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General-Anzeiger für die Streife Kana« Stadl und Land

Ersckeint täglich mit Äuenabue der Sonn- und Feiertage. / Fernsprech-Anschluß Nr. 1237 und 1238.

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Nr. 216

Dienstag den 15. September

1925

Das Neueste.

In Genf haben die türkischen Vertreter die Abtretung eines Teils des Mosfulgebiets vorgeschlagen. Sie fordern als Gegenleistung einen Sicherheitspart mit Irak, England und Persien.

Wie dasBerliner Tageblatt" erfährt, werden Staatssekretär Schubert und Ministe­rialdirektor Gaus morgen in Berlin wieder eintreffen.

Der englische Premierminister Baldwin hat sich entschlossen, seinen Pariser Aufenthalt bis Mittwoch zu verlängern.

^ Das Verfahren gegen den Chefredakteur »5Berliner Tageblattes" Theodor Wolff wegen Beleidigung der Richter im Magdebur­ger Rothard-Prozeß wurde auf Grund der Preußischen Amnestieverordnung eingestellt.

DasBerliner Tageblatt" meldet aus Tientsin: Der Jangtsekiang ist über die Ufer getreten und hat in der Provinz Schantung etwa 1000 Dörfer überflutet. 3000 Menschen sind ertrunken.

Nach einer Meldung der Morgenblätter aus Damaskus ist General Gamolin, der bei wird, wie Petain bei Marschall Lyautey, in General Sarrail eine ähnliche Rolle spielen Damaskus angekommen.

Zur Autzenminifterkonferenz.

Hamburg, 14. Sept. Der Leitartikel des Hamburger Fremdenblattes" unter der Ueber« schriftZwischen London und Comersee" be­faßt sich mit einem großen Komplex von Fra­gen, die sich im Zusammenhang mit der dem­nächst stattfindenden Außenministerkonferenz ganz von selbst aufrollen. An der Spitze steht ein sehr beachtenswerter Hinweis, nämlich der, daß es nicht in der Absicht Mussolinis liegen könnte, bei seiner Beteiligung an der Regelung der Sicherheitsfrage die Brennergrenze in die Debatte zu werfen, nicht nur weil der italie­nische Diktator weiß, daß ein solcher Gedanke sowohl von Deutschland als auch von den Alliierten abgelehnt werde, da von der Gegen­seite, also von Deutschland die Frage einge- worfen werden könnte, ob damit etwa die Hin­dernisse für die Vereinigung Deutschlands und Oesterreichs als aus dem Wege geräumt gelten 'önnten, weil ja nur aus dieser Voraussetzung die Brennerfrage überhaupt in Betracht käme. Als Kern der kommenden Paktkonferenz wird der Westpakt bezeichnet. Zur Entstehungsge­schichte des deutschen Paktvorschlages bringt der Artikel einige, zunächst für die Einstellung des deutschen Volkes zu diesem Vorschläge sehr wesentliche Bemerkungen. Unter Anknüpfung an die Tatsache, daß das Angebot des Außen­ministers Dr. Stresemann auf das Cunosche Angebot vom Mai 1923 zurückginge, wird darauf hingewiesen, daß hinter der damaligen Regierung Cuno-Rosenberg als treibende, in­spirierende Kraft der deutschnationale Führer Dr. Helfferich stand, der noch im Juli 1923 seine Zustimmung zu der damaligen weit­gehenden Steuervorlage damit bgründete, daß entscheidend dafür die Notwendigkeit sei, Cunos Außenpolitik zu unterstützen. Der maßgebende Gedanke dabei, sowohl für den Cunoschen wie siir den Stresemannschen Vorschlag war, sich snit dem hartnäckigsten Gegner jeder deutschen Wiederaufrichtung, mit Frankreich, zu verstän­digen, um dadurch eine Grundlage für die Mische Lebensfähigkeit erst wieder zu schaffen, âile Einwände gegen diese Politik der Ver- Itandigung mit Frankreich müssen hinfällig werden durch die Erwägung, daß, selbst als militärischen Machtfaktor, Deutschland bei einer anderen Politik nur wieder den ganzen Welt­bund gegen sich auf die Beine bringen würde, wenn sein Ziel darin bestände, den status quo tmte bellum wieder herzustellen. Aber bei einer Uchen durch die Bilanz der militärischen Lage Deutschland gezogenen Begrenzung der Art und Methode der deutschen Außenpolitik darf nicht ziellos oder eine Verzichtpolitik und sucht inaktiv sein. Ihre vornehmste Aufgabe P zunächst die Bekämnkung der aggressiven eanzäsjschen Politik und die Sicherstellung der ^sachlichen Unabhängigkeit und Gleichberech- ugung Deutschlands. Deutschland muß ferner M Schutz der deutschen Minderheiten, nament- ' 'N den neuentstandenen Staaten werden und ist dafür zu sorgen, daß ihre Rechte nach an internationalen Verträgen gewahrt werden, ^as hinstreben auf Revision der heute von anen Seiten als Unmöglichkeit erkannten Ost- llrenze, die Wiedererlangung kolonialer Be­

