zo o. Jahrgang.
Hanauer N Anzeiger
General-Anzeiger für die Kreise Kanan Stabt und Land.
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Nr. 113
Freitag den 15. Mai
1925
Das Neueste.
__Das heute morgen in unserer Stadt verbreitete Gerücht, daß Reichspräsident von Hindenburg ermordet worden sei, ist von Ankang bis Ende frei erfunden.
Die hinter der Reichsregierung stehenden Fraktionen des Reichstags haben für die Beratung der Aufwertungsvorlagen verschiedene Richtlinien vereinbart.
— „Daily News" bringt die Meldung, daß gestern das Gerücht im Umlauf war, wonach Chamberlain zurückgetreten fei. Das Blatt bemerkt aber, wenn dies geschehen sollte, könnte es nur auf den Gesundheitszustand Chamberlains und nicht auf poliffche Gründe zurückzuführen fein.
— Wie aus Kopenhagen berichtet wird, ist der angekündigte Transportarbeiterstreik heute i früh eingetreten.
Diplomaten • Mam bei MeMg
Einigung der Parteien in der Aufwerlungsfrage.
25%ige Hypokhekenaufwertung. — 25%ige Aufwerfung der Industrie-Obligationen. — Ablösung der alten Anleihen durch eine neue
yi 5 %.
Die vom Reichskanzler kn Verbindung mit den hinter der Regierung stehenden Parteien eingeleiteten Verhandlungen in der Aufwertungsfrage haben zu einem Erfolg geführt, der allerdings von Seiten der Reichsregierung ein Zugeständnis erfordert. Die Einigung ist In die Form eines Kompromisses ge-
Berlin, 14. Mai. Der Reichspräsident hat heute mittag die Glückwünsche der hier beglaubigten fremden Missionschefs entgegengenommen. Hierbei hielt der Doyen des diplomatischen Korps, der apostolische Nuntius P a c e l l i, in französischer Sprache die Ansprache, die in der Uebersetzung wie folgt lautet:
Herr Reichspräsident! Das diplomatische Korps ist hoch erfreut, heute sich um Ihre Person vereinigen zu können, um dem neuen Reichspräsidenten seine aufrichtigen und ehrerbietigen Glückwünsche darzubringen. Wir hegen den Wunsch, daß unter Ihrer weisen Führung die deutsche Nation im Innern nicht allein ihre materielle Wohlfahrt, ihre Arbeits- und Produktionsfähigkeit, sondern auch die Güter höherer Ordnung zur Blüte bringen möge, welche die sicherste Gewähr für Zivilisation und Fortschritt der menschlichen Gesellschaft bieten. Wir wünschen, daß unter Ihrer höchsten Leitung der deutsche Staat nach außen hin seine Beziehungen zu den anderen Völkern befestigen möge, zum Triumph der großen Sache der Weltbefriedung.
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; Ileidet, dendisParteienuntereinan- I der abgeschlossen haben und der als I Antrag dem Reichstag zugehen wird. Der In- _ Mt ist siemtidj umfangreich, aber im I wesentlichen fotz ‘ hypothekenaufwe— ^, ------ —,—
I der Jndustrieobligationen, Ablösung der Anleihen des Reiches und der Länder durch neue
’ Anleihe zum Satze von 5%. Außerordentliche I Schwierigkeiten dürften nun kaum noch zu er« i warten sein, sodaß man hoffen darf, daß die I Aufwertungsfrage binnen kurzem ihre Lösung I sinken wird.
der Schwierigkeiten der Gegenwart danach streben, unter den Menschen den geistigen Frieden in der Einheit der Wahrheit, den internationalen und sozialen Frieden durch das Walten der Liebe und der Gerechtigkeit begründet zu sehen. In diessm Sinne sei es dem, der es sich zur Ehre und Freude rechnet,
ort an Sie
»ent und die
Nation
Aber auch der Kampf um das steuerfreie Einkommen hat eine > rfolgreiche Lösung erfahren, hier hatten ebenfalls eingehende Befpre-
zuflehen.
