201. Jahrgang.
Hanauer 8 Anzeiger
GeneraL-Anzeiger für Sie Kreise Kanau Slaöl und Sans.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Fernsprech-Anschlutz Nr. 1237 und 1238.
»«»»s»pr«i»! Für den halben Mona, 1 Reichsmark, für den ganzen Monat 2 Reichsmark ohne Trüaerlohn. Einzelnummer 10, Freitag und Samstag 12 Reichspfennig. - Anzeigenpreise: Für 1 mm Löhe im Anzeigenteil von 28 mm Brette 8 Reichspfennig, im Reklameteil von 68 mm Breite W Retchspfenntg. - Offertengebührröv Reich-Pfennig. - Geschäftsstelle: Hammerstrabe 9.
Erfüllung-ort und Gerlchtrstand für bethe Seife ist Hanan. — Bet unverschuldettu, Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung der Bezugspreise». — Für Platzvorschrtfi und Erscheinung-tage der Anzeige wird feine Gewähr geleistet.
Nr. 243
Freitag den 16. Oktober
1925
MM M MWMW WWW.
Die Ostfragen noch ungelöst. — Neue SchwierigkeUen.
Das Neueste.
— Der Westpaktentwurf ist gestern hi Lo- tamo angenommen worden. In den Ostfragen sind gestern abend neue Schwierigkeiten auf- getaucht.
— Der Reichspräsident weilte gestern in Dresden und betonte in einer Rede die Notwendigkeit der inneren Einigkeit im deutschen Volke und des Ausgleichs der politischen Gegensätze.
— Eine Entschließung des Reichsstädtebundes besagt u. a.: Der Gesamtoorstand des Hauptausschusses des Reichsstädtebundes sieht in dem Referentenentwurf zum Reichsschulgesetz für die Finanzen seiner Mitgliederstädte ernste Gefahren, da nach ihm bereits eine verhältnismäßig kleine Zahl von Eltern Neugründungen von Schulen und verteuernde Aenderungen in der Zusammensetzung der Lehrkräfte verlangen kann.
^- Das Hochverratsverfahren, das gegen i>en völkischen Reichstagsabgeordnelen v. Gräfs- Goldebee wegen Verdachtes seiner Beteiligung am Hitlerputsch vom Oberreichsanwalt eingeleitet worden war, ist nunmehr auf Grund der Amnestie eingestellt worden.
— „Daily Telegraph" meldet neue Kämpfe
Neue Kämpfe in China
London, 16. Okt. „Daily Telegraf" berichtet aus China von gestern abend: General Sun-Tschuan-Fang (Gouverneur der Tschukina Provinz) werde Schanghai bei Tagesanbruch in einem Ueberrumpelungsmanö- ver gegen die Feng-Tein-Streitkräfte Tschangsolins einnehmen. General Sun hat seit den drei letzten Tagen mit seinen Streitkräften Nachtmärsche unternommen und befindet sich
i Schanghai entfernt, f e Tschangsolins räumten die Stadt und überlassen damit den reichsten Kreis Chinas dem General Sun. Es werde erwartet, daß General Sun seine
weniger als 30 Meilen von
Die
Streiff rüst
Verteidigungslinie durch Suischa, 50 Meilen nördlich von Schanghai legen werde. Dieser Vormarsch Suns werde als Auftakt der Kämpfe gegen Tschangsolin angesehen. Der ehemalige Führer der Tschili- Truppen, Wupeifun, der infolge der Lisi Fengs seinerzeit durch Tschangsolin geschlagen wurde, wird wahrscheinlich auf der Seite Fengs auftauchen. Tschangsolins Linie laufe von Muf-
den bis Schanghai, während Fengs das Innere Chinas kontrolliere, zweifellos unterstützt von Moskau. General Sun sei ein Alliierter Fengs. Die eigentlichen Kämpfe würden aber wegen der Schwierigkeiten der Operationen im Winter im Norden Chinas wahrscheinlich bis zum Frühjahr aufgeschoben werden. Zahlreiche Flüchtlinge seien in Schanghai eingefroren.
