LVv. Jahrgang.
ganauer 8 Anzeiger
General-Anzeiger für die Kreise Kana« Stadl und Land.
Erscheint täglich mit Ausnohm« der Sonn- und Feiertage. / Fernivrech-Anschluß Nr. 1237 und 1238.
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Nr. 121
Das Neueste.
— Von Amundsen liegt noch kein Lebenszeichen vor.
— Im Steuerausschuß des Reichstags ourde der deutsch-demokratische Antrag, nachträglich eine Steuerveranlagung für 1924 vorzunehmen, abgelehnt.
— Die privatwirtschaftlichen Besprechungen
rufgenommen worden.
— Die Stadt Bonn beging gestern in festlicher Weise ihre Jahrtausendfeier.
— Die Erörterung der sozialistischen Interpellation über die Marokkopolitik des Kabinetts Painlevè ist auf morgen Mittwoch verschoben worden.
Die rheinischen Separatisten und der arvtzdeutsche Gedanke.
1923 findet
Der Separatismus, wie er im Herbstputsch sich in seiner Sündenblüte entfaltete, heute selbst in den Reihen seiner ehemaligen Anhänger keine allzu große Beliebtheit mehr. Dieser Separatismus der Gewalt-
tätigfeit und des unleugbaren Landesverrates verkriecht sich und kehrt zu dem Programm der Vorputschzeit zurück, in der er von Deutschtum triefte und nur den rheinischen Bundesstaat im Rahmen des Deutschen Reiches verlangte. Als „Völkerbrücke" — man weiß — auf der der Friede mit dem Palmenzweig zwischen Frankreich und Deutschland hin- und herspaziert. Der Friede mit dem Januskopf — auf der einen Seite Dorten, auf der andern Smeets ober Matthes.
W sind Komödianten, dèxfe Putschhelden, labe so viel ehrliè^Micyeleydie ihnen ihre vergebliche Rückkehr zur Reichstreue aufs Wort glaube. Gill das vielleicht weniger von Dorten — er scheint ja in Paris untertauchen )u wollen — so umsomehr von Matthes, der n Straßburg seins so und sovielte Heimat !ucht und der tatsächlich die Einsicht der rhei- aischen Bevölkerung derartig unterschätzt, daß er glaubt, mit der Vorspiegelung der Verfassungsmäßigkeit seiner Handlungsweise Gimpel auf den Separatistenleim locken zu können.
Allerdings ist ihm in der Zwischenzeit sein Mazedonien zu klein geworden. Sein separa- listisches Vaterland muß größer sein als Rheinland, ein Stück Westfalen und die Pfalz.
gab vor ein paar Wochen Augenblicke, wo Matthes von einem Lotharingerreich von Bel- zien das ganze linke Rheinuser hinauf unter Einschluß des Elsaß träumte. Aber selbst bieier ^anke war nicht in seinem nur reproduk- tuen Kopf entstanden. Er hatte ihn aus eng- Mer Politikklitterung übernommen; und selbst die Engländer hatten mit dieser Idee Ws Neues in die Welt gesetzt. Wenn man Erinnerung in den Anfang Dezember zurückgeht, als unter der Drohung des vevorstehenden Einmarsches der Franzosen vie bisherige Staatsauffassung begreiflicher- wenn auch bedenklicherweise in sonst klugen des Rheinlandes einen Augenblick zu schwanken begann, dann trifft man bereits vamals auf die „Romantik" der Wiedergeburt oes i.otharingerreiches, das ein Eigenleben Seit » Deutschland und Frankreich führen
alles das zu dem Zwecke, die fran- oilsche Annexionsgefahr mit Hilfe des Selbst- veitimmungsrechtes der Rheinlandbevölkerung wzuwehren und so das Deutschtum auf dem Mken Rheinufer zu retten. Aber dieser Spuk des ^otharingerftaates hatte damals nur die pafemsfrüt einer Eintagsfliege. Nach einem halben Dutzend Jahre, im Augenblick, da England sich weigerte, die Kölner Zone zu räu- iRbninsnn-J6 benh^ ^ man sich im ganzen Inland und im unbesetzten Deutschland schickt, das tausendjährige Jubiläum des von Heinrich I. gegründeten Deutschen Reiches u feiern, von dem das Rheinland vom ersten ilugenblick des Reichsbestehens an einen vesentlichen und wichtigsten Teil bildete, in Wm Zeitpunkt wurde das kümmerliche Ge- »lde eines Lotharingerreiches wieder hervor- pholt. Diese Jdeenruine hatte drei schmäch- oge Stützen: den Pazifismus mit unausgesprochener aber tatsächlicher Vertretung der französischen Annexionsinteressen; die Völker- rundsschwärmerei nach Art Macdonalds und angeblich auch Herriots, die kn einer „ent- nilitarifierten" Rheinlandzone unter nomb heller, in Wirklichkeit französischer Völker- dundskontrolle das Heil Europas sucht; und schließlich die romantische Stimmung einiger «noerharen Schwärmer für die Kaiieridee
Dienslag den 26. Mai
Der engl-franz. Meinungsaustausch
Deutsche Thesen vor dem Völkerbund dringen nicht durch. — Keine Abänderung der bestehenden Gesetze.
