Seife 4
Dienstag den 7. Juli
Nr. 156
daß in der nächsten Zeit Sonderzüge gefahren werden und zwar am 19. Juli nach Bad Wil- bungen und Waldeck zum Besuch der Edertalsperre, am 2. August nach Bamberg und Stas- felstein, am 9. August nach Eisenach und Frie- drichsroda, am 16. August nach Nördlingen und im September d. Js. nach Cassel und Maulbronn.
* 5 Gebote für den Postschalterverkchr. Zur glatten und raschen Abwickelung an den Postschaltern kann das Publikum im eigenen Interesse viel beitragen, wenn es die nachstehenden Regeln beachtet: 1. Wähle für deine Post- geschäfte möglich nickt die Hauptverkehrsstunden. 2. Klebe auf alle freizumachenden Sendungen die Marken vor der Einlieferung auf, wozu du bei Briefsendungen, Postanweisungen und Zahlkarten verpflichtet bist. 3. Schreibe zu Wert- und Einschreibsendungen einen Einlieferungsschein — mit Tinte — vorher aus. 4. Halte das Geld abgezählt bereit. Uebergib größere Mengen Papiergeld stets geordnet. Lege bei gleichzeitiger Ein- und Auszahlung von drei und mehr Postanweisungs- und Zahlkartenbeträgen sowie beim Einkauf von drei und mehr verschiedenen Sorten von Wertzeichen eine aufgerechnete Zusammenstellung Der zu zahlenden Beträge vor. 5. Benutze bei eigenem stärkeren Verkehr die besonderen Einrichtungen (Posteinlieferungsbücher und -ver- zeichnisse, Selbstvorbereitung von Paketen unib' Einschreibebriefen).
♦ Postkartengröße. Aufgrund der Beschlüsse des Weltpostkongresses in Stockholm hat die deutsche Postverwaltung die Postkartengröße mit Wirkung vom 1. Oktober 1925 auf 10,5 mal 14,8 Zentimeter festgesetzt. Wir weisen darauf hin, daß es sich hier um Höchstmaße handelt und daß sonach von diesem Zeitpunkt ab jedes beliebige Postkartenformat welches zwischen den Ausmaßen 7 mal 10 und 10,5 mal 14,8 Zentimeter liegt, zugelassen ist.
* Die Ausgewanderten. Nach der „Statistischen Korrespondenz" stieg die Zahl der aus Preußen ausgewanderten Personen in den Ersten drei Berichtsbalbjahren ständig und zwar von 16 565 im Winterhalbjahr 1922/23 auf 26 731 im Sommerhalbjahr 1923 und auf 31599 im Winterhalbjahr 1923/24. Diese beiden letzten Halbjahre, in die der heftigste Währungsverfall und die Anfänge der Stabilisierung fallen und eine Zeit besonders großer Arbeitslosigkeit waren, brachten den stärksten Auswanderungsdrang. Im Sommerhalbjahr 1924 verlangsamte sich der Auswanderungsstrom recht erheblich.
Wetterbericht.
Die Tiesdruckstörungen, die die Witterung unseres Gebietes ' bisher mit Negensällen und mit Gewitter beeinflußt haben, sind ostwärts abgezogen. Es ist â)L zu erwarten, daß tve eintretenbe BewölkungS- abnahme nur verübend bleibt, da im We'ten ein neues Mlg-biet liegt.
Borbersage bis Dienstag abend: Wolkig, zunächst trocken, später neue Trübung mit Niederschlägen, mäßige südwestliche Winde.
WilterunaSaussichien bis Mittwoch abend: Fortdauer der trüben, zu Niederschlägen neigenden Witterung.
Aus Nah und Fern.
Groß-Steinheim, 6. Juli. Das 60jährige Jubelfest des Gesangvereins „Harmonie", ver bunden mit Fahnenweihe, verlief trotz teilweiser ungünstiger Witterung unter ungeheuerem Andrang überaus glänzend. Schade, daß der prächige, reich ausgestattete Festzug mit seinen elf Festwagen und mehreren Gruppen der Schulkinder, sowie der Gruppe des
kaner, eine für den Kommerzienrat. So ist allen Wünschen Rechnung getragen. „O wie weuse ist alles eungerichtet!"
