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200. Jahrgang.

Hanauer »Anzeiger

General-Anzeiger für Die Kreise Kanan Sladl und Land.

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Nr. 110

Dienslag den 12. Mai

1925

Nelchsprösiöenl Sin-enburg.

Der Einzug des Reichspräsidenten in Berlin.

Hindenburg hat gestern nachmittag, be­jubelt von Hundexttausenden, seinen Einzug in Berlin gehalten und heute um die Mittags­stunde, wenn dieses Blatt in die Hände der Leser gelangt, wird Hindenburg vor dem feierlich versammelten Reichstag den Eid auf die Verfassung geleistet und auf die Be­grüßungsansprache des Reichstagspräsidenten mit kurzen schlichten Worten geantwortet haben. Das Interregnum ist vorüber und in dem Palais des Reichspräsidenten in der

Wiltzelmstraße hat die Stellvertretung abge­dankt und der höchste Beamte des Deutschen Reiches die Verwallung seines Amtes über­nommen. Damit wäre der heutige Tag unter allen Umständen ein bedeutungsvoller Ein­schnitt in der kurzen Geschichte des Deutschen Reiches der Nachkriegszeit. Denn zum ersten Male steht an der Spitze beg Reiches ein Mann, den das deutsche Volk selbst gewählt hat. Daß Hindenburg dieser Mann ist, gibt der Bedeu­tung des Tages eine geschichtliche Tragweite, die wir vielleicht heute noch nicht übersehen können. Wohl aber wissen wir, welches Ziel I ihr nach dem Willen Hindenburgs gesetzt fein soll und wir wollen an diesem Tage zum Heile und Segen unseres Volkes wünschen, daß -der Reichspräsident und das deutsche Volk in ge­meinsamem Wirken dem Ziele näher kommen und es erreichen.

Die Wunde, an der wir seit dem November ... MS leiten ußb. an der wir oft zu verbluten k drohten, hat uns nicht Ser Feind geschlagen unsere Heere haben bis zuletzt stand gehalten und unser Zusammenbruch hätte nicht so schwer knd tief zu sein brauchen, wäre nicht durch Innere Spaltung und Zerrissenheit unsere I Widerstandskraft gelähmt worden. An dieser Wunde leiden wir, seit dem Ende des Krieges. Und unsere ganze Zukunft hängt von der l Frage ab, ob diese Wunde einmal heilen wird. Sollen wir nach Beispielen der jüngsten Zeit / greifen, um zu zeigen, daß diese Wunde uns È auch heute noch schmerzt? War nicht die Prä­sidentenwahl selbst ein solches Beispiel? Ist nicht Blut gefloßen im gegenseitigen Kampfe jener Organisationen, die sich links und rechts gerüstet gegenüberstehen? Und hat man nicht im Lager des Linksblockes unter Mißbrauch der neuen Reichsfarben den Versuch gemacht, j die Parteidiktatur der einen Hälfte der Nation über die andere Hälfte im höchsten Reichsamte aufrecht zu erhalten? Zeigen nicht die Ereig­nisse in Preußen seit Monaten, daß ein Spalt mitten durch das Volk geht, den es fast un­möglich macht, die Kräfte der Nation zu ge­meinsamer und fruchtbringender politischer Arbeit zusammenzufassen? Hat man sich im Reiche nicht monatelang mühen müssen, bis endlich eine Zusammenfassung gelungen ist, die den Riß durch die Mitte im Reichstage wenig­stens geschlossen hat.

