Zoo. Jahrgang.
GeneraL-AnZeiger sür die Streife Kanau Stadl und Land
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Nr. 191
Montag -en 17. August
1925
Der Streit über heu Mit -er Me
Französifche Sonderwünsche. — Die Pariser Verschleppungsmethode.
Die Mitteilung des französischen Botschaf- ,ers über eine Hinauszögerung der Ueber« Eichung der Antwortnote hat in Berliner maß- gebertben Kreisen im Grunde genommen nicht überrascht. Nach allem, was bisher über den Inhalt der Einigung zwischen Briand und Chamberlain bekannt geworden ist, sind sogar für die Fertigstellung der Antwortnote neue Schwierigkeiten erwartet worden. Wenn auch das, was sowohl aus London als auch aus Paris durchgesickert ist, nur ein recht verschwommenes Bild von dem Charakter der Londoner Uebereinkunst gibt, so geht doch klar daraus hervor, daß ganz wesentliche Fragen ungelöst geblieben sind. Daraus resultiert anscheinend jetzt auch das Bestreben Frankreichs, vor der großen Konferenz erst einmal eine Zusammenkunft der juristischen Berater aller Länder in London herbeizuführen. Damit ist aber die Reichsregierung nicht einverstanden. Nachdem nun einmal soweit Klarheit geschaffen worden ist, daß einer mündlichen Aussprache nichts mehr im Wege steht, kann diese nicht mehr französischer Sonderwünsche wegen auf die lange Bank geschoben werden. Es liegt auch gar nicht im Interesse der ganzen Sicherheits- srage, eine Konferenz der Juristen einzube- rufen, die durch ihr Gutachten sehr leicht den ganzen Pakt einseitig zugunsten Frankreichs UMbiegen imstande ist. Auch würde eine der- ^MLusammènkunft nur neue Möglichkeiten ur Frankreich schaffen, dem Abschluß des Paktes Schwierigkeiten in den Weg zu legen, um dann für sich daraus politisches Kapital zu schlagen. Da gleichzeitig auch von Frankreich aus Stimmung für eine darauffolgende Kon-
der Ministerpräsidenten gemacht wird, dürfe, wenn den französischen Wünschen Rechnung getragen werden soll, der Sicherheitspakt vorläufig überhaupt nicht unter Dach und Fach tommen. Das haben auch die Engländer ein« gelegen. Sie sträuben sich anscheinend jetzt, datz in der Note ein Passus hineinkommt, der allgemeinen Wunsch nach mündlicher Aus- iprache dahin beschneiden soll, daß dieser eine Elstenkonferenz vorauszugehen hat.
^ll9e dar neuen Hinauszögerung, die natürlich erst wieder einmal einen lebhaften ^° ^austausch zwischen Paris und London zur & ^den wird, hat es sowohl der Reichs- anzler als auch der Reichsaußenminister vor- die Ferien zu gehen und dort so« bleiben, bis durch den französischen die Ankündigung erfolgt, 'N der Reichshauptstadt erfeS X ^. Die Abreise der Minister läßt das. Berliner Auswärtige Amt miXXS ?s^ einer Hinauszögerung von Mms acht bis zehn Tagen rechnet. Das nicht für eine weitgehende Ueber« zwischen Chamberlain und ^ann in der Note auf Grund dieses SS auch auf den rückaeknâ^^ ^ "^.ds m den Völkerbund zu- werden soll, dann werden sich so- ben müs^nL^ Frankreich dahin einig mer« her Le Note einen Text zu geben, doch keine nLk" 3U"!^S verpflichtet, aber Da her SeitDerlufte mehr schafft, in ®enf Anfang nächsten Monats HiuSte von sich aus eine ben fassen, die Deuffchland nahelegt, in gestelltes ÄS, 2 ^n v°n Deutschland auf« keine Zeit W®” beschäftigen, dann ist über ben Äre S W1 langwierigen Streit Frankreich mJSSX0^ 3u verlieren, liches 11;Z X "^rd mgs ein recht erhebst hinauszii-ö^^an zu haben, die Dinge so ^aenfomS SÄW™ zu dem ganzen leit, bevor hÄ^^Ä^115^65 'st feiner« in mehreren Ä nad) ^ris abging, Megt mo^ eingehend bar« bildeten bie ilÄ ^^lusse dieser Sitzungen Sie bestehn» llrckerlagen der deutschen Note, bie Platin? aiX beute noch, da sie gleichzeitig MenÄSÄ Neichstagsmehrheit für bie len. äuI abgaben. Das wissen die Alliier- ^etocfnn ®Se” also mit der Haltung der agsmehrheit rechnen müssen und ihrer
Note eine Gestalt geben, die nicht nur klar erkennen läßt, daß die Gegenseite die deutschen Voraussetzungen zu würdigen weiß, sondern auch den ehrlichen und aufrichtigen Willen hat, diese Wünsche im Rahmen der weiteren Sicher- Heitsbesprechungen gebührend zu berücksichtigen. In den maßgebenden Fraktionen des Reichstages ist jedenfalls schon jetzt erklärt worden, daß sie auf keinen Fall chre Zustimmung zu einem Pakt geben würden, dessen Inhalt den angeblichen Entschlüssen Briands und Chamberlains entsprechen sollten. Der Pakt muß in erster Linie den Grundsatz der Gleichberechtigung nach allen Seiten hin wahren, zum andern muß er ein Fundament für den vom Reichsaußenminister ehrlich angestrebten und übn allen Völkern sehnlichst herbeigewünschten Frieden bilden.