*
Der Obermoser Schorsch kommt in die Küche und setzt sich ohne Gruß auf einen Herdstuhl. D"r Wirt beachtet ihn anfangs nicht, da er ja zu sehr in seine Rechnung verttest ist; er wird erst aufmerksam, als Schorsch sich absichtlich räuspert. „Ja so, du bist es!'
„Seit wann tun denn die Amerikaner mit Baroninnen Fangamundl spiel'n?"
Der Wirt macht ein verdutztes Gesicht und jegt die Hände auf den Rücken.
„Wie,"
,Lch meine nur so . . "
„So, du meinst nur so . . ."
Schorsch geht wieder auf die Straße. Ohr Wort und Gruß. Die neue Kellnerin und Res:, seine zukünftige Hochzeiterin, sehen ihm verwundert nach.
„Ich meine, aus der Hochzeit wird nichts", wendet sich der Gasthofbesitzer an seine Tochter. „Seit wir die Saison haben, spinnt er. Neulich hat's ihn mit der Karussellsahrerei so g'habt und jetzt sieht er die Amerikaner mit Baroninnen Fangamandl spiel'n; bei stockfinsterer Nacht, wo ein anständiger junger Mann ins Bett gehört. So ein Herumluser paßt mir nicht gerade als Schwiegersohn. Und überhaupt hab' ich's Uebergeben noch lang nicht im Sinn ..."
Resi erwidert nichts auf die Bemerkung. Der Wirt ist über das Benehmen des jungen Obermoser wenig entzückt, da er der einzige in Hochwinkel ist, der vor dem Worte Hochsaison nicht in Erfurcht erschauert. Und immer prallt er dann mit irgend einer spöttischen Redensart über die Sommergäste oder den Saisonbetrieb heraus, wenn der Wirt wegen der finanziellen Seite der Hochsaison andächtige Betrachtungen anstellt. Im Grunde denkt der Wirt nicht daran, den beiden jungen Leuten etwas in den Weg zu legen, da die Hoch-
Männergesangvereins Hagen Eilpe aus Westfalen in "Sauerländer Tracht durch einen Gewitterregen gestört wurde und nur durch einige Straßen geführt werden konnte. Der Empfang ■ der Hagener Sänger, die in Stärke von 130 Personen aus dem fernen Westfalenland nach Steinheim kamen, gestaltete sich am Samstag abend am Bahnhof Klein-Steinheim durch die Harmonie und die Festmusik zu einem überaus herzlichen. Hier fangen die Hagener, die über ein großartiges Stimmenmaterial verfügen, das wuchtig packende Westfalenlied. Der Präsident der Harmonie entbot den Sangesbrüdern und ihren Damen auf hessischem Boden herzlichen Willkommengruß. Am Abend erstrahlte Steinheim in einem wahren Lichtermeer, zu welchem der prächtige Flaggen-, Tannengrün- und Laubschmuck als einzigartiges Festgewand, in welchem sich der schöne Fackelzug bewegte, den geeigneten Rahmen bot. Schon am Samstag abend bei der akademischen Feier wurden dem Jubelverein seitens befreundeter Vereine verschiedene Ehrungen zuteil. Die hessiM-e Regierung ließ durch den Maingausängerbundes- vräsidenten Herrn Rektor Heß Klein-Krotzenburg einen silbernen Becher überreichen. Der 89jährige Sängerjubilar Herr A. Jos. Brückner wurde seitens des hessischen Sängerbundes durch Ueberreichung eines silbernen Bechers nebst Ehrenurkunde des deutscken Sängerbundes für langjährige aktive Mitgliedschaft geehrt. Die Fahne, eine prächtige Arbeit aus der Kunststickereiwerkstatt von Krieg u. Schweizer, Manz, übergab Fräul. B. Braun in gedankenreicher Rede dem Verein, nachdem dieser den Weihschoral „O Schutzgeist" mit Orchesterbegleitung wirkungsvoll zum Vortrag gebracht hatte. Eine von den Frauen und Jungfrauen des Vereins gestiftete prächtige Fahnenschleife übergab Frl. K. Gesser dem Verein. Trotz zeitweise einsetzenden Regens entwickelte sich auf dem schön gelegenen Festplatz ein buntes, festlich gestimmtes Treiben unter den zahlreich er= schienenen Sängern und Festteilnehmern, die der Festpräsident Herr W. Sticksel in herzlicher Weise begrüßt hatte. Die Festorganisation war eine durchaus gute und klappte bis ins Kleinste.