tätigungsmöglichkeiten und die Herstellung des tatsächlichen Selbstbestimmungsrechtes der Völker, das in der österreichischen Anschluß­frage von den Alliierten mit Nichtachtung be­handelt wird, das sind außenpolitische Ziele von Bedeutung, die eine Verständigung mit den Mächten, deren Entscheidung maßgebend ist, voraussetzen. Das Eingehen auf die Ideen des Sicherheitspaktes muß selbstverständlich gegenseitig sein. Der Bericht des aus London zurückgekehrten deutschen juristischen Sachver­ständigen Dr. Gaus dürfte darüber Sicherheit geschaffen haben, ob England und gegebenen­falls Italien sich verpflichten, für den Fall einer Ueberschreitung der deutschen Grenze durch Friedensverletzung Frankreichs, mit ihrer Heeresmacht Deutschland zur Seite zu stehen. Mit dem Auftreten Englands als Garant der heutigen deutschen Grenzen wäre eine wesent­liche Entspannung der jetzigen Lage verbun­den, zumal Frankreich in seiner Antwort auf die deutsche Note ausdrücklich erklärt hat, sich keiner Verpflichtung entziehen zu wollen, die ihm durch die Völkerbundssatzung auferlegt wird. Dadurch erhält Artikel 9 der Völker­bundssatzung eine besondere Bedeutung, welche die Möglichkeit einer Aenderung anwendbar gewordener Verträge vorsieht. Das bezieht sich selbstverständlich auch auf die Grenzfragen. Bei der Frage des Eintritts Deutsch­lands in den Völkerbund darf man sich nicht von Gefühlspolitik bestimmen lassen, denn sonst müssen wir die diplomatischen Be­

Ziehungen zur halben Welt ablehnen, weil unser

bas stärkste beleidigt wurde. Nur in einem Handelsminister Dr. Schreiber sowie der Kul-