Hindenburg ist als Reichspräsidentschafts­kandidat mit dem Appell zur nationalen Samm- , lung auf den Plan getreten. Er ist in den letzten Woche aus der Stille dankbarer Ver­ehrung, die dem Helden des Weltkrieges galt, ganz in den Vordergrund unseres politischen Denkens und Fühlens getreten. Vielen von uns erschien anfangs die Ruhe seines Alters ^èm zu kostbares Gut, um im Kampf des politischen Alltags auf das Spiel gesetzt zu werden. Steter erschien feine Persönlichkeit tilg zu verehrungswürdig, um in der politischen Kampflime angetastet zu werden. Nachdem sich aber Hindenburg in seiner vorbildlichen Pflicht­reue zu einem schweren persönlichen Opfer ent- I chlossen hat, sind alle diese Bedenken ver chwun- den und wir sind heute dankbar, in ihm den Mann gewonnen zu haben, der in seiner Per- z son die Parole der nationalen Sammlung am reinsten verkörpert und der mehr als jeder andere imstande ist, dem deutschen Volke als / Leitstern nationaler Einigung zu dienen. Hindenburg hat auch nicht einen Augenblick daran gedacht, eine Parteikandidatur zu über­nehmen oder im Amte des Reichspräsidenten etwas anderes zu sein, als ein Führer des ge­samten deutschen Volkes, ohne Unterschied der Partei und des Standes. Er hat jedem Deut­schen, der sich als solcher fühlt, die Hand ge- ccicht und immer wieder betont, daß er das r deutsche Volk aus den Niederungen gehässiger IParteizerklüftung wieder zu gemeinsamem vaterländischem Wirken emporführen will. In der Stunde, in der Hindenburg fein Amt an­

getreten hat, ist mit ihm der gute Geist gemein­samen vaterländischen Wollens in das Haus des Reichspräsidenten eingezogen und wir ver­trauen fest darauf, daß dieser Geist sich im Volke ausbreitet und Ne schlimme Wunde mehr und mehr heilt, an der wir seit Jahren innerlich kranken.

auf der Einzugsstraße schon ganz bestimmte Formen anzunehmen. Es gab verschiedene Konzentrationspunkte, an denen sich schon um 1 Uhr die Menge ziemlich dicht zusammenballte. Das war vor allem am Brandenburger Tor der Fall, dann am Großen Stern, am Bahnbat Bellevue, in Charlottenburg am Knie, in der Bismarckstraße am Platze des Deutschen Opern­hauses, dann vor allen Dingen am Reichs­kanzlerplatz und schließlich am Bahnhof Heer­straße. Auch das allmählich wachsende Ge- woge auf der Einzugsftraße stand im Zeichen von schwarz-weiß-rot. Ueberall gab es fliegende Straßenhändler, die ihre Fähnchen an die Menge absetzten. Am Brandenburger Tor stauten sich die Massen mehr und mehr. Auch oie Straße Unter den Linden füllte sich zu­sehends, während man die Wilhelmstraße vom Verkehr freihielt. Dann kurz nach 3 Uhr be­gann der Aufmarsch der Korporationen, der laut polizeilicher Vorschrift ohne Musik vor fi* gehen mußte. Am ersten sah man die Vor­bereitungen zum Aufmarsch im Tiergarten. Die Schildträger kamen angefahren und an­marschiert und nahmen Aufstellung. Dann rückten mehr und mehr die Verbände selbst an. Alles ging in musterhafter Ruhe und Ordnung vor sich. Man hatte der Spalierbildung am Montag früh wohl mit etwas bangen Ge­fühlen entgegengesehen. Ein sanfter Regen rieselte vom Himmel und die Organisationen, die sich zur Spalierbildung angemeldet hatten, machten sich wohl schon auf ein Dauerbad ge­faßt. Dann wurde das Wetter beständig. Zwar kein blauer Himmel und keine strahlende Sonne. Aber das vermißte man nicht allzu sehr. Im Gegenteil, bei dem etwas kühlen Maiwetter marschierte es sich noch einmal so Stehen machte keine Beschwerde. Zwischen 4 und 5 Uhr ge­stattete die Polizei gegen besonderen Wsweis noch eine rasche Revuefahrt durch die Einzugs- ftrafje. Wie hatte sich das Bild gegen die Mittagsstunden geändert. Der Rahmen hatte sich gefüllt und dicht an dicht standen die Reihen der spalierbildenden Organisationen. Meist junge kräftige Gestalten in gleichmäßiger Tracht, aber auch viele Männergestalten und gar manches ehrwürdige Veteranenhaupt. Und über den Häuptern des Spaliers ein Wogen von Fahnen, das sich mit den wehenden Flag­gen an der Häuserfront zu einer wunderbaren Einheit fügte. Schwarz-weiß-rot, so weit das Auge blickte. Nur Hindenburg und seine Be­gleiter haben das Gewoge der ganzen Ein- fahrtsstra^ erlebt. Aber wer am Branden­burger Tore stand und die Autos langsam vor­beifahren sah, der weiß, daß es ein betäubendes Gemisch von Fahnen- und Tücherschwenken und ununterbrochenen Hurrarufen gewesen sein muß. *

