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201. Jahrgang.

hanauer 8 Anzeiger

General-Anzeiger für die Kreise Kanan Sladl und Land.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Fernsprech-Anschlutz Nr. 1237 und 1238.

B«»»S»pr»i»'- 50* bett halben Monat 1 Reichsmark, für den ganzen Monat 2 Reichsmark ohne TrSgerlohn. Einzelnummer 10, Freitag und Samstag 12Retchspfennig. - Anzeigenpreise: Für , _ Höhe tat Anzeigenteil von 28 mm Brette 8 Reich-Pfennig, im Reklameteil von 68 mm Breite N Sietchopfenntg. Offertengebühr: öv Reichspsenntg. Geschäftsstelle; Hammerstratze S.

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M. 238

Samstag den 10. Oktober

1925

Fühlungnahme der Delegierten.

Unterredungen zwischen BriandStresemann, Chamberlain Luther, StresemannBenesch

Das Neueste.

Im Verlauf des gestrigen sitzungsfreien Tages von Locarno fanden Einzelbesprechun­gen zwischen den Delegierten der Länder statt.

Der Schöpfer des Weimarer Ver- fassrmgsentwurfes Professor Dr. Hugo Preuß tst in der Nacht zum Freitag einem Schlag­anfall erlegen.

Havas meldet aus Lyon, die kommuni­stische Partei hat heute nacht Plakate ange- chlagen, in denen die Arbeiter aufgefordert Derben, den 24ftünbigen Proteststreik zu be= ginnen. Es wird sich zeigen, ob das bedeutet, m6 am kommenden Montag in ganz Frank­reich der Streik in Erscheinung tritt. Der Streik ist gegen die Lebensmittelteuerung und den Krieg in Marokko und Syrien gerichtet.

Der fünfte Tag.

Locarno, 9. Okt. An dem heutigen sitzungs- tofen Tag wurde vielleicht mehr konferiert, Ms an manchem der vorausgegangenen Tage mit Plenarsitzungen. Die Grundlage für die heutigen Einzelbesprechungen bildete M gestrige Vollsitzung, die den lebhaftesten Charakter hatte, Zuverzeichnen war. H auch noch keineswegs die zu erstrebende Lö­sung gebracht oder auch nur vorbereitet, so hat sie doch die Atmosphäre etwas gereinigt, und in Dieser freieren Luft bot sich heute die Grund­lage für die Einzelbesprechungen, die das Pro­gramm des Tages bildeten.

Ein neues Moment, das man zu­nächst als eine Erschwerung ansehen möchte, Das aber vielleicht die schließliche Berständigung rrleichtern kann, bildet die Anwesenheit bet Außenminister der beiden Ost-

taaten, von denen heute Graf Skrzy ci Gelegenheit genommen hat, die Presse seinen Ansicht...

Skrzynski, der einen frisch bei dem man daneben mc

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e mit

t e n bekannt zu machen. ien Eindruck macht,

_______ __________ _.e gute Diplomaten­schule des Ballplatzes in Wien merkt, aus der er hervorgegangen ist, brachte zwar nicht viel Besonderes in die Debatte, wenn man nicht den nnen Satz als solches ansehen will, daß die Polen nämlich nicht hergekommen seien, um

lrchem Wege der Verstand!- zu dienen. Wenn die beiden Minister taaten auch noch nicht aktiv an der Kon­

ferenz beteiligt sind, so ist es immerhin mög-

daß sie sich in einigen Tagen beteiligen können, da ja bei dem zwanglosen Charakter der ganzen Behandlungen ihre Zulassung durch «machen Beschluß aus der Versammlung mög­lich ist. Graf Skrz

eint auch damit zu

rechnen, bereits am Montag gehört zu werden.

diesem Falle hat er vor, eine neue Form des 8 6 des Garantiepaktes vorzuschlagen, die nach französischen Blättern die Garantie eben >n dem Falle des § 16 des Völkerbundstatuts verankern will, der einem Staat, der sich in leidigun h^E' das Recht zur legitimen Ber-

®s ist jedoch heute weniger als in den Dorangegangenen Tagen feststellbar, inwieweit vsfektiv vorangeschritten ist. Der Eindruck herrscht jedoch vor, daß auch die Einzel- nm Brechungen keine greifbaren Ergeb- Weitigt haben, mit denen Deutschland 17 restlos zufrieden geben könnte. Es erscheint ^^r, daß die deutsch eDelegation nicht t M l * ist, sich mit f r e u n d l i ch e n W o r- e n über die allgemeinenpolitischen abspeisen zu lassen, sondern sie wünscht Konkreteres in die Hand zu bekommen. Lage" ^6^ vor allem die Schwierigkeit der

