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General-Anzeiger für die Kreise Kanan Stadl und Land

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. / Fernsprech-Anschluß Nr. 1237 und 1238.

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Nr. 107

Freitag -en 8. Mai

1925

Das Neueste.

Reichskanzler Dr. Luther trifft am Samstag, 9 Mai in Hannover ein, um mit Deneralfeldmarfchall von Hindenburg die Ein- telheiten der Amtsübernahme endgültig zu be- Mrechen.

In Verbindung mit der Jahrtausend­feier des Rheinlandes findet der diesjährige Bauerntag, der von den 28 deutschen Bauern­vereinen ' und den Bauernvereinsorganisatio­nen Deutschlands veranstaltet wird, am 3. und 4. Jun! in Trier statt.

Nach Berichten droht der Ausbruch neuer Feindseligkeiten in China zwischen Mar­schall Tschongsolin, der Ost-China von Mukden bis Schanghai beherrscht, und dem sogenannten christlichen General Fengtschusiang.

Die Bukarester Konferenz der Kleinen Entente.

Am heutigen Freitag kommen in Bukarest die Ministerpräsidenten und Außenminister der

zur Kleinen Entente gehörigen Staaten zu der schon so lange angekündigten, aber infolge der innerpolitischen Vorgänge in Bulgarien ver­schobenen Konferenz zusammen. Will man nun zu den Plänen und Absichten, die mit dieser Bukarester Tagung verbunden werden, einen objektiven Standpunkt gewinnen, so wird man sich vor allem der politischen Momente er­innern müssen, die bindend und trennend

die bindend und trennend

zwischen den drei Machten der Kleinen Entente stehen. Hierbei ergibt sich nun das Eigentümliche, daß die Gegensätze zwischen Rumänien,,Jugoslawien tzvü eigentlich weit stärker sind als das, was sie eint. Denn nichts anderes hat diese drei Mäckte zusammengeführt als das gemeinsame böse Gewissen Ungarn gegenüber, von dem alle drei Gebiete an sich gerissen haben, die ihnen von rechtswegen und nach dem Grundsatz des Selbstbestimmungsrechts nicht zukommen. Doch die von ihnen deshalb befürchtete ungarische Gefahr hat sich im Laufe der Zeit als vor­läufig recht wenig akut erwiesen, sodaß dafür die Gegensätze der anderen politischen In­teressen umso stärker hervortreten mußten.

Hinzuweisen ist da vor allem auf die ganz verschiedenartige Einstellung der drei Entènte- mitalieder in Rußland. Denn muß Rumänien Beßarabiens wegen in Rußland seinen unver­söhnbaren Gegner sehen, so ist die Politik der Tscheche! auf möglichst freundschaftliche Be­ziehungen zu Rußland gerichtet. Die Rede, die der tschechische Nationaldemokrat Dr. Kramarz in Preßburg vor russischen Emigranten in den- felben Tagen hielt, als sich Herr Benesch in Warschau befand, wird man nicht nur in -Polen, sondern auch in Rumänien mit einiger Besorgnis ausgenommen haben. Hieß es doch in ihr:Keine Kleine Entente und kein Garan­tiepakt sind imstande, den Bestand und die Entwicklung der Tschechoslowakei zu sichern. Unsere Garantie, ich möchte sagen, unser Ga­rantiepakt, kann allein Rußland fein." Nickt üie[ anders steht es mit Jugoslawien, bei dem nicht minder wie bei den Tschechen die alten engen und freundschaftlichen Vezieh- ungen zu Rußland auch heute noch als wirksam erwiesen haben Dazu kommt, daß zwischen Rumänien und Jugoslawien auch noch die beiderseitige rücksichtslose Behandlung der nationalen Minderheiten steht, daß die Ru- Staate sich befindlichen lEâschen^ Volkssplittern selbstverständlich ent- die Serben sich in Bezug M Tb»» Hlerdruckunq der Makedorumänen zu schulden kommen lassen.