Niedergründau, 6. Juli. Nachdem Fräul. Köhler aus dem Nachbarorte Rothenbergen die Abschlußprüfung des Hebammen-Lehrganges in Marburg bestanden hat, hat sie feit einigen Tagen mit der Ausübung des Hebammenbs- rufes begonnen. Fräul. Köhlers Bezirk erstreckt sich auf die beiden Orte Niedergründau und Rothenbergen. Weil nach dieser Regelung Rothenbergen der Wohnsitz der für beide Orte gemeinsam bestellten Hebamme ist, hofft man hier, daß die Gemeinde Niedergründau nunmehr Sitz der ebenfalls gemeinsamen Gemeindeschwester-Station wird. Die Schwester- Station Niedergründau-Rothenbergen ist zurzeit verwaist, da die bisherige Gemeindeschwester im Dienste der Methodisteukirche ass Missionarin nach Südamerika gegangen ist. Man betrachtet es hier auch als einen Akt der Selbstverständlichkeit, daß die künftige Gemeindeschwester eine Angehörige der Landeskirche, zu der immer noch die übergroße Mehrheit der Ortseinwohner beider Gemeinden gehört, sein wird.
Niedergründau, 6. Juli. Die Einwohnerzahl unseres Ortes beträgt nach der letzten Volkszählung 769, und zwar 386 männliche und 383 weibliche Personen.
Mittelgründau, 6. Juli. Der hiesige Radfahrerverein feierte am Sonntag sein 5. Stiftungsfest. Die Veranstaltung hatte leider unter der Ungunst der Witterung sehr zu leiden. Trotzdem war die Beteiligung recht gut. Wohl an 10 auswärtige Vereine waren erschienen. Gegen 3 Uhr setzte sich der imposante Festzug
achtung des Baders für den künftigen Schwiegersohn und Hochwinkler Metzgermeister jede Gewähr bietet.
Schorsch steht aus der Straße und sieht aufmerksam in der Richtung auf die Haselstauden, wo er die Gestalten des Amerikaners und der Baronin vor einigen Minuten hatte verschwinden sehen. Aber es regt sich nichts mehr. Vielleicht hat er sich doch getäuscht.
Ein Liedchen pfeifend, stapft er denWie- senweg hinunter, der zu seinem väterlichen Hofe führt. Der Kurweiher mit dem Plankenzaun grüßt von der Hofwiese heraus. Auch der Mond scheint Saisongelüste bekommen zu haben, denn er badet sein Bild in den er- frschenden Fluten des Weihers, wenn auch als ""chstapler ohne Kurprospekt.
(Fortsetzung folgt.)
âUnft Lmè WMemchM.
Eine Ehrung ptof. Junkers. — Das Doktor- jubiläum im Flugzeug überbracht.
Gießen, 4. Juli. Die philosophische Fakultät der hessischen Landesuniversität Gießen hat anläßlich der morgigen Flugplatzeinweihung in Gießen den Prof. Dr. Hugo Junker in Dessau, den Erbauer der verspannungslosen, ganz aus Metall hergsstellten Berkehrsslugzeugs, die seinen- Namen undden Ruhm deutscher Technik und deutschen Erfindungsgeistes über die Erde tragen, in bewundernswerter Anerkennung seiner Verdienste um die Entwickelung der deutschen Luftschiffahrt, ehrenhalber zum Doktor der Philosophie promoviert. Der Rektor, der Korrektor und die Dekane der beiden Abteilungen der Fakultät haben sich heute vormittag in zwei Flugzeugen nach Dessau begeben, um Dr. Junker die Ehrung zu überbringen. Es ist das erste Mal, daß auf dem Luftwege ein Doktorjubiläum überbracht wird.
Die erste öffentliche Eisenbahnfahrl, die vor hundert Jahren im September 1825 von Stock
mit Preiskorso in Bewegung, der jedoch bald darauf infolge des einsetzenden Regengusses vorzeitig beendet werden mußte. Im Saale des Gastwirtes Noß hielt nun nach einem tadellos vorgetragenen Begrüßungschor des hiesigen Gesangvereins „Eintracht", „Rheinglaube", Herr Betz-Mittelgründau die Festrede. Am folgenden Kunstfahren zeichnete sich besonders die Ortsgruppe Langenselbold aus.
