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266. Joye gang.

Sanauer 8 Anzeiger

General-Anzeiger für -ie Kreise Kanan Slatzr nNÄ Land.

Erscheint täglich mit Ausnabne der Sonn- und Feiertage. / Fernivrech-Anschluh Nr. 1237 und 1238.

«e»»S»pr«i»t Für d« halben Monat 1 Reichsmark, für den ganzen Monat 2 Reichsmark ohne Träattlohn. Einzelnummer 10, Freitag und Samstag 12Reichrpfennig. Anzeigenpreise: Für 1 ZL «{hi im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 Reichspfennig, im Reklameteil von 68 mm Breite Ai Reichspfkunig, Offertengebühr: oO Reichspfennig. Geschäftsstelle: tzammerstratze 9.

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Nr. 187

Mittwoch den 12. August

1925

Die Versassungsseiern.

Der Festakt im Reichstag.

Berlin, 11. Aug. Der Sitzungssaal des Reichstages war mit Flaggen, Wimpeln, Loor- beeren und Blumen geschmückt. An der Präsi- denten-Tribüne war ein riesiger Reichsadler angebracht, darunter die schwarz-rot-goldene Reichsfahne. An den Tribünen hingen die Wappen der Länder. Schon lange vor Eröff­nung der Feier füllte sich der Sitzungssaal und die Tribünen. Am Regierungstische saßen die Reichsminister, auf den Reichsratssitzen die Vertreter der Länder. Der Saal bot ein bun­tes Bild durch die hellen Gewänder der sehr zahlreich erschienenen Damen.

Pünktlich um 12 Uhr erschien der Reichs­tanzler Dr. Luther. Bald darauf betrat vom Reichstagspräsidenten Löbe geleitet der Reichs- präsidmt v. Hindenburg die Mitteltribüne. Re­ben ihm nahmen außer dem Präsidenten Löbe, Reichsminister Schiele und die Vizepräsidenten Dr. Bell und Gräf Platz. Der Reichspräsident, der im schwarzen Gehrock gekommen war, wurde von der Festversammlung still durch Er­leben von den Sitzen begrüßt. Er verbeugte ich dankend und gab damit das Zeichen zum Beginn der Feier.

Das Berliner Philharmonische Orchester miet Leitung von Prof. Julius Prüwer brachte Den ersten Satz der ersten Sinfonie von Brahms zu Gehör. Dann folgte die Festrede des Prof. Dr. Hermann Platz-Bonn.

Prof. Dr. Platz führte in seiner F e st r e d e i. o. aus:

Ein festlicher Tag ist wie ein warmes Leuch- !«, das den grauen Alltag «Äf^ rlugüft vollbrachte Tat unseres Volkes ist auch jeute noch ein weithin leuchtendes Zeichen der Hoffnung und Zuversicht. Darum wollen wir in diesem Tag alle, auch diejenigen, die in der ilbschließung verharren möchten, den grauen Mantel des Gestern ablegen und an dem le­bendigen Heute teilnehmen. Die Zeit schreit nach Menschen, die dem Geist dienen. Noch horcht die Welt auf, wenn der Name Weimar erklingt, noch zweifelt sie aber vielfach, wenn sie von der Weimarer Verfassung hört. Der Klaube an die Möglichkeit des Besseren, an die gesunden Kräfte unseres Volkes und seine politische Erziehbarkeit ist zunächst notwendig, wenn die Verfassung Wirklichkeit werden soll. W zwei Quellen möchte ich Hinweisen, aus denen der Glaube an unsere Zukunft sich stets neue Kräfte holen kann: Die deutsche Jugend and den deutschen Rhein. Das Bild des vater­ländischen Rheins, der Deutschlands Strom, âr nicht Grenze ist, soll wie Deutschlands Ju­gend allen vor der Seele stehen und uns helfen, den Glauben an die Verfassung in organisches soeben umzusetzen. Die Verfassung hat das dseich erneuert, aber nicht umgestürzt. Bis jetzt