Punkte wird unbedingt unserem Gefühl Rech­

nung getragen werden müssen: daß der Ein­tritt Deutschlands in den Völkerbund unmöglich die Anerkennung der moralischen Schuld Deutschlands am Weltkriege in sich schließen darf und daß die Anerkenung des Artikels 11 mit den heutigen Grenzen nur erträglich ist durch Ergänzung mit Artikel 9, der Revisions­möglichkeiten für die Grenzen in sich schließt. Was aber der Einwand unseres Verhältnisses zu Rußland anbetrifft, so widerspricht es voll­kommen den Tatsachen, daß unser Eintritt gegen Rußland gerichtet ist. Für den Anschluß an den Völkerbund spricht aber wiederum die Erwägung, in ganz anderer Weise für die deutschen Minderheiten eintreten zu können, als wenn wir außerhalb des Völkerbundes bleiben, wozu uns die Mitgliedschaft im Völ­kerbundsrat trotz der zu unseren Ungunsten er­folgten Aenderung anderer Satzungsbestim­mungen die Möglichkeit gibt. Selbstverständlich dürfen die Satzungen des Völkerbundes in den Hauptfragen nicht zu Ungunsten Deutschlands geändert und die Einstimmigkeit des Völker­bundsrates für seine Beschlüsse nicht beseitigt werden. Alles in allem aber würde der Ein­tritt in den Völkerbund Deutschland mehr Vor­teile als Nachteile verschaffen und seiner aktiven Außenpolitik keineswegs mehr Fesseln ange­legt werden, als bei der heutigen Bedrohung Deutschlands durch die Entente, die ihm kaum einen freien Schritt möglich macht. Zunächst aber sind mündliche Verhandlungen notwendig. Erst in den Verhandlungen wird es sich zeigen, ob auf beiden Seiten der Wille zur Befrie­dung Europas vorhanden ist. London brachte eine vorläufige Lösung der Reparationsfrage. Die nächste Konferenz muß die Lösung der Sicherheitsfrage sein. Daran muß sich eine wirtschaftliche Verständigung der großen In­dustrienationen Europas anschließen, mit einem Ausblick auf ein wirtschaftliches Gebilde, eine europäische Gemeinschaft anstelle des heutigen Europa, das an das alte Deutschland mit sei­nen Dutzenden von Staaten und Zollsystemen erinnert.

Noch keine Enlfcheidung über die Teilnahme Schieles an der Konferenz.

Berlin, 14. Septbr. Ein Berliner Moutagblatt brachte unter der ÜberschriftSchiele muß mit zur Konferenz" Meldungen über angebliche Beiprechungen unterhalb der dmiichnationalen Volkspartei beim, innerhalb des ReichSkadmetteS, über die Teilnahm de8 NüchsinnenministerS Schiele an der internationalen Diunsterbesprechnng. Demgegenüber wird uns von authentischer Seite mitgeteilt, daß sich weder irgendeine Instanz der deutschuatwnationalm Voikspartei mit dieser Frage bisher beschäftigt, noch der Reichskanzler direkt oder indirekt den Versuch gemacht habe, auf eine möglichst günstige Entscheidung des Reichsinnèn- ministcrs Schiele einen Einffuß auszuüben.

Gin Umfall Chamberlains?

London, 15. Septbr. Der diplomatische Bericht­erstatter des .Düilv Telegraph" schreibt, der uüdihaite

Gegenstand der bevorstehenden Konferenz der Außen­minister werde der eigentliche Rheinlandpakt sein mit seinen Anhängen, dem französisch-deutschen und belgisch- deutschen Schiedèvertrag. Sobald eine Vereinbarung erreicht sei, werde möglicherweise das schwierige Problem der deutsch-polnischen und deutsch-tschechischen Sch eds- Verträge in Angriff genommen werden. Hierbei dürsten ich der polnische und tschechische Außenminister an den Erörterungen beteiligen, von denen sich der britische Delegierte verhältnismäßig, wenn auch nicht völlig,

Der 6. Deutsche Bankierlag

Berlin, 14. Sept. An dem 6. Allgemeinen Deutschen Bankiertag, der heute in dem festlich geschmückten Theatersaale der Berliner Kroll­oper eröffnet wurde, nahmen weit über tausend Gäste teil. Von der Reichsregierung waren erschienen: Reichsaußenminister Dr. Strese­mann, Reichsinnenminister Schiele, Reichs­finanzminister v. Schlieben, Reichswirtschafts­minister Dr. Neuhaus und Reichspostminister Stingl. Als Vertreter des Reichsarbeits­ministers war Staatssekretär Geib, als Ver­treter des Reichsjustizministeriums Geheimer Regierungsrat Dr. Schlegelberger und als Ver­treter des Veriehrsministeriums Ministerial­direktor Dr. Stapenhorst erschienen. Die Stadt Berlin war durch den Oberbürgermeister Böß vertreten. Aus der Fülle der Vertreter der

staatlichen Banken seien erwähnt: Reichsbank- präfibent Dr. Schacht und der Präsident der Deutschen Rentenbank Dr. Lentze. Von der preußischen Regierung waren u. a. anwesend:

tusminister Dr. Becker. Ferner waren ver­treten die bayrische und die sächsische Staats­bank, der sächsische Wirtschaftsminister und die preußische Staatsbank. Desgleichen waren die Spitzen der Handelskammern vollzählig er­schienen. An der Spitze der Delegierten des Deutschen Industrie- und Handekstages befand sich dessen Präsident Franz v. Mendelsohn. Außerdem nahmen an der Tagung teil die Vertreter sämtlicher höherer Verwaltungs­behörden sowie zahlreiche Vertreter des Reichs­tages und des preußischen Landtages.