Pünktlich zur festgesetzten Zeit, 5.52 Uhr, fuhr der fahrplanmäßige D-Zug aus Han­nover mit dem Salonwagen des Reichspräsi­denten auf dem Bahnhof Heerstraße ein. Hindenburg entstieg dem Wagen und wurde von Reichskanzler Dr. Luther begrüßt. Das 10jährige Töchterchen des Reichskanzlers Dr. Luther überreichte dem Reichspräsidenten mit einem Begrüßungsvers einen Strauß Marschall Niel Rosen. Dann wurden dem Reichspräsi­denten die zum Empfang erschienenen Herren vorgeftellt. Auf dem Bahnhof hatten sich etwa 60 Herren eingefunden, u. a. die Reichsminister Geßler und Schiele, die Staatssekretäre Meißner und Kempner, der Chef der Heeres­leitung General v. Seeckt, der Chef der Marine­leitung Admiral Zenker, der Oberbürgermeister von Berlin Boeß, der Kommandant von Berlin Severin, der stellvertretende Polizeipräsident Dr. Friedensburg, der Chef der Berliner Schutzpolizei Oberst Kaupisch und viele andere Vertreter der Behörden. Nach der offiziellen Begrüßung überreichte der Reichskanzler der Schwiegertochter des Reichspräsidenten einen Maiglöckchenstrauß. Als sich der D-Zug wieder in Bewegung setzte, wurden dem Reichspräsi­denten von den Fahrgästen und von der auf den Böschungen des Bahneinschnitts versam­melten Menge stürmische Ovationen darge- bracht. Hindenburg bestieg in Begleitung des Reichskairzlers ein offenes Auto, dem im Kraft­wagen die Begleitung folgte. Der Zug, dem berittene Schutzpolizei voranritt und folgte, wurde von Kraftradfahrern flankiert. Bei der Ankunft des Reichspräsidenten umkreiste etwa ein Dutzend Flugzeuge den Platz an der Heer­straße. Um 6.20 Uhr passierte Hindenburg mit Gefolge, eskortiert van einer Schwadron Schupo, im Auto das Brandenburger Tor. Die längs der Charlottenburger Chaussee bereits