Eès nur ein Anfang. Noch arbeiten wir mühselig im Tale der Erwartung von Dämms- lungsschatten umringt, aber die Hoffnung, daß wir wieder hinaufkommen ins Helle, hat dieser ^rmisung wichtig zur Seite gestanden. Das deuhche Volk hat sich in historischer Stunde zur ^publikanischen Staatsform gefunden. Die .^dlsrechtliche Einheit des deutschen Volkes ist r lâer Zeit ernstlich in Frage gestellt wor­den. Die Verfassung sucht den Bürger als Trä- politischer Energie aUs der Passivität zu er- w en. Allen Deutschen, die im Geiste der Ver- tMung der staatspolitischen Einswerdung aus ^èier Selbstbestimmung dienen, gilt in dieser unser Gruß und aufmunderndes Wort.

F politischen und sozialen Lebensgemein- res Staates hat jede ehrliche Arbeit ihre ^ung und ihren Wert. Möge der Wille, dem -, öen dienen, im Rahmen unserer Verfassung euoig geweckt werden und uns den freien ^^lvollen Morgen im Sinne des Friedens o des Rechtes schaffen. Wenn wir dann der ni$* vorenthalten, was sie von uns er- uns ^t dürfen wir fordern, daß h' , te Welt gibt, was unser ewiges unver- leerbares Recht ist. (Lebhafter Beifall.) Pin? m der vierte Satz der Brahms'fchen verklungen war, erhob sich Reichs- ivr^ Dr. L u t h e r zu einer kurzen An- Bruche, in der er sagte:

Meine Damen und bn s?" v unser Arbeiten gilt und muß gel- ter . em deutschen Volk und Vaterlands. In

3« Ende gehenden Reichstagstagung, s^btagsmchrheit und Opposition ihr °tl^^^ und ihre festeste Ueberzeugung -woble des deutschen Volkes gewidmet.

Um des deutschen Volkes willen, das vielleicht in naher Zukunft noch sehr große Aufgaben zu­mal auf dem Gebiete der Außenpolitik zu lösen und vielerlei wirtschaftliche und soziale Nöte zu bestehen haben wird, muß auch in Zukunft je­der einzelne seine besten Kräfte dem Vaterlande zur Verfügung stellen. Lebendig bleiben muß in uns der Geist des Zusammenhaltens und der Einigkeit, für besten Unerschütterlichkeit auch nach härtester Kriegsnot uns die Reichsver­fassung vom 11. August 1919 ein starkes Wahr­zeichen ist. Wir begehen heute festlich den Tag dieser Verfassung, die die tragende Grundlage für das jetzt so schwierige und so besonders ver­antwortungsvolle Wirken aller öffentlichen Kräfte ist. Lasten Sie uns am heutigen Ver­fassungstage geloben, geloben in gutem Glau­ben an die deutsche Zukunft, daß wir nie nach­lassen wollen im Dienst für unser Volk und Vaterland. Als Reichskanzler habe ich die Ehre, Sie, Herr Reichspräsident, und Sie, meine Da­men und Herren, zu bitten, mit mir einzustim­men in ein Hoch auf unser geliebtes deutsches Volk: Das in der Republik geeinte Volk, es lebe hoch!"

Die Versammelten stimmten dreimal in das Hoch ein und sangen dann stehend die 1. und 3. Strophe des Deutschlandliedes. Damit war die Feier im Reichstagsaale beendet.

Inzwischen hatten sich auf dem Königsplatz zahlreiche Zuschauer versammelt, die den Reichspräsidenten und sein Gefolge mit lebhaf­ten Hochrufen begrüßten, als er durch das große Hauptportal die Freitreppe des Reichs­tages betrat. Der Berliner Stadtkommandant Oberst Severin vogleitetL den Rsichsprädenten bis zum Fuße der Treppe. Unter den Klängen des Präsentiermarsches, die bald in die Melo­die des Deutschlandliedes übergingen, schritt der Reichspräsident die Front der vor dem Reichstag aufgestellten Ehrenkompagnie ab und begab sich zu dem auf ihn wartende -Regie­rungsauto, das ihn unter dem erneuten Jubel der Versammelten durch das Brandenburger Tor und die Linden nach dem Reichskanzler­palais in der Wilhelmstraße zurückbrachte.

