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201. Jayrgang

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General-Anzeiger für die Kreise Kanarr Slaol und Lanö

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Nr. 231

Freitag den 2. Oktober

1925

Das Neueste.

Das Reichskabinett tagte gestern nach- mttag bis gegen 8 Uhr. Es wurden verschie­dene laufende Arbeiten erledigt, die infolge der Abreise des Reichskanzlers und des Außen­ministers schon heute verabschiedet werden mußten. Eingehend wurde auch der Stand der deutsch-russischen Wirtschaftsverhandlungen und der letzte Vertragsentwurf erörtert. Ueber irgendwelche Beschlüsse ist amtlich nichts be­kannt geworden.

Wie wir hören, sind die Innenminister der Länder für heute nach Berlin berufen worden, um mit ihnen über Polizeifragen so­wie über den Stand der Gemeindefinanzen und Fragen des Preisabbaus zu beraten.

Zwischen der französischen und amerika­nischen Delegation soll ein vorläufiges Schul­denabkommen erzielt worden sein.

Nach einer Meldung aus Montevideo sind in Brasilien revolutionäre Unruhen aus­gebrochen, in deren Verlauf mehrere Hundert Bewaffnete sich Porto Romas bemächtigten. Der brasilianische Botschafter in London h«t einem Havasvertreter gegenüber erklärt, daß noch keine Bestätigung dieser Nachricht vor­liege.

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Nach den amtlichen französisch Marokkoberichten haben die französische.. Truppen weitere Fortschritte erzielt. Nach einem Radiotelegramm Primo de Riveras von Bord des SchiffesAlsons XIII." steht Ajdir in Flammen. Auch die Abd el Krim gehörenden Häuser sind von den Flammen ergriffen worden.

Die Beamienvertreter beim Reichs finanzminisler.

-erRetchsfinanzministerdle 8$er = ireter der Beamtenspitzen organi- j a t i o n e n, die ihm ihre Wünsche auf dem Gebiete der Beamtenbesoldung vortrugen. Sie schilderten die bedrängte wirtschaftliche Lage aller Beamtengruppen, besonders derjenigen der gering besoldeten und bezeichneten eine Erhöhung der Bezüge als unabweisbar. In einer längeren Aussprache wurden alle hierauf bezüglichen Fragen erörtert. Der Reichsfinanz­minister machte eingehende Ausführun­gen über die allgemeine Wirt­schaftslage und die Finanzlage von Reich und Ländern, die ernster fei, als vielfach dargestellt werde. Eine Erhöhung der Bezüge würde auch den Beamten auf die Dauer keine Verbesserung ihrer Lebenshaltung bringen, da bei einer allgemeinen Gehaltser­höhung der großen Masse der öffentlichen Be­amten und Angestellten bei der jetzigen Lage ein Steigen der Preise zu befürchten sei. Die weiteren Folgen, auch für die übrigen Bevöl­kerungsschichten, lägen auf der Hand. Der Präsident des Reichsbankdirektoriums habe vor wenigen Tagen in einem Schreiben an ihn unter eingehender Darlegung die Reichsreffe- rung ersucht, allen Beteiligten rückhaltlos den Ernst der Lage unserer Gesamtwirtschaft und der auf dem Spiele stehenden Interessen der Gesamtheit vor Augen zu führen. Eine Er­höhung der Beamtenbezüge müsse nach der Ansicht des Reichsbankdirektoriums heute ge­radezu als ein Unglück vom Standpunkt der allgemeinen Interessen und der Gesamtwirt- lchaft angesehen werden. Nach alledem glaubt der Reichsfinanzminister, daß die Reichsregie-

in Uebereinstimmung mit der Mehrheit der Länderregierungen eine Erhöhung der Bezüge zurzeit nicht werde verantworten können. Dasselbe gelte ^uch für eine einmalige Wirtschaftshilfe, die von den Organisationen an zweiter Stelle ge­wünscht wurde.