. sall die Bukarester Konferenz die sich miede^s-lte" -landen der Kleinen Entente wieder fester knüpfen, und Herr Benesch hofft das Zaubermittel dazu mitzubringen und £?ar m dem von Deutschland geplanten für ^° .^^rlifhen Garantie- ^err ^fuesch für Bukarest plant, ist nichts weniger, als dort zu erreichen daß die Kleine Entente sich innerlich nickt nur festigt, sondern daß sie zu dem Kern für den der östlichen Rand- ünd Balkanstaaten werden soll. Die Bukarester Konferenz soll in den Dienst des Kampfes gegen den deutschen Garantiepakt gestellt mer= den, sie soll Schlepperdienste für die franzö- Ue Machtvolitik leisten, sie soll die Möalick- kelten und Wege eröffnen zu dem im franzö- sisckcn und tschechischen Interesse liegenden Ost- pakt. Einen günstigen Zeitpunkt für seine hofft Benesch dadurch für gekommen, oaß sich zu Anfang dieses Jahres zwischen

Deutschland und Rumänien wegen der Repa­rationsleistungen gewisse Schwierigkeiten er­gaben, und da so das deutsch-jugoslawische Ver­hältnis infolge der Unterdrückung der deut­schen Minderheit im jugoslawischen Staate auch starken Störungen unterworfen worden ist. Daß Herr Benesch in der Tat hierbei nicht so falsch gerechnet hat, geht aus der Tatsache hervor, daß gerade aus Bukarest Meldungen verbreitet werden, die Kleine Entente werde auf ihrer bevorstehenden Konferenz eine Ein­ladung an Oesterreich zum Eintritt richten oder zum mindesten über die Vorteile einer Ver­ständigung mit Oesterreich verhandeln. Wenn diese offenbaren Versuchsballons, die einem vornehmlich tschechischen Interesse dienen Herr Benesch hat ja gerade in letzter Zeit fid) als den energischsten Bekämvfer des Anschluß­gedanken bekannt von Bukarest ausgehen, so ist es in der Tat bezeichnend für den Ein­fluß, welchen die Praaer Politik auf die Buka­rester bereits gewonnen hat.

Dennoch ist aller Wc-bricheinlickkeit nach dafür gesorgt, daß die Bukarester Konferenz nicht die Hoffnungen erfüllt, die man von ihr in Prag und Paris erwartet. Einmal fehlen sowohl für Rumänien wie für Jugoslawien wirklich realpolitische Grundlaaen, die für beide Staaten zu einer bewußt antideutschen Politik zwingend sein könnten. Schon ihre wirtschaft­lichen Interessen verlangen, daß sie sich freund­schaftlich zu uns stellen. Noch geringer aber erscheinen die Aussichten, die Kleine Entente zum Mittelpunkt für den geplanten Ostpakt machen zu können. Nicht nur wird die bereits oben erwähnte verschiedenartige Einstellung der drei Kleinen Entente-Mächte zu Rußland

ielben Gründe wird auch die von

be-

triebene engere Heranziehung Polens unmög­lich bleiben. Wenn Polen auch als bisher ein­ziges Ergebnis non Beneschs Warschauer Reise in dieser Hinsicht fortan einen Vertreter bei den Zusammenkünften der Kleinen Entente haben wird, so werde doch die russenfreund­liche tschechische Politik und der Rigaer Frie­den, der der Tscheche! jede geopolitische Ver­bindung mit Rußland nahm, dauernd zwischen den beiden Nationen stehen. Auch eine engere Verbindung der Kleinen Entente mit Griechen­land wird ihre Schwierigkeiten haben, da hier das Mißtrauen zwischen Jugoslawien und Griechenland bleiben wird, wenn auch die gegenwärtigen Verhandlungen ^mischen Bel­grad und Athen zu einer gewissen Entspan­nung führen sollten. Mebr als Herrn Benesch lieb sein wird, werden sich so voraussichtlich die Bukarester Verhandlungen von seinen Ost- paktplänen weg zu einem für Jugoslawien wie Rumänien weit wichtigeren Problem zuwen­den, nämlich dem bulgarischen. Die Solidari­tät der Interessen dieser drei Valkanstaaten ist immer deutlicher hervorgetreten, und sie ist nicht nur in Rumänien, sondern, wie das die letzte bekannte Note des Herrn Pasitsch an die bulgarische Negierung erkennen läßt, auch in Belgrad erkannt worden. Die Aufgaben der Kleinen Entente liegen eben nach dem Balkan hin, und diele Macht der geopolitischen Ver- hältnisse wird sich stärker erweisen als Herr Benesch. Daß wir trotzdem bei den sauberen Plänen des tschechischen Außenministers und im Hinblick auf die aus Bukarest stammenden Meldungen über die Annäherung der Kleinen Entente an Oesterreich den Beratungen der Bukarester Konferenz gegenüber nickt sorglos und gleichgültig fein dürfen, ist selbstverständ­lich. Denn noch muß uns erst der Beweis ge­liefert werden, wie weit Rumänien und Jugo­slawien bereit sind, den tschechisck-sranzösischen Plänen Handlangerdienste zu leisten.

