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FreNag ven 16. Okkover -

Mt. 243

Ein gefährliches Kommentar des

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Paris, 15. Okt. DerTemps" beschäftigt sich bereits mit dem Ergebnis der heutigen Sitzung der Konferenz von Locarno. Er nennt das, was sich heute abgespielt hat, einen Hauptakt für die Entwicklung der europäischen Politik und schreibt: Der Pakt an sich wird nur ein Vertrag sein, der, wie alle Verträge, nur so viel Wert haben wird, wie eben Gewissen­haftigkeit, Ehrlichkeit, Ehgefühl und Respekt vor dem gegebenen Wort der Mächte gelten würden, die ihre Unterschrift darunter gesetzt hätten. Wir machen uns in dieser Hinsicht keine Illusionen, die gefährlich werden könnten. Wenn die deutsche kaiserliche Regierung im Jahre 1914 die Gewißheit gehabt hätte, daß England sich mit allen seinen Streitkräften an die Seite des überfallenen Frankreich und Bel­gien stellen würde, würde sie sich wahrscheinlich nicht in das fürchterliche Abenteuer eingelassen haben, auf das sie sich seit vielen Jahren vor­bereitet hatte. Das neue Deutschland kann jetzt nicht mehr daran zweifeln, daß jeder Versuch seinerseits, das abzuschaffen, was der Ver­sailler Vertrag festgelegt hat und durch einen n-ucn Re unchekrieg die Gebiete wieder ui erobern, die es den Nationen hat zurückgeben müssen, denen sie diese einst entrissen, die in ihrer Sicherheit bedrohten Nationen gegen sich aufbringen würde. Frankreich, Belgien, Eng­land, Italien einerseits und Deutschland ander­seits proklamieren ihren Willen, den status quo westlich des Rheins aufrecht zu erhalten. Ver­träge des obligatorischen Schiedsgerichtsver­fahrens zwischen Deutschland und Frankreich und Deutschland und Belgien werden fortan jeden Zwist zwischen Berlin, Paris und Brüssel daran verhindern, zu einem bewaffneten Kon­flikt auszuarten. Das ist die Bedeutung der Annahme des Sicherheitspaktentwurfes.' Wir sind gewiß noch weit von dem organisierten Frieden entfernt, den das Protokoll von Genf vorgesehen hat. Aber man muß doch erkennen, daß eine große Ansttengung gegenwärtig ge­macht wurde, um den Frieden in dem Maße, rn dem er gesichert werden kann, unter den gegenwärtigen Verhältnissen zu garantieren.

Um Deutschlands Eintritt in den Völkerbund.

Paris, 15. Okt. Der Sonderberichterstatter der Havasagentur in Locarno meldet heute abend, die erste Folge der Unterzeichnung der Abmachungen von Locarno werde der Antrag Deutschlands sein, den es an das Völkerbunds­sekretariat richten müsse, um in den Völker­bund ausgenommen zu werden. Diese Frage werde bereits lebhaft in diplomatischen Kreisen erörtert. Man lasse durchblicken, daß Deutsch­land sicherlich nicht den Antrag auf Eintritt in de« Völkerbund werde stellen können bevor der Rheinlandpakt vom Reichstag ratifiziert worden sei. Man sehe voraus, daß die Ratist- Ketmrg Tm ' Laufe W' November erfolgen rönne, sodaß die deutsche Regierung khrm An­trag auf Zulassung zum Völkerbund noch vor dem Zusammentritt des Völkerbundsrates, der am 7. Dezember in Genf zusammentreie, er­folgen könne. Es werde dann dem Völkcrbunds- rat zustehen, zu entscheiden, ob eine außer­ordentliche Versammlung des Völkerbundes einberufen werden solle, um die Aufnahme Deutschlands zu regeln. Die Entscheidung des Völkerbundes sei nicht zweifelhaft. Die Volker- bundsversammlung für die Zulassung Deutsch­lands in den Völkerbund werde entweder in den ersten Tagen des Dezember, vielleicht auch Anfang 1926 einberufen werden können.