Aus Peking berichtet der „Daily Telegraf", sei überzeugt, daß der Ausbruch der Feindseligkeiten nicht mehr verzögert werden könne und daß Winterkämpfe im Süden siakè- finden. Ganz China gleiche einem Pulverfaß, das durch das kleinste Feuer in Brand gesetzt werden könne. Die geplante Konferenz könne
Gsgen Schluß des Banketts erhob sich tkt englische Außenminister Chamberlain zu längeren, in französischer Sprache vorgetragenen Ausführungen, die er offenbar improvisierte. Er betonte, daß er namens des Reichskanzlers und fünf Außenministern spreche, obwohl er dazu nicht befugt sei und sich dazu kaum im Stande fühle, weil er in den letzten zwölf Tagen so viele Sprachen habe hören müssen. Er bedaure das, weil er mit seinen
man
nicht stattfinden, wenn der Bürgerkrieg aus- breche. Späterhin werde sic völlig neue Verhältnisse vorfinden. Der einzige Trost sei, daß es nicht schlimmer werden könne.
„Daily Wait" zufolge wird mit dem Beginn der Kämpfe bei Tschautschau gerechnet. Alle Eisenbahnverbindungen seien unterbrochen.
Worten nicht die Höhe der Gedanken erreichen könne, die die Konferenz bei den Arbeiten leitete. Er dankte zunächst der Weltpresse f"" die unter besonders schwierigen Verhältniß geleistete Mitarbeit und führte u. a. aus: - Konferenz neige sich ihrem Ende, das alle er» Hofften und dem man häufig durch Pessimismus und Optimismus hindurch zugesteuert sei. (Lebhafter Beifall!) Den Dank für ein solches Ergebnis, das man vor zwölf Tagen kaum vorauszufehen wagte, werde weder die eine noch die andere Delegation in Anspruch nehmen können. Das Ergebnis werde allen Dele-
ur 011 die
gationen zu danken sein, die sich übereinstimmend mit dem gleichen guten Willen, dem Willen der Versöhnung, die sich mit dem gleichen Geiste zusammengefunden hätten, um zu einem positiven Ergebnis zu gelangen. Ich taube, so sagte Güyamberlain, daß ich die Ge-
Die Einigung über den Westpak!
Locarno, 15. Off. Ueber die heutige Sitzung wurde folgendes Kommunique ausgegeben:
In der heutigen achten Vollsitzung wurde der gesamte Text des Entwurfes eines Sicherheilspaktes a n g e- n c m m e n. Darauf wurden die Fragen der Schiedsverträge a uf die Tagesordnung gefetzt. Die Vertreter Polens und der Tschechoslowakei wurden e i n g e l a d e n, an der Sitzung leilzumehmen, umdenBcrichtder Rechts sachverständigen über die Arbeiten hinsichtlich der Entwürfe von Schieds- oertragen zwischen Deutschland und Frankreich bezw. zwischen Deutschland und Belgien mit anzuhören. Der Text dieser Entwürfe wurde von den beteiligten Delegationen a n g e n o m m e n. Die Vertreter Polens und der Tschechoslowakei machten alsdann Mitteilung über den bereits forkgeschrit- teneti Stand ihrer eigenen Verhandlungen mit den Vertretern der deutschen Regierung über den Entwurf von Schiedsverträgen zwischen Deurschiand und Polen bezw. zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei. Es wurde beschlossen, die endgültige Annahme der verschiedenen Ver- l r a g e, sowie die Erörterung der Frage des Zeitpunktes ihrer Veröffentlichung einer späteren Sitzung vorzubehalten.
__^»^-m«rr^^^ --daH.. hU
Konscrenz ihre Arbeiten schließt. Diese Hoffnung wird sich aber nur dann erfüllen, wenn die noch bestehenden Schwierigkeiten wegen des Rheinlandes, wegen der französischen Ost- garantie und auch wegen des Artikels 16 be-
seirigt sind. Ist alles soweit, dann wird man sich zu besinnen haben, daß nach einer Aeußerung Chamberlains, die nachher auch noch von dem polnischen Außenminister aufgegriffen wurde, diese Konferenz eigentlich gar keine Konferenz ist, sondern lediglich eine vertrauensvolle Aussprache. Im besten Falle wird
e
eine ver-
die deutsche Delegation ihre Zustimmung von sich aus zu den gesamten Abmachungen aussprechen, gleichzeitig aber hinzufügen, daß die Entscheidung in Berlin liegt und erst, wenn das gesamte Kabinett und ebenso der Reichstag ihre Zustimmung gegeben haben werden, in einer späteren Konferenz, die vielleicht in London stattfindet, der Schlußpunkt unter das ganze Werk gesetzt werden kann. Soweit aber sind wir vorläufig noch nicht.