Bukarest, 8. Mai. Die hiesige amtliche Nack> richten-Agentur teilt mit, die rumänische Presse veröffentliche über die Arbeiten der Konferenz der Kleinen Entente häufig ungenaue Nach­richten. Wir können demgegenüber nach allem, was wir aus maßgebender Quelle erfahren haben, sagen, daß es den Anschein hat, als wenn in Bukarest keine Entscheidung von Be­deutung getroffen werden solle. Die Konferenz wird sich auf den Gedankenaustausch über die innere Lage im allgemeinen beschränken. Diese Lage wird hier nicht als sehr zufriedenstellend angesehen. Daraus ergibt sich notwendiger­weise, daß der Gedankenaustausch von höchstem Interesse sein wird. Die bolschewistischen Um­triebe aus dem Balkan, das Ergebnis der letz­ten Präsidentenwahlen in Deutschland, dâs Scheitern des Genfer Protokolls, die Schwierig­keiten, denen der Garantiepakt b-"-'net, die deutsche Abneigung seine Ostarenxen o»^

erkennen, und der von Rußland auf die Welt des Ostens gewonnene Einfluß. Alle diese Dinge schaffen eine allgemeine Lage, die weit davon entfernt ist, den Frieden, das Hauptziel der Kleinen Entente, zu festigen.

Deutschlands Anklage gegen Polen.

Berlin, 7. Mal. Die Reichsregierung hat aus Anlaß des Eisenbahnunglücks bei Stargard an das deutsch-polnische Danziger Schiedsgericht für den Durchgangsverkehr in Danzig einen Antrag gerichtet, in dem nm die Feststellung ersucht wird, daß die polnische Regierung durch mangelhafte Unterhaltung der der polnischen Staatsbahn unterstehenden Durch­gangsstrecke DirschauMarienburg schwere Gefahren für die Durchführung der Eisen­bahntransporte herbeigeführt und da­durch ihre nach dem Abkommen zwilchen Deutschland, Polen und der Freien Stadt Danzig über den Durchgangsverkehr obliegen- den Pflichten verletzt hat. Ferner wird um so­fortige Beweiserhebung duxch Besichtigung der Durchgangsstrecke DirschauMarienburg, insbesondere um sofortige Besichtigung der Unglücksstelle unter Zuziehung von Sachver­ständigen und Zeugen ersucht.

Die Vernachlässigung der Polen obliegen­den Pflichten der ordnungsmäßigen Unter­haltung der Durchgangsstrecke wird damit begründet, daß das S ch w e l l e n m a k e- und die durch das außergewöhnliche Hoch­wasser der Weichsel 1924 weggeschwemmte Sicherung der Pfeilerfundamente der Eisen- babnbrücke bei Dirschau nicht wieder herae- stellt wurden. Mesters Angaben in dieser

Zu der Ursache des Eisenbahnunglücks bei Stargard wird in der Begründung des An­trags der Standpunkt vertreten, daß die An­nahme eines Attentats abzu­lehnen, vielmebr der mangelhafte Zustand der Eisenbahnstrecke hier- für verantwortlich zu machen sei Selbst wenn sich nicht mit Sicherheit feffffeUen lasse, ob das Unglück auf ein Attentat oder eine andere Ur­sache zurückzuführen sei, h sei in jed.m Falle 'ür den Verlauf des Unglück entscheidend daß das Schwellenmaterial an der Unglücksstelle nachweislich vermorscht war.