Paris, 25. Mai. Das „Journal des Dsbats" schreibt über den Meinungsaustausch, der zwischen dem englischen Kabinett und dem franzö- fischen Ministerium des Aeußern hinsichtlich der der Reichsregierung zu erteilenden Antwort über den Vorschlag des Abschlusses eines Sicherheitspaktes gepflogen wird:
Dieser Meinungsaustausch kann bis ins Unendliche andauern. Durch den Bericht der Kontrollkommission über die Entwaffnung Deutschlands, der seit Anfangs Januar in Bearbeitung ist, ist den bürgerlichen und den militärischen Diplomaten ein Mittel in die Hand gegeben, um Monate, vielleicht sogar Jahre lang ihr Talent zu beweisen. Es wird das Gerücht verbreitet, daß Briand und Chamberlain im Laufe der nächsten Tagung des Völkerbundsrats, der sie beide beiwohnen werden, eine Lö- | u n g suchen werden. Das ist nur eine Vermutung, denn man fragt sich, ob die beiden Minister mehr Glück haben werden, sich im Verlaufe von direkten Verhandlungen im Juni zu einigen, als durch die zahlreichen Verbalnoten oder geschriebenen Noten, die seit Februar ausgetauscht worden sind. Am 8. Februar hat Botschafter v. Hoesch dem damaligen Ministerpräsidenten Herriot die deutschen
Stresemann von Paris eine getrennte Antwort erwarte oder ob es sich um eine Angelegenheit handle, die eine gemeinsame Antwort der verschiedenen direkt oder indirekt an dem deutschen Vorschlag beteiligten Regierungen erfordere. Nach den letzten Nachrichten aus London ist die b r i t i s ch e R e g i e- rung mit dem französischen Standpunkt über Artikel 19 des Völkerbundsstatuts und des Artikels 80 des Friedensvertrages nicht einverstanden. Das „Journal des Dèbats" ist der Ansicht, daß die Texte dieser beiden Artikel genügen und daß es unnütz sei, eine neue Definierung vor-
des heiligen römischen Reiches deutscher Nation. Es genügen die Namen des Kölner Professors Schmittmann und des Wiener Dr.
Eberle, um die Endpunkte dieser Bestrebungen zu nenen, die in ihrem letzten Ziel doch auf die Ersetzung des deutschen Bundesstaates Bismarckscher Fassung durch einen Staatenbund heillosen Angedenkens hinauslaufen.
Es wäre unrecht, die schädlichen Wirkungen solcher Ideologien zu auch sicherlich wahr if
solcher Ideologien zu unterschätzen. Wenn es auch sicherlich wahr ist, daß sie im Augenblick in ihrer Gegenwartsfremdheit noch nicht in die großen Massen gedrungen sind, so ist doch nicht zu verkennen, daß sie von gewissen einsamen Stellen gerade auf dem Gebirgslande am Rhein weitergetragen werden und als noch kaum sichtbare Unterströmungen in einzelnen Presseorganen für das schärfere Gehör schon vernehmbar fließen. Es ist daher mit aller Sorgfalt auf die Ausdehnung und Ausbreitung der Staatenbundstheoretisiererei zu achten. Denn letzten Endes soll dieses in sich doch völlig haltlose Gebilde eines Lotharinger- staates, wenn es nach dem Willen seiner Befürworter geht, seine eigentliche Stütze erst mit der Einfügung in ein förderalistisches System erhalten, das sich von Belgien den Rhein aufwärts über Bayern nach Osterrich hinein erstrecken und so angeblich den großdeutschen Gedanken verwirklichen soll. Daß ein s o l ch e s
„Großdeutschtum" ungefähr das Gegenteil der Verwirklichung eines tatsächlichen Großdeutschlands sein würde, ist jedem klar, der in der Gegenüberstellung von West-Süddeutschland gegen Norddeutschland eine Spaltung des deutschen Volkstums und nicht seine völlige Einigung sieht. Ganz abgesehen davon, daß die Rückkehr zu der schwachen Figur des Staatenbundes und die Abkehr von dem sicherlich den förderalistischen Gedanken pflegenden Bismarckschen Bundesstaat das Verlassen des letzten machtpolitischen Fundaments ür den Selbstbehauptungskampf des deut- chen Volkes gegen die französischen 31 zungspläne bedeuten würde, o müßt
