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Samstag den 15. August

Nr. 190

Serie 4________________________________

amten der hiesigen Reichs- und Staatsbehör­den die herzlichsten Glückwünsche aus. Die Hohe Landesschule habe eins lange und stolze Vergangenheit u. Geschichte. Jahrhundertelang feien in ihr die Söhne der Stadt Hanau und des Hanauer Landes in ernster Arbeit an Herz und Geist herangebildet worden. Unzählige tüchtige, ja bedeutend hervorragende Männer seien aus ihr hervorgegangen und verdankten ihr Rüstzeug und Ausbildung fürs Leben, daß sie charaktervolle Persönlichkeiten getoorben feien. Redner schloß mit dem Wunsche, daß Me Hohe Landesschule in ihrem neuen Heim in ruhiger stiller Friedensarbeit ihre großen und schönen Aufgaben fortsetzen und bis in die fernsten Zeiten das bleiben möge, was sie bis­her gewesen sei, eine Pflanzstätte und ein Boll­werk echter christlicher deutscher und klassischer Kultur zum Wohle unserer Jugend und zum Segen unseres Vaterlandes. Herr Dechant Braun übermittelte die Glückwünsche des Bischofs von Fulda und sprach die Hoffnung aus, daß die Höhe Landesfchule auch in Zu­kunft Kulturarbeit leisten möge durch Bildung des Willens und was heute besonders not tue,

her Charakterstärke.

Als Vertreter der

Universität Marburg beglückwünschte der in unserer Provinz bekannte Psychiater Herr Geh. Medizinalrat Universitätsprofessor Dr. Tuczek, der Vater des Bauleiters, die Hohe Landes­schule zu ihrem neuen Heim und kennzeichnete die verwandtschaftlichen Beziehungen, die zwischen der Universität Marburg und der Hanauer Hohen Landesschule bestehen. Herr Bürgermeister Dr. Müller sprach als Vor­sitzender des Elternbeirates und übermittelte m launigen Worten die herzlichsten Glück­wünsche und eine Geldspende zur Anschaffung eines Ruderbootes, in dem die Schüler hinaus­fahren sollten, auf daß der Körper gekräftigt, oas Herz geweitet und das Heimatsgefühl ge­stärkt werde. Schließlich übermittelte noch Herr Studiendirektor Dr. T r a n t 0 w die Glückwünsche des Kaiser Friedrich-Gymnasiums Frankfurt a. M.

Herr Studiendirektor Prof. Zeller dankte herzlich für die Glück- und Segenswünsche wie für die Geschenke und gab noch die Namen einer Reihe anderer Spender bekannt. Mit dem Men- delsfohnschen ChorgesangAbschiedstafel" fand der Festakt einen würdevollen Abschluß. Ein Rundgang durch das neue Gebäude fHwß ul; an und überall konnte man nur Worte des Lobes hören, denen wir uns voll und ganz anschließen können.

Festessen.

Nachmittags 2 Uhr fand im Garten des Bür- geroereins ein Festessen statt, das durch Herrn H. Gutmann in altgewohnter Weise eine vor­treffliche Zubereitung gefunden hatte. Der- schiedene Reden, zum Teil recht humorvoller Art, gaben diesem Teil der Festlichkeit die ent­sprechende Würze und trugen zu einem recht angenehmen Verlauf bei. Herr Studiendirektor Prof. Zeller begrüßte die Erschienenen und wies darauf hin, daß eine Schule nicht nur licht- und lusterfullte Häuser, nicht nur lernwillige Schüler und pflichteifrige Lehrer, sondern auch das brauche, was man den Geist der Schule nenne. Glücklich der Schüler, der eine Schule besuche, in der ein guter Geist walte. Doch an diesem Geist der Schule arbeiteten nicht nur die derzeitigen Lehrer und Schüler, sondern auch die früheren SchÄer. Eine Schule könne nicht gedeihen ohne die Treue der früheren SchAer, ohne die Anerkennung der Oeffentlich- keit, ohne die Mitarbeit dieser Schulgemeinde im erweiterten Sinne. Die Hohe Landesschule habe das Glück, auf eine Schulgemeinde in die- |em Sinne zählen zu können; sie besitze einen Kreis früherer Schüler, der zu ihr halte und weiter mitarbeite. Bei einer solchen treuen Mit­

große Liebe das war ja nicht mehr die frohe, stolze Liebe von einst, das war eine erbarmende mitleidsvolle eine Liebe, die nicht Freude gab, sondern Schmerzen.

