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200. Jahrgang.

SanauerS Anzeiger

General-Anzeiger für die Kreise Kana« Stadt und Land.

Erscheint täglich mit Ausnobne der Sonn- und Feiertage. , Fernivrech-Anschluß Nr. 1237 und 1238.

Für den halben Monat 1 Reichsmark, für den ganzen Monat 2 Reichsmark ohne Trâaerlohn. Einzelnummer 10, Freitag und Samstag 12Reichspfennig. Anzeigenpreise: Für 1 mm Höhe im Anzeigenteil von 28 mm Breite 8 Reichspfennig, im Reklameteil von 68 mm Breite Reichspfennig. Offertengebühr: 50 Reichspfennig. Geschäftsstelle: Hammerftratze 9.

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Sir. 179

Montag den 3. August

1925

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Das Elend der Ausgewiesenen. Andrang der Optanten in Schneidemühl.

Schneidemühl, 1. Aug. Die Zahl der aus nzlen ausgewiesenen und hier ein- äffenden deutschen Optanten nimmt £ in letzter Zeit erschreckend zu. Die Verwaltung des Durchgangslagers in den Albatros- |öCrten leistet übermenschliche Arbeit, um die 5 Optanten unterzubringen und weiter zu leiten, b Nur ein kleiner Teil kann in kurzer Zeit weiter- k geleitet werden. Die Zahl der im Lager Anwe- ( senden wächst täglich, im Laufe der Woche tra- E fen durchschnittlich 500 bis 600 Flüchtlinge ein, i wovon jedesmal nur 200 Personen weiterge- ! leitet und außerhalb Schneidemühls in den : Provinzen untergebracht werden können. Am ; Mittwoch trafen tagsüber allein rund 465 und im Laufe der Nacht noch weitere 240 Flücht­linge ein. Am Donnerstag kamen wiederum 1000 Flüchtlinge an. Im Lager sind zurzeit 6000 bis 7000 Menschen untergebracht, Frauen mit Säuglingen, Männer, Kinder und Greife. 8roßè Lastautos der Schutzpolizei und Roll­wagen, auf denen die Ausgewiesenen dicht bei­einander stehen, rattern vom frühen Morgen bis späten Abend durch die Straßen, ja selbst bis in die tiefe Nacht hinein. Die Albatros­werke sind das Sammelbecken für die aus Po- Uen vertriebenen Optanten. Das Rote Kreuz !raf Vorsorge, den Aermsten in Schneidemühl inen einigermaßen würdigen Empfang und fraglichen, Aufenthalt zu bereiten. Die O p- a n t e n h j l f e ist vom Roten Kreuz organi­siert. Der preußische Staat baut das Werk aus und bewilligt Mittel. Sie schlafen If Holzpritschen, Strohsäcken und Strohlagern. Die Hallen reichen in letzter Zeit bei weitem nicht mehr aus, den Strom der Menschen- mssen unterzubringen, und so mußten das I Lehrerseminar und die Gebäude 5 und 6 der s Eemeindeschule belegt werden. Mit einem so außerordentlichen Zustrom hatte man nicht ge= rechnet. Riesenarbeit ist erforderlich, die immer eintreffenden Flüchtlinge zu verpflegen, sie Mterzubringen und ihnen Arbeitsstellen zu "ermitteln.

Die Verwaltung des Lagers liegt in der wb des Obersten a. D. E n g e l i n. Sein Monas leistet anerkennenswerte Arbeit. Von Donnerstag morgens 7 bis Freitag 3% Uhr Mrgens, , mit einer Mittagspause von zwei funden sind 22 Personen beschäftigt gewesen, Eintragungen vorzunehmen, Arbeitsstellen u vermitteln und Reisegelder für die Weiter- Mrmden auszuzahlen. Die Ausgewiesenen > !m wohl, daß es schwer ist, sich eine neue Zu schaffen, doch sind sie nicht hoff­nungslos. Geduldig stehen sie in langen Rei- ^r Reisegeld zu empfangen oder ^ Wd Essen zu erhalten. Zweidrittel Erntreffenden werden bis zum weitergeleitet, nachdem sie ihre Weq- ^0 Mark für Ledige, 200400 Mark Familien, erhalten.