Der „Observer" zur bevorstehenden Nole.
London, 16. Aug. Der diplomatische Berichterstatter des „Observer" schreibt, die bevorstehende Note an Deutschland werde wahrscheinlich über einige der hauptsächlichsten in London zwischen Chamberlain und Briand erörterten Fragen wenig oder nichts sagen. Die englische öffentliche Meinung sei daran interessiert, in welchem Umfange Großbritannien zu einem bewaffneten Eingreifen bei einem Streit zwischen Frankreich und Deutschland verpflichtet ist. Gerade in dieser Frage be- tmchte man die Besprechungen der letzten
.JbeLpnbers,. Was Deutschland betreffe, so sei die Hauptsache, daß es gegen Sanktionen nach der Art der Ruhrbesetzung gesichert wird und daß Frankreich nicht das Recht hat, durch deutsches Gebiet Polen zu Hilfe zu eilen. Die Note werde vielleicht über diese Fragen schweigen oder sich wenigstens in dieser Hinsicht nicht festlegen, aber sie seien natürlich sehr eingehend erörtert worden. Es werde gehofft, daß nach der Herstellung einer unmittelbaren Fühlung mit Berlin eins praktische Lösung gefunden werden könne. Es sei freilich durchaus möglich, daß sich die Verhandlungen mit Deutschland in die Länge ziehen, was bedeuten werde, daß Deutschland dem Völkerbund während seiner diesjährigen Tagung nicht mehr beitreten könnte. Bevor Deuffchland in den Völkerbund ausgenommen werden könne, müßten die Entwaffnungsforderungen der Alliierten erfüllt werden. Die pünktliche Räumung des Ruhrgebiets , und die bevorstehende Räumung der Sanktionsstädte hätten jedoch auf die öffentliche deutsche Meinung einen beträchtlichen Eindruck gemacht. Viele der Entwasfnungsforde- rungen seien bereits erfüllt worden, während bei den anderen die Erfüllung im Gange sei. Der Korrespondent ist der Ansicht, daß die etwaige Vollkonferenz über die Sicherheitsfrage in London oder Brüssel abgehalten werden würde.
Der französische Sozialistenkongretz.
Paris, 16. Aug. Der Sozialistenkonqreß seßte heute die Debatte über die der Regierung gegenüber zu befolgende Politik fort. Doley ist der Ansicht, daß das Land sich unzweifelhaft für eine Linksregierung ausgesprochen habe, und daß man deshalb an der Regierung teilnehmen, aber Garantien fordern solle. M o n t h a r d ist nicht für die Unterstützung der Regierung, sondern für die Teilnahme an ihr. Er wendet sich gegen die Rede, die Leon Blum neulich gehalten hat, und die eine rein negative Formel enthalte. Nur durch Teilnahme an der Regierung werde die sozialistische Partei den Widerstand des konservativen Senats überwinden können. Der Abgeordnete Pressemare hält das Kartell für tot, und zwar hätten es nicht die Sozialisten, sondern ihre Verbündeten umgebracht. Painlevè treibe eine Rechtspolitik. Man solle Painlevë beim Wiederzusammentritt der Kammer interpellieren, um die Entscheidung herbeizuführen. Er werde dann entweder fallen, und man werde ein Konzentrationsministerium bekommen, oder er werde mit einer Rechtsmehrheit im Amte bleiben. Jedenfalls könnte die Unterstützungspolitik nicht fortgesetzt werden, sondern man müsse wieder die Rolle als Oppositionspartei zur Wahrung sozialistischer Grundsätze und der Interessen der Arbeiterklasse aufnehmen. Später, wenn die Partei stärker sei, werde man vielleicht. wenn auch nicht die Macht
übernehmen, so doch wenigstens an ihr teil« nehmen können. Pressemare fand lebhaften Beifall. Waltz, der der Minderheit angehört, verteidigte die Politik der Teilnahme an der Regierung. Man müsse sich davor hüten, mit negativen Formeln im Lande des parla- menatrischen Regimes zu operieren. Sonst werde es so kommen wie in Rußland und Italien, wo der Bolschewismus und der Faszismus noch lange dauern würden.
