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201. Jahrgang.

SanauerS Anzeiger

General-Anzeiger für die Greife ^anau Sladt und Land.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Fernjprech-Anschluß Nr. 1237 und 1238.

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Nr. 247

MMwok den 21. Oktober

1925

Die Kabinettssitzung verschoben

Die Durchführung der ^Rückwirkungen" als Voraussetzung für die Annahme des Vertragswerkes.

Das Neueste.

Der für gestern geplante Kabinettsrat über Locarno ist verschoben worden.

Die Vertreter des besetzten Gebietes wurden gestern vom Reichskanzler und Außen­minister empfangen.

Der frühere österreichische Bundeskanz­ler Dr. Seipel erklärte, daß bei einer Volks­abstimmung in Oesterreich 90 Prozent der Be­völkerung für den Anschluß an Deutschland stimmen würden.

Die Memeler Wahlen haben einen über­wältigenden Sieg der Memeler Einheitspartei ergeben.

Der verschobene Kabinettsrar.

Berlin, 20. Okk. Das Reichskabinett hak, entgegen den ursprünglichen Dispositionen, heute vormittag die Beratung des Konferenz- ergebnifses von Locarno nicht fortgesetzt, weil Ministerialdirektor Gaus im letzten Augenblick durch anderweitige Inanspruchnahme an der Berichterstattung im Kabinett verhindert wurde.

Die Vertagung der Kabinettssitzung, die auf erfolgt und nicht etwa weil, wie man bereits munkeln hörte, sich unter den Kabinettsmitglie­dern selbst Differenzen ergeben hätten. Es wird in unterrichteten Kreisen nach wie vor . angenommen, daß Reichspräsident und Reichs­kabinett einstimmig das Verhalten der deut- i Ichen Delegation billigen und das Vertrags­werk gutheißen werden. Die endgültige Ent- chèidung, ob die Unterschrift vollzogen werden ; oll, kann natürlich erst getroffen werden, wenn

i sich das Ergebnis der diplomatischen Verhand- ' langen mit Frankreich über die poin^chen Rückwirkungen übersehen läßt. Ob mit der er- bofften Räumung Kölns auch die Akten über die Entwaffnungsfrage und die Luftfahrtkon- ; trolle geschlossen werden, wird neuerdings be- I zweifelt.

I heute wird die Fraktion der Deutschnatio- nalen zusammentreten. Es heißt, daß die Ve- . Üttingen sich mehrere Tage hinziehen sollen. . â Endettekt rechnet man damit, daß auch die Deutschnationalen dem Vertrag von Locarno Ichbeßlich die Zustimmung nicht versagen wer­ben, wenn dieRückwirkungen" durchführt Harden. Von dieser Voraussetzung gehen so­wohl die Regierung, als auch die anderen Par­teien aus. Damit wäre die sogenannte Ein­heitsfront hergestellt.

Die Rheinländer beim Kanzler.

- .®e r l.in > 20. Okt. Auf Einladung der âeichsregierung fanden sich heute nachmittag ?Eâkanzlei eine größere Anzahl Ver- ^eE besetzten Gebiete ein. Außer Reichs- u^ Landtagsabgeordneten waren Ver- oer Staats- und Kommunalverwal- ungen, der Wirtschaft und der Gewerkschaften ^^^"en. Der Reichskanzler und der Reichs- ! "»enmmlfker gaben eine Darlegung der Ver- nÄÄ-^brfe von Locarno, unter besonderer «^^'chkigung ihrer Rückwirkungen auf die .;,^'âtfbfrage. Hieran schloß sich ein längerer angehender Gedankenaustausch über die »Ä®yt^^ °" B»ölta0ng de» l i n, 20. Off. Zu der Aussprache der der rheinischen Bevölkerung mit den Delegierten des Reiches auf der Konferenz von rhoC-ar-^ erfä$rf das W.T.B. von prominenter ! rheinischer Seite:

p ®ic eingehenden Darlegungen des Reichs- i rs und des Reichsaußenministers ver- To-t ns offerlficbt^i^^ nicht ihren Eindruck bei den . rimehmern. Es wurde allgemein zum Mus- gebracht, daß das deutsche Volk beiden i . und ihren Mitarbeitern für ihre 2. auf der Konferenz zu besonderem Dank nt? ^b Zu der großen politischen Frage, i".uas Abkommen annehmbar oder nicht an- i - llmbsr sei, wurde nicht Stellung genommen, [ Sroeif der Besprechung war auch nicht der, L nc solche bestimmte Stellungnahme aus den

Wrei^s äswW mit Ma Md der MWmM

paris, 20. Okt. Der französisch-polnische Schiedsgerichtsvertrag, der mit dem französisch- tschechischen Schiedsgerichtsvertrag im Wort­laut vollkommen identisch ist, besteht aus vier Paragraphen.

