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Sanauer 8 Anzeiger

General-Anzeiger für die Kreise Kanan Stadt und Land.

Erscheint täglich mit Susnaiae der Sonn« und Feiertage. / Fernsvrech-Anschluß Nr. 1237 und 1238.

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«e,,g»prei»: Für 6ett halben Monat 1 Reichsmark, für den ganzen Monat 2 Reichsmark ohne TrLgerlohn. Einzelnummer 10, Freitag und Samstag 12Reichspfennig. Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 Reichspfennig im Reklameteil von 68 mm Breite Reichspfennig. Offertengebühr: 60 Reichspfennig. Geschäftsstelle: Hammerstrabe 8.

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Erfüllungsort und Gerichtsstand für beide Teile ist Hanan. Bei unverschuldetem Ausfall der Lieferung tnfolge höherer Gewalt, Streik usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung oder Nachlieferung oder auf Rückzahlung des Bezugspreise». Für Platzvorschrift und Erscheinung»tag« der Anzeige wird keine Gewähr geleistet.

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Nr. 217

Mittwoch de« 16. September

1925

Das Neueste.

^ Der Reichsarbeitertarifvertrag wurde von den beteiligten Gewerkschaften und Orga­nisationen angenommen.

Im französischen Ministerrat kündigte PainlevL eine neue Offensive größeren Stils in Marokko an.

Caillaux, der am Mittwoch sich zur Re­gelung der Schuldenfrage nach Washington begibt, erhielt vom französischen Minrsterrat weitgehende Vollmachten.

Die Aufgaben -er Dankiertagung

Von unserem volkswirtschaftlichen Mitarbeiter.

Banken und Bankiers sind im allgemeinen nicht beliebt, mögen sie als Geldnehmer oder als Geldgeber mit dem Publikum in Berüh­rung kommen. Die große Bedeutung ihrer volkswirtschaftlichen Funktionen wird auch heute noch nicht immer genügend gewertet. In ihren Händen liegt die Vermittlung des Geldes auf seinem Kreislauf vom kapitalbe­dürftigen Produktionsbetrieb zum sparenden Konsumenten und von diesem zu jenem zurück. Von dem richtigen Funktionieren dieser Geld­vermittlung und Geldverteilung hängt zu einem erheblichen Teile Gesundheit und Ge­deihen der ganzen Volkswirtschaft ab. Man hat das Geld oft das Blut der Wirtschaft ge­nannt, das durch den ganzen Körper strömt und allen Organen Leben und Kraft gibt. Bleibt man bei diesem Bilde, so sind die Ban- MjEu die Adern, die das Blut tragen und durch 1 den Körper leiten.

In dem Körver der deutschen Volkswirt­schaft machen sich gegenwärtig Umlaufsstör- mgen erheblicher Art bemerkbar. Das Geld, )as die Wirtschaft beleben soll, ist teils zu Snapp, teils ist es auch nicht richtig unter die sinzelnen Glieder der Volkswirtschaft verteilt, S lebenswichtige Organe zu erschlaffen n. Die Aufgabe der Bankiers als der berufsmäßigen Leiter und Träger des Geld­umlaufs muß es sein, diese Störungen im deut­schen Geldverkehr aufzufinden und beseitigen zu helfen. In dieser Ausgabe liegt die beson­dere Bedeutung, die dem gegenwärtig in Ber­lin stattfindenden Bankiertage von der gesam­ten deutschen Oeffenllichkeit beigemessen wird, und die ihn weit über die vorangegangenen Bankiertagungen erhebt.