Lieblos, 6. Juli. Die hiesige Schule veranstaltete am Sonntag im nahen Wald ein Schulfest, bei welchem allerlei Preisspiele, Reigen, gesangliche Darbietungen und mancherlei Be- lustigungen Kinder und Eltern erfreuten. Recht nett wurde auch ein Hans Sachs-Spiel aufgeführt. An der wohl-gelungenen Feier, die leider durch strömenden Regen öfter unterbrochen wurde, konnte man seine Freude haben.
§ Salmünster, 6. Juli. Die Hessen-Nassauische Gas-A.-G. in Höchst a. M. hat das hiesige Gaswerk erworben und den Betrieb bereits übernommen.
Frankfurt a. M., 6. Juli. Sonntag nacht gegen 12 Uhr wurden bei der Festeburg durch das Personenauto eines Wiesbadener Kaufmanns die 20 Jahre alte Emma L. und ihr Begleiter, der 20 Jahre alte Metzger Albert B„ überfahren. Das Automobil fuhr dem Mädchen über den Kopf und verletzte es schwer; an seinem Aufkommen wird gezweifelt. Der Metzger erlitt einen Unterschenkelbruch 'und leichte Kopfverletzungen. Die beiden Verletzen wurden ins Krankenhaus gebracht.
Frankfurt a. M„ 6. Juli. Der Polizeilmeldet: Am 26. Juni d. Js. wurde in Offenbach a. M. eine männliche Leiche gelandet, welche 2 bis 3 Wochen im Wasser gelegen hat. Der Tote wird etwa auf 50 Jahre geschätzt und gehört anscheinend dem Arbeiterstande an. Beschreibung: 1.65—1.68 Mir. groß, graublondes Haar (vorn Glatze), gewöhnliche niedrige Stirn, rotblonde Augenbrauen, graublaue Augen, gu' erhaltene, vorn vollständige Zähne, blonder, gestutzter Schnurrbart. Kleidung: Blauer Rock, ebensolche Weste und Hose, schwarze Strümpfe, schwarz und weiß gestreiftes Arbeitshemd, schwarze Schnürschuhe (ungleiche Größe). Der Tote hatte ein Taschentuch von roter Farbe mit schwarzen Punkten bei sich, gez. H. R. (rote Buchstaben). Besondere Kennzeichen: Narben am linken Knie.
Frankfurt a. M., 6. Juli. Einen Selbstmordversuch im Eisenbahnkupee verübte ein Reisender in dem um 2.55 Uhr von Frankfurt in Richtung Aschaffenburg abgehenden Zug. Er schoß sich in einem Abteil 2. Klasse eine Kugel in den Kopf. Die Tat geschah auf der Strecke Frankfurt Hbf. und Frankfurt Südbahnhof. Dort wurde der Verletzte aus dem Zuge gebracht und ins Krankenhaus überführt.
