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201. Jahrgang.

Hanauer 8 Anzeiger

GeneraL-Anzeiger für Sie Kreise Kanau Slaöl und Sans.

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Nr. 243

Freitag den 16. Oktober

1925

MM M MWMW WWW.

Die Ostfragen noch ungelöst. Neue SchwierigkeUen.

Das Neueste.

Der Westpaktentwurf ist gestern hi Lo- tamo angenommen worden. In den Ostfragen sind gestern abend neue Schwierigkeiten auf- getaucht.

Der Reichspräsident weilte gestern in Dresden und betonte in einer Rede die Not­wendigkeit der inneren Einigkeit im deutschen Volke und des Ausgleichs der politischen Gegen­sätze.

Eine Entschließung des Reichsstädtebun­des besagt u. a.: Der Gesamtoorstand des Hauptausschusses des Reichsstädtebundes sieht in dem Referentenentwurf zum Reichsschulgesetz für die Finanzen seiner Mitgliederstädte ernste Gefahren, da nach ihm bereits eine verhältnis­mäßig kleine Zahl von Eltern Neugründungen von Schulen und verteuernde Aenderungen in der Zusammensetzung der Lehrkräfte verlangen kann.

^- Das Hochverratsverfahren, das gegen i>en völkischen Reichstagsabgeordnelen v. Gräfs- Goldebee wegen Verdachtes seiner Beteiligung am Hitlerputsch vom Oberreichsanwalt einge­leitet worden war, ist nunmehr auf Grund der Amnestie eingestellt worden.

Daily Telegraph" meldet neue Kämpfe

Neue Kämpfe in China

London, 16. Okt.Daily Tele­graf" berichtet aus China von gestern abend: General Sun-Tschuan-Fang (Gouverneur der Tschukina Provinz) werde Schanghai bei Ta­gesanbruch in einem Ueberrumpelungsmanö- ver gegen die Feng-Tein-Streitkräfte Tschang­solins einnehmen. General Sun hat seit den drei letzten Tagen mit seinen Streitkräften Nachtmärsche unternommen und befindet sich

i Schanghai entfernt, f e Tschangsolins räumten die Stadt und überlassen damit den reichsten Kreis Chinas dem General Sun. Es werde erwartet, daß General Sun seine

weniger als 30 Meilen von

Die

Streiff rüst

Verteidigungslinie durch Suischa, 50 Meilen nördlich von Schanghai legen werde. Dieser Vormarsch Suns werde als Auftakt der Kämpfe gegen Tschangsolin ange­sehen. Der ehemalige Führer der Tschili- Truppen, Wupeifun, der infolge der Lisi Fengs seinerzeit durch Tschangsolin geschlagen wurde, wird wahrscheinlich auf der Seite Fengs auf­tauchen. Tschangsolins Linie laufe von Muf-

den bis Schanghai, während Fengs das Innere Chinas kontrolliere, zweifellos unterstützt von Moskau. General Sun sei ein Alliierter Fengs. Die eigentlichen Kämpfe würden aber wegen der Schwierigkeiten der Operationen im Winter im Norden Chinas wahrscheinlich bis zum Frühjahr aufgeschoben werden. Zahlreiche Flüchtlinge seien in Schanghai eingefroren.

Aus Peking berichtet derDaily Telegraf", sei überzeugt, daß der Ausbruch der Feindseligkeiten nicht mehr verzögert werden könne und daß Winterkämpfe im Süden siakè- finden. Ganz China gleiche einem Pulverfaß, das durch das kleinste Feuer in Brand gesetzt werden könne. Die geplante Konferenz könne

Gsgen Schluß des Banketts erhob sich tkt englische Außenminister Chamberlain zu längeren, in französischer Sprache vorgetrage­nen Ausführungen, die er offenbar improvi­sierte. Er betonte, daß er namens des Reichs­kanzlers und fünf Außenministern spreche, ob­wohl er dazu nicht befugt sei und sich dazu kaum im Stande fühle, weil er in den letzten zwölf Tagen so viele Sprachen habe hören müssen. Er bedaure das, weil er mit seinen

man

nicht stattfinden, wenn der Bürgerkrieg aus- breche. Späterhin werde sic völlig neue Ver­hältnisse vorfinden. Der einzige Trost sei, daß es nicht schlimmer werden könne.