Arrg Zur Unterbringung )' ?*. Polen ausgewiesenen de u t s ch e n Brests £nJ^ der Amtliche Preußische daß die amtlichen Stellen seit Jen9V°2^ltungen getroffen haben, um der Optanten nicht nur aufnehmen sEdern ihnen auch möglichst schnell itti^^dens- und Erweribsmöglichkeiben zu Schon vor Monaten ist in Dv on2^"^ ein Hauptübergangspunkt für e.â Uebernahmestelle und eine m ^Vermittlungsstelle eingerichtet worden. , «chneidemühl aus erfolgt für ganz die Verteilung der Optanten auf die Regierungsbezirke, die ihrerseits Tip^^m l"5 'hre Unterbringung in den Ge- Der ^" haben. Für den Fall, daß Inh L"Prmn über Erwarten wachsen sollte, jwbem Regierungspräsidenten in Schneide- ^"tel Mr Verfügung J Die Staatsregierung hat von Anfang ,. ganz besonderen Wert darauf gelegt, daß Räumung des Lagers und die Weiterleitung Unt.^^"'usassen, nach ihrem endgültigen nterbringungsort so schnell als möglich erfolgt. Berlin, 1 Aug. Zu der polnischen s /aganda in der Optanten- ^. age wird den Blättern von unterrichteter eite mitgeteilt: Die polnische Presse lanziert .ue möglichen Nachrichten, um die Schuld an ^gegenwärtigen Zuständen von sich auf . eupchland abzuwälzen. So brachten ver- vyiedene Zeitungen am Mittwoch die Notiz, vag der Berliner volniscbe Gesandte im Aus­

wärtigen Amt eine Unterredung hatte, um zu versuchen, einen Ausweg aus der heiklen Situation zu finden. Diese Meldung ist ebenso aus der Luft gerissen wie jene, daß die eng­lische Regierung in Berlin habe durchblicken lassen, daß sie auf eine friedliche Verständigung zwischen Polen und Deutschland Wert lege.

Im Flüchtlingslager.

Schneidemühl, 2. Aug. Eine Viertelstunde vom Bahnhof Schneidemühl entfernt liegen die früheren Albatroswerke, in denen die aus Polen ausgewiesenen Optanten untergebracht sind. In der Nacht vom Samstag zum Sonntag wurden neben den von der Grenzmarkaus­stellung noch hier stehen, haben sich andere ihr richteten Baracken noch zwei weitere belegt, die nichts boten als vier kahle Wände und den blanken zementierten Fußboden. 6000 Optanten bietet im Augenblick das Durchgangslager Schneidemühl Obdach. Erschütternd sind die Bilder, die man bei einem nächtlichen Gang durch die Baracken sieht. Draußen unter Dreschmaschinen und Bauernwogen, die von der Grenzmarkaus­stellung noch hier stehn, haben sich andere ihr Lager zurecht gemacht. Im Lehrerseminar in 2 Volksschulen, wo etwa 1000 der Vertriebenen in der Nacht vom Samstag zum Sonntag be­herbergt wurden, sind die Klassenzimmer ge­drängt voll. Am Samstag aber zogen die Aus­gewiesenen scharenweise zwischen den Baracken umher und. sangen hier und da zur Begleitung der Ziehharmonika das Deulichlandlie.d und Die Wacht am Rhein".

