Einzelbild herunterladen
 

Hanauer W Anzeiger

General-Anzeiger für die Kreise Ka«a« Stadt und Sand»

Erscheint täglich mit Ausnob^e ber Sonn- und Feiertage. / Fernborech-Anschluh Nr. 1237 und 1233.

8«geg»ptel«: Für bett halben Monat 1 Reichsmark, für den ganze» Monat 2 Reichsmark ohne TrSgerlohm Einzelnummer 10, Freitag und Samstag 12Retchspfenntg. Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 Reichspfennig, im Reklameteil von 68 mm Breite LV Steichspfennig, Offertengebühr: 60 Reichspfennig. Geschäftsstelle: Hammerstraße S.

-----..................................... ......................... "'....... ^

Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanau. Bet unverschuldete« Ausfall der Lieferung infolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher teilten Anspruch auf Lieferung od« Nachlieferung od« auf Rückzahlung des Bezugspreise». Für Platzvorschrift und Erscheinung-tage der Anzeige wird keine Gewähr geleistet.

Nr. 219

Freitag de« 18. September

1925

Hamm, 17. Sept. In Anwesenheit von Tausenden aus allen Schichten der Bevölke­rung traf heute nachmittag 2.20 Uhr der Reichspräsident auf der Reise in das befreite Gebiet zu kurzem Aufenthalt in Hamm ein. Oberpräsident Gronowski sprach kurze be­grüßende Worte. Die vereinigten Sängerchöre von Hamm hießen den Reichspräsidenten bei der Einfahrt mit dem Westfalengruß willkom­men. Hierauf entstieg der Reichspräsident dem Wagen und hielt folgende Ansprache an die Menge:Ihr habt es schwer gehabt, Kinder, aber Ihr habt euch brav gehalten. Dafür danke ich euch als euer alter Soldat von ganzem Her­zen. Es wird auch einmal besser werden."

Die Menge brach in brausende Hoch- und Hurrarufe aus. Der Reichspräsident winkte dankend mit der Hand und ging dann zu den Sängern, die nunmehr das Deutschlandlied an­stimmten. Als das Lied verklungen war, drückte der Reichspräsident dem Dirigenten die Hand mit den Worten:Ich danke im besonderen für dieses Lied. Das Deutschlandlied hilft über manche schwere Stunde hinweg. Mit Gottes Hilfe wird es auch bald wieder erklingen kön­nen in besseren Tagen. Wollen wir gemeinsam in dieser festen Hoffnung mit diesem festen Glauben einstimemn in den Ruf: Unser teures, deutsches Vaterland, Hurra!" Unter stürmi­schem Jubel der Menge entschwand der Zug langsam in die Ferne.

Die Ankunft in Bochum.

Lochum. 17. Sept. Wenig M» WeMkè aünstigt, traf mit einer kleinen Verspätung der Reichspräsident um 3.29 Uhr nachmittags auf dem Bahnhof in Bochum ein. Eine besondere Rampe außerhalb des Bahnhofs war für ihn hergerichtet, die festlich geschmückt und mit den Fahnen der Republik bewimpelt war. In der Begleitung des Reichspräsidenten befanden sich der Reichsjustizminister Frenken, der preußische Ministerpräsident Braun, der preußische In­nenminister Severing, der Oberpräsident der Provinz Westfalen, Gronowski, und das zum Reichspräsidenten gehörige Gefolge. Der Reichskanzler Luther traf gesondert von Bre­men mit dem Flugzeug ein. Bei Betreten der Rampe wurde der Reichspräsident von dem Oberbürgermeister der Stadt Bochum, Dr. Ruer, zunächst kurz begrüßt. Redner führte aus: Unendlich Schweres hat unsere Bevölke­rung unter der fremden Herrschaft erduldet. Wir danken es der Reichsregierung, daß sie in zäher Bemühung die einzige Waffe zu gebrau­chen weiß, die uns zur Verfügung steht, den Hinweis auf unser unverjährbares Recht, auf die Unmöglichkeit, ein Volk von über 60 Mil­lionen aus den Zusammenhängen der Welt­wirtschaft auszuschalten. Wir hoffen, daß es dieser von uns dankbar empfundenen Politik der Reichsregierung bei den bevorstehenden internationalen Verhandlungen gelingen möge, unseren Brüdern jenseits des Rheins zu der baldigen Befreiung zu verhelfen. In Ihnen, Herr Reichspräsident, begrüßen wir nicht allein die oberste Spitze der Deutschen Republik; wir dürfen Sie willkommen heißen zugleich als un­seren Ehrenbürger. Der Boden, auf dem wir stehen, hallt wider von schwerer Arbeit.

