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201. Jahrgang.

Hanauer W Anzeiger

General-Anzeiger für die Kreise Kanarr Stadt und Land.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Fernsprech-Anschluß Nr. 1237 und 1238.

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Nr. 235

MMwoch den 7. Oklober

1925

Die Schwierigkeiten beginnen.

In die Beratung der Hauptprobleme einge relen. Deutschland soll die französische Garantie über die Ostgrenzen anerkennen?

Das Neueste.

Reichspräsident von Hindenburg hat gestern Tschitscherin empfangen.

Das Befinden Dr. Stresemanns, der in Locarno von einer fieberhaften Klimawerbsel- krankheit befallen worden war, hat sich erheblich

gebessert.

Der zum Generi worden.

französische Justizminister Steeg ist Presidenten von Marokko ernannt

Nach einer Havasmskdung aus Fez sind gestern vormittag in der Gegend von Fez ge- maltige Regenmassen niedergegangen. Im mittleren Frontabfchnitt haben französische Abteilungen die Stellung vor Bu Halima er­reicht während die gegnerischen Kräfte die Ge­gend vor Sof el Quibas geräumt haben.

Die zweite Vollsitzung.

Locarno, 6. Okt. Von heute nachmittag 4% Uhr bis 6X Uhr dauerte die zweite Vollsitzung der Konferenz. Ueber die Sitzung wurde nach gemeinsamer Verabredung das folgende a m t -

K o mmu. ji i.q.u ë ausge^xben:

inte

4^ Uhr nachmittags zum zweiten Male zu­sammen. Es wurde die Erörterung des Paktentwurfes fortgesetzt, in dem Fragen diskutiert wurden, deren Prüfung in der vorhergehenden Sitzung vorbehalten wor­den war. Diese Fro diskussion unterworfen, welche am Donnerstag den 8. Oktober, um 4 Uhr nachmittags fort-

;en wurden einer General-

Dieses Kommunique ist sehr dürftig ge­halten und man kann aus dieser Dürftigkeit folgern, daß die Konferenz bereits einen Punkt erreicht hat, bei dem man in die Probleme und damit in die Schwierigkeiten hineingestiegen ist. Man kann es dahingestellt sein lassen, ob es wirklich schon so weit ist, wie die Engländer behaupten, daß man schon um die politischen Hauptfragen gewürfelt habe, die nicht im Sicherheitspakt stehen, sondern von der deut­schen Delegation als Unumgänglichkeiten mit­gebracht worden sind, ohne die für Deutschland der Abschluß eines Sicherheitspaktes, mag er nun aussehen wie er will, überhaupt undenk­bar ist. Immerhin, der Ernst der Verhand­lungen hat begonnen. Er hat sogleich so stark eingesetzt, daß schon diese Tatsache allein die Konferenz von Locarno von allen früheren Zusammenkünften unterscheidet. Außenminister Lr. Stresemann charakterisierte diese Konferenz den Pressevertretern dabin, daß hier von An­beginn an unerhört Warf gearbeitet werde, ön der Tat hat man die Präliminarien aufs Mernotwendigste beschränkt. Daß bereits heikle Fragen zur Tagesordnung stehen, geht ja auch daraus hervor, daß der amtliche Bericht davon pricht, daß gestern Dinge behandelt worden sind, die vorgestern verschoben wurden, eben wegen ihrer Schwierigkeit. Ueber das aber, was verhandelt worden ist, darüber wird der Schleier des tiefsten Geheimnisses gedeckt, sodaß man von einem Stadium des Stillschweigens sprechen muß. Vielleicht wird es nicht lange bauern. Kanzler und Außenminister haben Verständnis für den allgemeinen Schmerz jer hiesigen Vertreter der deutschen Presse, im Dunkeln herumtappen und nichts Tatsächliches sagen zu können. Sie wünschen darum selbst, eatz diese Phase bald vorbeigehen wird, denn ?5 kein Zweifel über die Gefahr, daß die Esche Presse für diese Zeit ohne eine einheit- uche Linie bleibt. Die Rückwirkungen müssen natürlich äußerst unangenehm sein. Aber man hat offenbar ein Gentb^^. Abkommen ge= troffen wonach eben bieU Taktik befolgt wer- oen soll. Dabei kommen allerdings die Auslän- ver immer noch am besten weg, denn die w K Delegation ist der Ansicht, daß sie ganz esonders Grund hat, vorsichtig zu sein und > cht die Oeffentlichkeit in Dinge bineinzu- Ä über deren Behandlung die Gegenseite B) viel freier diskutieren kann als wir wenn wir unsere Situation nicht er= aperen wollen. Das heißt also, sich zunächst

