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Mittwoch den 27. Mai

Nr. 12?

Deutschland hat nicht aufgehört, gegen die Kriegsbeschuldigung zu protestieren. Sie wurde ihm mit Gewalt durch die Drohung mit Einfall und Zerstückelung aufgebürdet. Die Zeit der summarischen Urteile, gegen die es keine Berufung gibt, ist vorüber. Das müssen wir anerkennen oder müssen aufhören, uns wegen der Proklamierung der Menschenrechts stolz zu zeigen. Solange diese Prozesse nicht von den wirklichen Vertretern geführt werden, solange wird das erzwungene Zugeständnis des Besiegten null und nichtig bleiben. Erst wenn dieses Urteil gefällt sein wird, werden die wieder ausgesöhnten Völker die Stimmen erheben können, um als Opfer die wahren Verbrecher abzuurteilen.

Der Fall Nüihufins.

Berlin, 26. Mai. Sofort nach der Rückkehr des Generals von Nathusius aus Lille, wo er von dem französischen Militärgericht wegen eines angeblichen Diebstahls eines Tafel­services unter Aufhebung des früheren Urteils zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden war, leitete der Oberreichsanwalt in Leipzig eine Untersuchung gegen ihn wegen Kriegs­verbrechens ein. In diesem Verfahren wurden sämtliche Personen, Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften, die seit 1918 mit dem General in Roubaix in dem Hause des Fabri­kanten Motte wohnten, eingehend als Zeugen eidlich vernommen. Keiner der Zeugen hat in dem Motteschen Hause in Roubaix ein wert­volles Tafelservice bemerkt. Soweit überhaupt dort vorhandenes Geschirr von der Stabs­messe des Generals in Benutzung genommen wurde, bestand es aus einzelnen Stücken ver­schiedenen Musters. Dieses Geschirr verblieb beim Abzug der Stabsmesse in Roubaix im Hause. Von dem ehemaligen Burschen des Generals wurde bekundet, daß dieser nichts verschickt oder mitgenommen hat, was nicht sein Eigentum war. Die Zeugenaussagen er­gaben auch nicht den geringsten Anhaltspunkt für die Annahme einer von Nathusius be­gangenen strafbaren Handlung. Der Ober­reichsanwalt hat daher das Verfahren gegen ihn eingestellt.

Der Schwiegersohn Eberls vom Amt suspendiert»

Dr. Jaenicke, der Schwiegersohn des ver­storbenen Reichspräsidenten Ebert, soll, wie die Blätter hören, von seiner Stellung im Auswärtigen Amt suspendiert worden sein. Dr. Jaenicke, der zurzeit dienstlich in Italien weilt, soll in dem Fremdenbuch eines italie­nischen Hotels eine absprechende Bemerkung über den Reichspräsidenten v. Hindenburg gemacht haben. Ein Disziplinarverfahren fei im Gange. Die Eintragung soll folgenden Wortlaut haben:In Ihrem gemütlichen Hotel vergaßen wir, daß ein Hindenburg Präsident des Deutschen Reiches geworden

Um den Seulfch -spanischen Handels­vertrag.

Reichsaußenminister Dr. Stresemann hat auch gestern mit den der Regierung nahe­stehenden Fraktionen verhandelt, um eine möglichst große Mehrheit für den deutsch- spanischen Handelsvertrag zu gewinnen, über den heute im Reichstag abgestimmt werden soll. Der Reichskanzler und der Reichsaußen­minister erläuterten bereits in den Verhand­lungen am Montag die Einzelheiten des Vor­trages, wobei sie auch Maßnahmen in Aus­sicht stellten, um den Interessen der Winzer­schaft durch Gewährung von Entschädigungs­krediten Rechnung zu tragen. DemLokal- Anzeiger" zufolge werden die Deutschnatio­nalen in ihrer Mehrheit für den Vertrag stimmen. Den Gegnern ist von der Fraktion Die Abstimmung freigegeben worden. Wie dasB. T." wissen will, sollen etwa 70 Deutschnationale für die Annahme eintreten. Die übrigen sollen dagegen bei der strikten Ablehnung beharren. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat den Blättern zufolge beschlossen, bei der Abstimmung in zweiter Lesung Stimmenthaltung zu üben, da sie den Regierungsparteien allein die Verantwortung für Annahme oder Ablehnung bps Vertrags überlassen will.