Gegenüber diesen Dingen traten die Bera- m den Hintergrund, denen sich heute die gewidmet haben. Es steht im Augen- "'â)t fest, wie weit sie gekommen âhr- 1°"^rs, ob sie die Grundlage zu einem iphf^n 3en^en Gutachten geschaffen haben. So Jf, auch aus Paris und London hoffnungs- ueStunmen hierherzurückkommen, die sich so

ausdrücken, als ob man, wenn auch nicht gerade über bem Berg, so doch schon unmittelbar unter dem Gipfel wäre, so muß man doch auch am heutigen Tage vor übertriebener Zuversicht warnen. Noch ist zwar wie Scialoja heute auf dem Presscempfang sagte nichts ver­loren, aber auch noch nichts gewonnen. Lange kann dieser Zustand nicht mehr dauern, und in­sofern sind sich sowohl die optimistischen als auch dis pessimistischen Beobachter einig, daß das Ende der Locarneser Tage nicht mehr all­zufern sein kann.

Unterredung zwischen Stresemann und Briand.

Locarno, 9. Okt. Dr. Stresemann hat heute vormittag um 11 Uhr den französischen Außenminister Briand besucht, um mit ihm die angekündigte Besprechung abzuhalten. Wei­tere Mitglieder der Delegationen sind an dieser Fühlungnahme, die den Zweck hat, die Klä­rung über das morgen in der Bollversamm­lung zur Beratung stehende Hauptproblem zu fördern, nicht beteiligt. Die Zusammenkunft der beiden Außenminister ist allerdings gewisser­maßen erst das Vorstadium der heutigen Füh­lungnahme. Für den Nachmittag ist eine wei­tere Zusammenkunft geplant, der noch größere

die Art der Nachmittagsveranftaltung noch aus. liegt wohl auch noch nicyt endgültig fest, wird vielmehr von dem Ausgang der Unterredung der Außenminister bestimmt werden. Sollte sich in der Unterredung der beiden Außenmini­ster eine Grundlage für eine erweiterte Er­örterung finden lassen, so würde sich die für heute nachmittag geplante Zusammenkunft wohl als eine kleine Konferenz der Delegationschefs in der Umgegend von Locarno vorstellen.

Währenddessen sind die Juristen damit be- schäfigt, die sachlich bereits feststehende Ueber- einkunft in der Garantie frage in eine einwandfreie juristische Form zu gießen, die na­mentlich dem Rahmen des Bölkerbundes ent­spricht. Sie werden sich aber außerdem auch bereits mit den Fragen des Artikels16zu beschäftigen haben, soweit sie in den bisherigen Hauptverhandlungen bereits geklärt worden sind. Es muß übrigens betont werden, daß die deutsche Delegation nach der Stimmung des Vormittags unter allen Umständen daran fest­hält, daß der Artikel 16 in einer Weise inter­pretiert wird, die mit dem bekannten deutschen Standpunkt vereinbar ist.

*

Paris, 9. Okt. In dem Havasbericht über die heute vormittag stattgefundene Unter­redung zwischen Briand und Stresemann heißt es, der deutsche Reichsaußenminister habe, als er Briand verließ, die Miene wirklicher Befriedigung gezeigt. Man verstehe übrigens das Interesse, das diese erste private Unterredung mit dem französischen Außenmini­ster für Stresemann haben konnte, dem die Ini­tiative für die Politik der französisch-deutschen Annäherung zukomme, die man sich in Locarno bemühe in die Tat umzusetzen. Selbstverständ­lich würde keine Indiskretion das über dieser Bewegung liegende Geheimnis aufdecken kön­nen. Man sei daher auf Vermutungen ange­wiesen. Wegen des Temperamentes der beiden in Frage kommenden Persönlichkeiten sei es zweifelhaft, daß sie sich im kleinen Stile über die redaktionellen Aenderungen unterhalten hätten; das sei vielmehr das Werk der Juristen. Die beiden Staatsmänner hätten sicherlich wei­terblickend die Gesamtheit der politischen und wirtschaftlichen Fragen behandelt, die nicht nur in den beiden Ländern, sondern in ganz Europa interessierten. Der Weltkrieg habe in her Tat die Organisation Europas in einer Weise um- gestoßen, daß man unmöglich Abhilfe schaffen könne, ohne die Mitarbeit aller Nationen, die noch an den Folgendes Krieges litten. Dies aelte umsomehr von benachbarten Völkern wie Deutschland und Frankreich, deren natürliche Reichtümer und Bedürfnisse sich ergänzten. Diese machtvolle Interessengemeinschaft müsse die beiden Regierungen zu wirtschaftlicher und