3t, Schmerzen hatte sie allen gebracht, die sie liebten, Herzeleid gegeben, wo sie Glück spenden sollte Herzeleid und Verzweiflung.

War's nur ein Fieberphantom gewesen, die Männergestalt, die sie einmal vor ihrem Lager zu sehen gewähnt, das von Qual ver-

zerrte, verzerrte Gesicht? Oder war das wirk­lich der Fritz gewesen, und wenn sie seiner ge­dachte, mußte sie immer sehen, mit diesem Aus­druck in den Zügen, der furchtbarste Anklagen gegen sie sprach?

Das Schwerste, die entsetzliche Furcht, ob sie nicht vielleicht sein Leben so zerrissen, daß er den wertlosen Fetzen völlig von sich geworfen, war ja freilich von ihr genommen. In all den Wochen der Genesung hatte die Frage in ihr gebrannt, und sie hatte doch nicht gewagt, der­selben Laut zu verleihen. Da war eines Tages das Auslâutglöckle gewesen, die den Namen, der nicht mehr im Forsthaus genannt war, aus­sprach.

Es war etwas Sonderbares um die Kunzen- christel und ihr neuerliches Gebab

Am Morgen nach jener Nach

iren.

, . st, da sie dem

Fritz nachgefolgt war, stand sie plötzlich wieder in der Küche neben Frau Suse, die das Herd­feuer schürte.

Ich hab' mich wohl etwas verspätet heut'? Da werd' ich mich halt doppelt sputen."

Und ohne ein weiteres Wort wo.llte sie hin- aus nach dem Stall.

Die Frau hatte sie zurückgehalten.

Christel, die Krankheit hat sich zum Guten gewandt, sie ist bei klarer Besinnung, und jetzt, wo mir wieder die Hoffnung gekommen, da empfind' ich es erst, was für eine Stütze du mir in der schweren Zeit gewesen bist, und ich dank dir es Christel, dank birs von Herzensgrund."

(Fortsetzung lolaU

arbeit könne der gute Geist, der bisher in der Hohen Landesschule gewaltet habe, erhalten und gefördert werden. Redner könne an diesem Tage nichts besseres wünschen, als daß diese treue Gefolgschaft, die gegenwärtig sich aufs neue zeige, erhalten bleiben möchte zum Wohle des der Anstalt anvertrauten, wertvollen Gu­tes, zum Wohle der Jugend. Wenn das ge- fchehe, dann dürfe man hoffen, daß die Hohe Landesfchule eins Zukunft habe. Diesem Wunsche Ausdruck verleihend, brachte Redner ein Hoch auf die Hohe Landesfchule aus. Das Lehrerkollegium, mit Herrn Studiendirek­tor Prof. Zeller an der Spitze, feierte namens der Gäste der Dezernent der Hohen Landes­schule, Herr Oberschulrat Dr. Z ü h l k e, Cassel. Den Damentoast brachte Herr Studienrat ~ 1 aus. Herr

Wagner in

Pfarrer S e h

ri_____ _ _ v_ .... plauderte über den Schülerhumor ^aus früheren Zeiten und ließ diesen hochleben. Herr Studisnrat Dr. H e i- l e r, der Herausgeber der in Albertis Hofbuch- handluna erschienenen FesffchriftGeschichte der Hohen Landesschule" brachte eine Anzahl Glückwunschtelegramme und Briefe zur Ver­lesung, aus denen wiederholt das Bedauern hervorging, daß das alte humanistische Gym­nasium in ein Reform-Gymnasium umgewan­delt worden ist. Unter den Glückwunschtele- gnammen befand sich auch ein solches des Re­gierungspräsidenten, sowie ein herzlicher Brief des ältesten noch lebenden ehem. Schülers der Anstalt des 90jähr. Metropolitan Karl Limbert. Im Namen der ehemaligen Schüler des Gym­nasiums dankte der Präsident des Reichswirt­schaftsgerichts, Herr Dr. Georg Lucas, ein geborener Hanauer, den alten Lehrern, die ihnen die humanistische, die Schätze klassischer Bildung übermittelt haben, und sprach die Hoffnung aus, daß auch aus dem Realgymna­sium die Kräfte hervorgehen mögen, auf die man hofft, Männer, die sich ihrer Pflichten gegen ihre Mitmenschen bewußt, nicht ver­sinken in dem Streben nach schnödem Gewinn,