Die Arbeiten und damit die Schwierigkeiten
** wollten
wie viele
Locarno, 15. Okt. Die Konferenz hat be- f '/offen, den Sicherheitspakt nicht in Locarno ~i veröffentlichen, sondern ihn am nächsten Mittwoch gleichzeitig in allen Hauptstädten der Oeffentlichkeit zu übergeben.
schlossen,
zu
Nsue Schwierigkeiten.
Locarno, 15. Okt. Heute abend fand eine Besprechung zwischen dem Reichskanzler Dr. Luther, dem Reichsminister des Auswärtigen Dr. Stresemann, dem Außenminister Briand, dem englischen Staatssekretär bes Auswärtigen Chamberlain und dem belgischen Außenminister Dandervelde statt. Es wurden in etwa dreistündiger Aussprache die im Zusammenhang mit dem westlichen Sicherheitspakt stehenden allgemeinen Fragen erörtert. Eine Sitzung der Konferenz ist für morgen noch nichl festgesetzt. In den Verhaimlungen der Rechtsfachverständigen über die östlichen Schiedsverträge ist eine Einigung bisher nicht erzielt worden.
Cs ist hier, fern vom Schuß, schwer zu über- was in ßoearno tatsächlich vorgegangen -Eg^' Genau genommen, steht weiter nichts fest, als daß eine formelle Uebereinstimmung über den Inhalt des Sicherheitspaktes Erzielt worden ist. Alles was darüber hinaus ^zahlt wird, möchten wir vorläufig noch für Gerüchte halten. Herr Chamberlain hat auf dem großen Presseessen eine h o fs- , 'hgovolle Rede gehalten, worin Dinge so büiftellt, als ob eigentlich alle Abmachungen unter Dach und Fach gebracht hi $as erscheint uns als ein ausge= iprottjener Ueber: umpelungsversuch, ebenso wie moyl auch der Text des Kommuniques über ins Pf ?cr deutschen Delegation beschlossen denn für untere Delegation ist der Sicher- n^ nur ein Teil des ganzen Werkes. Sie gesagt haben, daß sie grundsätzlich cinver- r Eine Vollmacht zur Unterzeichnung
® ne dagegen nicht. Sie liegt ausschließlich ' rem Gesamtkübinetl in Berlin. Sie wird " nnch nicht einmal paraphieren wollen, so- , 8- nicht die anderen Fragen restlos geklärt »„d'.^nd das gilt für die Rheinlandfragen ßanz bestimmt nucy nicht
ern vom
sind noch nicht beendigt. Gestern sind auch die östlichen Schiedsverträge in der Vollsitzung besprochen worden. Es zeigte sich aber, daß die östlichen Schiedsverträge noch keineswegs spruchreif sind und daß die Juristen und die Delegationsführer in Einzelbesprechungen noch schwere Arbeit werden leisten müssen. Eine unmittelbare Verbindung der östlichen Schiedsverträge mit dem Westpakt kommt nicht mehr in Frage, so daß auch die französische forderung im Rahmen dieses Paktes keine Rclls mehr spielt. Die französische Forderung ist aber noch nicht endgültig aus dem Felde geschlagen. Sie muß nun bei den Verhandlungen über die Schiedsverträge selbst bekämpft werden. Die Wünsche, die der polnische Außenminister, Graf Skrzynski, vorgetragen hat, sind bekannt, ©teilen darauf ab, einen dem West- pakt ähnlichen Ostpakt zustande zu bringen, bei dem Frankreich eine ähnliche Garantierolle im Osten spielen wurde, wie England und Italien im Westen. Diese Lösung ist selbstverständlich für Deutschland unannehmbar. Wenn Frankreich Wert darauf legt, seine Bündnisverpflichtungen Polen gegenüber zum Ausdruck zu bringen, so muß dafür eine Form gefunden werden, die die Schiedsverträge zwischen Polen und Deutschland selbst nicht berührt.
Auch in der Flage bei Rückwirkung des Paktes auf das Rhünland uno Saargebiet sind d': Schwierigleitei' noch nicht beseitigt.