Eine neue Infamie der belgischen Justiz.

Berlin, 14. Oft Dor einigen Tagen hat Kriegsgericht in Lüttich den deutschen Schriftsteller Paul Oskar Höcker, der als Haupt­mann der Reserve bei Kriegsausbruch in das Heer trat, in contumaciam zum Tode v er- urkeilt Er hat einen belgischen Bauernsohn, der als Franktireur mit dem Gewehr in der Hand gefangen wurde, nach Krlegsrechk, wie es jeine Pflicht war, erschießen lassen.

Paul Oskar Höcker äußert sich zu seiner Ver­urteilung, die er selbst erst gestern abend er­fahren hat, dahin, daß es sich auch hier wieder um eines der vielen Fal churteile der feind­lichen Kriegsgerichte harckele. Während des ganzen Krieges und besonders während des Vormarsches in Belgien wurde jeder hinter der deutschen Front im Besitze von Waffen ange- troftene Zivilist befehlsmäßig erschossen. In diesem Falle handelt es sich darum, daß der Landwirt Schmeetz von Mannschaften, die zur Kompagnie des Hauptmanns Höcker gehörten, hinter der deutschen Front auf dem Boden eines Hauses, im Stroh versteckt, ein geladenes Gewehr in der Hand, aufgefunden wurde Die Soldaten führten ihn auf den Hof, wo er nach oem Brigadebefehl erschossen wurde. Haupt- n Höcker hat daraufhin sofort dem Ba­taillon Bericht geschickt, außerdem am Abend des gleichen Tages einen Feldpostbrief an den Berliner Lokal-Anzeiger" mit genauer Schil- termm des Vorfalles gesandt, der nach weni- wörtlich veröffentlicht wurde. Der gleiche Bericht erschien ebenfalls wörtlich in

BuchAn der Spitze meiner Kompag- Xn Lunderttausenden von Men- S ! Gericht gelesen haben, hat nie- Xn nn einziger an Höckers Vor­gehen etwas auszusetzen gehabt seine vorae- rektes SorcehS jÄben ^en sein kor- ausdrücklich belobt. Haupt- mann Hocker hat niemals auf der ich Derart gestanden, auch ist ihm keine Anklage­schrift zugegangen, es ist demnach auck; von

Paul Oskar Hücker.

feindlicher Seite damals keine Anklage gegen ihn erhoben worden. Höcker empfindet diese überraschende Verurteilung als eine Infamie der.feindlichen Gerichte, die ihm keinerlei Ge­legenheit zu irgendwelchen Rechtfertigungen gegeben haben.

DieVoss. Ztg." wirft nach der selbstver­ständlichen Verdammung dieses Tendenz­urteils folgende grundsätzliche Frage auf: Was macht eigentlich unser Auswärtiges Amt, beziehungsweise unser Vertreter in Bel­gien? Der zum Tode verurteilte Paul Oskar Höcker hat, bis er aus den Zeitungen sein To­desurteil erfuhr, überhaupt nicht gewußt, daß ein Verfahren gegen ihn schwebt. Daß dadurch der ganze Prozeß noch unjuristischer wird, ist eine Sache. Eine andere aber ist es, was ge­schehen wäre, wenn der ahnungslose Höcker nach Belgien oder auch nur ins besetzte Gebiet gereist wäre. Er wäre verhaftet worden, und aus der kriegsgerichtlichen Farce hätte eine Tragödie werden können. Wird das Auswär­tige Amt über solche Dinge unterrichtet, und, wenn ja, warum wird den betreffenden Deut­schen keine Mitteilung gemacht? Wird es nicht unterrichtet, wozu sitzen eigentlich die Herren in der Brüsseler deutschen Gesandtschaft?"

