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Mittwoch den 14. Oktober

Nr. 241

Gturm im WerrMWen Nationalrat.

Wien, 13. Dtt. Die heutige Nattonalrats- sitzung war der Schauplatz eines äußerst hef­tigen Zusammen stoßes zwischen den Sozialdemokraten und demAußen- m i n i st e r Dr. M a t a j a. Gegenstand der Be­ratung war die zweite Lesung der jüngst vom Hauptausschuß mit Mehrheit angenommenen Resolution des Völkerbundsrates. Als erster Redner wiederholte der Sozialdemokrat Leuthner den seinerzeit gemeldeten sozial­demokratischen Gegenantrag, wobei er in sehr ausführlicher und scharfer Weise die Tätigkeit des früheren Bundeskanzlers Dr. Seipel und des Finanzministers Kienboeck sowie die Hal­tung der Mehrheitsparteien und insbesondere der Großdeutschen Partei kritisierte. Leuthner besprach ausführlich die Notwendigkeit des Anschlusses an Deutschland, verteidigte die von seiner Partei in dieser Hin­sicht verfolgte Politik und erinnerte an die Haltung der Regierung und der Mehrheits­parteien bei dem Besuche des deutschösterreichi­schen Vollsbundes unter dem Reichstagspräsi­denten Löbe. Die Angriffe Leuthners wandten sich darauf gegen den anwesenden Außenmini­ster Dr. M a t a j a, den er als den ärgsten Wühler gegen den Anschluß und als den schlimmsten Feind, den Deutschland in Oesterreich besitze, bezeichnete. Was soll man, so fuhr Leuthner fort, aber zu der Mehrheit sagen, welche hier wiederholt dem Anschluß zu­sichelte oder zustimmte und welch daneben einen Menschen als Außenminister duldet, welcher in ganz Europa als der Ausdruck der Gegnerschaft gegen den Anschluß gilt. Denn nicht nur wir nennen ihn so, sondern ganz Europa nennt ihn so. Soll ich erst von den Zeugnissen reden, welch ihm seine französi- schn Herren und Gebieter, denen er seine ge­horsamen Dienste erweist, geben? Kann man eine Partei noch Partei nennen, die wegen

St Ministerstühlen sich so etwas von dem

rer der Außenpolitik gefallen läßt, aus hen als aus einen Diener des französischen Impe­rialismus und als Werkzeug der französischen Gesellschaft hingewiesen wird? Daß das eine Partei erstrebt, welch den Namen Groß­deutsch im Schilde führt, ist unfaßbar. Das ent­scheidende ist und bleibt die Tatsache, daß sich ein Mensch wie Mataja dies gefallen läßt, der ein wahrhaft Krankhaftes gegen alles, was deutsch heißt, an seinen Handlungen an den Tag legt.

Als Leuchner seine mehrstündigen Ausfüh­rungen mit der Versicherung geschlossen hatte, daß seine Partei als Anschlußfreunde alles daran setzen würde, ihrer Idee zum Durchbruch zu verhelfen, erhob sich sofort M a t a j a und richtete an die Opposition die Frage, ob sie denn nicht Leuthners Ausführungen miß­billige. Die Sozialdemokraten antworteten mit stürmischen Nein-Rufen. Dr. Mataja erklärte, die Behauptungen Leuthners entbehrten jeder Grundlage. Er fügte hinzu, wenn er sein per­sönliches Empfinden während der Darlegungen Leuthners kennzeichnen wolle, so müsse er sagen, es sei ihm gewesen, als ob neben chm etwas Unappetitliches, etwas Unsauberes . . . Weiter formte er nicht sprechen, denn auf den Bänken der Opposition erhob sich ein furcht­bar e r S t u r m. Die Sozialdemokraten stürz­ten gegen die Ministerbank. Leuthner schlug wiederholt vor Mataja mit der Faust auf den Tisch und rief: Frecher Lausbub, nimm dein Wort zurück! Sodann schlug Leuchner noch ein von dem Minister liegendes großes Aktenbün­del mehrfach mit großem Krach auf die Bank und stürzte dann hinter die Ministerbank auf Mataja zu. Nur mit Mühe gelang es seinen eigenen Parteigenossen, ihn zurückzuhalten, während sich Bundeskanzler Ramek schützend vor den Außenminister stellte. Dieser ließ in vollkommener Ruhe die ununterbrochenen Schxnährufe der sozialdemokratischen Abgeord­neten über sich ergehen und bemühte sich, seine christlich sozialen Parteigenossen, welche fort­während Gegenrufe ausstießen, zu beeinflussen. Inzwischen bemühten sich die Ordner des Hau­fes, beruhigend zu wirken. Man sah, wie der Bundeskanzler von der Ministerbank aus auf den sozialdemokratischen Führer Dr. Bauer einsprach. Don den sozialdemokratischen Bän­ken wird immer der Ruf:Es gibt keine Sitzung ohne Abbitte!" hörbar. Gleich zu Be­ginn des Auftrittes hatte der den Vorsitz füh­rende Vizepräsident Elderch (Soz.) die Sitzung unterbrochen. Nach wenigen Minuten erschien rende Vizepräsident Eldersch (Soz.) die Sitzung um mitzuteilen, daß sie neuerlich unterbrochen wird, um den Parteiobmännern Gelegenheit zur Aussprache über den Zwischenfall zu geben. Unter stürmischen Abzug-Matajarufen seitens der Sozialdemokraten leerte sich der Saal. Die um 5 Uhr unterbrochene Sitzung wurde um 7^ Uhr wieder ausgenommen. Die D b = männerkonferenz, die sich, wie ver­lautet, für die Entscheidung des Zwischenfalls mrkompetent hinstellte, erklärte, es sei Sache der Regierung festzustellen, ob sie sich mit Mataja solidarisch erkläre.

