zoo. Iayrgang.
Hanauer W Anzeiger
General-Anzeiger für die Kreise Kana« Stadl und Land.
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Sik. 111
Mittwoch -e« 13. Mai
1923
Hindenburgs Vereidigung im Reichstag
Der historische Dereiüigungsakl.
Der getreue Ekkehard des deutschen Volkes mahnt zur Einigung und Sammlung.
Ein historischer Dag ist vsrüber. Feld- Marschall v. Hindenburg hat gestern den verfassungsmäßig vorgeschriebenen ED geleistet und sein hohes Amt als ReichspräsDent angetreten. Heute wird Hindenburg die auswärtt- gen Diplomaten empfangen. Er hat ihnen be- reits gestern bei seiner Vereidigung, ihnen ebenso wie den deutschen Republikanern, eine AnschauungÄektion gegeben, die ihre Wirkung wohl nicht verfehlen wird. Man hat bei der VereDigung des stellvertretenden Reichspräsidenten Dr. Simons vor dem Reichstag« die Gewandtheit bewundert, mit der dieser ehemalige Minister des Aeußern auf dem parlamentarischen Parkett auftrat. Bei Hindenburg fehlte dieses Vertrautsein mit den parlamentarischen Formen vollständig. Das kam aber den Zeugen dieses geschichttichen Momentes überhaupt nicht zum Bewußtsein. Denn gestern wie «damals, als der GeneralfeDmarschall vor den Untersuchungsausschuß zitiert wurde, be- herrschte Hinderwurg die Situation restlos durch die Macht und Gewalt feiner Persönlichkeit. Er war das Alleinwesentliche und alles
- war die Schärfe des leugnen konnte und' wird, war in diesem Hause des rednerischen Pathos etwas ganz Ungewohntes. Aber sie wird gerade mit den Dorten, die sie gestern aussprach, wohl noch lange in der deutschen Geschichte fortklingen, wenn die alltäglichen
An öas deutsche Volk!
Durch wahren Frieden zur Freiheit.
Derlin, 12. Mai. Reichspräsident Hindenburg Hal aus Anlaß feiner heutigen Amtsübernahme folgende Kundgebung an das deutsche Volk ertasten: Am 26. April 1925 hak mich das deutsche Volk zu seinem Reichspräsidenten gewählt. Am heutigen Tage habe ich das neue bedeutungsvolle Amt angekreten. Getreu des von mir geleisteten Eides will ich alle meine Kräfte daran fetzen, dem Wohl des deutschen Volkes zu dienen, die Verfassung und die Gesetze zu wahren und Gerechtigkeit gegen jedermann zu üben. In dieser feierlich ernsten Stunde rufe ich unser ganzes deutsches Volk zur Mitarbeit auf. Mein Amt und mein Streben aehoren nicht einem ein- zelnen Stande, nicht einem Stamm oder einer Konfession, nicht einer Partei, sondern dem gesamten, durch Harkes Schicksal verbundenen
I nie verleug
Reichstagsreden längst verweht sind.
Dieser umnittelbaren Wirkungskraft einer geschichtlichen Persönlichkeit haben sich die Diplomaten, die gestern in ihrer Reichstagsloge vollzählig versammelt waren, sicher nicht entziehen können. Auch die Fraktionen der Linken haben gestern sicher etwas von dem Wehen der Ehrfurcht verspürt, die der feierliche Akt auf dem Sitze des Reichspräsidenten im Saale verbreitete. Keiner der Anwesenden konnte sich gegen den Eindruck wappnen, daß dort oben ein Mann stand, der mit der vollen Wärm« und Ueberzeugungstreue einer ehrlichen, offe- nen Natur an das glaubte, was er in kurzen und einfachen Sätzen aussprach. Ganz und gar selbständige Persönlichkeit, gab er dem Ausdruck, was ihm allein am Herzen lag: Der Der- sicherung, daß er in der überparteilichen Zusammenfassung aller Volkskräfte, in der Sammlung und Einigung des deutschen Volkes das einzig« Ziel seines Wirkens sehe. Und er stand wirklich über den Parteien, als er die Reichstagsfraktionen ermahnte, in dem Streben nach diesem Ziele miteinander zu wetteifern, nicht aber in dem Streben nach dem Vorteile der Partei.
