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800. Jahrgang.

General-Anzeiger für Oie Kreise Kanan SlaLl und Land

Erscheint täglich mit Ausnahme der Conn- und Feiertage. / Fernsprech-Anschlutz Nr. 1237 und 1238,

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Nr. 109

Monlag den 11. Mai

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1923

Das Neueste.

Bei der Station Roth-Malsch hat sich lestern ein schweres Autounglück ereignet

Das LuftschiffLos Angeles" ist von seiner Fahrt nach Portorico wohlbehalten nach Lakehurst zurückgekehrt.

Die Generaldirektion der Deutschen Eisenbahnen verlangt vom polnischen Fiskus für die durch das GHenbahmingiuck bei Star­gard zertrümmerten oder beschädigten Wagen eine Entschädigung von 8 Millionen Reichs­mark. Diese Summe umfaßt auch die an die Hinterbliebenen der verunglückten Personen zu zahlenden Beträge.

Pariser Meldungen zufolge steht eine gemeinsame französisch-spanische Offensive in Marokko bevor.

Wochenvorlchau.

Der große Tag des Reichstags. Die Lage in Preußen. Wiederaufrollung der außenpoli­tischen Fragen.

Der Reichstag wird in dieser Woche ein großes Ereignis erleben: Die Vereidigung Hindenburgs. Die Reichshauptstadt bereitet sich darauf vor, heute nachmittag den neuen Reichspräsidenten zu empfangen. Auch der schlichte Sinn Hindenburgs kann es nicht ver­hindern, daß die ganze Berliner Bevölkerung an diesem Ereignis festlichen Anteil nimmt, und wenn an dem feierlichen Empfang an der Spalierbildung längs der Einzugsstraße die Organisationen des Linksblocks so gut wie gar­nicht beteiligt sind, ein Manko, das sie ledig­lich sich selbst zuzuschreiben haben so wird man darin ganz gewiß kein Spiegelbild der haben,. die die Bevölke­rung Berlins beherrscht. Und nW Sßn3 Ber­sin, so wird hoffentlich auch der gesamte Reichs­tag es verstehen, den neuen vom Volke gewähl­ten Reichspräsidenten als den höchsten Träger der deutschen Reichswürde zu empfangen und zu würdigen. Das Parlament wird dann wie­der zur Alltagsarbeit zurückkehren. Auch hier bietet diese Woche gewisse Höhepunkte der parlamentarischen Arbeit. Der Haushalt des Auswärtigen Amtes soll Mitte der Woche in Angriff genommen werden und gleichzeitig da­mit der deutsch-spanische Handelsvertrag. Wir gelangen damit an den Kern der politisch-par­lamentarischen Lage. Ueber die Ausgestaltung der Steuergesetze hat man sich bereits in weit­gehendem Maße verständigt. An den Fragen der Außenpolitik wird es sich erweisen, ob die gegenwärtige Regierung auf festem parlamen­tarischen Grund und Boden ruht. Unter der Aegide der Reichspräsidentschaft Hindenburgs wird man nach dieser Richtung die besten Er- wartunaen hegen dürfen.

, In Preußen dagegen ist die Lage nach wie vor unsicher und sie wird es wohl auch noch die nächste Zeit bleiben. Die Abstimmung am Freitag hat die bisherige Entwicklung nicht durch einen klaren Strich zum Abschluß ge­bracht. Selbst wenn das Zufallsergebnis der Abstimmung gegen Braun gesprochen hätte, anstatt für ihn selbst dann wäre die Auf­lösung noch ein zweifelhaftes Problem gewesen, da das Zentrum den festen Willen hatte und noch hat, Neuwahlen jetzt aus dem Wege zu gehen. Nachdem Braun eine wenn auch küm­merliche Mehrheit erhalten hat, ist natürlich noch weniger an eine Auflösung zu denken ünd damit wird die Abstimmung vom Freitag zu einer der vielen Episoden, die wir im Laufe der preußischen Krisis schon erlebt haben. Die Existenz des Kabinetts Braun ist höchst un- icher und sie kann sich nicht bessern, da sich keine Partti, weder die Wirtschaftspartei noch ,^?. .^p"r^i bereit finden wird, dieses Kabinett stutzen zu helfen. Es wird also weiter verhandeln müssen wie bisher. Und es wird noch einmal versucht werden, ob man ein Kabinett auf der ganz breiten Basis von den veutfchnationalen einschließlich der Sozialde­mokratie zustande bringt.