Berlin, 11. Aug. Im Anschluß an die Ver­fassungsfeier im Reichstag fand beim Reichs­präsidenten ein Frühstück statt, an dem der Reichskanzler, die Reichsminister, der Präsi­dent und die Vizepräsidenten des Reichstages, Vertreter des Reichsrats und der preußischen Regierung, die Vorsitzenden der Fraktionen des Reichstages mit Ausnahme der kommunisti­schen und völkischen Führer, der Festredner Prof. Platz, der Dirigent Prof. Prüwer u. a. teilnahmen.

Am Grabe Eberls.

Die Heidelberger Republikaner wanderten gestern vormittag, nachdem auf dem Marktplatz die offizielle Verfassungsfeier mit einer Rede des Oberbürger­meisters Dr. Walz stattgefunden hatte, zum Grabe Eberts, wo ein mit einer schwarz-rot-goldenen Schleife geschmückter Kranz niedergelegt wurde.

Verfaffungsfeier in Wien.

Wien, 11. Aug. Die Feier der Weimarer Ver­fassung wurde zunächst durch Gottesdienste in der evan­gelischen Kirche tu der Dorotdeaiasse, tm Stesansdom und tut israelitischen Tempel begangen Daraufsolgte der Empfang der deutschen Kolonie in der deutschen Gesandtschaft. Als Vertreter des österreichischen Bunaerpräsidenten war Lekbonichef Dr. LSwentdal, als Vertret r der österreichischen Regierung Gesandter Dr. Wildner erschienen. Der deutsche Gesandte begrüßte die Erschienenen und gedachte sodann der Ereignisse des abgelaufenen Jahres Er erinnerte daran, wie fett dem letzten Jahre die Sonne durch die sctwe-en Wolken gebrochen sei, die über dem deutsaen Vo!k lagen. Der Dawesplan labe ernt* e nen festen Mo:uS für btt Ablegung der d ut'dtt Verpflichtungen geschaffen. Der Ge'andte gebot* e auch der Ernenerung des deutschen Reichstages und des Wechsels auf dem Rerchtpräffdentenposten. Er erwähnte die Verdienste des verstorbenen Präsidenten Eben und bob hervor, daß erst die Nachwelt diese voll ermessen werde. Er betonte aber auch, daß »ie Wahl Hineenburg? die deutsche Volksseele mit d«n besten Hoffnungen für die Zulunft erfüllte. Der Sesandte ge­dachte auch der Räumung besRuhrgebiettunddertansena- jährigen Zugehörigkeit des Rheinländer {um Deutsche» Reich. Er sprach die Hoffnung aus, daß einmal her Tag kommen werde, wo alle Teile des dentichen ^»Hei in e ncm großen Vaterland bereinigt fein werve- . So habe sich das Bild des deutschen Schicksals seit einem Jabr wesentlich erbebt, nur ein steter Scheiten falle noch daraus: die an die barbarischen Zecken des Mittelalters erinnernde Ausweimng der deut chen Optanten aus SBoIcn. Die Anweache des Geian.ten

schloß mit einem dreifachen Hoch auf das deutsche Volk. Mit der Absingung deS Deutschlandliedes wurde die erhebende Feier geschlossen.

Kindenburgs Reise nach Bayern.

Berlin. 11. Aug. Der Reichspräsident be­gab sich heute abend mit dem fahrplanmäßigen Zuge .-um Besuch der bayerischen Regierung nach München. Im Anschluß an bieten Besuch wird der Reichspräsident einen k»rzen Er­holungsaufenthalt in Bayern verbringen

Das Symbol der Sehnsucht nach Einigung.