Hindenburg hat sich gestern ausdrücklich zu seinem Manneswort bekannt. Gibt es irgend jemanden, der daran zu drehen und zu deuteln wagt? Wir alle wissen, daß dem neuen Reichs- präsidenten die Staatsform gewiß nicht gleich- gültig ist. Aber auch der fanatische Parteirepublikaner kann heut« fest davon überzeugt sein, daß Hindenburg die Staatsform nimmt wie sie heute gegeben ist und daß sein Streben einzig darauf gerichtet ist, diese Form wieder mit echtem deutschen Geiste zu füllen. Wir können uns denken, daß gewisse Kreise des Auslandes dem Wirken eines solchen Reichs- Präsidenten mit Unbehagen entgegensehen. Ihnen wäre an der Spitze des Deutschen Reiches sicher ein Mann lieber, der als ausae- sprochener Parteimann alle feine parteipoltti- festen Gegner gegen sich hat und dem Auslande das Spiel leicht macht. Diesen ausländischen Kreisen behagt ein deutscher Reichspräsident nicht, der die deutsche Volkskrast wieder zu- sammenfassen will und der im Namen aller Deutschen sprechen kann, wenn er für beutfehes Recht eintritt und sich für die Gleichstellung Deutschlands im Range der Völker einsetzt.
ewigen Gottes, der uns auch durch die sHwere Notzeit unserer Tage gnädig hindurch- führen wird. Ich vertraue auf die in einer stolzen und ruhmreichen Vergan - ?e n h e i k bewährten unsterblichen Lebens- räfke der deutschen Nation. Ich vertraue auf den gerade auch in schwerster Zeit immer wieder gezeigten opferbereiten Lebenswillen unseres Volkes. Ich vertraue endlich auf den großen Gedanken der Gerechtigkeit, dessen mit aller Kraft zu erstrebender Sieg auch dem deutschen Volke wieder seinen würdigen Pkah in der Welt verschaffen wird. Mein erster Gruß gilt allen denen, die unter der Not unserer Zeit besonders leiden, er gilt den vielen, die im Harken
wirtschaftlichen Ringen um ihr Dasein stehen, er gilt dem ganzen arbeitenden Volke, von dem die schwere Lage von Staat und Wirtschaft besondere Leistungen erfordert, er gilt den Volksgenossen außerhalb der deutschen Reichsgrenzen, die mit uns durch die Bande des Blutes und der großen Sulturgemeinschaft unlösbar verbunden sind, er gilt besonders den Alten und Kranken, die voll Sorge einem trüben Lebensabend entgegenblicken, und er gilt endlich unserer Hoffnung, unserer deutschen Zugend. Wir wollen auch weiterhin gemeinsam streben, durch ehrliche und friedliche Leistungen unserem berechtigten Anspruch auf Achtung und Anerkennung bei den anderen Völkern Geltung zu verschaffen und den deutschen Namen von ungerechtem Makel zu befreien, der heute noch
Vertrauen der anderen! Wir' wollen alle danach trachten, in der Entwicklung der deutschen Wirtschaft und des deutschen Gemeinschaftslebens jedem einzelnen Stand und Volksgenoffen fein tägliches Brot, seinen Anteil am deutschen Kultur- §uk und seine würdige Stellung in
er Volksgemeinschaft zu sichern. Das Reichsoberhaupk verkörpert den Einheitswillen der Nation. Darum reiche ich in dieser Stunde jedem Deutschen im Geiste die Hand. Gemeinsam wollen wir um unserer teuren Toten, nm unserer Kinder und Kindeskinder willen, ungebeugten Mutes den schweren Weg gehen, der uns durch den w a h r e n Frieden und zur Freiheit geleiten soll.
Zusammenwirken der berufenen Persimsst und der Körperschaften gelingen, die erfüllt baren Wünsche ihrer Verwirklichung näher zu führen und auch nach außen das Deutsch- Reich als friedliches und gleichberechtigtes Glied in die europäische Völkerfamilie einzurechen. Von diesen unseren Wünschen begleitet, übernehmen Sie Herr Reichspräsident, Ihr hohes Amt.