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zungspläne bedeuten würde, o müßte die chroffe Gegenüberstellung des vom „Lotha- ringerstat" her über Bayern nach Oesterreich
zunehmen, habe doch der Völkerbund schon anläßlich eines Antrages von Bolivien die deutsche Formulierung der Revision der Verträge abgelehnt. Was die Schiedsgerichtsbarkeit anbetreffe, fo fei diese strickte behandelt durch den Artikel 13 des Völkerbundsstatuts und die Artikel 36 und 38 der Statuten des ständigen internationalen Gerichtshofes im Haag. Frankreich habe also keine neue Definition vorzuschlagen. Es habe nur zu fordern, daß Deutschland als zukünftiges Mitglied des Völkerbundes das Völkerbundsstatut und das Statut des internationalen Gerichtshofes respektiere. Was die An g li e-
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derung Oesterreichs an Deutschland anbetreffe, so genüge es, auf den Artikel 80 des Friedensvertrages Hinzuweis- vorausgesetzt, daß alle Freunde Frankreichs entschlossen seien, den Inhalt dieses Para-
araphen voll aufrechtzuerhalten. Gewiß könne Deutschland als Mitglied des Völkerbundsrates Schwierigkeiten bereiten. Man müsse sich darauf gefaßt machen. Aber es werde ihm nicht gelingen, seine These zum Siege zu führen. Frankreich müsse also im ganzen genommen sich um jeden Preis hüten, jetzt fordernd aufzutreten. Es müsse nur darüber wachen, daß ein zukünftiger Sicherheitspakt den Respekt vor den bestehenden Verträgen nicht in Frage stelle.
auf den deutschen Sicherheitspaktvorschlag zu prüfen. Alle über die Stellungnahme der britischen Regierung veröffentlichten 'Mitteilungen seien daher verfrüht. Auch in der Frage der alliierten Abrüstungsnote sei während des Wochenendes keine neue Entwicklung zu verzeichnen gewesen. Ein Gedankenaustausch darüber sei weiterhin im Gange. Es sei jedoch noch nicht sicher, wann die Frage wieder vor die Botschafterkonferenz kommen werde.
Hin, wenn auch lose, organisierten katholischen Teils unseres Volkes gegenüber dem überwiegend protestantischen Norden als die schwerste Versündigung an dem seelischen Drang unsrer Nation nach staatlicher Gestaltung des gesamten deutschen Volkstums aufgefaßt werden.
Es wäre unrecht, zu behaupten, daß ein Matthes von den Männern, die sich um die Regeneration der reaktionären Staatsidee des heiligen römischen Reiches mühen, als Bundesgenosse bei der Errichtung eines lotharingischen Zwischenstaates willkommen geheißen werde. Aber daß ein Matthes sich an diese sogenannte Staatsidee herandrängen möchte, liefert den besten Beweis, daß sie, diese Idee, wenn sie verwirklicht werden könnte, wie ein Sprenovulver auf das politische Gefüge des großdeutschen Volkstums wirken und den französischen Annexionsplä- nen in die Hände arbeiten müßte. Die Konsuln mögen sich vorsehen.
Don der Deutschen Dotksparket.
Berlin, 26. Mai. Auf der Tagung des Zentralvorstandes der Deutschen Volkspartei wurde folgende Entschließung einstimmig angenommen:
„Die Nationalliberale Partei beschloß in der Sitzung ihres Zentralvorstandes vom 15. Dezember 1918 unter dem Namen Deutsche Volkspartei ihre leitenden Ziele und Grundsätze weiter zu ver- folgen. Schon hieraus ergibt sich die Aufgabe der Deutschen Volkspartei, Hüterin der liberalen Tradition der alten Partei zu sein, dazu ist sie um so mehr berufen, als Ueberspannung der formalen Demokratie und Massenherrschaftsbestrebungen ein Gegengewicht erfordern. Niemals wird die Deutsche Volkspartei den nationalen Ideen, die einst Bennigsen, niemals den sozialen Ideen, die Bassermann im Liberalismus zur Geltung brachte, untreu werden. Wir begrüßen es, wenn die Gedanken des Liberalismus wieder einer vertieften wissenschaftlichen Erörterung zugeführt werden, lehnen aber die Beteiligung an Bereinigungen, die eine eigene Parteibil»
T»«™. — ^^— ^ dung anstreben, aber vermöge ihrer organi fatorifchen Einrichtungen zu einer solches führen müssen, entschieden ab."