Eine neue Wehensrehe Moes

Omaha, 6. Okt. Bei der Tagung der ameri­kanischen Legion hielt Präsident Coolidge eine Rede, in der er u. a. ausführte: Die Gröhe des Dienstes, den Sie dem Lande und der ganzen Menschheit geleistet haben, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Es waren mancher­lei Gründe, die unser Volk dazu veranlaßten,

Rassenhaß zugrunde ht Handelsneid, noch

in den Weltkrieg einzugreifen. Uns bewog nicht Jahrhunderte alter Streit, dem Rasseneifersucht und R "

lagen, uns bewog auch nicht Handelsneid, noch begehrten wir den Gewinn neuen Landes, Aber es kam die Zeit, da wir gezwungen waren, Recht und Leben unserer Bürgerzu schützen (?). Es ist meine feste Ueberzeugung, daß Amerika aus dem Kriege

mit der gestärkten Ausfassung hervorging, daß wir nach den Regeln der Redlichkeit leben und in unseren inneren nub äußeren Angelegen­heiten dem Weg der Wahrheit und Gerechtig­keit folgen sollen. Offensichtlich ist

ein oeMtiHèLâMWlâ,M- ^er poulic per friedlichen und ehrlichen Verlegung inter­nationaler Streitigkeiten erzielt worden.

Wir haben den Versuch gemacht, uns selbst und

in Geduld zu fassen, bis sich etwas Konkretes aus dem jetzigen Stadium des Stillschweigens herausgebildet hat.

Die Schwierigkeiten beginnen.

Cocatno, 7. Okt. Die gestrige Sachverstän­digenkonferenz ist Gegenstand lebhafter Aus­einandersetzungen in sämtlichen Konferenz­kreisen gewesen. Die verschiedenartige Beur­teilung des Ergebnisses mag in erster Linie auf die verschiedenen Temperamente dgr ein­zelnen Nationen zürückgeführt werden, von denen die eine mehr zum Pessimismus, die andere mehr zum Optimismus neigt. Aber gerade die Engländer, deren ruhiger und küh­ler Charakter kaum anzuzweifeln ist, blicken jetzt mit außerordentlicher Befriedigung auf die Fortschritte der beiden ersten Tage zurück. Cecil Hurst, der britische Sachverständige, äußerte sich englischen Pressevertretern gegen­über dahin, daß das Resultat der Verhand­lungen bisher überraschend gut sei. Wenn es so weiter gehe, dürfe man mit einem vollen Erfolg rechnen. Die mehr zurückhaltende Art, die uns Deutschen zu eigen ist, hält uns davon ab, optimistisch zu sein, bevor wir etwas Greif­bares in der Hand haben. Und tatsächlich er­scheint es unklug, schon heute von einem gün­stigen Verlauf der Konferenz zu sprechen? be­vor man noch nicht an die Hauptschwierig­keiten herangegangen ist, die für Mittwoch oder Donnerstag erwartet werden. Eine kleine Bombe ist bereits gestern geplatzt. Briand und Vandervelde haben in 'der Nachmit­tagskonferenz einen Zusatzantrag ge eilt, in dem sie im Falle eines Angriffs Deutschlands gegen einen seiner östlichen Nachbarn auf dem Recht be­stehen, Sanktionen gegen Deutsch­land ergreifen zu können und eventuell den Durchmarschzuunternehmen. Dem Anschein nach ist ihre Frage noch nicht zur Diskussion gekommen imb auf einen späteren Zeitpunkt verschoben worden. Aber man sieht bereits, woher die Gewitterwolken kommen. Die französische Delegation und die in ihrem Gefolge befindlichen französischen Politiker find im Gegensatz zu ihren englischen Freunden sehr zurückhaltend.

Keule interne Besprechungen?

