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201. Jahrgang.

Hanauer 8 Anzeiger

General-Anzeiger sür die Kreise Kanan Sladl und Land.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Fernsprech-Anschlutz Nr. 1237 und 1238.

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Nr. 234

Dienstag den 6. Oktober

1925

Die Konferenz in Locarno.

GesamleènSruck: Die KouserenzleilnehMer voll friedlicher Gesinnung und einig in dem Wunsche nach restloser Verständigung.

Das Neueste.

. Die zweite Sitzung der Konferenz von Locarno findet heute nachmittag statt.

Tschitscherin soll den Wunsch geäußert haben, dem Reichspräsidenten v. Hindenburg einen Höflichkeitsbesuch abzustatten.

Im oberschlesischen Lohnkonflikt wurde ein Schiedsspruch gefällt, wonach die Löhne im Steinkohlen- und Erzbergbau auf dem

MMWiMiWllt All MWMWK

Karlsruhe, 5. Okt. Reichsbankpräsident

Dr. 6 kleinen

ch a ch t sprach heute nachmittag im Festhallensaal vor den Mitgliedern der

gegenwärtigen Stande erhalten bleiben.

Gewerkschaften hatten eine 20prvzentige .

, Die Lohn­

echöhung gefordert.

Wie der Verein für die bergbaulichen Interessen.Niederschlesiens mitteilt, haben die Grubenverwaltungen im Waldenburg-Neu­roder Steinkohlenrevier am gestrigen Montag den gesamten Belegschaften von rund 30 000

Mann ohne Ausnahme die KündiMng zu­gestellt. Die Kündigung ist als Protestaktion gegen den vom Reichsarbeitsministerium für verbindlich erklärten Schiedsspruch erfolgt, der eine Lohnerhöhung von 7 Prozent vorsieht.

Im Bottnischen Meerbusen ist infolge Anes orkanartigen Sturms das finische Tor­

Regierung, sowie Vertretern der Wirtschaft unseres Landes, der Kommunen usw. über Wirtschaftsfragen. Dr. Schacht betonte eingangs, daß an ein Wiederaufleben der Inflation schon wegen der bestehen­den währungspolitischen Gesetze nicht zu denken sei, die genau das Maß der Deckung vorschreiben. Die gegenwärtige Teuerung sei eine allgemeine Erscheinung in derganzenWelt. Der Redner unterstrich nachdrücklich, daß die Goldwährung in Deut ch- land absolut gesichert sei. Heute handle es sich in erster Linie um die K a p i t a l f r a g e. Die erforderlichen Mengen an Gold und Devisen

schädlich, daß die deutsche Industrie sich mit außerordentlich großen Beständen an Roh­material, Halb- und Fertigfabrikaten eingedeckt habe, während man selbst in Amerika nur Vorräte für höchstens acht Tage auf Lager

lege.

Nach Behandlung allgemeiner Wirtschafts­gen stellte dann Dr. Schacht zusammen-

fragen fiel , . . .

fassend folgende Richtlinien auf:

A u s l a n d s k r e d i t e für die notweu

sammenkunft außenpolitische Festlegungen auf­stellen würde, aber er hat dennoch keineswegs in der diplomatischen Zurückhaltung gespro­chen, die man vielleicht von ihm erwartete. Er sprach vielmehr recht frisch und freimütig, wenn auch sicherlich nicht in der burschikosen und humorvollen Art, mit der Macdonald in Genf die englischen Pressebesprechungen einge- leitet hatte. Vor allem zeigte sich eine gewisse Ungezwungenheit bei Chamberlain, als er am Schlüsse seiner Ausführungen die Fragen be­antwortete, die von verschiedenen Pressever-

könnten der Reichsbank nur aus der effektiven Produktion zugeführt werden. Die gegenwär­tige Lage charakterisiere sich folgendermaßen:

" haben in Deutschland einen riesenhaften

digsten produktiven Zwecke, Nutzbarmachung der vorhandenen Jnlandskraft in vernünf­tigerer Weise als bisher und größte Spar­samkeit auf allen Gebieten, um die K^ talsansammlung zu steigern, endlich von Staats-.und Verwaltungsseite stärkste Sch nung der Wirtschaft und B schränkung der öffentlichen Aus-

gaben. Nur dadurch werde es

möglich sein, auf dem vorhandenen Niveau weiter zu arbeiten.