Daily Wait" zufolge wird mit dem Be­ginn der Kämpfe bei Tschautschau gerechnet. Alle Eisenbahnverbindungen seien unter­brochen.

Worten nicht die Höhe der Gedanken erreichen könne, die die Konferenz bei den Arbeiten leitete. Er dankte zunächst der Weltpresse f"" die unter besonders schwierigen Verhältniß geleistete Mitarbeit und führte u. a. aus: - Konferenz neige sich ihrem Ende, das alle er» Hofften und dem man häufig durch Pessimis­mus und Optimismus hindurch zugesteuert sei. (Lebhafter Beifall!) Den Dank für ein solches Ergebnis, das man vor zwölf Tagen kaum vorauszufehen wagte, werde weder die eine noch die andere Delegation in Anspruch neh­men können. Das Ergebnis werde allen Dele-

ur 011 die

gationen zu danken sein, die sich übereinstim­mend mit dem gleichen guten Willen, dem Willen der Versöhnung, die sich mit dem glei­chen Geiste zusammengefunden hätten, um zu einem positiven Ergebnis zu gelangen. Ich taube, so sagte Güyamberlain, daß ich die Ge-

Die Einigung über den Westpak!

Locarno, 15. Off. Ueber die heutige Sitzung wurde folgendes Kommunique aus­gegeben:

In der heutigen achten Vollsitzung wurde der gesamte Text des Entwurfes eines Sicherheilspaktes a n g e- n c m m e n. Darauf wurden die Fragen der Schiedsverträge a uf die Tagesordnung gefetzt. Die Ver­treter Polens und der Tschechoslo­wakei wurden e i n g e l a d e n, an der Sitzung leilzumehmen, umdenBcrichtder Rechts sachverständigen über die Ar­beiten hinsichtlich der Entwürfe von Schieds- oertragen zwischen Deutschland und Frankreich bezw. zwischen Deutschland und Belgien mit anzuhören. Der Text dieser Entwürfe wurde von den beteiligten Delegationen a n g e n o m m e n. Die Vertreter Polens und der Tschechoslowakei machten als­dann Mitteilung über den bereits forkgeschrit- teneti Stand ihrer eigenen Verhandlungen mit den Vertretern der deutschen Regierung über den Entwurf von Schiedsverträgen zwischen Deurschiand und Polen bezw. zwischen Deutsch­land und der Tschechoslowakei. Es wurde beschlossen, die endgültige An­nahme der verschiedenen Ver- l r a g e, sowie die Erörterung der Frage des Zeitpunktes ihrer Veröffentlichung einer späteren Sitzung vorzubehalten.

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Konscrenz ihre Arbeiten schließt. Diese Hoff­nung wird sich aber nur dann erfüllen, wenn die noch bestehenden Schwierigkeiten wegen des Rheinlandes, wegen der französischen Ost- garantie und auch wegen des Artikels 16 be-

seirigt sind. Ist alles soweit, dann wird man sich zu besinnen haben, daß nach einer Aeuße­rung Chamberlains, die nachher auch noch von dem polnischen Außenminister aufgegriffen wurde, diese Konferenz eigentlich gar keine Konferenz ist, sondern lediglich eine ver­trauensvolle Aussprache. Im besten Falle wird

e

eine ver-

die deutsche Delegation ihre Zustimmung von sich aus zu den gesamten Abmachungen aus­sprechen, gleichzeitig aber hinzufügen, daß die Entscheidung in Berlin liegt und erst, wenn das gesamte Kabinett und ebenso der Reichstag ihre Zustimmung gegeben haben werden, in einer späteren Konferenz, die vielleicht in Lon­don stattfindet, der Schlußpunkt unter das ganze Werk gesetzt werden kann. Soweit aber sind wir vorläufig noch nicht.

Die Arbeiten und damit die Schwierigkeiten

** wollten

wie viele

Locarno, 15. Okt. Die Konferenz hat be- f '/offen, den Sicherheitspakt nicht in Locarno ~i veröffentlichen, sondern ihn am nächsten Mittwoch gleichzeitig in allen Hauptstädten der Oeffentlichkeit zu übergeben.

schlossen,

zu

Nsue Schwierigkeiten.