Die Gefahr, die der Zustand der Durch­gangsstrecke für das Leben und die Sicher­heit deutscher Reichsangehöriger bedeute, stelle die deutsche Regierung vor die Notwendigkeit, durch den von ihr gestellten Antrag sofortige Klarheit über die Durchführung der Ver­pflichtung der polnischen Regierung zu schaf­fen. Am Schluß der Begründung werden weitere Anträge an das Schiedsgericht, die sich aus bem Unglücks ad selbst oder aus ef- waigen Feststellungen des Schiedsgerichts er­geben, ausdrücklich Vorbehalten.

Dor der Abstimmung in Preußen.

Berlin, 8. Mai. Im preußischen Landtag fanden am Donnerstag nachmittag eingehende Besprechungen zwischen der Deutschnationalen Volkspartei, der Deutschen Volkspartei und der Zentrumspartei statt. Im Mittelpunkt dieser Besprechungen stand der vom Zentrum angeregte Gedanke der Bildung einer großen Volksgemeinschaft, der vom Reichskanzler Marx immer vertreten wurde. Zu einer ab­schließenden Stellungnahme ist man nicht ge­kommen. Die Verhandlungen werden fortge­setzt. Die deutschnationale Fraktion hält, wie aus parlamentarischen Kreisen verlautet, nach wie vor die Bildung eines reinen Beamten­kabinetts ohne parlamentarischen Einschlag für die beste Lösung. Für Freitag vormittag haben sämtliche Fraktionen Sitzungen ange- ietzt. Der Aeltestenrot des Landtags tritt um 12 Uhr mittags zusammen. Am Freitag wird der sich aus dem Ministerpräsidenten, sowie den Präsidenten des Landtags und des Staatsrats zusammensetzende Ausschuß, der n^ch Artikel 14 der Verfasivna nb-r hie Auf­lösung des Landtags zu beschließen hat, zu­sammentreten. Der Zeitpunkt des Zusammen­tritts wird von dem Ministerpräsidenten Braun, der am Freitag vormittag aus Mün­chen zurückkehrt, festgesetzt werden.

DieGermania" schreibt: Heute fällt über das Schicksal des preußischen Landtags die Entscheidung. Versagt er dem Kabinett das Vertrauen, so wird die Auflösung automatisch orfolaen. In dieser Frage herrschen bei den Koalitionsparteien keine verschiedenen Auf­fassungen und in dieser Frage steht auch die Zentrumsfraktion a»fchlosfe» und einig da. Das Blatt Bezeichnet dann als Vorbedingung

für weitere Verhandlungen zur Vorbereitung der parlamentarischen Basis zunächst einmal die Notwendigkeit, daß das neue Kabinett fest im Sattel sitze.

Aus dem preußischen Landtag.

Berlin, 7. Mai. Der Hauptausschuß des preußischen Landtags hat einen deutsch­nationalen Antrag angenommen, für das Handwerk und den Einzelhandel zur Linde­rung der Kreditnot 50 Millionen Reichsmark bereitzustellen. Die Verteilung soll an Kredit­genossenschaften und sonstige geeignete Geld­institute erfolgen, wobei der Zinsfuß für di« Kreditnehmer 2 % des Reichsbankdiskonts nicht übersteigen soll. Auch die Konsumgenos­senschaften sollen bedacht werden.

Die Antersuchung der Affäre Koste.