Müncyev 11. Aug. Die bayerische Staatszeitung widmet heute an leiten­der Stelle dem Reichspräsidenten v. Hinden­burg anläßlich seines bevorstehenden Besuches Worte des herzlichsten Willkommens. Das Blatt schreibt unter anderem: Wenn die Wahl des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg zum Reichspräsidenten einen Sieg der konser­vativen und christlich denkenden Kreise im deutschen Volke darstellt, und wenn dies rich­tig als eine Abkehr von den poli­tischen Ideen der Revolution ge­deutet worden ist, dann muß sich diese inner­politische Wandlung in den letzten Jahren vor allem im innerlichen Ausbau zeigen, sich in der Rückentwicklung der vom revolutionären Geist beseelten Weimarer Verfassung und der Neugestaltung des Verhält niiles von Reich und Ländern auswir- k e n. Alle die Millionen, die Hindenburg zum Reichspräsidenten gewählt haben, haben mit

Die Lsudmr »iMrowWe.

Bisher günstiger Verlauf der Besprechungen. Das Ende des schriftlichen Meinungsaustausches. Mündliche Verhandlungen unter den Diplomaten.

Ein Ksmpromitz in der Sanktionsfrags? ^ /y*

London, 11. Aug. Der Londoner Bericht­erstatter des W. T. B. erfährt, daß der bis­herige Verlauf der Besprechungen zwischen den Außenministern von Großbritannien und Frankreich als günstig bezeichnet werden kann. Es ist. anzunehmen, daß bereits vor der An­kunft Briands der im britischen auswärtigen Amt vorliegende Entwurf der französischen Antwortnote an Deutschland heute von beiden Außenministern im einzelnen durchgegangen wurde, und daß einige von britischer Seite vor geschlagene Abänderun­gen in den Wortlaut der Note hineingearbei­tet wurden. Als Hauptmerkmal der sranzösi- schen Note wird die Tatsache bezeichnet, daß sie sich nicht an gewisse in der deutschen Note auf- aesührten Punkte anlehnt, sondern sie nur leicht streift. Der Entwurf der französischen Antwort­note erkennt mit Genugtuung den versöhnlichen Charakter der deutschen Note an und drückt zum Schluß, indem er den letzten Teil der deut­schen Note aufgreift,

die Hoffnung aus, daß jetzt das Ende des schrift­lichen Meinungsaustausches erreicht ist und bald mündliche Konversakionen beginnen können. Es ist nicht anzunehmen, daß das DorfKonfe- renz" gebraucht wird, da nach der hiesigen Auf­fassung das natürliche Bindeglied zwischen dem bisherigen schriftlichen Meinungsaustausch und der baldigen Konferenz in Brüssel oder auch Genf mündliche Verhandlungen zwischen den diplomatischen Vertretern der an der Sicher­heitsfrage interessierten Mächte sein würden. Es ist wahrscheinlich, daß in der französischen Note hinsichtlich der deutschen Vorbehalte zu Artikel 16 der bekannte Standpunkt der Alliier­ten vertreten wird, daß dies eine Frage sei, für die der Völkerbundsrat zuständig sei. Was die deutschen Bemerkungen über die Rückwirkung des Abschlusses eines Sicherheitspaktes auf die Rheinlondbesetzung betrifft, so wird wahr­scheinlich in der französischen Note angebeutet werden, daß

der Sicherheilspakk keine Beeinträchtigung der Bestimmungen des Friedensvertrages darstellen darf.

Es ist jedoch, wie bereits gesagt, anzunehmen, daß Diese alliierten Vorbehalte in einer Gestalt erfolgen, die das Schwergewicht der Antwort­note auf den Teil verlegt, der die Hoffnungen auf baldige mündliche Verhandlungen aus- drückt. W«iter verlautet, daß die augenblicklichen Besprechungen zwischen Briand und Chamber­lain wahrscheinlich zur schriftlichen Nieder­legung und zwar in der Form eines embryo­nalen Protokolls des gemeinsamen Stand­punktes der Alliierten in der Frage des Sicher­heitspaktes führen wird. Man betont jedoch, daß dies keineswegs die endgültige Stellung­

der Wahl die Erwartung verbunden, daß der neue Reichspräsident als Exponent der nichtrevolutionären "Kräfte im Volke in Erscheinung treten und der direkten oder indirekten Weiterentwicklung der Wei­marer Verfassung im Sinne der Revolutions­ideen die Autorität und den Einfluß seiner ganzen Persönlichkeit entgegenstellen werde. Möge der Reichspräsident von diesem Besuch die Ueberzeugung mitnehmen, daß ein Land von der Größe, Bedeutung und Kultur mit Bayern das Recht beanspruchen kann, die Un­verletzlichkeit auch im neuen Reiche erhalter und gesichert zu wissen.