Locarno, 15. Okt. Heute abend fand eine Besprechung zwischen dem Reichskanzler Dr. Luther, dem Reichsminister des Auswärtigen Dr. Stresemann, dem Außenminister Briand, dem englischen Staatssekretär bes Auswärtigen Chamberlain und dem belgischen Außenminister Dandervelde statt. Es wurden in etwa dreistün­diger Aussprache die im Zusammenhang mit dem westlichen Sicherheitspakt stehenden all­gemeinen Fragen erörtert. Eine Sitzung der Konferenz ist für morgen noch nichl festgesetzt. In den Verhaimlungen der Rechtsfachverstän­digen über die östlichen Schiedsverträge ist eine Einigung bisher nicht erzielt worden.

Cs ist hier, fern vom Schuß, schwer zu über- was in ßoearno tatsächlich vorgegangen -Eg^' Genau genommen, steht weiter nichts fest, als daß eine formelle Uebereinstim­mung über den Inhalt des Sicherheitspaktes Erzielt worden ist. Alles was darüber hinaus ^zahlt wird, möchten wir vorläufig noch für Gerüchte halten. Herr Chamberlain hat auf dem großen Presseessen eine h o fs- , 'hgovolle Rede gehalten, worin Dinge so büiftellt, als ob eigentlich alle Abmachungen unter Dach und Fach gebracht hi $as erscheint uns als ein ausge= iprottjener Ueber: umpelungsversuch, ebenso wie moyl auch der Text des Kommuniques über ins Pf ?cr deutschen Delegation beschlossen denn für untere Delegation ist der Sicher- n^ nur ein Teil des ganzen Werkes. Sie gesagt haben, daß sie grundsätzlich cinver- r Eine Vollmacht zur Unterzeichnung

® ne dagegen nicht. Sie liegt ausschließlich ' rem Gesamtkübinetl in Berlin. Sie wird " nnch nicht einmal paraphieren wollen, so- , 8- nicht die anderen Fragen restlos geklärt »d'.^nd das gilt für die Rheinlandfragen ßanz bestimmt nucy nicht

ern vom

sind noch nicht beendigt. Gestern sind auch die östlichen Schiedsverträge in der Vollsitzung be­sprochen worden. Es zeigte sich aber, daß die östlichen Schiedsverträge noch keineswegs spruchreif sind und daß die Juristen und die Delegationsführer in Einzelbesprechungen noch schwere Arbeit werden leisten müssen. Eine unmittelbare Verbindung der östlichen Schieds­verträge mit dem Westpakt kommt nicht mehr in Frage, so daß auch die französische forderung im Rahmen dieses Paktes keine Rclls mehr spielt. Die französische Forderung ist aber noch nicht endgültig aus dem Felde ge­schlagen. Sie muß nun bei den Verhandlungen über die Schiedsverträge selbst bekämpft wer­den. Die Wünsche, die der polnische Außen­minister, Graf Skrzynski, vorgetragen hat, sind bekannt, ©teilen darauf ab, einen dem West- pakt ähnlichen Ostpakt zustande zu bringen, bei dem Frankreich eine ähnliche Garantierolle im Osten spielen wurde, wie England und Italien im Westen. Diese Lösung ist selbstverständlich für Deutschland unannehmbar. Wenn Frank­reich Wert darauf legt, seine Bündnisverpflich­tungen Polen gegenüber zum Ausdruck zu bringen, so muß dafür eine Form gefunden werden, die die Schiedsverträge zwischen Polen und Deutschland selbst nicht berührt.

Auch in der Flage bei Rückwirkung des Paktes auf das Rhünland uno Saargebiet sind d': Schwierigleitei' noch nicht beseitigt.

Die Bewertung des ersten gelungenen Schrittes darf deshalb nicht übertrieben werden. Wir müssen abwarten, ob weitere Schritte folgen, denn ohne Erledigung der Nebenfragen, und diese haben in der gestrigen Abendbesprechung erneute Schwierigkeiten ge­zeigt, hat der Westpakt nur einen theoretischen Wert.