Der Reichspr^äfident erwiderte mit folgenden Worten:
Herr Nuntius! Die Worte, die Eure Exzellenz im Namen des diplomatischen Korps an mich, als den vom deutschen Volke erwählten Reichspräsidenten zu richten die Güte
jungen der Regierung und der hinter ihr Gehenden Parteien stattgefunden, die damit mdeten, daß heute der Reichsfinanzminister im Ausschuß des Reichstages mitteilte, die Regierung habe sich bereit erklärt, dis Grenze des steuerfreien Einkommens bis 80 Mark zu ziehen. Sie lei auch bereit, bei Einkommen bis zu 3000 Mark für das zweite Kind eine Ermäßigung von 2% zuzusagen, darüber hinaus könne sie allerdings nicht gehen, da diese Zu- ßeständnifse schon einen Einnahmeausfall von s00 Millionen Goldmark mit sich bringen. Die Reichsregirrung scheint aber trotzdem nicht unbegründete Hoffnung zu haben, daß sich dieser Ausfall wieder hereinholen läßt, denn sonst hätte sie sicher diese Zugeständnisse nicht t gemacht.
hatten, erwidere ich mit Empfindungen auf- richtigen Dankes. Es ist mir eine besondere Freude, die Glückwünsche zu vernehmen, denen das diplomatische Korps in so ehrender sym- pathischer Weise heute für meine Amtstätigkeit und für die Wohlfahrt des deutschen Volkes durch Ihren beredten Mund Ausdruck verleiht. Seien Sie versichert, Herr Nuntius, daß ich die von Ihnen ausgesprochenen Gedanken der Entwicklung aller Elemente des menschlichen Fortschritts in vollem Maße würdige. Wer an die Spitze eines großen Volkes berufen ist, kann keinen höheren Wunsch kennen als den, sein Volk in Frieden und Gleichberechtigung an den Aufgaben der Welt mitwirken zu sehen. Mit Eurer Exzellenz verkenne ich nicht die Schwierigkeiten, die sich auf diesem Wege vor- sinden, aber ich lebe der Hoffnung, daß sie nicht unüberwindlich fein werden. Was an mir liegt, auf diesem hohen Platze zur Lösuna
an
Die Richtlinien des Arrfwerkungs- Kompromisses.
Berlin, 14. Mai. Nach Mitteilungen I 'us parlamentarischen Kreisen wurde zwischen I hinter der Reichsregierung stehenden I »eichskagssrakkionen zur Aufwerkungsvorlage I folgende Aenderungen vereinbart, die auch im I wesentlichen bereits die Zustimmung der I Reichsregierung erhalten haben sollen I = .^ f°a der Aufwerkungsbekraa für alle I Hypotheken und andere dingliche Rechte auf I ? 2^U?"l erhöht werden. Dieser Aufwer' I iLbetrag °ll einheitlich an die alten Rang- ftllen des alten Rechtes eingetragen werden. I per Rang der neu eingetragenen Reicks- I ypokheken in Feingold und der andren Sri I beständigen Hypotheken bleibt gemährt. Be- I ?»gM) der Verzinsung bleibt es bei den Vor- I schlagen der Regierungsvorlage. Der Rück- I ivirkungstermin wird bis zum 15. Juni 1922 I für die volle Höhe des Aufwertungsbekraqes I iuruckverlegt. Der Aufwertungsfatz der Jndn- I trieobligationen wird für die Altbesitzer die I «teils am 1. Juli 1920 im Besitz der Obliqa- lionen waren, um 10 Prozent auf 25 Prozent £ mrch Gewährung von Genußscheinen erhöht, I bie mit besonderen Rechten ausgestaklek werben derart, daß nach Ausschüttung von 6 pro- I ent Dividende an die Aktionäre der Veber-
Huß des Reim I cheine verwan!
igewinns zugunsten der Genuß- ldt wird. Eine Rückwirkung bei
I »er Aufwertung der Jndustrieobligalioneu fin-
iegt, auf diesem hohen Platze zur Lösung unserer Zeit gestellten Aufgaben beizutragen, das soll mit Ernst, mit Gewissenhaftigkeit und mit voller Hingabe geschehen. Wenn' alle Völker gleichen Willens sind, wird auch Gottes Segen, den Sie, Herr Nuntius, für uns anrufen, der Welt nicht fehlen.
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Hierauf zog der Reichspräsident den apostolischen Nuntius in ein Gespräch und nahm die Vorstellung der Botschafter, Gesandten und Geschäftsträger entgegen. Bei dem Empfang waren der Reichskanzler, der Reichsminister des Auswärtigen sowie die Staatssekretäre v. Schubert und Dr. Meißner zugegen.
Empfang der Staatssekretäre.