§ 1. Für den Fall, daß Polen oder Frank­reich durch einen Verstoß der heute von ihnen und Deutschland zur Aufrechterhaltung des allgemeinen Friedens übernommenen Ver­pflichtungen berührt werden, verpflichtet sich Frankreich und umgekehrt Polen, in Anwen­dung des Artikels 16 des Völkerbundpaktes sich

er-

unverzüglich Hilfe und Beistand zu leisten, wenn ein solcher Verstoß von einer unprovo­zierten Ergreifung der Waffen begleitet wird.

Für den Fall, daß der Völkerbündsrat bei Beurteilung einer Frage, die auf Grund der wähnten Verpflichtungen zu seiner Beguti , tung unterbreitet wird, es nicht durchsetzen kann, daß ein'Bericht von seinen sämtlichen Mitgliedern und den Vertretern der beteiligten

Begutach-

Sicherheit ü

nicht teilen, das

morgen schreibt

begründen können/ ««g RutzlanSs.

griffen mtro, weroen um­gekehrt Polen auf Grund des Artikels 16 Ab­satz 7 des Völkerbundspaktes unverzüglich Bei­stand und Hilfe leisten.

§ 2. Der vorliegende Vertrag wird den Rechten und Pflichten der vertragschließenden Parteien als Mitglieder beS' Völkerbundes kei­nen Abbruch tun und nicht als Einschränkung der Aufgaben des Völkerbundes ausgefegt wer­den, die darin bestehen, die zur wirksamen Sicherung des Friedens notwendigen Maß­nahmen zu beschließen.

§ 3. Der vorliegende Vertrag wird gemäß den Paktbestimmungen vom Völkerbund regi­striert werden.

§ 4. Der vorliegende Vertrag wird ratifiziert werden. Die Ratifizieruttg wird beim Völker­bund in Genf gleichzeitig mit der Ratifizierung des heute zwischen Deutschland, Belgien, Frank­reich, Großbritannien und Italien unterzeich­neten Vertrags und des Vertrags der mit dem­selben Datum zwischen Deutschland und Polen abgeschlossen wird, niedergelegt werden. Er wird unter denselben Bedingungen wie die ge­nannten Verträge in Kraft treten und bleiben. Der vorliegende Vertrag, der in einem einzigen Exemplar ausgefertigt ist, wird in dem Archiv des Völkerbundes niedergelegt, dessen General­sekretär ersucht wird, jedem der vertragschlie-

heir.ischen

ihre Wünsche und Forde-

und der Heinland

Paktes auf bei kam du

Kreisen des Rheinlandes enkgegenzunehmen. Dagegen hakten die rheinischen Vertreter aus­giebige Gelegenheit, ihre Wünsche utT rungen bezüglich des Rheinlandes Rückwirkungen des Paktes auf das 7 , auszusprechen. Dabei kam die lebhafte Ent­täuschung allerseits zum Ausdruck, daß es nicht gelungen war, in Locarno bi n- dende Abmachungen über Erleich­terungen für das besetzte Gebiet f e st z u l e g e n mit Ausnahme der immerhin nicht unwesentlichen Bestimmung, daß in Zu­kunft die Handhabung auch des Rheinland­abkommens unter der Schiedsgerichtsklausel des Paktes stehen soll. Die Annahme des Paktes wird nach rhe-niicher Auffassung davon abhängen müssen, ob die von den fremden Staatsmännern in Aussicht ge­stellten einschneidenden Auswirkungen im Rheinland in den nächsten Wochen wirklich einkreten oder nicht.

Die Handelskammer Mannheim.

"«ttlietnt, 20. O'tbr. Die Handelskammer 'ür b'n Kreis Mann beim bat in einer Volllidung am 20. Okiober 1925 zu den Vertrag n von Locarno die anstehende Ent chließnng ein" 'mmig angenommen:

Sie Verban nungen und das Abkommen von Locarno stellen einen bedentlamen Fortschritt auf dem Wege zur politischen und wntsr.nfMchen Beiri dung Europas mr, weil sie eine völlige Umkehr der seit Veriailles beliebten Ve'bandlungSmethode bedeuten und aus der

ßenden Parteien beglaubigte Abschriften zu übermitteln.

