutschen Volkes selber. Allen deutschen Parteien rufe er, der Reichskanzler, zu, daß es sich jetzt nicht darum handle, Politik im gewöhnlichen Wort­sinne zu treiben, sondern daß

das deutsche Volk jetzt vor geschichtlichen Aufgaben stehe.

Daß eine außenpolitische Entscheidung von solcher Tragweite tiefe Spuren in die gesamte politische Entwickelung eines Volkes grabe, entspreche aller geschichtlichen Erfahrung.

Er, der Reichskanzler, werde seine ganze Kraft daran setzen, daß die großen außen­politischen Fragen wirklich reif werden zur Entscheidung durch das deutsche Volk. Das sei seine Aufgabe im Dienste des gesamten deutschen Volkes, die höher stehe, als irgendwelcher Parteigesichtspunkt.

In dieser Stadt," so schloß der Reichskanz­ler,in der ich die Ehre und das Glück gehabt habe, als Oberbürgermeister zu walten, weiß jedermann, daß der gegenwärtige Reichskanz­ler Parteigesichtspunkte nicht kennt. Aber ich glaube an Deutschland!"

Lang anhaltender Beifall lohnte die Aus­führungen des Reichskanzlers. Hierauf wurde begeistert das Deutschlandlied gesungen.

Wahlbeteiligung, umso größer der Erfolg der Rechtsparteien". Dieser Parallelismus würde mit der ersten Feststellung, daß die weiblichen Wähler im allgemeinen schlechter wählen als die männlichen, und mit der weiteren nicht nur für Mülheim, sondern ganz allgemein aemach- ten Erfahrung, daß die weiblichen Wähler im allgemeinen mehr nach rechts als nach links neigen, zusammenstimmen. Auf der anderen Seite aber zeigt sich, daß gerade die ledigen Wähler, in denen nach dem Gesagten doch ein Hauptteil der Nichtwähler stecht. È allas-

meinen in den mehr rechts orientierten Be­zirken wesentlich schlechter wählen, als in den mehr links orientierten. Hieraus ergeben sich gerade die umgekehrten Folgerungen:Je mehr ledige Wähler, umso größer der Erfolg der Linksparteien." Der Widerspruch löst sich vielleicht so auf, daß auch in Mülheim eine Steigerung der Nichtwahlbeteiligung über eine bestimmte Grenze hinaus nicht der Rechts-, son­dern der Linksbcvxgung zugute kommen würde. Damit scheinen auch anderwärts ge­machte Beobachtungen übereinzustimmen. Sie sind mehrfach dahin gegangen, daß bei beson­ders stark zugenommener Wahlbeteiligung dies zu Gunsten nicht wie erwartet der Rechts- oder allgemein der bürgerlichen Parteien, sondern der Linksparteien ausgeschlagen ist.

Man wird noch weitere Untersuchungen an­stellen müssen, ehe man den für und von Mül­heim gezogenen Folgerungen uneingeschränkte und allgemeine Gültigkeit beimessen könnte. Weg und Vorbild dazu weist auf jeden Fall die besprochene Arbeit, durch deren Abfassung sich der Statistiker und um deren Veröffentlichung sich der Oberbürgermeister von Mülheim ein dankenswertes Verdienst erworben hat. Daß eine weitere statistische Klärung des ganzen Problems Partei- und darüber hinaus staats- polittsch von eminenter Bedeutung ist, braucht nicht besonders gesagt zu werden.

Die Sozialdemokraten verlangen die Retchsiagsauslösung.

Berlin, 28. Off. Das Nachrichtenbüro des Vereins Deutscher Zeitungsverleger mel­det: Der Vorstand der Sozialdemo­kratischen R e i ch s k a g s f r a k t i o n kcal am Mittwoch zur Prüfung der politischen Lage zusammen. Er gab nach etwa zweistün­diger Verhandlung folgendes E o m m u-

faffung, daß sich durch den Lmslritt dec deutschnationalen Minister an der scharfen Oppositionsstellung der Sozialdemokratie gegen die Regierung Luther nichts geändert hat. Der Austritt der Deutschnationalen be­weist nur, daß es unmöglich ist, mit dieser Partei eine den deutschen Interessen ent­sprechende auswärtige Politik zu führen. Die Sozialdemokratie kann nicht daran denken, die Deutschnationalen aus der Verantwortung zu entlassen und in diesem Reichstage den Ver- irag von Locarno, in dem sie den großen Er­folg ihrer eigenen außenpolitischen Richtlinien erblickt, gegen die deutschnationalen Stimme» zu ratifizieren. Sie sieht den geeig- nelen Weg zur Lösung der Krii e' in der Befragung des Volkes ver­mittels der Auflösung des Reichs­tages. Der Fraktionsvorstand wird die Reichstagsfcakkion zum Freilag, 6. November, embernfen, um zur Situation, insbesondere jur Frage des Zusammentritts des Reichs­tages Stellung zu nehmen.

Der Vorstand der sozialdemokratischen Rcichstagsfraktisn beschäftigte sich am Mikk- woch auch mit der Wirtschafts- und der Finanzpolitik bet Regierung. Er mißbil­ligte insbesondere die allge­meine S t e u c r, die in erster Linie von den breiten Masten des werktägigen Volkes auf- g-bracht würden und zur Unterstützung groß­agrarischer und großindustrieller Unter­nehmungen verwendet werden. Diese Ver­wendung ist umso bedenklicher, als sie ohne parlamentarische Genehmigung und öffentliche Kritik erfolg: ist

Der Vorstand erhebt ferner gegen die Absicht Einspruch, daß öffentliche Mittel auch }ur Stützung verkrachter Unternehmen des ic'chslandesbnndcs und damit zur Förde­rung deutschnationaler Parteizwecke verwen­det werden sollen.

Die Kommunisten an die Sozial- Ssmokraiep.

Berlin, 28. Okt. Im Auftrage des Vor­standes der kommunistischen Reichstagsfra'k- tion hat der Reichstagsabgeordnete Stöcker heute an den Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion folgendes Schreiben gerich­tet: Am gestrigen Tage hat unsere Fraktion di« sofortige Einberufung des Reichstages ver­langt. Diese Forderung hat der stellvertretende Präsident Dr. Rießer abgelehnt, mit der Be­gründung, daß die Erfordernisse des Art. 24 Abs. 1 der Reichsverfassung nicht erfüllt sei.» Da dieser Artikel vorsieht, daß ein Drittel der Reichstagsmitglieder die Einberufung ver­langen muß, ersuchen wir sie, unseren Antrag zu unterstützen, damit auf diese Weise das er­forderliche Drittel hergestellt wird und her Reitluttan sofort einberufen werden muß.