Staatsbürger, die verantwortungsbereit mit­arbeiten an den Aufgaben, die Staat und Ge­meinden stellen, auch dann, wenn ihnen die Staatsform nicht gefällt. Dann erst recht heiße es mitzuarbeiten, damit der Staat die Form und den Inhalt bekomme, den man ihm geben wolle. Des Redners Worte klangen aus in einem Hoch auf die alten Lehrer des Gymna­siums, insbesondere des anwesenden Professor Henkel.

Beendet wurden die Feierlichkeiten des gestrigen Tages mit einem

Fackelzug.

Schon lange vor Beginn sammelten sich Grup­pen von Menschen in den Straßen, und als es 9 Uhr schlug, war der Weg vom alten Gymna­sium nach der Französischen Allee auf beiden Straßenseiten dicht besetzt von Hanauern, die ihr Interesse an dem feierlichen Ereignis be­kunden wollten. In der Französischen Allee waren die Häuser festlich illuminiert. Kein Fenster, von dem nicht die Lichterreihe herab- schien. Ein festliches, prächtiges Bild und als dann noch die vier Pechpfannen am Denk­mal des Grafen Philipp Ludwig aufflammten und unter klingendem Spiel die Schüler mit ihren Fackeln den Denkmalsplatz umsäumten, war es ein erhebender Augenblick für einen jeden, der zuschauen durfte. Herr Studienrat Dr. Heiler wies in kurzen treffenden Worten auf das Leben des Gründers der Anstalt, des Grafen von Hanau Philipp Ludwig hin, schil­derte seinen Lebensweg und gab schließlich noch einen historischen Rückblick über die Entwicklung der Hohen Landesschule. Seine Worte klangen in einem Hoch auf die Schule aus, in das alle An­wesenden begeistert einstimmten. Der jüngste Schüler der Anstalt, der Sextaner V l e n d i n, Sohn des Pfarrers Blendm in Wachenbuchen, legte hierauf einen Lorbeerkranz am Fuße des Denkmals nieder. Der Zug ging nun durch die Straßen der Stadt nach dem neuen Schulge­bäude, wo nach einer kurzen Ansprache von Herrn Studienrat Prof. H u m p f ein Hoch auf Deutschland ausgebracht wurde. Nachdem die Fackeln gelöscht waren, fjatte die Feier ihr Ende genommen.

*

Heute Samstag, vormittags 10 Uhr, fanden Führungen des Hanauer Geschichtsvereins statt und zwar wurde der Chor und die Fürsten­gruft der Marienkirche besichtigt bezw. erklärt. Nachmitags IK Uhr erfolgt Abmarsch der Schüler vom neuen Schulhof zum Schulfest in Wilhelmsbad (turnerische und theatralische Aufführungen) und für den Abend ist Unter­haltung mit Tanz in der Turnhalle der Turn­gemeinde vorgesehen.

* Orakorienverein. Nach der alljährlichen Sommerpause nimmt der Oratorienverein jetzt seine regelmäßigen Chorstunden wieder auf Im Vordergrund der für die kommenden Monate vorgesehenen Konzerte stehen zwei monumentale Chorwerke: Mendelssohns Ora- torium Paulus" und I. S. BachsMatthäus­passion . Das erste Werk wird am Bußtag, bas zweite am Charfreitag zur Aufführung gelangen. Da dem Chor neben dem Orchester das wieder durch das Frankfurter Sinfonie- Orchster gestellt wird, große Aufgaben er.

Ien^ es bringend erforderlich, daß dieser sich durch weitere musikliebende stimmbegabte Kräfte verstärkt. Es wäre sehr zu wünschen, daß dem Verein unter seinem arbeitsfreudigen Dirigenten Herrn Dr. Limbert, neuer Zuwachs zugeführt würde, damit alle Aufgaben in würdiger Weife gelöst werden können. Wieder- beginn der Chorstunden Dienstag, 18. d. Mts. im Evang. Vereinshaus. Damen um 7& Uhr Herren um 8 Uhr. Neueintretend« wollen sich beim Dirigenten ntelbeu.