Reichspräsident v. Hindenburg erwiderte mit folgenden Worten: Sehr geehrter Herr Reichstagspräsident! Nehmen Sie meinen herzlichen Dank für Ihre Worte der Begrüßung entgegen, die Sie zu mir eben im Namen der deutschen Volksvertretung gesprochen haben, nachdem ich gemäß der republikanischen Verfassung vom 11. August 1919 den Eid als Reichspräsident geleistet habe. Reichstag und Reichspräsident gehören zusammen, denn sie sind beide unmittelbar aus den Wahlen des deutschen Volkes hervorgegangen. Aus dieser gemeinsamen Grundlage allein leiten sie ihre Machtvollkommenheiten her. Beide zusammen erst bilden die Verkörperung der
itnb Ruhr das den tick« Vertragsrecht weiter mit Füßen treten will — nur der hat Ursache, gegen Hindenburg Stimmung zu machen. So scheiden sich heute die Geister'im Auslande und in Deutschland. Wer Auslandsheffer gegen Hindenburg sein will, der muh wissen, daß er sich am deutschen Doli« versündigt.
Der Vereidigungsakt.
Berlin, 12. Mai. Auf dem Reichstags- gebäude waren die schwarzrotgoldenen Fahnen 'ßt. Am Haupteingang flatterten an großen nenmasten die schwarzrotgoldene Reichsflagge und die Reichskriegsflc war mit grünem Schmuck ■
lagge. Das Portal
ausgestattet. Die
Ausschmückung des Plenarsitzungssaales wurde vom Reichskunstwart geleitet. Auf einem von einer Girlande umzogenen Goldgrund, der als Muster den Reichsadler zeigte, erhob sich in der Mitte di« Standarte des Reichspräsidenten. Die Rampe des Präsidententisches ist mit Lorbeer umzogen und mit hellblauen und lilafarbnen Hortensien reich geschmückt. Ueber dem Tisch lag die schwarzrotgoldene Reichs- fahne und am dieser, in schwarzes Leder ge=
bunden, di« Mappe, welche ein Pergamentblatt mit der in der Verfassung festgesetzten Eidesformel in großer künstlerischer Frakturschrift enthielt. Diese Mappe hat der Reichstagspräsident anfertigen lassen, um sie in jedem Falle bei der Vereidigung des Reichspräsidenten 'benutzen zu lassen.
Im Plenarsitzungssaabe hatten sich die Abgeordneten und die Vertreter der Reichsregie- rung und der Regierungen der Länder fast vollzählig eingefunden. Die Tribünen und i des
eichstellung Logen waren dicht besetzt. Unter Führung ... „ '"setzt. Es Nuntius Paccelli hatte das diplomattfche Kl
'st als Ehrlichheit nur anzuerkennen, wenn in seiner " "
Me Kreise mit ihrem Gluckwunsch zurück, betrat de. .... ..... vtl .„.^«.^
halten. Aber das Ausland wird überzeugt da- Präsident den Saal. Die Abgeordneten er- von sein, daß Hindenburg auch ihm gegenüber hoben sich von ihren Sitzen. Die Kommunisten
Paccelli hatte das diplomattfche Korps Loge Platz genommen. Um 12 Uhr r Reichspräsident und der Reichstags-
Danach verließen sie den Saal. Di« Feier der
Vereid
vor öbe
sich. Der , ,
richtete an Hindenburg folgende Ansprache: Herr Feldmarschall! Das deutsche Volk hat in seiner Abstimmung am 26. April d. Js. Sie zum Präsidenten des Reiches gewählt und Sie damit auf den höchsten und ehrenvollsten Platz der deutschen Republik berufen. Der Artikel 42 der Verfassung von Weimar ordnet an, daß Sie vor der versammelten Volksvertretung den Eid auf die Verfassung leisten: Zu dieser feierlichen Handlung habe ich den Reichstag zusammenberufen und überreiche Ihnen die Eidesformel und bitte Sie, den vorgeschriebenen Eid abzulegen.