Präsident Rießer hat in seiner Antwort auf das Begrüßungstelegramm des Reichs­kanzlers noch einmal die Bereitwilligkeit der Banken zum Ausdruck gebracht, an der großen Preissenkungsaktion mitzuwirken. Aber das allein genügt nicht. Von dem Bankiertage er­wartet man viel mehr. Er soll vor allem die Wege zeigen, auf denen der deutschen Wirt­schaft fo viel Geld zugeführt werden soll, wie sie braucht, damit das Preisniveau endlich normal werden und eine Aktivierung unserer Handelsbilanz ermöglichen kann. Der Staat hat dem Bankgowerbe einen Teil seiner volks­wirtschaftlich unentbehrlichen Tätigkeit dadurch genommen, daß er sich selbst in den Kreislauf des Geldes neu eingeschoben hat. Indem der Staat mehr Steuern erhebt, als er zur Deckung seiner dringendsten Ausgaben braucht und einen Teil der so entstandenen Ueberschüsse in Gestalt von Krediten durch Vermittlung öffentlich-rechtlicher Bankinstitutionen und ge­nossenschaftlicher Organisationen der Wirt­schaft wieder zuführt, hat er die Banken aus einem Teil der Geldvermittlung ausgeschlossen. Dieses Verfahren ist volkswirtschaftlich nicht gesund. Es ist eine ganz unnötige und kost­spielige Erweiterung des Kreislaufes, wenn Kredite auf dem Umwege über die öffentlichen Kaffen an die Wirtschaft gelangen, anstatt ihr Unmittelbar zugute zu kommen. Es liegt darin eine Erschwerung, die den Banken bei der Er­füllung ihrer volkswirtschaftlichen Aufgaben ebenso im Wege steht, wie die Aufhebung des Bankgeheimnisses, über die der Bankierstand sich bitter beklagt. Es offenbart sich hier aber auch ein Mißtrauen gegen die Privatwirtschaft überhaupt, als deren stärkste Festungen die Banken und Bankiers nun einmal gelten. Da­her muß es die nächste Aufgabe der Banken- tagung fein, das Vertrauensverhältnis zum Staat wiederherzustellen und offen vor der Allgemeinheit die Fehler darzulegen, die auf finanz- und wirtschaftspolitischem Gebiet unter dem Einfluß privotwirtschaftsfeindlicher poli­tischer Tendenzen gemacht worden sind.

Die Geld- und Kreditnot, unter der unsere Wirtschaft gegenwärtig schwer leidet, macht durchgreifende Maßnahmen zur Abhilfe not­wendig. Wer aber könnte besser und sachver­ständiger solche Maßnahmen beraten und Vor­

schlägen als der Kongreß derjenigen, die mit der Geldverteilung und Geldbeschaffung be­ruflich besaßt sind! Zwei Fragen sind es also, auf die wir von den tagenden Bankiers Ant­wort erwarten: Wie kann das vorhandene Geld und der vorhandene Kredit besser und richtiger als bisher unter die einzelnen Organe der Wirtschaft verteilt werden? Wie erreichen wir also einen schnelleren Umlauf von Geld und Kredit und verhindern, daß dieser an einzelnen Stellen gerinnt und nicht oder zu langsam in die Wirtschaft zurückflietzt. Wie er­reichen wir es ferner, daß zunächst einmal neue Kredite von außen her der deutschen Wirtschaft zugeführt werden? Die Referate überdie notwendigen Vorbedingungen für die Erfüllung der heutigen gesamtwirtschaft­lichen Aufgâben des privaten Bankgewerbes" und das Referat überAuslandskredite und Ausländsbeteiligungen in der deutschen Wirt­schaft" sollen auf diese beiden Fragen Antwor­ten finden und stehen deshalb im Vorder­gründe des Interesses, mit dem die breitere Oeffentlichkeit die Beratungen des Bankier- tages verfolgt.

Man darf zu der Sachkunde und beruflichen Tätigkeit der Führer des deutschen Bankge­werbes das Vertrauen haben, daß sie gangbare Wege zur Behebung der deutschen Wirtschafts­not aufzeigen werden. Dann wird auch dessen darf man sicher sein die Reichsregie- rung diese Wege ohne Säumen beschreiten. Wenn der Bankiertag die Aufgaben, die ihm gestellt sind, auch nur zu einem erheblichen Teile zu erfüllen vermag, wird er im Dienste unseres wirtschaftlichen Aufbaues eine wich- tige Leistung vollbracht haben.