Die außenpolitische Auseinandersetzung, die m dieser Woche zu erwarten ist, wird sich auf einem ganz aktuellen Hintergründe abspielen Die Fragen, an denen die deutsche Außen­politik in erster Linie ein Interesse hat die Räumungs- und die Sicherheits - rag e sind nicht so sehr durch die Reichs- 'rasidentenwahl als durch die Neubildung der ranzösischen Regierung eine Zeitlang ins stocken geraten. Sie kommen jetzt wieder in Fluß. Die Note über den Stand der deutschen Abrüstung, die man schon in der vorigen tLoche erwartet hatte, wird in dieser Woche vohl an die Adresse Deutschlands gelangen. Es :

handelt sich dabei um den Bericht der Militär- kontrollkommission. Wir wissen genau, daß man den Bericht lediglich als Vorwand be­nutzt hat, um die vertragswidrige Aufrecht­erhaltung der nördlichen Rheinlandbesetzung damit zu decken. Man hat ihn im Hintergründe gehalten, solange für die Lösung der Räu­mungsfrage noch keine Verhandlungsbasis ge­funden war. Jetzt holt man ihn wieder hervor, nachdem die deutschen Vorschläge in der Sicher­heitsfrage einen Anknüpfungspunkt bieten, um die Gesamtheit der schwebenden Fragen in Angriff zu nehmen. Nach wie vor lehnen wir eine Verquickung der Räumungs- und der Sicherheitsfrage ab. Wir verlangen, daß die nördliche Rheinlandzone endlich geräumt wird, ganz gleichgültig, ob Frankreich die gewünschte Sicherheit hat oder nicht. Aber wir haben natürlich nichts dagegen, wenn man daran geht, beide Fragen gleichzeitig zu behandeln, um ganz reinen Tisch zu machen. Wie der Be­richt der Militärkontrollkommission nur ein Vorwand war, so ist die Note, die sich darauf stützt, nicht die Hauptsache. Man hat sich Mühe genug geben müssen, um aus diesem Bericht dessen Veröffentlichung wir nach wie vor for­dern, überhaupt etwas zu machen. Es versteht sich von selbst, daß diese ganze Materie unter den Tisch fällt, wenn es gelingt, in der Frage des Sicherheitspaktes zu einem Abschluß zu ge­langen. Hier liegt der Schlüssel der ganzen außenpolitischen Situation. Und wenn wir auch ganz genau die Schwierigkeiten kennen, die uns entgegenstehen, so wollen wir doch auch die andere Seite nicht vergessen: Caillaux und Brand, beides Leute vom Schlage Herriots und nicht Poincarès, sind klug genug, um zu wissen, daß Frankreichs Außenpolitik nicht un- der Flnanzfrage und nicht un- abhängig von denjenigen Mächten getrieben werden kann, die in den internationalen Fi- nanzfragen heute das entscheidende Wort sprechen.

Das Programm der Amtseinführung -es Reichspräsidenten.