Der Reichspräsident in Dresden.

Dresden, 15. Okt. Reichspräsident v. Hin­denburg ist heute vormittag zum Besuche der sächsischen Regierung hier eingetroffen. Der Reichspräsident wurde im Bahnhof u. a. vom Ministerpräsidenten Heldt, Landtagspräsident Winckler, Oberbürgermeister Blüher, dem Be­fehlshaber des Wehrkreiskommandos 4 und dem Landeskommandanden von Sachsen, dem Generalleutnant Müller, empfangen und begab sich, nachdem er die Front der Ebrenkompag- nle' abtzeschrltten und der Vorbeimarsch ent­gegengenommen hatte, von der zahlreichen Menge überaus herzlichst begrüßt zum Mini­sterialgebäude. Vor und hinter dem Auto ritt eine Reiterschwadron des Reiterregiments Nr. 12. Die Truppen der gesamten Garnison Dres­den bildeten Spalier. Im Ministerialgebäude fand die Vorstellung der Staatsminister und der Ministerialdirektoren und anschließend eine Besprechung und persönliche Aussprache statt. Bald nach 12 Uhr stattete der Reichspräsident dem Landtagspräsidenten im Landtagsgebäude einen Besuch ab, wo auch die Fraktionsvor­sitzenden des Landtags vorgestellt wurden. Anschließend daran begab er sich zum Besuch der Städtischen Kollegien ins neue Rathaus, wo ihn Oberbürgermeister, Stadtverordneten- vorstehsr und die Vertreter der Städtischen Kollegien willkommen hießen.

, Um 1 Uhr gab die Sächsische Regierung ein Frühstück, zu dem die Staatsmjpister, das Landtagspräsidium, der Präsident des Reichs­gerichts, die Spitzen der Reichs- und Staatsbe­hörden, der Kirchen, der militärischen Kom­mandostellen u. a. geladen waren. Während der Tafel begrüßte Ministerpräsident Heldt den Herrn Reichspräsidenten mit folgender Ansprache:

Hochverehrter Herr Reichspräsident! Im Na­men der Sächsischen Regierung heiße ich Sie, Herr Reichspräsident, herzlichst willkommen. Zum ersten Male haben wir die Ehre und die Freude, Sie, Herr Reichspräsident, im Frei­staate Sachsen begrüßen zu dürfen. Mr spre­chen Ihnen für Ihren gütigen Besuch unseren herzlichsten Dank aus. Daß mit Sie heute als höchsten Vertreter unseres auf neuer Grundlage ausgelaufen Reiches begrüßen dürfen, darf ich als ein Symbol dafür auffassen, wie sehr sich unsere innerpolitischen Zustände nach langer Zerrissenheit gefestigt haben, und wenn ich da­bei daran denke, wie Sie, Herr Reichspräsident, während der Zeit Ihrer Reichspräsidentschaft bemüht sind, die politischen Gegensätze auszu­gleichen, so können Sie des Dankes des deut­schen Volkes dafür gewiß sein, daß Sie die schwere Bürde der Reichspräsidentschaft über­nommen haben, um dem deutschen Volke bei seinem Wiederaufstieg zu helfen.

Sie können aber auch versichert sein, daß das sächsische Volk und seine Regierung an die­sem Wiederausbau im Bewußtsein der Schick- salsaemeinschaft aller deutschen Länder mit­arbeiten und jederzeit treu zum Re-che und seiner Verfassung stehen werden. Wir wissen lins dabei mit Ihnen eins, wenn wir glauben, daß das Reich dann seine Kräfte am besten zu entfalten vermag, wenn das in der Reichsver­fassung verankerte Eigenleben der deutschen Stämme und ihrer Länder erhalten bleibt. Werden in dieser Weise alle Kräfte unseres Volkes auf das eine Ziel unserer Wiederauf-

Skaalssekrekâr Dr. Kempner, der gestern vormittag im Flugzeug in Zürich ein« getroffen war, ist gestern nachmittag 1.40 Uhr wieder nach Locarno zurückgekehrt.

richtung vereinigt, so wird unser deutsches Va­terland auch wieder die Stellung in der Welt erlangen, die ihm nach seiner geschichtlichen Entwicklung und seinen wirtschaftlichen und kulturellen Leistungen gebührt.