MU sich selbst ewig.

Wenn man mit sich selbst einig ist und mit seinen Nächsten, das ist auf der Welt dar Beste.

Goethe an Christiane Vulpius.

Es gibt Menschen, die sehr viel wissen, die überraschend gescheid sind, die in der Welt der Probleme zu Hause sind und sich nicht wohl fühlen, wenn sie nicht irgendeines der unge­lösten Rätsel beschäftigt, Menschen, die im Leben auch äußerlich vieles erreichen, denen aber das Letzte im eigenen Leben fehlt, der Schlußstein zu ihrem irdischen Dasein: das mit sich selbst eins sein. Man erfährt das häufig an ihnen, wenn man über die ersten und blen­denden Augenblicke hinweg ist, wenn man be­ginnt, nach dem eigentlichen Werte des reinen Menschen vorzutasten, nach dem Herzpunkte. Da stößt man dann auf allerlei Wildnis, Un­harmonisches und oft erleben wir unter der Oberfläche, was wir sonst im Leben mit Un­zufriedenheit, Verbitterung, Herzlosigkeit, Nicht-Geschlossenheit bezeichnen. Und wenn wir dann an die ganze Ehrlichkeit des Be­treffenden appellieren und sie auf Herz und Nieren prüfen, erfahren wir, daß sie das schöne: Mit sich selbst einig sein gar nicht ken­nen. Und manches im Leben dieser Menschen: Härte gegen andere, ein gewisser Grad von Ehrfurchtslosigkeit, irgend eine verbitternde Be- merkung wird uns dann klar und verständlich.

Und wenn wir das Leben gemeinhin an­schauen und die Hadersucht, die Zerrissenheit in tausend Meinungen, die Unduldsamkeit, die Gehässigkeit, die Unzufriedenheit erblicken und nach der Wurzel von alledem forschen, so wer­den wir immer als letzten Grund die Dishar- monie des Einzelnen finden! Es geht wie eine dunkle Woge durch alles. Die Willenlosigkeit zu sich selber, das förmliche Zersüchtetsein der menschlichen Seele.

Das Wort des großen Meisters von Naza- reth fällt uns immer wieder ein:Wenn ihr doch erkennet zu dieser eurer Zeit, was zu eu­rem Frieden dient!" Wenn die Menschen es doch streng mit sich selber nehmen wollten, wenn sie inbrünstig das eine bedeutende Werk das bedeutendste aller Zeiten, trieben. Dis Einigkeit mit sich selber, es langsam trieben, zähe, ehrlich, gläubig, hoffend, 0 dann wäre es anders bestellt mit dem Leben, dann wäre es erfüllt von mehr Liebe unb Freude, Schönheit und Licht, edlem Wirken und Ringen! Nur da, wo das Zentrum unseres Lebens, das wir doch immer wieder wir selber sind, harmonisch ist, Helle und Güte strahlt, Frieden bereitet, ist das Leben wirklich das Leben in all seiner Fülle und Kraft, nur da ist Einheit und Gesundheit, echte innige Herzenslebendigkeit!

Wie komm« ich nun als Einzelner zu der Einigkeit mit mir selbst? Zwei wundervolle Helfer bieten sich uns da an, die wie zwei lichte Enges uns zur Seite bleiben; sie heißen: Gatt­verbundenheit und Liebes-tun.

Alle Erkenntnis gipfelt immer wieder darin, daß ohne Ewigkeit und Liebe keine Harmonie in der Welt möglich ist. Die alles Zusamm«n- schließenüe, in die schön« gnadenvolle Einheit führende ist immer wieder die Welt des Ewigen das Gich-einwurzeln in das Reich Gottes, und daraus blüht dann von selbst die Liebe aus dieser und die Tat, blüht der Drang zu edler Beschäftigung, kommen wir von selbst in das rechte Verhältnis zu dem, was Werk heißt, fei es äußerlich noch so unbedeutend, unb unser Platz, den wir auszufüllen haben, scheinbar noch so gering und klein! Alles gewinnt an Bedeutung im Blick aus das Ganze! Wahre Menschlichkeit waltet aus unserem Herzen und waltet unter uns, die wir Brüder und Schwe­stern sein sollen!