Dazu wird freilich eins nötiz sein: Das deutsche Volkwirdsichmil Hinden­burg auf dem Boden vaterländi­schen Denkens und Fühlens zu­sammenfinden müssen, in dem die ganze Persönlichkeit des neuen Reichspräsiden­ten wurzelt. Der Gesundungsprozeß muß sich weiter so vollziehen, wie er in seinen Anfängen doch wohl schon begonnen hat. Das ganze deutsche Volk muß sich von dem Bewußtsein durchdringen lassen, daß wir in den unglück­seligen Tagen der Revolution tief, tief gefallen sind und daß wir uns von diesem Fall wieder erheben müssen, ehe wir vor uns selbst bestehen und in der Welt wieder Geltung gewinnen können. Diejenigen, die in den sogenannten Er­rungenschaften der Revolution wertvolle Güter verteidigen wollen, stehen unserer Gesundung und stehen der Führung Hindenburgs im Wege. Dabei denkt niemand an die Staatsform. Sie soll und darf noch auf länge hinaus keine Streit­frage sein, die das deutsche Volk zerreißt. Auch Hindenburg hat die gegenwärtige Staatsform durch seinen Eid auf die Verfassung aner­kannt. Nicht um die Frage Republik oder Monarchie rann es sm- handeln, sondern darum, daß das deutsche Volk im Rahmen der gegen­wärtigen Verfassung den jahrelang unter­brochenen Zusammenhang mit seinen besten geschichtlichen Ueberlieferungen wieder zurück- gewinnt und die gegenwärtige Staatsform wieder mit dem Geiste füllt, der uns groß ge­macht hat. Das ist der G e i st st a a t l i ch e r Zucht und Ordnung, der Geist der Uneigennützigkeit im öffentlichen L e b e n, d e r G e i st n a t i o n a l e n S e l b st- bewußtseins und nationaler Opferfreudig!eit, der Geist des Stolzes auf unsere geschichtlichen L e i st u n g e n, in allem und jedem der Gegen­teil jenes Geistes schrankenlosen Gewähren- lassens und internationaler Würdelosigkeit, der mit der Revolution über uns gekommen ist. Die Reaktion gegen diesen Geist war nur zu be­rechtigt. Sie hat sich in ihren Extremen vielleicht überschlagen. Aber sie konnte und mußte nicht anders als stark und scharf sein, solange sich jene Entartung schrankenlos breit macht. Breitet sich der Geist vaterländischen Wollens, den Hindenburg in sein Amt mitbringt, weiter im Volke aus, so wird sich damit die beste und sicherste Brücke bilden, die zwischen rechts und links die Verbindung herstellt. Die Formationen des Reichsbanners haben am gestrigen Tage bei dem Einzug Hindenburgs dem neuen Reichspräsidenten noch den Rücken gekehrt. Wer so sehr ihr Häuptling Hörsing auch toben mag Hindenburgs lebendige Gestalt wird diese Schatten verscheuchen und die geschicht­liche Mission seiner Präsidentschaft, die innere Sammlung und Kräftigung des deutschen Vol­kes, wird ihre Kräfte entfalten.

So grüßen wir Hindenburg heute als den neuen deutschen Reichspräsidenten, als die Ver­körperung unserer nationalen Einheit und als den Führer zur inneren Gesundung. Wir wünschen ihm und dem deutschen Volke, daß er die Kraft und die Gesundheit haben möge, seines Amtes mit Erfolg bis zum Ende feiner Amtszeit zu walten. Das walle Gott!

Kindenburgs Empfang in Berlin.

Berlin, 11. Mai. In Berlin fing der Puls des Hindenburg-Tages schon früh an zu schlagen. Kurz nach der Mittagsstunde erschien die Gelegenheit zum ersten Male günstig zu sein, um die Einzugsstraße Revue passieren zu lassen. Schon am frühen Morgen beherrschte ein Zug das ganze Bild. Das war jenes Wogen von Fahnen, das im Innern Berlins alle Straßen füllte, das aber längs der Einzugs­straße zu einem selten gesehenen Umfang an­wuchs. So gut wie keine Wohnung ohne Flagge! Und in dem bunten Bilde waren die Farben schwarz-weiß-rot die unbestrittenen Herrscher. Man konnte auf dem ganzen langen Wege die Farben schwarz-rot-gold an den Fingern seiner beiden Hände zählen. Zwischen 1 und 3 Uhr begann das Leben und Treiben

seit den frühen Morgenstunden wartende nackj Hunderttaufenden zählende Menschenmenge rief dem Reichspräsidenten bei seinem Einzug in Berlin begeistert zu. Die Flieger gaben ihm während der Fahrt vom Bahnhof Heerstraße das Geleit und tummelten sich noch längere Zeit über dem Platz vor dem Reichstag. Am Reichskanzlerpalais stimmte die Zuschauer­menge in spontaner Begeisterung das Deutsch­landlied an und knüpfte daran begeisterte Hoch­rufe auf Hindenburg. Während der Ankunft umflogen sehr tiefgehende Flieger das Palais und warfen Blumensträuße ab, die dem Reichs­präsidenten von einem Polizeioffizier über, bracht wurden. Während bis in die frühen Nachmittagsstunden hinein das Wetter trübe und regnerisch war, klärte sich kurz vor der An­kunft des Reichspräsidenten der Himmel auf, sodaß der Einzug des neuen Reichspräsidenten bei hellem Sonnenschein erfolgte.