Die Bewertung des ersten gelungenen Schrittes darf deshalb nicht übertrieben werden. Wir müssen abwarten, ob weitere Schritte folgen, denn ohne Erledigung der Nebenfragen, und diese haben in der gestrigen Abendbesprechung erneute Schwierigkeiten gezeigt, hat der Westpakt nur einen theoretischen Wert.
e Garantie-
Mehrere Blätter meiden aus Locarno, daß durch polnische Forderungen hinsichtlich der Garantierung der Ostgrenzen Deutschlands neue Schwierigkeiten aufgetaucht seien. Die gestrige Unterredung zwischen Dr. Luther, Dr. Stresemann, Chamberlain, Briand und Van- decvelde habe diese polnischen Forderungen und auch die Nebenfragen zum Gegenstand ge- habt. Nach der Aussprache habe Briand auf Fragen der Journalisten erwidert: „Wir sind noch nicht fertig.^ Bei den polnischen Forderungen soll es sich nach dem Berl. Tageblatt um folgendes handeln: Die polnische Delegation verweist auf die territoriale Sicherheit, die Frankreich in dem Westpakt von Deutschland verlangt und beansprucht das gleiche für sich in B-rnq auf die Offgreuje. Deutschland lehne jedoch diese territoriale Garantie unter allen Umständen ab, und die deutsche Regierung werde darin, wie das Blatt betont, von allen Parteien ohne Ausnahme, von der äußersten Rechten bis zur äußersten Linkeu, unterstützt. Auch bezüglich der sogenannten N^benfraven soll sich nach dem soeben zitierten Blatte eine Verschärfung der Situation ergeben haben.
Ein Prestebankott ht Locarno.
Locarno, 15. Oft Der Sonderberichterstatter des W. T. B. meldet: Auf dem Presiebankett zu Ehren der Delegierten hiest der Vorsitzende der Jvurnalistenmn-einigurdg beim Völkerbund und Vertreter der argerrtinischen Zeitung „La Prensa", Herr de F r a n ch, eine Ansprache, in der er zunächst die Anwesenden begrünte und in launiger Weise die Politik der Konferenz in Bezug auf die ZurückhânLg von Pressenackricbden Lloliierte i
terigfeiten verschwanden gleich den Wolken in der letzten Nacht, die dem glorreichen Sonnenlicht weichen mußten. (Beifall.) Die Vereinbarungen, die nach der endgültigen Verwirklichung mit nach Hause genommen werden sollten, feien keineswegs der Trimnph einer Partei gegenüber den anderen. Wenn auch nur im geringsten dieser Verdacht möglich war, so könne man nicht von einem Akkord sprechen, sondern müsse von einem Desakkord sprechen. (Lebhafter Beifall!) Das Schicksal der ganzen Welt hänge von dem Erfolg der Arbeiten in Locarno ab. Die Beziehungen, die hier zwischen den Vertretern der Mächte, die sich hier erstmalig zusammengefunden hätten, emftanden seien, sollten zu einem wechselseitigen Ueberein kommen auf dem Fuße der Gleich- berechtßping führen. Man werde in der nahen Zukunft ihre Rückwirkung in den Beziehungen der Völker erkennen. Die Konferenz von So» carno werde nicht den auf er legten, sondern den von allen gebilligten Frieden bekunden, der den Völkern jene Erleichterungen bringen werde, deren sie nach den jahrelangen furchtbaren Opfern und Lasten so sehr «bedürftew Chamberlain schloß mit dem Dank an bti Presse, die der Konferenz eine wichtige Unterstützung und Mitarbeit gewidmet habe und leerte sein Glas auf das Wohl der Prefle, der internationalen Journakistenvereinigung mÄ der ganzen Weltpresse.
Der gestrige Tag „ein historisches Damm".
Paris, 15. Okt. Heute mittag wurde Ministerpräsident Painleve telephonisch vom Außenminister Briand über den glücklichen Ausgang der seit zehn Tagen in Locarno geführten Verhandlungen wegen des Abschlusses eines Sicherheitspaktes benachrichttgt. Nach Empfang dieser Nachricht erklärte Painlevs, daß dieser Tag ein historisches Datum darstelle und er sofort dem Außenminister Die Glückwünsche der Regierung anläßlich des rheinischen Sicherheitspaktes übermittelt habe. Er könne hinzufügen, daß die Verhandlungen betreffend den Abschluß der Schiedsgerichts» oertrage zwischen der Tschechoslowakei, Polen und Deutschland auf gutem Wege seien, Ministerpräsident Painlevè empfing Heutt nachmittag den Generalsekretär Massigste, bei im Auftrag Briands aus Locarno den Tert des rheinischen Sicherheitspaktes dem Minister«
Präsidenten überbracht hat.
Ehamberlains Abreise für Sonntag erwartet.
London. 15. Okt. Nach einer Reutermeb dung aus Locarno wird mit der Ntöglichkeij gerechnet, daß Chamberlain mit Gèmahliü Sonntag abend abrersen und daß der Rest bei britischen Delegation wahrscheinlich am nächstes
pTaüc tollen wird»