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tretern an ihn gerichtet wurden. Da verlor sich vollkommen die starre Maske, die man am englischen Außenminister gewohnt ist.

Der K o n f e re nz v o n L ocarri ganz besondere Bedeutung bei, sich seit langen Jahren zum ersten Scale hier fünf Nationen treffen, um ge­meinsam über die Schaffung einer besseren

n o mißt

er da

eines orkanartigen Sturms das fimsche Tor- Wir haben in Deutschland einen riesenhaften mveau weiter zu arbeiten.

peyovom S 2 Wunten, j^JMMJ^ LcodMausavvorat .LS aber an LLL.)sbcnrkpräMent .begrüßte es, daß «

ertrunken. nötigen Oel fehlt, um ihn in Betrieb zu erhal- in den letzten Monaten an die Stelle der Ge- 1

.......................... ten. Wir werden uns von dem Gedanken frei walt die vernünftige Ueberlegung getreten sei. r: _ . machen müssen, als ob das Ausland ein weit- Ein Volk von der Bedeutung Deutschlands "

Die Eroffnurrgshtzung. gehendes Interesse daran hätte, die deutsche könne nicht auf ein niedriges Kulturniveau - Locarno. 5 Okt Ueber die Eröffnungs- Wirtschaft wieder aufzubauen und daß es uns zurückgeschraubt werden. Die Ereignisse haben ' fitzung wurde folgendes gemeinsam verein- schrankenlos Mittel zur Verfügung stellt. Der die Welt davon überzeugt, daß eine friedliche bartes Kommunique ausgegeben:Die Konfe- Redner zerstreute dann die Befürchtungen vor Zusammenarbeit unter allen Umstanden not- 2 renz trat heute vormittag 11 Uhr im Justiz- einer Überfremdung der deutschen Wirtschaft, wendig ist /

und glücklicheren Zukunft zu beraten: ganz be­sondere Bedeutung deshalb, weil seit Unter­zeichnung des Friedensvertrages zum ersten Male wieder Deutschland als gleichberechtigter Partner teilnehme. Eigentlich, meinte er, sei

renz trat heute vormittag 11 Uhr im Justiz­gebäude in Locarno zusammen. Auf den Will­kommengruß des Bürgermeisters von Locarno

Wünschenswert sei

das Herein-

antwortete im Namen der Delegation C h a m- berlainu. a.:Wir haben keineswegs durch Zufall auf der Suche nach einem Zusammen­kunftsort übereinstimmend unsere Blicke nach der Schweiz gerichtet. Durch ihre Tradition, durch ihre Geschichte ist sie das Band der Be- riedung und des Friedens. Chamberlain fuhr >ann fort:Dem einstimmigen Wunsche ent- prechend, den Sie freundschaftlich geäußert haben, habe ich die Verantwortung dafür über­nommen, unsere erste Zusammenkunft einzu­berufen, da irgendjemand unter uns notwen­digerweise die Initiative unternehmen mußte.

bringen ausländischen Geldes in Form der Kapitalbeteiligung. Die Agrar- und Exportwirtschaft werde der aus­ländischen Kredite vorerst nicht entraten

wendig ist.

Der Redner beschäftigte sich dann mit dem Dawesplan und erklärte, es fei ganz falsch,

Aber ich wünsche, daß die Zusammenkünfte einen so freien und so wenig formalistischen Charakter wie möglich tragen." Sobald die Li­nien des Vorgehens festgestellt, die Disposi' nen für die Zusammenberufung der Juso menkünfte getroffen sein würden, erlaube er sich anzuregen, daß auf die Förmlichkeit eines Vorsitzenden verzichtet wird und die Verhand- mngen auf dem Fuße völliger Gleichheit ge­führt werden, wobei jeder nach bestem Können für den Erfolg des gemeinsamen Werkes bei­tragen soll, das den Frieden und die Wohlfahrt Europas anstrecke. Vor Eintritt in die Ar- ^lten der Konferenz wurde beschlossen, der schweizerischen Bundesregierung telegraphisch

Dank auszusprechen für die Gastfreund­schaft und die freundliche Aufnahme der Dele- 8wwnen in Locarno. Es wurde einstimmig beschlossen, von einer Generaldiskus- Nbn abzusehen und sofort in eine Er­örterung der einzelnen Artikel des von den