O, daß wir doch erkennet«» . . . Ströme von Gnaden sind bereit, uns zu segnen. . . .

* Ausstellung der Hanauer Edelmetall- lndustrie auf der Frankfurter Messe. Die Frank­furter Herbstmesse, die vom 4. bis 7. Oktober (Technische Messe vom 2. bis 7. Oktober) abge­halten wird, hat sich, wie die Anmeldungen zei-

âen, großer Anziehungskraft zu erfreuen. Eins besondere Bedeutung wird diesmal dem Kunst- gewerbe zukommen. In der Kunstgewerbehalle wird sich das Kunstgewerbe aus Bayern, aus den Alpenländern, Baden, Wien und Berlin

den Alpenländern,

zusammenfinden. Eine besondere Note erhält das Kunstgewerbe dadurch, daß im Erdgeschoß des Hauses Werkbund 25 bis 30 Firmen der Hanauer Edelmetallindustrie zum ersten Mal geschlossen auf der Messe erscheinen und eine umfangreiche Ausstellung in Edel­steinen und Welmetall zeigen werden. Der Kuppelbau des Hauses Werkbund wird wieder den Russen vorbehalten bleiben. Daran an­schließend wird die AusstellungDie schöne Schweiz" Graphiken von 1730 bis 1925 im

Dienst von

owie Blätter der

Kupferstichsammlungen der Technischen Hoch­schule in Zürich sowie Kunstblätter des Kunst­gewerbemuseums der Stadt Zürich und des Kunstvereins Winterthur zeigen. Eine zweite Gruppe wird die modernen Verkehrswege in der Schweiz durch Dioramen und Reliefkarten umfassen. Die Ausstellung bezweckt, die Schweiz als Reiseland den Besuchern eingehend vor Augen zu führen.

verhaftet wurde der Inhaber eines hie­sigen Reklamegeschäfts R. N. Er soll sich einer Reihe von Betrugsfällen bei der Reklameaus­nutzung haben zu schulden kommen lassen. Auch bei der AusstellungHandwerk und Gewerbe" war er im Reklamewesen tätig und soll sich Verfehlungen schuldig gemacht haben. Ferner wird ihm vorgeworfen sich im Sinne des § 175 vergangen zu haben.

* Gestohlen wurden aus einem Arbeits­tasten an der Wilhelmsbrücke mehrer« weiße Kittel der Weißbinder.

Wie oft mutz der Unternehmer Steuer» berechnen und abführen?

Es ist allgemein anerkannt und von führenden Persönlichkeiten in Reichs- J Landesfinanzbehörden zugegeben, daß Höhe der Steuern, die 1924 von der Jndustri ' abzuführen waren und jetzt noch mit gering! Ermäßigungen weiter zu leisten sind, L | tragbar« Maß bei weitem überschritten habst: Zu wenig wird das Augenmerk jedoch w einen weiteren großen Uebelstand gerichtet, b» i darin besteht, daß die Unternehmer nodj 'j^ [ obwohl die Zeit der raschen Entwertung & Steuereingänge hinter uns liegt, überaus gruft. Zahl von Steuerterminen wahrzunehm"» [ haben, deren Einhaltung unverhältnismW viel Beschäftigung mit Steuersachen bedim Jetzt, nachdem wieder annähernd nornu^ Verhältnisse eingetreten sind, muß mit alte Nachdruck gefordert werden, daß endlich ® Interesse unserer gesamten Volkswirts ernstlich darangegangen wird, alle unprodut tive Arbeit, sei es bei den Behörden, sei es |t der Privatwirtschaft, zu vermeiden.

Wenn die Wege zum wirtschaftlich«, Wiederaufbau Deutschlands gekennzeichnet wer­den, so gipfelt jede dieser Ueberlegungen in dem Ruf nach Hebung unseres Exportes. Dich Forderung schließt in sich, daß Mit allen Stifter an der Verbesserung und Rationalisierun- unserer Produktion gearbeitet wird, w unser« Produkte auf dem Weltmarkt nai Preis und Güte der Erzeugnisse Wettbewerbs fähig zu machen.