Berlin, 15. Sept. Im weiteren Verlauf der heutigen Tagung des deutschen Bankiertages führte der Präsident der Preußischen Staats­bank Schröder aus: Der Vorwurf, daß zuviel Gelder, namentlich kurz nach der Inflation, in öffentlicher Hand gehalten worden sind, ist un­berechtigt., Die Beträge sind erheblich über­schätzt worden. Von einer Tesaurierungspolitik kann keine Rede sein. Gegenwärtig stehen etwa 5 Milliarden Kredite wieder zur Verfügung, während schätzungsweise 12001300 Millionen öffentlicher Gelder festliegen. Dies ist gewiß nicht unerheblich, spielt aber nicht die Rolle, die man angenommen hat. Es ist dem Reichs­finanzministerium gelungen, die beteiligten Stellen des Reiches und der Länder zu ver­pflichten, für ihre Gelder 7% Prozent Zinsen zu nehmen. Lediglich die Post ist auf dem Zinssatz von 8 Prozent verblieben. Jetzt ist es Aufgabe der Privatbanken, zu prüfen, wie eine Verbilligung der Bankkonditionen zu be­werkstelligen ist.

Nach weiterer Debatte wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, in der es u. a. heißt: Es wird endgültige Abkehr von der jetzigen Steuerpolitik ge­fordert. Notwendig ist eine allgemeine Senkung des Satzes aufgrund des Steuerüberleitungs­gesetzes zu entrichtenden Vorauszahlungen. Es wird anerkannt, daß auch in der Hand des Bankgewerbes Verbesserungen möglich sind. Insbesondere muß aus Kreditgewährungen von der Bankseite mehr als bisher zwischen Krediten zu volkswirtschaftlich notwendigen und volkswirtschaftlich entbehrlichen Zwecken unterschieden werden. Wesentlich werben die Unkosten der Banken durch die zu große Zahl der Wettbewerber erhöht. Die in den letzten Jahren erfolgten umfangreichen Neugrün­dungen staatlicher, kommunaler und gemischt wirtschaftlicher Banken haben die Ueberfüllung des Berufes verschärft. Es muß daher dringend gefordert werden, daß dieser Entwicklung Ein­halt geschieht.

Der sechste Deutsche Bankiertag nahm heute nach Schluß der Diskussion einstim­mig eine Entschließung an, in der es u. a. heißt: Die in Deutschland wieder hergestellte stabile Währung zu stärken und vor erneuter Gefährdung zu schützen, ist das gemeinsame Interesse aller Wirtschaftsstände. Der Bankier- tag stimmt deshalb der von der Reichsbank durchgeführten Abwehr der Kreditvermehrung zu. Eine übermäßige Verschuldung an das Ausland übt dauernd einen Druck auf unsere Währung aus. Die Verminderung dieses Druckes ist notwendig. Eine der wichtigsten Zukunftssorgen der deutschen Währungspolittk ist die Vermeidung der Abhängigkeit unserer industriellen Produktion von der Einfuhr aus­ländischer Rohprodukte. Die Bestrebungen auf die Wiedererlangung geeigneten überseeischen

Kolonialbesitzes müssen daher aufs Tatkräfttgste I Räumen der Börse statt. Im Namen des unterstützt werden. Deutschen Industrie- und Handelstages be-

Heute abend fand für die Teilnehmer grüßte dessen Präsident Franz v. Mendelssohn des Bankiertages ein Empfang in den I die zahlreich erschienenen Gäste.

MemigM Des WWW Memorandums

Berlin, 15. Sept. Heute mittag 12 Uhr hat der französische Botschafter de Margerie dem Außenminister Dr. Stresemann das angekün­digte Memorandum der französischen Regie­rung übergeben. Der Wortlaut des Memoran­dums wird am Donnerstag früh veröffentlicht werden. Es wird in ihm, wie die Blätter er­fahren, lediglich festgestellt, daß es nach Auf­fassung der alliierten Regierungen wünschens­wert erscheine, nunmehr eine Ministerkonferenz stattfinden zu lassen. Ein Ort hierfür wird nicht genannt. Hinsichtlich des Zeitpunktes erachten die alliierten Regierungen Ende September ober Anfang Oktober für geeignet und erwar­ten eine deutsche Antwort hierauf. Diese Ant­wort wird erst erfolgen, nachdem das Ka­binett sich mit der materiellen Lage befaßt hat. Eine Kabinettssitzung ist für Montag einbe­rufen worden. Erst danach wird weiteres über die materiellen und formellen Fragen gesagt werden können.