Berlin, 9. Mai. Reichspräsident Hinden­burg begibt sich am 11. Mai mit dem in Han­nover um 1.38 Uhr nachmittags abgehenden fahrplanmäßigen D-Zuge im Salonwagen zu­sammen mit Major v. Hindenburg, dessen Ge­mahlin sowie Oberstleutnant a. D. v. Feldmann nach Berlin, wo er auf dem Bahnhof Heer­straße um 5.52 Uhr nachmittags eintrifft. Hier wird der Reichspräsident vom Reichskanzler, dem Reichswöhrminister, dem Reichsminister des Innern, dem Chef des Heeres- und der Marineleitung, den Stattsfekretären Dr. Meiß­ner und Dr. Kempner, dem Kommandanten von Berlin, dem Oberbürgermeister, dem Po­lizeipräsidenten und dem Kommandeur der Schutzpolizei empfangen. Die 10jährige Toch­ter der Reichskanzlers wird einen Blumen­strauß übereichen. Von dem Bahnhof Heer­straße fährt der Reichspräsident mit feiner Begleitung, dem Reichskanzler, dem Reichs­minister des Innern, den Staatssekretären Meißner und Kempner, dem Polizeipräsidenten und dem Kommandeur der Schutzpolizei bei gutem Wetter in offenem Wagen über den Reichskanzlerplatz, die Bismarckstraße, die Charlottenburger Chaussee, das Brandenburger Tor und die Straße Unter den Linden zum Hause des Reichskanzlers in der Wilhelmstraße. Auf dem Wege werden die Verbände und Ver­eine, die sich in einer Stärke von etwa 200 000 Mann gemeldet haben, nach besonderer Platz­ordnung zur Begrüßung Aufstellung nehmen. Vom Brandenburger Tor ab wird der Wagen des Reichspräsidenten durch einen Zug be­rittener Schutzpolizei eskortiert werden? Der Reichspräsident und seine Begleitung nehmen zunächst im Hause des Reichskanzlers Woh­nung. Abends wird der Reichspräsident beim Reichskanzler in kleinem Kreise das Abend­essen einnehmen.

Am 12. Mai vormittags 11.45 Uhr wird der Reichspräsident mit dem Reichskanzler vom Hause des Reichskanzlers zum Reichstag fah­ren, bei gutem Wetter ebenfalls in offenem Wagen und zwar durch die Wilhelmstraße über die Linden, das Brandenburger Tor und die Friedrich Ebertstraße zum Portal 4 des Reichs­tags, wo er von einem Vizepräsidenten und dem Direktor des Reichstages empfangen wird. Um 12 Uhr betritt der Reichspräsident gemein­sam mit dem Präsidenten des Reichstags die Präsidententribüne im Plenarlitzungssaale. Der Präsident des Reichstags kündig: an, daß der Reichspräsident den durch Art 42 der Reichs­verfassung vorgeschriebenen Eid leisten wird. Der Reichspräsident leistet darauf den Eid.

Der PräsDent des Reichstages spricht den Glückwunsch des Reichstages zur Uebernahme des Amtes aus, der Reichspräsident dankt in einer Ansprache an den Reichstag und bringt darauf ein Hoch auf das Deutsche Reich und das deutsche Volk aus. Alsdann begibt sich der Reichspräsident, begleitet von dem Präsidenten des Reichstages und dem Reichskanzler zur großen Freitreppe an den Königsplatz. Hier bringt der Reichskanzler ein Hoch auf den Reichspräsidenten aus, an das sich das Deutsch­landlied anschließt. Während der Feier im Reichstag konzertiert auf dem Königsplatz eine Kapelle der Reichswehr. Vor dem Reichstags­gebäude steht mit der Front zum Portal 1 eine Ehrenkompagnie des Wachtregiments Berlin der Reichswehr. Der Reichspräsident, begleitet vom Reichswehrminister, schreitet die Front der Ehrenkompagnie ab und fährt dann mit dem Reichskanzler im Kraftwagen, geleitet von einer Schwadron Kavallerie des Reiterregi­ments Nr. 4 über den Königsplatz, an dem Bismarckplatz vorbei durch die Friedensallee, das Brandenburger Tor und die Wilhelmstraße zum Haufe des Reichspräsidenten. Hier emp­fängt der Stellvertreter des Reichspräsidenten Dr. Simons den Reichspräsidenten und über­gibt ihm die Geschäfte. Nachmittags um 1.15 Uhr werden der Reichskanzler die Reichs­minister sowie der Chefpräsident des Ober- rechnnugshofes beim Reichspräsidenten vor­sprechen und ihm ihre Glückwünsche darbringen. Es schließt sich ein Frühstück an, zu dem der Stellvertreter des Reichspräsidenten Einladun­gen an den Reichspräsidenten, den Reichs­kanzler, die Reichsminister, den Präsidenten des Reichstages, den Chefpräsidenten des Rech­nungshofes, die Chefs der Herres- und Marine- leitung, die Staalsjekuemrs des Büros des Neichspräsiventen und der theia, stunde. lOiuee den Major v. Hindenburg und Gemahlin hat ergehen lassen. Für den 13, 14. und 15. Mai sind eine Reihe von weiteren Empfängen vor­gesehen, darunter am 14. Mai ein Empfang der fremden Botschafter, Gesandten und Ge­schäftsträger.