bildet. Das ist der tiefe Sinn der Verfassung, auf die ich mich soeben durch mein Manneswort feierlich verpflichtet habe. Während aber der Reichstag die Stätte ist, wo die Gegensätze der Weltanschauungen und politischen Ueberzeugungen miteinander ringen, soll der Reichspräsident der überparteilichen Zusammenfassung aller arbeitswilligen und aufbau- beriten Kräfte unseres Volkes dienen. Auch an dieser Stelle spreche ich es daher noch einmal ausdrücklich aus, daß ich mich dieser Aufgabe der Sammlung und Einigung unseres Volkes mit besonderer Hingabe widmen will. Diese große Aufgabe wird mir dann wesentlich erleichtert werden, wenn auch in diesem Hohen Hause der Streit der Parteien nicht um Vorteile für eine Partei oder einen Berufsstand gehen wird, sondern vielmehr darum, wer am treuesten und erfolgrèichsten unserem schwer geprüften Volke dient. Ich hoffe zuversichtlich, daß der edle Wettstreit um die treueste Pflichterfüllung die sichere Grundlage bilden wird, auf der wir uns immer wieder nach dem Streit der Geister und der Meinungen zu gemeinsamer vertrauensvoller Arbeit zusammen»
finden werden.
Die Ansprache v. Hindenburgs wurde wiederholt von Bravorufen unterbrochen, die sich auch am Schluß erhoben. Der Präsident des Reichstages richtete an die Anwesenden folgende Aufforderung: „Ich bitte Sie, mein« Damen und Herren, mit mir in den Ruf ein- zjusttmmen: Das Deutsche Reich, bat in der Republik geeinigte deutsch« Volk, es lebe hoch! Nach einer Verbeu- gung verließ der Reichspräsident den Saal.
Der Reichspräsident, begleitet von dem Reichskanzler und den übrigen Reichsministern und Staatssekretär Dr. Meißner, begab sich sodann durch die Wandelhalle auf die große Freitreppe am Königsplatz. Die auf dem Platz versammelte riesige Menschenmenge begrüßte den neuen Reichspräsidenten mit stürmischen Errufen, die sich erneuerten und verdoppelten, als der Reichskanzler mit den Worten: Der neue Reichspräsident Herr vn Handenburg lebe hoch! das Hoch auf das neue Reichsoberhaupt ausbrachte. Die gegenüber der Freitreppe auf. gestellte Ehrenkompagnie der Reichswehr pra- c» Iiiuyt unter sentierte nunmehr unter den Klangen des gelingen, oen in den letzten sentiermarsches und der Reichsprasidem schritt ihrem Vorgänger begonnenen mit dem Reichswehrminister und dem Chef der Wiederaufstieg unseres Landes Heeresleitung die Front der Kompagnie ab, angebahnte außen- wobei er einen ihm bekannten Solbaten be«
)ent leistet« darauf neu Eid: „Ich
Der Reichsprä den v o r g e s ch r i e ,
schwöre bei Gott dem Allmächtigen und Allwissenden, daß ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden ton ihm wenden, die Verfassung und Gesetz« des Reiches wahren, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde, so wahr mir Gott helfe?
Hierauf führte der Präsident des Reichtages aus: Herr Reichspräsident! Durch die Leistung des Eides sind Sie dem deutschen Volk« verpflichtet worden. Ich begrüße Sie namens der Volksvertretung und gebe der Hoffnnug Ausdruck, es möge unter ihrer Amtszeit gelingen, den Jahren unter L_____ ? _
wirtschaftlichen Wiederaufstieg unseres fortzusetzen, di« mit Erfolg angebahnte ^^..' — ^. „.....— -,- . .
politische Befriedung Deutschlands zu sichern grüßte und den Offizieren die Hand druckte, und so die furchtbaren Nachwirkungen des Sodann erfolgte^ unter immer^sich^ erneuernden
Krieges und den Kriegsfolgen, unter denen Hochrufen Die Rückfahrt nach der Wilhelm- noch heute unzählige Landsleute leiden, all- frraße. Die Kapelle stimmte nunmehr bai ' ......- Deutschlandlied an, dessen erste Strophe mit«
ein Mann seines Wortes ist. Nur wer weiteres ^MâSLDMMand begehen, wer an Rhein
riefen: „Nieder mit den Dionarchisten
und
brachten ein Hoch auf die Weltrepublit aus.
noch heute unzählige 1 ,
mählich zu beseitigen. Vielerlei Hoffnungen verbinden sich, wie Ihnen, Herr Reichspräsident, bekannt ist, mit jedem Wechsel an den leitenden Stellen bet Reiches. Möge «s dem
gesungen wurde.