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In der Obmännerkonferenz des National- richteten die Vertreter des sozialdemokra­tischen Verbandes wegen des Vorfalls in der Plenarversammlung an die Regierung zwei Fragen, deren schriftliche Formulierung sich Bundeskanz.er Ramek erbat. Nach Schluß der Sitzung übermittelte der Obmann des Verban­des Bundeskanzler Ramek dies« beiden Fragen die folgenden Wortlaut haben: 1. Identifiziert sich die Regierung mit den unflätischen Be­

schimpfungen, welche der Minister Mataja heute gegen den Abgeordneten Leuthner aus­gesprochen hat. 2. Ist die Regierung bereit, dem Verbände der sozialdemokratischen Abge­ordneten für diese Beschimpfung Genugtuung zu geben.

Keine Krise.

Wien, 13. Okt. Im Zusammenhang mit dem Zusammenstoß zwischen den Sozialdemo­kraten unb dem Außenminister Mataja in der heutigen Sitzung des Nationalrats wurde nach der Unterbrechung der Sitzung auch von der Möglichkeit tiner Ministerkrise gesprochen und in parlamentarischen Kreisen wurden Stimmen laut, die von der Möglichkeit des Ausscheidens

Vom marokkanischen Kriegsschauplatz.

Unsere, von einem spanischen Flugzeug hergestellte Aufnahme zeigt die in Brand geschossene Stadt Ajdir.

Dr. Matajas aus dem Kabinett sprechen. Abends wurde jedoch von den führenden Mit­gliedern der Mehrheitsparteien erklärt, daß keine Krise bestehe und der Zwischenfall vor­aussichtlich bis zum Beginn der morgigen Sitzung beigelegt sein wird. Die Regierung er­klärt, wie dieNeue Freie Presse" erfährt, daß für den Ministerrat keine Veranlassung vor­liege, irgendeinen Beschluß zu fassen, doch ver­lautet, daß der Ministerrat sich trotzdem mor­gen vormittag mit der Antwort auf die von dem sozialdemokratischen Verband gestellten zwei Fragen befassen wird. Für morgen vor­mittag ist der sozialdemokratische Abgeordneten­verband zu einer Sitzung einberufen worden, welche die Antwort der Regierung beraten wird. Unabhängig davon wird Präsident Mik- las in der morgigen Vollsitzung auf den Zwi­schenfall zurückkommen und in einer präsidialen Erklärung den Auffassungen der Parteien Rechnung tragen.

Graf Brock-orfs-Rantzau über Sen Seutfch-ruffischen Vertrag.

Moskau, 13. Okt. Der Vorsitzende der russi­schen Delegation, Ganetzky, gab in einer Rede bei der Unterzeichnung des deutsch-russischen Vertrages der Ueberzeugung Ausdruck, daß der Vertrag die wirtschaftliche und kulturelle Zu­sammenarbeit Deutschlands und Ruhlands stärken werde. In der Vorkriegszeit betrug die russische Einfuhr aus Deutschland 47 Prozent des gesamten russischen Imports, die Ausfuhr nach Deutschland 30 Prozent des gesamten russischen Exports, und war höher als die Aus­fuhr in irgend ein anderes Land. Nach dem Abschluß des Handelsvertrages werden diese Zahlen in kürzester Zeit sogar überschritten werden. Der Vertrag habe auch eine große po­litische Bedeutung, da die Rapallolinie weiter ausgebaut werde. Zum Schluß sprach Genetzky dem deutschen Botschafter von Brockdorff- Rantzau und der gesamten deutschen Delega­tion für die freundschaftliche Zusammenarbeit seinen Dank aus.