Die Zusatzabkommen zwischen Frankreich, Polen und der Tschechoslowakei sehen in ihrem Artikel 1 sehr bedrohlich aus und sind geeig­net, schwere Bedenken auskommen zu lassen. Nach dem Verttogswevk von Locarno ist zwar die französische Ostgarantie durch die Vorder­tür entfernt worden, sie tritt aber durch eine Hintertür wieder zum Vorschein. Die fran- zösifch-polnischi-tschechischen Rückversicherungs­verträge werden jetzt in ihrem Wortlaut be­kannt und sind geeignet, den Rheinpakt zu ent­werten. Rheinpakt und Zusatzabkommen wei­sen hier in der juristischen Konstruktion eine Lücke auf, durch die Frankreich durchzuschlüpfen beabsichtigt, was jedoch verhindert werden muß. Wir können hier den Optimismus des Stresemann nahesteheniden Blattes, derTägl. Rundschau" und das rosenrote Vertrauen auf

Man darf auch bei der Beurteilung des fran­zösisch-polnischen und tschechoslowakischen Ver­trages nicht zu sehr am Buchstaben kleben, son­dern muß dem Geiste von Locarno und den neu geschaffenen Verhältnissen zwischen Deutsch­land und Frankreich, sowie der neuen Stellung Deutschlands unter den Großmächten ver­trauen. Manches, was noch aus der Nach­kriegszeit in die neue Aera hinübergeschleppt wird, ist mittlerweile erstarrt und unzeitgemäß geworden und kann bei Auswirkung des Pak­tes nicht mehr zum Lasten erweckt werden. Die

Verträge Frankreichs mit den Oststaaten hebern ten daher weder eine Beunruhigung n

Beeinträchtigung der in Locarno

) eine fenen leinen

Friedensgrundlage. Frankreich glaubte, bisherigen Schutzstaaten diese Zusicherung nicht versagen zu können;aktiich dürfte sie sich aber niemals auswirken. Wir glauben auch nicht, daß Polen oder die T^--boslowaksi ihre Politik gegenüber Deutschland auf diese Ver­

träge ein^uffeHen gedenkt. Auch sie werden ihre Politik nach dem entscheidenden Westpakt einrichten müssen."

Wir hoffen, daß die Sorgen, die sich aus den französisch-polnischen Abmachungen er­geben, schleunigst beseitigt werden.

Erkenntnis geboren finb, daß nur aus Bei Handlungen auf dem Fuße der Gleichberechtigung eine B-krieduna Curepas uno eit ^vberaufbiu der enrovä schen G" mmtwirtschakt möglich ist. Es steht zu ermatten, daß wenn in diesem Geiste bei anen Völkern und in allen Kreisen weiter gearbeitet wird, eine Annäherung der Völker uni eine allmähliche W ederherstellnng Em opas erreicht werden kann. Wir hier am Rum uno an einem Platze. der über ein Jihr nach Aufhebung der Besetzung noch unter den He msuchungen der Beltzung aur ras Schwerste zu lewen hat, sind der Rei sre- gierung für ihre Tat zu besonderem Tank veivflxhtei und erwarten mit Znv rfickt, daß die Rückwirkungen der Vcrhaiidliingen von Locarno sich für die besetzten Gebiete in Bälde in erfreulicher Weise geigen werden

Französische Befriedigung über die Verträge von Locarno.

Paris, 20. Okt. Erst die heutigen Abend- blätter äußern sich ausführlich über die in Lo­carno abgeschlossenen Verträge, deren Texte heute morgen veröffentlicht wurden. Man kann aus den Kommentaren ersehen, daß bis weit in die Reihen der B l o ck n a t i o n a i i fte n hinein vollkommene Befriedign ng über das von Briand erzielte Resultat herrscht. So bemerkt der nationaleTemps":Der Ver­trag von Locarno schützt die Rechte Frank­reichs in wirksamer Weise. Er mürbe tatsäch­lich, wie es die französische Politik anstrebte, im Rahmen des unverletzten Versailler Ver­trags abgeschlossen und feine Anwendung kann

ein wirksames Frredensinstrmnent für Europa werden/ Nichtsdestoweniger glaubt dieses Blatt verpflichtet zu sein, die Möglichkeit eines Vertragsbruchs von feiten Deutschlands in Erwägung zu ziehen und seine Glossen darüber zu machen.