Es ist nicht die Schuld der Schneidemühler Behörden und des vom Roten Kreuz gestellten Lagerkommandanten, daß die deutfchen Op­tanten keine bessere Aufnahme finden. Bis Samstag vor 8 Tagen hatte man hier auf eine Anweisung von Berlin hin mit einer Auf­nahme von 3000 Optanten gerechnet. Für diese Zahl war, soweit es die vom Staat be­willigten Mittel es soll sich um 50 000 Mark handeln erlaubten, leidliche Vorsorge ge­troffen worden, bis nun plötzlich die Zwangs­ausweisungen einsetzten und die sofortige Auf­nahme von weiteren 3000 Menschen notwendig wurde. Weitere Mittel blieben aus. Mit dem Bescheidenen, was vorhanden war, mußte ge­wirtschaftet werden. Die Fürsorger vom Roten Kreuz arbeiten täglich 19 Stunden und der Lagerkommandant Oberst Engelin verläßt allnächtlich nur auf wenige Stunden seinen Posten. Was die Lage der Optanten so über­aus traurig macht, ist die so spät einsetzende Fürsorge. Es fehlt, wie man allgemein der Ansicht ist, an umfassenden und rechtzeitigen Vorbereitungen. Wenn nunmehr von der preußischen Staatsregierung 2 Millionen Mark zur sofortigen Hilfeleistung zur Verfügung gestellt werden sollten, so kommt diese Summe in der Hauptsache doch nur für die Weiter­leitung der Ausgewiesenen, nicht aber für die menschenwürdige Unterbringung in den Lagern in Betracht.

. Hand in Hand mit der Fürsorge des Roten Kreuzes arbeitet die amtliche Optantenvermitt­lungsstelle. Hier werden die Durchfahrts- aelder gezahlt. Hier wird dem Ausgewiesenen Arbeit im Reich, soweit sie vorhanden ist, zugewiesen.

Am Samstag trafen etwa 1000 Optanten im Lager ein, .ebenso viele wurden durch die Vermittlungsstelle weiter geleitet.

Anklage des Reichsauhenmmislers gegen Polen.

Berlin, 1. Aug. In einer Unterredung, die Reichsaußenminister Dr. Stresemann einem Vertreter derBreslauer NeuestenNachrichten" über die Optantenfrage gewährte, erklärte der Minister u. a.: Während deutscherseits seit Jahren der Standpunkt vertreten worden ist, daß die beiderseitigen Optanten zwar das Recht, nicht aber die Pflicht haben, ihren Wohnsitz in den Staat zu verlegen, für den sie optiert haben, ist polnischerseits geltend gemacht wor­den, daß die Optanten zur Abwandening ver­pflichtet sind. Nach dem Wiener Abkommen vom 30. August 1924, das in Deutschland und Polen Gesetz geworden ist, ist'der Optant zur Abwanderung nur dann verpflichtet, wenn er von der Regierung die Aufforderung dazu er­halten hat. Die polnische Regierung hat nun bereits Ansana dieses Jahres von ihrem Recht

Gebrauch gemacht. Daraufhin hat sich selbst­verständlich auch die deutsche Regierung zu dem gleichen Schritt entschließen müssen. Verhand­lungen sind ergebnislos verlaufen. Ich kann nur auf das Nachdrücklichste betonen, so schloß der Minister, daß die deutsche Regierung alles getan hat, um in der Optantenfrage zu einer den Grundsätzen eines friedlichen Zusammen­lebens zwischen den Völkern entprechenden Lösung zu kommen. Wenn trotzdem die Welt das traurige Schauspiel mittelalterlicher Aus-

treibung muß, so nicht bei

Das

Tausender von Heim und Herd erleben liegt die Schuld daran wahrhaftig uns.

Auswerlungsgesetz und die Zinszahlung.

Berlin, 1. Aug. Das Aufwertungsgesetz enthält keine Bestimmungen darüber, wann die gemäß § 28 geschuldeten Zinsen zu zahlen sind. Es überläßt diese Frage vielmehr den zwischen den Beteiligten getroffenen vertrag­lichen Abreden. Die Zinsen sind in denselben Zeitabschnitten zu zahlen, wie dies das zwischen den Beteiligten bestehende Schuldverhältnis vorsieht. Zinsen, die jedoch bereits vor dem 1. August d. Js. fällig geworden sind, brauchen nicht vor dem 1. August entrichtet zu werden. (Art. 111 des Gesetzes vom 28. Juni 1925 Reichsgesetzblatt 1 S. 92.) Zu zahlen sind für das erste Halbjahr 1925 1,2 v. H. und zwar von dem Aufwertungsbetrag von 25 v. H. Dieser Aufwertungsbetrag ist auch dann zu­grunde zu legen, wenn der Gläubiger mit Rück­sicht auf § 10 des Gesetzes glaubt, eine höhere Aufwertung verlangen zu können, oder wenn der Schuldner aufgrund des § 8 eine Herab­setzung der Aufwertung beantragt, solange nicht die Aufwertungsstelle einen anderen Satz als 25- v. H. festgesetzt hat.