Botschafter Graf Brockdorff-Rantzau erklärte heute vor Pressevertretern:Der soeben unter­zeichnete Vertrag, das Ergebnis zweijähriger schwieriger Verhandlungen, ist der Ausdruck des ernsten Willens beider Teile, zwischen den so verschiedenartigen wirtschaftlichen und recht­lichen Verhältnissen Deutschlands und der Sowjetunion einen gesunden Ausgleich zu fin­den. Dieser Wille half beiden Teilen über die Tatsache Hinwegs daß nicht all? Wünsche voll berücksichtigt werden konnten, deren Befriedi­gung die beiderseitigen Wirtschaftsorgane für den Abschluß des Vertrages als unerläßlich bezeichnet hatten.

Der Vertrag schafft für die zwischen den beiden Ländern bestehenden Wirtschafts­beziehungen eine rechtliche Grundlage und eröffnet zugleich die Aussichten für einen weiteren Ausbau dieser Beziehungen.

Die Hebung der beiderseitigen Handelsumsätze allein würde den Vertrag noch nicht rechtferti­gen." Der Botschafter gab der Erwartung Ausdruck, daß durch den Vertrag in den wirt­schaftlichen Beziehungen eine kräftige Entwick­lung einsetzen und was nicht minder wichtig fei die enge wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern gefördert werden möge. Infolge dieser wirtschaftlichen Zusam­menarbeit würden auch die durch die Lenin­grader Akademiefeier neu belebten geistigen Beziehungen weiter erfolgreich entwickelt wer­den. Der Botschafter fuhr fort:Der unter­zeichnete Vertrag ist die wirtschaftliche Ausge­staltung des Rapallovertrages, der die Pinie

der Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern festlegte. Der Vertrag ist ein neuer Beweis da­für, daß beide Länder entschlossen sind, an die­ser Linie festzuhalten. Eine derartige Klar­stellung der gegenseitigen Verhältnisse zwischen den beiden Ländern, die so auf einander an­gewiesen sind wie Deutschland und die Sowjet­union, bedeutet eine wesentliche Förderung der wirtschaftlichen Gesundung eines Gebietes, das eine Bevölkerung von fast 200 Millionen Men­schen umfaßt. Der Vertrag bleibt somit auch auf die Gestaltung der allgemeinen internatio­nalen Beziehungen zwischen den beiden Län­dern nicht ohne Einfluß."

Preußischer Landtag,

Berlin, 13. Okt. Zu Beginn der heutigen Landtagssitzung gedachte der Präsident Bar­tels zunächst des Ablebens des Abgeordneten Dr. Preuß. Nach der Staatsumwandlung fei

Dr. Preuß es gewesen, der der neuen deutschen Republik das Grundgesetz schuf. Auch um das Zustandekommen der preußischen Verfassung habe er sich Verdienste erworben.

Auf der Tagesordnung steht dann die

zweite Beratung des Haushaltes des Innen­ministeriums.

verbunden mit der Beratung der Anträge und großen Anfragen über die Unterbringung der Optanten, über Unwetterschäden u. a., ferner das deutfchnativnale Mißtrauens­votum gegen den Innenminister Seve­ring. Der Ausschuß fordert u. a. einen An­trag, daß alles getan werde, um dafür zu sor­gen, daß die Räumung der Kölner Zone nicht eine starke Belastung der dann noch besetzt ge= bitebenen Gebiete werde.

In der

allgemeinen Besprechung

erhält zunächst das Wort Abg. Hirsch (Soz.) Die Rechte, so erklärte er, hat durch ihre volks­feindliche Agitation den Boden für einen Sieg der Sozialdemokratie so gut vorbereitet, daß wir uns aufrichtig freuen können. Dem Fall des Landrates des Kreises Liebenwerda ließe sich eine ganze Reihe von Fällen gegenüber­stellen, wo Veruntreuungen auch von Deutsch­nationalen als Landräten begangen worden seien (Unruhe und Zurufe rechts). Wenn man an dem System Severing etwas auszusetzen habe, so sei es nur das, daß es mit der Be­setzung von Beamtenstellen mit Republikanern nicht rasch genug vorwärts gehe. Noch immer sehe die Mehrzahl der höheren Verwaltungs­beamten ihre Aufgabe im Kampf gegen die neue Staatsform. Der Redner richtet Angriffe gegen den deutschnationalen Abgeordneten Bachem, von dessen Treiben sich gewiß auch zahlreiche Deutschnationale mit Ekel abwenden.