Nach einer kurzen Mittagspause ergriff der Generalsekretär der Partei, Faure, das Wort. Er griff die Mitglieder der Partei heftig an, die zur Unterstützung der Regierung bereit seien und in bürgerlichen Blättern sich über die Haltung der Sozialistischen Partei kritisch äußerten. R e n a u d e l und andere Mitarbeiter des „Quotidien" und der. „Ere Nouvelle" unterbrachen hier und es kam schließlich zu einem Tumult zwischen Mehrheit und Minderheit. Die Rede Faures wurde jedoch schließlich von der großen Mehrheit mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Der Llbgeordnete Leon Blum ist der Ansicht, daß das Land sich dreimal, näm« lich im Mai 1924 bei den Kammerwahlen und bei den Munizipal- und Kantonalwahlen, in eindeutiger Weise ausgesprochen habe. Umso« mehr müsse sich die Partei von einer Regierung trennen, die dem Willen des Landes nicht Rechnung trage. Die Partei habe keinerlei Grund, die Verantwortung für den Zusammenbruch des kapitalistischen Regimes, der von Tag zu Tag deutlicher werde, zu über« nehmen. Sie solle ihre Stunde abwarten, in der sie die Mehrheit haben werde, um dann frei nach ihrem Willen zu handeln. Dann
Einführung der -rahUofen Eisenbahnteiephome für V-Jüge
Berlin, 15. Aug. Anläßlich der Einführung der drahtlosen Eisenbahnzug- telephvnie auf der Strecke Hamburg— Berlin veranstaltete die Eisenbahndirettton Abona heute eine Sonderfahrt von Hamburg nach Hagenow und Mrück, an der u. a. die beiden hamburgischen Bürgermeister Petersen und Schramm, die Bürgermeister von Lübeck und Altona, der Präsident der hamburgischen Bürgerschaft sowie eine Reihe von Vertretern bei Behörden sowie von Wissenschot:. Handel und Jndustr.e tcilnahmen. In dem als Vortragsraum für diesen besonderen Zweck hergerichteten Wagen begrüßte der Präsident der Reichsbahndirektion Dr. Schneider zugleich namens der Firma E. F. Huth und der Zug- telephonie-A.-G. die Gäste und führte dabei etwa folgendes aus: Die Uebertragung von Musik und Worten auf einen fahrenden Zug ist bereits auf amerikanischen Eisenbahnen möglich. Zum ersten Male in der Well bietet aber das System der Firma Erich F. Huth, das jetzt eingeführt werden soll, die Möglichkeit einer wechselseitigen Fernsprechverbindung von einem fahrenden Zuge zur Außenwelt. In einmütiger Zusammenarbeit zwischen der Erfipderfirma, der Reichspost und der Reichsbahnverwaltung ist das System derart ausgebildet worden, daß für die Reisenden eine Verbindung mit jedem beliebigen Postfernsprechteilnehmer, also auch weitab von der Strecke, und umgekehrt für jeden Fernsprechteilnehmer eine Verbindung mit einem fahrenden Zug hergestellt werden kann. Als die ersten sollen die D-Züge zwischen Hamburg und Berlin ausgerüstet werden. Nach einer für die Betriebserprobung erforderlichen kurzen Versuchszeit wird dann den Reisenden die Einrichtung zunächst bei diesen Zügen zugänglich gemacht werden. Nach und nach soll die Zugtelephonie auch auf den übrigen bedeutenden Strecken des Deutschen Reiches eingeführt werden. Der Präsident sprach die Hoffnung aus, daß die Erfindung zu einer neuen Stütze und mit der Zeit zu einem unentbehrlichen Hilfsmittel für unser Wirtschaftsleben werden möge, und begrüßte es ganz besonders, daß gerade der große deutsche Welthandelshafen Hamburg in Verbindung mit der Reichshauptstadt dazu ausersehen war, von der neuen Einrichtung zuerst Gebrauch zu machen. Schließlich betonte er mit besonderer Genugtuung, daß diese epochemachende Errungenschaft das Ergebnis deutschen Forschens und deutscher Arbeit sei.