Die Beilegung -esDergarbeikerflretKs im Saargebiel.

Paris, 1. August. Havas berichtet, daß dem Minister für öffentliche Arbeiten die Mittei­lung zugegangen ist, daß sein Vermittlungsvor­schlag im Bergarbeiterkonflikt des Saargebiets von den Delegierten der Bergarbeiter ange­nommen worden ist. Die Gewerkschaften wer­den in einer Versammlung der Bergarbeiter­delegierten über die Unterredungen, die sie am Montag und Dienstag mit dem Minister für öffentliche Arbeiten hatten, Bericht erstatten. Durch die Annahme der Vorschläge wird der seit acht Tagen im Saargebiet herrschende Bergarbeiterstreik beigelegt.

Die Angestellten, die ebenfalls Forderungen erhoben haben, werden am kommenden Mitt­woch, wenn der Minister für öffentliche Arbei­ten aus Greenoble zurück fein wird, von ihm empfangen werden.

Die Veamlengehallszulage.

Berlin, 1. August. Wie wir erfahren, han­delt es sich bei der im Notetat aufgeführten Ge­haltszulage für die Beamten um eine Zulage, die bereits seit Mitte November 1924 in Kraft ist und ausgezahlt wird. Der Reichsfinanz­minister hatte damals unter Zustimmung des zuständigen Ausschusses des Reichstages be­kanntlich den unteren sechs Gruppen mit Wir­kung vom 16. November 1924 ab eine Er­höhung um 12% Prozent und den höheren Gruppen mit Wirkung ab 1., Dezember eine Erhöhung um 10 Prozent bewilligt.

Bluliger Garnifonlag in Brandenburg.

In Brandenburg wurde am Samstag und Sonntag ein gemeinsamer Gedenktag aller früher in Branden­burg in Garnison stehenden Regimenter gefei-rt. Zwischen Angehörigen des nationalsozialistischen Frontbanners" aus Potsdam und Berlin, die sich dem Festzug angeschlosien hatten und Mitgliedern der Sozialdemokratischen Partei kam es vor dem Volkshaus, dem sozialdemokratischen Parteilokal, zu Zusammenstößen, bei denen es auf beiden Seiten Verletzte gab. Das alarmierte Ueberfallkommando mußte die Straße mit der blanken Waffe räumen. Auch an anderen Stellen der Stadt entwickelten sich Schlägereien mit den Frontbannerleuten, die schließ­lich gezwungen wurden, die Stadt zu verlaffen.

Deulscher Sludenlenlag.

Berlin, 1. August. Der 8. (7. ordentliche) deutsche Studententag hat heute vormittag seine offizielle Tagung begonnen. Ein Vertreter des Reichsministers des Innern begrüßte den deutschen Studententag namens der Reichs­regierung in der Reichshauptstadt, wobei er der Hoffnung Ausdruck gab, daß die Beratun­gen erfolgreich sein mögen und im Sinne der

opferfreudigen Mitarbeit für das deutsche VoA geführt werden. Im Auftrage des preußischen Ministers für Kunst, Wissenschaft und Volks- bildung sprach dann Ministerialrat Dr. v. Rottenburg, der besonders die rheinischen Studenten willkommen hieß. Sodann erhiell der Gesandte der österreichischen Republik Dr. Frank das Wort zu einer Begrüßungs­ansprache, in der er besonders die Kultur- gemeinschaft zwischen Deutschland und Oester­reich hervorhob und den deutschen Studenten die Mahnung als Grundsatz ihres Handelns einprägte:Mein Bestes für mein Bolkl" Für fünf Berliner Hochschulen wünschte dann der Rektor der TechnischenHochschule Charlotten­burg dem deutschen Studententag ein herz­liches Glückauf und wies besonders auf die Not­wendigkeit stiller, fachlicher Arbeit hin, die nach dem Kriege verloren gegangen fei, die aber dis deutsche Wissenschaft zu ihrer hohen Blüte ge. führt habe. Es folgten Begrüßungsansprachen von ausländischen Studentenvertretern, so der Arbeitsgemeinschaft studentischer Nationalver­bände aus Dänemark, der holländischen und der ungarischen Studentenschaft. Der Vorsitzende der deutschen Studentenschaft Bauer erstattete dann Bericht über die Tätigkeit der deutschen Studentenschaft im vergangenen Jahre. Er umriß in kurzen Zügen die Aufgabe des Studententages und die noch zu lösenden Probleme wie die Schäftung eines Studenten­hauses und die Beratung über die Frage, ot die Studienstiftung in ihrer jetzigen Form als Crfn'i für hie früheren Stipendien genügten. Auch Fragen, die die Standesinteressen be­treffen, harrten noch einer Lösung. Die Haupt­aufgab des deutschen Studententages liege aber in der sittlichen und körperlichen Erzichuna der deutschen Studenten.