Berlin, 7. Mai. Der Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtages zur Prüfung des Strafverfahrens gegen Höfle vernahm heute als Zeugen den Pfleger Reinfeld vom Ge­fängnislazarett Moabit. Der Zeuge sagte aus, Höfle sei in der Woche nach Ostern seelisch zu­sammengebrochen gewesen, wahrscheinlich in­folge der Enttäuschung seiner Hoffnung, am dritten Feiertag entlassen zu werden. Am 17. April habe Höfle ihn gebeten, ihm einen Brief vorzulesen, da er nicht mehr lesen könne und wohl bald sterben werde. Der Zeuge hat den Arzt am 18. April am Bett Höfles gesehen. Am Nachmittag dieses Tages fei Höfle bewußt­los gewesen. Der benachrichtigte Arzt, Medi­zinalrat Dr. Thiele, habe eine Injektion ange- ordnet, auf die aber Höfle nicht reagiert habe Es fei dann auf ärztliche Anordnung noch eine SttââßmÜMg gen-ach^wurde». Lerâ. sei abends persönlich gekommen und habe dem Zeugen eine Luminal-Tablette gezeigt, die et in der geballten Faust Höfles gefunden habe Bei der darauf angeordneten Untersuchung des Zimmers feien 33 Luminal- und Pantopon- Tabletten entdeckt worden, die zum Teil aus­sahen, als feien sie schon im Munde gewesen Dr. Höfle hat nach Meinung des Zeugen Rein­feld sich eine große Menge Schlafmittel auf­speichern wollen, um seine Haftentlassung zr beschleunigen. Am 17. April wäre nach An­sicht des Zeugen Dr. Höfle noch fähig gewesen durch die Einnahme der Tabletten Selbstmork zu begehen. Gefängnisgeistlicher Dr. Salz­geber sagt aus, in der letzten Woche vor sei­nem Tode habe Dr. Höfle den Wunsch ausge­sprochen, die Beickte abzulegen. Dr. Höfle habe ihm gegenüber niemals Lebensmüdigkeit ge­äußert. Der Zeuge hält es für ausgeschlossen, daß Frau Höfle bei dem Besuch ihres Gatten die 33 Tabletten eingeschmuggelt habe. Der Zeuge glaubt, daß die Mitteilung von der Ab­lehnung des Haftentlassungsantrages den Zu­sammenbruch Dr. Höfles herbeigeführt habe. Daß Dr. Höfle durch die Einnahrne van Nar­kotika beabsichtigt habe, seine Haftunfähigkeit zu erzwingen, hält der Zeuge für ausgeschlos­sen, da er sich sagen mußte, daß dies die Aerzte sofort erkennen würden.

Alsdann wurde der Krankenpfleger Tietze vernommen, der erklärte, Höfle habe auch Ta­bletten in stärkerer Dosis bekommen, als et darum gebeten habe. Er habe die Tabletten immer gleich in den Mund genommen und Master danach getrunken. Daß Höfle die Ta­bletten wieder herausgenommen hätte, hat der Zeuge nicht angenommen, wenn dies auch bei anderen Gefangenen öfters vorkäme. Man könne kaum annehmen, daß die im Bett vor­gefundenen Tabletten durch die Angestellten des Gefängnisses Höfle zugesteckt worden seien. Der Änstaltslehrer Glatzel, der Höfle Lesestoff zur Verfügung stellte, schildert seine Beobachtungen aus den Sprechstunden und er­klärt, es habe sich bei Höfle um einen Zustanc seelischer Erkrankung gehandelt. An Selbst­mord hübe Höfle auf keinen Fall gedacht. Der Pfleger Fahl erklärt, Höfle habe schon seit längerer Zeit einen schwerkranken Eindruck gemacht. Vom 8. April ab hätte der Kranke seinem Zustand entsprechend nach feiner Mei­nung in ein anderes Krankenhaus gebracht werden müssen. Der Zustand Höfles habe sich dann Woche für Woche verschlechtert. Schon während der ganzen letzten Woche habe er des Oefteren festgestellt, daß Höfle besinnungslos gewesen sei.

Medizinalrat Dr. Thiele bekundet als Zeuge, daß er selbst bei der Aufnahme Höfles im Lazarett nicht anwesend gewesen sei. Höfle sei zunächst von Dr. Straßmann behandelt worden. Mit diesem habe er später gesprochen und sei mit ihm hinsichtlich der Diagnose da­rüber einig gewesen, daß, abgesehen von einer