politischer Solidarität veranlassen. Auf diesem Gebiete höherer politischer Philosophie hätten Briand und Stresemann sich leicht nähern können. Es handle sich nur noch darum, ihren gemeinsamen guten Willen in die Tat umzu­

Chamberlain bei Dr. Luther.

Locarno, 9. Okt. Heute abend kurz von %6 Uhr ist der englische Außenminister Chamber­lain im Hotel Esplanade erschienen, um den Reichskanzler zu einer verabredeten Bespre­chung zu besuchen. Es ist anzunehmen, daß die­sen Unterhandlungen im Rahmen der heutigen persönlichen Fühlungnahme sehr erhebliche Be­deutung zukommt, da die Konferenz gerade durch diese Art der Besprechungen immer sie» fer in den Komplex der Probleme hineingeführt worden ist. Reichskanzler Luther hat kurz, nachdem Chamberlain ihn verlassen hatte, die­sem einen Gegenbesuch abgestattet.

Bei all diesen Unterredungen soll der bel­gische Vermittlungsvorschlag bezüglich des Art. 16 des Völkerbundsstatuts eine Rolle gespielt haben und derLokalanz." weiß sogar zu mel­den, daß die Aussprache zu einer weiteren Klärung des Standpunktes der verschiedenen

des

brückung der bestehenden Gegensätze in den Auffassungen sprechen könne. Vandervelde soll am Nachmittag in einer Unterredung mit dem Staatssekretär v. Schubert seine Vermittlungs­aktion in der BSlkerbundsfrage fortgesetzt haben.

Luther» Briand» die Wirtin und die Katze.

Cocarno, 9. Okt. Ein französischer Bericht­erstatter hat, da er weder Luther noch Briand interviewen konnte, die Wirtin desAlbergo Elvezia" interviewt, auf deren Terrasse die Begegnung stattge­funden hatte. Die Schilderung, die natüruch keinen politischen Wert hat, ist in jedem Falle amüsant.

Die Terrasse ist ganz leer. Die W i r t i n ist groß und stark und trägt eine blaue Schürze. Als sie mich sieht, läßt sie ihre Kasserollen im Stich.Wissen Sie schon, welche Gäste Sie heute gehabt haben?"

Ja, ich weiß", antwortet die Frau; sie ist noch ganz aufgeregt.Erst habe ich sie nicht gleich erkannt, aber dann waren wir im Bilde. NetteHerren sind alle beide. Sie finu sehr freundlich gewesen und haben geredet, länger als YA Stunden.

Sah es nicht aus, als ob sie sich verstan­den?"O ja, sie sprachen sehr freund- l i ch miteinander. Einmal nahm der Franzose ein Papier aus der Tasche und der Kleine nickteJa, ja" mit dem Kopfe. Genickt hat er, gehört habe ich nichts?"

Was haben denn die Herren getrunken?"

Ganz einfache Sachen, Selterswasser und Kaffee und Weintrauben haben sie gegessen. Sie aßen und tranken und es hat ihnen geschmeckt, aber sie haben dabei immer ge­sprochen. Mein Mann wollte, ich sollte ihnen eine Flasche Champagner bringen, aber ich habe mich nicht getraut."

Das wäre wohl noch etwas zu früh ge­wesen?"

Und wissen Sie, der Kleine, der Deutsche, warnett. Er nahm unsere Katze und hat sie auf den Tifch gesetzt. Er spielte mitderKatze und wollte ihr etwas Fleisch zu fressen geben, aber es war keins im Hause. Als die Herren fortgingen, machten sie mir ein Kompliment. Es wäre alles sehr schön gewesen und sie hätten eine angenehme Stunde bei mir gehabt."

Wer hat denn bezahlt?" Ich glaube, es war der Franzose."

Kin-euburg-EhrUng deutsch-stämmiger Amerikaner.