Das Ausbleiben Amundsens.

Hamburg, 25. Mai. Nach einem 2 Uhr nachmittags in Newyork eingelaufenen Funk­spruch von Bord derFram" wird das Aus­bleiben Amundsens immer ernster beurteilt, da starker Nordwind einsetzte. Die Mannschaft beginnt sehr nervös zu werden und ist völlig überreizt.

Oslo, 26. Mai. Einem heute mittag bei derSjoefarts Tidende" eingetroffenen Tele­gramm zufolge war Amundsen heute morgen noch nicht nach Spitzbergen zurückgekehrt. Die Witterungsaussichten scheinen nicht mehr so günstig wie bisher.

Newyork, 26. Mai. Nach einer Meldung vonHerald and Tribune" aus Washington ist die Marine durchaus vorbreitet, gegebenen­falls sofort eine Hilfsexpedition für Amundsen mit derShenandoah" und derLosAnaeles" zu unternehmen. Der TenderPatoka" mit dem Ankermast würde vorher in die Diskobay auf Grönland entsandt werden.

Bertrag, die von der Kontrollkommission fest­gestellt seien, beseitigt würden. Wenn Deutsch­land seine Verpflichtungen halte, wenn . es nicht schikanieren wolle und wenn es wirkliche Sicherheitsgarantieen ins Auge fasse, dann werde man das sehr rasch erkennen, denn die Note der Alliierten werde von einem großen Meiste der Mäßigung eingegeben sein. Ich hoffe, ihnen demnächst weitere Aufklärungen geoen zu können. Die Bedenken, die General Bourgeois zum Ausdruck gebracht hat, em» ^findet die Regierung auch und sie wird die notigen Maßregeln ergreifen.

Damit wird die Generaldiskussion über das Budget des Auswärtigen geschlossen. Alle Artikel werden angenommen, darunter auch Artikel 9, der die W i e d e r h e r st e l l u n g der Botschaft beim Vatikan vorsieht. Dieser Artikel wird mit 158 gegen 12 Stim­men angenommen. Das Gesamtbudget wird nrit erhobenen Händen angenommen.

Amerika und das Sicherhettsproblem

Renmorf, 26. Mai. Nach einer Meldung derAssociated Preß" aus Washington ist Coolidge nicht der Ansicht, daß sich die Ver­einigten Staaten an den augenblicklichen Ver­handlungen zwischen den europäischen Natio­nen bezüglich des von Deutschland vorgeschla­genen Sicherheitspaktes beteiligen sollten. Ob­gleich der Präsident offiziell von einem solchen Vorschlag nicht benachrichtigt worden sei, könne dennoch bestimmt versickert werden, daß sich an seiner Ansicht, die Frage der Sicherheit lei ein Problem, das von den europäischen Nationen allein gelöst werden müsse, nichts geändert habe. In Regierungskreisen hege man nach wie vor den lebhaften Wunsch, daß die Sicherheitsfrage in zufriedenstellender Weise gelöst werde. Man fet noch immer be­reit zu helfen, soweit dies möglich sei, »hne die Vereinigten Staaten in die europäischen poli­tischen Fragen zu verwick-'n. Ewlidge in­teressiere sich sehr für di- amerikanischen Vor­schläge bezüglich der Förd-nmg de: deutschen Industrie. Der Präsident betrachte diese An­gelegenheit hauptsächlich vom aesckäftlicken Standpunkte, glaube jedoch, man könne sich darauf verlassen, daß die amerikanische Regie­rung soweit wie möglich die Bestrebungen der Handels- und Finanzkreise erleichtern werde, um zur Gesundung der deutsches Wirtschaft beigutragen.