Ein Kriegerdenkmal auf der Lorettohöhe.

Paris, 2. August. In Anwesenheit des Mi» mfterpräfibenten Painlevö ist heute bei Arras auf der Lorettolwhe, wo Hunderttausende von gefallenen Sol­daten beigeietzt sind, ein Denkmal für die im Kriege Geiallenen eingeweiht worden, dem man die Form eines Leuchtturms gegeben hat. Painlevè hielt eine Rede, in der er sagte, die Freiheit bedeute nicht das Recht, daß man sich nach seinen Wünschen und nach seinen Launen gehen lassen könne. Sie fordere viel­mehr Selbstzucht und Gerechtigkeitssinn, der durch eine fortgesetzte Anstrengung sowohl zwischen den Bürgern der einzelnen Länder als auch zwischen den Alliierten erzielt werden müsse. So grausam du Kriegswunde war, so heftig sich auch alle schlechten Kräfte gebärden, die unsere alte Welt beunruhigen, wir müssen uns doch bemühen, der Gerechtigkeit rwischeu uns und denen, , die jenseits der Feuerlinie sich im großen Kriege haben töten lassen, zum Siege zu verhelfen, denn ba3 heutige Europa hängt davon ab. Die Gerechtigkeit ist nicht mit der Macht unvereinbar, die Großmut nicht un­vereinbar mit dem klaren Blick. Der Bischof von Arras hat auf diesen Leuchtturm die Worte setzen lassen: Völker seid eins 1 Menschen seid menschlich! 68 wäre zu schrecklich, wenn dieser ungeheure Friedhof den Appell zu neuen MassakreS bedeuten würde. Dieser Leuchtturm muß nicht nur unvergeßlich über die Leichname dieser unendlich vieler jungen Leute, die nach so harten Kämpfen, im Tode miteinander ausgesöhnt wurden, sein Licht hmauS» senden, er muß auch als ein Lichtschimmer in die Nacht bringen, als ein Zeichen von Brüderschaft.

Aufruf Abd el Krims an die Stämme.

Paris, 1. Aug. Nach einer Meldung des Journal" aus Rabat hat Abd el Krim einen Aufruf an die Stämme erlassen, an seine Seite zu treten, um den Kampf gegen Frankreich und Spanien zu einem guten Ende zu führen. Er soll nach dem vomJournal" wiedergegebenen Text erklärt haben:

Wir kämpfen jetzt in einer letzten und entscheidenden Anstrengung gegen die Fran­zosen, die wir bald dazu zwingen werden, uns den Frieden auf der Basis der absoluten Anerkennung der Unabhängigkeit zu gewäh­ren, indem sie uns die notwendigen Mittel geben, um ein Leben ohne Beraubung und ohne Sklaverei zu führen und indem sie uns eine beträchtliche Entschädigungssumme zah­len, um uns für all das Blut, das zu ver­gießen sie uns gezwungen haben, schadlos zu halten. Sobald dieses erstere Resultat er- reicht ist, werden wir uns gegen die Spanier wenden, die wir um so leichter besiegen kön­nen, als Spanien entschlossen ist, weder Blut zu vergießen noch finanzielle Opfer für un. fruchtbare Unternehmungen zu bringen.