In dieser Zuversicht bitte ich Sie, meine Herren, unseren Willkommengruß zusammen­zufassen in den Ruf: der Herr Reichspräsident, er lebe hoch!

Reichspräsident v. Hindenburg erwi­derte hierauf: Herr Ministerpräsident! Für den Willkommengruß, den Sie namens der Sächsi­schen Regierung an mich richteten, danke ich Ihnen aufs herzlichste. Es ist mir eine beson­dere Genugtuung, heute in der schönen und kunstsinnigen Stadt Dresden zu weilen und hier persönliche Bekanntschaft und Aussprache mit den führenden Männern des Landes Sach­sen zu finden. Sachsen ist neben dem Industrie­gebiet an Ruhr und Rhein ein zweiter Mittel­punkt der deutschen Wirtschaft, ein Zentrum industriellen werktätigen Schaffens, und so tritt wie unlängst im Westen des Reiches, auch heute die Sorge, die das deutsche Wirtschafts­leben gegenwärtig belastet, mir hier in beson­derem Maße entgegen. Sie dürfen versichert sein, daß die Notlage der deutschen Wirtschaft Gegenstand ständiger und ernstester Aufmerk­samkeit der Reichsregierung und ihre Besse­rung eine der ersten Aufgaben des Reiches ist. Aber es bedarf der Anspannung aller Kräfte in Reich und Ländern, um diese Schwierigkei­ten zu meistern, um in friedlichem Wettbewerb der deutschen Arbeit freie Entfaltung und dem deutschen Arbeiter ständige und lohnende Be­schäftigung zu verschaften und zu erhalten. Gerade hierbei zeigt es sich, daß das Reich, unser gemeinsames Vaterland, allen seinen Stämmen und Ländern Rückhalt und Kraft gibt, und daß wir nur geschlossen, nur im Gan­zen stark genug sind, um außerordentliche Nöte und Krisen zu überwinden. Und zu dieser Stärke gehört auch ein zweites: die innere Einigkeit im deutschen Volke, das Gemein­schaftsgefühl, das über Parteien und Inter­essen stehen muh! Deshalb begrüße ich dankbar die Worte, die Sie, Herr Ministerpräsident, über die Notwendigkeit des Ausgleichs der po­litischen Gegensätze sprachen, der Voraus­setzung und Grundlage jedes Aufstiegs ist. Wir bekennen uns alle zum Glauben an Deutschland und seine Zukunft; lassen Sie uns auch zur Tat bekennen, die im Bewußtsein der Gemeinschaft handelt und unter Ueberwindung des Gegen­sätzlichen die Einigung schafft, der wir so dringend bedürfen. Dann wird uns allen hoffentlich eine sorgenfreie Zukunft werden, die auch dem Lande Sachsen, das im besonde­ren Maße die Nöte der letzten Jahre getragen, eine glücklichere Entwicklung bringt. Mit die­sem Wunsche trinke ich auf das Wohl Ihrer engeren Heimat: Sachsen hurra, hurra, hurra!

4.30 Uhr nachmittags fand im Foyer der Staatsoper ein Teeempfang statt, an welchem außer den Spitzen der Behörden zahlreiche Vertreter des wirtschaftlichen, politischen und geistigen Lebens des Freistaates Sachsen, ins­gesamt etwa 150 Personen, teilnahmen. Hieran schloß sich die Festoorstellung der Staatsoper, die unter Leitung von Generalmusikdirektor Fritz Busch die Ouvertüre und Teile des zwei­ten rmd dritten Aktes der OperFreischütz" von Karl Maria v. Weber in vollendeter Weise zur Darstellung brachte. Abends 7.25 fuhr der Reichspräsident, der überall von der Bevölke­rung stürmisch begrüßt wurde, mit dem fahr­planmäßigen Schnellzug nach Berlin zurück.