Berlin, 14. Mai. Der Reichspräsident empfing heute die Staatssekretäre des Reiches. In ihrem Namen richtete Staatssekretär Dr. Joel (Reichsjustizministerium) folgende Worte an den Reichspräsidenten:
„Herr Reichspräsident! Namens der Staatssekretäre der Rsichsministerien gestatte ich mir, Ihnen unsere ehrerbietigen Glückwünsche beim Antritt Ihres hohen Amtes auszusprechen. Es ist unser aufrichtiger Wunsch, daß es Ihnen, Herr Reichspräsident, beschieden sein möge, lange Jahre an der Spitze des Reiches zu dessen Wohl zu wirken. Die in den Staatssekretären der Reichsministerien vertretene Beamtenschaft des Reiches ist durch die Staatsumwälzung und die damit verbundene politische und wirtschaftliche Umschichtung vor schwerste Aufgaben gestellt worden. Getreu ihren großen Traditionen hat die Beamtenschaft in zäher, oft entsagungsvoller Arbeit alle Kraft daran gesetzt, das Reich vor der Auflösung zu bewahren und die staatliche Ordnung sicherzustellen. Das parlamentarische System der neuen Reichsverfassung mit seinem naturgemäß häufigeren Wechsel in der politischen Leitung der Ministerien hat dabei den Staatssekretär vor die besondere Aufgabe gestellt, die Kontinuität der Verwaltung und der fachlichen Arbeit in Ministerien sicherzustellen. Die deutsche Beamtenschaft blickt in Ehrerbietung und mit vollem Vertrauen zu Ihnen, Herr Reichspräsident, auf. Sie ist entschloßen, Sie mit allen Kräften in Ihrem Wirken für den Wiederaufbau un« seres Vaterlandes zu unterstützen, dessen dürfen Sie gewiß sein!"
Der Reichspräsident erwiderte: Meine Herren! Ich danke Ihnen für die freundlichen Wünsche, die Sie mir dargebracht haben und freue mich, Sie persönlich kennen
: lernen. bin mir voll bewußt, daß die gebender fett wesens
hat, daß in den schweren Jahren nach dem Zusammenbruch die staatliche Ordnung und die Einheit des Reiches erhalten geblieben sind. Ich weiß auch, wie sehr gerade Ihre, der Herren Staatssekretäre unermüdliche Arbeit dem deutschen Volke und dem Reiche von Nutzen war und bin überzeugt, daß Sie, meine Herren, auch in Zukunft mit dem Beispiel pflichttreuester Arbeit der Beamtenschaft vorangehen werden. Ihnen, als den Vertretern der Beamtenschaft des Reiches, wie auch persönlich Dank und Anerkennung sagen zu rönnen, ist mir heute eine lebhafte Genugtuung.
Hierauf ließ sich der Reichspräsident die einzelnen Herren vorstellen und unterhielt sich mit ihnen über die Fragen ihrer Ressorttätigkeit und die Beamtenschaft.
Kindenburg bei dem Beichslags- prSfidenlsn Loebe.
Zu dem gestrigen Gegenbesuch, den Reichspräsident v. Hindenburg dem Reichstagspräsidenten Loebe machte, wissen mehrere Blätter mitzuteilen, daß im Laufe der zwanglosen Unterhaltung Reichstagspräsident Loebe den Reichspräsidenten nach dem Schicksal der in Vorbereitung befindlichen Amnestie befragt habe. Die Antwort lautete dahin, daß die Verhandlungen mit den Ländern und den einzelnen Ressorts noch nicht abgeschlossen sind und daher das Reichskabinett keine Beschlüsse gefaßt hat Der Reichstagspräfident brachte dann die Sprache auf die Heimarbeitsausstellung in Berlin. Reichspräsident v. Hindenburg erklärte, daß er über die Not der Heim-
im Plenum des Reichstags in wenigen Woche« endgültig angenommen fein werden. Die Regierung dürfte bereits morgen im Ausschuß jn der durch die Verständigung der Parteien geschaffenen Basis endgültig Stellung nehmen.
AuslrM des Abgeordneten Best.
Berlin, 14. Mai. Wie verlautet, beabsichtigt der deutschnationale Abgeordnete Best, der fett« her in den Fragen der Aufwertung eine führende Rolle spielte, zur völkischen Grupp« überzutreten.
Eine Kundgebung des Vorstandes der Jentrumspartei.
Berlin, 14. Mai. Der Reichsparteivorstand des Zentrums hat seine Beratungen über die politische Lage mit einer Kundgebung abgeschlossen, in der Reichskanzler Dr. Marx für den hingebungsvollen Dienst an Volk und Vaterland besonderer Dank und Anerkennung ausgesprochen wird und in der es dann weiter heißt: Der Parteivorstand gibt sich der zuversichtlichen Erwartung hin, daß die Partei in allen Landesteilen und Bezirken sich zu dem Vertrauen und zu der Geschlossenheit zurück- finben wird, der die Zentrumspartei von jeher ausgezeichnet ihren Einfluß auf das öffent- liche Leben verbürgt haben. Die politische Aufgabe der Deutschen Zentrumspartei, die sich aus ihrem christlichen Charakter, aus dem Geiste ihrer großen Tradition, ihrem politischen Programm und grundsätzlichen Entschließungen der Parteiinstanzen ergibt, bleibt unverändert. Parteipolitische Zerklüftung und scharfe Gegensätze in unserem Volke machen das Dasein und die Wirksamkeit einer verfassungstreuen christlichen Mittelpartei notwendiger denn je. Ihre politische Sendung ist
arteten wollen wir die Einheit von Volk und Reich pflegen und mit Umsicht und zäher Ausdauer an der Erlösung von Rhein und Ruhr und der Freiheit der gesamten Nation arbeiten.