Eine schwere wirkschaftliche Krise von einem Ausmaß, wie das Industriegebiet sie nie ge­kannt hat, lastet auf uns.

Willig hat im Frieden das Industriegebiet mit seinei Steuerkraft dazu beigetragen, daß durch den Ertrag seiner Arbeit die Möglichkeit ge­boten werde, Volksbildung und Kulturver- Pflichtungen in anderen Gegenden zu pflegen. Diese Belastung der Produktion auf uns zu nehmen, sind wir im Augenblick nicht mehr stark genug. Nicht Mutlosigkeit veranlaßt uns au dieser Bitte, sondern die Erkenntnis, daß uns mit Erleichterungen, die uns vorüber­gehend gewährt werden, die Kraft erhalten werden kann, als stärkster Faktor des Wieder­aufbaues Deutschlands zu wirken. So dankbar wir Ihnen, Herr Reichspräsident, der Reichs­regierung und der preußischen Staatsregie­rung für ihre Mitfreude aus Anlaß unserer Befreiung sind, so sehr dürfen wir auch in dieser Stunde der Hoffnung Ausdruck geben, daß uns die erbetene Hilfe schnell­stens zuteil wird. Wir alle stehen auch ferner geschlossen in unerschütterlichem Glau­ben an Deutschlands Zukunft zu unserem Volk und Vaterland.

Nach der Ansprache überreichte die Tochter bes früheren Oberbürgermeisters und jetzigen Ehrenbürgers Graff dem Reichspräsidenten

einen Blumenstrauß, begleitet von einem klei­nen Begrüßungsspruch. Zu beiden Seiten der Rampe, auf der der Reichspräsident voran- chritt, waren hundert Eisenbahner aufgestellt, die den Reihen der 600 ausgewiesenen oder sonst irgendwie durch die Besetzung in Not geratenen Eisenbahnern entnommen waren, und die besonders schwer gelitten hatten. Sie alle haben Strafen von nicht unter 3 Monaten hinter sich. Zu ihnen sprach der Reichspräsi­dent einige Worte der Anerkennung und des Dankes für ihre unent­wegte Treue zum Vaterland, in der sie alle zusammenstehen wollen.

Nach dem Essen fand vor dem Parkhause eine große öffentliche Kundgebung statt. Als die Gäste unter den Hochrufen der nach vielen Tausenden zählenden Menschenmenge heraus­traten, begrüßte sie ein 1200 Mann starker Sängerchor. Ueberrascht und tiefbewegt dankte der Reichspräsident. Nachdem sich die Begeiste­rung etwas gelegt hatte, ergriff der

Oberpräsident von Westfalen Gronowski das Wort.

Er erinnerte an den Besuch des Reichsprä­sidenten Ebert am 18. März 1923 in Hamm in der Zeit des Ruhrkrieges, wo die Bevölkerung erhobenen Hauptes mit zusammengebissenen Zähnen den Leidensweg dreißig Monate hin­durch gegangen sei aus Liebe zur Heimat, in Treue zum deutschen Vaterlande. Zum zweiten Male, sei Reichspräsident Ebert am 10. August vorigen Jahres in Münster gewesen. Es waren die Tage, als der Reichskanzler Marx, Außen­minister Stresemann und der damalige Reichs­finanzminister Luther in London Mittel und Wege suchten, um für uns die Freiheit wieder zu erlangen. Heute wüßten die meisten deut­schen Staatsbürger, daß nur diese vor etwa fünf Jahren eingeleitete Auslandspolitik es uns möglich macht, den jetzigen Reichspräsiden­ten im Ruhrgebiet heute aufrichtig und herzlich zu begrüßen. Das Westfalenland erblicke in dem Besuche eine Anerkennung der am Rhein und an der Ruhr gebrachten 'Opfer und die Wertschätzung and Bedeutung des Westens für das gesamte deutsche Vaterland. Redner schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Reichspräsidenten. Hierauf begrüßte der Oberbürgermeister von Bochum die Gäste. Nach dessen Ansprache ergriff der preußische