Nach dem französischen Botschafter erschien auch der englische Geschäftsträger beim Außen­minister in der gleichen Angelegenheit.

Was die Antwort der deutschen Regierung anlangt, so wird diese erst erfolgen, nachdem das Kabinett sich mit der materiellen Seite befaßt hat. Die Kabinettssitzung ist für den nächsten Montag einberufen; bevor die Ent­scheidung dieser Kabinettssitzung feststeht, wird sich also über den weiteren Gang der Dinge wenig sagen lassen. An eine Ablehnung wird bei der Regierung natürlich nicht gedacht, doch können die innerpolitischen Verhältnisse, wie bekannt, der Regierung noch manche Hemm­nisse bereiten.

Nach der Ueberreichung der Einladung.

Berlin, 16. Sept. DieTägliche Rundschau", die dem Reichsaußenminister Dr. Stresemann nahe steht, schreibt über die vermutliche wei­tere Entwicklung des Konferenzplanes folgen­des: Das Memorandum, das gestern durch den französischen Botschafter dem Außenminister überreicht worden ist, enthält die Einladung zu einerMinisterkonferenz". Das Schriftstück ist auch in diesem Punkt unbestimmt, offenbar in der Absicht, die nähere Definition den Vorver­handlungen zwischen den Kabinetten zu über­lassen. Die Art der Ministerbesprechung kann heute kaum noch zweifelhaft sein. Die bevor­stehende Ministerkonferenz, wo sie auch immer stattfinden mag, ist die Vollkonferenz der be­vollmächtigten Minister. Wir nehmen an, daß man darüber leicht eine Verständigung er­zielen wird, wenn die Frage überhaupt noch zweifelhaft sein sollte, und daß auch die Be­schickung der Konferenz durch die einzelnen Staaten diesem Konferenzzweck entsprechen wird. Das Memorandum hat auch die Frage nach dem Verhandlungsprogramm noch offen gelassen. Aus dem bisherigen Verhandlungs­gang ergibt sich schon eine ganz natürliche Be­grenzung. Die Londoner Iuristenkonferenz sollte die nötige Vorarbeit leisten und für die Ministerbesprechung eine in allen technischen und Rechtsfragen geklärte Grundlage schaffen. Die Vorarbeit ist auch geleistet worden und zwar in einer Weise, die man auch von deut­scher Seite aus als zufriedenstellend bezeichnen kann. Wie bekannt, haben sich die Juristen in London lediglich mit dem Rheinpakt beschäftigt. So ist es denn ganz natürlich, daß auch die Ministerkonferenz ihre Arbeit in derselben Weise abgrenzt. Die Gründe, aus denen sich eine solche Festlegung des Programms ergibt, sind im übrigen wohl nicht nur formaler, son­dern auch politischer Natur. England hat be­kanntlich von Anfang an ein reges Interesse an dem deutschen Paktvorschlag an den Tag gelegt. Der englische Außenminister hat sich in einer Unterhausrede mit der deutschen An­regung einverstanden erklärt. Die deutsche An­regung bezog sich aber nur auf einen Rheinpakt und man braucht nur einen Blick in die eng­lische Presse zu werfen, um zu erkennen, daß die englische Oeffentlichkeit eine deutlich aus­geprägte Abn.-gung zeigt, über diesen Rah­men hinaus auch noch die Ostfragen in den Kreis der englischen Politik zu ziehen. Die eng« lische Regierung denkt sicherlich nicht anders.

Die bevorstehende Ministerkonferenz wird also wohl den ganzen Komplex der Ostsragen aus ihrer Verhandlung ausscheiden. Damit dürste auch die Frage beantwortet sein, ob Polen und die Tschechoslowakei auf dieser Konferenz vertreten èn werden. Die französische Presse hat sich auch schon mit der negativen Entschei­dung abgefunden. Die erörtert den Gedanken einer gleichzeitigen Tagung von zwei Konfe­renzen, von denen eine den Rheinpakt, die an­dere die Ostfragen behandeln soll. Ein solcher Weg ist schon rein technisch nicht gangbar. Man wird sich also auf zwei zeitlich und wahrschein sich auch örtlich verschiedene Konferenzen ein­richten müssen.