^sachverständigen in London ausgearbei- teten Paktentwurfes einzutreten. Hinsichtlich einigen Artikel, gegen deren Fassung Wider- pruch nicht erhoben wurde, konnte sofort u e b e r e i n st i m m u n g festgestellt werden. Andere Artikel gaben zu Ergänzungsanträgen Veranlassung. Diese Anträge wurden den Ju- M?n Mr eingehenden Erörterung überwiesen. Schließlich wurden einige weitere Artikel der Oberen Erörterung der Konferenz vorbehal- H; Die erste Zusammenkunft der Regierungs- ertreter dauerte etwa 1% Stunden. Sie ver- Ä zwanglos und fachlich und umfaßte nach Tilgung der notwendigsten Formalitäten, ü genseitigen Vorstellungen usw. eine erste 'rze Aussprache. Dabei wurde insbesondere r Londoner Juristenentwurf erörtert und

^^en auch die Bemerkungen die die rutsche Delegation zu den einzenen Punkten

können. Aber darüber hinaus müsse man sich in der Inanspruchnahme von ausländischen Krediten im Interesse unserer Währung die größte Selbstbeschränkung aufer­lege n. Dr. Schacht erklärte in diesem Zusam­menhang, daß er d a sP u m p e n" d e r Kommunen im Auslande aufs Schärfste mißbilligen müsse. Wenn jemand berechtigt sei, zu ausländischen Krediten zu greifen, dann sei das eben die Wirtschaft. Reich, Länder und Kommunen könnten nicht bestehen ohne eine existenzfähige Wirtschaft.

Der Redner verteidigte dann die in allen

die in allen

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Wirtschaftskreisen schwer empfundene rigo­rose Haltung der Reichsbank und sagte, die Reichsbank scheide als Kapitalsquelle vollständig aus. Es sei ganz ausgeschlossen, daß man die Notenpresse in Bewegung setzt, um der Wirtschaft für den Augenblick

zu helfen. Dr. Schacht erklärte, daß er sich unter allen Umständen weigere, zu einem solchen Mittel zu greifen, da dadurch das Vertrauen des Aus­landes verloren ginge und die angebahnte Wiedereinführung in die internationale Wirt­schaft in Frage gestellt würde.

Dr. Schacht befaßte sich dann mit der Organisation der Verteilung der Jnlandsgelder. Die Neuregelung der Verwendung der öffentlichen Mittel sei zu be­grüßen. Man sollte sich jetzt endlich entschließen, die Gelder langfristig auszuleihen, da dadurch die Lage am Kreditmarkt ungemein erleichtert werde. Der Redner bezeichnet die Tatsache als

zu machen hatte, vorgebracht. Für heute nach­mittag ist keine zweite Vollsitzung verabredet. Dagegen treten bereits um 3 Uhr die juristi­schen Mitglieder der fünf Delegationen zusam­men, um den Entwurf zu erörtern. Nach Schluß der Sitzung verließ zunächst die franzö- fische Delegation das Justizgebäude und hielt mit gutem Humor dem Schnellfeuer einer gro­ßen Schar von Photographen stand, wobei Briand durch einige scherzhafte Bemerkungen beifälliges Gelächter erzielte. Als zweite folgte die belgische Abordnung, geführt von Vander­velde, dicht dahinter die Deutsche Delegation, bei deren Erscheinen sich das Knipsen zu einem wahren Massenangriff verdichtete. Die allge­meine Zwanglosigkeit der Verzicht auf Vorsitz

wenn man erkläre, die Daweszahlungen könn­ten nicht geleistet werden. Sie können geleistet werden, wenn man uns die Märkte der Welt wieder öffnet und nicht verschließt, Es müsse dahin kommen, daß aus Europa ein einziges Wirtschaftsgebiet gemacht wird. Verkehrt feien dis Wege der Oststaaten, eigene Wirtschafts­gebiete zu schaffen und sich mit hohen Zoll­schranken zu umgeben. Wir müssen den Ge­danken der europäischen Wirtschaftsunion aus uns heraus in die Welt tragen. Er wird nicht erfolglos bleiben. Eine weitere Voraussetzung für die Durchführung des Dawesplanes ist die Wiedererlangung von Kolonien zwecks Be­schaffung von Rohstoffen.

