zog. Jahrgang
ßanauer 8 Anzeiger
General-Anzeiger für die Kreise Kanan Sla-l und Land.
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Nr. 145
Mittwoch den 24. Juni
1925
Das Neueste.
— Im Reichstag wird die Zolldebatte ihren
Anfang nehmen. — Der s "
französische Ministerrat hat be- )ie Ruhrräumung binnen kurzem
schloffen, die vorzunehmen.
— Sie französische Kammer hat gestern stad) einer längeren Marokkodebatte eine Tagesordnung mit 510 gegen 30 Stimmen angenommen, in der der Regierung das Vertrauen ausgesprochen wird.
— Die chinesischen Wirren nehmen einen
immer ernsteren Charakter an.
— Baldwin und Chamberlain erklärten gestern, daß sie den Eintritt Rußlands in den
Völkerbund begrüßen würden.
Das Kabinett und der
Sicherheitspakt.
Die französische Antwort auf den deutschen Sicherheitsvorschlag beherrscht nach wie vor die außenpolitische Lage, wenn auch in den letzten Tagen in öffentlicher Diskussion vielleicht nicht viel davon die Rede war. In der nächsten Zeit wird es auch an der öffentlichen Diskussion dieses Problems nicht fehlen. Die französische Antwortnote wird heute von dem englischen Unterhaus erörtert werden. Sie wird vor diesem Forum zweifellos eine sehr kritische Behandlung erfahren. Die Arbeiterpartei und die Liberalen werden die französischen Vorschläge ablehnen und selbst in den Reihen der Konservativen sitzen viele Gegner. Die englische Regierung wird nur mit Hilfe der Vertrauensfrage die Reihe ihrer parlamentarischen Anhänger lückenlos zusammenhalten können. Wie in England, so wird die Antwort der franzö-
finben. Der Auswärtige Ausschuß des Reichs- wges tritt voraussichtlich am 1. Juli zusammen, ^uch die Vollsitzung des Reichstages wird sich mit der außenpolitischen Lage noch einmal eingehend beschäftigen, ehe das Parlament seine commerferien antritt. Die Regierung wird voraussichtlich Wert darauf legen, daß der Reichstag bei dieser Gelegenheit ihrer Politik ein Billigungsvotum erteilt. So wird es an lebhaften parlamentarischen Echo der Sicherheitsfrage in der nächsten Zeit nicht feh- und man wird annehmen können, daß sich -m Laufe dieser öffentlichen Diskussion über die
Dunkelheiten und Zweifelsfragen der lranzosischen Note volles Licht verbreiten wird.
Dem Reichstag wird die Regierung im Aus- artigen Ausschuß wie im Plenum wohl ein epimmtes Programm unterbreiten, wie sie hn*Ur?n30^e Note sachlich und formell be- rot.rix Nachdem die einzelnen Ressorts o geprüft haben und nach- anln^schiedene Rückfragen gestellt und be- L ®1 worden sind, wird das Kabinett Mm ersten Male in dieser Sache Non der formalen Seite aus lVte französische Note noch nicht in bM m^ten ^lar und durchsichtig und des- Tr - A^k^genheit auch noch nicht reif ®lne "schließende Beantwortung im be- verneinenden Sinne. Es wird handeln, ganz genau fest- i ^ Tragweite und welche Bedeu- XLiXXX "och unklaren Vorschlägen der iä S Note zukommt. Diese Aufklärung H e f r X Hauptsache um die G a r a n= ^n öfmX'6 ^französischer Seite mit t r ä • $ e n Schiedsgerichtsver- ben sind" ^lÄe Verbindung gebracht wor- nimmt RrnnPr ^r solchen Garantie sprach das Recht für sich in An-
einzugreifen, d. h. g e- ßiem ân A 5 6 egen Deutschland bem xUX®?öan, obgleich nach des Völkèrbln^ Xr X° e ^a Bestimmungen den. Nack hpnXX-" £®mer N^eise berührt wer- aber ist diÄ ^"l")^6en des Völkerbundes ein Sinn s 'e unmittelbare Gewaltanwendung Die französische kein Widersvruck XrXXX X ^in, daß hier Rolle a - mll besteht,. sondern daß ihre "ertrüge iM d^'n ^rostlichen Schiedsgerichts- vereinbar M fc X^r^X bes Völkerbundes ob die in $ hrd.aber doch wohl noch, einer [XX D^e angeführten Alliierten mit einer XÈa,,^ einverstanden sind, kerbundes l-ml'^"' die Satzungen des Völ- ^ndnispfsiL^ XU Mten der östlichen Deutschland wi7b I^^""h' durchlöchert, und müssen die Frage erheben können sachlich benns°^ mX den Sicherheitspakt tat- bund burcb e^n X' x HX ben ganzen Völker- r® ein Sonderlostem von Bündnissen
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Paris, 23. Juni. Heute vormittag ist der Ministerrat unter dem Vorsitze des Präsidenten der Republik zusammengetreten. Ministerpräsident Painlevè gab ein Exposee über den Stand der M a r o k k o f r a g e.