Neues Eisenbahnunglück.

Offenburg, 10. Mai. Der Eisenbahn­zug 186 Frankfurl-Basel überfuhr bei der Station Roth-Malsch einen Lastkraftwagen, der mit 25 Personen beladen war. 11 Per­sonen sind tot und eine Reihe schwer ver­letzt. Der Unglücksfall ist darauf zurückzufüh­ren, daß die Schranke nicht geschlossen war.

Wisloch, 11. Mai. Zu dem furchtbaren Unglück auf der Station Roth-Malsch werden noch folgende Einzelheiten bekannt. Ein Ge­sangverein von Malsch war auf der Heimfahrt von einem Gesangswettstreit in St. Lion und hatte das Postauto mit Anhänger benutzt. Der Schrankenwärter Dämmert auf der Sta­tion Roth-Malfch hatte es unterlassen, die Schranke zu schließen und so passierte das Poskauto um 8 Uhr abends gerade den Dahnksrver, als der D-Zug daherbrauste. Der Anhänger wurde erfaßt und vollständig zertrümmert. Unter den Token befinden sich 3 Ehepaare, 2 Fräulein und eine Frau mit 2 Kindern. Die zum Teil schrecklich verstüm­melten Leichen wurden in der Güterhalle der Station aufbewahrt. Die Verletzten wurden nach Anlegen eines Rotverbandes nach den Krankenhäusern von Heidelberg und Bruchsal verbracht. Der D-Zug selbst hat keinen Scha­den erlitten. Der Schrankenwärter Dämmert wurde verhaftet.

Frankfurter Stahthelmtag.

Frankfurt a. M., 10. Mai. Hier wurde gestern und heute ein Frontkämpfertag abge­halten, der von demStahlhelm" und ver­wandten Verbänden und Vereinigungen ver­anstaltet worden war.

Am Sonntag vormittag fand in der fest­lich geschmückten Festhalle bet einer Teil­nehmerzahl von etwa 15 000 eine Gedächt­nisfeier für üle Gefallenen statt. Pfarrer Veidt konnte in seiner Rede mit Recht darauf Hinweisen, daß der Geist unserer Gefallenen unsichtbar über der Versammlung zu schweben schien. Es komme darauf an, so führte er aus, die vaterländische Begeisterung, die die alten Regimenter beseelt habe und uns von Sieg zu Sieg trug, nicht aussterben zu lassen. Es sei nicht genug, daß wir satt wür­den, daß die Wirtschaft in Gang komme, son­dern wir müßten wieder stolz und frei werden und Geltung unter den Völkern bekommen. Der Weg in die Zukunft sei hart, aber er müsse gegangen werden, wenn man den Ge­

fallenen gerecht werden wolle, die mit ihrem Blut das Höchste gegeben hätten, was der Mann für fein Volk einsetzen könne. Die Rede klang aus in das stimmungsvolleIch hatt' einen Kameraden". Einleitend sprach Mathie« Pfeil vom hiesigen Schauspielhaus mit be­kannter Meisterschaft einen Weihespruch und nach der Rede der Schauspieler Fritz Basil sehr wirkungsvoll das Gebet der Deutschen von Karl Hill.

Gegen 2 Uhr war ein Festzug formiert. Unter dem Jubel der Menschenmenge, die die Anlagen und Zugangsstraßen der Bismarck- Allee schon lange zuvor besetzt hatte, setzte er sich mit den norddeurschen Formationen an der Spitze in Bewegung. Gegen halb 4 Uhr er­reichte der Zug das Gebäude der Obcrpost- direktion, wo er an dem Bundechuhrer des Stahlhelms, Franz Seldte, und auswärtigen Gästen, darunter an dem stürmisch begrüßten Graf Luckner, vorbeizog. Die Teilnehmer machten einen glänzenden Cindiuck. Die zahl­reichen Fahnen, Standarten und Abzeichen, die verschiedenen Farben der Kleidung gaben ein abwechslungsreiches, farbiges Bild.