Niederbrechen, 5. Juli. Der „Goldene Grund" war gestern und heute das Ziel Zehn- 'tMIèndèr von Bauern und Bäuerinnen aus Nassau und dem Kreise Wetzlar, sowie aus der Gegend um Frankfurt a. M. Die Zahl der Teilnehmer wird auf 20 000 geschätzt. Den Auftakt bildete ein Begrüßungsabend. Der Bürgermeister Dillmann-Niederbrechen begrüßte die Erschienenen im Namen der Ortsbauernschaft Niederbrechen. Abg. Hepp wies nach einigen Worten der Begrüßung auf die hohen kulturellen Aufgaben der Bauernschaft hin. Seine weiteren Worte waren der sozialen Versöhnung und dem Ausgleich zwischen Erzeuger- und Verbraucherstand gewidmet. Den Mittelpunkt des Abends bildete die Aufführung des Rudolf Dietzscken Singspiels „Die nassauische Spinnstube". Am Sonntag früh 8.30 wurde die außerordentlich reich beschickte Maschinenausstellung eröffnet, die allgemeines Interesse fand. Kurz nach 10 Uhr begann auf
Holm nach Darlington führte und damit den Eisenbahnverkehr eröffnete, ist zur Jahr- Hundertfeier in genauer Anlehnung an das Original dieser Tage wiederholt worden. Man hat sich dabei nach der Schilderung gerichtet, die ein Teilnehmer der Fahrt von dem Ereignis wie folgt gegeben hat: 450 Personen fanden in dem Zug Sitz- oder Stehplätze. Dann wurde ein Signal gegeben und der lange Zug, dem ein Flaggenträger vorausritt, bewege sich mit seinen 24 vollgesüllten Wagen vorwärts. Ihm folgten weitere Wagen, die von Pferden gezogen wurden. Die Lokomotive wurde von Georges Stephenson, dem Erfinder der Dampfmaschine, selbst bedient. Dann folgte der Tnder mit Wasser und Kohlen, weiter sechs Wagen mit Kohlen beladen, auf denen Fahrgäste saßen, ein Wagen mit Beamten und Ingenieuren, ein besonders ausgestatteter Wagen mit den Direktoren und Eigentümern der Gesellschaft, dann sechs Wagen, gefüllt mit Publikum und schließlich vierzehn Wagen mit Arbeitern. Nichts, so schließt der Verfasser der Schilderung, konnte die Großartigkeit dieses Schauspiels übertreffen. Die Straßen und das angrenzende Gelände waren mit Zuschauern bedeckt, darunter viel elegant gekleidete Frauen.
Humor.
Abgepiihl. Sie: Du glaubst gar nicht, wie ich diesmal am Strande umschwärmt wurde. Er: Soso, also haben wir wieder mal ein — Mückenjahr? (Ulf)
Aus der „Münchener Illustrierten Dresse": „Was für ein schauderhast dummes Libretto diese Oper wieder hat", stöhnte in der Pause der Kritiker Mantsch seinem Kollegen gegenüber. „Oder haben sie zum Beispiel eine AH- nung, warum die Heldin nach ihrer Arie ins Gefängnis abgeführt wird?" „Hm — wahr, icheinlich, weil die Arie gestohlen ist."
Der Reife-Schieber. „Kauf' ich mir jetzt einen einfachen, soliden Reisekorb — oder pump' ich mir einen echten Rohrx.attenkosfer?"
dem Festplatz in Anwesenheit von etwa 500t, nassauischen Bauern die Vertreterversamm- lung. Der Präsident des Reichslandbundes und Bezirksvorsitzender Abg. Hepp begrüßte die Vertreter der Regierung, der staatlichen und sonstigen Behörden. Präsident Hepp hielt dann eine groß angelegte wirtschaftspolitische Rede, in der er für eine agrarische Schutzpoli- tik eintrat, die die Möglichkeit gebe, dem deutschen Volke Nahrung zu bieten und ihm zu dem wirtschaftlichen Wiederaufstieg zu verhelfen, der aber nur möglich sei, wenn der Gegensatz zwischen Erzeugern und Verbrauchern ausgeschaltet und die Einheit des deutschen Volkes nicht gestört werde. Nach kurzen Dankesworten des Landesrates Dr. Schlüter-Wiesbaden als Vertreter des Landeshauptmanns erstattete der Geschäftsführer der Bezirksbauernschaft für Nassau und den Kreis Wetzlar, Dr. Pfisterer-Limburg den Geschäftsbericht. Kurz nach 1 Uhr setzte sich der Festzug in Bewegung, in dem eine große Anzahl Wagen ein Spiegelbild der Geschichte des nassauischen Landes'gaben. Nach Auflösung des Festzuges auf dem Festplatz fand eine Massenversammlung statt.
Hannover, 4. Juli. In dem Prozeß gegen den Bankier Katz und Genossen wurde heute vom erweiterten Schöffengericht das Urteil verkündigt. Katz war beschuldigt, mehrere Mitangeklagte zu strafbaren Handlungen, zu Betrug und zum Teil zu schwerern Privat- urkundenfälschungen bestimmt und sich rechtswidrige Vermögensvorteile verschafft zu haben. Insbesondere sollte er Angestellte der Reichsbahn durch Versprechung von Vorteilen zur Falschführung der Bücher veranlaßt haben. Katz wurde wegen Betrugs und Bestechung zu einem Jahr sechs Monaten Gefängnis, sein Angestellter Hermerding für die gleichen Delikts zu einem Jahr Gefängnis und Reichsbankbeamter Düker und der Buckhalter Loges wegen Betruges und Kassiber-Bestechung zu je neun Monaten Gefängnis verurteilt und weitere acht Angeklagte erhielten wegen Betrugs Gefängnisstrafen von zwei Monaten bis einem Jahr, während der Angeklagte Bröhl freigesprochen wurde.