Ministerpräsident Braun

das Wort und führte etwa aus:

Der heutige Besuch gilt der Bevölkerung der Stadt Bochum, gleichzeitig aber auch der gesamten westfälischen Bevölkerung des bis vor kurzer Zeit besetzt gewesenen Ruhrgebietes. Am heutigen Tage denke ich zurück an die denk­würdige Tagung des westfälischen Provinzial- landtags, die bald nach Beginn der Ruhrbe­setzung in Münster stattfand. Mögen Sie Ihre nationale Pflicht in der Werkstätte, in der Schreibstube erfüllt haben, mögen Sie als Arbeitgeber oder Arbeitnehmer Ihre Treue be­tätigt haben, die preußische Regierung wird im Interesse der Bevölkerung von Rhein und Ruhr, zum Besten Preußens und des Reiches, zu jeder Zeit Seite an Seite mit jeder Reichs­regierung stehen, die die feit der Londoner Konferenz beschrittenen Wege konsequent wei­tergeht. Unser Volk und namentlich unsere gute, unter den großen Entbehrungen und Sorgen leidende Arbeiterschaft stellt ein hochentwickel­tes Kulturvolk dar, das sich niemals als ein Kolonialvolk behandeln lassen wird.

Hindenburg an das Westfalenland.

Reichspräsident von Hindenburg hielt dann vor dem Parkhaus unter freiem Himmel fol­gende Ansprache:

Mit aufrichtiger Freude begrüße ich das Westfalenland, begrüße ich die Bevölkerung der rosen Erde, die heute wieder als freies Volk auf freiem Grund siehk. Daß ich diesen ersten Gruß aus der Stadt Bochum an Sie richten kann, deren Ehrenbürger ich bin, ist mir eine besondere Genugtuung.

Ich danke Ihnen, Herr Oberpräsident, und Ihnen allen für den freundlichen Empfang, den Sie mir und den mit mir anwesenden Herren der Reichs- und preußischen Staatsregierung bereitet haben. Wir nehmen diesen Gruß gerne entgegen als die Bekundung Ihrer Treue zu Skaak und Reich, als das Zeichen unverbrüch­licher Zusammengehörigkeit.

DieFriedenshemühuntzen des Papstes im Jahre 1917.

Auf der brandenburgischen Provinzial­synode nahm gestern der ehemalige Reichs­kanzler Dr. Michaelis das Wort zu Aus­führungen über die päpstliche Friedensaktion und das angebliche englische Friedensangebot von 1917. An Hand von Akten, sowie des Pro­tokolls des Untersuchungsausschusses des Reichstags und eines Schreibens an Hinden­burg suchte Dr. Michaelis den Nachweis zu führen. daß eine etwaige Friedens- bereitfchaft der Entente von Erz­berger durch die Veröffentlichung des Schreibens des Grafen Czernin an Kaiser Karl über die völlige Erschöpfung des österreichischen Heeres zerstört worden sei. Das pänst- liche Angebot sei nur ein Wunsch des Vapstes gewesen und das englische Angebot lediglich das Schreiben eines englischen Privatmannes.

Auch die belgische Einladung überreicht.

Berlin, 18. Sept. Der belgische Gesandte Evertz suchte gestern nachmittag den Staats­sekretär im Auswärtigen Amt Dr. v. Schubert auf, und übergab ihm im Anschluß an den Schritt des französischen Botschafters und des englischen Geschäftsträgers ein Memorandum, das namens der königlich belgischen Regierung die Einladung zu einer Konferenz über den Sicherheitspakt enthält. Das Memorandum stimmt inhaltlich völlig mit dem französischen Memorandum und der englischen Note über­ein.

Sozial-emvKralifcher Parlettag.