Es schlägt der Notwendigkeit größtmög­licher Vereinfachung und Rentabilität der De- trisbe aber ins Gesicht, wenn heute noch jährlis 304mal Steuern und soziale Abgaben zu be­rechnen und fast ebensooft abzuführen sind. Die Wirtschaft kann sich unter den heutigen Verhältnissen so viel unproduktive Arbeit nicht mehr erlauben. Dabei ist zu berücksichtigen, daß die Berechnung mit peinlicher Genauigkeit und unter exakter Beobachtung verschiedenste! Termine vorzunehmen ist, da andernfalls den Betriebe wesentliche Beträge als Zuschläge uni Mahngebühren aboerlangt werden.

Die nachstehende Aufstellung dürfte als Illustration zu den vorstehenden Ausfüh­rungen von Interesse sein:

Ein Arbeitgeber

[teuern für Arbeiter steuern für Beamte

berechnet u. bezahl jährlich

Arbèltgeberabgabe f. Arbeiter Arbeitgeberabgabe f. Beamte Krankenkassenbeiträge f. Arb. Krankenkaffenbeiträge f. Beamte Jnoalidenoersich. f. Arbeiter Reichsversicherung f. Beamte Mietzinssteuer Einkommensteuer Vermögenssteuer

52ma(

12

52

12

52

12

52

12

12

4

2

12

RiM 12 36 12 24 12 52 12 12 ,,

4 4 4 2

12

Grundsteuer Brandkasse Umsatzsteuer Gewerbesteuer Kirchensteuer

2 bezw. 4 2 bz. 4

, . 2» 2 Handelskammerbeürag mindest. 2 2

das sind in Summa 300 bezw. 302 Steuer- berechnungen und 240 bezw. 242 Steuer Abführungen.

Auf alle diese Steuern sind bei verspätete Abführung Strafen festgesetzt, welche den Unter­nehmer bei der Höhe der Zuschläge von 24 Prozent jährlich oft empfindlich treffen.

Demgegenüber muß gefordert werden: monatliche Abführung der Lohnsteuer für Arbeiter und Beamte, monatliche Abführung der Arbeitgeberabgabe, monatliche Abführung der Krankenkassen- und Versicherungsbeiträge vierteljährliche Abführung der Umsatzsteuer.

Der erste Schritt auf dem geforderter Wege des Sibbaues der Steuertermine ist m der vierteljährlichen Abführung der Ein kommensteuervorauszahlungen getan worden Die Industrie darf im Gesamtinteresse er­warten, daß nunmehr hier weitere Erleichte­rungen geschaffen werden.

Dagcchertshausen, 13. Aug. Ein schreckliche Unglücksfall hat sich hier Mittwoch nachmittag in der Nähe des Dorfes auf dem Felde zuge­tragen. Der Gast, und Landwirt Ernst W mann, der mit seinen erwachsenen Kindern beim Weizenmähen beschäftigt war, wollte die Messer der Mähm-aschine reinigen, als die Pferde plötzlich anzogen und durchgingen. Der 16jährige Sohn, der hinzusprang, um bte zu halten, geriet so unglücklich unter die der Maschine, daß ihm ein Bein unterhalb des Knies glatt abgeschnitten wurde. Die 18jährige Tochter erhielt ebenfalls tiefe Schnitte 0" Bein, sodaß Gefahr besteht, daß sie den verliert. Auch der Vater trug blutende den davon, die er erst merkte, als er schwerverletzten Kinder ins Melsunger Kra:- kenhaus gebracht hatte.

* Zur Typhusepldemie. 3« w Landkrankenhaus sind 5 neue Kranke einP' liefert worden. 2 davon aus Lieblos, 2 eui Kesselstadl und 1 aus Hanau. Amtlich wird meldet: 60 Fälle Unterleibstyphus, 5 kyphus. 6 Todesfälle, darunter 1 Paratyph"' und 4 Verdächtige.

* Allmähliche Zurückziehung der klein-- Rentenmarkscheine. Die kleinen Werte Rentenbant von 1 und 2 Mark werden allmählich aus dem Verkehr gezogen, sie unbrauchbar geworden sind. Sie wero durch die neuen Rundstücke im gleichen ersetzt, die jetzt in großer Zahl in den gebracht worden sind. Die neuen 3- S-Markstücks sollen im September zur AM gäbe gelangen, so daß der Geldbeutel wied allgemein in Gebrauch kommen wird.