Ein Franzose über die Kriegs- vermliworMchkett.

Paris, 26. Mai. Victor Margueritte, der sich in derEre Nouvelle" regelmäßig mit der Frage der Kriegsverantwortlichkeit be­schäftigt, hat den ersten Teil des Werkes, das den DesamttstelLes Criminels" (Die Vsr- breckDr) führt, erscheinen lassen. Der vorlie­gende erste Band führt den Untertitel: Der letzte Krieg. Margueritte behandelt im ersten Kapitel seines Buches die Zeit von 18791912 und im zweiten Kapitel die Zeit von da ab bis zum Kriegsausbruch. Er kommt schließlich in den Hauptkapiteln des Werkes zu folgenden Schlußfolgerungen: Die französisch-russische Allianz, die als ein Defensivinstrument bis 1911 den Frieden zu erhalten gewußt hat, wird durch die Militärabkommen von 1906, 1911, 1912 und 1913 eine Kriegswaffe. Die Klugheit der Präsidenten Fallieres und Cail­laux genügten jedoch 1912, um während der zweiten Marokkokrise den Konflrktzu vermei­den. Don 1912 ab, als Poincarè Ministerprä­sident geworden war, erkennt man die klare Entwicklung unserer Außenpolitik. Sie folgt der Politik von Iswolski. Der Weg nach Straßburg und Metz führt von nun ab durch den Balkan auf Umwegen über Petersburg. Als 1913 Poincarè Präsident der Republik wurde, fährt er fort zu regieren. Dank der russischen Geheimfonds, zu denen sich die sran- zösifchen Unterstützungen gesellen, wird die öffentliche Meinung anläßlich der Balkan - aktion auf die Möglichkeit eines Krieges vor­bereitet. Dann folgt das Drama von Sarajewo und die Reise Poincarès und Vivianis an den Hof des Zaren. In diesem Augenblick waren die französischen und russischen Absichten klar, sodaß der russische Kriegsminister, General Suchomlinow, derselbe, der erklärte, Rußland sei bereit, Frankreich müsse es auch sein in seinen Memoiren schreiben konnte: Ich bin vollkommen davon überzeugt, daß die Wahl zwischen Krieg und Frieden damals entschie­den wurde und zwar in dem Sinne, daß der Großfürst Nicolaus, Ssasonow und Poincarè sich das Wort gaben, auf alle Fälle jede friedliche- s um g zum Scheitern zu bringen.

Soweit die französische Veramwortlichkeit. Margueritte spricht alsdann von der eng­lischen Verantwortlichkeit und auch von dèr Schuld Oesterreichs und fährt fort, Deutsch­land sei noch schuldiger als Oesterreich und Rußland, weil es trotz seines mittelmäßigen und impulsiven Kaisers durch seine hohe Kul­tur und seine treffliche Arbeit am mächtigsten gewesen sei, und weil es in seinem blinden Kult für die Kraft am 5. August mit dem barbarischsten aller Kriege den Anfang ge­macht habe. In dickem Verbrecken, das alle Regierungen begangen hätten, gebe es aller dings keine einseitige Saulü, sondern eine geteilte Verantwortlichkeit. Warum also bie­ten Artikel 231 des Vertrages von Versailles, der die Regelung der Reparati-m.fraqe von der Erklärung Deutschlands abhängig inackt . . . weil ich, da ich zuerst ergriff allein - hul­dig bin? Schon Montesquieu hat gesagt: Der wahre Urheber des Krieges istnichtder, der ihn erklärt, son­dern her, der rhn unvermeid- macht.

Zum Gedächtnis Albert Leo Schlagelers.