Berlin, 11. Mai. Reichspräsident Hinden­burg drückte nach feinem Eintreffen im Reichs­kanzlerhause dem Reichskanzler seine lebhafte Befriedigung über den überaus herzlichen Emp­fang aus, den die Bevölkerung der Reichshaupt­stadt, Alt und Jung, ihm bereitet habe. Der Reichspräsident war besonders erfreut darüber, daß unter den spalierbildenden Vereinen und Korporationen in großer Zahl auch Vertreter gewerblicher Organisationen sich befanden. Auch Die Beteiligung zahlreicher Vertreter aus allen Kreisen der deutschen Studentenschaft bereitete ihm eine besondere Freude.

Der Abschied von Hannover.

Hannover, 11. Mai. Auf dem Wege zum Bahnhof wurde Reichspräsident v. Hinden­burg von vielen Tausenden begrüßt. In seiner

. Sohn, sinne Schwiegertochter, Oberstleutnant v. Feto- mann, Polizeipräsident Beckerath und Eisën- bahndirektionspräfident Seydel. Auf dem Bahnhof empfingen ihn begeisterte Hochrufe der zum Abschied Versammelten. Erschienen waren ferner die Spitzen der hannoverschen Behörden und einige andere prominente Per­sönlichkeiten, wie Generaloberst v. Qinfingen.

Oberpräsident Noske entbot dem Reichspräsidenten ehrfurchtsvollen Gruß Namens der Behörden wies er u. a. auf die hohe Bedeutung des Amtes des Reichspräsi­denten hin und sprach die Hoffnung aus, daß es dem Reichspräsidenten gelingen möge, bas deutsche Volk glücklicheren Zeiten entgegenzu­führen und einen Ausgleich der Gegensätze ins Sötte herbeizuführen, ebenso eine Besserung der sozialen Berhältnisse, eine Linderung der Not unseres Volkes und des Druckes von außen.Unser Volk leidet unendliche Not, wirtschaftlicher und nationaler Natur. Millio­nen gläubiger Augen blicken auf Sie; unzäh­lige Wünsche begleiten Sie in Ihr neues Amt. Möge es Ihnen vergönnt sein, das deutsche Volk glücklicheren Zetten entgegenzuführen und dazu beizutragen, daß Deutschland wieder stark und mächtig wird' Die Worte des Ober­präsidenten klangen in En Hoch aus auf den Reichspräsidenten, das von allen begeistert ausgenommen wurde

Der Reichspräsident dankte herzlichst und sprach folgenves: Ich will mein Mög­lichstes tun. Nur Einigkeit kann uns wei­ter helfen. Einigkeit ist die Macht: ohne Einig­keit keine Macht, keine Stärke! Ich will der Armen und Elenden gedenken, will versuchen, ausgleichend zu wirken. Mein Streben geht dahin, wohin wir alle wollen: zu einem glücklichen Vaterland!

Der Reichspräsident verabschiedete sich durch Händedruck von den Erschienenen, worauf das Deutschlandlied gesungen wurde. Der Reichspräsident bestieg den Zug. Er stand am offenen Fenster des Wagenschlages und dankte nochmals herzlichst und rief: Unser liebes deutsches Vaterland, hurra, hurra, hurra! Alle nahmen begeistert den Ruf auf unter den Klängen des Deutschlandliedes und Hochrufen auf den Präsidenten setzte sich der Zug in Bewegung. Die Abfahrt verlief ohne Störung.

Lindenburg an die Deutschen Südamerikas.

Buenos Aires, 11. Mai. Der neue Reichs» Präsident hat den Deutschen Südamerikas durch die United Preß eine Sonderbotschaft über­mittelt. Die Botschaft wurde von sämtlichen hiesigen Zeitungen an erster Stelle gebracht und mit freundlichen Kommentaren versehen.

Sie hat folgenden Wortlaut:

Zahlreiche deutsche Vereine und Einzel- rerfonen haben mich durch Treugrüße erfreut. Ich danke allen auf diesem Wege und lebe ihre,