Der Minister des Aeußeren Briand und der Marineminister Borel berichteten dann über den Besuch des französischen Geschwaders in Neapel und über die warme Aufnahme bei der italienischen Negierung sowie der Bevölkerung. Der Ministerrat beauftragte den Minister des Aeußern, der italienischen Regierung den Dank der französischen Negierung für diese Aufnahme zu übermitteln.
Der Ministerrat billigte alsdann die Maßnahmen, die der Ministerpräsident, der Kriegsminister und derMinister desAeußeren hinsichtlich der Ausführung der bezüglich derRäumungdesRuhrgebietsübernommenen Verpflichtungen getroffen haben. Die Operationen sollen binnen kurzem beginnen.
Paris, 24. Juni. Das „Oevre" schreibt zu dem gestrigen Beschluß des Ministeriums, die militärische Räumung des Ruhrgebiets, die am 17. August d. Js. zu erfolgen habe, bereits vorzubereiten, folgendes:
Die Operation wird unmittelbar beginnen. Sie wird vollkommen vor dem 17. A u g u st u Ende geführt
Staat herabgesetzt ist, das rheinss
Becken verlassen haben. Es werden auch die als Sanktionsgebiete zu betrachtenden Städte Düs' " ' - ......
ffseldorf und Duisburg-Ruhrort geräumt einen glücklichen Einfluß auf die deutsch-fran- werden, obzwar für sie ein anderes Regim zösischen Handelsvertragsverhandlungen aushätte in Anspruch genommen werden können üben wird.
und Schiedsgarantien über den Haufen zu werfen. Es wird fragen können, ob unter diesen Umständen nicht besser auf das ganze Schiedsgerichtssystem im Osten Deutschlands Verzicht geleistet wird, wenn man doch die Absicht hat, den Sicherheitspakt in den Völkerbund einzugliedern. Es wird ferner die Frage berechtigt fein, ob Frankreich auf dem Umweg über den Sicherheitspakt das Recht auf Sanktionen wieder aufleben lassen will, dem in London ganz bestimmte Schranken gezogen worden sind. Es wird sicher alle Welt interessieren, ob man den ganzen Gedanken eines Sicherheitspaktes mißbrauchen und diskreditieren will,
indem man ihn den Bedürfnissen der französischen Macht- und Bündnispolitik dienstbar macht. Es wird schließlich auch durch Rückfrage aufgeklärt werden müssen, wer denn die Alliierten sind, auf die Frankreich sich in seiner Note beruft und ob diese Alliierten tatsächlich Frankreich dabei behilflich fein wollen, den Garantie- zufälschen in eine vertragliche Sicherung der Vorherrschaft des französischen Mili
Pakt umz!
tarismus.
Sille diese Fragen werden namentlich in England großes Interesse erwecken. Sollte man auf der Gegenseite finden, daß die rasche Erledigung unter dieser Fragestellung leioet, so möge man sich daran erinnern, daß man sich selbst vier Monate Zeit genommen hat, um auf das deutsche Memorandum zu antworten. Für die deutsche Regierung ist es jedenfalls zunächst einmal wesentlich, daß sie die Tragweite der französischen Antwort vollkommen übersteht. Sollte sich dabei herausstellen, daß das französische Garantiesystem wirklich dem Völkerbund zum Trotz von Frankreich und seinen Alliierten aufrecht erhalten wird, so nehmen wir als sicher an, daß diese Art von Sicherheitspakt von der Regierung abgelehnt wird. Hier liegt der Kernpunkt der Streitfrage. Aber auch aus der Frage des Völkerbundes können sich sehr große Schwierigkeiten ergeben. Deutschland kann unter keinen Umständen vorbehaltlos in den Völkerbund eintreten, sondern muß darauf achten, daß seiner Bewegungsfreiheit im Osten nicht aus dem Artikel 16 der Völkerbundssatzungen 'ein Strick gedreht wird. Deutschland wird ès ablehnen müssen, sich durch den Eintritt in den Völkerbund auf eine einseitige west
liche Orientierung festzulegen und bei einer etwaigen Dölkerbundsaktion
ittinn gegen Rußland leisten. Nur aus dieser
Handlangerdienste zu
und obzwar man sie mit der Besetzungszone von Köln hätte vereinigen können, anstatt mit dem Bezirk von Essen. Hoffen wir, daß der deutsche Botschafter v. Hoesch, der einen Tag vor der öffentlichen Bekanntgabe von unserem Minister Briand die Versicherungen, die er gewünscht hat, erhalten hat, darin auch ein Anzeichen unserer Regierung erblicken wird, daß sie den Willen zur Verständigung hat. Hoffen wir ferner, daß Reichsaußenminister Dr. Stresemann durch unseren Entschluß darin bestärkt wird, die Verhandlungen über den Sicherheitspakt weiter zu verfolgen, und wir möchten auch glauben, daß die Kampagne, die jenseits des Rheines durch -ine gewisse Presse geführtt wird, die uns Eroberungsabsichten unterschiebt, ihre Nahrung und ihren Anstrich verlieren wird.