Dr. Schacht schloß seine Ausführungen: Ich glaube, daß wir nicht ohne Hoff­nung in die Zukunft zu blicken brauchen. Ein Volk, das solche Leistungen in den letzten Jahren vollbracht hat wie das deutsche, ist berufen, auch weiterhin in der Wirtschafts- und Kulturwelt eine Rolle zu spielen. Es ist gar keine Frage, daß man dieses Polk nicht auslöschen kann âus der Kulturgc- meinschaft und daß man seine Mitwirkung im internationalen Interesse nicht wird entbehren können. Wir unsererseits müssen den guten Willen zeigen, mit den übrigen Völkern zu­sammenzuarbeiten. Nickt alles ist unwieder­bringlich verloren. Wir haben in der inter­nationalen Zusammenarbeit manches zurück­gewinnen können und werden auch noch man­ches erreichen. Ich gebe die Hoffnung darauf nicht auf! (Lebhafter Beifall.)

An die Darlegungen des Reichsbankpräsi­denten schloß sich eine kurze Aussprache.

verantwortlichen Minister. Ihre Bedeutung sinke dadurch keineswegs, im Gegenteil, sie sei nicht zu unterschätzen. Er sei optimistisch genug, ;u glauben, daß die Konferenz einen Erfolg )aben werde. Eine große Reihe von Vorfragen ei bereits geregelt, und er hoffe doch, daß die noch verbliebenen Schwierigkeiten gelöst wer­den würden, weil sie gelöst werden mühten.

und Geschäftvvdnung, die gegenüber herkömm­lichen Konferenzen geringe Feierlichkeit der Zu­sammenkunft, haben eine verhältnismäßig Helle Atmosphäre geschaffen. Den Verhandlungen dient nur eine große quadratische Tafel mit gleichmäßig verteilten Plätzen.

Erklärungen Chamberlains vor der Presse.

Locarno, 5. Okt. Der heutige erste Konferenz­tag wurde durch eine bemerkenswerte An­sprache des englischen Außenministers Austen Chamberlain eingeleitet, die er vor sämtlichen aus allen Ländern hier versammelten Presse­vertretern hielt. Man konnte natürlich nicht erwarten, daß er bei dieser zwanglosen Zu-

Die e n g l i s ch e R e g i e r u n g sei mit dem aufrichtigen Wunsch zu dieser Konfe­renz gekommen, einenwirklichenFrie- den zu schaffen und eine Wieder­holung der Greuel des Krieges zu verhindern.Ich bin auch überzeugt", sagte Chamberlain, daß die anderen Delegierten mit der gleichen ehrlichen Absicht hierher gekommen sind. Das Interesse der Welt am Frieden ist in der Tat so groß, daß ich nicht glauben kann, daß es überhaupt anders sein könnte"

Mit einem Appell schloß Chamberlain, im Interesse des Friedens zu arbeiten, da dies das Gemeinsame aller Staaten und aller Par­teien sei.

Von Bedeutung ist außerdem die Erklärung Chamberlains, daß er von dem guten Willen der deutschen Vertreter überzeugt sei und daß nach den gestrigen Erklärungen des Herrn Stresemann die Berlinor Verhand­lungen mit Tschitscherin keines- fallsdieseKonferenzbelasten. Die deutsche Regierung habe die Pflicht gehabt, den russischen Außenminister zu empfangen, zumal dadurch die Entwicklung der Ostfragen gefördert worden sei.

Es ist immerhin beachtenswert, daß der D. A. Z."-Berichterstatter behauptet, Tschit­scherins Besuch in Berlin sei von den Konfe­renzteilnehmern wie eine Handgranate em­pfunden worden, die gegen die Konferenz ge­schleudert worden sei. Im Gegensatz hierzu ist die britische Regierung nach einer Erklärung Chamberlains über die scharfe Abfuhr, die Dr. Stresemann dem russischen Außenminister er# teilt habe, begeistert gewesen.

Die Iurislenberatungen.

Locarno, 5. Okt. Die Juristen haben heut^ nachmittag von 57 Uhr im Grand-Hotel be­raten, in dem mit Ausnahme der deutschen De­legation alle anderen Delegationen unterge- bracht sind. Wir wir erfahren, hacken sie bis­her nur die einfachen der ihnen überwiesenen Fragen behandelt, d. h. jene, die in London zwar grundsätzlich bereinigt waren, aber noch keine endgültige Formulierung gefunden hatten. Es handelt sich dabei ausschließlich um Fragen des Rheinpaktes, während die schwierigeren Fragen der Garantie für die östlichen Schieds- vertrüge und den Artikel 16 des Völkerbundes über das Durchmarschrecht noch nicht erörtert wurden.