Der Bankiertag wurde vom Geheimen Justizrat Prof. Dr. R i e ß e r mit einer An­sprache eröffnet. Er erklärte als entscheidende Veranlassung für die Einberufung des Bankier­tages, daß man weit über die Kreise hinaus, die in fortlaufender Berührung mit dem Bank­leben stehen, von einer sachverständigen und unpolitischen Stelle aus näheres über die Vor­aussetzungen, Gründe und Ziele der Bank­politik kennen lernen möchte, die naturgemäß zugleich einen Einblick in die allgemeine Wirt­schaftspolitik und Wirtschaftslage gewähren muß. Der Redner ging dann kurz auf die Auf­gaben des Bankgewerbes ein, wies auf die Richtschnur hin, welche die Banken bei ihrer Kreditpolitik befolgen müßten und erklärte gegenüber den Angriffen, denen das Bank­gewerbe ausgesetzt gewesen sei: Wir werden alle Fälle, in denen beachtenswerte und nicht rein politisch gerichtete Kritiker dem deutschen Bankgewerbe sckwere Fehler oder Unter­lassungen vorwerfen zu können glauben, gerne und ohne Scheu untersuchen und zur Be­sprechung bringen; wir haben nichts zu ver­heimlichen und nichts zu vertuschen, haben es stets vermieden, eine reine Jnterefsenpolitik zu betreiben und verlangen von uns selbst und allen anderen Wirtschaftsgruppen, die vater­ländischen Interessen im Falle eines Wider­streits stets den privaten Interessen voran­zustellen.

Mit heimischen und internationalen Verbin­dungen, welche letzteren besonders auch für Handel und Industrie eine unbedingte Not­wendigkeit bilden, nationale Ziele zu verfolgen, ist die Aufgabe des deutschen Bankgewerbes, sein Wegweiser und seine Richtschnur ist das Gemeinwohl und das Vaterland.

Hinsichtlich der notwendigen Zusammen­arbeit mit der Reichsregierung und den Länderregierungen sowie mit den anderen Er­werbsgruppen führte Professor Nießner aus: Die großen Aufgaben der deutschen Bankwelt innerhalb der Gesamtwirtschaft erheischen nach meiner Ueberzeugung gebieterisch ein von gegenseitigem Vertrauen getragenes Zu­sammenwirken des Bankgewerbes mit der Reichsregierung und den Länderregierungen, da nur ein solches die im öffentlichen Interesse unbedingt erforderliche Grundlage beider­seitiger erfolgreicher Arbeit bilden. Ein Ver­trauensverhältnis sollte aber auch immer mehr zwikcken den einzelnen Erwerbsgruppen mög­

fernhalten werde. Wenn auch Großbritannien keine Verpflichtungen im Hinblick auf die europäischen Ost­grenzen übernehmen wolle, könne el nicht mit Gleich- Gültigkeit die möglichen Folgen betrachten, welche am Verwicklungen im östlichen Europa entstehen könnten. Anscheinend habe Chamberlain neuerdings eingesehen, daß die völlige Abtrennung der östlichen Verträge von den westlichen nur in der Theorie und nicht in der Praxis möglich sei.