Ferner wurde die Frage der Erhöhung »es Wohnungsgeldzuschusses er- ^wrt die zurzeit nicht erfolgen könne, da dieser an die Mieten angelehnt sei und das durchschnittliche Niveau der Mieten bereits überschütten sei.

Endlich wurde die Frage der m e h r - MonatlichenVorauszahlungen der Gehälter besprochen, wobei beiderseits das Für und Wider eingehend gewürdigt wurde. Die Vertreter der Beamtenorganisationen bedauer­en, daß den Wünschen der Beamtenschaft zur- âcit nicht entgegengekommen werden könne.

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Wie die Blätter melden, werden die Ve- dmtengewerkschaften heute zu einer Beratung Mammontreten, um zu der Ablehnung ihrer Gehaltsforderungen durch den Reichsfinanz- winister Stellung zu nehmen-

Reichspräsident v. Hindenburg begeht heute seinen 78. Geburtstag. In aller Stille soll auf persönlichen Wunsch Hindenburgs der Tag begangen werden, ohne.Kundgebung und Fahnenschmuck. Doch dechalb braucht seine Wirkung nicht geringer zu sein, denn Hinden­burg ist ein Symbol, dem heute die meisten Herzen des deutschen Volkes in Dankbar­keit und Liebe entgegenschlagen. Unser Hindenburg! So rief der große Teil des deutschen Volkes während des Krieges und während der letzten Wahlschlacht. Unser Hindenburg ertönt heute der Ruf, verstärkt

politischer Kandidat als Präsident der deut­schen Republik gewählt worden wäre. Das deutsche Volk wäre auf Zeiten hinaus in zwei feindliche Lager gespalten geblieben. Wie oft hat man im Wahlkampf Hindenburg die Ab­hängigkeit von irgenveiner politischen Clique vorgeworfen, ihn als einen bemitleidenswerten armen unpolitischen Greis" bezeichnet, als Kriegbringer gestempelt, dessen Wahl scharfe Proteste der Entente-Regierungen und außen­politische Schwierigkeiten mit sich bringen werde. Nun, die fünfmonatliche Amtszeit hat genügt, um zu beweisen, wie töricht all diese

durch Abermillionen von Stimmen. Ja selbst weit linksstehende Poliftker wir er­innern nur an die gestrige Meldung über Dr. Wirths Aeußerung in Amerika nennen heute Hindenburg denunsrigen".

Während des Krieges und nach dem Kriege war Hindenburg der Sieger von Tannenberg, das Symbol deutscher Größe aus gewaltigen Tagen, der große Feldherr, der es durch feine Kriegskunst verstanden hat, Verwüstungen deutschen Landes durch in der Uebermacht be­findliche Feinde zu verhüten, der siegreiche Taten vollbracht hat, die wie Sterne an dem dunklen Nachthimmel der letzten elf Jahre leuchten. Wer von uns erinnert sich nicht jener Stunden, dis die Siegesnachrichten dieses Mannes brachten, die die Herzen des deutschen Volkes zum freudigen Erzittern brachten. Wei­ter war Hindenburg der Mann, der, als das Kriegsschicksal sich zu unseren Ungunsten ent­schied, als die Bande sich lösten, als alles drüber und drunter ging, aufrecht wie ein Fels stand, die Geistesgegenwart behielt und das zermürbte Heer von der Front in die revolu­tionäre Heimat zurückführte, sich den neuen Machthabern zur Verfügung hielt und damit als Soldat, in dessen Herzen die Anhänglichkeit zum Königshaus tief wurzelte, einen Grad von Vaterlandsliebe und Pflichtgefühl bewies, den man in der Geschichte suchen muß. Inmitten des wüsten novemberlichen Treibens blieb Hindenburg aufrecht und hielt auf feinem Posten aus. Das Volk, das aues (gemeinsame verloren zu haben schien, richtete Schmähungen auf Schmähungen gegen das Gewordene und Gewesene, nur an Hindenburg wagte man sich nicht, er blieb der Heros, die Gestalt, vor der in Ehrfurcht man sich beugte. Als dann Deutschlands ruhmreichster Soldat sich in das Privatleben zurückgezogen hatte, da wurde er in weiten Kreisen des deutschen Volkes als Deutschlands bester Mann geliebt und verehrt.