Abg. Milberg (Dnl.) erklärt, die Deutsch­nationalen hätten nichts gegen die Person Severings, müßten aber seine Personalpolitik und seine Verwaltungsmethode verurteilen. Die Wirtschaft bei den Gemeinden und öffent­lichen Verbänden schreie zum Himmel. Eine bessere Parole als Herrn Severing zu stürzen könne es für den Wahlkampf nicht geben. In seinen weiteren Ausführungen erhob Abg. Milberg (Dnl.) Einspruch gegen die ungleiche Behandlung von Mitgliedern rechtsstehender Organisationen gegenüber denen von den Linksorganisationen. Die Bestätigung des Landrats Damirskie, eines ausgesprochenen polnischen Agitators, bedeute eine unerhörte Provokation der ostpreußischen Bevölkerung. ÄasSystemSeveringseieinKrebs- schaden für Preußen und Deutsch­land.

Abg. Schwenker (Komm.) erklärt, die Personalpolitik des Ministers Severing zeige nicht den geringsten Willen, den Interessen der werktätigen Bevölkerung nachzukommen. Der Redner tritt weiter für Auflösung des Landtages ein. In Locarno werde bloß eine Komödie aufgeführt. Dort wolle man Deutschland mit den Wäftmächten gegen Ruß­land zusammenschließen. Der Redner kündigt dem Minister Severing das schärfste Mißtrauen an.

Dr. Grzimek (Dem.) fordert vom Innen­minister die Erhaltung des Deutschtums und die Erhaltung der deutschen Kultur. Jeder politische Beamte müsse eine feste Einstellung zum Staat haben. Die immer noch zahlreichen deutschnattonalen Beamten müßten heraus, um anderen Platz zu machen. D^r Redner tritt zum Schluß für den Schutz der Rechte der Min­derheiten ein.

Die Weiterberatung wird dann auf Mitt­woch 12 Uhr vertagt.

Die Stellage der Veamlenschafi,

Berlin, 13. Okt. Der preußische ^tnangminif-, emhfing heute die preußischen Beamten pitzknormw 'ationcu, vertreten durch den Preußischen Beamte bund, den Reichsbund der höheren Beamten, Abteile Preußen, und den Gewerkschaftsring deutscher S amtenverbände. Von den Organisationen wmde eindringlichen Worten die Notlage der Beamten J schildert und die Notwendigkeit einer sofortigen U Hilfe eingehend begründet. Der Fmanzminister J die Notlage der Beamtenschaft zu, betonte aber, daß» die augenblickliche Finanzlage des Reiches, btt Länder und der Kommunen zur Zeit niâi zil: asse, eine allgemeine Erhöhung der Beamter! besoldung eintreten zu lassen. Auch für die am testen besoldeten Beamten könnte eine Besoldungzaai- Besserung zur Zeit nicht in Fraae kommen. Eine sicherung für die Zukunft zu geben, sei er ebenfalls nicht in der Lage. Er sei aber bereit zu prüfen, Welcker Weise den in besondere Not geratenen Beamter im E'nzelfalle mehr als bisher geholfen werden lönne Die Beamtenspitzenorganisationen bedauerten, daß ein durchgreifende Hilfe nicht erfolgen solle, und betonter daß sowohl im Staatsintercffe als auch im Inters der Beamtenschaft eine sofortige Erhöhung der algt, mein als unzureichend anerkannten Gehälter unâ weisbar sei.

Die Trauerfeier für Hugo Preuß.