An den Reichspräsidenten: „Des zum ersten Male nach den Reichspräsidenten wählen versammelte Zentralvorstand bet Deutschen Volkspartei sendet Ihnen, Herf Reichspräsident, ehrerbietigen Gruß und vev spricht mit allen Kräften mitzuarbeiten an des großen Aufgabe der Einigung unseres Voll« zum gemeinsamen Wiederaufstieg."
An den Duisburger Oberbürgermeister St, Karl Jarres: „Der Zentralvorstand bei Deutschen Volkspartei bedauert lebhaft, Sis
heute nicht in können. Er hätte
i seiner Mitte begrüßen zf ! Ihnen gern persönlich ausgs sprachen, was wir Ihnen hiermit übermittel» Grüße und Dank für alles, was Sie für das Vaterland getan haben."
An das R h e i n l a n d: „Der Zentralvorstand der Deutschen Volkspartei sendet dem Rheinlands seinen Gruß. Gemeinschaft des Blutes und tausendjährige Schicksals- und Kulturgemeinschaft haben uns unlösbar verbunden. Ein Deutschland ohne Rheinland, ein Rheinland ohne Deutschland, beides ist unmöglich. So euer, so unser Glaube."
Sie Lage Ser Landwirtschaft.
Berlin, 25. Mai. Im Unterhaus des preu» ßischen Landtags erklärte Landwirtfchafts- ministr Steiger u. a.: Wir müssen die Erträge der Landwirtschaft steigern. Im Iahn 1924 wurden 2609 neue Siedlerstellen geschaffen. Bis zum 1. Mai wurden 20,9 Millionen Mark an 350 öffentlich-rechtliche Ge-
ster: Die Landwirtschaftsschulen sollen zu Re» olschulen oder landwirtschaftlichen Aufbau« schulen mit einer Fremdsprache umgewandelt werden. Die Zahl der Fortbildungsschulen habe sich verdreifacht. Der Verbrauch vori Stickftosf habe sich im vergangenen Winter gegenüber 1913 um 130 000 Tonnen, der Ber- brauch von Kali um 113 000 Tonnen geftei» gert. Dagegen seien um 16000 Tonnen Superphosphate weniger verbraucht worden. Del Viehbestand habe noch nicht die Vorkriegs- Höhe erreicht. Nur der Pferdebestand fei 2,37 Proz. höher. Sehr drückend sei die Sri not der Landwirtschaft. Im kommenden Herds! seien von der preußischen Landwirtschaft runk 800 Millionen Mark Kredite zurückzuzahleft
ms 'edit
Das Ergebnis der SchnMelarbsN. Eine Liste der großen und kleinen Verfehlungen."
London, 23. Mai. Heute bin ich in der Gag^ eine Aufstellung b“
der „Entwaffnungs-Verstöße zu geben, wie sie in einer Liste der Note bei« gefügt sein werden, die die Franzosen der deut- schen Regierung unterbreiten werden. Die List« zerfällt in zwei Teile, eine persönliche und ernt materielle; die persönliche wieder in zwei Teile, und zwar große und kleine „Verfehlungen". Zur Gutmachuna der „großen Verfehlungen' wird verlangt: Die Ummodlung des deutsche« Generalstabes, die Auflösung „ungesetzlicher Verbände (Stahlhelm usw.), eine starke Ver» Minderung der Generalstabsoffiziere, die Aushändigung und Vernichtung von Mobilifa- tions- und Operationsdokumenten oder- planen, der Abbau von militärischen Schulen sowie der Fortfall der militärischen Erziehung von Studenten, gänzliches Verbot irgendwelcher Frei« willigenvsrbände und Auflösung aller schon bestehenden. Soweit die persönlichen Verfehlungen. Die materiellen lauten: Diejenigen Festungskano',ien, die noch mobil montiert sind, müssen „fixiert" werden, eine Anzahl von Maschinen bei Krupp sowohl wie in Spandau müssen demontiert und zerstört werden. Di« kleineren materiellen „Verfehlungen" sind rote folgt feftgelegt: Es muß viel deutlicher gemacht werden, welche Fabriken nunmehr die Muni- tion für Deutschland herstellen dürfen. Nach dem Friedensvertrag sind solche Fabriken festgelegt, aber gerade sie liegen still, während andere mit der Munitionsfabrikation beiruf. tragt sind. Ferner wird der Erlaß von Gesetzen verlangt über die Einfuhr und Ausfuhr von Waffen und Munition, die gänzlich verboten werden soll. Die Polizei soll teils entmilitarisiert teils dezentralisiert werden. Schließlich soll ieftaektellt werden, mieoüä