Heute ist uns Hindenburg aber noch mehr. Er ist über den großen Feldherr, den vater­landsliebenden Deutschen, der sein Volk vor den: Chaos bewahrte, hinausgewachsen zum S y m b o l d e r d e u t s ch e n E i n h e i t. Mit Hindenburgs Wahl zum Reichspräsidenten ist in unserer innerpolitischen Atmosphäre eine...,.., .

bedeutende Entspannung eingetreten, was nie- und mögen ihn alle Deutsche recht erkennen, mals der Fall gewesen wäre, wenn ein Partei-1 R-

gewesen

Behauptungen und Befürchtungen sind. Hindenburg hat feinen Gegnern all diese Waffen aus der Hand genommen. Seine seit­herige Amtsführung hat bewiesen, daß er nicht einer Partei oder Parteigruppe, sondern dem ganzen deutschen Volke angehört. Er hat in den wenigen Monaten seiner Amtstätigkeit gezeigt, daß er keine einseitige Parteipolitik treibt, sondern den Geist wahrer Volksgemein­schaft vertritt. Ausgleich und innere Versön- nung, das ist's, was Hindenburg erstrebt, was er uns täglich vorlebt, sodaß auch diejenigen, die vor seiner Wahl noch abseits von ihm standen, heute Berührungspunkte zu ihm haben, ihn als den großen Staatsmann erkennen, der in der Lage" ist, uns als Volk wieder zusammen zu führen. Und die übrigen Vorwürfe und Unterstellungen? Auch sie sind unter den Tisch gefallen, denn Hindenburgs Entscheidungen tragen den persönlichen Stempel und die bis­herigen Amtshandlungen zeugen von der nötigen Geisteskraft, der sich noch ein großer Schatz von Erfahrungen hinzugesellt. Was schließlich das Ausland anlangt, so steht Hin­denburg auch dort achtunggebietend da und noch niemals ist eine Stimme laut geworden, daß nun, weil Hindenburg Reichspräsident ist, die außenpolitische Lage eine Erschwerung er-

fahren habe.

Wenn es trotzdem noch einen Chor von Gegnern gibt, der den Massen des Volkes er­klärt, daß manche Hoffnungen auf den Retter" Hindenburg enttäuscht worden seien, so muß erwidert werden, daß die Kraft des deutschen Volkes in jahrelangen schweren Kämpfen, in unseliger gegenseitiger Be­kämpfung zermürbt worden ist und daß die Rettung des deutschen Volkes keine einmalige Tat sein kann. Jede Entwicklung braucht Zeit. Lassen wir Hindenburg diese Zeit, dann wird er im Laufe seiner Amtsperiode ein großes Stück des Weges, der zu unserer Rettung führt, zurücklegen.

Dazu wünschen wir unserem Reichspräsi­denten, dem deutschesten Deutschen am heutigen Tage von ganzem Herzen die Kraft und Ge­sundheit. Möge er seinem Volke als Führer und Helfer noch recht lange erhalten bleiben

Unauslöschliche Erinnerung.

Paris, 30. Sept. Nach den französischen Manövern in der Eifel hat der General Guillaumat einen Tagesbefehl ausgegeben, in dem er auf den glänzenden Verlauf dieser, militärischen Uebungen hinweist. Er hebt be­sonders hervor, daß nahezu 6000 mit Motoren betriebene Fahrzeuge sowohl während der Vorbereitung auf die Manöver als auch bei den Manövern selbst sich ohne größere Unfälle auf den Straßen des Eifelgebietes hätten be­wegen können. In dem Tagesbefehl heißt e£ dann:

Diese Manöver wurden in einer Gegend ausgeführt, wo Truppen so« zusagen noch niemals erschienen waren. Sie werden eine unauslöschliche Erinnerung für alle diejenigen bilden, die Augenzeugen sein konnten, besonders auch für die Deutschen selbst. Die Be­völkerung konnte die Disziplin und die Schulung unserer Regimenter, unsere Macht an technischen Mitteln, die Stärke unseres Luftfahrwesens und die Kühn- Heit unserer Flieger bewundern. Sie hat zu wiederholten Malen ihr Er­staunen und ihre Bewunderung kund­gegeben und sich unseren Truppen gegenüber einwandfrei verhalten."