Die Festhalle hatte sich mittlerweile so überfüllt, daß an ein Durchkommen, geschweige denn Platzfinden für Nachzügler nicht mehr zu denken war. Rur während der Sänger­wettstreite hat die Festhalle solche Massen ge­sehen. Nach 5 Uhr fand die feierliche Ueber- gabe und Weihe der Standarte Straßburg an die Frankfurter Ortsgruppe statt, inmitten unzähliger Fahnen und Abordnungen aller deutschen Gaue unter nicht endenwollendem Jubel aus Saal und Galerien.

Bundesführer Seldte gedachte in der Festansprache zunächst in schlichten, tief zu Herzen gehenden Worten der Geschichte und der SchönhM der Landschaft des für uns im Weltkrieg verloren gegangenen Elsaß. Der Redner gab weiter eine Darstellung der oft böswillig mißdeuteten Ziele des Bundes. Die drei einfachen Begriffe der Kameradschaft, des Erlebnisses im Feld und des nationalen Den­kens über den Parteien feien ihr ganzer Inhalt. Man werde auf gegnerischer Seite vergeblich versuchen, die vaterländischen Ver­bände mit den Phrasen eines Klischeestempels abzutun und mit Begriffen Monarchie oder Republik zu operieren. Sie tragen die schwarz- weiß-roten Farben, aber nicht formale Fra­gen der Staatsform bewegen sie. Um Deutsch­lands Zukunft, seiner widergegebenen Lebens­kraft zu dienen, einzutreten für ein deutsches Männerideal, haben sie sich zusammengefun­den. Kameradschaft, Hilfsbereitschaft und Rit­terlichkeit sollen wieder natürliches Gemeingut der deutschen Männer sein, die, innerlich ge­festigt und weit entfernt vom Maulheldentum und äußerlicher Ueberhebung sind. Anschlie­ßend erfolgte Weihe und Uebergabe der Stan­darte an den Fahnenträger mit den schönen Worten des Junkers von Langenau: Seid stolz, ich trage die Fahne, seid unbesorgt, ich trage die Fahne, habt mich lieb, ich trage die Fahne!

Außenpolitische Umschau.

Von Professor Dr. O t t o H o e tz s ch, M. d. R

Die.Rede des Reichskanzlers am 29. April hat nur bestätigt, was alle Welt wußte, daß der Sieg des Reichsblockes in der Präsidenten­wahl die Grundlagen unserer Innen- uni Außenpolitik weder ändern will nod) kann. Der Dawesplan bleibt rechtliche Bindung bet deutschen Außenpolitik, ebenso aber steht fest, daß er nur in den Grenzen unserer Leistungs­fähigkeit ausgeführt werden kann und wird, Deutschland ist ferner bereit, die Sicherheits- dlskuffion fortzusetzen mehr nicht! vor­ausgesetzt, daß die Sache überhaupt bei dem gegenwärtigen Verhältnis zwischen England md Frankreich weiterkommt. Deutschland teht in Reserve. Sein Standpunkt ist klar- Teilnahme an der Diskussion, aber nur, went es gleichberechtigt mitbestimmen kann für eitu Lösung, die den deutschen Lebensinteresser gerecht wird. Dr. Luther legt keineswegs Deutschland in der Sicherheitssrage stärker als bisher oder unzulässig fest. Auch er pro­testiert scharf gegen die Nichtlösung der Räu­mungsfrage, die er als einen Widerspruch in ich selbst neben der Erörterung der Sicher-' jeitsfrage empfindet.

Wie gesagt, so ist für die englische Politik, der es darauf ankommt, Europa in Ruhe und Ordnung zu bekommen, heute Deutschland auch nach dem Siege des Feldmarschalls und durch ihn ein sicherer Faktor als Frankreich. In Lei Londoner -ZeitschriftObserver" wird auch übereinstimmend damit gesagt, daß die Reihe nun an Frankreich sei. Läßt aber Briand den