Die einen Blätter begnügen sich mit dem Hinweis darauf, Deutschland werde sich jeden­falls hüten, durch eine Verletzung der Abkom­men die öffentliche Meinung der Welt gegen sich aufzubringen, andere berufen sich auf die Garantie Englands und warnen Deutschland, seine Verpflichtungen zu verletzen. Der Ton der Presie gegenüber Deutschland erscheint kaum gemildert. Man zieht nach wie vor den Friedenswillen des deutschen Volkes in Zwei­fel. Als Musterbeispiel sei eine Bemerkung des konservativenJournal des Debatts" erwähnt. Das Blatt schreibt:Was Frankreich betrifft, so wäre seine Freude berechtigt, wenn das deutsche Volk vom gleichen Geiste beseelt wäre wie das französische. Wenn der Friedenswille auf der anderen Seite des Rheins vorherr­schen würde wie auf dieser Seite, so könnten die Bestimmungen des Rheinlandpaktes und der Schiedsvertiäge uns in vollem Maße be­ruhigen, soweit schriftliche Abmachungen die

Paris, 20. Okt. ImQuotidien" erklärt der 'ozialist 'che Abgeordnete Krumbach, der als Sonder­berichterstatter des Blattes der Konferenz von Locarno beiwohnte, Cbambcrlain, Briand und Vandcrvelde bötien ausdrücklich gesagt daß man den Sicherbeits- Pakt unter kernen Umständen als ein Krieosbündnis gegen Rußland an'fassen dürfe, Streiemann hätte noch­mals betont, daß Deutschlano durch een Slcherheits- Vakt und Völkerbundeintritt nickt beabsichtige, seine guten Beziehungen mit Rußland aufzugeben. Brrand erklärte darauf mit starker Betonung, es sei ihm niemals der Gedanke gekommen, auS tem Locarnoer Vertrag einen Pakt gegen Rußland zu machen. Vandcroelde ver­sichert, daß Belgien keinem Pakt beitreten würde, der eine Einkreisung Rußlands bezwecke. Auch Chamber­lain habe das gleiche erklärt.

PrSfiöent Coolidge zur Abrüstungs-

, Konferenz.

Washington, 20. Okt. Präsident Coolidge erklärte, seiner Ansicht nach werde die Konfe­renz zur Beschränkung der Rüstungen in Eu­ropa der Welt zum Segen und Nutzen ge­reichen. Er hoffe, daß die E Locarno die Einberufung

f e von einer

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solchen Konferenz beschleunigen werden.

Im Ntißen Hause erklärt man, daß, wenn es für & '«>va möglich sein sollte, ein Ueber­einkommen hinsichtlich einer Beschränkung der Rüstungen zu Lande zu erreichen, Präsident Coolidge einen solchen Schritt begünstigen werde. Der Präsident sei der Ansicht, daß jede, eine weitere Beschränkung der Rüstungen zur See betreffend« Frage von einer Konfe­renz in Amerika mit Hoffnung auf ein erfolg­reiches Uebereinkvnnnen in Betracht gezogen werden könne. Präsident Coolidge erkenne an, daß von der Regiening in Washington in Be- zug auf die Einberufung einer Konferenz zur Beschränkung der Seerüstungen kein Schritt unternommen werden könne, bis die inter­essierten Mächte darüber sondiert worden seien. Im Weißen Hause erklärt man ferner, Coolidge wünsche inzwischen, daß die Regie­rung in Washington, ohne die Interessen der Länder zu gefährden, alles in ihrer Macht stsh-ende tue, um die Loge in Europa zu bessern und zwar durch Schaffung eines Abkommens über die Rüstungen zu Land«.

Die -eulsch-rufsischen Kandsls- beziehunKen.

Der in Berlin weilende stellvertretende Volkskonimissar für Außenhandel der Sowjet­union, Frumkin, machte gestern in den Räumen der Berliner russischen Handelsver­tretung vor einigen Pressevertretern Ausfüh­rungen über die Auswirkungen des deutsch-russischen Handelsver­trages. Einleitend erklärte Frumkin, daß sich der russische Warenumsatz nach Deutsch-