Heidelberg, 17. Sept. Auf dem sozialdemo­kratischen Parteitag begründete C r i s p i e n eine Entschließung des Parteivorstandes, wo­nach der sozialistische Parteitag in Ueberein­stimmung mit den Beschlüssen des Marseiller Kongresses der sozialdemokratischen Arbeiter- .Jnternationale den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund fordert. Der Kamps für fort­schreitende Demokratisierung des Völkerbundes und seine Ausgestaltung zu einem wirklichen Friedensinstrument gehöre zu den wichtigsten Aufgaben der sozialdemokratischen Internatio­nale. Im Namen der Delegierten des besetzten Gebietes erklärte Kirschmann- Köln u. a.: Die Bevölkerung des besetzten Gebietes insbe­sondere die Arbeiterschaft, verfolgt mit Aus-

Wir haben das Bekenntnis zu unlösbarer Volksgemeinschaft in harter Zeit durch die Tat abgelegt. Dessen gedenke ich bewegten Herzens mit allen Deutschen in tiefer Dankbarkeit und Anerkennung. Ihre Treue zu Heimat und Vaterland ist im Feuer der Not gehärtet und gestählt worden und wird, dessen sind wir über­zeugt, auch in aller Zukunft standhalten.

Oftmals in der vergangenen, für Sie so schrveren Zeit haben wir Ihnen aus der Ferne unseren Gruß, unsere freudige Anerkennung und unseren innigsten Dank zugerufen und Ihnen Treue um Treue gelobt. Heute sind wir hierher gekommen, um Ihnen Aug' in Auge und Hand in hand persönlich diesen Dank zu bekunden. Mit Reckst betonen Sie, Herr Ober- präsidenk, daß das Volk Westfalens vor dem Richlerstuhl der Geschichte gut bestehen wird. Was es geleistet hat im stillen Dulden und tapferem Ausharren wird uns und späteren Geschlechtern ein Beispiel und eine Mahnung treuer und hingebender Liebe zum Vaterland sein. Dieser Mahnung gedenkend, lassen Sie uns rufen: Unser geliebtes deutsches Vaterland, es lebe hoch!"

Während feiner Rede wurde der Reichs­präsident an verschiedenen Stellen von dem Beifall der Menge unterbrochen, die in spon­tane Hochrufe ausbrach. Begeistert stimmten die Anwesenden in das von dem Reichspräsi­denten ausgebrachte Hoch auf das deutsche Vaterland ein. Nach Schluß der offiziellen Feier empfing der Reichspräsident eine Abord­nung der Bergknappen, an die er freundliche Worte der Anerkennung für ihre Leistungen richtete. Ein Chor der jungen Bergknappen Ung darauf in uoheci Stimmung das alte Westfälische Bergmannslied" vor. Gegen 7 Uhr abends erfolgte vom Bahnhof aus die Weiterfahrl nach Essen. Auf dem Weg durch die Straßen war Herr von Hindenburg wie­derum Gegenstand begeisterter Kundgebungen aller Bevölkerungskreise. Noch lange nach der Abfahrt durchzogen freudig erregte Menschen­mengen die Straßen. Fast überall erscholl das Deutschlandlied durch die festlich geschmückten Gassen.

merksamkeit die diplomatische Unterhaltung, die die Schaffung eines Sicherheitspaktes zwi­schen Deustchland und den alliierten Mächten zum Zier hat. Eine solche Abmachung unter Garantie der beteiligten Nationen kann die erste sichere Grundlage für den Frieden Euro­pas abgeben, wenn sie im Geiste wirklicher .Friedens und gegenseitiger Sicherheit getroffen wird. Seit dem Abschluß des Londoner Ab­kommens sind zweifellos Erleichterungen irr besetzten Gebiet festzustellen. Trotzdem geht der gegenwärtige Zustand des Besetzungssystems weit hinaus über die Bestimmungen des Ver­trages von Versailles und des Rheinlandab- kommens.

Heidelberg, 17. Sept. In der heutigen Si tzung des sozialdemokratischen Parteitage- wurden zunächst sämtliche Mandate der s9k Deligerten, darunter von 52 Frauen, für gültig erklärt.