Preutzischer Beamtenausschutz.

Berlin, 15. Okt. Der Dramtenausschuh des preußischen Landtags hat einen Antrag ange­nommen, auf die Reichsregierung einzuwirken, das Besoldungssperrgesetz aufzuheben.

Wie eine Kriegsschuldlüge entsteht.

Ein lehrreiches Beispiel, wie seitens der Ententepresse eine Kriegsschuldlüge zurechtge­stutzt und ihren Völkern suggeriert wurde, gibt eine Mitteilung des früheren Unterstaatssekre­tärs im britischen auswärtigen Amte unter dem Kabinett Macdonald, Artur Ponsonby, in einer Zuschrift, die er am 14. September 1925 an die englische ZeitschriftThe Nation" rich­tete. Es handelt sich um den Fall der Festung Antwerven. Aus Anlaß desselben war in einem Artikel derK. Z." folgender Satz ge­schrieben worden:Als der Fall Antwerpens bekannt wurde, läuteten die Kirchenglocken" (d. h. natürlich in Deutschland).

I Daraufhin geht folgende Notiz drH"77 I Presse der Ententeländer:Le Matin":

K. Z." wurde die Geistlichkeit von Antm'ërv^ gezwungen, beim Falle der Festung T Kirchenglocken läuten zu lassen."

Times":Wie derMatin" aus Köln 77 fährt, wurden die belgischen Geistlichen, die fi* weigerten, beim Falle Antwerpens die Kirchs glocken läuten zu lassen, aus ihren Newtek vertrieben." DerCorriere della Sera" Mailand: Wie dieTimes" aus Paris über Köln erfahren, wurden die unglücklichen belgi­schen Geistlichen, die sich weigerten, beim Antwerpens die Kirchenglocken läuten zu lasse» zu Zwangsarbeit verurteilt."Le Matin"' Wie derCarriere della Sera" aus Köln über London erfährt, bestätigt es sich, daß die bar­barischen Eroberer von Antwerpen die Unglück- lichen belgischen Geistlichen für ihre heldenhast- Weigerung, die Kirchenglocken läuten zu lassen dadurch bestraft, daß sie sie mit den Köpfen nach unten als lebende Klöppel an die Glocken hängtem" Eine nähere Erläuterung erüb­rigt sich.

Hundert syrische Freiheitskämpfer erschossen.

Paris. 15. Off. Havas berichtet aus Beirut: 3m Verlaufe der gestern in der Gegend von Damaskus vorgenommenen Säuberung sind etwa hundertBanditen", wie die Havas­agentur die syrischen Freiheitskämpftr be­zeichnet, erschossen worden. Die Leichen von 24 der Erschossenen sind auf einem öffentlichen Platz zur Schau gestellt worden.

Die Jeppelin-Spende.

General Litzmann, der bekannte und popu« läre Herführer aus dem Weltkrieg hat zu­gunsten der Zeppelln-Eckener-Spende in seiner Heimatgemeinde Neu-Globfow einen Aufruf erscheinen lassen, der es sich angelegen sein läßt, die Säumigen und Unentschlossenen aus ihrem Gleichmut aufzurütteln. Das Beispiel, das hier von einer kleinen Ortschaft gegeben worden ist, verdient Nacheiferung. Der Wort­laut des Litzmannschen Aufrufes heißt:

Deutsche Frauen! Deutsche Männer! Wem das deutsche Volk nicht beisteuert, kann die Schöpfung des alten Grafen Zeppelin, die Luftschiffwerft in Friedrichshafen nicht in Be­trieb gehalten werden. Sie muß untergehen. Kein Volk der Erde kommt uns tm Luftschiff­bau gleich. Gerade hierin können wir im zu­künftigen Weltverkehr Großartiges leisten. Mit Hilfe des Luftschiffbaues kann Deutschland wie­der hochkommen. Darum müssen wir alle, ausnahmslos dazu beitragen, daß die Zeppelin­werft weiterarbeiten kann. Wer nicht eine größere Summe geben kann, der gebe eine Mark oder fünfzig Pfennig oder zwanzig Pfennig. Es baniyelt sich ja um eine VoM.. ^fM " tnoer Semetnfam^^ Wert der Leistung!" '

Literarisches.

Die neue Kunst. Das Oktoberheft der Darm­städter KunstzeitschriftDeutsche Kunst und Deko­ration", das Eröffnungsheft des Jahrganges 1926, bringt eine Fülle edlen Stoffes der Anschauung und Belehrung. Die Ausstellung derMünchener Neuen Secession" ist mit 3 vortrefflichen Abbil­dungen erläutert. Bedeutende Einzelveröffent­lichungen über verschiedene Künstler schließen sich an. So ist das Schaffen M. Kislings hier zum ersten Mal umfänglich vorgeführt. Von Rens Sintenis ist eine große Zahl der kleinen Tierplastiken gezeigt, und von der seltsam eindrucksvollen, durchgeistigten Kunst des Holländers Jan Mankes sind beste Proben gegeben. Eine umfassende Veröffentlichung zeigt die überragende Leistung Oesterreichs auf der Pariser Kunstgewerbe-Ausstellung; Arbeiten tschechischer Herkunft sind angeschlossen. Ein Wort für sich ver­dienen die Textdeiträge:Kunst im Wechsel der Zeiten",Subjektives und objektives Urteil",Ein neuer Klassizismus",Das Bildnis einer neuen Möglichkeit".Vom Alter des Genies",Ist Realis­mus Aufstieg oder Abstieg?"Kitsch und Kunst", Das Gesichi zukünftiger Städte",Künstler und Kunstiurvren" u. a. m. Dr. Schürer schreibt fesselnd und treffend über die Pariser internationale Kunlt- gewerbe-Ausstellung, und der Herausgeber bet Deutschen Kunst und Dekoration", Hofrat Dr Alexander Koch, gibt bedeutsame Vorschläge untsi der Ueberfcfnift:Wie kann wirksam staatliche Kunst- Sc betrieben werden?" Das Heft ist durch all« Handlungen erhältlich. Preis 2,50 Mark.

Humor.

Hör' mal, Albert, kennst du den Herrn da drüben, der uns so unverwandt ansieht?" Ja, Onkel, das ist mein Schneider."Aha, der will wohl Geld von dir haben?"Nein, von dir, lieber Onkel."

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Sie, Herr Ober, hier haben Sie schon irN voraus ein Trinkgeld und jetzt sagen Sie mir aufrichtig, was Sie mir mit gutem Ge­wissen empfehlen können!"Gehen Sie in ein anderes Lokal!"

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Mein Sohn bringt jetzt immer so schlecht Zeugnisse nach Hause und früher war er ein Musterschüler! Es ist mir wirklich ein unlös­bares Rätsel!"Aha, also eine Art gordi­scher Knoten! Wissen Sie was, machen ^Sie es wie Alexander: Hauen Sie ihn durch!"

Aufsatzblüke.Als von den Schiffen aus das Land erblickt wurde, stand Kolumbus gerade auf dem Hinterteil."

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Schmeichelhaft. Arzt: Wenn ich nur ein wirkfames Mittel gegen den verflixten Rheu­matismus hätte! Frau: Aber Mann, du W doch so viele Patienten an diesem Leiden be­handelt, die wieder gesund geworden sind, do würde ich mich doch einmal bei diesen errun­gen, was sie dagegen getan haben!