Zum zweiten Male jährte sich gestern der Tag, an dem Albert Leo Schlageter fein junges, hoffnungsvolles Leben aus innerster Ueber­zeugung für fein Vaterland dahingab. Nie ver­gessen darf in Deutschland sein Name werden, denn Albert Schlageter hat sein Leben nicht, wie so viele andere Opfer französischer Brutali­tät, im Ruhrkampf dahingegeben, sondern er ist durch Hinrichtung ermordet worden auf Befehl des amtlichen Frankreich, durch dessen höchste Gewalt, den französischen Ministerrat. Dadurch ist uns der Name Schlageter zu einem Symbol des Leidens und der Vergewaltigung des Jah­res 1923, aber auch zu einem Symbol der Treue und des Tatwillens geworden, der sich dieser brutalen Vergewaltigung entgegenstemmte.

Deutschland muß leben und wenn wir ster­ben müssen". Dieser Spruch, der auf seinem Grabstein in Schönau eingehauen ist, war der Leitstern für sein ganzes Leben. Von der Schul­bank hinweg, meldete er sich bei Beginn des Krieges freiwillig in den Heeresdienst und wurde im Verlauf des Krieges durch seine stramme Führung zum Offizier befördert. Mit der ganzen Begeisterung feines jungen Herzens erfüllte er feine Pflicht im Dienste des Vater­landes. Als die November-Ereignisse den K^èg beendeten, meldete er sich zum Studium Der Theologie in Freiburg an, aber die Not und Drangsale seines Vaterlandes riefen ihn bald an die Ostgrenze, wo es galt, das Baltenland von der Herrschaft der Bolschewisten zu befreien. Unter den Namen der Vefreier Rigas wird auch der seinige immer in hohen Ehren genannt werden. Im Ruhrkampf, der ihn, wie über­all, wo es galt, deutsche Ehre zu verteidigen, auf dem Poften fand, wurde seinem Streben ein jähes Ziel gesetzt. Die letzten Briefe Schlage­ters aus dem Gefängnis, an die Seinen gerich­tet, sind ein Vermächtnis an die deutsche Nation. Glaube an Gott, Ehrfurcht vor der Familie, Liebe zu Volk und Heimat, Demut in der eige­nen Tat, das ist der Geist, der aus diesen Brie­fen spricht. Und welche Seelengröße spricht aus seinen Taten: Ablehnung eines Defreiungsver- suches durch Bestechung, Ablehnung der Unter­schrift unter ein Gnadengesuch bis zu seinen letzten Worten:Es lebe Deutschland!" Jede Handlung ein Umsetzen seiner Worte in die Tat.

Viele Namen, die man heute zu den Großen des Volkes zählt, werden verhallt und ver­klungen sein, der Name Schlageter aber wird immer mit Stolz und mit Ehrfurcht genannt werden solange es Deutsche gibt und die deutsche Zunge klingt. Immer werden deutsche Mütter ihren Kindern raunen vom Helden Schlageter, der bis zum Opfertod die Treue hielt seinem Volke und seinem Vaterlande. Die Saat, die er

gesät hat, ist auf gegangen und wird weiter­wachsen und Früchte tragen, und ein glückliche­res Deutschland wird noch in fernsten rT ' 'fingen vom treuen Helden Schlageter.

In wenigen Tagen, am Pfingftfeste werden wieder deutsche Männer aus allen Teilen des Vaterlandes an seine letzte Ruhestätte wall­

Zeiten

fahren. Der Jungdeutsche Orden wird unter Führung Pfarrer Hochmeisters den Grundstein legen zu seinem Nativnaldenkmal auf heimat­lichem Boden. Weihevolle Stunden stehen dort bevor, und die Bruderschaft Schönau wird ihr letztes daransetzen, um allen Brüdern aus allen deutschen Gauen bleibende Erinnerung und neue Stärkung für den Kampf um den jung- deuffchen Gedanken mit nach Hause zu geben.

Deutschland muß leben, und wenn wir ster­ben müssen", dies wollen wir auch am zweiten Erinnerungstage seines Todes als Wahlspruch hinaustragen in das ganze deutsche Volk-

Riesenexplosion in Mukden.