Aus Anlaß des 78. Geburtstages des Reichs­präsidenten v. chindenbura überreichte am

Donnerstag ein Beauftragter der deutschstäm« migen Amerikaner dem Reichspräsidenten ein« von über 200 deutsch-amerikanischen Vereinen unterzeichnete Huldigungsadresse, die bett Wahlspruch Hindenburgs trägt:Die Treu, ist das Mark der Ehre."

Dr. Sligo Preutz f.

Berlin, 9. Okt. Der demokratische Landtags« Abgeordnete Staatssekretär und Reichsminister des Innern a. D. Dr. Hugo Preuß ist heute nacht im Alter von 65 Jahren einem Schlag­anfall erlegen. *

Reichsminister a. D. Hugo Preuß wurde atü 28. Oktober 1860 in Berlin geboren. Er be­suchte dort das Gymnasium und wandte sich auf den Universitäten zu Heidelberg und Ver, lin dem Studium der Rechts- und Staats­wissenschaften zu. Seinen persönlichen Neigun- gen folgend, ließ er sich nach Abschuß seiner Studien im Jahre 1889 als Prioatdozent an der Berliner Universität nieder. In der Fort­schrittlichen Volkspartei betätigte er sich beson­ders auf dem Gebiete der Kommunalpolitik« Er war als Vertreter dieser Partei lange Jahre Stadtverordneter in Berlin. Im Jahre 1910 wurde er zum unbesoldeten Stadtrat in den

nnern, die am 15. ovember 1918 durch den Rat der Volksbeauftragten erfolgte, inne hatte. Bei der Bildung des Koalitionsministe­riums am 6. Februar 1919 durch die Rational- Versammlung in Weimar wurde er zum Reichs­minister des Innern ernannt. Aus solchem fiel ihm die wichtige Aufgabe zu, die F o r m u l i e- rung der neuen Reichsverfassung zu leiten. Der Wahlkreis Berlin wählte ihn bei den Wahlen zur preußischen Landesver- sammlung am 26. Januar 1919 als Vertreter der deutschen demokratischen Partei in diese, ebenso im Jahre 1921. Vom Reichsministerium des Innern trat er mit dem Kabinett Scheide­mann im Juli 1919 wieder zurück. Jedoch wirkte er noch bis 311m Abschluß der Reichs-- verfassuna im August 1919 als Kommissar der Reichsregierung mit. Hu g o Preuß hat den Entwurf zur Weimarer Ver« s a s s u n g h e r g e st e l l t, dem wesentlich zen­tralistische Tendenzen zu Grunde lagen. Dieser Entwurf ist jedoch bei der weiteren Beratung und Ausarbeitung der Reichsvetfasfung durch die von den Parteien vereinbarten verschiede­nen Kompromißformeln vielfach durchlöchert worden. Dennoch darf Preuß als Schöpfer der neuen Reichsverfassung gelten.

Eine Trauerkundgebung.

Frankfurt a. Al., 9. Okt. Anläßlich des Todes des Reichsministers a. D. Dr. Preuß hat der Reichsvvorstand des Deutschen Repu­blikanischen Reichsbundes eins Trauerkundgebung erlassen, in der erklärt wird, daß nach dem Ableben Konrad Haenischs mit Hugo Preuß, dem Schöpfer der Weimarer Ver­fassung, wiederum einer der aufrechtesten Kämpfer für den demokratischen Volksstaat da­hingegangen sei. Preuß sei jederzeit ein enk« schiedener Verfechter des sozialen Gedankens; und des politischen Fortschrittes gewesen.

Deutsch-demokratisches Beileid.

Berlin, 9. Okt. Der Vorsitzende der deutsch» demokratischen Partei, Reichsminister a. D.. Hoch-Weser, hat an Frau Preuß ein Beileids- schreiben gerichtet, in dem es heißt:So be­deutsam das ist, was Ihr Gatte politisch und wissenschaftlich vor 1914 und nach 1918 geleistet hat, im deutschen Volke wird nicht so schr der Parlamentarier und Gelehrte, wie der Vater der Weimarer Verfassugn fortleben. Mit die- em großen Werk, das in beutfefjer Not ent- tanb und für das deutsche Volk die feste Da- einsgrundlage in schwerster Bedrängnis ge­worden ist, ist sein Name unsterblich geworden. Politische Gegner haben ihn, den Kampfes- frohen, wohl bekämpft, den Ruhm aber können sie ihm nicht nehmen, daß sein Werk seines überlegenen Geistes den stärksten Stürmen ge* trollt und das deutsche Volk befähigt hat, KW