Locarno, 7. Okt. Es sind Gerüchte im Um­lauf, wonach die Führer der deutschen Dele­gation mit Briand und Chamberlain unter der Hand zusammengekoinmen seien. Von maß­gebender Seite erfahren wir dazu, daß außer der Vollsitzung im Sitzungssaal des Justiz­gebäudes keine Zusammenkunft stattgefunden

den anderen Völkern aus der alten Theorie des Rüstungswettbewerbs herauszuhelfen. Während des Krieges waren wir gezwungen, alles das zu betonen, was unserem National­stolz entsprach und andere Völker herabsetzte. Damals wurden Groll und Haß so eifrig ge­pflegt, daß alle Völker der Welt tatsächlich da­von ergriffen wurden. Wir können Amerika zum ersten Lande im wahren Sinne des Wor­tes nur machen durch die Pflege des Geistes der Freundschaft und des guten Willens durch Betätigung in den Tugen­den, Geduld und der Vergebung, durch reiche Uebung in der Barmherzigkeit, durch Fort­schritte daheim und durch Hilfsbereitschaft nach außen. Wenn wir unsere Zivilisation erhalten und vervollkommnen wollen, wenn wir der übrigen Menschheit von irgendwelchem Nutzen sein wollen, so müssen wir uns von dem Gedanken der Zerstörung abwen­den und die G e d a n k en des A u f-

e s v sie g^e n-.Mp müssen unseren alten Glauben an die Wahrheit, Gerechtigkeit, Barm­herzigkeit und Duldsamkeit wieder befestigen, wieder erneuern. Wir müssen das Gewissen der Menschheit mobil machen.

hat. Voraussichtlich dürfte auch vor der heu- tigen Nachmittagssitzung keine weitere Füh­lungnahme stattfinden, da die Juristen ihren Delegationen den Bericht noch nicht vollständig erstatten konnten. Es ist infolgedessen anzuney- men, daß der heutige Tag mit solchen internen Besprechungen ausgefüllt fein wird.

Die Pariser Presse optimistisch-

Paris, 7. Okt. Die Konferenz von Locarno ist in Paris vorläufig noch immer Gegenstand optimistischer Kommentare, obwohl die Mehr­zahl der Blätter ausdrücklich hervorhebt, daß noch kein greifbares Resultat vorliegt, das die von den deutschen und alliierten Delegierten zur Schau getragene Zuversicht verständlich er­scheinen lasse. Im übrigen ist man der Ansicht, daß das Schicksal der Konferenz sich bereits heute oder morgen entscheiden wird, nachdem die alliierten und die deutschen Delegationen die Erörterung der beiden brennenden Fragen des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund und der französischen Garantie der Ostverträge

DerTeinp s" warnt vor voreiligem Op­timismus.Ein jeder hat die beste Hoffnung, doch fragt es sich, ob mit der Unterzeichnung des Sicherheitspaktes tatsächlich die endgültige Be­friedung Europas errctht wird. Es hängt nicht nur von den Allierten ab, wie sie sich auf die Konzessionen innerhalb der Verträge einigen werden. Es kommt hauptsächlich auf die Auf­richtigkeit an, mit derdas deutsche Volk zurHer- beisübrung einer internationalen Entspannung bereit ist." An die Worte Chamberlains an- knüpfend, sagt das Blatt weiter:Man kann die Vergangenheit vergessen, obwohl Deutsch­land nichts getan hat, damit ihm verziehen werde. Doch darf man nicht die Lehren der Vergangenheit am? cht lassen."

DieLiberi é" bringt folgende Informa­tion: Nach gewissen Auskünften zu schließen, wird Briand die deutsche Delega­tion auffordern, Schiedsgerichts­verträge mit den östlichen Nach­barn abzu sch ließen. Der französische Außenminister wird darauf bestehen, daß sie die Verpflichtung übernimmt, die Grenzen im Osten nicht durch Zuflucht zur Gewalt abzuän­dern. Frankreich würde im Austausch sich mit einer Abänderung des Besatzungsregimes auf dem linken Rheinufer einverstanden erklären und so weit gehen, daß die Besatzung unsichtbar gemacht werde. Dazu kommen gewisse Zu­geständnisse, die der deutschen Regierung im Saargsbiet und auch sonst gemacht werden mürben,

Zu großer Optimismus ein Fehler.

Eine weitere amtliche Kundgebung der Krieg» schuldfrage?