lich sein, der Art, daß eine generelle Kampf- Parole ausgeschlossen ist und die Ueberzeugung Platz greift, daß die Gesamtheit leibet, wenn eines ihrer für diese wichtigen Mitglieder bar« niederliegt, möge der darniederliegende Teil die Industrie, die Landwirtschaft, der Handel, das Gewerbe oder das Handwerk fein. Die Versöhnungs- und Ausgleichsparole, die hier und im Verhältnis zwischen Unternehmern einerseits und Angestellten und Arbeitern anderseits anstelle der Kampfparole zu treten hat, ist und bleibt das wirkungsvollste Mittel, um die heutige, sich vielleicht noch erheblich ver- schärfende Krisis bestehen zu können und so all­mählich zum Wiederaufbau einer tragfähigen Wirtschaft zu gelangen. Der Redner schloß mit folgender Mahnung an die Versammlung Das deutsche Vaterland muß verlangen, daß jeder von uns mehr tut,

weit mehr tut, als lediglich seine Pflicht daß einieder my der äußersten^ Anstreuaum feiner Nerven und seiner Kraft, seines Den­kens und seines Könnens, feiner Initiative und seiner Mittel die Wiederaufrichtung und Be­freiung des Staates in unermüdlicher Arbeit sich als Ziel setze. Sie, meine Herren, werden hierbei und bei dem Schutze unserer Valuta, die unter allen Umständen erhalten bleiben muß und sicherlich auch erhalten bleiben wird sich ohne Zweifel erneut erhebliche Opfer auf- erlegen, durch manche Krise noch hindurchgehen und vielleicht für längere Zeit noch auf hohe Gewinne verzichten müssen. Aber Sie werden das große Ziel der Wiederaufrichtung unseres Vaterlandes erreichen, wenn Sie erfüllt find von dem lebendigen, erhebenden und unzer- störbaren

Glauben an eine glückliche Zukunft des Vaterlandes, der Berge versetzen kann, und von jenem eisernen Willen, den schwere Wider­stände nur erstarken lassen. Das deutsche Bankwesen wird in der ersten Reihe der Kämp­fer um' Deutschlands Wiederaufbau zu finden sein, oder es wird selbst nicht mehr sein. Das deutsche Bankwesen wird aber sein und bleiben, leben und vorwärts kommen unter kluger und weitsichtiger, vorsichtiger und doch wagemutiger Führung, die ihre hohe Verantwortlichkeit kennt und ihr Rechnung trägt.

Nach Prof. Dr. Rießer ergriff der Reichs­wirtschaftsminister Dr. Neuhaus das Wort und führte aus: In die ersten 1% Jahrzehnte seit der Jahrhundertwende fällt ein großartiger Aufschwung der deutschen Wirtschaft, der schon oft in stolzen Rückblicken und zahlenmäßigen Ueberblicken dargelegt wurde. In diesen Auf­schwung waren die deutschen Banken nicht nut als ein Teil wie andere einbegriffen, sondern sie waren in weitestem Maße Träger und An­wärter der gesamten Entwicklung nach oben. Der Krieg brachte eine Wandlung in der Stel­lung der Banken. Ihre wichtigste Aufgabe wurde die Finanzierung des Krieges und sie machten das Wort Lloyo Georges, daß die sil­bernen Kugeln den Kampf entscheiden würden, zu schänden. Finanziell haben wir die Kriegs­jahre durchgehalten nicht zum wenigsten aus Grund der aufopfernden Arbeit des deut­schen Bankgewerbes. In dieser Zeit mußten die Banken von der Industrie finanziell ab« bröckeln. Die Industrie gewann den Banken gegenüber an Kraft und Selbständigkeit, eine Folge der aus den Kriegslieferungen laufen­den Gewinne. Aus der nun weiter einsetzenden Inflationszeit verstärkte sich diese Entwicklung. Große Teile der Industrie konnten ihren Sach­bestand erhalten und in mehr oder weniger wirtschaftsglücklichen Konzernbildungen zu ge- wattigen Machtfaktoren sich zusammenballen. Die Banken haben mit dieser Zeit nicht Schritt halten können. Sie waren als Vermittlungs­punkte des Geldverkehrs am stärksten mit der sich entwertenden Papiermark verknüpft. Sa» Ergebnis dieser Kapital zerstörenden Infla­tionszeit für die Banken war, daß in den Gold­bilanzen das Kapital der Banken durchschnitt­lich auf weniger als ein Fünftel des Vorkrieg»»