DieMünchen-Augsburger Abendzeitung^ überschreibt die erste Seite ihrer heutigen AusgabeWillkommen Hindenburg" und be­tont, Hindenburg sei nunmehr das Symbolder Sehnsucht nachEini- gung, der Abschüttelung jenes furchtbaren Irrtums, der den Zusammensturz des Bis- marckschen Reiches brachte, das Symbol des Wunsches nach Wiederaufrichtung und Neu­erstarkung geworden. Das Blatt fährt fort: Auch in Bayern lebt über alles Trennende der Wunsch zur Einigkeit. Hindenburgs Weisheit und dem Gewichte feiner Person vertrauen die Glieder des Reichs, daß er bedeutungs­volle Entscheidungen in die richtigen Bahner lenken wird. Daher ist die Erwartung ge­stattet, daß er nun auch wirklich ein Führer sein wird allen denen, die am Vaterland arbek ten wollen.

nahme der Alliierten gegenüber Deutschland darstellt, sondern nur den Versuch, zu einer ge­meinsamen Auffassung der Alliierten über diese Frage zu gelangen, deren endgültige Lösung nur unter Mitarbeit Deutschlands auf einer Konferenz am runden Tisch zustandekommen kann. Es verlautet ferner, daß die Verhand­lungen wahrscheinlich morgen fortgesetzt und auch beendet werden.

Paris, 11. Aug. Der Londoner Vertreter der Havas-Agentur berichtet in Bezug auf die heute vormittag stattgehabte Unterredung zwi­schen Briand und Chamberlain, daß nicht so sehr das erzielte Ergebnis, das vorauszusehen gewesen sei, sondern vielmehr der Geist, in dem es erzielt wurde, has Interesse an der Bor­mittagssitzung ausmache.

DieAntwortanDeutsch land, bit ziemlich kurz sei, behandele die Gesamtheit der Fragen und vermeide die Möglichkeit von Kon­troversen. Sie werde der italienischen, der belgischen und der japanischen Regierung sofort nach Briands Rückkehr nach Paris übermittelt werden. Nachdem die Meinungen dieser Re­gierungen in Paris eingegangen seien, werde die Antwort Deutschland durch den französischen Botschafter in Berlin zugestellt werden.

Bezüglich der Einladung Deutschlands zu einer vorbereitenden Sitzung hege man noch Zweifel. Aber man sei in London doch der Ansicht, daß es notwendig wäre, eine derartige vorbereitende Sitzung vor dem Zusammentritt des Völkerbundes, also vor dem 7. September, zusammen zu berufen.

Alsdann geht die Depesche des Berichter­statters auf die Nachmittagssitzung, die zweiein­halb Stunden dauerte, ein und b.etont, daß der delikateste, wenn nicht sogar mißlichste Punkt bei der Diskussion die Anwendung der SanklionengegenDeukschland oder genauer gesagt, das Verfahren bildete, das dieser Anwendung voraufgeyen würde, fei es nun, daß Frankreich direkt das Recht, das ihm aus den Verträgen zuflehe, ausübe, fei es, daß der Völkerbund zuerst darüber zu urteilen habe, ob dieses Recht in Anspruch genommen werden könne. Die französischen und die englischen Diplomaten yätten sich während eines großen Teils der Nachmittagssitzung bemüht, eine For- mel zu finden, die beiden Regierungen sowie zugleich der öffentlichen Meinung in beiden Ländern Genugtuung gebe. Beiderseits habe man den ehrlichen Wunsch, zum Ziele zu kom- men, gezeigt und durch gegenseitige Konzessiv, nen einander näher zu kommen versucht. Man könne sagen, daß diese Bemühungen nicht ver­geblich gewesen feien und daß sie, wenn siè auch heute abend noch nicht von Erfolg gekrönt seien, dies doch morgen sein werden. Dies sei auch die Ansicht der Diplomaten. Man könne viel-