Der Bürgermeister Petersen hob in seiner Erwiderung die großen Verdienste hervor, die sich die deutsche Reichsbchnverwaltung seit dem Kriege erworben habe. Kaum ein Betrieb habe
werde die Sozialistische Partei vielleicht auch Mitarbeiter aus einer bürgerlichen Minderheit annehmen können. Blum schloß seine Rede mit der Bitte, sich nicht auf eine Formel zu einigen, die die Minderheit und die Mehrheit in brutaler Weise trennen würde. Der Kongreß solle sich gegen die Beteiligung amMinisterium aussprechen, aber in einer Art, daß kein Bruch der Einigkeit erfolge. Nachdem noch verschiedene Redner zu Worte gekommen waren, wurde eine Kommission ernannt, der die verschiedenen eingebrachten Tagesordnungen überwiesen wurden. Die Partei wird ihre Beratungen morgen vormittag beenden uni morgen _ nachmittag die Schlußsitzung de, Kongresses mit einer Abstimmung beenden.
Die Lage in Marokko.
Paris, 16. August. Ueber die Lage an der fraw zöstschen Marottosront wird aus Fez vom 15. August berichtet, daß in verschiedenen Abschnitten die Stamm« große Kampfesmüdigkeit zeigten. In der Gegend von Ouezzan sollen die Beni Isis und die Ohmes stch vom Kampf zurückziehen. Zwei Unterstämme dei Beni Mesgiida hätten sich unterworfen. Im östlichen Frontabschnitt zögen stch die Tsouls aus Furcht vor einer Offensive nach Norden zurück. Nördlich vor Tauna halte sich der Feind weiter auf. Zwischer den Riftruppen und den Spaniern sollen im Abschnit von Melilla Kämpfe im Gange sein.
Todesstrafe gegen Devisenspekulanlen
Paris, 17. Aug. Nach einer Ägcnturmeldung aus Atoen sollen nach einem Regierungserlaß, wegen der finanziellen Lage des Landes, die Todesstrafe gegen alle Dlvisenspetuianten verhängt werden.
unter dem Kriege so furchtbar gelitten, und kaum ein Betrieb habe durch Zusammenfassung der Kräfte und durch Pflichttreue aller vom obersten Beamten bis zum einfachsten Arbeiter bisher so viel geleistet, wie die deutsche Reichsbahn. Sodann gab Oberbaurat Hampke von der Reichsbahndirektion Altona eine kurze technische Erläuterung der Zugtelephonie, wie sie nach den sechsjährigen Versuchen der Firma Dr. Erich F. Huth heute durchführbar ist. Im Zuge sowohl wie auf den Landstationen, die sich an den Enden der Strecke und bei längeren Bahnlinien auch unterwegs befinden, ist jedesmal ein Sender und ein Empfänger aufgestellt. Auf der Strecke Hamburg— Berlin befinden sich solche Landstationen in Bergedorf, Wittenberge und Spandau. Wird nun vom Zuge aus gesprochen, so werden die von der Sprache beeinflußten elektrischen Wellen von den Sendeantennen auf dem Wagendach ausgestrahlt» treffen auf die gegenüberliegendenTelegraphen- drähte, laufen an diesen entlang und gelangen schließlich zu dem Empfangsapparat auf der Landstation. Hier werden die ankommenden Zuggespräche auf die Postleitung übergeschaltet und dann im Fernamt der Post ebenso behandelt wie andere Ferngespräche. Ruft um» gekehrt ein Fernsprechteilnehmer den Zug an, so leitet die Post sein Gespräch zur Landstation, die es auf demselben Wege der Post zuführt. Diese Einrichtungen lassen erkennen, daß es ohne weiteres möglich ist, auch von einem Zuge Mm anderen zu sprechen oder sich von dem Fernsprechamt der Post mit Orten verbinden zu lassen, die nicht an der Strecke liegen, und daß umgekehrt von jeder beliebigen Stelle aus, soweit sie an das öffentliche Fernsprechnetz an- geschlossen ist, der Zug angerufen werden kann. Auch Telegramme und sonstige Bestellungen werden von und nach dem Zuge übermittelt. Nach diesen mit großem Interests aufgenommenen Darlegungen war einer Reche von Fachleuten Gelegeicheit geboten, sich durch Telephongespräche mit der Außenwelt persönlich von der praktischen Verwendbarkeit der neuen Einrichtung zu überzeugen. Der kurze Bericht, welchen der Vertreter des.Wolfbüros an die Hamburger Zweigniederlassung gab, wurde gut verstanden ,unb umgekehrt stand der Zug in ständiger Verbindung mit dem Hamburger Rundfunksender, der Fahrtteilnehmern Nach- richten sowie während des von der Zug- telephonie A.-G. im Speisewagen gegebenen Frühstücks musikalische Darbietungen übermittelte. Der öffentliche Betrieb für das reisende Publikum, der in den Händen der Zug- telephonie-A.-G. liegt, wird binnen kurzem in den D-Zügen Hamburg—Berlin ausgenommen werden.