Die Bolfchaflerksnferenz abermals verschoben.
Poris, 14. Mai. Die Botschafterkonferenz, die morgen Freitag zusammentreten sollte, um sich mit der Frage der Entwaffnung und der Räumungsfrage zu beschäftigen, hat ihre Sitzung vertagt. Nach her Morgenpresse wird die Konferenz erst am Mittwoch zusammentreten. Die Verzögerung ist darauf zurückzuführen, daß die englische Regierung die Prüfung der Antwortnote noch nicht abgeschlossen
Man gewinnt den Eindruck, daß diese aber malige Verzögerung darauf zurückzuführen ist, daß noch erhebliche Meinungsverschiedenheiten zwischen Paris und London bestehen. Besondere Beachtung findet hier die heute, von Reuter verbrettete Nachricht, daß für die Regelung des gesamten Fragenkomplexes noch eine interadierte Konferenz not- wendig sein wird, auf der auch D eutschlau d ver treten sein soll. Von zuständiger
Seite werden diese Gerüchte nicht bestätigt, fon< dern im Gegenteil als falsch bezeichnet. In der es bereits seit längerer Zeit in Paris
Tat
arbeiter schon durch die Abgeordnete Frau Dr. Behn informiert worden sei. Das Gespräch streifte dann weiter das Deutsche Museum in München. Der Reichspräsident sprach die Hoffnung aus, daß es ihm möglich fein werde, dem Museum einen Besuch abzustatten. Auf der
Mussum in
prach die Hoff-
Hin- und auf der Rückfahrt wurden dem Reichspräsidenten von einer größeren Men* schenmenge begeisterte Ovationen dargebrtuHt.
det nicht statt: jedoch soll die erhöhte Aufwertung auch den Altbesitzern zugute kommen, deren Obligationen seit dem 14. Februar 1924 eingelöst wurden.
Entsprechend der Höheraufwertung der Hypotheken auf 25 Prozent soll auch eine Aufwertung anderer Vermögensanlagen auf 25 Prozent erfolgen. Die Anleihen des Reiches werden durch eine neue Anleihe zum Sah von 5 Vrozent abgeiöst. Ein Teil der Ablösungs- anleihe, welcher gegen Markanleihen des alten Besitzes ausgegeben iff, wird durch Auslosung
zum doppelten statt zum einfachen Nennbetrag zuzüglich 6 Prozent des Auslösungsbetrages für jedes Jahr feit Beginn der Auslosung getilgt. Statt in 40 Jahren soll, wenn möglich, die Tilgung bereits in 30 Jahren durch geführt werden. Jedoch bleibt die Vorzugsrente für bedürftige Anleihebesitzer bestehen. Die Mark- anteihen der Länder und Gemeinden sollen im wesentliche« wie Reichsanleihen behandelt werden.
In rechtsparlamenkarischen Kreisen wird damit gerechnet, daß die Aafwertungsgejetze
als feststehend betrachtet worden, daß die Londoner Regierung auf ihre ursprünglichen Forderungen bezüglich Verhandlungen mit Deutschland verzichtet habe. Briand seinerseits hat, wie bereits gemeldet worden ist, noch gestern gegenüber Zeitungsvertretern mit besonderem Nachdruck betont, daß die Entwaffnungsange- legenhett auf dem üblichen diplomatischen Wege durch Vermittlung der Botschaften geregelt werden konnte, und daß er auch nicht die Absicht hab«, zu Verhandlungen über die Paktvor- schkäge nach London zu fahren.
States schweres Eisenbahnunglück.
Berlin, 14. Mai. Nach einer Moskauer Meldung der „Dossischen Zeitung" ist der Rigaer D-Zug in der Mittwoch-Nacht unweit von Moskau entgleist. Der Speisewagen und ein Wagen zweiter Klasse sind vollständig zer trümmert. Zehn Personen wurden g e k ö t e t und 30 verletzt. Unter den Passagieren sollen sich mehrere Reichsdeutsche befunden haben.
Vom Somjelkongretz.
Moskau, 14. Mai. In der gestrigen Sitzun» des Sowjetkongresfes erstattete Ry - k o f f den Bericht der Regierung der Sowjetunion. Als Hauptmerkmal der Lage der Sowjetunion bezeichnete er ihre politische Md