Wie die Blätter berichten, vernichtete eine große Explosion das Militärarsenal in Muk­den und zerstörte alle Gebäude im Umkreis von einem Kilometer. Etwa 300 Menschen sind ums Leben gekommen. Die Ursache des Unglücks ist noch unbekannt.

Der Deutsche Reichskriegerbund Kyffhäuser" zur Auswerlungsfrage.

kyk. Der Deutsche ReichskriegerbundKyff­häuser" hat unter dem 2. Mai dem Reichstag in Angelegenheit der Aufwertungsfrage der Kriegsanleihe durch den Vorstand folgende Pe­tition unterbreitet:

Der Reichstag wolle bei den bevorstehenden Verhandlungen über die Aufwertungsfrage da­für eintreten, daß die Vorteile, die den als Selbstzeichner von Kriegsanleihe in Betracht kommenden Einzelpersonen zugebilligt werden, auch Vereinen zugute kommen, die seiner Zeit Kriegsanleihe gezeichnet haben und dies nach­zu weisen in der Lage sind, und zwar ohne Rücksicht darauf, ob die Vereine in das Ver- einsregister eingetragen sind oder nicht. Es dürfte den Mitgliedern des hohen Hauses be­kannt sein, daß in den Kriegsjahren sehr viele Vereine ihr ganzes Vermögen oder doch wenig­stens einen großen Teil desselben in Kriegs­anleihe angelegt haben und durch die Folgen der Inflation zur Zeit verarmt und fast mittel­los dastehen. Gleichzeitig erlauben wir uns, dem Reichstage in der Anlage eine Abschrift unseres an den Herrn Reichsfinanzminister unter dem 1. 4. ds. Js. zugegangenen Schrei­bens einzureichen mit der Bitte, sich auch der hier aufgeworfenen Frage betreffend eine be­vorzugte Auftvertungsquote für die an der Front gezeichnete Kriegsanleihe, mit allem Nachdruck annehmen zu wollen."

In dem hier erwähnten Schreiben an den Reichsfinanzminister bittet der Vorstand der genannten Organisation im Namen vieler Tau­sender von Frontkämpfern des Weltkrieges bei Fassung neuer Beschlüsse hinsichtlich der Auf- Wertung öffentlicher Anleihen eine bevorzugte Aufwertungsquote für die an der Front gezeich. nete Kriegsanleihe festzusetzen. Zur Begrün­dung dieser Bitte wird auf die Tatsache ver- miejen, daß die ehemalige Reichsregierung während des Weltkrieges durch Vermittlung der Leeresleituna an die an der Front beiind-

lichen Soldaten mit dem Ersuchen Herangtztre- ten ist, sich nach Möglichkeit an der Zeichnung ' der Kriegsanleihe zu beteiligen. Da auf Diese Weise von feiten der Frontkämpfer teils klei- - nere, teils größere Beträge Kriegsanleihe ge, zeichnet worden sind, dürfte wohl kein un. billiges Verlangen darin zu erblicken fein, wenn man von der Reichsregierung erwartet, daß unseren ehemaligen Frontkämpfern wenigsten; in dieser Hinsicht eine Dankesschuld abgetragen wird. Wir wollen hoffen, daß sich der Reiche tag den durchaus verständlichen Ausführungen des.Kyffhäuserbundes in dem mehr als 32 Tau­send Vereine mit einer Mitgliederzahl von über 3^ Millionen ehemaliger deutscher Soldaten zusammengeschlossen sind, nicht verschließt uni der Dank des deutschen Volkes, der einst unsern : feldgrauen Helden ja bekanntlich sicher sein sollte. ; durch die berufenen Volksvertreter nun endlich auch wenn auch nur zu geringem Teil abge­stattet werden wird.

Aus aHer Wett.

Großfeuer in einem Holzlager.