Berlin, 13. Okt. Im Preußischen Landtag fani heute vormittag die Trauerkundgebung fi, den Reichsminister a. D. Professor Dr. Hugo Prmtz statt. Vor dem Portal des Lanvtagsgebäudes bildet! das Reichsbanner Spalier. Treppenhaus und Wandtl- Halle waren mit Blattgrün und Trauerflor weihevoll geschmückt. Den in der Wandelhalle aufgcbahM Sarg umgab eine Ehrenwache des Reichsbanners unb der studentischen Korporation, der der Verstorben! nahegestandcn hat. Eine Fülle von Kränzen, meist mit schwarz-rot-goldenen Schleifen, verdeckte den Sarg, In Anwesenheit der Witwe und der Angehörigen des Entichlafenen, zahlreicher Vertreter der Reichs regierung, der Staatsreg>crung, sonstiger Behörden und vieler Abgeordneter eröffnete Reichsminister Dr Brauns die Feier, indem er das Beileid der Reiche regierung ausdrückte und das Werk des Dahin- gegangenen würdigte. Der Vorsitzende der Dem kratischen Partei Reichsminister a. D. Koch feierte bei Verstorbenen gleichfalls als Schöpfer der Reichs- Verfassung und entwarf ein Bild seines Lebens. Land- tagspräsidrnt Bartels hob hervor, daß der Verstorben bis zuletzt unermüdlich im Parlament und in den Aus­schüssen gearbeitet habe. Justizrat Falk-Köln, btt Vorsitzende der demokratischen Landtagsfraktion, feierte Preuß als Freund, Weggenossen uns Führer btt Demokratischen Fraktion. Major Hauff sprach sw das Reichsbanner und Senatspräsident Großmann für den republikanischen Reichsbund. Dann tourbt der Sarg unter den Klängen des Harmoniums au§ dem Saale geleitet.

Neues Ksntumazurlett.

Paris, 13. Okt. In Amiens wurde heute her deutsche Kürassiernttmcister Bauermeister, bet sich gegenwärtig im Schlosse Löbnitz aufhalten soll, in contumaciam zu 20 Jahren Zwangsarbeit und 20= jährigem ÄMcnthaltsverbot verurteilt. Er soll als Leiter der Kommandantur von La Fèce während bi» Krieges die Besitzungen des Generals de Guitant utst des französischen ©Beriten Aubrot geplündert häbtii

Aus aller WeU.

Acht Personen in den Flammen umgekommen

Marktredwitz, 14. Okt. DasMarktredwitzer Tagebl." meldet aus Markt-Lenchen: In der vergangenen Nacht gegen 2 Uhr entstand im Gebäude der oberfränkischen Porzellanfabri! Bates u. Co. aus unbekannter Ursache ein gro­ßer Brand. Das Nebengebäude brannte bis au! die Umfassungsmauern nieder. Die im ersten Stockwerk des Gebäudes wohnende Familie des Porzellanoberdrehers Martin mit zusam men 8 Köpfen konnte infolge des mit rasend» Schnelligkeit um sich greifenden Feuers nicht mehr gerettet werden und kam um. Den Be­mühungen der Feuerwehr gelang es erst in den heutigen Morgenstunden des Feuers Herr M werden.

Der Düsseldorfer Gemäldediebstahl vor Gericht

Düsseldorf, 13. Okt. Am 30. September 1924 nachts wurden durch Einbruch aus den Räu­men des Städtischen Museums acht wertvolle Gemälde gestohlen. Vor dem erweiterten Schöf­fengericht haben sich am heutigen Dienstag die beiden Gemäldediebe Kiesewetter und Ber- zewske wegen einfachen Diebstahls zu verant­worten. Mit angeklaot ist ferner Direktor Mar­tin Hackenbreich, Geschäftsführer des Vereins Düsseldorfer Künstler. Da etwa 50 Zeugen ge­laden sind, wird der Prozeß voraussichtlich meh­rere Tage dauern. Kiesewetter hat eine sehr bewegte Vergangenheit hinter sich und bereits mehrere Male mit den Gerichten Bekanntschaft gemacht. Er hält sich in Titisee, Baden-Baden, Bad Nauheim und anderen Städten unter dem falschen Namen eines Dr. Wintz auf und hat, ohne Arzt zu fein, an Frauen schwierige Ope­rationen vorgenommen. In Wien muhte » wegen Entführung einer Minderjährigen zw» Jahre schweren Kerkers verbüßen. Der zweite Angeklagte, Martin Berzewske aus Neusah a. O. gab bei feiner Verhaftung in Amsterdam richtige Personalien an. Er reifte in frühereu Jahren als Dr. Schulze und Dr. Haas m" Kiesewetter in der Welt herum und leistete diesem alsAssistenzarzt" Hilfsdienste.

Selbstmord.

Wien, 13. Okt. Der Kammerdiener des Generalkommissars Dr. Zimmermann ist heute früh in seinem Zimmer mit Leuchtgas vergiftet tot aufgefunden worden. Es . liegt zweifellos Selbstmord vor, den er, Blättermèldungen zu­folge, wegen seiner Entlastung verübt hat.

Vanderbilt in Hamburg.

Hamburg, 13. Okt. Heute ist der amerika­nische Finanzmann W. K. Vanderbilt hier ein« getroffen. In feiner Begleitung befindet sich Bankier Green.