Abg. Keil legte eine Entschließung vor, in der u. a. erklärt wird: Die Finanz- und Handelspolitik der Reichsregierung verschlech­tert die Lebenshaltung der breiten Masse. Die Reichsfinanzen weisen bereits einen Ueber- schuß von mehreren hundert Millionen Mark auf. Der Parteitag fordert deshalb die sozial­demokratische Reichstagsfraktion auf, mit allem Nachdruck den Abbau der übermäßi­gen Steuerbelastung durch Massen­steuern zu verlangen und fordert die Partei­genossen auf, alle Aktionen der Arbeiter, Ange­stellten und Beamten zur Anpassung ihrer Löhne an die erhöhten Preise mit allem Nach­druck zu unterstützen. Keil wandte sich dann gegen diejenigen, die die A b s ch a f f u n g d - r Reichswehr und dis Ablehnung des Reichswehretats verlangten. In einem Z-nt- vunkt, in dem die Deutschlands de Nachsaaten Länder bis auf die Zähne bewaffnet fern, wäre die Beseitigung des Deutschlano oerb':e- Unen kleinen Heeres nicht zu reckn,:-.,gen Keil empfahl weiter die Annahme des Ham i urger An rages, der die baldige Sati^ie* nc des Washin- oner Abkomniens und d'e Auf Hebung der Technischen Nothilfe sortiert

Bei der Abstimmung wurden bic meisten Anträge nach den Vorschlägen Keils erledigt. Angencminen wurde außerdem ein Antrag Knaacks- Hamburg- der eine planmäßige f o- ziale Bevölkerungspolitik fordert, sowie ein Antrag Hoch, der sich gegen den Alkoholismus wendet, verschiedene An­träge, die eine Reform des Strafrechtes unt Strafvollzugs verlangen, ferner der Antrag Der Anschluß Deutschöst erreiche an Deutschland ist mit allen geeigneter Mitteln zu erstreben".

Zum Reichsschulgesetz wurde eine Entschließung Hermann Müllers angenom­men, die entschiedensten Widerspruch gegen den neuen Reichsschulgesetzentwurf der Regierung Luther-Schiele erhebt. Dazu wurde eine Ent­schließung Dr. Löwensteins-Berlin angenom­men, die sich auch gegen das bayerische Konkor­dat und gegen die preußische Denkschrift zur Volksschullehrerbildung wendet. Die von Keil vorgeschlagene Entschließung wurde mit großer Mehrheit angenommen.

Eniwafsnungsfor-erungen

Ser Alliierten an Oesterreich.

Wien, 17. Sept. Wie dieNeue Freie Presse" erfährt, hat der Botschafterrat in Paris den Beschluß gefaßt, die österreichische Regie­rung aufzufordern, 7000 der Erzeugung von Waffen und Munition dienende Maschinen, die sich noch im Besitze der Privatindustrie befin­den, auf Grund der Bestimmungen des Ver­trages von St. Germain der Zerstörung zuzu­führen. DieNeue Freie Presse" bemerkt hier­zu, daß es in Oesterreich keine Waffen- und Munitionserzeugung mehr gebe und daß es sich also nur um Maschinen handeln könne, die seit längerem auf die Erzeugung von Produk­ten der Friedensindustrie umgestellt seien.

Die Marokkokämpfe.

Fez, 17. Sept. (Havas). In der von der Westgruppe befetten Gegend ist der gestrige Tag durch das Wiederaufleben der feindlichen Tätigkeit in der Gegend von Bab Hussein ge­kennzeichnet. Die Operationen auf dem Bibanemassiv haben sich planmäßig abgewickelt. Nachdem der Feind zunächst ernsthaften Wider­stand auf dem Gipfel des Bibane geleistet hatte, hat die im Norden operierende Kolonne den Gipfel um 9 Uhr erreicht und sich dort mit der von Süden kommenden Mehalla vereinigte. Eine Mehalla hat die Gegend, die drei Kilo­meter östlich vom Bibanemassiv liegt, vom Feinde gesäubert und die Dissidenten unter Feuer genommen. Im Verlaufe der Operatio­nen waren Mt krarvWcden Verluste sehr leicht.