Riesa, 26. Mai. Heute morgen gegen 4 Uhr entstand in dem am Hafen gelegenen Holz­lager der Hobel- und Sägewerke von Georg Müller in Gröba aus unbekannter Ursache ein Großfeuer, das an den riesigen Vorräten an Rundhölzern verschiedener Art reiche Nah­rung fand und eine benachbarte chemische Fabrik in Mitleidenschaft zog. Die aus Riese und Umgegend, aber auch aus Dresden und Leipzig erschienenen Feuerwehren mußten sich auf den Schutz der umliegenden Gebäude beschränken. Die Umgebung der Brandstätte ist durch die Schutzpolizei abgesperrt. Men­schenleben sind, soweit bisher bekannt, nicht zu Schaden gekommen. Dagegen soll der Sach schaden sehr groß sein.

Erdrutsch.

Bei dem Bau einer Straße in Oberrieden in Schwaben rutschte eine große Geröllmasse und begrub eine Anzahl Arbeiter unter sich Zwei Personen wurden getötet; weitere Per­sonen wurden verletzt.

Eine Tragödie der Jugend. Aus Mnichowit (Böhmen) wird uns geschrieben: Der 19jäbrigc Lackiergehilfe Josef Raubitschek unterhielt schon seit längerer Zeit mit der 15jährigen Wladis- lawa Zadil ein Liebesverhältnis. Da alle Drohungen und Bitten der Mutter des Mäd­chens, von dem Burschen zu lassen, erfolglos blieben, sollte die Wladislawa in eine -entfernte Stadt zu Verwandten gebracht werden. Eine solche Trennung jedoch vermeinte das Liebes­paar nicht ertragen zu können und beschloß, ge­meinsam zu sterben. Als Raubitschek diesen Plan seinem Freunde, dem gleichfalls 19 Jahre alten Lackiergehilfen Heinrich Schwarz mit- teilte, bat dieser den Raubitschek, er moaLauâ Zeit mit Selbstmordgedanken, es fehle ihm je­doch der Mut. Die drei jungen Leute verhandel- ten in der Sache und kamen zu dem Entschluß, in einem Wäldchen unweit ihres Heimatorte- Mnichowitz die Tät auszuführen. Zunächst ver­faßten sie Abfchiedsbriefe, in denen sie genau über die Entwicklung ihres Vorhabens berichte­ten. Dann kauften sie eine Flasche Wein uni gingen in den Wald. Bis spät in die Nacht hinein hörte man im Dorfe den Gesang bet Drei. Zum Schluß aber ertönten sieben Schüsse. Raubitschek hatte feiner Geliebten und feinem Freunde je drei Kugeln in die Brust geschossen und dann sich mit einem Schuß in die Schläft getötet.

Landkreis Kanau.

Don der Kleinbahn überfahren.

Langenselbold, 27. Mai. Kurz vor dem hiesigen Kleinbahnhof ereignete sich heule morgen ein schwerer Anfall. Die 81 Jahre alle Frau Katharina Kleiber, die bei ihrer Tochter wohnt, wollte mit einem zwei Jahre alten Kind die Gänse auf die Weide bringen und benutzte hierbei den kurz vor dem Bahn­hof befindlichen Uebergang in dem Augen­blick, als ein von Hanau kommender Klein­bahnzugunter Abgabe von Darnungssignalen sich näherte. Der Zug konnte nicht mehr rechtzeitig zum Stehen gebracht werden, sodaß die alte Frau sowie das Kind von der Lokomotive er­griffen wurden. Der Frau wurde das linke Bein unterhalb des Knies und dem Kinde ein Fuß abgefahren. Beide verunglückte wurden sofort mittels Sanitätsauto in das Hanauer Landkrankenhaus gebracht.

Wie wir nrrz vor Redaktionsschluß erfahre» ist die Frau gegen %12 Ahr gestorben.

ff*WltggEMaESa8MMijSIMO!IMI^^

Klubsessel oder Holzschemel!

Genau so leicht wie Dir die Wahl zwischen diesen beiden wird, genau so leicht solltest Du Dich auch für den überaus elastischen

entscheiden. Ermacht selbst die schiech» testen Wege zur Asphaltstraße.

(Fahr* nach derContinentabStraßenkarte t)