e Garantie-

Mehrere Blätter meiden aus Locarno, daß durch polnische Forderungen hinsichtlich der Garantierung der Ostgrenzen Deutschlands neue Schwierigkeiten aufgetaucht seien. Die gestrige Unterredung zwischen Dr. Luther, Dr. Stresemann, Chamberlain, Briand und Van- decvelde habe diese polnischen Forderungen und auch die Nebenfragen zum Gegenstand ge- habt. Nach der Aussprache habe Briand auf Fragen der Journalisten erwidert:Wir sind noch nicht fertig.^ Bei den polnischen Forde­rungen soll es sich nach dem Berl. Tageblatt um folgendes handeln: Die polnische Delega­tion verweist auf die territoriale Sicherheit, die Frankreich in dem Westpakt von Deutschland verlangt und beansprucht das gleiche für sich in B-rnq auf die Offgreuje. Deutschland lehne jedoch diese territoriale Garantie unter allen Umständen ab, und die deutsche Regierung werde darin, wie das Blatt betont, von allen Parteien ohne Ausnahme, von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linkeu, unterstützt. Auch bezüglich der sogenannten N^benfraven soll sich nach dem soeben zitierten Blatte eine Verschärfung der Situation ergeben haben.

Ein Prestebankott ht Locarno.

Locarno, 15. Oft Der Sonderberichterstatter des W. T. B. meldet: Auf dem Presiebankett zu Ehren der Delegierten hiest der Vorsitzende der Jvurnalistenmn-einigurdg beim Völkerbund und Vertreter der argerrtinischen ZeitungLa Prensa", Herr de F r a n ch, eine Ansprache, in der er zunächst die Anwesenden begrünte und in launiger Weise die Politik der Konfe­renz in Bezug auf die ZurückhânLg von Pressenackricbden Lloliierte i

terigfeiten verschwanden gleich den Wolken in der letzten Nacht, die dem glor­reichen Sonnenlicht weichen mußten. (Beifall.) Die Vereinbarungen, die nach der endgültigen Verwirklichung mit nach Hause genommen werden sollten, feien keineswegs der Trimnph einer Partei gegenüber den anderen. Wenn auch nur im geringsten dieser Verdacht mög­lich war, so könne man nicht von einem Akkord sprechen, sondern müsse von einem Desakkord sprechen. (Lebhafter Beifall!) Das Schicksal der ganzen Welt hänge von dem Erfolg der Ar­beiten in Locarno ab. Die Beziehungen, die hier zwischen den Vertretern der Mächte, die sich hier erstmalig zusammengefunden hätten, emftanden seien, sollten zu einem wechselseiti­gen Ueberein kommen auf dem Fuße der Gleich- berechtßping führen. Man werde in der nahen Zukunft ihre Rückwirkung in den Beziehungen der Völker erkennen. Die Konferenz von So» carno werde nicht den auf er legten, sondern den von allen gebilligten Frieden bekunden, der den Völkern jene Erleichterungen bringen werde, deren sie nach den jahrelangen furcht­baren Opfern und Lasten so sehr «bedürftew Chamberlain schloß mit dem Dank an bti Presse, die der Konferenz eine wichtige Unter­stützung und Mitarbeit gewidmet habe und leerte sein Glas auf das Wohl der Prefle, der internationalen Journakistenvereinigung der ganzen Weltpresse.

Der gestrige Tagein historisches Damm".

Paris, 15. Okt. Heute mittag wurde Ministerpräsident Painleve telephonisch vom Außenminister Briand über den glücklichen Ausgang der seit zehn Tagen in Locarno ge­führten Verhandlungen wegen des Abschlusses eines Sicherheitspaktes benachrichttgt. Nach Empfang dieser Nachricht erklärte Painlevs, daß dieser Tag ein historisches Datum dar­stelle und er sofort dem Außenminister Die Glückwünsche der Regierung anläßlich des rheinischen Sicherheitspaktes übermittelt habe. Er könne hinzufügen, daß die Verhandlungen betreffend den Abschluß der Schiedsgerichts» oertrage zwischen der Tschechoslowakei, Polen und Deutschland auf gutem Wege seien, Ministerpräsident Painlevè empfing Heutt nachmittag den Generalsekretär Massigste, bei im Auftrag Briands aus Locarno den Tert des rheinischen Sicherheitspaktes dem Minister«

Präsidenten überbracht hat.

Ehamberlains Abreise für Sonntag erwartet.

London. 15. Okt. Nach einer Reutermeb dung aus Locarno wird mit der Ntöglichkeij gerechnet, daß Chamberlain mit Gèmahliü Sonntag abend abrersen und daß der Rest bei britischen Delegation wahrscheinlich am nächstes

pTaüc tollen wird»