Das „E ch o d e P a r l s" schreibt, es scheine, daß über dis Näumvngsirage London und Paris sich in den letzten Tagen verstanorgt hätten. Um dem Srchorheitspakt den Weg zu ebnen, Habs man »rft für opportun gehandelt, d I deutschen Negierung -ünen Beweis auien Willens zu geben. Es wäre aber wünschenswert, daß man bei dieser Gelegenheit das Reich aufgefordert hätte, einige Verletzungen in der entmilitarisierten Rheinlandzone richtigzustellen, nämlich den Aufenthalt von ausgebildeten Polizeitruppen, sowie die noch vollkommene Umgestaltung von Krieasmaterialfabri- ken. Wie dies das Londoner Abkommen vom August v. Js., die Räumung des Ruhrgebiets mit der regelmäßigen Ausführung des Dawös- planss verbunden habe, fei es wohl kaum mög-
M stellen.
nicht nur die heute im Unterhaus beginnende Debatte erleichtern wird, sondern daß sie auch
Grundlage ist eine befriedigende Lösung der Völkerbundsfrage für uns denkbar. Sollte sich eine solche Grundlage finden lassen und sollte ferner das System der französischen Garantien fallen gelassen werden und der ursprüngliche deutsche Paktvorschlag sich wieder durchsetzen, so wäre das Zustandekommen eines Garantiepaktes möglich, andernfalls würden sich die französischen Gegenvorschläge wohl als die unüberwindlichen Schranken einer jeden Verständigung erweisen.
England Würde den Eintritt Rußlands in den Völkerbund begrüben.
London, 24. Juni. In einer gestern abend von der Downing-Street veröffentlichten amtlichen Mitteilung über eine Unterredung der Abordnung des Gewerkschafts-Kongresses mit Baldwin und Chamberlein heißt es u. a.:
Premierminister Baldwin erwidert auf die Erklärungen von drei Mitgliedern der Abordnung, daß die unvollständige Anerkennung Rußlarws die Gewährung von Krediterleichte- rumjen durch die privaten Kaufleute beschränke, Rußland habe nur einen geringen Prozentsatz des englischen Ausfuhrhandels dargestellt. Sie
Rückkehr zur S^-äre des Welthandels würde für Englarch von beträchtlichem Wert fein. Sie Regierung würde den Anschluß Rußlands an die Gemeinschaft der Nationen und seinen
ischaft der Nationen und seinen
>en Völkerbund begrüßen. Chamberlain erklärte, die Annahme, daß die An-
Eintritt in den
erfenmirtg Ruhlands unvollständig sei, als nicht wohl begründet. Die Tatsache, daß beide Länder durch Geschäftsträger und nicht durch Botschafter vertreten seien, mache überhaupt keinen Unterschied. Chamberlain fuhr fort, es sei von Bedeutung, daß der Handel überhaupt nicht durch diplomatische Maßnahmen behindert werde. Rußland türme, wenn es dazu Lust hätte, die Handelsbilanz in Großbritannien zmn Ankauf von Waren in viel größerem Maße benutzen. Chamberlain fhmmie den Erklärungen des ^Premierminister« zu, daß die britische Regierung den Eintritt Rußlands in den Völkerbund begrüßen würde.
Die chinesischen Wirren.
London, 23. 3tmL Sie Lage in China verschlimmert sich anscheinend. Nach unbestätigten Reibungen aus Wutsch«u in der Provinz Kwantung sei dort der sapanische Zollkommissar getötet und zwei andere Japaner vrwundet worden. Jn Wnigpo nehme die
fremdenfeindliche Bewegung zu. Das Zollhaus fei von Ruhestörern geplündert worden. 3n Tschinkiang wurde der japanische Konsul auf der Straße mit Steinen beworfen. Der Konsul habe eine Entschuldigung verlangt und widri- genfalls mit einer energischen Aktion gedroht.