Hamm, 6. Juli. Eine schwere Bluttat hat sich in Huesten zügetragen. Dort waren in einer Wirtschaft Zigeuner und Korbflechter eingekehrt, die miteinander in Streit gerieten; da- beftkam es zu einer Schießerei, in deren Verlauf der an dem Streit völlig unbeteiligte Geschäftsführer Gruben aus Huesten einen Kopfschuß erhielt, der kurze Zeit daraus den lob herbeiführte. Der Schirmflicker Klein erhielt einen Bauch- und Armschuß. Zwei Zigeuner wurden lebensgefährlich verletzt. Nach der Schießerei ergriffen die Zigeuner die Flucht, konnten aber von der Polizei entdeckt und dingfest gemacht werden. Der Haup
ein Zigeuner namens Wagner, der schon seit langer Zeit wegen der Erschießung eines Landjägers steckbrieflich verfolgt worden ist. In dem Wohnwagen der Bande wurden zahlreiche Revolver und andere Waffen gefunden.
Hagen, 6. J'â Das hiesige Schwurgericht verurteilte nach längerer Verhandlung den 27jährigen - Arbeiter Bohl aus Hannover zum Tode und den ?1jährigen Bergmann Fritz Meise aus Bochum zu lebenslänglichem Zucht- 'mus. Die beiden ^..^rechsr hatten am 3. Juni einen sie verfolgenden Polizeibeamten erschossen und in Letmathe einen Ueberfall auf eine Frau verübt, bei dem diese durch Hammerschläge auf den Kopf mehrere Schädelbrüche erlitt, die eine dauernde Lähmung zur Folge hatten.
Dortmund, 6. Juli. Ein schwerer Unfall hat sich in Kunststein in einem Schlackenbetrieb der Dortmunder Union ereionet. Drei Leute waren zu Beginn der Morgensckicht damit beschäftigt, einen großen Hohlraum in den Schlackenberg zu treiben, als die Schlacken plötzlich nachgaben und die drei Arbeiter unter sich begruben. Der Arbeiter Kotzki wurde durch die stürzenden Schlackenblöcke erschlagen, der Arbeiter Maessa erlitt schwere Schädelverletzungen, während der dritt-- ^rl-iter mit leichteren Verletzungen ^anon^m.
Kranichfeld an der Ilm, 6. Juli. Hier sind 26 Personen an Typhus erkrankt. Das Baden in der Ilm wurde verboten.
Lohr 6. Juli. Auf der Sackenbacherftraße wurde in den Vormittagsstunden ein Mädchen von hier, welches einen Hund dabei hatte, von Personen in einem daherkommenden Auto angesprochen zum Mitfahren. Nachdem dasselbe das Anerbieten abwies und den Weg rückwärts nahm, änderte das Auto ebenfalls seinen Kurs, worauf das Mädchen ins Feld - lief. Nachedm bei Würzburg in der Vorwoche ein ähnlicher Fall, aber mehr als Gewaltakt ’ einer Entführung, vorkam, möchten wir im all- ’ gemeinen zur Vorsicht mahnen; insbesondere l wäre bei solchen Fällen rasch das Zeichen und ‘ die Nummer des Autos zu merken und der Gendarmerie Anzeige zu machen.
WW MWlmWM.
Bekanntmachung.
Aus Grund der Verordnung über Sonntagsruhe im Handelsgewerbe und in Apotheken vom 5. Februar 1919 wird anläßlich der Ausstellung für Handwerk und Gewerbe am Sonntag den 12. Juli 1925 der Geschäftsverkehr für alle Zweige des stehenden Handelsgewerbes im Stadtbezirk Hanau und zwar in der Zeit von 12 Uhr mittags bis 7 Uhr abends zugclasfen. 31
Hanau den 4. Juli 1925.
Der Polizeidirektor. I. V.: Niemeyer.