Die Sicherheiispaklkonferenz.

DieVoss. Ztg." bezeichnet aufgrund von Informationen aus Berliner diplomatischen Kreisen als wahrscheinlichen Termin für den Zusammentritt der Sicherheitspaktkonferenz den 6. Oktober und erklärt, daß als Tagungsort von Schweizer Städten in erster Linie Luzerr in Betracht komme.

DieTägliche Rundschau" betont, daß die bevorstehende Ministerkonferenz m^ ' i < Entrevue der Außenminister, sondern eine Voll- tonferens der. hevostNMtuiaren Minister hin werde. Was das Verhandlungsprogramm an betreffe, so weist das Blatt darauf hin, daß Sbie Juristen in London lediglich mit dem einpakt beschäftigt haben. Es sei daher ganz natürlich, daß auch die Ministerkonferenz ihre Arbeiten in derselben Weise abgrenzt. Die be­vorstehende Ministerkonferenz werde also wohl den ganzen Komplex der Ostfragen aus ihren Verhandlungen ausscheiden. Damit dürfte auch die Frage beantwortet sein, ob Polen und die Tschechoslowakei auf dieser Konferenz vertre­ten sein werden. Den von der französischen Preße erörterten Gedanken einer gleichzeitigen Tagung von zwei Konferenzen, von denen die eine den Rheinpakt, die andere die Ostfragen behandeln soll, bezeichnet das Blatt schon au- rein technischen Gründen als undurchführbar. Man müsse aber damit rechnen, daß im An­schluß an die Konferenz über den Rheinpatt auf einer zweiten, zeitlich und wahrscheinliâ auch örtlich verschiedenen Konferenz die Ost fragen geregelt werden.

DerDaily Telegraph" zu den Sicherheit Verhandlungen.

London, 15. Sept. Der diplomatische Kor­respondent desDaily Telegraph" legt noch einmal ausführlich die gesamten Umstände der Sicherheitspaktverhandlungen dar. Er sagt, daß die deutsche Vertretung durch den Außen­minister Dr. Stresemann, Dr. Luther und evtl einem deutschnationalen Minister nur begrüßt werden könne. Ihre Anwesenheit werde die Entscheidungen der Konferenz in deutscher Augen repräsentativer und autoritativer machen. Die Entscheidungen der Konferenz könnten dann später nicht vom Reichstag ir Frage gestellt werden. Was die Einteilung bei Materie anbelangt, so würde es sich zunächsi um den Rheinlandpakt und seine Anhänger, namentlich einem franko-deutschen und einem belgisch-deutschen Schiedsgerichtsvertrag han­deln. Nach Erledigung des Rheinlandpaktes würde es möglich sein, das schwierige Problem der deutsch-polnischen und der deutsch-tschechi­schen Verträge in die Hand zu nehmen. Cham­berlain, sagt der diplomatische Korrespondent, hat sich neuerdings zu der Ansicht bekehrt, daß eine absolute Trennung von West- und Ostpakt praktisch nicht brauchbar, sondern nur eine theoretische Lösung darstelle. Die östlichen Schiedsgerichtsverträge würden besondere Be­deutung besitzen. Denn sie bedingten für Deutsch­land wie für Polen und die Tschechei 'neue kontraktliche Verpflichtungen, die zweifellos die älteren Verpflichtungen des Versailler Ver­trages wieder einschließen würden, gleichzeitig aber deren Inhalt, wenn auch nicht materiell, so doch im Geiste und in der Auslegung ver­ändern müßten. In dieser Hinsicht würde eine neue Unterschrift durch das deutsche Reich, die freiwillig unter den neuen Vertrag gesetzt werde, von unschätzbarem Werte sein. Damit würde die gegenwärtige deutsche Behauptung, daß die Unterschrift unter den Versailler Ver-