London, 7. Okt. Die Sonderberichterstatter der Blätter melden, daß in der gestrigen Nach­mittagssitzung die Frage der östlichen Verträge und die des Eintritts Deutschlands in den Völ­kerbund beraten worden seien. Der Bericht­erstatter derDaily Telegraph" schreibt, in deutschen Kreisen herrsche die Auffassung, die zur Verhandlung stehenden Probleme seien so verwickelt und schwierig, daß es ein Fehler ge­wesen sei, schon zu Anfang so großen Optimis­mus zu zeigen, auch wenn man in den ersten beiden Tagen verhältnismäßig gute Fortschritte erzielt hätte. Der Berichterstatter sagt, der Ein­fluß des Besuchs Tschitscherins gehe noch weiter als angenommen worden sei. Er höre, daß wenn die östlichen Verträge in Angriff ge­nommen worden seien, der polnische Außen­minister beantragen werde, daß die Sowjet­regierung ebenso wie die auf der Konferenz vertretenen Mächte befragt werden soll. Deutschland werde, wie der Berichterstatter er­fahren haben will, diesem Vorschlag zustimmen.

Von der gleicher. Seite höre er, es bestehe die Möglichkeit, daß einedrittedeutsch« Kundgebung«« der Kriegsschuld- frage erfolgen werde.

Dr. Benesch nach Locarno abgereist.

Prag, 7. Oki. Gestern bormittaq ist Außen­minister Dr. Benesch in Begleitung des Konsuls Babka und des UniversitätSprofessorS Kramarcz nach Locarno abgereist. Zur Verabschiedung auf dem Balmhof hatte sich neben einer Anzahl von offiziellen tschechischen Persönlichkeiten auch der deutsche Gesandte eingefunden.

Rußland und Locarno.

Paris, 7. Okt. Der Sonderberichterstatter d«S Peilte Parifien" in Locarno meldet, daß der Sowjet- botschaster Kcrscntzer in Stresa am Lago maggwre angekommen sei, von wo er die Verhandlungen der Konferenz in Locarno auf das eingehendste verfolgen werde.

Mussolini und der Sicherheitspak!.

Landon, 9. Oktober. Der Sonderberichterstatter derManchester Guardian" in Locarno schreibt, in italienischen Kreisen nehme ständig die Ueberzeugung zu, Italien werde den Pakt unterzeichnen, falls und lobald er zur Wirklichkeit geworden sei, ohne irgend­ein quid pro quo bezüglich seiner eigenen Grenzen zu verlangen. In diesem Falle werde er als wahr- schnnlich angesehen, daß Muffolim selbst in Locarno erscheinen werde, um seinen Namen unter eine neue europäische Urkund« zu setzen.

Graf Westarp über die deutsche Außenpolitik.

Berlin, 7. Okt. Auf einem staatspolitischen Abend der deutschnationalen Volkspartei in Wilmersdorf sprach gestern abend Graf Westarp über die deuffche Außenpolitik« Er führte u. a. folgendes aus:

DieWahrheitüberdasDawesab- kommen, die unerträglichen Lasten, die es schon jetzt uns auferlegt und seine Unmöglichkeit und Unhaltbarkeit fei auf dem Marsche und dürfte nicht v e r s ch l c i e r t werden. Der Red­ner ging dann weiter auf die S i ch e r he i t s» Verhandlungen in Locarno ein und wies nach, daß es sich dabei nicht so sehr um deutschnationale Parteiforderungen ober gar um deutschnationale Diktate banbete, wie dies in der Absicht verbreitet worden sei, die Re­gierungsparteien untereinander zu entzweien, sondern um Forderungen, die allgemein als selbstverständlich anerkannt werden. Graf Westarp setzt dann die einzelnen grundlegenden Punkte des Dechandlungsprogramms in Lo­carno auseinander, wobei er darauf hinweist, daß die Erledigung der Entwaffnungsfrage bei Aufrechterhaltung des deutschen Rechtsstand- puuktes und die Räumung Kölns Voraus­setzungen seien für den Abschluß der Verträge. Die Regierung habe erfreulicherweise bei An­nahme der Einladung selbst die Erfüllung dieser Forderungen als Voraussetzung für die Unter­zeichnung des Paktes bezeichnet? Daraus ergebe sich, daß diese klaren und rechtlich begründeten Forderungen Deutschlands nicht mehr Gegen­stand der Konferenrverbandlunâen und dmE