Kanton, 23. 3uni. Nach einer Reuter- Meldung veranstalteten heute tausend chinesische Arbeiter, Studenten, Bürger und Soldaten einen Umzug rings um die europäische Niederlassung in Schameen. Als sie sich gegenüber dem Bikkoriaholel in der britischen Konzessionszone befanden, entstand eine Schießerei. Englische und französische Marinesoldaten erwiderten das Feuer mit Maschinengewehren. Das Schießen dauerte 20 Minuten. Ein französischer Kaufmann namens Pasquier wurde getötet, der Zollkommissar Edwards sowie ein britischer Marinesoldat und einige Zivilisten wurden verwundet.
£ o n b o n, 24. 3uni. Blättermeldungen zu- S sind alle in Hongkong lebenden Ameri- r angewiesen worden, die Stadt zu verlassen. Die „Daily Mail" berichtet aus Hongkong, daß alle Züge nach den chinesischen Grenzen mit Flüchtlingen überfüllt seien. Rach einer Pekingdepesche desselben Blattes dauert der gegen England gerichtete Feldzug in der chinesischen Presse Pekings fort. Auf zahlreichen Plakaten wird die Bevölkerung aufgefordert, die Engländerlotzuschlagen.
Ssstige Kämpfe in Marokko.
Paris, 23. Juni. Ein offizielles Kommunique über die Lage in Französisch-Marokko besagt, daß die feindlichen Kontingente, die am 20. Juni die nördlich von Ouezzan operierenden französischen Truppen angegriffen hatten, gestern ihren Angriff unter Ausnutzung des hnhon Sie
baden sich n men die Proviantzütze gewandt. Dank der entschlossenen Haltung aller Waffengattungen und der kräftigen Unterstützung der Flieger wurde dieser Angriff schließlich zurückgeschlagen. Indessen hat die Marineabteilung ihre Operationen unterbrochen. Vom östlichen Frontabschnitt ist nichts zu melden.
Paris, 24. Juni. Wie eine dem „Journal" veröffentlichte Meldung aus Madrid besagt, hat der Druck, den der Feind gegen die spanische Westfront in Marokko ausübt, in bei Zone von Tetuan zu heftigen Angriffen gegei die spanischen Linien geführt. Einzelheiten über diese Kämpfe fehlen noch.
DerReichskag soll ganze Arbett machen
Die Beratung der Zollvorlage.
Berlin, 23. Juni. Im Asltestenrat des Reichstags wurde heute beschlossen, nicht schon Anfang Juli die Beratungen auszusetzen und zur Erledigung der Zollvorlage dann etwa im August wieder zusammenzutreten, sondern nach dem bisher in Aussicht genommenen Geschäftsplan bis zum 18. Juli fortzutagen und auch bis dahin die Zollvorlage zu verabschieden. In dieser Zeit soll nur eine schon früher in Aussicht genommene kurze Pause vom 29. Juni bis zum 1. Juli eingelegt werden.
der
Zu der heute beginnenden ersten Lesung
Zollvorlage weiß das „Verl. Tagebl." mitzuteilen, daß der Plan einer gemeinsamen Erklärung der Regierungsparteien zu der Zollvorlage an dem Widerspruch der Zentrumsfraktion gescheitert sei. Die Zentrumsfraktion werde einen eigenen Redner vorschicken. Auch die Deutschnationalen würden gleich bei der ersten Lesung besonders Stellung zur Zollvorlage nehmen und hätten mit ihrer Vertretung den Abg. Thomson beauftragt. Laut „Vorwärts" wird für die Sozialdemokraten Abg. Wissel das Wort ergreifen. Ob es gelingen wird, die gestrigen Beschlüsse des Aeltestenrats über die Erledigung der Steuervorlagen, der Aufwertungsfrage und auch der Zollvorkage bis zum 18. Juli zu verwirklichen, wird in den Blättern angesichts des zu erwartenden heftigen Widerstandes der Linken gegen die Zoll- vorlage für sehr staglich gehalten.
Neue Regierungsvertzandlunge« tn Preußen.
Berlin, 23. Juni. Wie aus Parlament» rischen Kreisen verlautet, prüfte die Zen- trumrfraktion des preußischen Landtages heute erneut die politische Lage. Man ist übereingekommen, an dem Beschluß vom 9. Juni festzuhalten, in der Auffassung, daß die Umbildung der preußischen Regie- rung mit größter Beschleunigung durchgeführt werden müsse. Die Unterhandle«