Dem Manöverberichterstatter desJour­nal" hat der General Guillaumat Erklärungen abgegeben, bei denen er u. a. ausführte, daß man im allgemeinen allzusehr zu der An­schauung neige, als ob ein neuer Krieg nur eine Fortsetzung der Methoden des Weltkrieges sei. Jeder Krieg werde immer neue Voraus­setzungen schaffen, und man müsse vor allen Dingen den technischen Fortschritten Rechnung tragen. Ausführlich erging sich der General über die Truppentransporte mit Automobilen und marine baun jolgende Anregung: .......

.,Man müßte die gesamte Aus- bildung unserer Soldaten in der Rhein­armee vornehmen oder bei den zur Deckung bestimmten Divisionen. Wir haben am Rhein außerordentliche Er­leichterungen nicht nur für die Aus­bildung der Truppen, sondern auch für die Heranbildung ihrer Moral. Es ist unsere Sache, die Gelegenheit auszu- nutzen, so lange wir noch können."

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Auch wir sind der Ueberzeugung, daß die französischen Manöver für die deutschen Augenzeugen eine.unauslöschliche Erinnerung' sein werden, allerdings in einem ganz anderen Sinne, als der Herr General Guillaumat ir feiner Arroganz anzunehmen sich den Aw schein gibt.

«Eine Ketzrede Poincaräs.

Bar-le-Duc, 1. Okt. Poincarè, der heute einstimmig wieder zum Vorsitzenden des Gene­ralrates gewählt wurde, hat bei dieser Ge- legenheit eine Rede gehalten, in der er u. a. erklärte:

Wir leben in einer Stunde, in der das Ver­trauen in das Wort eines Staates mehr als

je notwendig ist. Hüten wir uns also, irgend etwas zu tun, was dieses Vertrauen in das Wort eines Staates erschüttern kann. Die Pro­vinzen fordern vor allem, daß weder in Genf, id) bei den eingeleiteten Verhandlung irgendeine in den Verträgen enthaltene Si

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rantie unterdrückt, vermindert oder von einer späteren Beeinträchtigung bedroht wird. Mehr als alle anderen würden die Bewohner des Ostens Frankreichs glücklich sein, wenn Frank­reich entwaffnen könnte. Aber sie sind verpflich­tet, mit den Wirklichkeiten zu rechnen. Unsere Landsleute erwarten, daß Deutschland, bevor man ein Abkommen. unterzeichnet, die Ent­waffnungsklausel erfüllt haben muß, die es verpflichtet ist, zu achten und sie sind weiter der Ansicht, daß, wenn man in der Welt die Herr­schaft der Gerechtigkeit und des Friedens sichern will, diejenigen, die man zuerst ent­waffnen muß, nicht gerade diejenigen sein würden, deren einziger Ehrgeiz heute wie gestern die Aufrechterhaltung der Verträge ist.

Wenn die englische Arbeilerparlei wieder ans Ruder kommt. . . .

London, 2. Ott. Auf der Konferenz der Arbeiterpartei in Liverpool wurden in erster Linie außenpolitische Fragen erörtert. Mac­donald sagte, wenn die Arbeiterpartei wieder ans Ruder käme, würde ihre erste Handlung die Bildung eines Ausschusses sein, welcher die Wirkungen des Dawesplanes auf die englische Wirtschaft untersuchen solle. Die Arbeiter­partei würde den Versailler Vertrag ändern. Dieser Vertrag sei ein Friede d« t^t Lg